Kleine Aussprachehilfe benötigt!

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    • ThomasBernhard schrieb:

      Wozu dann den armen Wladímir zum Wládimir machen? Ist doch kein Zungenbrecher, ihn korrekt auszusprechen?

      Steht Pletnjow denn richtig in der Aussprachedatenbank oder anglisiert, so dass er seinen eigenen Namen kaum wiedererkennt?
      Ich denke, bei politischen Namen ist das ganze nochmal strenger, da werden sich die Nachrichtenredaktionen auf eine Aussprache geeinigt haben und dann wird das so durchgezogen. Kann gut sein, dass da mal ne Durchsage kommt, dass es geändert wird.

      Ich habe bei Personen des Kulturlebens Vladimir (bspw. Horowitz) aber auch schon oft auf der zweiten Silbe betont gesehen, das ist echt ne Einzelfallentscheidung (ganz schlimm: die Dohnanyis - jeder anders). Michail Pletnjow steht richtig in der ARD-Bank, sogar mit Hinweis "ch wie ach". Aber schon beim hinteren "i" in Michail wirds ja für die deutsche Zunge wieder happig, also da kommt man der Wahrheit nur näherungsweise auf die Schliche. Da finde ich manches einzudeutschen einen vernünftigen Kompromiss. Wäre ja auch für Steffani ne Überlegung.. ^^
    • Symbol schrieb:

      ThomasBernhard schrieb:

      Sagt doch, anders als in Sechzigern, niemand mehr "L e o n h a r d Bernstein" sondern "Lennard" (die Aussprache des deutsch-ukranisch-amerikanischen Nachnamens ist bei Bernstein aber ein wirkliches Riesenproblem).
      Justus Frantz hat noch in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre von "Leon(h)ard Bernstein" (Nachname wie der entsprechende Edelstein auf deutsch) gesprochen.

      LG :wink:
      Und das war sicher nicht despektierlich oder böse Absicht, kannte Justus Frantz L. Bernstein doch persönlich und hat gerade in dieser Zeit auch Aufnahmen mit ihm gemacht! (Wie er ihn dann wohl angesprochen hat? :D )

      El Duderino schrieb:

      Da finde ich manches einzudeutschen einen vernünftigen Kompromiss. Wäre ja auch für Steffani ne Überlegung..
      Ich eigentlich auch. Bei Steffani hat es das im 19. Jahrhundert natürlich auch gegeben, in einer alten Monographie über die Paderborner Weihbischöfe steht er als Augustinus Stephanie drin, wenn ich mich richtig erinnere. :D
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Cherubino schrieb:

      Symbol schrieb:

      ThomasBernhard schrieb:

      Sagt doch, anders als in Sechzigern, niemand mehr "L e o n h a r d Bernstein" sondern "Lennard" (die Aussprache des deutsch-ukranisch-amerikanischen Nachnamens ist bei Bernstein aber ein wirkliches Riesenproblem).
      Justus Frantz hat noch in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre von "Leon(h)ard Bernstein" (Nachname wie der entsprechende Edelstein auf deutsch) gesprochen.

      LG :wink:
      Und das war sicher nicht despektierlich oder böse Absicht, kannte Justus Frantz L. Bernstein doch persönlich und hat gerade in dieser Zeit auch Aufnahmen mit ihm gemacht! (Wie er ihn dann wohl angesprochen hat? :D )

      Das war sicherlich keine böse Absicht von Justus Frantz, und ich vermute sehr stark, dass er Bernstein amerikanischen Gepflogenheiten folgend mit "Lenny" angesprochen haben dürfte.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Felix Meritis schrieb:

      Ganz ehrlich: es gibt keinen der ausländische Namen so korrekt auszusprechen versucht wie die deutschen Nachrichtensprecher und Sportreporter.
      Was ihrerseits die Russen und Amerikaner von sich geben, spottet doch jeder Beschreibung.
      Vielleicht bin ich da mentalitätsmäßig zu deutsch (obwohl Österreicher), aber ich finde, dass es schon zum guten Ton gehört, sich bei der Aussprache ausländischer Namen zumindest zu bemühen. Ich halte das für eine Sache der Höflichkeit und es wird auch tatsächlich von den Russen, Amerikanern und Franzosen als höflich empfunden, wenn sie selbst die Betroffenen sind. (Faustregel: Je falscher jemand "Beethoven" ausspricht, umso größer seine Empörung, wenn ein deutscher Muttersprachler "Saint-Saëns" oder "Borodin" falsch ausspricht. ;) )

      Bei Steffani hätte ich gefühlsmäßig trotz Stéfano auch auf der vorletzten Silbe betont, wie es anscheinend auch richtig ist. Ebenso den als Mozart-Librettisten bekannten Johann Gottlieb Stephanie (trotz Stéfanie). Vielleicht, weil ich das vom Stefánitag und vom Stephániebraten so im Ohr habe.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Das Hauptproblem bei Pletnev ist die "internationale" Schreibweise. Wenn der in der üblicheren deutschen Schreibweise russischer Namen Pletnjow o.ä. geschrieben würde, müsste man da auch nicht immer nachdenken.

      Bernstein spreche ist, warum auch immer, "gemischt" aus, Börn-s-tain. Börnstihn hört sich für mich falsch an und Bernstein wie das Harz auch nicht richtig.

      Bzgl. der Dohnanyi-Sippe habe ich mal gelesen, dass der Politiker absichtlich die (falsche, "deutsche") Aussprache verwendet habe, um sich von Großvater und Bruder zu unterscheiden.

      Was ich mich neulich mal in einem anderen Kontext fragte: Wann ist es eigentlich Mode geworden, einige Städtenamen nicht mehr "deutsch" auszusprechen? Hauptsächlich Beidsching statt Peking. Ich habe noch keinen Nachrichtensprecher Roma, Paríih, Bukuréscht oder Maskvá sagen hören. Aber seit 15 Jahren oder so heißt es Beidsching und dann auch Mumbai und es gibt noch ein paar solche Änderungen.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      Was ich mich neulich mal in einem anderen Kontext fragte: Wann ist es eigentlich Mode geworden, einige Städtenamen nicht mehr "deutsch" auszusprechen? Hauptsächlich Beidsching statt Peking. Ich habe noch keinen Nachrichtensprecher Roma, Paríih, Bukuréscht oder Maskvá sagen hören. Aber seit 15 Jahren oder so heißt es Beidsching und dann auch Mumbai und es gibt noch ein paar solche Änderungen.
      Da gibts lustigerweise auch Uneinigkeit beim wissenschaftlichen Zitieren: sowohl die Variante (der ich mich anschließe), Städtenamen grundsätzlich in der Schreibweise des Impressums anzugeben (Roma 1967; Firenze 1992; Lisboa 2003; Celovec 2016), als auch die Variante, Städtenamen grundsätzlich einzudeutschen oder zu anglisieren (Naples 1975; Kopenhagen 1984; Venice 1991; Mülhausen 2008).

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Normalerweise gab es bei ausländischen (meist geographischen) Namen typischerweise drei Stufen:
      - Eindeutschung bzw. deutscher Alternativname, z.B. Mailand, Venedig, Florenz
      - deutsche Ausprache bei beibehaltener oder sehr ähnlicher Schreibweise, z.B. Paris, London, Johannesburg
      - Landessprache (naheliegenderweise oft mit näherungsweiser Aussprache ;)), z.B. die meisten französischen Städte außer Paris und Straßburg.

      Bei exotischeren Namen gibt es oft auch noch mehr oder weniger seltsame Hybride (Mexico City!?*) oder übernommene Anglisierungen. Bei Beidsching ist vermutlich eine Anglisierung an die Stelle der Eindeutschung getreten ist, obwohl es anscheinend auch näher an der Chinesischen Aussprache liegt.

      *heißt seit diesem Jahr! tatsächlich in Landessprache Ciudad de México. Ich habe mich seit 20 Jahren, als ich lernte, dass es in Mexiko "México, D.F." ("de efe" = Distrito Federal, da es wie Washingon D.C. zu keinem der mexikan. Bundesstaaten gehört) heißt, an den im Deutschen üblichen Formen, wobei Mexico City eher noch häufiger zu hören/lesen war als Mexiko-Stadt, gestoßen.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      *heißt seit diesem Jahr! tatsächlich in Landessprache Ciudad de México. Ich habe mich seit 20 Jahren, als ich lernte, dass es in Mexiko "México, D.F." ("de efe" = Distrito Federal, da es wie Washingon D.C. zu keinem der mexikan. Bundesstaaten gehört) heißt, an den im Deutschen üblichen Formen, wobei Mexico City eher noch häufiger zu hören/lesen war als Mexiko-Stadt, gestoßen.
      Wenn ich mich recht erinnere, gab es (vor 2016) auch einen Unterschied zwischen "Ciudad de Mexico" und "Mexico D.F.", letzteres der Staat oder Distrikt, der die Stadt als (echte) Teilmenge enthält. Und, wenn ich das recht verstehe, wird dies nun mehr oder weniger gleichgesetzt.

      Zum Italienischen: 1. gibt es ja zahlreiche Ausnahmen von der Regel "Betonung auf vorletzter Silbe". 2. wird es regionale Unterschiede geben, besonders bei Eigennamen, die zudem auch schon eine lange Historie hinter sich haben. Ob da jetzt "f" oder "ff" einen Unterschied macht, weiss ich nicht. Ansonsten kenne ich einen Weinberg namens "Santo Stefano di Perno", da wird "Stefano" wie der Vorname (klar!) auf der ersten Silbe betont (also auch nicht auf der vorletzten). Der männliche Vorname "Nicola" wiederum auf der vorletzten Silbe (im Gegensatz zur weiblichen Form). Bei Familiennamen mag es aber wiederum anders sein als bei Vornamen.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • maticus schrieb:

      gibt es ja zahlreiche Ausnahmen von der Regel "Betonung auf vorletzter Silbe".
      hauptsächlich, weil es diese Regel einfach nicht gibt.
      Man macht den Unterschied zwischen den
      parole tronche, mit der Betonung auf der letzten Silbe: città, virtú, cosí....
      parole piane, mit der Betonung auf der vorletzten: càsa, Bológna, partíre ...
      parole sdrucciole, mit der Betonung auf der vorvorletzten: Mòdena, tàvolo, lèggere ...

      (es gibt auch parole bisdrucciole, aber das sind hauptsächlich zusammengesetzte Verbformen).

      Nur bei den parole tronche muß der Akzent geschrieben werden - es sei denn, sie sind einsilbig - , bei den anderen schreibt man ihn normalerweise nicht.
      Außer, man will auf die Aussprache aufmerksam machen (z.B. klar machen , daß das o in Mòdena offen ist, während es in Ancóna geschlossen ist, oder daß in das e offen ist), oder um eine Verwechslung zu vermeiden: i príncipi, die Fürsten, i princípi, die Prinzipien, oder das Wort ist nicht so geläufig und man will sicherstellen, daß es richtig ausgeprochen wird: Steffàni.

      Regionale Unterschiede gibt es, aber die Norm ist die toskanische Form.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Die Regel ist im Italienischen eigentlich (man möge mich korrigieren), dass die Betonung auf der Silbe bleibt, auf der sie auch schon im Lateinischen war, egal, wie das Wort sich sonst noch (auch von der Silbenzahl her) verändert hat.* città (aus civitátem) ist ein gutes Beispiel, das wurde im Laufe der Sprachentwicklung stark gekürzt, aber die Betonung bleibt am a. Unverrückbar.

      Das mag nun auch die Betonung von Steffàni erklären, wenn wir annehmen, dass es sich dabei eigentlich um einen lateinischen Genitiv zu einem Gentilnamen handelt (Augustinus aus der Familie der Stephánii, wie bei Lovato Lovati, der bisweilen sogar mit italienischem Genitiv als Lovato de' Lovati bezeichnet wird). Dieselbe Genese steckt ja hinter vielen italienischen Familiennamen auf -i.

      Liebe Grüße,
      Areios

      * Es gibt ein paar (für mich) unerklärliche Ausnahmen, z.B. Bríndisi < lat. Brundísium < gr. Brentésion, die aber nur wenige sind und die Regel daher nicht außer Kraft setzen.
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • "Brindisi" ist die 3 te Person des Konjunktivs des Verbs brindare : hochleben lassen, auf jdn/etwas anstoßen in der Reflexiv/Passiv Form:
      z.B für "zu verkaufen" sagt man auf Italienisch: es wird verkauft - si vende oder eben vendesi. "zu vermieten": affitasi.
      brindasi, im Konjunktiv brindisi : er/sie lebe hoch!
      Die Betonung des Infinitivs wird erhalten, deshalb bríndisi.

      Tatsächlich ist es ein Homonym zum Städtenamen Bríndisi und kann dessen Betonung beeinflußt haben. Allerdings ist der alte französische Name dieser Stadt Brindes (wird nicht Brin-des ausgesprochen, die zweite Silbe ist stumm und die erste nasal) und wenn ein Wort auf dem Weg zum französischen gekürzt wurde, blieb die betonte Silbe erhalten, was darauf hinweisen sollte, daß die Betonung auf der ersten Silbe alt, womöglich älter als der Trinkspruch, ist.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Bríndisi - messapisch Brention... wie würdest Du das betonen? Bréntion oder Brentíon?
      Brundisium/Brentesion ist nur latinisiert/gräcisiert. Weiß jemand, wie das die Einheimischen in ihrem Lokaldialekt seinerzeit hingenuschelt haben? Wenn die Hypothese stimmt, daß die Betonung anyhow dort bleibt, wo sie mal war, egal wie sich das Wort verändert hat, dann sollte sie auch in der Antike schon dort geblieben sein, wo sie vorher war. Bréntion - Bréntesion (ein Epitrit, oder, wenn -sion zu einer Silbe zusammengebunden wird, was es ja so ähnlich auch heute noch im Italiänischen gibt, ein Daktylus) - Brìndisi? Bréntion empfinde ich als ungezwungener, als Brentíon, aber ok: Spekulation. Messapisch ist ausgestorben.

      Damit zum Steffani: Wenn sich das aus dem Vornamen Stephan[...] ableitet, dann ist die Wurzel griechisch Στέφανος. Unterstellen wir, daß bei Namen auch die Betonung dort bleibt, wo sie wie bei Ortsnamen war, dann wäre die Betonung auf der ersten Silbe. Steffani ist übrigens keine häufige Form, die Pagine Bianche finden 35 Steffanis in Italien (fast alle im Norden), aber 2418 Stefanis (über das ganze Land verteilt, aber auch überwiegend im Norden). Die lokalen Ausspracheunterschiede sind da nicht sooo groß, wenn alle zwischen Lombardei und Venezien wohnen. Zu Stefani (mit einem f) geben die Pagine Bianche folgende ethymologische Erklärung:
      L'origine del cognome Stefani, al pari di quella dei cognomi italiani Stefano, Stefanel, Stefanelli, Stefanello, Stefanini, Stefanon, Stefanoni, Stefanutti, è certamente riconducibile al nome proprio Stefano, la cui etimologia riporta al greco stéphanos, con significato immediato di "corona" e significato mediato di valore e gloria, successivamente ricondotto alla simbologia religiosa attraverso l'immagine circolare rappresentante la perfezione divina.
      "http://www.paginebianche.it/cognome?qs=stefani"
      doppel-f hat keinen Eintrag. Geneanet (ein Genealogieportal mit angeschlossener Datenbank) kennt für Steffani folgende Varianten in der Schreibweise: STEPHANI | STEFANI | STEFFANI | STEFFANNI | STEFANNI | TEFFANI | STEFANY | TEPHANNY. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß die Schreibweisen früher auch bei der identischen Person von Kirchenbucheintrag zu Kirchenbucheitrag oder Notarvertrag durchaus unterschiedlich sein konnten (genaugenommen war das die Regel, zumindest in Südfrankreich) Das wurde rein phonetisch geschrieben, wie es der Schreiber verstanden hat. Die Frage ist also: Wie würden wir die Varianten aussprechen? Betonung auf e oder a? Gäbe es einen Unterschied zwischen Stephano und Stephani/Stefani und Steffani? Bei Stef(f)anni wär's eindeutig...
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • In diesen beiden Artikeln der Zeitschrift Succedeoggi über das Festival di valle d'Itria wird der Name unseres Komponisten ausdrücklich Steffàni geschrieben (je ziemlich weit unten):
      succedeoggi.it/2014/08/ritorno-casella/
      succedeoggi.it/2016/08/il-mago-di-paisiello/
      Hier (s. den Eintrag für den 3. Mai) ist die Rede vom Conservatorio A. Steffàni in Castelfranco Veneto
      evensi.it/calendario-civico-1-…-larte-2-mostra/176301552
      Die Tatsache, daß der Akzent ausgeschrieben wird, deutet darauf, daß es nicht unbedingt selbstverständlich ist.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Die Betonung bleibt vielleicht vom Lateinischen zum Italienischen (jedenfalls hat die Erklärung oben einige meiner Verwunderungen aufgelöstt; ich war nämlich oft verwirrt, weil ich von der Nominativbetonung der lat. Wörter ausgegangen war, die dann città usw. rätselhaft erscheinen lässt).

      Aber oft nicht bei verwandten oder Lehnwörten aus dem Griechischen, z.B. mácchina/máchina von mecháne (oder endbetont, jedenfalls unmöglich auf der drittletzten, da die letzte lang).
      Für Ortsnamen (die angeblich konservativsten Elemente in Sprachen) mag aber wieder anderes gelten.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • bustopher schrieb:

      Bríndisi - messapisch Brention... wie würdest Du das betonen? Bréntion oder Brentíon?
      Brundisium/Brentesion ist nur latinisiert/gräcisiert. Weiß jemand, wie das die Einheimischen in ihrem Lokaldialekt seinerzeit hingenuschelt haben? Wenn die Hypothese stimmt, daß die Betonung anyhow dort bleibt, wo sie mal war, egal wie sich das Wort verändert hat, dann sollte sie auch in der Antike schon dort geblieben sein, wo sie vorher war. Bréntion - Bréntesion (ein Epitrit, oder, wenn -sion zu einer Silbe zusammengebunden wird, was es ja so ähnlich auch heute noch im Italiänischen gibt, ein Daktylus) - Brìndisi? Bréntion empfinde ich als ungezwungener, als Brentíon, aber ok: Spekulation. Messapisch ist ausgestorben.
      Bei der messapischen Betonung scheint mir tatsächlich Bréntion plausibler - nur: wo kommt dann im Italienischen die Endung -isi her? Die Betonung bleibt aber nicht anyhow dort, wo sie mal war, sondern meine These ist, dass sie bei der Entwicklung Latein > Italienisch dort bleibt, wo sie war. Sie kann im Griechischen und im Lateinischen nicht auf der viertletzten Silbe bleiben, weil die Betonungsregeln dieser Sprachen Betonungen auf der viertletzten Silbe nicht zulassen. Aber gut, die Einheimischen dort können das natürlich irgendwie hingenuschelt haben und sich so ein Reflex der messapischen Betonung bis ins Italienische gerettet haben.

      Bei Steffàni kommts drauf an, ob man das als Vornamen "Augustin von den Stefans" oder als Gentiliz ("Augustin von den Stefaniern") betrachtet. Wenn Variante 2, dann rutscht die Betonung nach den lateinischen (und folglich protoitalienischen) Betonungsregeln natürlich aufs a. Im Lateinischen gibt es eine Fülle von von (Vor-)Namen abgeleiteten Gentilizien, bei denen der Stamm mit dem Suffix -i(-) erweitert ist, z.B. die Familie der Iulii zu Iulus (dem Sohn des Aeneas), die Familie der Tullii zu Tullus (einem der sieben Urkönige), die Familie der Marcii zu Marcus (keine Ahnung, welchem), die Familie der Postúmii zu Póstumus ("nach dem Tod des Vaters geboren"), die Familie der Quin(c)tii zu Quin(c)tus, der Octavii zu Octavus, der Porcii zu Porcus (die Sau), etc. Ich hör schon auf mit den Beispielen. Aber inschriftlich haben wir auch Belege, dass zumindest noch in der mittleren Kaiserzeit Gentilnamen auf diese Weise neu entstehen konnten, z.B. aus keltischen Vornamen.

      Alternativ könnte hier auch noch eine Betonungsverschiebung durch Analogie postuliert werden: es gibt ja viele italienische Familiennamen auf -ani/-eni/-ini/-oni/-uni, und die meisten davon werden auf der vorletzten Silbe betont.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Kater Murr schrieb:

      Die Betonung bleibt vielleicht vom Lateinischen zum Italienischen (jedenfalls hat die Erklärung oben einige meiner Verwunderungen aufgelöstt; ich war nämlich oft verwirrt, weil ich von der Nominativbetonung der lat. Wörter ausgegangen war, die dann città usw. rätselhaft erscheinen lässt).

      Aber oft nicht bei verwandten oder Lehnwörten aus dem Griechischen, z.B. mácchina/máchina von mecháne (oder endbetont, jedenfalls unmöglich auf der drittletzten, da die letzte lang).
      Für Ortsnamen (die angeblich konservativsten Elemente in Sprachen) mag aber wieder anderes gelten.
      Griechisch und Lateinisch haben je eigene Betonungsregeln, die konsequent angewendet werden. Im Griechischen können bei kurzer letzter Silbe die letzte, vorletzte oder drittletzte Silbe betont sein, bei langer letzter Silbe nur die letzte oder vorletzte (Ausnahme in Fällen von Quantitätsmetathese), wo die Betonung dann tatsächlich liegt, muss man allerdings mitlernen. Lateinisch ist einfacher: da hängt die Betonung nur an der Quantität der vorletzten Silbe: ist sie lang, wird sie grundsätzlich betont, ist sie kurz, wird grundsätzlich die drittletzte Silbe betont (es gibt eine Handvoll Ausnahmen, in denen die letzte Silbe betont wird, weil sie ursprünglich die vorletzte war, so wie in illíc < *illíce). Bei der Entwicklung vom Lateinischen zum Italienischen bleibt die Betonung deshalb normalerweise, weil die Entwicklung ja eine graduelle ist, die betonten Silben in jedem Wort die "stärksten" (und daher am meisten vor Veränderung geschützten) sind und es an keinem Punkt der Sprachentwicklung eine Notwendigkeit gibt, ein Wort anders zu betonen, als man es schon immer getan hat. Nur bei den Nomina muss man natürlich von der Akkusativbetonung ausgehen, da die romanischen Formen alle aus dem Akkusativ entstanden sind (ähnlich übrigens interessanterweise auch die Entwicklung im Neugriechischen).

      Deswegen wird z.B. die Philosophie bei sonst identem Lautbestand griechisch philosophía betont (weil die letzte Silbe lang ist), im lateinischen aber philosóphia (weil die vorletzte Silbe kurz ist). Oder eben die mechané lateinisch máchina. Oder griechisch Euripídes, Sophoklés, Antigóne, Sokrátes, Aristotéles und Aléxandros lateinisch Eurípides, Sóphokles, Antígone, Sókrates, Aristóteles und Alexánder. Besonders schön bei den drei milesischen Naturphilosophen, die sich alle genau andersrum betonten, als es jetzt unter dem Einfluss der lateinischen Betonung weltweit üblich ist.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.