Der Stummfilmthread

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    • Dann:



      Drei Jahre vorher entstanden und für jemand, der de Mille nur von seinen monumentalen Kitschfilmen her kennt, sehr überraschend. Fast ein Vorläufer zum Lubitsch, rein thematisch gesehen ('Bei ihrer Hochzeit nahm sie sich vor auf seine Freiheit zu verzichten.'), wenn auch wesentlich grober inszeniert. Aber trotzdem ein wirklich köstlicher Spaß.

      :wink: Wolfram
    • Und dann noch ein gewisses Kontrastprogramm:



      Klassischer deutscher Expressionismus von 1920. Grandiose Kamera von F.A.Wagner, aber sehr, sehr langsam inszeniert. Manchmal fast ein wenig zu langsam. Aber das Spiel mit Schatten und Spiegeln und deren Einfangen mit der Kamera ist einfach fantastisch. Zudem eine neu komponierte, aufgregende Musik von Johannes Kalitzke.

      :wink: Wolfram
    • Nun habe ich mich durch diese Edition durchgearbeitet:



      Durchgearbeitet, weil ich nicht alle Filme heutzutage für noch wirklich sehenswert halte. Es sei denn, man möchte die filmische Entwicklung von Lubitsch nachvollziehen können. Dann findet man hier wunderbare Beispiele.

      'Ich möchte kein Mann sein' ist ein typisches Beispiel für eine frühe Komödie von Lubitsch. Frech, überdreht, in einzelnen Passagen sehr gewagt, aber insgesamt aus heutiger Sicht eher nett.

      'Sumurun' beginnt wirklich toll. V.a. Pola Negri hat starke Momente (neben den üblichen Übertreibungen im Spiel, für die der deutsche, vom Expressionismus geprägte Stummfilm halt auch steht), die Inszenierung ist flüssig, der Schnitt interessant. Aber irgendwann merkt man doch, dass es halt nur ein ziemlicher Historienschinken ist.

      'Die Austernprinzessin' ist eine weitere Farce, interessant, weil es im deutschen Stummfilm der Zeit kaum Parallelen gab, auch mit durchaus witzigen Momenten, aber insgesamt doch zu lang.

      'Anna Boleyn', ein Prestigeobjekt der UFA, ist wirklich glänzend inszeniert und für mich der Höhepunkt der Edition. Monumental und immer wieder sehr persönlich, mit glänzenden Schauspielerleitungen (den damaligen Schauspielstil in Rechnung stellend) und in vielen Details den späteren Lubitsch schon andeutend.

      'Die Bergkatze' ist eine wirkliche Groteske. In allem. Perspektive, Inhalt, Ausstattung, Spiel usw. Fast ein Fremdkörper im deutschen Stummfilm, aber, für mich, um Einiges zu lang. Trotzdem als etwas sehr Exotisches sehr sehenswert.

      Es gibt bei dieser Edition ein sehr interessantes und gut gemachtes Porträt des frühen Lubitsch, allerdings auch Audiokommentare, die in ihrer Banalität nur von der Rechtschreib- und Zeichensetzungsschwäche einiger neu hinzugefügten Zwischentitel übertroffen werden. Aber, wie gesagt, für einen Überblick interessant und wichtig. Man sollte sich nur keine Wunder erwarten.

      :wink: Wolfram
    • Ehrlich gesagt finde ich diese Box schon ziemlich klasse, was Filmauswahl und Restaurationsqualität betrifft. Wer Lubitsch mag, kommt bereits bei diesen frühen Filmen gut auf seine Kosten. Ich persönlich hatte gar keine Probleme mit den "Längen".
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Ehrlich gesagt finde ich diese Box schon ziemlich klasse, was Filmauswahl und Restaurationsqualität betrifft. Wer Lubitsch mag, kommt bereits bei diesen frühen Filmen gut auf seine Kosten. Ich persönlich hatte gar keine Probleme mit den "Längen".
      Das freut mich natürlich insgesamt. Sie jedenfalls ist informativ, weil sie einen wirklichen Querschnitt seines gesamtes 'deutschen' Schaffens zeigt. Aber ich muss gestehen, der 'amerikanische' Lubitsch ab der 'Ehe im Kreise' liegt mir näher.

      :wink: Wolfram
    • Gestern und heute mal zwei Propagandafilme:



      Beides absolute Klassiker, wenn auch der jeweilige Einfluss auf die Filmgeschichte sehr unterschiedlich ist.

      Potemkin und seine Montagetechnik, auch seine Art die Zuschauer zu manipulieren, muss damals (1925) wie ein Schock auf Filmemacher gewirkt haben und hat enorm stilbildend gewirkt. Abel Gance's Meisterwerk war das nicht vergönnt, obwohl seine revolutionäre Kameraführung in seinen frühen Filmen Eisenstein und Pudowkin durchaus inspiriert hat. Aber das Erscheinungsjahr 1927 markierte eben auch den Beginn des Tonfilms. Zudem wurde der Film nach seiner UA nur in europäischen Städten gezeigt, bevor er dann über MGM in den USA vermarkte werden sollte, was aber, aufgrund der notwendigen technischen Voraussetzungen, die die Kinos erfüllen mussten, misslang. So konnte natürlich kaum ein Filmemacher dieses Werk sehen und von der technischen Seite inspiriert werden. Erst in den 80iger Jahren, als Francis Ford Coppola sich die Rechte sicherte, den Film restaurieren ließ, von seinem Vater eine neue Filmmusik schreiben ließ (ursprüngliche Musik übrigens von Arthur Honegger) und das Ergebnis dann auf große Welttournee schickte, konnte sich ein breiteres Publikum einen Eindruck davon verschaffen.

      Beides sind durchaus Propagandafilme, einerseits für die Bolschewiken in der UdSSR, andererseits ist es ein reiner Hymnus auf Napoleon. Aber das einmal weggelassen, sind sie vom rein handwerklichen wirklich absolute Meisterwerke und (jedenfalls in Hinsicht auf Potemkin) Meilensteine der Filmgeschichte.

      Potemkins Vorzüge sind bekannt, die von 'Napoleon' vielleicht nicht so. Gance's Arbeit zeichnet sich durch eine rasante Kameraführung und Schnitttechnik aus (Schneeballschlacht!!!), sehr gekonnte Montage von z.B. Groß- und Nahaufnahmen, aber v.a. durch die Experimente im letzten Teil des Films mit einer Cinemascope-Technik. Dafür unterteilte er die Leinwand in v.a. drei Abschnitte (Tryptychon), in denen von drei Kameras gefilmte Teile sich gegenseitig ergänzen oder kommentieren. Manchmal sind es dann nur zwei Abschnitte oder das Bild schließt sich völlig und ein wirkliche 'Breitwand' entsteht. Ich habe den Film damals mit voller Orchesterbegleitung im Hamburger Congress-Centrum gesehen und der Effekt war wirklich überwältigend. Was damals allerdings größtenteils fehlte, waren die Versuche von Gance mit Farbfotographie und völlig dann die 3D-Passagen. Auf der DVD kommt das alles naturgemäß nur bruchstückhaft rüber. Aber trotzdem vergehen die 3,5 Stunden wie im Flug und trotz der durchaus nervigen Heldensaga.

      Ich werde mir den Film übrigens nicht zu Ende anschauen, weil ich gerade die neue, durch eine weitere Stunde Material ergänzte Fassung aus England bestellt habe.



      Hier bringt der Film es auf schlappe 332 Minuten statt der 222 der 'Coppola-Fassung'. Bin sehr gespannt.

      :wink: Wolfram
    • "Potemkin" m. LIVE.musik !!

      ...in genau fünf Monaten im Konzerthaus Dortmund - es wird bereits SEHR knapp mit Karten . . . (<= selbst bin ich türlich vor Ort, Ehrensache 8) )

      konzerthaus-dortmund.de/de/pro…rkreuzer-potemkin-221808/

      GMD Gabriel Feltz (der dirigieren wird) zieht freilich längst auch überregional seine Kreise - demnä. wird er in Frankfurt die "Wozzeck"-Premiere leiten . . .

      :wink: :wink:
      Fleiß ist gefährlich (Henning Venske "Inventur") Majo ist ätzend (Gus van Sant "Paranoid Park") Hollywood ist ein Witz (Aki Kaurismäki)
    • Heute geschaut:



      Ein knalliger, sehr gut gemachter Agentenfilm mit Ähnlichkeiten zu Mabuse. Sehr lang, aber nie langweilig. Man erkennt viele Strickmuster, die bis zu James Bond zu diesem Genre nun dazugehören. Anders als bei Mabuse (v.a. dem 'Testament') fehlt allerdings die soziale und politische Dimension. Aber es bleibt wirklich gut gemachte Unterhaltung, was ja auch nicht das Schlimmste ist. ;)

      :wink: Wolfram
    • Und eine der geilsten Einführungsszenen aller Zeiten... :jaja1:

      - Mein Gott, wer steckt bloß hinter diesen schlimmen Sachen?
      - ICH!

      :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
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    • Josquin Dufay schrieb:

      Und eine der geilsten Einführungsszenen aller Zeiten...

      - Mein Gott, wer steckt bloß hinter diesen schlimmen Sachen?
      - ICH!
      :clap: :clap:

      Interessant ist, dass dieses 'Outing' nur in der deutschen Fassung stattfindet. In einer zweiten, ich glaube für den englischen und amerikanischen Markt, sieht man Haghi nur von hinten, Täter bleibt also noch recht unklar, und in einer dritten, für den Rest der Welt gedacht, taucht überhaupt keine Person auf und der ganze Film wird zum 'Whodunnit'.

      :wink: Wolfram
    • Gerade läuft bei mir im anderen Tab der Stummfilm Shooting Stars von 1927 (live auf Arte).

      en.wikipedia.org/wiki/Shooting_Stars_(1927_film)

      D. h. ich höre nur nebenbei die Musik, sehe mir den Film garnicht an ("shame on me"). Aber die (neue) Filmmusik gefällt mir sehr gut, sie ist 2015 von John Altman eingerichtet worden.

      en.wikipedia.org/wiki/John_Altman_(composer)
      de.wikipedia.org/wiki/John_Altman_(Komponist)

      Schön leichte, launige Jazzmusik.


      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • Gestern und heute (Fritz Lang ist ja immer so lang. ^^ ) dieses hier:



      Ich muss gestehen, ich hatte immer Schwierigkeiten zu verstehen, warum 'Mabuse' nun ein so herausragender Film sein soll. Und ein wenig, nach der Wiederbegegnung, habe ich immer noch. Sicherlich ist er ein Kommentar zu den Zeitumständen (UA 1922), sicherlich ist er handwerklich in jeder Hinsicht etwas ganz Besonderes, sicherlich gibt es die, von Lang damals noch abgestrittene, Linie 'Von Cagliari zu Hitler', aber insgesamt spüre ich das heute, heutzutage nicht mehr so richtig. Es ist ein wirklich gut gemachter Film und trotz der Dauer nie langweilig. Aber mein Liebling bezüglich Fritz Lang wird er wohl nicht mehr werden.

      Immerhin hat er mich dazu gebracht, nun auch noch 'Das Testament des Dr. Mabuse' (1933) anzusehen.

      :wink: Wolfram
    • Es ist auch eher Testament, der dieser Figur die Dämonie hinzugefügt hat; Spieler hatte das kriminalistische Verbrecher-Genie etabliert, welches kaum beizukommen ist.

      Der Film wirkt auch eher behutsam erzählt; er ist treffend in seinem Zeitkolorit und nicht ganz so spektakulär, wie man es erwarten würde. Lang stand damals noch am Anfang seiner Karriere.
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    • Josquin Dufay schrieb:

      Es ist auch eher Testament, der dieser Figur die Dämonie hinzugefügt hat;

      Josquin Dufay schrieb:

      Der Film wirkt auch eher behutsam erzählt; er ist treffend in seinem Zeitkolorit und nicht ganz so spektakulär, wie man es erwarten würde.
      Richtig. Beide sind Reaktionen auf das direkte Zeitgeschehen. Das mag auch erklären, warum der 'Spieler' uns vielleicht ein wenig behutsam erscheint, anders als das 'Testament'. Der ist uns zeitlich einfach näher. Die Verwerfungen, die das Ende des I. WK in Deutschland angerichtet hat, sind, vielleicht anders als in England, schlichtweg vom III. Reich und deren Beginn überlagert worden. Mir geht es jedenfalls so, dass ich mir die Erschütterungen, die der 1. Mabuse-Film in Deutschland ausgelöst hat, selber erklären muss. Das ist anders beim 'Testament'. Da fühle ich es fast.

      :wink: Wolfram
    • Heute habe ich dann damit begonnen:



      Das ist einfach schon eine Klasse für sich. Manchmal denke ich bei der Ausstattung schon an 'völkischen Expressionismus' :rolleyes: und weiß, dass das eigentlich nicht zutrifft. Aber ich sehe den Film, bzw. die Ausstattung natürlich auch aus dem Wissen, was danach kam. Das muss man/ich aber vergessen. Das ist nämlich eigentlich wirklich ein großes Epos, ganz streng stilisiert und komponiert mit faszinierenden Bildern und bezwingender Technik. Und gerade diese strenge Komposition macht die Ausweglosigkeit besonders deutlich.

      :wink: Wolfram
    • Die Nibelungen habe ich nun heute beendet und bin völlig hin und weg, was vielleicht auch an der neueren Restaurierung durch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung liegt. Das ganze Ding hat eine unglaubliche Wucht gerade durch die Verbindung von Dekor und Inszenierung, wobei beides wohl kaum zu trennen ist.

      'Kriemhilds Rache' als zweiter Teil ist ganz anders als der streng choreographierte erste Teil. Entsprechend der Handlung sehr wild und furios und in dem abschließenden Gemetzel handwerklich schlichtweg atemberaubend. Fritz Lang erweist sich hier wirklich als Meister aller Klassen, sei es bei der reinen Inszenierung, beim Trick, bei Massenszenen, beim Zusammenstellen des Casts und der Crew oder der visuellen Kreativität.

      Das Bonusmaterial gibt noch einmal Informationen darüber, wie 'Die Nibelungen' gerne für gesellschaftspolitische Zwecke, besonders bei den Nazis, missbraucht wurden. Das konnte ich eigentlich nie nachvollziehen. Eigentlich sind doch alle Hauptfiguren verdammt unsympathisch und die einzige 'Lichtgestalt' Siegfried ein ziemlicher Depp. Von daher könnte man die ganze Geschichte heute doch recht unbefangen betrachten. Aber der Missbrauch schwingt in den Köpfen, jedenfalls meiner Generation, wohl immer noch mit. Sei es wie es ist, der Film ist trotzdem ein Meisterwerk und unbedingt sehenswert!!!

      :wink: Wolfram
    • Neu

      In den letzten Tagen bin ich mal wieder bei Erich von Stroheim gelandet. Bis auf 'Wedding March' habe ich nun alle erhaltenen Filme in irgendeiner Form gesehen.

      Und bin mal wieder hin und weg!!!!

      Selbst in der rudimentären, kastrierten, verstümmelten Form, in der uns nahezu alle seine Filme vorliegen, sind es Meisterwerke, voller dramatischer Wucht, voller Abgründe und Verstörungen. Stroheim war wirklich jemand, der das Kino durch seine Sprache und die Behandlung bestimmter Themen auf geradezu unglaubliche Weise in die Filmmoderne getrieben hat. Gleichzeitig hat er natürlich auch erreicht, wenn auch wahrlich nicht mit Absicht, dass durch seine Arbeitsweise wenigstens in Hollywood die 'Herrschaft des Regisseurs' durch die 'Herrschaft des Produzenten' abgelöst wurde. Mit weitreichenden Folgen bis heute, obwohl nun langsam auch mal wieder 'Directors Cut' auftaucht.

      Nur 'Blind Husbands' liegt mehr oder weniger in einer seinen Absichten entsprechenden Form vor. Einige Szenen fehlen wohl, ansonsten ließ Studiochef Carl Lämmle nur den Titel ändern.



      'Foolish Wifes' kenne ich nur in einer nichtrestaurierten französischen Fassung, die aber sowieso nur noch eine Ahnung von der 'Gewalt' des Originals vermitteln kann, da durch Studio und Zensur der, ich glaube, 15-Stunden Film auf 144 Minuten gekürzt wurde.



      Auch 'Merry-Go-Round' habe ich in einer anderen Ausgabe. Was aber wohl keinen Unterschied macht, da Stroheim entlassen wurde, als er erst einen Bruchteil des Films realisiert hatte. In der von Rupert Julian beendeten Version wurden dann nur etwa 15 Minuten des ursprünglichen Materials übernommen. Die sind allerdings wieder einmal typischer Stroheim, abgründig, dekadent, entlarvend und manchmal fast pervers. Der Rest ist leider ein konventionelles Melodram.



      'Greed' ist vielleicht eine der größten Tragödien der Filmgeschichte. Ursprünglich etwa 10 Stunden lang, durchweg an Originalschauplätzen gedreht, wurde der Film durch ihn, andere Regisseure, minder befähigte Cutter, das Studio auf gut 2 Stunden gekürzt. Ganze Handlungsstränge und kommentierende Nebenhandlungen fielen weg und zurück blieb nur das Skelett der Geschichte um die drei Protagonisten. Aber selbst in dieser vergewaltigten Form ist er überwältigend!!!!!

      Greed liegt in 2 Fassungen vor, einmal der von MGM und einer um Standfotos erweiterten 4-stündigen. Ich kenne beide und bin mir nicht sicher, welche ich vorziehe. Die längere Version zeigt eher den Reichtum der visuellen und kreativen Kraft Stroheims. Dafür unterbrechen die ständigen Einblendungen von Standfotos aber den Fluss der filmischen Handlung. Man sollte wohl beide kennen. Allerdings gibt es die kürzere Fassung nur in einer spanischen Version mit ebensolchen Untertiteln, was das Verständnis für mache, mich eingeschlossen, nicht erleichtert.



      Nach dem Desaster von 'Greed' wurde ihm trotzdem noch die 'Lustige Witwe' übertragen. Auch dieser Film, in dem sich Stroheim v.a. auf die Vorgeschichte der Operettenhandlung konzentrierte, wurde durch das Studio und v.a. die Zensur geradezu radikal gekürzt. Trotzdem ist er eine grandiose Fortschreibung der operettenhaften Frivolität mit anderen Mitteln.




      Nach dem finanziellen Erfolg der 'Witwe' konnte Stroheim sich bei einem anderen Produzenten an 'The Wedding March' machen. Auch hier überzog er wieder alle Budgets, alle Abmachungen, was Produktionsdauer anging, so dass der Film nur in einer verstümmelten Fassung in die Kinos kam. Immerhin konnte er selber 1957 noch aus dem verbleibenden Material eine Fassung erstellen, die seinen Absichten halbwegs entsprach. Der 2. Teil des Films ('The Honeymoon' gilt übrigens als verschollen.)

      So weit ich weiß, ist er nie auf DVD erschienen, aber auf YouTube weiterhin zu sehen.

      youtube.com/watch?v=iCRVTLxp0hY

      Und dann gibt es noch 'Queen Kelly'. Von Gloria Swanson und ihrem damaligen Lover Joseph Kennedy produziert wurde Stroheim von beiden nach endlosen Streitereien gefeuert, so dass auch dieser Film nicht vollendet werden konnte. Erst Jahrzehnte später wurde eine mit Standfotos ergänzte Fassung erstellt, die den Absichten Stroheims wohl einigermaßen nahekommt. Ob sie in dieser Version vorliegt, kann ich nicht sagen, da ich eine andere Ausgabe besitze.



      Leider ist die Editionslage katastrophal. Was fehlt, ist eine wirkliche Werkausgabe, was aufgrund der zahlenmäßigen Knappheit seines Werkes eigentlich nicht schwer sein dürfte. Und was aufgrund seiner Bedeutung als einer der großen Filmvisionäre dringend angeraten wäre!! Aber vielleicht schlägt hier doch wieder einmal das 'Zeitalter der Produzenten' durch. Jedenfalls ist Stroheim für jeden Filmfreund, Filmfreak ein Muss, selbst in der verstümmelten Form. :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:

      :wink: Wolfram
    • Neu

      Vor einiger Zeit hatte ich diese Doku mal gesehen:
      bzw.

      Interessante und spannende Doku über das deutsche Kino in der Zeit zwischen 1918 und 1933.

      Armin
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)