EÖTVÖS: Die Tragödie des Teufels - Bayerische Staatsoper München (Uraufführung 22.2.2010)

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    • EÖTVÖS: Die Tragödie des Teufels - Bayerische Staatsoper München (Uraufführung 22.2.2010)

      Am vergangenen Montag also an der Bayerischen Staatsoper die erste Uraufführung seit langem (in der regulären Spielzeit, die Münchner Biennale also ausgenommen). Den Kompositionsauftrag erhielt kein Unbekannter: Der ungarische Komponist Peter Eötvös, Jahrgang 1944, gehört zu den erfolgreichsten und meist aufgeführten lebenden Opernkomponisten. Seine Tschechow-Oper „Die Drei Schwestern“ (UA in Lyon 1998) hat es beispielsweise bisher auf 17 Bühnen geschafft und ist derzeit am Münchner Prinzregententheater als Projekt der Theaterakademie zu sehen. Zwei weitere Produktionen werden in diesem Jahr hinzukommen (Koblenz und Schillertheater Berlin).

      Dem Zuschauer fallen beim Betreten des Saales gleich zwei Dinge auf: Zunächst das riesige, bis auf gut zwei Drittel der Höhe der Bühne hoch ragende Gebilde, das (von einem weißen Vorhang bedeckt) den wesentlichen Teil der sichtbaren Bühne ausmacht. Unter dem Vorhang wird eine ins Nichts führende weiße Treppe zum Vorschein kommen, auf, unter und neben der die gesamte Handlung sich abspielen wird (Inszenierung: Balázs Kovalik, Installation: Ilya und Emilia Kabakov).

      Zweitens fällt das hinter diesem Gebilde auf der Bühne platzierte Orchester auf: Wie schon in „Die Drei Schwestern“ hat Eötvös das Orchester zweigeteilt. (Bei deren Uraufführung in Lyon hatte übrigens Kent Nagano das zweite Orchester geleitet). In München also im Orchestergraben ein kleines Orchester, mit Akkordeon, Harfe, Klavier vierhändig, Celesta, 2 Violinen, 1 Viola, 1 Cello, 1 Kontrabass und 4 Schlagzeuger mit jede Menge Gerätschaften. Entsprechend sind die Klänge aus dem Graben auch meist perkussiv. Das Orchester hinter der Bühne umfasst mehr Instrumente und wird sehr farbenreich eingesetzt: 3 Flöten (auch Piccolo und Altflöte), 3 Oboen (auch Englischhorn), 3 Klarinetten (auch Bassklarinette), 3 Fagotte (auch Kontrafagott), 4 Hörner, 3 Trompeten, 2 Tenorposaunen, Kontrabassposaune, Tuba, Schlagzeug, Streicher.

      Das kleine Orchester begleitet die Sänger, geleitet vom Komponisten selbst. Das größere Orchester breitet gelegentlich einen farbigen Klangteppich unter diesen perkussiven Klängen aus, verstärkt durch Ausbrüche der Bläser die dramatischen Momente, und hat ansonsten seine Hauptaufgaben im Vorspiel und den sehr schönen Zwischenspielen zwischen den 12 Bildern der Oper. Geleitet wird das große Orchester von Christopher Ward, seit dieser Saison Assistent von Kent Nagano an der Bayerischen Staatsoper. „Hauptdirigent“ ist der Leiter im Orchestergraben, der seinem Co-Dirigenten über Kamera und Monitor die Einsätze gibt.

      Nachdem das Publikum die Plätze eingenommen hat, noch bei voller Beleuchtung und offenen Türen, beginnt die Drehbühne mit dem weißen Aufbau sich ganz langsam zu drehen, unhörbar fast beginnt auch das Orchester hinter der Bühne mit einem Vorspiel, das ganz langsam lauter wird. Die Unterhaltungen im Zuschauerraum gehen zunächst ungedämpft weiter – wir haben auch etwas gebraucht, bis die Musik unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Nach und nach verstummen die Gespräche, erst dann geht das Licht aus und wird der Vorhang über der Treppe nach oben weg gezogen. Eine durchaus eigene Variante eines Opernvorspiels.

      Auf den Stufen der Treppe liegen 6 Gestalten, Lucifer und seine 5 Begleiter. Und ab hier muss ich nun versuchen, zunächst die Handlung nachzuerzählen, denn da hilft (noch) kein Opernführer – ein nicht ganz leichtes Unterfangen, denn es geht schon etwas wirr zu. Ich werde mein Bestes tun. Die Zusammenfassung, die auf der Homepage der Bayerischen Staatsoper zu finden ist, hilft nur bedingt, die Geschichte aufzudröseln. Dankenswerterweise ist aber im Programmheft das vollständige Libretto abgedruckt, so dass man die Details nachlesen kann. Gesungen wird übrigens in Deutsch, bei fast durchgehend hervorragender Sprachverständlichkeit, so dass nur ganz ausnahmsweise auf die Übertitel geachtet werden musste.

      Erstes Bild also: Prolog im Himmel.
      Gab's da nicht schon früher mal ein Stück über den Teufel, das so anfing? Auf der Treppe wie gesagt Lucifer (hoher Bariton) mit 5 ihm zugeordneten Begleitern: „Der Skelton“ (Tenor), „Der Strugatzi“ (Bariton), „Der L“ (Bariton), „Der Arkanar“ (Bariton) und „Der Boris“ (Bass). Die Namen sind Anspielungen verschiedenster Art: „Strugatzi“ und „Boris“ spielen auf die Science-Fiction-Autoren Arkadi und Boris Strugazki an, „Arkanar“ ist ein Ort in deren Klassiker „Es ist nicht leicht ein Gott zu sein“. Auch der Name der später auftauchenden „Rumata“ stammt aus diesem Roman. „Skelton“ spielt auf den englischen Dichter und Satiriker John Skelton an (1450-1529). „L“ schließlich ist eine Verkürzung des Elohim aus der hebräischen Mythologie (Genesis).

      Lucifer ist des ewigen Kampfes mit Gott müde, ein letztes Mal will er den Menschen (Adam) versuchen und Gott stürzen, indem er dem Menschen die Fehlerhaftigkeit der Schöpfung beweist, ihn davon überzeugt, dass „deine welt den wurm hat und der wurm bin ich“ (Kleinschreibung im Libretto).

      Auftritt weiblicher Dämon – Lucifer tauft die scheinbar namenlose Lucy, „Der Boris“ nennt sie jedoch Lilith und spricht sie damit (wie wir später lernen werden) mit ihrem richtigen Namen an. Lilith, die mythische erste Gattin Adams, die gegen Gott rebellierte und aus dem Paradies floh. Gemeinsam wollen Lucifer und Lucy die Menschheit verderben, und das fängt buchstäblich bei Adam und Eva an und führt in einer verrückten Reise durch Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

      Zweites Bild: Im Paradies/Sündenfall
      Das Paradies, wie es sich der Librettist Albert Ostermaier vorstellt, erinnert in der im Programm abgedruckten Beschreibung an die Welt aus dem Film „The Truman Show“ – ein Gefängnis, von den Insassen bloß nicht als solches wahrgenommen, eine Illusion auch, die nicht ganz perfekt gelungen ist. Eva hat soeben die verbotene Frucht gekostet und ist gespalten zwischen Euphorie („Nie fühlte ich mich so lebendig“) und Schrecken („der Himmel ist so stumm, nie war er so stumm“). Lucifer und Lucy erscheinen. Sie verführen die willige Eva und den zunächst widerstrebenden Adam, durch die Spiegel zu steigen, die das Paradies begrenzen, und die Welt zu entdecken.

      Drittes Bild: In der Wüste
      Das Leben bedeutet zunächst einmal Entbehrung und Unsicherheit – Durst. Lucifer und Lucy, sowie „Der Arkanar“ und die rätselhaften Gestalt „Die Rumata“ kommentieren die Szene. „Der Arkanar“, ein tanzender Derwisch auf der Suche nach dem Paradies. „Die Rumata“, eine verdreifachte Erda-Gestalt, die die Geheimnisse der Natur beschwört.

      Viertes Bild: Der Pakt
      Lucifer bietet Adam die Wahl zwischen zwei Pillen („Matrix“ lässt grüßen): Die erste wird ihn die Welt sehen lassen, wie ist ist, sie macht aus Adam einen Menschen nach Lucifers Bild. Die zweite würde die Erlösung bringen, Adam bekommt sie „wenn Dein Wunsch ein Mensch zu sein stärker ist, als meine Macht, Dir das Menschsein zu verderben“.

      Fünftes Bild: Phosphor City
      Adam ist Herrscher über eine Sklavengesellschaft. Aber weder Allmacht noch der Versuch, ein guter und geliebter Herrscher zu ein, bringen Erfüllung. Sie ziehen weiter, Eva zu suchen.

      Sechstes Bild: In Athen
      Versammlung in einem griechischen Tempel, Adam als Feldherr Miltiades. Auch der scheinbar gerechte Krieg wendet sich gegen den Anführer, das Volk, von Lucy aufgestachelt, fürchtet und hasst den Kriegsherrn.
      „Und gibst uns nicht die söhne zurück
      die bäume gefällt deinen schiffen
      das eisen erhitzt deinen waffen
      den rauch der den himmel schwärzte“
      (Gesang der Rumata)

      Siebtes Bild: Rom
      Apokalyptische Vision eines Weltuntergangs. Trauerzug um einen Toten, den zu küssen die Pest über die gesamte Menschheit bringen wird. Lucifer: „Ihr werdet aussterben, der herr hat uns erhört“.

      Achtes Bild: Bagdad
      Eine andere Facette des religiösen Wahns: Adam als Kreuzritter und Irakkrieger, in Gefangenschaft. Adam wird befreit, Eva foltert seinen Bewacher. Adam will danach in ihr seine Eva nicht wiedererkennen.

      Neuntes Bild: Shop
      Die Zukunft: Die schrankenlose Konsumgesellschaft. Alles, auch die Illusion jeder beliebigen Identität ist käuflich. Selbst Adams Glaube an die wahre Liebe als Alternative ist in das System integriert. Ein Computervirus lässt das System zusammenbrechen.

      Lucifer verzweifelt in seinem Lied, das zu den stärksten Teilen der Oper gehört, dazu später mehr.

      Zehntes Bild: Dach der Welt
      Adam versucht mit Eva vor Luzifer zu fliehen. Lucifer und Lucy beginnen zu erkennen, dass der Mensch der bessere Teufel ist.

      Zweiter Teil von Lucifers Lied.

      Elftes Bild: Wüste (Adams Traum)
      Die Wüste hat die Stadt aus dem fünften Bild gefressen. Adam verlangt, dass zur Rettung Evas Lucy getötet wird. Die Begleiter Lucifers können aber Lucy nicht töten, die sich schließlich als Lilith zu erkennen gibt. Sie war die erste Frau Adams, nicht aus seiner Rippe geschaffen, sondern ihm gleich aus Lehm geformt „bis mir unrecht ward durch gott“. Dämonen bringt sie seitdem statt Menschen zur Welt, bis zu deren Untergang. Diese Vereinigung macht Lucifer überflüssig, er schluckt die Erlösungspille, die er für Adam aufgehoben hatte.

      Zwölftes Bild: Jenseits von Eden
      Adam will die Geschichte beenden indem er sich selbst vernichtet. „es muss zu ende gehen – kein mensch darf mehr entstehen“. Eva enthüllt, dass sie schwanger ist – der Zyklus droht von vorne zu beginnen. Lilith bringt Adam dazu, Eva zu töten. Die Utopie: „beginnen wir ein neues geschlecht von gleich zu gleich“.

      Das Schlusswort gehört Lucifer im dritten Teil seines Lieds: „wenn die liebe währet ewiglich warum das böse nicht“.

      Eine bunte Geschichte also, schwer zu entschlüsseln allerdings. Das könnte jedenfalls die Vorlage für einen kurzweiligen Theaterabend sein, die Inszenierung der Uraufführung bleibt hier aber das meiste schuldig. Arg statisch gibt sie sich bei diesem nicht eben handlungsarmen Stück, und setzt auch die grotesken Elemente der Handlung nicht wirklich angemessen um. Das ein oder andere starke Bild gelingt allerdings, mir blieb vor allem das Schlussbild im Gedächtnis: Während die gesamte Bühne versinkt, werden in durchsichtige Kugeln gepackte Menschen in den Himmel gehoben.

      Mehr zur Musik und zu den Sängern später dann von Melanie. Und es ist nicht auszuschließen ist, dass wir uns überhaupt noch einmal zu Wort melden, nachdem wir heute die zweite und am kommenden Sonntag die dritte Vorstellung besucht haben werden.

      :wink: Michel
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Hallo zusammen,

      wie von Michel angekündigt noch etwas zur Musik.

      Zunächst die Sänger:

      Eva - Cora Burggraaf
      Lucy - Ursula Hesse von den Steinen
      Adam - Topi Lehtipuu
      Lucifer - Georg Nigl
      Die Jeriko - Julie Kaufmann
      Die Rumata - Elena Tsallagova, Heike Grötzinger, Annamária Kovács
      Der Skelton - Kevin Conners
      Der Strugatzi - Christoph Pohl
      Der L - Nikolay Borchev
      Der Arkanar - Christian Rieger
      Der Boris - Wolfgang Bankl

      Wie Michel oben schon schrieb, dirigierte Peter Eötvös selber das kleine Orchester. Christopher Ward dirigiert das große Orchester im Bühnen- Hintergrund.

      Wie kann man die Musik charakterisieren? Das fällt mir immer schwer nach dem ersten Mal.

      Auffällig ist die starke Betonung des Schlagzeugs. Es gibt 4 Schlagzeuger im kleinen Orchester im Orchestergraben, dazu wird auch das Klavier eher wie ein Schlagzeug behandelt. Das Schlagzeug beinhaltet die gesamte Palette von Klängen, die in moderner Musik benutzt werden: Von geräuschhaften Klängen bis zu asiatisch inspirierten Gongs und Schlagzeug-Ensembles. Nach meinem Höreindruck von der Aufführung ist das Schlagzeug erheblich präsenter als bei den drei Schwestern.

      Das große Orchester wirkt vor allem atmosphärisch, die eigentliche musikalische Aktion findet in dem kleinen Orchester statt. Lange Haltetöne geben stellenweise eine unwirkliche "Science Fiction"-Atmosphäre. Ich habe den Eindruck, hier durchaus manchmal den Einfluss Stockhausens zu hören. Die offensichtlichen Parallelen zum Lichtzylus (Eva, Luzifer) sind jedoch zu oberflächlich. Die Musik klingt größtenteils keineswegs nach Stockhausen.

      Bei der Behandlung der Singstimmen fällt auf, dass häufig Sprechgesang bzw. rezitativisches Singen eingesetzt wird. Die Oper ist dadurch durchgehend recht gut textverständlich - diametral entgegengesetzt zu der modernen Version des Belcanto von Nono.

      Sehr eindrucksvoll ist Lucifers Lied (Szene 9b), das ausschließlich vom Klavier (vierhändig) begleitet wird.

      Unerhörte Klänge gibt es eher nicht - es wird die Klang-Palette aufgeboten, die modernen Komponisten jenseits der Elektronik zur Verfügun steht. Das aber durchaus effektvoll.

      Die Sängerleistung war durchweg gut. Allen voran Topi Lehtipuu, der die Partie mit klarem, klangschönem Tenor sang. Georg Nigl war ein kräftiger, ausdrucksstarker Lucifer, der auch vor hässlichen Tönen nicht zurückschreckte. Auch sängerisch und darstellerisch sehr gut war Ursula Hesse von den Steinen als Lucy. Cora Burggraf war mir manchmal etwas schrill, die Partie war sicher aber auch nicht einfach zu singen.

      Als Quintessenz würde ich sagen, dass es ein durchaus eindrucksvoller Abend war, mit den Abstrichen, die Michel oben ja schon erwähnt hat. Es wird spannend, wie sich der Eindruck beim mehrfachen Hören verändert.

      Viele Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • eifelplatz schrieb:

      Mir fällt beim Lesen gerade ein, daß "Lucy" auch der Name für eine Urahnin des Menschengeschlechts ist, siehe
      hier.

      lg vom eifelplatz, Chris.
      Darauf bin ich gar nicht gekommen. Bei der Assoziationsfülle, die der Librettist sonst so verbreitet hat, bin ich mir recht sicher, dass diese Lucy-Verbindung auch kein Zufall ist :wink:
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Danke, Melanie und Michel für Euren sehr interessanten Bericht! Der hilft mir sehr als Vorbereitung für meinen Besuch dieser Produktion. Ich war nach Kritiken, die ich bisher gelesen hatte ziemlich ratlos. Das ist jetzt deutlich weniger geworden.

      Viele Grüße,
      Ulisse
    • Einige kurze Eindrücke nach dem Besuch der zweiten Vorstellung.

      Erstaunt hat mich zunächst, dass die schöne Idee mit dem Vorspiel, das erst nach und nach den Zuschauern bewusst wird, auch bei der zweiten Vorstellung noch funktioniert. Entweder lesen die Leute keine Zeitung oder sie wollten Eötvös den Spaß nicht verderben. Jedenfalls haben sie genauso lange munter weiter geplaudert wie bei der Premiere. Wir saßen diesmal in der ersten Reihe und hatten damit auch den Monitor im Blick, auf dem Eötvos seinen Co-Dirigenten sehen kann - wir konnten also sehen, wann das Bühnenorchester zu spielen anfing. Das war noch früher, als ich beim ersten Mal dachte. Und bei der Premiere (wir waren ganz oben auf der Gallerie) waren die Töne des Vorspiels früher über den Publikumskrach zu hören als gestern im Parkett.

      Zum Bühnenbild möchte ich noch anmerken, dass die gigantische Treppenkonstruktion von unten gesehen durchaus eindrucksvoll ist. Der Effekt der in Nichts führenden Treppe funktioniert nicht wirklich, wenn man von schräg oben drauf sieht (Gallerieplatz...). Aber auch beim zweiten Mal wirkt die Inszenierung recht ideenlos, da könnte man mehr draus machen.

      Die Sänger waren gut drauf, wie schon bei der Premiere. Cora Burggraf (Eva) wirkte lockerer und kam mit der Partie diesmal besser klar. Besonders gut gefiel mir gestern Ursula Hesse von den Steinen (Lucy) - beeindruckend, wie tief ihre Stimme in den Keller kommt.

      Musikalisch bleiben auch beim zweiten Eindruck vor allem einige der instrumentalen Zwischenspiele in Erinnerung, wunderbar farbig instrumentiert. Und natürlich das Lied des Lucifer - wenn mehr Sänger den Mut hätten, bei ihren Recitals auch neue Musik zu singen, wäre das hier durchaus ein Kandidat. Insgesamt bin ich im Moment aber ein wenig skeptisch, ob diese Oper insgesamt ähnlich lange im Gedächtnis bleiben wird wie z.B. "Die Drei Schwestern".

      Michel
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)