MOZART: Die Zauberflöte – Lauter Unsympathen?

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    • Peter Brixius schrieb:

      Eine der Quellen für die "Zauberflöte" ist die "Geschichte des Sethos" des Abbé Jean Terrasson.

      Als direkte Quelle? Ist das belegt?
      Oder ist das so gemeint, daß es sozusagen ideengeschichtlich in das Menschenbild der Aufklärung passt, aus dem sich auch die Zauberflöte speist?
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Peter Brixius schrieb:

      Da suche ich gerne noch eine Stelle bei Wieland raus, wenn gewünscht.


      Ohne zu suchen:

      - Wieland, Christoph Martin: Reise des Priesters Abulfauaris ins innere Afrika, in: ders.: Sämmtliche Werke, Bd. 15: Vermischte Prosaische Aufsätze, Leipzig 1795, S. 1-28.

      - Wieland, Christoph Martin: Die Bekenntnisse des Abulfauaris, gewesenen Priesters der Isis in ihrem Tempel zu Memfis in Nieder-Ägypten. Auf fünf Palmblätter von ihm selbst geschrieben, in: ders.: Sämmtliche Werke, Bd. 15: Vermischte Prosaische Aufsätze, Leipzig 1795, S. 29-66.

      Die Texte spiegeln sehr schön a) das (elementar)anthropologische Wissen über die 'Negers' im inneren Afrika und die [in Person des Abulfauaris präsenten] 'kulturell höher stehenden Hamiten' (bei Wieland - wie nicht anders zu erwarten - wir das ganze ironisch gebrochen) und b) das, was Du in #94 und #97 ansprichst.

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Lieber bustopher,

      ich orientiere mich da zunächst einmal an Perl, den Du ja auch kennst. Deshalb dürfte Dir meine Antwort nicht fremd sein: Danach ist es aus dem Zusammenhang klar, dass es sich um einen Wiener Bekannten handelte, es geht also nicht um das Landsmännische ("er zeigte den bayern" nicht "er zeigte sich als bayern"), auch der "Esel" und der "Papageno" haben nichts mit einer regionalen Herkunft zu tun. Dass bei den Aufklärern Bayern nicht beliebt war, belegt Perl mit Ignaz von Born (und verweist dabei auf Guy Wagner: Bruder Mozart - Freimaurer im Wien des 18. Jahrhunderts. Wien 1996), der 1785 aus Protest gegen das Illuminaten-Mandat des bayerischen Kurfürsten aus der Münchner Akademie der Wissenschaften ausgetreten war.

      In seinem Schreiben bezeichnete er den Prozess gegen die Häretiker", also die ketzerischen Illuminaten, als Vergehen von Kannibalen, setzte Jesuitismus und Fanatismus mit Bosheit und Ignoranz gleich, Aberglauben mit Dummheit. Er bleibe ein eingeschworener Feind der unwissenden Mönche. Seine Denkweise sei genau das Gegenteil derjenigen, für die Bayern so berühmt sei. Der "bayer" bwar für Mozart also jemand, der die Gegenposition der Illuminaten vertrat, ein Anhänger klerikalen Aberglaubens. (S. 13)


      Was, lieber bustopher, würde es auch sinnhaft machen, Menn Mozart hier jemanden als "Bayer" im Sinne der Landsmannschaft kritisieren würde? Weder Herkunft noch Sprache geben einen Bezug auf die Stelle (das Unverständnis eines freimaurerischen Rituals)

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • bustopher schrieb:

      Peter Brixius schrieb:

      Eine der Quellen für die "Zauberflöte" ist die "Geschichte des Sethos" des Abbé Jean Terrasson.

      Als direkte Quelle? Ist das belegt?
      Oder ist das so gemeint, daß es sozusagen ideengeschichtlich in das Menschenbild der Aufklärung passt, aus dem sich auch die Zauberflöte speist?


      Jan Assmann ("Die Zauberflöte". Ein literarischer Opernbegleiter) scheint auf jeden Fall der Auffassung. Dafür spricht das Szenarium der Erzählung, der junge Prinz der als Hoffnung seines Volkes von dem weisen Priester in die Mysterien des Priesterordens eingeführt und eine Reihe von Prüfungen bestehen muss.Ob nun Terrasson oder einer der Nachahmer - es ist das Konzept, das sich bei Schikaneder wiederfindet. Deshalb halte ich die Vermutung Assmanns durchaus für gerechtfertigt.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Kleiner Nachtrag, der wikipedia.fr-Artikel zu Abbé Terrasson ist sehr aussagekräftig, für Nicht-Frankophile aus dem englischen Artikel

      His best-known work is probably the fantasy novel Life of Sethos, Taken from Private Memoirs of the Ancient Egyptians (1731). This fiction elided Masonic with ancient Egyptian ritual, and served as an inspiration for Mozart and Schikaneder's Magic Flute.


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • So, jetzt habe ich noch bei Jacques Chailley (La flûte enchantée, 1971) nachgeschlagen, der dem Roman von Terrasson seiner Bedeutung entsprechend Raum widmet. 1778 war eine (zweite) deutsche Übersetzung erschienen. Terrasson wurde als Kapazität für die ägyptische Antike geschätzt, sein Roman also authetnisch genommen. Ignaz von Born hatte ihn schoon in einem Artikel aufgegriffen, er war also im Bewustsein der Öffentlichkeit. Chailly stellt fest, dass die Drei Damen und viele andere Details direkt aus dem Sethos stammen, auch die Königin der Nacht borgte bei Daluca, der Schwiegermutter Sethos, wichtige Charakterzüge. (Chailly, S. 36-37)

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • zum Post 103:
      Dann verstehe ich aber Deine Erläuterung in Post 84 nicht:

      Peter Brixius schrieb:

      Es tauchen im Brief einige Schlüsselwörter auf, die im Dialog mit Constanze ihre besondere Bedeutung haben müssen. Das erste ist der "Bayer". Verständlich wird das im politischen Zusammenhang - als die josephinische von der Aufklärung bestimmte Politik die Jesuiten vor die Tür Österreichs setzen, strömten sie nach Bayern, wo sie wohlwollend aufgenommen wurden. Ein Bayer ist also ein konservativer Mensch [...]

      Demnach wäre der "Bayer" ein kirchenhöriger und damit ein aus damaliger aufgeklärt säkularer Sicht rückständiger Mensch. Als Beleg führst Du eine vorgeblich wohlwollende Aufnahme der in Österreich verbotenen Jesuiten in Bayern an. Woher leitet sich der Begriff in der hier zugrundegelegten Verwendung denn ab, wenn nicht von der "Landsmannschaft" und der vorgeblichen Kirchenfreundlichkeit in Bayern - die notabene beim einfachen Volk in den Habsburger Erblanden keine andere war als in Bayern, ebenso wie die politischen Versuche, die Kirche als Institution zu entmachten, hier wie dort vergleichbar waren. Und der Perl führt den Born an, der sich ja auch auf "Bayern" bezieht. Oder habe ich da jetzt etwas falsch verstanden?

      Klar: Diese Argumentation liegt auf der Linie von Perl. Wenn ich Hammer/Perl bin, sieht alles wie Nagel/schwarze Soutane aus. Ich finde allerdings, daß hier ein sehr viel später entstandenes Klischee vom "rückständigen Bayern" in anachronistischer Weise als Synonym bedient wird - obwohl es eine sehr viel einfachere Erklärung für die Begrifflichkeit "Bayer" im zitierten Mozartbrief gibt, nämlich die vom Saubärn, die ohne weitere Zusatzannahmen und Querverweise auskommt. Die passt aber eben nicht als Beleg in das Perl'sche Argumentationsschema vom antiklerikalen Code in der Zauberflöte.

      Daß bei den aufgeklärten Freimaurern die bayerische Illuminatenjagd auf heftige Kritik gestoßen ist, ist ja nachvollziehbar. Die Motive dieser Jagd lagen nun aber nicht darin, daß irgendwelchen Klerikern die aufklärerischen Ideen der Illuminaten verdächtig waren, und sie einen kirchenhörigen Karl Theodor (was er ja nun absolut nicht war) für ihre Belange manipuliert hätten, sondern in der politischen Paranoia des Obrigkeitsstaates unter der Regierung dieses absoluten Kurfürsten. Insofern ist diese Kritik meines Erachtens für die Untermauerung der Perl-Argumentation nicht wirklich verwertbar. Wenn der Born etwas im (verständlichen!) Zorn schrieb, bedeutet das auch noch nicht, daß diese Betrachtungsweise intellektuelles Gemeingut war, im Sinne von: wenn der Freimaurer Born "Bayer" als Synonym für idealtypisch klerikal rückständig betrachtet, muß das auch für die Freimaurer Mozart und Schikaneder zutreffen. Das wäre in meinen Augen eine unzulässige Verallgemeinerung.
      viele Grüße

      Bustopher


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      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Ich habe mal ein paar Quellen zum Zauberflötenlibretto zusammengetragen:

      der bereits zitierte Abbé Terrason, Sethos - Prinz wird von einer Schlange angegriffen und später nach einer Feuer- und Wasserprobe in einen Tempel eingeführt.

      Carlo Gozzi, die Schlangenfrau - der prinzliche Protagonist ist ein Waschlappen, der ohne fremde Hilfe nichts zustande bringt (Vorlage auch für Wagners Feen)

      Hartmann von Aue, Iwain, Prosatranskiption von Mozarts Logenbruder Karl Joseph Michaeler - im ersten Gesang trifft Calogriant auf einen schrecklich anzusehnden Waldmann , der auf die Frage, welcherlei Geschöpf er sei, antwortet: Ein Mensch, wie du nun siehst. Im fünften finden drei Damen den nackten und um seinen Verstand gekommenen Iwain im Wald und bringen ihn wieder zu sich.

      Christoph Martin Wieland, Oberon (Mozart besaß ein Exemplar) - Scherasmin: Papageno, Hüon: Tamino, Oberon: Sarastro, Horn:Zauberflöte, Rezia-Amanda: Pamina (der Dolch kommt auch vor), Fatma: Papagena

      ein paar Zitate daraus:

      "und nun, lebt wohl, auf Wiedersehn" (5,29)
      "er Ist's" (5,40)
      "Zurück - Zurück!" (5,43; 5,44)
      "Was bleibt ihm sie zu schützen
      Noch übrig, als sein Horn von Elfenbein?
      Er setzt es an den Mund, und zwingt mit sanftem Hauche
      Den schönsten Ton aus seinem krummen Bauche.
      Auf einmahl fällt der hoch gezückte Stahl
      Aus jeder Faust; in raschem Taumel schlingen
      Der Emirn Hände sich zu tänzerischen Ringen;
      Ein lautes Hussa schallt Bacchantisch durch den Sahl,
      Und jung und Alt, was Füße hat, muß springen;
      Des Hornes Kraft läßt ihnen keine Wahl:
      Nur Rezia, bestürzt dieß Wunderwerk zu sehen,
      Bestürzt und froh zugleich, bleibt neben Hüon stehen." (5,45-46)

      Nach dieser Vorlage wurde bereits am 7.11.1789 (also bereits unter Schikaneder) am Freihaustheater Paul Wranitzkys gleichnamige Oper auf das Libretto von Karl Gieseke gegeben, die allerdings eine spätere Episode des Oberon-Epos thematisiert.

      Zitat daraus, dritter Aufzug, erster Auftritt, Duett Scherasmin-Fatime:
      Komm her mein liebes Herzensweibchen, hier hast du meine Hand, schlag ein; wir wollen wie die Turteltäubchen uns schnäbeln und des Lebens freun

      Komm her mein trautes Scheasminchen, hast du mich gern, so bin ich dein. Liebäugeln kannst du wie Kanninchen. hier hast du meine Hand, schlag ein

      Am 11.9.1790, also ein Jahr vor der Zauberflöte inszenierte Schikaneder den Stein der Weisen oder Die Zauberinsel, zu der er auch das Libretto verfasste. Die Musik stammte von J.B. Henneberg, F.X.Gerl, B.Schack - und W.A. Mozart. Die Vorlage dazu stammt aus Wielands Sammlung Dschinnistan und stellt ein Pasticcio aus den Märchen Der Stein der Weisen und Nadir und Nadine dar. Sowohl von der Personnage als auch von der Handlung und vom Text her ist die Zauberflöte darin bereits deutlich vorweggenommen. In Wielands "Stein" findet man auch bereits in der Erzählung des Misfragmutosiris-Gablitone auch die "Finsternis", die Wasser- und Feuerprobe, das "Schweigen" und die "Säulen" vor dem Eingang des Tempels die vor der Enthüllung der Geheimlehre stehen.

      Ebenfalls in Wielands Sammlung Dschinnistan ist A.J. Liebeskinds Erzählung Lulu oder die Zauberflöte (in Wien 1791 veröffentlicht) enthalten. Auch hier ist zumindest ein Teil der Personnnage und des Plots der Zauberflöte vorweggenommen: Eine Fee sendet einen Prinzen aus, ihre Tochter zu retten, die von einem Zauberer gefangengehalten wird, er bekommt einen Zauberring (den gibt es auch schon bei Oberon) und eine Zauberflöte, als Aufseher gibt es eine Zwerg (entspricht Monastratos) und den Klang von Silberglöckchen gibt es ebenfalls.

      Eine wahrschenliche weiter Quelle, wenn auch nicht direkt im Plot selber sondern in der (freimaurerischen) Symbolsprache, der in der Zauberflöte zum Ausdruck kommt, ist Ignaz von Borns Über die Mysterien der Aegyptier. Ob man allerdings so weit gehen kann, den wohlbekannten scharfen Antiklerikalismus' Borns als Basis für die Zauberflöte zu erklären, halte ich persönlich nach der Lektüre von Baurs Schikaneder-Biographie und angesichts der vielen Quellen, aus denen das Libretto schöpft, allerdings für zumindest fragwürdig. Einen großen Teil der Symbolik findet man auch bereits bei Wieland, der zum fraglichen Zeitpunkt kein Mitglied der Freimaurer war (er trat erst 1809 der weimarer Loge Anna Amalia zu den drei Rosen bei) Das legt den Schluß nahe, daß die Symbole AUCH von den Freimaurern genutzt wurden, aber nicht exklusiv. Im Stein der Weisen sind sie sogar mit den Handlungen und Erzählungen des Betrügers assoziert. Auch das Motiv der getrennten Liebenden und die Suchfahrt ist ein immer wiederkehrendes in Dschinnistan.
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Mir wurde empfohlen dieses Thema aufzusuchen und vielleicht wiederzubeleben - dann möchte ich es mal versuchen.

      Also:

      Peter Brixius schrieb:

      Für die "Umbesetzung" sprach zweifellos, dass ein Löwe eindeutig Sarastro hätte zugeordnet werden müssen, die Schlange mehr der Welt der "Königin der Nacht" entsprach. Dass es bei der Königin der Nacht Bezüge zur Religion gibt, genauer zur Jungfrau Maria, möchte ich schon mal angemerkt haben. Eine bekannte zeitgenössische Darstellung, die die Königin der Nacht auf einer Mondsichel zeigt, hat ihre Entsprechung in der kirchlichen Ikonographie. Ein beliebtes Motiv ist auch Maria, die die Schlange des Garten Edens zertritt.
      Vielleicht wären bei der Königin der Nacht auch Bezüge zu dem Primärbild der Maria interessant - es gibt jedenfalls die Theorie, dass die "Mondsichelmadonna" auf Isis-Darstellungen zurück geht.

      Und was die Schlange angeht, so erinnert mich diese mich auch sehr an den Kampf von Apollon (Pfeile) gegen Python in der gebirgigen Umgebung des Parnassos in der Nähe des Orakels von Delphi (auch hier Ähnlichkeit zur Bühnendekoration).

      Apollon war in den Mysterienbegeisterten Kreisen, wie es damals ja auch die Freimaurer waren, eine zentrale und bekannte Figur. Ganz ähnlich natürlich, wie der angesprochene Sethos:

      bustopher schrieb:

      der bereits zitierte Abbé Terrason, Sethos - Prinz wird von einer Schlange angegriffen und später nach einer Feuer- und Wasserprobe in einen Tempel eingeführt.
      Apollon und Sethos können die Schlange aber souverän bezwingen - was sagt uns dagegen Taminos Auftritt, der hilflos davonlaufen muss, sogar "weibisch" in Ohnmacht fällt, und sich dann tatsächlich von Frauen retten lassen muss. Das ganze wirkt doch wie die Karikatur eines Helden - selbst für uns heute. Und damals waren Apollons Kampf gegen Python und Sethos ganz ähnlicher Kampf gegen eine Riesenschlange in gewissen Kreisen - wie den Freimaurern aber auch im Zuge der allgemeineren Ägyptophilie - in aller Munde.


      Als Goethe die "Zauberflöte" in Weimar aufführte, setzte er die Königin der Nacht übrigens in eine Aureole gehüllt auf die Mondsichel (siehe Bühnenbildzeichnung auf wikipedia durch googlen von "BuehnenentwurfZuMozartsZauberfloeteZeichnungGoetheS158"). Dies könnte natürlich ebenso zur Mutter Maria passen; doch eigentlich - wenn man sich die Königin der Nacht wegdenkt - sieht man in der Aureole doch auch einen Stern oder eine Sonne. Man kennt es vielleicht von den Moslems, die es wahrscheinlich von den Byzantinern haben, die Diana/Artemis verehrten. Diana/Artemis ist die Mondgöttin und sowohl Schwester als auch Hebamme der Sonne/Apollon. Bezüglich Apollons ist also ja vielleicht auch eine griechische Variante hier für die "Zauberflöte" und unsere Königin der Nacht interessant: die griechische Göttin der Nacht, Leto, die Mutter von (Halb-)Mond und Sonne ist, von Artemis und Apollon.

      Aber Goethes Fortsetzung der "Zauberflöte" zeigt dann eine Königin der Nacht, die in ihrer Spähre beide Seinspole verkörpert: Leben und Tod. Damit entspricht sie zumindest auf der symbolischen Ebene der ägyptischen Geburts- und Toten-Göttin --- Isis!


      Viele Mysterienbeigeisterte sahen hinter Maria, Leto und Isis ohnehin die gleiche alte Geschichte - nur etwas anders erzählt. Von daher sind Vermischungen der einzelnen Erzählversionen vielleicht sogar gewollt (interessant vielleicht auch Goethes "Mater gloriosa"-Figur) - dennoch scheinen mir die älteren Mysterienvorstellungen von der Muttergöttin, die sowohl Leben schenkt als auch Tod und Zerstörung bringt, für die Königin der Nacht wichtiger als die christliche, reine Maria.


      Also: Was die Königin der Nacht angeht, mögen die symbolischen Anspielungen auch leicht anders ausgelegt werden können. Und ich wäre weniger überrascht, wenn es hier viele mal wieder ganz anders sehen. Aber der Kampf von Apollon gegen Python passt doch erstaunlich gut auf Taminos Auseinandersetzung mit der Riesenschlange - nur das Tamino dann als die Karikatur eines Helden eingeführt werden würde (was aber auch auf den Sethos-Vergleich passen würde, der aus meiner Sicht hier und für die "Zauberflöte" im Allgemeinen auch sehr wichtig ist).

      Ich bin gespannt - löse ich wieder eine polarisierende, bissige Diskussion aus? Oder kommt diesmal gar nix? Irgendwas dazwischen wäre vielleicht schön :clap:
    • Lieber Somni,

      Das ist ein ganzes Bündel überlegenswerter Gedanken, auf das ich keine prompte Antwort weiß. Vielleicht gibt es auch keine eindeutige. Wissen wir denn, ob Schikaneder eine eindeutige Vorstellung von all den komplizierten Strukturen hatte? Oder hat er diese Elemente womöglich nur aus einem Teilwissen und ohne konsequente Systematik übernommen? In manchem klingen deine Überlegungen konsequent. Andererseits: Sarastro und seine Eingeweihten beten Isis und Osiris an und erkennen sie als höhere Mächte. Die einfache Gleichsetzung der Königin der Nacht mit Isis scheint dadurch nicht möglich. Die Königin könnte nur ein partielles, entartetes Derivat darstellen. Ich frage mich, ob diese, im Detail oft recht plausiblen Kombinationen wirklich zu einem gesamtlogischen Ganzen gefügt sind oder nicht, ob man, sprich Schikaneder, nicht etwa bis zu einem gewissen Grad mit solch modischen Einzelfaktoren ein wenig spielerisch umgegangen ist, während die Nachwelt mit philosophischem Ernst einen Code zu enträtseln sucht, der als solcher womöglich gar nicht existiert. Jetzt hätte ich gern ein Kopfkratz-Smiley zur Verfügung.
      Natürlich bin ich dafür, sich weiter den Kopf zu zerbrechen und nach allen möglichen Lösungen zu suchen. Schließlich ist das spannend, auch wenn man noch kein konkretes Ziel ansteuern kann.
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Also, erstmal ist der Gedanke, dass Schikaneder mehr aus einem Teilwissen herausarbeitete und keine konsequente Systematik verwendete, nachvollziehbar. Und dennoch kann man auch das Gegenteil annehmen, oder auch im Sinne von Roland Barthes' "der Autor ist tot" auf eine Sinnsuche gehen.

      Jedenfalls ist Folgendes für mich als Argument wiederrum nicht so einfach:

      Waldi schrieb:

      Sarastro und seine Eingeweihten beten Isis und Osiris an und erkennen sie als höhere Mächte. Die einfache Gleichsetzung der Königin der Nacht mit Isis scheint dadurch nicht möglich.

      Also natürlich: die Königin der Nacht ist wohl eher nicht als "einfache Gleichsetzung" mit Isis zu verstehen. Aber doch vielleicht auf der symbolischen Ebene. Und was Sarastros Eingeweihte angeht ist ja interessant, dass sie so gegen Frauen giften

      Priester schrieb:


      Ein Weib hat also dich berückt?
      Ein Weib thut wenig, plaudert viel.
      Du Jüngling glaubst dem Zungenspiel?


      Oder

      Priester schrieb:


      Bewahret euch vor Weibertücken:
      Dies ist des Bundes erste Pflicht!

      Und dennoch ist die von den Eingeweihten verehrte Isis ja eine Frau! Eine Frau die übrigens die Sonne=Horus geboren hat. Also vielleicht sollten die Brüder/Männer von Sarastros Bund nicht so abschätzig über Frauen oder die Nacht (und den Mond) sprechen, denn diese haben in den Mysterienvorstellungen die Sonne geboren; sowie Frauen ja auch in der Realität nicht ~wenig tuen~, sondern Männern das Leben schenken. Mit ihren Reden machen sich die Eingeweihten in diesen Punkten also selbst lächerlich, was im übrigen ja an den realen Frauenausschluss der Freimaureren angelehnt sein könnte.

      Also vor dem Hintergrund der Mysterien, aber auch der Realität, macht diese Geringschätzung von Frau und Nacht/Mond keinen Sinn, da diese dem Mann und der Sonne das Leben geschenkt haben.

      Auch sehe ich Sarastros Sonnenreich insgesamt sehr kritisch (Sklaverei; Doppelmoral von Ideal und Wirklichkeit) und würde die Aussagen des Bruderbundes nicht allzu ernst nehmen. Aber naja, teilweise hatten wir dieses Thema ja bereits angesprochen. Ich sehe die Sklaverei bekanntlich ja als bewusst gewählte Parallele zum Freimaurer und Vertreter der bürgerlichen Revolution in Amerika - George Washington, der auch ein Sklavenhalter war wie Sarastro. (Kann man natürlich aber auch anders oder gar als unbewusstes Element verstehen...)
    • Ich glaube nicht (nein: ich bin überzeugt davon!), daß sich der Theaterpraktiker Schikaneder bei der Abfassung seines Librettos irgendwelche Gedanken in diese Richtung gemacht hat. Er hat einfach eine Zauberoper mit theaterwirksamem und in dieser Hinsicht bereits erprobtem Plot mit erprobten Elementen geschrieben, der notabene (inklusive der dabei auftretenden Figuren) aus einer Reihe von Vorlagen kompiliert wurde, bis hin zu wörtlichen Zitaten oder wenigstens fast wörtlichen, insbesonders aus (ich hab's irgendwo weiter oben schon mal geschrieben) Wielands Märchensammlung "Dschinninstan" (1778), und dort im Wesentlichen aus "Lulu oder die Zauberflöte", geschrieben von Wielands Schwiegersohn August Jacob Liebeskind. Letzteres übrigens Vorlage auch für Kaspar, der Fagottist, oder: Die Zauberzither (Musik: Wenzel Müller; Libretto: Joachim Perinet; UA: Wien, 11. Juni 1791).

      Daß Maria Züge von Isis trägt, ist nicht neu, Daß die Königin der Nacht irgendwelche Züge von Maria tragen soll, erscheint mir dagegen absolut abwegig, schon allein vom Charkter der Figur. Wir wollen nicht vergessen, daß Mozart ein guter Katholik war. Gleiches gilt für eine Assoziation mit Isis - es gibt nichts im Libretto oder in dessen regieanweisungen, an denen sich so etwas festmachen ließe. Sie wird als "Sternenflammende Königin" apostrophiert, dem entsprechend sitzt sie "auf einem Thron, welcher mit transparenten Sternen geziert ist", mehr nicht. In Perinets Kaspar ist sie die "flammende Fee", bei Liebeskind die "strahlende Fee" Peristrime. Daß Schinkel sie mit seinem berühmten Bühnenentwurf auch noch auf die Mondsichel gestellt hat (ohne Mandorla oder Aureole!) rückt sie vom Charakter der Figur nicht in die Nähe Marias. Dann könnte man sie eher noch in die Nähe von Diana stellen, die hat auch den Mond als Attribut - aber wie gesagt: der kommt in der Regieanweisung nicht vor.

      Und daß sie keine Isis sein kann, wurde bereits erwähnt - auch da hätten wir Schwierigkeiten, Zusammenhänge zwischen der mythologischen und der Theaterfigur zu finden. Vielleicht kannst Du ja welche anführen, die jenseits der Assoziationskette Mond und Sterne - Maria - Ägyptomanie - Isis liegen.

      Daß das Libretto eine unübersehbare Nähe zu den Freimaurern hat, war bereits den Zeitgenossen deutlich. Als esoterischen Männerzirkel könnte man da eine Parallele zum Mithras-Kult ziehen. Das aber nur nebenbei und als reine Spekulation, der ich mich hier nicht hingeben möchte.

      In Kaspar, der Fagottist finden sich übrigens auch die Flugmaschine (die Armidoro/Tamino und Kaspar/Papageno zum Zauberer Bosphoros/Sarastro bringt), die allerdings bereits schon in Liebeskinds Lulu existiert: "Ein Wagen, wie eine Wolke gestaltet, schwebte heraus und ließ sich vor ihnen nieder. Sie stiegen ein. Der Wagen erhob sich und flog so sanft und schnell wie eine Schwalbe über dem Walde hin". Die ersten Versuche mit Heißluftballonen hatten schon 1783 auf der Wieden stattgefunden (dort wo ab 1785 das Freihaustheater stand, das Schickaneder 1788 übernahm). 1784 gab es kommerzielle Fesselballonaufstiege im Prater. Und 1791 stieg der Franzose Blanchard (vielbeachtet) mit einem Heißluftballon in Wien auf. Wenn man so will: der aktuelle (Regietheater-) Bezug...

      Auch aus Karl Friedrich Henslers Das Sonnenfest der Braminen (Musik: Wenzel Müller, UA: Wien, Marinellisches Theater = "Leopoldstadt-Theater", 9.9. 1790), hat sich Schikaneder bedient. Beispiele (Zauberflötentext in Klammer):

      Was der Bramin von Liebe spricht - Nein, nein, nein, nein, das glaub ich nicht (Ein Weiser prüft und achtet nicht, was der verworfne Pöbel spricht.)
      Es lachet und herzet, es küsset und scherzet (Schnäbelt, tändelt, herzet, küsst)
      Adieu, du schnöde böse Welt [...] Adieu, du schnöde Welt (Gute Nacht, du schwarze Welt! Weil du böse an mir handelst, [...] Gute Nacht, du falsche Welt!

      Der Librettodruck des Sonnenfestes (Wien, 1790) enthält übrigens noch eine Posse mit Musik von Leopold Huber (Musik Ferdinand Kauer) mit dem Titel Der unschuldige Betrug oder auf dem Land kennt man die Rache nicht . Honit soit, qui mal y pense...

      Damit zu dem angeblichen Bruch im Bild der Königin von gut nach böse. Ich sehe diesen Bruch eigentlich nicht. Wir kennen nur am Anfang ihre Absichten nicht. Solange ich die Beweggründe einer Figur nicht kenne (und die kenne ich nur, soweit sie das Stück preisgibt!), darf ich ihr, folgt man Stanislawski, nichts glauben, nicht einmal dem Helden. Natürlich macht sie bei Tamino auf verzweifelte Mutter, sie will ja schließlich, daß er für sie was tut. Das würde sie doch kaum erreichen, wenn sie gleich mit der Tür ins Haus fiele und ihm unverblümt sagte "Hey, ich bin die Böse hier im Stück, und du mußt jetzt machen, was ich dir sage, sonst reiß' ich dir die Eier ab..!" Funktioniert so Motivation? Oder, was es besser trifft: politische Manipulation? Sicher nicht. Einen Bruch gibt es nur, solange der Zuschauer, so wie Tamino, alles für bare Münze nimmt, was er erzählt bekommt - Tamino hat keine eigene Meinung, bis zum Schluß nicht. Das ist ein Musterknabe, der genaugenommen auch noch mogelt, um das erwartete Ergebnis zu liefern, denn die "Prüfungen" besteht er nur dank seines magischen Invertars, bzw. er versucht's erst gar nicht ohne.

      Genauso wenig wissen wir über die Beweggründe und den wahren Charakter Sarastros. Daß seine Anhänger ihm zujubeln, sagt nichts, das machen auch alle Anhänger von Tyrannen. Nur weil sich jemand mit Licht umgibt und behauptet, der Gute zu sein und sich zu diesem Zweck mit einschlägigen Symbolen umgibt*, ist er noch nicht automatisch der Gute (was heißt gleich doch nochmal "Luzifer" auf deutsch?) Das Böse kommt nicht als Unterweltbestie daher. Tut die Königin ja auch nicht. Ich finde es schade, daß in Schulen auf eben diesen Aspekt (normalerweise) nicht hingewiesen wird, sondern im Gegenteil, genau das Vordergründige zum Zentrum der Interpretation gemacht wird (z.B. hier: "http://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/musische-faecher/musik/abitur/zauberfloete/zauberfloete_materialien_kern_mit_anhang_butz.pdf"). So erzieht man nicht zum selbstständigen Denken...

      *) Es zeigen die Pforten, es zeigen die Säulen, Dass Klugheit und Arbeit und Künste hier weilen: Hier irrt Tamino. Daß die Pforten und Säulen mit einschlägigen Symbolen versehen sind, sagt zunächst (sic!) nicht mehr, als daß der Erbauer gerne hätte, daß das der Besucher (Tamino) glauben möge.Ob dem tatsächlich so ist kann Tamino (noch) nicht wissen.
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Kleiner Widerspruch, lieber bustopher, bezüglich der Pforten und Säulen: Da geht es nicht nur um Symbole, sondern auch um Ästhetik. Kunstverständnis (und zwar in höherem Grad) gehört zum adeligen Verständnis. Tamino erkennt, daß er da nicht in barbarischer Umgebung ist, sondern daß sich hier höhere Bildung ausdrückt. Freilich ist er geneigt, das als Heuchelei abzutun, doch versetzt ihn der geheimnisvolle Mahner, der da plötzlich herauskommt, doch in Zweifel, ob das auch stimmt. Und die Stimmen, die verkünden, daß Pamina noch lebt etc., bewirken, daß er nun doch lieber an den Weisheitstempel glaubt.
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • So jetzt kommt ein absoluter "Zauberflöten - Nichtkenner" zu Wort :callas1: :callas1: :

      Ich denke kaum das weder Mozart noch Schikaneder als Theaterstück und Komponist, obwohl sie Logenbrüder waren, dem Publikum etwas Großes zum Nachdenken gaben, sondern ein Zaubermärchen um das Publikum zu unterhalten, wie es damals Mode war, wo weder Maschinen noch Utensilien geschont wurden, es sollte unterhalten und das war auch der Zweck der "Zauberflöte" die das Wiener Märchenspiel zum Vorbild hatte und welches auch später, speziell von Raimund und auch Nestroy, so gestaltet wurde.

      Es sollte unterhalten und war nicht für die Unsterblichkeit projektiert, das machte Mozarts Musik erst. Tamino und Pamina, sowie Papageno sind Menschen der Damals Zeit und keine Gestalten der historischen Geschichte obwohl die beiden Erstgenannten ägyptische Namen tragen, nur hat sich Schikaneder sich eben geirrt denn eigentlich würde es ja Pamino und Tamina heißen, denn das Pa ist dem Mann zugehörig und Ta der Frau. Das ist denke ich, die Arien der Sternflammenden Königin, die Auftritte von Sarastro und der bodenständige Papageno mit seiner Papagena haben die Herzen erobert damals und auch heute noch.

      Liebe Grüße sendet Euch Euer Streiferl. :wink:
    • Waldi schrieb:

      Kleiner Widerspruch, lieber bustopher, bezüglich der Pforten und Säulen: Da geht es nicht nur um Symbole, sondern auch um Ästhetik. Kunstverständnis (und zwar in höherem Grad) gehört zum adeligen Verständnis. Tamino erkennt, daß er da nicht in barbarischer Umgebung ist, sondern daß sich hier höhere Bildung ausdrückt. Freilich ist er geneigt, das als Heuchelei abzutun, doch versetzt ihn der geheimnisvolle Mahner, der da plötzlich herauskommt, doch in Zweifel, ob das auch stimmt. Und die Stimmen, die verkünden, daß Pamina noch lebt etc., bewirken, daß er nun doch lieber an den Weisheitstempel glaubt.
      Zum einen hast Du recht: er kann die Symbole entschlüsseln. Aber es ist ja nicht so, daß er, wie jene antiken Schiffbrüchigen, die am Strand eine logarithmische Spirale im Sand finden, daraus (nur) schließt, daß er in der Zivilisation ist. Er interpretiert ja umgehend, oder? (Wo Thätigkeit thronet, und Müssiggang weicht, erhält seine Herrschaft das Laster nicht leicht.) Und, wie Du sagst: er erwartet ja durchaus ein entsprechendes Programm, sonst würde er es ja nicht als Heuchelei bezeichen, als er erfährt, daß Sarastro im Weisheitstempel thront. Daß er dann relativ schnell seine Meinung ändert, sagt nur etwas über seine Beeinflußbarkeit...

      ad oper337: das hat der Schikaneder irgendwo auch genau so geäußert:
      Ich schreibe fürs Vergnügen des Publikums, gebe mich für keinen Gelehrten aus
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • bustopher schrieb:

      Vielleicht kannst Du ja welche anführen, die jenseits der Assoziationskette Mond und Sterne - Maria - Ägyptomanie - Isis liegen.

      Naja, wie gesagt, kann ich verstehen, wenn man mir hierin nicht folgen möchte. Ich möchte ja auch nicht allem folgen, was hier so gedeutet wird. Und Symbolik arbeitet ja häufig assoziativ. Aber natürlich habe ich auch nicht alles gesagt. Mir scheint, das die Motivik der Königin der Nacht teilweise Berührungspunkte zum Göttlichen hat ist eigentlich so eindeutig, wie Symbolik eigentlich nur deutlich werden kann. Doch eigentlich geht es tatsächlich sogar über das Symbolische hinaus, zumindest wenn wir uns Schikanders "Zauberflöte II" anschauen. Tatsächlich wird in Schikanders "Zauberflöte II" die Königin nämlich auch "Luna" genannt - auch im Libretto, wenn ihr Sprechakt angekündigt wird (Luna:"..."). Und Mozart und Schikaneder sollen die "Zauberflöte" ja unter dem Arbeitstitel "Die Ägyptischen Geheimnisse" diskutiert haben (Geheimnisse=Mysterien), dies ist zumindest bei Jan Assmann zu lesen. Außerdem die Aufnahme der freimaurerischen Symbole und des "Sethos"-Romans. Natürlich zielt dies auch auf Geschmack und Unterhaltung oder "Vergnügen". Aber wurde Goethes "Faust"-Dichtung nicht auch zum Vergnügen geschrieben - es ist jedenfalls keine "Gelehrten"-Literatur, auch wenn Goethe sich wahrscheinlich schon sehr als Gelehrter verstanden hat und wissenschaftliche (bzw. wissenschaftlich orientierte) Schriften verfasst.

      Also bei dem ganzen Kleingerede der "Zauberflöte" kann man auch nochmal über diese Worte Goethes nachdenken:

      .. die Behandlung ist bei so großem Stoff nur andeutend und macht sehr große Ansprüche an den Leser.« – »Aber doch«, sagte Goethe, »ist alles sinnlich und wird, auf dem Theater gedacht, jedem gut in die Augen fallen. Und mehr habe ich nicht gewollt. Wenn es nur so ist, daß die Menge der Zuschauer Freude an der Erscheinung hat; dem Eingeweihten wird zugleich :!: der höhere Sinn :!: nicht entgehen, wie es ja auch bei der :!: ›Zauberflöte‹ :!: und andern Dingen der Fall ist.«

      Nur, weil dieses Zitat, wiedergegeben von Eckermann, in diesem Thema glaube ich noch nicht genannt worden ist.

      Aber okay, ich komme nochmal ganz konkret auf die Königin der Nacht.


      Diese Schilderung passt sehr gut zu zeitgenössischen Vorstellungen über die Isis (Papageno über die Königin der Nacht):
      Welches Menschen Auge würde durch ihren schwarz durchwebten Schleyer blicken können?

      Übrigens dann auch Tamino:
      Sag mir, guter Freund! warst du schon so glücklich, diese Göttinn der Nacht zu sehen?

      Ebenso wirkt der erste Auftritt der Königin wie die Inszenierung einer Göttin.


      Aber um meine Punkte besser nachzuvollziehen; hier eine Ausführung nach Jan Assmann ("Die Schrecken des Erhabenen"):

      Kant schrieb:

      Vielleicht ist nie etwas Erhabeneres gesagt oder ein Gedanke
      erhabener ausgedrückt worden als in jener Aufschrift über dem
      Tempel der Isis (der Mutter Natur): "Ich bin alles was da ist, was da
      war und was da sein wird, und meinen Schleier hat kein Sterblicher
      aufgedeckt”.

      Jan Assmann schrieb:

      Diese Inschrift überliefern Plutarch und Proklos. Damals hatte sie jeder
      Gebildete im Kopf; daher konnte sich Kant so unbestimmt ausdrücken (“in
      jener Inschrift”). Beethoven hatte sie sich aus einem Essay von
      Schiller, auf den ich noch eingehen werde, herausgeschrieben und unter
      Glas gerahmt auf seinen Schreibtisch gestellt.2 Sie galt als ein Credo des
      aufgeklärten Deismus und zugleich als ein Satz urältester ägyptischer
      Weisheit und Geheimtheologie.

      Ich denke, in einem LIbretto, welches unter dem Arbeitstitel "Ägyptische Geheimnisse" oder Mysterien besprochen worden ist, und diesen ägyptischen Motiven durch den "Sethos"-Roman dazu noch so nahe steht, und nicht zuletzt wäre da noch der Isis und Osiris Kult der Eingeweihten, ist die symbolische Nähe einer Königin der Nacht, die als Luna und Göttin der Nacht betitelt wird, dann hin zur ägyptischen Isis nicht so ganz weit hergeholt. Gerade weil die Kulte sich ja auch in der "Zauberflöte" überschneiden - die Eingeweihten verehren Isis und Osiris, ihr Vorsteher Sarastro lässt sich aber als Anspielung auf Zarathustra verstehen, der die Religion Zoroastrismus stiftete.



      Am Ende sind diese Mysterienvorstellungen aber auch alle miteinander verwandt. Wenn ihr euch das Symbol des Zoroastrismus anschaut (einfach bei wikipedia - ich darf ja keine Bilder posten, gehen eigentlich Links????? :) de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus), die Faravahar, dann lässt sich darin die Flügelsonne des ägyptischen Sonnengottes Horus (bibelwissenschaft.de/wibilex/d…aaeb3f041d682e75dc9ffd05/) wieder erkennen.


      Ich denke, dass das der Geist der Mysterienbegeisterten Bünde in der Zeit war, der Freimaurer und Illuminaten. Jedenfalls gibt es Ausführungen, wo Freimaurer und Illuminaten, aber auch Goethe, Sonnenanbetung und z.B. Jesus-Glaube in für uns ganz unbekannte und neue Nähe rücken.


      Interessant aus meiner Sicht übrigens auch wie Goethe, der sich ja frech als Eingeweihter bezeichnete und meinte in der "Zauberflöte" einen verborgenenen höheren Sinn zu erkennen, die Königin der Nacht sah. Und nun poste ich mal auch diesen Link (hoffe es ist alles erlaubt: de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bu…teZeichnungGoetheS158.jpg). Und wie gesagt, ich hier sehen wir die Königin der Nacht auf einem Halbmond und in einer Aureole, worin man Mond und Sonne erkennen könnte. Dies ist wiederrum folgendes Symbol:

      Manfred Lurker schrieb:

      Der Ägypter erlebte das Zwiefache weniger unter dem Aspekt des Gegensatzes als
      unter dem der Ergänzung. Das Gewahrwerden der Zweiheit ist nichts anderes als eine
      Entfaltung der Einheit. Was der Abendländer als Gegensatzsymbolik auffaßt, ist dem
      Ägypter Ergänzungssymbolik. Eines der schönsten Beispiele ist das Bild der
      Sonnenbarke. In Wirklichkeit ist die Barke die Mondsichel, die die Sonnenscheibe
      trägt.

      Quelle: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Symbole der alten Ägypter.


      Ja, Goethe inszeniert die Königin der Nacht auf der ägyptischen Sonnenbarke. In diesem "Zauberflöten"-Stück, wo es um den Kampf zwischen dem Mond-/Nachtreich der Königin und Sarastros Sonnenreich geht. Also in diesem Kampf um die absolute Herrschaft der gegensätzlichen Systeme setzt Goethe ein Symbol der Harmonie und des Zusammenlebens, ja man sieht wie der Mond die Sonne trägt, also unterstützt. Und man sieht ja auch das Teile aus dem Nachtreich positiv in das Sonnenreich hineinwirken - Pamina nimmt Tamino an der Hand und führt ihn durch die Prüfungen (wie der Mond die Sonne?).

      Und natürlich ist der Mond, der die Sonne trägt, ein Zeichen, welches die Isis (oder auch Hathor) häufig in Darstellungen als Kopfschmuck trägt als Zeichen für ihr Tragen der Sonne (ihr Sohn Horus) in ihrem Mutterbauch (bzw. in Mysterienvorstellungen wie die Flucht vor den Häschern, die Isis und ihren Sohn töten wollten und, und, und...).


      Man muss sich hier vielleicht etwas davon befreien die symbolische Ebene mit der einfachen Handlungsebene 1:1 gleichzusetzen... Und wie gesagt, im Falle der Königin ist es sehr abstrakt, und ich kann verstehen, wenn man es hier nicht so sieht wie ich. :)
    • Vermutlich sind die hier vertretenen, scheinbar gegensätzlichen Positionen gar nicht so weit voneinander entfernt, wie man annehmen könnte. Ich denke, daß es die starke Trivialisierung durch Schikaneder ist, die Verwirrung stiftet, und deren man sich immer bewußt sein muß. Irgendwie schimmert durch, daß die Königin der Nacht so etwas wie die ungezähmte, aber doch unentbehrliche Natur verkörpert mit all ihren drohenden und barbarischen Eigenschaften, während Sarastro als Personifikation des menschlichen Geistes, des Intellekts und der überlegenen reflektierten Moral für die Aufklärung und die Ratio steht. Erst aus der Synthese (bei Dominanz des humanen - und gemäß der zeitgenössischen Auffassung männlichen - Faktors: Ein Mann muß Eure Herzen leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus seinem Wirkungskreis zu schreiten) ergibt sich die wahre Weg in die bessere Zukunft. Auf dieser populären Schiene konnte Schikaneder mit einer wohlwollenden Aufnahme durch die Zuhörer- und Zuseherschaft rechnen, in der wohl nur wenige sich mit spitzfindigen Details auseinandersetzen konnten und wollten.
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Lieber Waldi,


      in der Betrachtung der Gegensätzlichkeiten und dem Synthese-Gedanken liegen wir beide dann ja wirklich sehr nah beieinander (wobei ich die Überlegenheit besonders der Moral aber auch den Dominanz-Gedanken nicht so sehe – Sklaverei; entgegen der Verbalisierung von Ideal/Liebe/keine Rache wird in der Realität von Sarastro der Königin Rache angedroht, Sklaven haben Angst vor Strafen, Monostatos werden 77 Sohlenstreiche angedroht, Königin und Monostatos am Ende in ewige Nacht gestürzt – – – das sieht für mich im realen Handeln dann alles nicht aus nach: "Und ist ein Mensch gefallen; / Führt Liebe ihn zur Pflicht." ZUDEM: scheint Pamina Tamino auf dem Prüfungsweg zu führen).



      Waldi schrieb:




      Auf dieser populären Schiene konnte Schikaneder mit einer wohlwollenden Aufnahme durch die Zuhörer- und Zuseherschaft rechnen, in der wohl nur wenige sich mit spitzfindigen Details auseinandersetzen konnten und wollten.



      Tatsächlich schrieb Schikaneder wohl vor allem für das Publikum – aber welcher Künstler tat und tut das nicht? (Die Künstler der l'art pour l'art vielleicht noch am wenigsten.) Deswegen muss es sich beim Verfolgen der Details aber nicht um Spitzfindigkeiten handeln; Es könnte sich ja auch um den von Goethe angesprochenen "höheren Sinn" handeln. Und ich denke auch, dass das Publikum einerseits interessiert war an den aufgenommenen Moden der Zeit von Freimaurerei und im Besonderen von Ägyptophilie – die gebildeten Schichten. Aber andererseits bot Schikaneder selbst auch dem einfachen Volk interessante Details, wie die Bezüge zur Realität. Und im Sinne der größeren Volksschichten denke ich hier vor allem an die Kritik der höheren Stände durch Papageno, aber auch an der Kritik der Eingeweihten durch Papageno. Was aber auch alle Stände betreffen mochte war die Orientierungskrise. Die alten Werte gerieten im Zuge der Aufklärung ins Wanken. Das alte feudal und christlich geprägte Ordnungssystem hatte als alleinige Welterklärungsinstanz seinen Geltungsanspruch verloren. Doch auch die neuen Werte und Entwicklungen erschienen nicht gerade als bedenkenlose Alternativen. Es standen nun mehrere Ordnungssysteme nebeneinander. Durch die bürgerliche Revolution im nahen Frankreich war dieser Problematik die höchste Brisanz

      gegeben.


      So beginnt die „Zauberflöte“ mit einem bewusst- und orientierungslosen Helden. Während

      der Zuschauer sieht, wie die drei Damen die Schlange besiegen, kann Tamino seiner Sinne

      beraubt das Geschehen um ihn herum nicht wahrnehmen. Im zweiten Auftritt wird Tamino

      dann Opfer von Papagenos Täuschung, er selbst habe die Schlange mit bloßen Händen

      erdrosselt. Auf die Illusionierung folgt schließlich im dritten Auftritt die Desillusionierung

      Taminos durch die drei Damen. Wenig später singen dann alle fünf gemeinsam: "Bekämen

      doch die Lügner alle / Ein solches Schloss vor ihren Mund: / Statt Haß, Verleumdung,

      schwarzer Galle, / Bestünde Lieb und Bruderbund." Die Orientierungsproblematik zwischen

      Lüge und Wahrheit wird schon eingangs der „Zauberflöte“ deutlich thematisiert.


      Die ersten Szenen würde ich somit als Vorspiel verstehen; für den später kontrovers diskutierten Systemwechsel durch Tamino vom System der Königin in das System von Sarastro (geht auch in die Richtung von Illusionierung und Desillusionierung, wobei fraglich bleibt ob Sarastros System nicht nur eine weitere Ideologie ist).



      Und eben bei diesen realistischen Hintergründen von Aufklärung=bürgerlicheRevolution=Sarastro vs Königin=Monarchie=Aberglaube/Kirche ist die vermeintliche Trivialisierung in Form einer unschuldigen Märchen- und Zauberoper vielleicht gerade besonders genial, denn die französische Revolution versetzte die Monarchen Europas in Alarmbereitschaft, sodass auch in Österreich immer härter und bald überempfindlich gegen revolutionäres und sogar bloß aufklärerisches Gedankengut vorgegangen worden ist: Verfolgung von Menschen, über die man so etwas dachte (auch im Umfeld von Schikaneder), Verbot der Freimaurerei (!) und strenge Zensur von Stücken!



      Vor diesem Hintergrund ist es für Schikaneder also von großem Vorteil gewesen, dass er die "Zauberflöte" so angelegt hatte, dass sie auch als triviale Märchenoper verstanden werden konnte.
    • Bin im Übrigen gerade auf einen zeitgenössischen Reisebericht gestoßen, der von Schikaneder und seinem Theater berichtet. Der Fußwanderer, Humanist und Reiseberichter Johann Gottfried Seume berichtet dort über seinen Besuch von Schikaneders Bühne im Jahre 1802:


      Johann Gottfried Seume schrieb:

      Ich habe bei ihm [Schikaneder] über die Nationalnarrheiten der Wiener Reichen und Höflinge Dinge gehört, die man in Dresden nicht dürfte laut werden lassen...

      Man braucht sich eigentlich nur ein bisschen mit Schikaneder und seinen Werken zu befassen, sodass sich die leicht verschleierten Botschaften der "Zauberflöte" erkennen lassen. In einer Arie aus "Die verdeckten Sachen" klingt Zeitkritik über die Orientierungskrise der Menschen zwischen alter Ordnung und Aufklärung bzw. Revolution beispielsweise so:




      Schikaneder schrieb:

      Recht wunderlich geht’s in der Welt,


      Bald ist man arm, bald reich bestellt,

      O häßliche Veränderung!

      Der Mensch steht immer auf dem Sprung,

      Der heut ein Kriegsheer kommandirt,

      Wird morgen plötzlich arretirt,

      Auf eine Festung fortgeschaft,

      Vielleicht auch mit dem Todt bestraft.

      Der ist heut noch ein Ehrenmann

      So wie man keinen finden kann,

      Und morgen ist es sonnenklar,

      Daß er ein rechter Spitzbub war,

      Die Zeitung von dem Donaufluß,

      Schreibt[,] er, ist ein Philosophus,

      Und morgen sagt die, von der Wesel,

      O weit gefehlt, er ist ein Esel.

      Es klingt doch sehr nach Taminos Blick auf die Dinge in der "Zauberflöte".

      Solches Wissen kann man natürlich nicht vorraussetzen. Ebensowenig wie den damaligen Leitfaden der Theaterzensur, nach welchem z.B. die Hinrichtung von Monarchen nicht auf der Bühne aufgeführt werden durfte. Die "Zauberflöte" zeigt immerhin den Sturz der Königin der Nacht :!: in "ewige Nacht", woraufhin sie im Bühnenboden versinkt - beides lässt sich als Bild/Metapher für den Tod verstehen. Und dazu zeigt die "Zauberflöte" gar noch den Sieg des freimaurerisch-aufklärerischen :!: Ordens:

      Letzte Verse des Schlusschors schrieb:

      Es siegte die Stärke, und krönet zum Lohn
      Die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron'.
      Stärke, Schönheit und Weisheit sind die drei Säulen der Freimaurerei! Und die Freimaurerei sympathisierte doch sehr mit den Werten von Aufklärung und Wissenschaft, wie ja auch die fünf freimaurerischen Grundideale (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität) sogar eine deutliche Nähe zur Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) aufweisen.

      Alles Wissen, das ich auf jeden Fall nicht vorrausetzen würde; aber es ist schon interessant wie hier auf der einen Seite uralte Texte über die Operntheorie als unumgänglich genannt werden, scheinbar um sich überhaupt ein Urteil erlauben zu dürfen; während Standardwissen über Schikaneder als Theatermann oder die polarisierende Forschungsdiskussion sowohl über Libretti im Allgemeinen als auch über die "Zauberflöte" gar nicht bekannt zu sein scheint (vgl. dazu auch "Zu den Libretti in der Opern-/Musikgeschichte – Beispiel: Goethe").


      Also dieses Thema scheint ja auch nicht mehr lebendig zu sein und ich werde erfahrungsgemäß eine selbstsichere, stolze Meinung damit auch nicht zum Umdenken bewegen können; nur wollte ich es noch angehängt haben, falls sich hier jemand her verirrt, so hat er noch 1,2 Quellen mehr gegen die steile These, Schikaneder habe sich gar keine kritischen Gedanken gemacht und wollte nur eine einfache, harmlose Zauberoper schreiben. Dies wird dem mutigen Charakter von Schikaneder auch einfach nicht gerecht.






    • ... Ich habe Seume mit 17 gelesen, das ist nun bald 50 Jahre her, und ich lese ihn seitdem immer wieder. ... Er sah die konstatierte Tatsache als Zeichen für die weitaus größeren Freiheit in Wien, nicht so sehr als Leistung Schikaneders. Was nun die Zensurregeln betrifft, sind die auch recht gut bekannt. ... Wenn der Mord an Monarchen auf der Bühne verboten ist, der Untergang der Königin der Nacht aber durchging, ist die Annahme sinnvoller, dass dieser Vorgang nicht unter dieses Verbot fiel, als zu glauben, der Zensor hätte das ... nicht bemerkt. Es ist nämlich so, dass die Zensoren in aller Regel hochgebildete Leute waren, die ihr Fach sehr wohl verstanden. Allerdings ist es auch so, dass die Zensurregeln keineswegs so starr waren, dass der Zensor gar keinen Spielraum hatte. (Und im übrigen gibt es einige berühmte Fälle von Zensoren, die die Aufklärung sehr nachdrücklich gefördert haben). ...

      Originalbeitrag ist in den Splittern. Bitte persönliche Animositäten per PN klären. Vielen Dank.

      Amaryllis für die Moderation