Charles Mingus - Höhepunkte seiner Discografie - empfehlenswerte Boxen

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    • Charles Mingus - Höhepunkte seiner Discografie - empfehlenswerte Boxen

      Der Bassist Charles Mingus hat eine umfangreiche Discografie hinerlassen, die Aufnahmen wurden auch teilweise systematisch in Boxen gesammelt wiederveröffentlicht, das Beste daraus möchte ich kurz vorstellen, darüber hinaus würde ich mich freuen, wenn hier jeder seine persönlichen Highlights aus Mingus' Werk vorstellt.
    • Am Anfang von Minugs' Karriere steht seine Zeit in Kalifornien - auf dieser CD der kleinen Firma Uptown wurden die Aufnahmen unter seinem Namen erstmals gesammelt herausgebracht. Es gibt inzwischen zahlreiche Raubkopien, Bootlegs dieser Aufnahmen - ich bitte Euch inständig, wenn, dann diese Ausgabe zu kaufen. Ich habe damals die Entstehung mitbekommen, kenne einen der an der Produktion beteiligten - das Label hat über mehrere Jahre erheblichen zeitlichen und finaziellen Aufwand betrieben, musste z.T. komplette kalifornische Kleinlabels kaufen, um an diese Aufnahmen heranzukommen. Alles ist mustergültig kommentiert, reichlich bebildert, mit einem 80 Seiten starken Booklet! Es war sehr ärgerlich und mit hohen Verlusten verbunden, als gleich nach dem Erscheinen dieser CD die Billigausgaben folgten ... nach europäischem Copyright nicht verboten, aber unmoralisch und unsolidarisch gegenüber Uptown Records.

      Hier ist schon der ganze Genius von Mingus zu spüren, mit symphonischen Ambitionen und Kollektivimprovisationen, fest verwurzelt im Swing - er war Mitglied im Lionel Hampton Orchester, als die ersten Aufnahmen entstanden.

    • Da gäbe vieles, aber einen Thread einzurichten, werde ich so schnell nicht schaffen. Ich bin derzeit noch mit zu vielen anderen Vorhaben beschäftigt. Deswegen vorab erst einmal vielleicht diese:



      Das ausgefuchste Konzeptalbum zeigt Mingus als jemanden, der komplexe mit einfachen musikalischen Strukturen aus vor allem dem Blues und vielem anderen verbindet, so dass trotz aller musikalischen Disparatheit und schroffer Brüche etwas integrales entsteht. Mingus war schon von Charles Ives stark beeinflußt, bevor dessen Werke überhaupt bekannt wurden. Er kannte z.B. über seinen Freund Leonard Bernstein und Musikwissenschaftler und Komponisten aus dem Kreis um A.Copeland schon teilweise vor den späten Erstafführungen viele von dessen Werken. Die raffinierten Über- und Ineinanderblendungen von ganz disparatem musikalischem Material lassen den Einfluß von Ives hier hörbar werden. Mingus ist hier per Overdub in einigen der besten Klaviersoli auch als Pianist zu hören, obwohl auch Jaki Byard ein vorzüglicher Pianist war.
      Wie eigentlich immer bei Mingus waren alle Musiker vorzüglich ausgewählt und wurden zu absoluten Hochleistungen gebracht.

      Die enorme Energie, Intensität und Spielfreude, die Mingus aus seinen Bands herausholte, kam besonders gut live heraus, zwei besonders gute sind für mich:



      Mit dem Trompeter Ted Curson und vor allem dem Saxophonisten, Bassklarinettisten und Flötisten Eric Dolphy sind die Übergänge zu Avantgarde der Zeit hörbar, etwa wenn die Band sich zu Kollektivimprovisationen steigert, die aber gleichzeitig nicht nur hörbar machen, dass Free Jazz nicht weit ist, sonddern dennoch auch Reminiszenzen an New Orleans und Hot Jazz in Erinnerung rufen. Die gespielten Stücke sind alles Mingus-Klassiker von großer Eindringlichkeit, so dass niemand Angst haben muß, weil ich auch hier von Avantgarde-Momenten sprach. Auch groovt das Ganze hier höllisch.

      Den experimentelleren Mingus findet man vor allem in seinen Aufnahmen mit seinen Workshop-Bands mit vielen Nähen zum "Progressive Jazz" der West Coast, also dem für Experimente offenen Cool Jazz, nur swingt auch dies bei Mingus noch mehr, erreicht große Intensität und auch disparat Zusammengesetztes wirkt bei ihm organischer. Besonders hervorragend ist diese erst kürzlich veröffentlichte Live-Aufnahme:



      Sie zeigt auch wieder besonders schön, wie Mingus die Jazz- und Blues-Tradition aufnimmt und lebendig verarbeitet.

      :wink: Matthias
    • Mingus hatte zweitweise seine eigene Plattenfirma - Debut - aber gerade in dieser zeit hat er seine besten Sachen für andere Labels gemacht, u.a. auch aus fianziellen Gründen.

      Er selbst nannte die 1957 für RCA gemachten Tijuana Moods eine seiner besten Platten. Der Mariachi-Klang zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk, die Solisten, allen voran Trompeter Gene Shaw, sind in Bestform.
      Ich empfehle hier die Doppel-CD mit allen takes, die hier allesamt faszinierend anzuhören und kaum teurer sind.

    • Die kompletten Sessions für Columbia ab 1959 bekommt man auf diesen drei CDs:



      Die Einzel-LPs Mingus Ah Um und Mingus Dynasty (der Titel spielt auf seinen Namen und teilweise chinesische Abstammung an) plus alle alternate takes, die hier auch sehr hörenswert sind, Booker Ervin spielt sein sensationelles Solo über Goodbye Pork Pie Hat.
    • Die kompletten Aufnahmen für Atlantic wurden auf dieser 6er Box zusammengefasst:



      Einzeln gekauft, kommt man am Ende auf die gleiche Summe, und hat die Session von Teddy Charles noch nicht, auf der Mingus mitspielte. Außerdem waren die Titel einer Session auf mehreren LPs verstreut, die hier an einem Stück viel besser kommen.
      Es sind hier komplett enthaten:
      Blues and Roots
      The Clown
      Tonight at Noon
      Pithecanthropus Erectus
      Oh Yeah
      Mingus at Antibes


    • In dieser 12 CDs umfassenden Box hatte man die Aufnahmen Mingus' für das von ihm mit Max Roach gegründeten eigenen Labels Debut zusammengefasst. Da er zwecks Geldbeschaffung jedes Angebot für eine Aufnahme bei anderen Labels annahm, sind viele seiner besten Platten der zeit anderswo erschienen, eben bei Atlantic, Columbia, RCA - hier hört man ihn als Sideman, der zahlreiche neue Talente förderte, u.a Thad Jones und Paul Bley, oder in bis zu dieser Box unveröffentlichten Live-Aufnahmen. Beim Label gestrichen, zwitweise zu Ramschpreisen erhältlich, jetzt eine gesuchte Rarität. Für den Mingus-Sammler aber unentbehrlich. Hier bekommt man z.B. auch das komplette Massey Hall Concert gleich zweimal, so wie es ursprünglich aufgenommen wurde und wie es zuerst auf LP erschien, mit von Mingus neu überspielter Basslinie, weil ihm Klang und sein Spiel nicht mehr gefielen. Mingus war einer der ersten, die konsequent die Möglichkeiten des Schneidens und Überspielens im Studio nutzten - mit meiner Anischt nach manchmal etwas übertriebener Akribie.

      Teile der Box gibt es auf Einzel-CDs und den vier Folgen Debut Rarities.
    • Hinter dem 1960-61 nur zwei Jahre existierenden Label Candid Records steckten Archie Bleyer und der angesehen Jazzschriftsteller Nat Hentoff - und Mingus und Roach. Neben diesen beiden machten Cecil Taylor, Buell Neidlinger, Abbey Lincoln, Lightnin' Hopkins, Otis Spann, Pee Wee Russel, Steve Lacy, Jaki Byard und mehrere Trompeter (Clark Terry, Benny Bailey, Richard Williams, Cal Massey, Don Ellis) Platten für Candid, das seit 1988 wieder existiert und die alten Aufnahmen wiederveröffentlicht hat, leider z.T. in chaoltischer Form: anstatt die alten LPs unter Nutzung der längeren CD-Spielzeit zu ergänzen, wurden mehrere CDs mit Reststücken veröffentlicht, wobei auch gerade bei Mingus discografisches Chaos produziert wurde.

      Mingus hat im Prinzip drei mal für Candid aufgenommen:

      1. Eine legendäre Quartet-Session mit Eric Dolpy, Ted Curson und Dannie Richmond. 5 Titel und ein Drumsolo.
      2. zwei Sessions seiner erweiterten Band -
      3. Eine Allstar-Session mit Roy Eldridge, Bob Brookmeyer, Eric Dolphy, Tommy Flanagan und Jo Jones, die sich als Gegenentwurf zum kommerzialisierten Newpoart jazz Festival 'Newport Rebels' nannte.
      Nach Sessions komplettiert sind diese Aufnahmen nur mal in einer 3 CD Box von Mosaic Records erhältlich gewesen - um alles komplett zu haben, muß man doppelt so viele einzelne kaufen, bis sich mal eine gute Seele findet, die wieder alles komplettiert-

      Absolut unentbehrlich ist diese hier - Dolphy hatte gerade gekündigt, und er und Mingus debattieren sozusagen im Duo über seinen Austritt - eine Sternstunde spontaner Improvisation!

    • Miguel54 schrieb:

      Er selbst nannte die 1957 für RCA gemachten Tijuana Moods eine seiner besten Platten. Der Mariachi-Klang zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk


      Ich habe die Platte heute zum ersten Mal gehört. Zuerst war ich etwas skeptisch: Charles Mingus als Weltmusik-Guru? Wollte ich das wirklich hören? Nun bin ich beruhigt. Mingus ist in kein Fettnäpfchen getreten. Der von Miguel erwähnte "rote Faden" ist zwar da, aber er ist relativ dünn. Was ich heutzutage mit Tijuana verbinde macht vielleicht 3% des Albums aus. Zu hören sind Mingus-Kompositionen, in denen hin und wieder TexMex bzw. Mariachi-Roots durchschimmern. Zu hören, wie sich diese Partikel in den Mingus-Sound einfügen, fand ich ziemlich faszinierend: (und auch sonst) tolle Platte!

      Tharon.
    • Charly Parker Quintet: Jazz at Massey Hall

      Und noch ´ne kleine Frage an die Spezialisten:

      Ich will mir Charlie Parkers "Jazz at Massey Hall" zulegen. Das Album ist ja durchaus bekannter. Allerdings gibt es das auf dem Markt einmal mit der von Charles Mingus nachträglich gedoppelten Bassspur, weil ihm der Bass in der Originalaufnahme zu leise war...



      ...und einmal ohne Nachbearbeitung:



      Ich habe die Kürzest-Schnipsel bei Amazon verglichen und festgestellt: Bei der overdubten Version ist der Bass sehr (vielleicht zu) präsent, bei der Originalversion höre ich ihn fast gar nicht bzw. manchmal wirklich gar nicht (was allerdings auch an meinen nicht gerade großartigen Computerboxen liegen kann).

      Kennt jemand beide Versionen und kann mir eine Empfehlung aussprechen?

      Tharon.
    • Die ist ursprünglich bei Debut, dem eigenen Independent-Label von Mingus und Max Roach erschienen. Weil Mingus im Live-Mitschnitt wirklich nicht zu hören ist, das liegt nicht an deinen Boxen, hat er den Bass einfach noch mal aufgenommen und dazu gemischt. Die Version, in der der Bass etwas zu laut ist, ist, so gesehen, die authentischere Wiederveröffentlichung.

      Dieses Konzert ist aber auch Teil der Debut-Box, die Miguel weiter oben schon kurz vorgestellt hat. Die findet man manchmal auch recht günstig und ich finde sie schon recht lohnend. Ich werde mal wieder in die Box reinhören und zu ihr auch noch etwas schreiben.

      :wink: Matthias


    • Debut Records soll das erste musikereigene US-Jazz-Label gewesen sein, das Mingus und Max Roach zusammen gründeten, um unabhängig, ohne etwa das Reinreden von Produzenten, man solle doch Standards aufnehmen, ihre Aufnahmen und die von jungen MusikerInnen, die sie fördern wollten, bei voller Kontrolle veröffentlichen zu können. Es entstand 1952, existierte bis 1957 und veröffentlichte Aufnahmen aus dem Zeitraum von 1951- 57. Jedoch bekamen sie die Vertriebsprobleme für ein unabhängiges Label nie ganz in den Griff. Immerhin entstand ein dänisches Schwesterlabel gleichen Namens für den europäischen Vertrieb, das den Debut-Katalog auch nach der Liquidation des amerikanischen Labels noch eine Zeit lang in Europa verfügbar hielt und sogar noch Sessions veröffentlichte, die in den Usa nicht mehr erscheinen konnten.

      Anders als sich ihnen die Situation 1951 dargestellt hatte, hatten Mingus und Roach auch schon bald für ihre eigenen Veröffentlichungen diese eigene Label nicht mehr so nötig. Sie konnten bald ihre eigenen wichtigsten Veröffentlichungen der 50er auch bei etablierten, großen Labels platzieren und hatten genug Verhandlungsmacht gewonnen, sie auch ohne Reinreden von Produzenten weitgehend so zu veröffentlichen, wie sie das wollten. Mag sein, dass dazu, neben dem inzwischen erreichten Erfolg, auch beigetragen haben mag, ein eigenes Label in der Hinterhand zu haben.

      Die oben gezeigte Debut-Box bringt nun viele, aber nicht alle Aufnahmen mit Mingus selbst. Schon gar nicht alle 26 LPs, davon aber 17 kleine "10-Inches-LPs + einige Singles und EPs, die auf dem amerikanischen Debut insgesamt erschienen. Dafür liefert sie Einiges an unveröffentlichtem Material meistens der selben veröffentlichten Sessions, aber auch sehr Rares, dass nur auf dem dänischen Label erschien oder noch gar nicht, wie Mingus Composition für den ersten Film von John Cassavetes Shadows, die dann für den Film doch nicht verwendet wurde.


      Ich mache den Anfang meiner Besprechung mit dem Massey Hall Konzert, Toronto, am 15.5.1953.

      Das geht hier aber zunächst los mit Max Roachs Solo-Komposition Drum Conversation, das die Fähigkeit Roachs, allein, sehr unterhaltend und mit größtem Können, eine Art Song nur auf dem Schlagzeug zu "erzählen", sehr schön vorführt. Das setzt nicht nur sehr viel Intelligenz voraus, nicht nur mehr oder weniger diverse Schlagzeugtechniken und Klänge vorzuführen, sondern einen Song hörbar zu machen, das hat vor ihm so auch niemand gemacht und kaum jemand hat nach ihm das so gut gekonnt. Als Konzertauftakt muß das damals recht mutig gewesen sein. Es folgte im Konzert wie in der Box die Trioaufnahme mit Bud Powell, Mingus und Roach, die einzeln veröffentlicht wurde. Besonders schön hier die Fassungen von Cherokee und Lullaby of Birdland. Einzeln veröffentlicht so:



      Hier findet man heute auch die Drum Conversation, Mingus Solo-Performance Bass-Icaliy Speaking aus der Massey Hall in der nachbearbeiteten Version und die 4 Tracks, die Mingus bei der Bearbeitung des Massey Hall Konzerts im Sommer 53 aufnahm, hinzugefügt, die nicht auf dem ursprünglichen Debut-Album waren.

      Das weitere Konzert mitCharlie Parker, Dizzy Gillespie, Bud Powell, Charles Mingus, Max Roach. gibt es, wie oben von Tharon abgebildet, in zwei Versionen, die beide in meiner Box enthalten sind.

      Aber erst einmal zum großartigen Konzert selbst: Sie spielen die Bebop-Klassiker Perdido, Salt Peanuts, Wee, A Night in Tunisia, All the Things You Are, Hot House und 52nd Street Theme. Das Zuspiel in den herausragenden Soli von Parker und Gillespie, sehr flexibel vom Trio begleitet, begeistert mich besonders. Aber auch Powell und Roach haben vorzügliche Soli, besonders gut von beiden in Gillespies humorvollem Salt Peanuts. Besonders gerne mag ich auch ihre Fassung hier von All the Things You Are, in der eine tolle Spannung entsteht, in dem die Bläser wunderschön die Melodielinie balladesk ausführen, Gillespie in seinem zweiten Solo auch mit gestopfter Trompete, während das Rhythmustrio die Rhythmen sehr häufig, stark variiert. Hier gibt es auch besonders schöne Soli von Powell und Mingus.

      Weil im Originalmitschnitt der Bass am Anfang gar nicht, dann nur sehr leise zu hören ist, - auf einer guten Anlage läßt sich da mit Equilizer ein bisschen was machen, aber es bleibt dürftig, oft nur erahnbar - hat Mingus seinen Bass im Sommer des selben Jahres neu eingespielt und per Overdub hinzugefügt. Dabei hat er wohl auch seinen Bass noch etwas verfeinert, in der Art, wie er auf die anderen eingeht, während er ständig per schnellem Walking Bass für den treibenden Puls sorgt. Ich höre immer nur diese Version, aber ich bin auch Bassist. :D Der Bass ist jetzt nicht gegenüber den Bläsern, aber gegenüber dem Klavier und Schlagzeug etwas zu laut und vordergründig. Das ist aber nicht ganz so schlimm, denn Mingus hat auch insgesamt die Tonqualität verbessern lassen und Powell und Roach in ihren Soli lautstärkemäßig nach Vorne hochgezogen, so dass einem hier nichts entgeht. Heute habe ich mal beide Versionen verglichen. Im unbearbeiteten Originalmitschnitt entgeht einem gerade in diesem tollen All the Things You Are sehr viel vom Aufbau und der Spannung ohne Mingus Bass. Erst recht möchte ich seine grandiosen Soli hier und in Hot House auch deutlich hören können. Besonders auch A Night in Tunisia funktioniert ebenfalls gar nicht ohne diese tollen Basslinien, die immer sehr schön gegen das Schlagzeug gesetzt sind und viel zur rhythmischen Spannung dieses genialen Stücks beitragen.

      Bei der Bearbeitung irgendwann im Sommer 1953 hat Mingus dann noch Bass-Icaliy Speaking in 3 alternativen Takes und einen Untitled Blues aufgenommen, die sich in der Box anschließen, aber inzwischen auch auf der Wiederveröffentlichung obiger Bud Powell-CD zu finden sind. Ebenso wie die ursprüngliche Live-Aufnahme im Trio mit Bud Powell aus der Massey Hall, wo die Bassspur hier aber auch bei dieser Session neu eingespielt wurde. Bei diesen alternativenTrioaufnahmen spielt Billy Taylor Piano, der Schlagzeuger ist unbekannt. In früheren Veröffentlichungen war Max Roach oder Art Taylor genannt, die aber beide abstritten, bei der Aufnahme dabei gewesen zu sein.

      Mingus hübsches Bass-Icaliy Speaking und der Untitled Blues zeigt jetzt den Bass als das ganze Stück dominierende Solo- und Melodieinstrument, nur sparsam von Klavier und Schlagzeug begeitet. So etwas hatten erst relativ kurz vorher Jimmy Blanton und dann Ray Brown beide im Duo mit Duke Ellington zum ersten mal aufgenommen. Mingus schreibt hier mit Bass-Icaliy Speaking aber eine komplexere Bebop-Ballade als Ausgangsmaterial für seine lange Improvisation, in der er noch raffinierter und stärker als seine Vorgänger die Melodielinie abwandelt und die letzten Takte sehr schön mit Bogenspiel schließt. Gutes Bogenspiel auf hörbarem Niveau hatte erst kurz vorher vor allem Paul Chambers in den Jazz eingebracht. Die 4 Versionen liefern 4 unterschiedliche Soli. Besonders die letzten Takte unterscheiden sich in der Länge und Güte des Gelingens des Spiels con arco. Ansonsten unterscheiden sich besonders die Betonungen, die unterschiedlich kräftig und anders versetzt werden. Mingus hat hier sein Solospiel gefunden. So sind das für Bassisten und alle, die sich für die Entwicklung des Bass im Jazz interessieren, eminent wichtige Aufnahmen.

      :wink: Matthias
    • Die kompletten Candid-Aufnahmen von Mingus sind auf dieser Box wieder zu haben:



      (Die zwei Bonustracks sind ohne Mingus! Sie stammen von der Newport Rebels-LP.)
      Das sind für mich Höhepunklte seiner Karriere, vor allem die Quartette mit Dolphy kurz vor dessen Weggang, und die tolle Session mir Roy Eldridge und Dolphy, wo über die Generationsgrenzen hinweg einfach toll gespielt wird.
    • "Du musst es dreimal sagen!" ?(
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Achim schrieb:

      Kater Murr schrieb:

      "Du musst es dreimal sagen!" ?(


      "sagen" ? - was denn "sagen" ?? ?(

      Grüße
      Achim


      "Herein!" (Faust muss Mephisto dreimal hereinbitten, magisches Gesetz)
      Weil dreimal identisches Bild+link zu amazon...
      War ein blöder Gag, kann gelöscht werden...
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)