Edita Gruberová - Eine der großen Primadonnen

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    • Also ich habe vor bestimmt 30 Jahren eine LP mit Koloraturarien gekauft, mit Ihr als Sängerin (orfeo S 072 831). Das Coverbild war grottig aber ihr Gesang hat mir damals die Ohren für diese Musikrichtung geöffnet. Die Aufnahmen sollen vom Mai 1983 sein, das war sie ja noch etwas jünger :)
    • Das Thema des zu lange Singes hatten wir schon einmal, aber es sei kurz wiederholt: Ich finde es sehr sympathisch, wenn Sänger über den richtigen Zeitpunkt hinaus aus Liebe zur Oper oder zur Bühne etc. noch auftreten. Das Publikum solle es nur wissen, um das Richtige zu erwarten. Ohne falsche Erwartungen kann das ein sehr schöner, nostalgischer Abend werden. Es gibt eine Aufnahme mit Leontyne Price, in der sie im hohen Alter live die ganzen alten Erfolge singt. Musikalisch teils grottig, aber was für ein schöner Abend muss das gewesen sein, wenn man den Publikumsgeräuschen glaubt.
    • Knulp schrieb:

      Das Thema des zu lange Singes hatten wir schon einmal, aber es sei kurz wiederholt: Ich finde es sehr sympathisch, wenn Sänger über den richtigen Zeitpunkt hinaus aus Liebe zur Oper oder zur Bühne etc. noch auftreten. Das Publikum solle es nur wissen, um das Richtige zu erwarten. Ohne falsche Erwartungen kann das ein sehr schöner, nostalgischer Abend werden. Es gibt eine Aufnahme mit Leontyne Price, in der sie im hohen Alter live die ganzen alten Erfolge singt. Musikalisch teils grottig, aber was für ein schöner Abend muss das gewesen sein, wenn man den Publikumsgeräuschen glaubt.
      Hallo Knulp, ich bin großteils Deiner Meinung! Aber da ich auch zu frühren Zeiten Gruberovás gar kein Fan von ihr war, habe ich in den letzten Jahren ihre Vorstellungen nicht besucht (aber selbst wenn ich ein Fan gewesen wäre, wäre ich womöglich nicht hingegangen, um sie von früher positiv in Erinnerung zu behalte).
      Ich finde generell, dass Sänger ihre Rollenauswahl ihren Möglichkeiten anpassen sollten, und Gruberová hat vielleicht denselben Fehler wie Neil Shicoff gemacht, nämlich dass sie viel zu lang bei ihrem angestammten Repertoire geblieben ist (okay, die Zerbinetta hat sie 2009 offiziell zurückgelegt). Aber ich kenne ihre Stimme nicht so gut, vielleicht hätte sie mit ihrer Technik einfach nichts anderes geschafft?
    • Sadko schrieb:

      Ich oute mich hiermit als überhaupt kein Fan von ihr. Ich habe sie 2010–2012 in Wien in den Hauptpartien von I Puritani, Lucrezia Borgia, La traviata und Roberto Devereux erlebt und mir dann vorgenommen, sie nie wieder live zu hören, was ich auch durchgezogen habe. Freilich ist es eine gewisse Leistung, im hohen Alter noch dieses Repertoire überhaupt irgendwie singen zu können, aber wie sie es getan hat, hat mir keine Freude entlockt. Ja, technisch perfekt, aber - was mich nicht besonders stört - quasi mechanisch und seelenlos und - was mich sehr stört - nicht immer auf der Tonhöhe, auf der sie sein sollte.
      Verschiedene Male habe ich sie auch noch live erlebt, begonnen in den 80iger Jahren mit Zerbinetta und Elvira. Später dann Norma, Anna Bolena, Roberto Devereux, Lucia. Dazu Liederabende und einen Arien-Abend.

      Und ich muss sagen, dass sie wirklich toll war. Gerade die Sachen aus den 80igern waren exorbitant und ihre Zerbinetta nun wahrlich zum Niederknien.
      Sie brachte ein Haus zum Toben und das war durchaus verdient. Nicht nur wegen des überwältigenden Gesangs sondern auch wegen dieser Entwicklung, die sie genommen hat und des intelligenten Aufbaus ihrer Karriere.

      Aber und da muss ich Sadko recht geben, berührt hat sie mich in den späten Jahren nicht. Das hatte etwas Mechanisches, Kalkuliertes. Seelenlos ist mir allerdings fast ein wenig zu stark. Aber ich kann den Eindruck nachvollziehen, wäre allerdings nicht so weit gegangen, deswegen keine weiteren Aufführungen zu besuchen.

      Was mir bei ihren letzten (konzertanten) Aufführungen aber am meisten auffiel, war, dass sie immer versuchte, ein Diva zu sein. Und das war sie nicht. Sie versuchte, sich so zu präsentieren, aber es fehlte ihr einfach (mein Empfinden) an der entsprechenden Persönlichkeit. Und gerade diese Opern sind Diven-Vehikel (v.a. konzertant). Das heißt nicht, dass das Diven-Gehabe im Vordergrund stehen muss, ganz im Gegenteil. Die Rolle und ihre Verkörperung bleiben weiterhin entscheidend. Aber man muss, v.a. wenn man den Anspruch durch das Auftreten erhebt, dieses Charisma dann auch haben, dieses scheinbar völlig natürlich im Mittelpunkt stehen, dieses Bezwingende, Selbstverständliche, die große Geste, das Pathos zumindest in der Erscheinung. Und das fehlte ihr leider. Von daher war ihre Darbietung für mich nie deckungsgleich, so toll sie auch gesungen war.

      Trotzdem 'Hut ab' vor dieser wahrlich langen, konstanten und bezwingenden Karriere. Sie wird der Oper schon fehlen.

      :wink: Wolfram
    • Sadko schrieb:

      und Gruberová hat vielleicht denselben Fehler wie Neil Shicoff gemacht, nämlich dass sie viel zu lang bei ihrem angestammten Repertoire geblieben ist
      Ich habe das irgendwie anders erlebt. Sie hat sich doch kontinuierlich ein neues Repertoire erschlossen, eben den Belcanto (klar, einiges hat sie schon vorher gesungen) und nun ja wohl auch noch das französische Repertoire. Und ich wüsste nicht, dass sie in den letzten Jahren noch Mozart gesungen hätte. ;)

      :wink: Wolfram
    • Ich habe u.a. de los Angeles, Gedda, Caballé, di Stefano und Carreras am Ende ihrer Karrieren erlebt. Das war teilweise sehr quälend, objektiv gut war es nie. (Ludwig war da ein anderer Fall.) Aber das ist eine persönliche Ansicht.

      Ich denke immer, so lange Menschen diese Sänger und Sängerinnen sehen wollen und bereit sind, Geld dafür auf den Tisch zu legen, wohl wissend, dass man in einem bestimmten Alter einfach nicht mehr so singen kann wie mit 30, trotzdem begeistert sind, auch dankbar - warum nicht? Niemand ist gezwungen, dahin zu gehen. Und manchmal ergeben sich trotzdem Sternstunden, wie bei dem ollen Sinatra.

      Gruberova war, jedenfalls in der Zeit, als ich sie gehört habe (so um 2010 herum) immer noch für das Alter exorbitant gut und gehört für mich nicht in diese Kategorie von obigen Sängern. Ich weiß nicht, warum genau sie ihre Karriere nun beendet. Aber ich denke nicht, dass sie 'ausgesungen' ist. Von daher hat man auch in den letzten Jahren mit Sicherheit immer noch richtige Gruberova erhalten wo Gruberova draufstand. Und von daher hatte sie für mein Empfinden jedes Recht so lange zu singen, wie es ihr und ihrem Qualitätsanspruch irgendwie möglich war.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Sie hat sich doch kontinuierlich ein neues Repertoire erschlossen, eben den Belcanto (klar, einiges hat sie schon vorher gesungen) und nun ja wohl auch noch das französische Repertoire.
      Nicht richtig. Sie hat sich zunehmend auf Bellini und Donizetti beschränkt. Sie hat früher Massenets Manon gesungen, aber die hat sie irgendwann aufgegeben, wie ihre Verdi-Rollen (Violetta, Gilda, Oscar). Vom französischen Répertoire gibt's Donizettis Fille du Régiment aber keine Gounods Marguerite, Mireille oder Juliette, keine Leïla oder Micaela, von Rossini keine Comtesse de Formoutiers, keine Mathilde. Sogar Massenets Esclarmonde hat sie nicht gesungen, im Unterschied zu Sutherland (aber Sutherland konnte auch Turandot singen, wo Gruberova nicht einmal Liu versucht hat)

      Ihre Stimme war nicht extrem farbenreich und ihre Tessitura ging nicht sehr tief (Teile der Anna Bolena mußte sie nach oben transponieren), deshalb konnte sie sich nicht dorthin entwickeln, wo Agilität nicht das einzige Kriterium ist. Im tschechichen Répertoire hat sie nur den Jano in Jenufa gesungen. Rusalka war zu tief für sie und verlangt Farben, die sie nicht hatte.

      Wolfram schrieb:

      Was mir bei ihren letzten (konzertanten) Aufführungen aber am meisten auffiel, war, dass sie immer versuchte, ein Diva zu sein. Und das war sie nicht.
      Ja, sie spielte die Diva, aber das war sie nicht. Am besten (und grausamsten) sieht man's in der Fledermaus, wo sie die Adele zu Lucia Popps Rosalinde ist, Sie wechseln auch ein paar Worte aus Slowakisch. Und man versteht: beide kommen aus der (damals oberungarischen) Provinz, kannten sich womöglich schon in Koliba oder Sväty Jur. Aber Rosalinde hat's geschafft, die gesellschaftliche Leiter emporzuklettern und ist eine richtige Dame geworden, während Adele Kammermädchen geblieben ist. Das war Popp, die echte Dame, während Gruberova eine Möchtegern-Dame geblieben ist,
      Alles, wie immer, IMHO.