BEETHOVEN: "Fidelio" - Theater Augsburg, 22.12.2009

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    • BEETHOVEN: "Fidelio" - Theater Augsburg, 22.12.2009

      Lange habe ich darauf gewartet, dass ich mir endlich mal Beethovens einzige Oper "Fidelio" auf der Bühne anschauen kann. Irgendwie wurde das Werk nie dort gespielt wo ich gerade war. Umso erfreuter war ich zu erfahren, dass der "Fidelio" zur Zeit in Augsburg gegeben wird, wo ich mich kurze Zeit später auf der Durchreise befinden sollte. Ich nahm mir also Zeit für einen Zwischenstopp für den "Fidelio" am Theater Augsburg.

      Musikalische Leitung: Kevin John Edusei
      Inszenierung: Karl Kneidl
      Bühne: Karl Kneidl
      Kostüme: Okarina Peter
      Dramaturgie: Juliane Votteler
      Chor-Einstudierung: Karl Andreas Mehling

      Marzelline: Sophia Christine Brommer
      Jaquino: Roman Payer
      Rocco: Per Bach Nissen
      Leonore: Sally du Randt
      Don Pizarro: Stephen Owen
      1. Gefangener: Laszlo Papp
      2. Gefangener: Erik Frithjof Grotz
      Florestan: Wolfgang Schwaninger
      Don Fernando: Jan Friedrich Eggers

      Die Inszenierung von Karl Kneidl ist moderat modern in einigen Bühnenelementen (z.B. Ankunft Don Pizarros in einem schwarzen Porsche, Bodyguards oder im Bezug auf das Gefängnis, welches sich eher als ein in seiner Größe nur angedeutetes, steril-graues Monstrum im Hintergrund abzeichnet denn als verwinkeltes alt-ehrwürdiges Gemäuer), bleibt dabei dem im Libretto vorgegebenen Handlungsgerüst aber ziemlich treu. Als positiv in dieser Hinsicht empfinde ich besonders auch die Tatsache, dass die Dialoge nicht gestrichen wurden. Die häusliche Szene mit Marzelline, Jacquino, Rocco und Leonore würde ich zeitlich in den 50er oder 60er-Jahren angesiedeln. Marzelline hantiert mit einem elektrischen Bügeleisen, das aber nicht mehr ganz taufrisch daherkommt. Auch die Kostüme (vor allem Marzellines Kleid) passen meiner Meinung nach in diese Zeit. Die Bühne ist recht dezent, aber nicht abstrakt ausgestattet. Ein recht eindeutig modernisiertes Element tritt erst mit Pizarros Ankunft im Porsche auf. In dieser Szene gibt es auch eine simple aber durchaus wirksame und stimmungsvolle Videoprojektion von Gewitter und Regen, die sich auf dem kargen Gefängnishof recht gut macht. Auch die Kerkerszene ist dann relativ schlicht, aber durchaus stimmungsvoll in Szene gesetzt. Insgesamt eine recht gefällige Inszenierung, die wohl niemanden vergrätzt, aber auch nicht wirklich vom Hocker reißt.

      Sängerisch gefielen mir vor allem der Rocco von Per Bach Nissen (ein warmer, wohltönender Bass, erinnerte mich ein wenig an Karl Ridderbusch, auch wunderbar gespielt) und Sophia Christine Brommers Marzelline. Brommers schöner, jugendlicher, aber recht kräftiger Sopran war allerdings dahingehend nicht ganz unproblematisch, dass Sally du Randt als Leonore für meinen Geschmack etwas zu wenig stimmlichen Mumm hatte (die Spitzentöne kamen durchaus gut, ansonsten manchmal aber ein bisschen kraftlos und wenig raumfüllend) und Brommer in den Ensembles (besonders im Schlussensemble) oft viel präsenter war als die eigentliche Hauptfigur des Stücks. Auch in lauteren Orchesterpassagen hatte Randt ein wenig zu kämpfen. Roman Payers Jaquino war ordentlich, Stephen Owens Pizarro etwas angestrengt und leicht unstet, sein Timbre gefiel mir im Übrigen nicht sonderlich. Der Florestan von Wolfgang Schwaninger war in Ordnung.

      Eine große Überraschung und der wahrhaftige Glanzpunkt des Abends war das Philharmonische Orchester Augsburg unter der Leitung von Kevin John Edusei. Es wurde ein spritziger, transparenter, jederzeit packender "Fidelio" geboten, hervorragend musiziert und dirigiert! :juhu: Edusei ist seit der Spielzeit 2007/08 Erster Kapellmeister und war zuvor in Bielefeld tätig. 2008 gewann er den 1. Preis beim International Mitropoulos Competition for Conducting in Athen. Nachdem ich mich in Augsburg selbst von seinen Qualitäten überzeugen konnte, werde ich diesen Dirigenten nun gespannt weiter verfolgen, der "Fidelio" in Augsburg hat Lust auf mehr gemacht, zumal das Orchester wie erwähnt ebenfalls ganz vorzüglich war. Ich freue mich schon auf ein baldiges Wiedersehen bei "Zar und Zimmermann" und "Der ferne Klang"! :sev:

      DiO :beatnik: