ROSSINI: Herzl et Pharaon - Staatstheater Nürnberg

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    • ROSSINI: Herzl et Pharaon - Staatstheater Nürnberg

      Das sage noch jemand, Rossini sei seiner Zeit nicht um Jahrzehnte voraus gewesen. 1818 brachte er die Oper "Herzl in Egitto" heraus, deren überarbeiteten französischen Version von 1827 er "Herzl et Pharaon" nannte, und die vom Begründerder zionistischen Bewegung Theodor Herzl (1860-1904) handelt.

      Um die Sache aufzuklären: Die Oper heißt natürlich „Mose in Egitto“ bzw. “Moise et Pharaon“ und wird in der französischen Fassung derzeit am Staatstheater Nürnberg gegeben.

      Die Figur des Moses ist hier als Theordor Herzl dargestellt, was durch mehrere Einblendungen von Schriften Herzls verdeutlicht wird. Da es natürlich unpassend wäre, Herzl diverse Wunder vollbringen zu lassen, mimt ein Schauspieler einen zweiten Moses, der aus Bibelfilmen der 1960er Jahre entsprungen sein könnte.

      Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man aus dieser Grundkonzeption eine stimmige Inszenierung schaffen kann. Jedoch wurde ihr Potential in der gegebenen Inszenierung sicherlich nicht ausgeschöpft. Das Bühnenbild bestand im Wesentlichen aus Koffern. Die Personenregie war immer dann am besten, wenn sie nicht vorhanden war – und das war immerhin während des größten Teils der Aufführung. Warum Moses (der Moses-Moses, nicht der Herzl-Moses) immer wieder höchst-albern über die Bühne hampelte, mag sich mir nicht erschließen. Ich hoffe für Regisseur und Schauspieler, dass das genau so konzipiert war, und nicht das unfreiwillige Ergebnis gewollter Ernsthaftigkeit war. Aber allein dass man sich darüber als Zuschauer nicht sicher sein kann, hinterlässt einen fragwürdigen Nachgeschmack. Der Gang durchs Rote Meer wurde mit allen erdenklichen Mitteln der Hochtechnologie filmreif realisiert: Auf eine Leinwand im Hintergrund ist das Meer gemalt. Diese hebt sich, und dahinter erscheint eine zweigeteilte Meeresleinwand, durch deren Mitte der Chor abgeht.

      Die musikalische Darbietung bewegte meiner Einschätzung nach auf dem Niveau, das man in den letzten Jahren von der Nürnberger Oper gewohnt ist. Und das ist von mir als ein großes Lob gemeint! Die musikalische Darbietung hat mir den Abend zu einem großen und ergreifenden Erlebnis gemacht.

      Das Werk habe ich bei der Aufführung zum ersten Mal gehört. Es ist zudem meine erste Begegnung mit einer ernsten Rossini-Oper. Von der Musik bin ich begeistert! Gegen Schluss wird es richtig oratorienhaft! Überspitzt kann man sagen: Nicht nur die Oper ist oratorienhaft, sondern auch die Regie!

      Diese Inszenierung leitet an der Nürnberger Oper eine Reihe mit Opern nach biblischen Stoffen ein. Alle mit dem gleichen Regisseur. Man darf gespannt sein, welche Botschaften er noch auf Lager hat.

      Beste Grüße,
      Falstaff