Amerikanisches Fernsehen – Capriccios liebste Serien

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    • Amerikanisches Fernsehen – Capriccios liebste Serien

      Ich bekenne: Ich bin süchtig nach amerikanischen TV-Serien! Und an dem ein oder anderen Beitrag im Forum kann man sehen, dass ich nicht er einzige hier bin, der sich dieses „guilty pleasure“ gönnt.

      Nun ist unbestreitbar, dass das amerikanische Fernsehen eine unüberschaubare Menge an Mist produziert, von „daily soap“ über Reality-TV zu Casting- und Spielshows, bei denen mir unbegreiflich ist, wie jemand das länger als 2 Minuten ertragen kann. Und auch unter denen, die die Amerikaner „scripted shows“ nennen, gibt es natürlich jede Menge Ausschuss.

      Aber es gibt auch eine große Zahl von Serien, die ich mit großem Vergnügen ansehe. Nur in der Originalversion übrigens – die deutschen Synchronfassungen sind dermaßen lieblos und dilettantisch hergestellt, dass den Serien alles ausgetrieben wird, was sie attraktiv macht. Schlechte, unter extremem Zeitdruck erstellte Übersetzungen und die miesesten Sprecher, die man finden kann, sind die Regel. Entsprechend begann meine „Sucht“ auch 1998, als ich für einige Zeit in den USA lebte.

      Die Rezeption von Fernsehserien hat sich seitdem radikal gewandelt (nicht nur bei mir). Es genügt, sich in DVD-Handel umzusehen: Die TV-Abteilung scheint immer weiter zu wachsen, fast jede Serie erscheint derzeit auf DVD. Das erlaubt nicht nur den Zugriff auf die Originalversion, sondern ermöglicht es auch, die Folgen ohne Werbeunterbrechungen anzusehen (eine in den USA einstündige Folge schrumpft dann schonmal auf 42 Minuten zusammen). Fernsehserien gibt es also für mich nur von der Konserve. Ein weiterer Vorteil ist es, dass es dadurch möglich wird, die Serien in sehr kurzem Zeitabstand anzusehen. Sehr gerne erinnere ich mich an den Marathon, als wir innerhalb von wenigen Wochen ganz „Twin Peaks“ angesehen haben, oder innerhalb kurzer Zeit die erste Staffel „24“. Der Turbo-Durchgang durch 4 Staffeln „Lost“ war auch sehr unterhaltsam. So rezipiert, entfalten die besseren Serien einen wahren Sog auf den Zuschauer.

      Und man könnte durchaus den Eindruck haben, dass es einfacher ist, Spannendes, Ungewöhnliches und sogar Experimentierfreudiges im amerikanischen Fernsehen zu finden als im Hollywood-Kino. Dabei gönnen sich einerseits Kabelsender anspruchsvolle Projekte, wie z.B. die großartige Serie „Six Feet Under“ vor einigen Jahren bei HBO, oder derzeit „Damages“ bei FX. Andererseits produzieren aber auch die großen landesweiten öffentlichen Sender teilweise verblüffende Serien, die durchaus aufmerksam verfolgt werden wollen. Ich denke z.B. an "24", die in ihrer ersten Staffel die Echtzeit-Dramaturgie noch konsequent umgesetzt hat und damit quasi das lineare Erzählen radikalisiert. Oder "Heroes" - zwar eine Serie mit hanebüchenem Plot, aber in der ersten Staffel durchaus mit den Zuschauer fordernden Erzähltechniken, die ständig mit einer Vielzahl paralleler Handlungsstränge jonglieren. Oder "Lost", mit seinen notorischen Zeitsprüngen vorwärts und rückwärts. Diese Serien, gerade auch "Lost", erreichen eine Komplexität der Handlung, die es praktisch unmöglich macht, in die Serie später einzusteigen oder nach einer Pause wieder den Anschluss zu finden. Eigentlich sollte also der Zuschauerschwund vorprogrammiert sein, da von der ganzen Anlage solch konsequenter "Serials" der Gewinn von neuen Zuschauern doch erheblich erschwert wird. Für die Sender sollten also "Procedurals", bei denen jede Folge in sich abgeschlossen ist, wesentlich attraktiver sein. Und in der Tat sind viele der sehr langlebigen Serien "Procedurals" (z.B. "CSI" oder "Law&Order"). Andererseits verkaufen sich die "Serials" sehr viel besser auf DVD, vielleicht gerade an diejenigen, die Lücken schließen wollen.

      Genug der Vorrede! Sollte Interesse an allgemeineren Diskussionen über amerikanische Fernsehserien bestehen, können die in einem parallelen Thread geführt werde. An dieser Stelle soll es vor allem darum gehen, Capriccios Lieblingsserien der aus Vergangenheit und Gegenwart vorzustellen.

      Michel :wink:
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Twin Peaks (1990/91)

      Twin Peaks lief in 2 Staffeln von insgesamt 30 Folgen von April 1990 bis Juni 1991 beim Sender ABC.



      Welche Serie wäre besser geeignet als Twin Peaks um diesen Thread zu eröffnen? Die Serienerfinder David Lynch und Mark Frost schafften das Kunststück, eine Fernsehserie zu ersinnen, die von der Kritik umgehend als revolutionär erkannt wurde, weil sie systematisch die Konventionen des Mediums ignorierte, und erzähltechnisch und ästhetisch alles sprengte, was im Fernsehen bis dahin zu sehen war, und die dennoch (zumindest in der ersten Staffel) zu den beim Publikum erfolgreichsten Serien des Jahres 1990 gehörte. Ich habe auch die Behauptung gelesen, dass mit Twin Peaks in den USA eine ganz neue und anspruchsvollere Zuschauerschicht für die Fernsehserie als Erzählform gewonnen wurde. Zum ersten Mal wurde quasi eine Fernsehserie als "Kunst" rezipiert.

      Vordergründig geht es um eine Mordgeschichte: Zu Beginn der Pilotfolge wird in dem kleinen Ort Twin Peaks die Leiche der jungen Laura Palmer gefunden. Der FBI-Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan - genau, der Hauptdarsteller aus Blue Velvet) wird nach Twin Peaks zur Aufklärung des Verbrechens geschickt. Irgendwann gegen Mitte der zweiten Staffel wird der Mörder gefunden, man sagt: Auf Druck des Senders ABC und gegen den erklärten Willen von Lynch, der das Geheimnis am liebsten gar nicht aufgeklärt hätte. Lynch zog sich denn auch zunehmend aus der Serie zurück, die in der zweiten Hälfte der zweiten Staffel neue Charaktere und Geheimnisse einführt, aber auch etwas an Faszination verliert. Insgesamt nahm der Zuspruch der Zuschauer in der zweiten Staffel stark ab, so dass ABC die Serie beendete. Wobei Lynch, der als Regisseur für die letzte Folge zur Serie zurückkehrte, die Geschichte mit der Mutter aller Cliffhanger enden lies.

      Die Ermittlungen Coopers decken ein bizarres Netzwerk von Doppelleben und Beziehungen in der Gesellschaft, ein unvergessliches Panoptikum an verrückten Gestalten wird aufgeboten. Die Log Lady mit ihrem hellsehenden Baumstumpf. Oder der einarmige Riese und der tanzende Zwerg im roten Anzug. Wer kann umständlicher ein Telefongespräch weiterleiten als die Sekretärin des Sheriffs? "I'm going to transfer it to the phone on the table by the red chair, the red chair against the wall, the little table with the lamp on it, the lamp that we moved from the corner. The black phone, not the brown phone." Außerdem lernt der Zuschauer so einiges über cherry pie, schwarzen Kaffee, und die Bedeutung von Zen und Träumen bei der Aufklärung von Verbrechen. Aber wer Bob ist, das werde ich nicht verraten.

      Ich glaube, es wird Zeit, dass ich Serie wieder mal anschaue. :k:
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Ich war so verliebt in Chuck.
      Und meine Frau war verliebt in den Kuchenbäcker.


      Der Mittwochabend war uns heilig.


      Dass "Pushing Daisies" bereits nach zwei Saisons abgesetzt wurde, hat mir das letzte bisschen Glauben an das Gute im Fernsehen genommen. Seitdem bleibt die Kiste kalt.

      Noch immer traurig grüßt
      der Don
    • Pushing Daisies war auch für mich eine der schönsten und originellsten Serien der letzten Jahre :juhu: Ein Märchen, zu schön wohl, um lange zu überleben

      :cry: :cry: :cry: Michel
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Ich liebe Scrubs.

      Liebt sonst noch jemand diese herrliche Krankenhausserie?



      Ansonsten: Three and a Half Men. Wie die SZ mal schrieb (sinngemäß): Das arme Schwein, das kleine Schwein und das geile Schwein... :D
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Ganz oben, höher geht´s nicht:

      "Lost" + "Jericho"

      Auch großartig, aber ich lasse dafür das echte Leben nicht ausfallen:

      "Malcolm in the middle" + "Scrubs" + "Greys anatomy"

      Und damals, in meiner Jugend:

      "Fame"

      .




      --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • Mein absoluter Serien-Liebling:

      :juhu: :juhu: :juhu:

      Geniale Charaktere, super Gags und vier umwerfend gute Darstellerinnen! Ein echter TV-Klassiker der 80er! Ausserdem ein echter Schatz an Zitaten für den Alltag:

      Sophia: Stellt euch vor, die Dinosaurier beherrschten damals die ganze Erde...
      Blanche: Na toll, jetzt wird sie uns was aus ihrer Schulzeit erzählen!

      ***
      Blanche: Es stört mich wirklich nicht, dass Clayton homosexuell ist! Ich mag nur nicht, dass er sich mit
      Männern trifft!
      Dorothy: Mir scheint, im Grunde bist du dir noch nicht ganz klar darüber, was Schwulsein eigentlich
      bedeutet!
      Blanche: Es muss doch Homosexuelle geben, die sich mit Frauen treffen?!
      Sophia: Die nennt man Lesben!

      ***
      Blanche: Blanche Devereaux trifft sich niemals mit dem Mann einer anderen Frau! Oh - bis auf das eine Mal,
      aber das war bestimmt nicht meine Schuld, sie war schon für tot erklärt! - Diese Notärzte geben
      doch niemals auf...

      ***
      Sophia: "Ich habe niemals Probleme mit dem Wasser lassen,
      jeden Morgen Punkt sieben da Pinkel ich. Aber leider wach ich erst um acht Uhr auf."

      :mlol:



      Und wo ich schon bei den 80ern bin - diese Sitcom ist in ihrer Art auch unübertroffen:

      "http://www.youtube.com/watch?v=ng-POsgAePc"
      :thumbup:


      Und warum gibt es "Malcolm mittendrin" eigentlich nicht auf DVD?? ?(


      (Außerdem finde ich, daß alle drei Serien wirklich ausgesprochen gut synchronisiert sind! :yes: )
    • Dr. House
      Monk
      Die Simpsons
      Unsere kleine Farm :schaem:
      Star Trek TOS ("Raumschiff Enterprise")

      Pushing Daisies hat mir auch überaus gut gefallen, und ich finde es schade, daß die Serie so schnell abgesetzt wurde. Auf der anderen Seite: wenn es am schönsten ist soll man ja bekanntlich gehen.
      Früher habe ich regelmäßig "Ally McBeal" gesehen und finde die Serie auch heute noch ganz witzig.
      Darf ich auch sagen, was m.E. die dümmste und überflüssigste Serie aller Zeiten ist?
      "Sex and the city" Ahhhhh!!!!! So! Ein!! Hirnriss!!!!! :shake: :shake: :shake: :shake: :shake:

      Aber die genialste Fernsehserie ever ist und bleibt immer noch die englische Serie "Der Doktor und das liebe Vieh" , im Original "All creatures great and small". Ich liebe sie und habe mal alle Folgen auf Video aufgenommen. Leider sind sie beim letzten Umzug unter die Räder gekommen :cry:
      Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...
    • Bevor sie hier noch vergessen wird: ich mag und mochte viele der hier genannten Serien, etwa ALLY MCBEAL, sehr, aber nach dem Threaderöffner TWIN PEAKS war eine der intelligentesten Serie ganz klar diese hier:



      Gestorben wird immer, aber sinnvoller kaum jemals.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Die absolut BESTE Serie überhaupt, konkurrenzlos und unübertroffen:



      Die ganzen amerikanischen Arztserien sind für mich (aus verständlichen Gründen) oftmals nicht zur Entspannung geeignet. Die einzige Serie dieses Genres, die auch ich geliebt habe, und die am nächsten Tag auch im Hörsaal heiß diskutiert wurde, war :



      Hier stimmten ALLE medizinischen Fakten und man konnte auch als angehender Mediziner beim heiteren Diagnoseraten mitmachen :D

      Ein Umstand, der den deutschen Arztserien (oder Filmen) leider gänzlich abgeht. Was dort zu sehen ist, hat mit realen medizinischen Fakten so viel zu tun, wie "Bauer sucht Frau" mit "Romeo und Julia".

      Eine Serie, die ich persönliche seeeehr geliebt habe, bis sie VOX leider abgesetzt hat :cry: :cry: :cry: (da habe ich den Glauben an das deutsche Fernsehen verloren!!!):

      serienjunkies.de/men-in-trees/

      Leider kann ich noch nicht mal ein Cover-Bild einstellen, da es die Serie noch nicht auf DVD gibt :cry: :cry: :faint: :faint: :cry: :cry:

      Eine Serie, die ich auch recht interessant fand (ungeachtet der Tatsache, dass sie auch in einem Krankenhaus spielt ;+) :(



      Und das natürlich Twin peaks die Krönung des Faches ist, steht ja wohl für mich als eingefleischten David Lynch Fan völlig ausser Frage!!! :juhu: :juhu:

      LG Lotte

    • Lieber Michel,

      Twin Peaks habe ich Anfang der Neunziger (wann war die Ausstrahlung in Deutschland nochmal?) auch komplett gesehen. Ich weiß noch, dass ich an den Abenden der Sendungen meistens unterwegs war, mir dann aber mitten in der Nacht jedesmal die Aufzeichungen auf meinem AKAI-Mono-Videorecorder reingetan habe.

      Die zweite Serie von der ich wohl keine Folge verpasst habe, war The Time Tunnel. Allerdings war ich zu der Zeit Grundschüler! Das Teil lief Samstags nachmittags im Dritten. Mein bester Freund Andreas und ich sind nach jeder Folge auf den Spielplatz hinter der Schule gezuckelt, in die nahegelegenen Maisfelder oder in den Wald. Dort haben wir die Episoden dann akribisch nachgestellt. Ich war Tony Newman. :D

      Aus heutiger Sicht kann man The Time Tunnel nur dann genießen, wenn man eine große Freude am Trash in sich trägt. Zum Glück tue ich das...



      "http://www.youtube.com/watch?v=7ucfCgvKBzk"

      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Lieber Rideamus

      "Six Feet Under" gehört auch zu meinen absoluten Favoriten - das wäre nach Twin Peaks gleich die nächste Serie, über die ich einige Zeilen geschrieben hätte. Kommt vielleicht noch.



      Liebe Lotte,

      Statt "Kingdom Hospital" (das ich nicht kenne), würde ich Dir das geniale Original empfehlen, bei dem King abgekupfert hat:



      Lars von Trier: "Geister". Hier OT weil dänisch. Aber auch eine großartige Serie. :juhu:

      Michel
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Twin Peaks und Scrubs

      Nach "Twin Peaks" war ich regelrecht süchtig, das war ein absoluter Meilenstein des Fernsehens. Im Internet findet man übrigens diverse Hypothesen zu der Geschichte, unter anderem zu den Handlungssträngen einer möglichen dritten Staffel. Und wer Bob ist, verrate ich auch nicht. :D Außer, daß der Bob-Darsteller eigentlich Set Decorator der Serie war... Twin Peaks: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      "Scrubs" ist zum Schreien komisch, eine der ungewöhnlichsten und innovativsten Comedy-Serien der letzten Jahre. Auch hier: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • ..... "Jericho"

      den Schluss hätt ich mir noch etwas spektakulärer vorgestellt, aber insgesamt war Jericho schon fetzig. Prison Break ist auch nicht schlecht gewesen (trotz einiger Klopfer) ..... auch schön politthrillermäßig...

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Aaaaaaalso: Die Überserie ist auch für mich ganz klar Twin Peaks - allerdings nur bis zur Auflösung des Mords an Laura, danach läßt das Ganze doch erheblich nach und weist die mehr oder minder häufigen Defizite eines zuvor eigentlich nicht eingeplanten und folglich auch nicht so richtig durchgedachten Sequels zu einer geschlossenen Serie auf. Schad nix: die ersten 16 Folgen katapultieren diese Serie ganz klar auf den Thron im Serien-Pantheon.

      Alles was folgt ist SiFi - und da steht ganz vorn das hier:



      Zumindest die Staffeln 1 bis 3 von Babylon 5, Mastermind Joseph M. Straczynskis zwischen 1993 und 1998 entstandenem Epos über Prophezeiung, Religion und Geschichte; über die Probleme, die entstehen, wenn Prophezeiungen in Erfüllung gehen und die Geschichte damit eigentlich an ein Ende kommen sollte - es dann aber einfach nicht tut und man als Mensch oder Nicht-Mensch weitermachen und in eine schrecklich unbestimmte und offene Zukunft hineinhandeln muss, gehören IMO zum intelligentsten, spanndensten und witzigesten war jemals für die Flimmerkiste produziert worden ist. Nichts was hier geschieht, nicht das kleinste Detail ist bedeutungslos oder gar verloren für die Geschichte, die entlang einer perfekt und schlüssig entworfenen Storyline entwickelt wird. Die Charaktere sind komplex und dynamisch entworfen. Grosse Kunst! Die Staffeln 4 und 5 sind ebenfalls sehenswert - aber auch hier ist deutlich zu spüren, dass die Geschichte eigentlich schon an ihr Ende (oder vielleicht doch wieder an ihren Anfang?) gekommen sein sollte.

      Dann naklar diese:



      Star Trek: Deep Space Nine (1993-1999) - in der Gesamtanlage und Grundproblematik gar nicht so weit weg von Bab 5, insgesamt aber deutlich weniger geschlossen, weniger stringent und nicht so zwingend entwickelt - insgesamt einfach, hm, simpler gestrickt. Aber auch hier: eine ganz große (Rahmen)Geschichte wird hier erzählt, die Serie hat umwerfende Charaktere und einige Folgen und Einzelszenen, denen einfach Ewigkeitswert zukommt. Die Staffeln 6 und 7 sind allerdings eigentlich nicht mehr mit Freude anzuschauen.

      So und zuguterletzt ein Outlaw-Roadmovie from outer space:



      Firefly (2003/04) von Joss Whedon (der durch Buffy und Angel bekannt sein dürfte) erzählt die durchaus tragische Geschichte einer Gruppe von Deserteuren/Outlaws/Schugglern, die im 26. Jahrundert im Untergrund agieren (das Universum wird recht autoritär von einer anonymen Staatsmacht beherrscht). Das ist eigentlich nicht wirklich eine Gruppe politischer Widerstandskämpfer, sondern ein Haufen praktizierender Anarchisten des Alltags, die einfach ihr Ding machen wollen - und es auch tun. Keine blöde Moral (wie in der recht staatstragenden Star-Trek-Ideologie) wird dem Zuschauer da um die Ohren gehauen, sondern die alltägliche Aporie von verstehen wollen und handeln müssen. Joss Whedon hat dabei das Raumschiff »Serenity« mit einer ganz wundervollen Personage bestückt, Leutchen, zwischen denen so richtig was ab geht. Und genau darum geht es: um das fragile und hochdynamische soziale Gefüge an Bord der »Serenity«. Eine richtig intelligente, spannende und anrührende Serie - zu gut für diese Welt und deshalb geflopped. Das Firefly-Projekt ist nach der ersten Staffel eingefroren worden - Buffy hat es dagegen auf 7, Angel auf 5 Staffeln gebracht ...

      Die Welt kennt keine Poesie ...

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Le Merle Bleu schrieb:

      Lars von Trier: "Geister". Hier OT weil dänisch. Aber auch eine großartige Serie.


      Dafür kenne die sogar ich, der hier sonst nichts kennt. Fand ich insgesamt auch sehenswert.

      Sonst kenne ich nur Star Trek, die ganz alten und die Staffel mit Käptn Picard. Ein befreundeter Politologen-Kollege, Friedens- und Konfliktforscher, der zu dieser Serie inzwischen mehrere Aufsätze geschrieben hat, meinte, die sollte ich mir mal anschauen. Ist, aus einer solchen Perspektive betrachtet, wirklich nicht ganz uninteressant und hat mir insgesamt auch Spaß gemacht.

      Aus der Videothek habe ich mir außerdem mal King of Queens mitgenommen. Da hat mich die Repräsentation ziemlicher Durchschnittsmalocher (Kurierfahrer + Sekretärin) der heutigen Zusammensetzung der Klasse abhängig Beschäftigter in einem solchen Medium interessiert. Ich habe dann sogar unnötigerweise drei Staffeln oder so angeschaut, denn die ersten hatten einen gewissen Charme. Insofern kann ich jetzt schon etwas verstehen, wie man bei Serien in den Sog gerät. Aber anderes ist mir dann doch wichtiger. Ich habe auch kein TV und wenig Zeit: Ich muß ja ständig Neueingänge abhören und durchlesen. :D

      :wink: Matthias
    • Twin Peaks - die späten Folgen

      Ich möchte doch noch eine kleine Lanze für die späteren Twin-Peaks-Folgen (nach der Aufklärung des Mordes) brechen. Sicherlich war es von Seiten des Senders dramaturgischer Kackpfiff, auf einer Auflösung mitten in der zweiten Staffel zu bestehen. Andererseits ist vieles von dem danach insofern großartig, weil das Mysthisch-Rätselhafte der Serie ein größeres Gewicht bekommt und die Parodie auf die klassische amerikanische Seifenoper (die m. E. zur Grundkonzeption der Serie gehört) auf die Spitze getrieben wird. Das Einführen neuer Charaktere mit z. T. an den Haaren herbeigezogenem Zusammenhang, die zunehmende Verzettelung mancher Geschichten, all das ist schon sehr witzig. Und die letzte Folge mit dem bereits erwähnten Giga-Cliffhanger ist eine Granate!

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Matthias Oberg schrieb:


      ...
      Aus der Videothek habe ich mir außerdem mal King of Queens mitgenommen. Da hat mich die Repräsentation ziemlicher Durchschnittsmalocher (Kurierfahrer + Sekretärin) der heutigen Zusammensetzung der Klasse abhängig Beschäftigter in einem solchen Medium interessiert.
      ...


      Na, das ist aber mal putzig, das ist eigentlich haargenau die Motivation, aus der heraus ich mir Filme/TV-Serien angucke.

      Nee, ok, stimmt vielleicht nicht so ganz.

      Deshalb gucke ich auch komplett reuefrei Sachen fernab einer correctness.

      Wie diese hier:



      Natürlich habe ich Agent Cooper auch schön schräg gefunden (und Bob wirklich bedrohlich).
      Und auch wenn es eigentlich hier nicht rein passt - "Geister" ist wirklich speziell; sehr gut.

      :wink: