Bellini: I Capuleti e i Montecchi - Opéra Royal de Wallonie Liège

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    • Bellini: I Capuleti e i Montecchi - Opéra Royal de Wallonie Liège

      Lange ersehnt konnte ich heute zum ersten Mal eine meiner Lieblingsopern auf der Bühne erleben. Bellinis Opern werden ja leider nciht serh häufig gespielt, was diverse Gründe hat.
      Einer davon ist der Bedarf an erstklassigen Belcanto-Sängern und die sind ziemlich rar gesät.

      In Liège hatte man dann auch sicherheitshalber gleich eine belcantoerfahrene Truppe aus Italien genommen- mit Patricia Ciofi ander Spitze, die in der Rolle der Giulietta -zu Recht wie ich nun weiss- als Weltspitze gilt.

      Giulietta Patricia Ciofi

      Romeo: Laura Polverelli

      Tebaldo Aldo Caputo

      Frate Lorenzo: Luciano Montanaro

      Capellio Maurizio Lo Piccolo


      Inszenierung Cristiana Muti

      Leitung:Luciano Acocella

      Orchestre et Choeur de l'Opéra de la Wallonie


      Leider war mein Eindruck vom ersten Akt durch eine mörderische Anreise und ein Zuspätkommen in der Ersatzoper (die eigentliche Oper steckt in Bauarbeiten und den Ersatz findet kein Mensch in dieser furchtbaren Stadt! [Blockierte Grafik: http://www.das-klassikforum.de/images/smilies/mad.gif]) sehr getrübt.
      Nicht nur dass wir unsere serh guten Plätze erst im zweiten Akt einnehmen konnten und sehr schlecht hinten am Rand sassen, sondern auch noch eine Lärmbelästigung durch Sirenen, Strassenlärm etc erleben mussten. Das Orchester hat z.B. die Arie des Tebaldo abgebrochen und neu gestartet, weil gerade eine Polizeisirene mit voller Lautstärke vorbeiraste.
      Diese Ersatzoper ist eine Zumutung ohnegleichen! :wut2:



      Dennoch ist Bellini mein Bellini, und als Patricia Ciofi dann die grosse Auftrittsarie "Eccomi.... o quante volte" sang, konnte ich endlichallen Ärger und Stress hinter mir lassen und geniessen. Diese Frau ist ein Phänomen und die Rolle ist ihr wie auf den Leib geschrieben. Dazu hatte sie ein wunderschönes Bühnenbild- die Inszenierung von Cristina Muti (Riccardos Gattin) war zwar nicht immer ganz stimmig, aber immer schön.

      Die Szenerie bestand aus Gemäldeauschnitten von Mantegna, Giorgione etc inRiesenphotodrucken , die durch von der Decke runterlassbaren Bahnen
      vervielfacht werden konnten und durch moderne Photos angereichert oderabgelöst wurden. Das schrammte manchmal hart am Kitsch vorbei, wenn die
      Qualitât der Gemälde eben nicht so erstklassig gewesen wäre und immer wieder gebrochen worden wäre (was leider nicht jedesmal ganz stimmig
      gelang). Der Verkündigungsengel in der Grabszene als Riesenprojektion im Hintergrund war jedenfalls eines der grenzwertigen Bilder.

      Die Inszenierungs-Idee als Solche hat mir aber sehr gut gefallen und die Anfangsszene, in der ein Mantegna aus dem Pallzzo Ducale di Mantova als quasi lebendes Bild dastand,war schon sehr eindrucksvoll und führte bestens in das Ambiente der Handlung ein.

      Bei Giuliettas grosser Arie war die Harfe als lebendes Bild mit auf der Bühne und in besonderer Effekt dazu waren fallende Herbst- Blätter-einfach wunderschön anzusehen und komplett bellinilike.
      Ansosnten wurde die Regie weitgehend den Schauspielkkünsten der Sänger überlassen, was bei Ciofi vollkommen angebracht war. Die anderen Protzgonisten passten sich der Gemäldeszenerie an und agierten-je nach Talent mehr oder weniger statisch- in den lebenden Bildern.



      Ciofi ist die glaubwürdigste Giulietta die man sich nur denken kann. Ihre Belcanto-Technik ist perfekt, da sitzt jeder Ton und jede Verzierung, die Stimme ist ncihtausgesprochen schön, aber serh gut geführt und in jeder Höhe und Dynamik flexibel.
      Vor allen Dingen verkörpert sie dazu mit ihrer ätherischen Gestalt und Gestik alle Bellini-Frauen in Einer. Man sah gleich die Sonnambula und Elvira in Personalunion mit Giulietta vor dem inneren Auge. Ein Prototyp.

      Das Einzige, was mch gestört hat war die fast immer schiefe Kopfhaltung, das wirkte ein bisschen botticellimadonnenmâssig maniriert- war vielleciht aber so gewollt. Wundern würde mich das nciht, denn die Einbindung der gesamten Oper in Renaissancegemälde-Ausschnitte würde dazu sehr gut passen.

      Laura Polverelli als Romeo fiel neben dieser Ideal- Giulietta leider ziemlich ab und hat mich nur im Schlussduett überzeugt.
      Die Stimme ist für meine Ohren reizlos und flackerte manchmal etwas, so, als habe sie die besten Zeiten hinter sich oder sei stark ermüdet. Schade, diese
      Rolle ist eigentlich ein Traum für jeden Mezzo.
      Der Tebaldo hat technisch gut gesungen, aber sein Timbre war ebenfalls farblos. . Er hatte leider das Pech, dass er seine Auftritts-Arie
      unterbrechen musste. In jedem Fall ein verlässlicher Belcantist, aber etwas dünn und ohne Glanz.

      Die beiden anderen Männerstimmen waren gut besetzt, Frate Lorenzo mit einer sehr schönen Bass-Stimme begabt, leider etwas erkältet.

      Da ich direkt in der ersten Reihe vor dem Orchester sass (im zweiten Akt...), kann ich dazu auch etwas sagen.

      Sehr schöne Bläsersoli(davon gibts ja rechlich!) eine gut beschäftigte
      Harfe und am Anfang etwas Probleme, die Sänger nicht plattzumachen (Tebaldo hatte nicht gerade eine Riesenstimme ). Das besserte sich aber zunehmend und Giulietta wurde bereits serh sensibel begleitet.

      Acocella kennt seinen Bellini und mag ihn offensichtlich. Da wurde nciht lieblos runtergenudelt, sondern ein echter Italiener weiss eben,
      welchen Eigen-Wert Melodie und Belcanto hat. :angel:

      Fazit: trotz schwierigen Beginns und suboptimaler Bedingungen im Ersatzopernhaus bereue ich keine Minute und bin serh glücklich, meinen Bellini endlich mal live erlebt zu haben.

      Und Patricia Ciofi ist sofort beim ersten Mal von 0 auf 100 in meiner Sängerriege aufgestiegen. Ihre Stimme ist zwar an und für sich genommen
      ncihts so Besonderes und hat nicht den Wiedererkennungswert von z.B. Natalie Dessay, aber was sie damit anstellen kann, ist phänomenal.

      Sie ist scheint ausserdem eine sehr bescheidene und sympathische Person, wie sich beim Applaus deutlich zeigte. [Blockierte Grafik: http://www.das-klassikforum.de/images/bowdown.gif] :juhu: :juhu:






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      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Ich habe ganz vergessen einen besonderen Einfall der Regie zu erwähnen, der zunächst etwas befremdlch auf mich wirkte, den ich aber nach Lektüre des Programms besser verstanden habe.
      Vor dem finalen Duett Romeo/Giulietta, in dem Romeo sich dann schliesslich vergiftet, wird Giulietta zu Grabe getragen und aufgebahrt. Dazu wurde das Orchester angehalten und es erklangen a capella Hymnen von Soeur Marie Keyrouz. Serh schöne tief meditative Musik mit Männerstimmen als Cantus firmus.
      Aus dem Programm ging hervor, dass Cristina Muti letztes Jahr "Voci della preghiera" inszeniert hat, in der sie vom Sufismus bis zum christlichen Hymnus verschiedene Gebetsgesänge zusammenbrachte; Wo das stattfand,steht leider nciht dabei.

      Ich fand diesen Einschub in der Oper nicht so ganz organisch und etwas an den Haaren herbeigezogen, denn zu dem anschliessenden Liebesduett mit Romeos herrlciher Arie "Deh tu bell'anima", das für mich der Höhepunkt der Oper ist, passte er weder musikalisch noch inhaltlich. Warum Giulietta dabei zu Fuss in Begleitung einiger Jungfrauen anmarschiert kam, um sich dann wieder scheintot auf die Bahre zu legen, wäre auch erklärungsbedürftig gewesen.

      F.Q.
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