Strauss, Richard, Elektra, Opernhaus Zürich, 14.02.2010

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Strauss, Richard, Elektra, Opernhaus Zürich, 14.02.2010

      Dirigent: Daniele Gatti
      Inszenierung: Martin Kusej
      Bühnenbild: Rolf Glittenberg
      Kostüme: Heidi Hackl
      Orchester der Oper Zürich
      Chor der Oper Zürich
      Eva Johansson (Elektra), Agnes Baltsa (Klytämnestra), Emily Magee (Chrysothemis), Wiebke Lehmkuhl (1. Magd), Katharina Peetz (2. Magd), Irène Friedli (3. Magd), Liuba Chuchrova (4. Magd), Sen Guo (5. Magd), Margaret Chalker (Die Aufseherin), Camille Butcher (Die Vertraute), Stefanie C. Braun (Die Schleppträgerin); Martin Gantner (Orest), Rudolf Schasching (Aegisth), Davide Fersini (Der Pfleger des Orest), Peter Sonn (Ein junger Diener), Thomas Tatzl (ein alter Diener)


      Zum Valentinstag „Elektra“…….. :wacko:

      Da wir eh in Zürich waren (s. Königskinder), wollten wir den Sonntag nutzen, um Agnes Baltsa auf der Bühne zu sehen. Außerdem war ich auf Kusejs Regie gespannt, da mit seine Carmen an der Staatsoper sehr gut gefallen hatte.

      Nun……Agnes Baltsa war den Besuch wert, aber der Rest…. :shake:

      Das Bühnenbild zeigt einen sich nach hinten verjüngenden Raum (Hof?) in schwarz und grau, rechts und links von Wänden begrenzt. In den Wänden sind Türen, innen mit hellem Leder gepolstert, es fällt gleißendes Licht durch sie hindurch und ab und zu rennt allerlei Volk herum.
      Elektra bewegt sich ausschließlich in diesem Raum, gekleidet in Jeans und Kapuzenpulli, was vermutlich die Ablehnung des Weiblichen verdeutlichen soll. Eva Johansson verfügt über eine sehr direkte Stimme mit einer Durchschlagskraft, die angesichts des großen Orchesters beeindruckend ist. Allerdings nahm sie bei Piano-Stellen völlig das Vibrato aus der Stimme, was a) extreme Intonationsschwierigkeiten brachte, b) es unmöglich machte, Farben in den Ton zu legen und c) oftmals in einem unangenehmen „Anschieben“ des Tons endete. Damit wurde zumindest für mich jede ihrer Piano-Stellen zur Qual :o: . Besonders schlimm war es im Duett mit Orest (Martin Gantner mit großer Stimme). Außerdem war ihre Rollendarstellung aus meiner Sicht viel zu übertrieben.
      Ganz anders dagegen Agnes Baltsa, als Klytemnästra in flammendes Rot gekleidet. Eine beeindruckende Bühnenpräsenz, der man nicht anmerkt, dass sie spielt. Man mag zu ihrem brutalen Umgang mit den Registern stehen wie man will, in dieser Rolle passt es hervorragend. Die Stimme ist m.E. nach immer noch einwandfrei und beeindruckend, ihre Textverständlichkeit ist vorbildlich (da konnten sich ihre Mitstreiter eine Scheibe abschneiden :klatsch: ). Klytemnästra ist hier keine unsympathische Person, im Gegenteil, sie tut einem sogar leid in ihrer Qual. Und ihr Todesschrei war sehr beeindruckend :faint: .
      Chrysothemis im weißen Kleid scheint überhaupt keine Verbindung zu Elektra zu haben. Sie scheint ihr zuwider zu sein, und das nicht nur, weil sie sie von ihrem Traum eines „Weiberschicksals“ abhält. Der Gegensatz der beiden Schwester wird schon allein durch die unterschiedliche Kleidung sichtbar. Emily Magee ist zweifelsohne eine gute Sängerin und kommt mit der schwierigen Rolle ohne hörbare Probleme zurecht. Allerdings „störte“ es mich etwas die sehr runde, reife Stimme, welche so gar keine „Jungmädchen-Klang“ hatte. Erschwerend kam auch hinzu, dass ich mit Manuela Uhl aus Berlin eine sensationelle Chrysothemis im Ohr hatte.
      Die restlichen Rollen waren solide besetzt, aufmerken ließ Peter Sonn als junger Diener.
      Es fällt mir schwer, mich zur Regie zu äußern, weil das übertriebene Spiel von Eva Johansson mich einfach gestört hat. Dass Elektra am Ende nicht stirbt, sondern lediglich bis zur körperlichen Erschöpfung tanzt und den Triumph genießt und dass der komplette Hofstaat nach den Morden in Wahnsinn verfällt, sind sicherlich interessante Ansätze. Trotzdem - m.E. reichte diese Regie nicht an Kusejs Carmen in Berlin heran.
      Völlig unverständlich waren mir die Bravorufe für den Dirigenten Daniele Gatti, der für die musikalische Neueinstudierung verantwortlich war. Mir war die Musik zu geglättet und ohne Spannung. Und dann können auch knapp zwei Stunden Oper sehr lang werden….

      Fazit: Danke Frau Baltsa! Sie haben mir den Nachmittag gerettet. :juhu:

      LG
      Rosenkavalier
      Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man auch seine Stimme auf diesen Ton aufbaut, man muss zu ihm zurückkehren können, sonst ist es aus. (Agnes Baltsa)