Natalie Dessay

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    • Natalie Dessay

      Was haben Joan Sutherland, Lucia Aliberti und Anna Netrebko gemeinsam?
      Sie alle wurden zu Beginn ihrer internationalen Karriere zur „neuen Callas“ ausgerufen, und selbstverständlich war es keine von ihnen.
      Auch Natalie Dessay ist keine neue Callas, aber im Rahmen ihres Stimmfaches ist sie die Einzige die man m.E. völlig zu recht als ihre Nachfolgerin bezeichnen könnte.
      Für mich ist sie eine absolute Ausnahmeerscheinung und DIE Singschauspielerin unserer Zeit.
      Wie Callas will Dessay mehr als nur schöne Töne produzieren, sie wirft sich mit ihrer ganzen Stimme, ihrer ganzen Seele, ihrem ganzen zierlichen Körper in ihre Rollen und schafft Figuren, die man so schnell nicht vergisst.
      Dessays Vita kann, wie so oft, bei Wikipedia nachgelesen wurde, daher hier nur die wichtigsten Daten.
      Geboren wurde sie 1965 als Nathalie Dessaix in Lyon, obgleich sie ursprünglich Tänzerin werden wollte, studierte sie schließlich in Bordeaux Gesang und Schauspiel. Ihren Rollen allerdings merkt man ihre ausgeprägte Neigung zu Tanz und Bewegung immer wieder an wenn sie (z.B. als Marie in „La fille du Regiment“ oder als „Feuer“ in Ravels „L'enfant et les sortilèges“ ) wie ein Irrwisch über die Bühne fegt, oder als Olympia ihre Koloraturen auch schon mal mit einem angedeuteten Spitzentanz zu Gehör bringt.
      Zu Beginn ihrer Laufbahn war Dessay ein reiner Koloratursopran. Die Puppe Olympia und Mozarts Königin der Nacht gehörten zu ihren Paraderollen, Lakmés „Glöckchenarie“ wurde zu einem beliebten „Renner“ in ihren Arienabenden.
      Mit den Jahren gab sie einige dieser Partien (die sie einmal in Spötterlaune mit „kurz, langweilig und verteufelt schwer“ charakterisiert hat) zugunsten lyrischerer Partien auf.
      Bei einem Duettabend mit Rolando Villazón wechselte sie von Olympia zu Antonia und sang Auszüge aus „La Traviata“ von der sie sagt, daß die Rolle an der Grenzen ihrer Möglichkeiten liegt. Dennoch sang sie im Sommer 2009 in Santa Fé ihre erste Violetta, ich kenne keine offiziellen Kritiken, sondern nur ein paar Berichte von Opernbesuchern, aber die sind durchaus positiv. Der Germont des Abends war Ehemann Laurent Naouri, der sehr gelobt wurde.
      Um 2001 hatte Dessay eine lange andauernde Stimmkrise und musste mehrfach operiert werden, nicht Wenige malten bereits das Karriereende an die Wand, doch sie hat sich wieder erhotl und ist heute gefragter und erfoglreicher denn je, auch wenn es Leute gibt die sagen, daß ihre Stimme nicht mehr ganz den lupenreinen Nachtigallenklang von ehedem hat. Wie auch immer, ich finde ihre heutigen Leistungen beeindruckend genug.

      Hier einige ihrer DVD-Mitschnitte:

      „Manon“
      Ein Livemitschnitt aus dem Gran Teatro del Liceu in Barcelona. Für Partner Rolando Villazón war es das erste von leider mehreren Krisenjahren, und auch wenn er immer wieder berückend schöne Momente hat (Traumerzählung), so hört man ihm doch an, daß nicht alles zum Besten stand. „Ah fuyez...“ hat mich wirklich erschreckt, und ich möchte das nie wieder so von ihm hören.
      Dessay ist eine hinreißende Manon, ein egoistisches, dennoch verletzliches, liebenswertes und sehr triebhaftes Wesen, das DesGrieux, der gar nicht weiß wie ihm geschieht, in St. Sulpice auf eine Weise umgarnt daß man rote Ohren kriegen könnte, und das (anders als kurz zuvor Netrebko mit gleichem Partner in Berlin) ganz ohne neckische Spielchen mit irgendwelchen Briefen an strategischen Körperstellen.
      Wie schrieb jemand (Severina? Fairy?) einmal in jenem anderen Forum:
      „Schöner kann man einen Kerl nicht rumkriegen“.
      Sie singt und spielt großartig, und auch wenn man RV wie gesagt die nahende
      Krise gelegentlich anhört, sind sie ein tolles Paar von dem ich hoffe, daß es doch noch einmal gemeinsam auf der Bühne stehen wird.


      „La fille du regiment“
      Ich möchte behaupten daß wer diese Regimentstochter gesehen hat, sich nie mehrwirklich für eine andere begeistern kann. Dessay wirbelt wie ein Derwish über die Bühne, schwingt das Bügeleisen oder auch mal das Gewehr zu ihren halsbrecherischen Koloraturen und strapaziert die Lachmuskeln auf’s Äußerste. Und das alles bei nahezu perfektem Gesang.
      Ich habe die Liveübertragung aus New York im Kino gesehen und war hellauf begeistert von der witzigen Regie, von Juan Diego Florez, dessen Fan ich normalerweise nicht gerade bin, der mir hier aber sehr, sehr gut gefällt, und vor allem natürlich von der phänomenalen Natalie Dessay, deren Marie m.E. DER Maßstab ist an dem künftige Interpretinnen gemessen werden müssen. Ich will gar nicht schlau daherreden, das können andere besser, und rate einfach nur dringend die DVD zu erwerben, so das sträflicherweise noch nicht geschehen sein sollte. Ich kann nicht anders, ich muß Feenhüte vergeben, obwohl dieses Privileg eigentlich der Feenkönigin vorbehalten ist. :fee: :fee: :fee:




      „Hamlet“

      Offen gestanden fesselt mich die Musik nicht übermäßig, ich finde sie schön, aber ich kann mir nicht helfen: m.E. wird sie dem düsteren Stoff nicht wirklich gerecht. Ich hab’s in meiner Amazon-Besprechung erwähnt: ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was Giuseppe Verdi daraus gemacht hätte, besonders bei der Figur des Claudius der doch eigentlich ein gefundenes Fressen für den großen Theatermann gewesen sein müsste. Sei’s drum, nicht Verdi hat sich des Stoffen angenommen sondern Ambrois Thomas. Ich habe die DVD wegen Dessay und Keenlyside gekauft und beide haben mich nicht enttäuscht, Keenlyside hat toll gesungen und auch darstellerisch aus der Rolle rausgeholt was in dieser Opernfassugn aus ihr rauszuholen ist, Natalies Ophelie wird auf herzerreißende Weise wahnsinngi und ich kann den Begeistrungstaumel des Publikums gut nachvollziehen. Ich bin vermutlich ein Banause, aber ohne Dessay allerdings würde ich mir die Oper vermutlich nicht so schnell wieder ansehen.


      The miracle of the voice

      Dessay in einigen ihrer größten Rollen. Die Puppe Olympia ist mit gleich drei verschiedenen Versionen vertreten (was Dessay die Gelegenheit gibt, wieder einmal ihre Wandelbarkeit unter Beweis zu stellen): als Porzelanpuppe, als lebensgroße Shirley-Temple-Puppe und, in der anrührendsten Fassung, als autistisches junges Mädchen das durch die Kraft der Musik und der Liebe zum Leben erwacht. Diese letzte Version steht vermutlich in direktem Kontrast zu Offenbachs Absichten, aber ich kann sie nie sehen ohne zu weinen, so gut gefällt sie mir.
      Wir erleben Dessay in den Wahnssinnsszenen aus „Hamlet“ und „Lucie de Lammermoor“. In dieser Szene geht sie derart in ihrer Rolle auf, wie ich das noch bei keiner Sängerin erlebt habe und diese Szene allein ist den Erwerb der DVD wert. :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:
      Besonders gefällt sie mir in der kleinen Szene als „Feuer“ in „L’enfant et les sortilèges“ eine Oper, die ich bisher nur dem Namen nach kannte, auf die ich durch diesen Auftritt aber sehr neugierig geworden bin.
      Zerbinettas ist ebenfalls zweimal vertreten und in beiden Versionen gefällt mir Dessay sehr. Mit ihrem Ehemann Laurent Naouri dürfen wir sie in einer Szene aus „Orphée aux Enfers“ erleben, Dessay als Euridice, Naouri als der sie umgarnende und als Fliege verkleidete Jupiter. Eine Szene die man so vermutlich nicht mit jedem x-beliebigen Bühnenpartner spielen würde und die Dessay zu dem entzückenden Geständnis veranlasst hat, daß sie sich bei den Proben zunächst geniert habe „Vielleicht denken die Leute ja, wir machen das zuhause auch so“.
      Die Arien der Königin der Nacht und Bernsteins tragi-komisches „Glitter and be gay“ runden eine DVD ab die m.E. bestens geeignet ist, die ganze Kunst dieser außergewöhnlichen Sängerin zu zeigen.ö
      Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...
    • Wieso habe ich auf diesen tolen Beitrag von Mina eigentlich im Februar nicht geantwortet????? ich war eigentlich auch sicher, selbst schon einen Elogenthread zu "Natalie nationale" gemacht zu haben ?(
      Wie auch immer: meine Lieblingssängerin unter den Aktiven ist in Wien anlâsslch ihrer letzten Amina zur Kammersängerin ernannt worden. :juhu: :juhu: :juhu: :klatsch: :juhu: :juhu: :juhu:
      Ehrlich und selbstkritisch wie ich sie liebe, hat sie sich beim Publikum für ihre schlechte Leistung entschuldigt und war über die ihr zuteil gewordene Ehrung laut Augenzeugenbericht von Severina, gleichermassen überrascht wie überwältigt.
      Sie wird die Amina nicht mehr singen und was und ob sie in Zukunft noch singen wird, wird sich zeigen.
      Die Ehrung hat sie mehr als verdient und ich freue mich riesig fûr sie.
      Ihre Cd mit Mozart-Konzertarien ist fûr mich der Gipfelpunkt dessen, was man mit einer Koloratursopranstimme erreichen kann und ein Höhepunkt der gesamten mir bekannten Mozart-Diskographie. Damit hat sie sich in mein Herz gesungen und ist seither dort geblieben.
      Ihre Amina habe ich in einer Pariser Übetragung neulich gehört und die Stimmprobleme waren so offenscihtlcih , dass ich an die Wiener Serie mit Florez nciht mehr glauben wollte. Dazu die hoch bedauerliche New Yorker Hamlet-Absage- ich fürchte, wir müssen uns beeilen, wenn wir Natalie Dessay noch live erleben wollen. :cry:

      Für mich wird sie immer eine Offenbarung bleiben, denn sie verbindet eine unglaubliche Virtuositât und Höhenexpansion mit einem unverwechselbaren und sehr berührenden Timbre, einer grossartigen Schauspielkunst und iener überzeugenden und sehr starken Persönlichkeit. in ihrem Stimmfach ist das ein Stecknadel im Heuhaufen und damit ein echtes Juwel. Alle mir zu Verfügung stehenden Feenhüte fûr Natalie Dessay!
      :fee: :fee: :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Ich mag sie auch sehr, sogar die Mozart-CD habe ich durch sie ganz gerne gehört, obwohl ich Mozart eigentlich nicht so mag, falls es die ist, die du, liebe Fairy, meintest:



      Aus meinen Beständen finde ich besonders empfehlenswert:

      Händels Dixit Dominus und Bach: Magnificat BWV 243 mit u.a. Philippe Jaroussky, Ltg. E. Haim



      J.S. Bach: Kantaten BWV 51 "Jauchzet Gott in allen Landen"; BWV 82 "Ich habe genug"; BWV 199 "Mein Herze schwimt im Blut") mit Le Concert d'Astree, Emmanuelle Haim



      Ein Muß ist Händels Alcina mit Susan Graham und William Christies Les Arts Florissants



      Händels Il Trionfo del Tempo e del Disinganno wieder mit Le Concert d'Astree, Emmanuelle Haim



      Diese wunderbare CD, die ich nach Fairys Empfehlung mir besorgt habe, mit Lamenti von Cavalli, Monteverdi, Strozzi, Landi, Carissimi, mit neben der Dessay, Patrizia Ciofi, Veronique Gens, Joyce DiDonato, Marie-Nicole Lemieux, Philippe Jaroussky, Rolando Villazon, Le Concert d'Astree, Emmanuelle Haim



      Monteverdis Orfeo mit Ian Bostridge, Veronique Gens, European Voices, Le Concert d'Astree, E. Haim



      Etwas moderner schließlich, eine gute Aufnahme von Igor Strawinskys Le Rossignol unter James Conlon, die es gerade lohnend erweitert, recht günstig gibt. In dieser älteren Aufnahme finde ich sie ganz besonders herausragend.



      Wenn sie jetzt leider solche Stimmprobleme hat, bin ich ja mal gespannt, wie diese bald erscheinende Mahler 2 mit ihr wird, der Beginn von Paavo Järvis Mahler-Zyklus mit dem Hessischen Rundfunk Symphonie-Orchester, von dem ich mir sehr viel erwarte. Ein Appetithappen zu Järvis Zyklus war ja vorab schon erschienen.



      Das Cover finde ich schon mal ziemlich gut. :D

      Überschneidungen mit Minas Empfehlungen sind - kein Zufall - nicht vorhanden. Das ist nicht so meine Musik, aber vielleicht sollte ich mir ja doch mal Thomas "Hamlet" anhören, immerhin ja vom Stoff schon mal interessant.

      :wink: Matthias
    • Natalie Dessay und Wagner - geht das? Kennt jemand diese?



      Mit Ausschnitten aus Siegfried, Tristan & Isolde, Götterdämmerung mit Placido Domingo, Deborah Voigt, Violeta Urmana, Natalie Dessay, Covent Garden Orchestra, Antonio Pappano

      Was singt hier Dessay? Die Isolde kann ich mir ja noch vorstellen, aber im Ring?

      Ich bin ja in Versuchung bei dem günstigen Preis für die Doppel-CD. Oder gibt es auch Gesamtaufnahmen mit Pappano und der Dessay, zu denen ich, wenn das was ist, dann eher greiffen würde.

      :wink: Matthias
    • Matthias Oberg schrieb:

      Was singt hier Dessay? Die Isolde kann ich mir ja noch vorstellen, aber im Ring?


      Hallo Matthias,

      aus den Hörschnipseln schließe ich, dass sie den Walvogel im Siegfried singt. Ich hätte sie mir auch weder als Isolde oder Brünnhilde vorstellen können.

      Die CD kenne ich aber nicht.

      Viele Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • La rossignol et la rose

      Eigentlich war ich mir sicher, hier bereits einen langen Beitrag zu Natalie Dessay geschrieben zu haben, aber mein Gedächtnis hat mir einen Streich gespielt und mich in alte Zeiten entführt. Da es noch keine biographische einführung zu ihrem Werdegang gibt, hole ich das nun nach und kopiere hierher:

      Aus meiner grenzenlosen Bewunderung für die französische Koloratursopranistin habe ich noch nie ein Hehl gemacht und sie wird selbstverständlich auch den Tenor meiner Beiträge prägen.
      „La rossignol et la rose“ ist der Titel einer Arie von Camille Saint-Sâëns (zu finden auf der später vorgestellten Cd „Vocalise“) und gleichzeitig der eines wunderschönen Märchens von Oscar Wilde.
      Abgesehen davon, dass Dessays Gesang dem einer Nachtigall sehr ähnlich ist, hat auch ihre Karriere etwas durchaus Märchenhaftes an sich.
      Nathalie Dessaix (Natalie Dessay ist der Künstlername) wurde 1965 in Lyon geboren und wollte zunächst Schauspielerin Tänzerin werden. Diese ursprüngliche Berufung prägte und prägt ihr Leben als Sängerin in einer ganz besonderen Weise und ist neben ihrer wunderschön timbrierten Stimme und einer sehr guten
      Gesangstechnik ausschlaggebend für ihre internationale Karriere .
      Ihre Gesangsbegabung wurde entdeckt als sie in einem Theaterstück von Molière als Elfe die Arie der Pamina aus Mozarts Zauberflöte summen musste.
      Sie studierte dann am Conservatoire von Bordeaux Gesang und Schauspiel und wurde zunächst Choristin an der Oper Toulouse.
      Ihre erste Solorolle war die „Barbarina“ 1989 in Marseille.
      Der nationale Durchbruch in Frankreich gelang ihr mit dem 2.Platz im Gesangswettbewerb „Voix Nouvelles“ in Paris, der ihr den Weg an die Opéra de la Bastille öffnete. Dort gab sie 1992 in einer Polanski-Inszenirung an der Seite José van Dams ihre erste umjubelte Olympia und wurde für die nächste Saison umgehend als Blondchen und Olympia(wo sie für Cheryl Studer einsprang) an die Wiener Staatsoper engagiert.
      Kein Geringerer als Placido Domingo gab seiner Begeisterung über diesen neuen französischen Stern am Opernhimmel öffentlich Ausdruck- ihre internationale Karriere hatte begonnen.
      In den 90iger Jahren sang Natalie Dessay alle grossen Rollen des Koloraturfachs in Frankreich, Österreich, Amerika, Spanien, England.....: die Königin der Nacht, Zerbinetta, Lakmé, Aminta (Die schweigsame Frau), immer wieder Olympia , Das Feuer(Ravel „L’enfant et les sortilèges), Conigonde(Bernstein“Candide“),Morgana(Händel „Alcina“), usw usw
      Die mühelose und fast spielerische Leichtigkeit ihrer Gesangstechnik ist ein Phänomen, das man insbesondere auf dieser ersten CD aus dem Jahre 1994 nicht genug bewundern kann.
      Ich persönlich habe Dessay mit dieser Cd lieben gelernt und sie gehört nach wie vor zu meinen Unverzichtbaren und Dessay findet in diesem mörderisch schwierigen- einer Aloysia Weber in dei geläufige Gurgel komponierten- Repertoire nicht ihresgleichen.


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      Natalie Dessay hat bereits von Beginn ihrer Karriere sehr klare und eigenwillige Vorstellungen zu Operngesang, Regie und Musik vertreten.

      Trotz ihres dafür prädestinierten Stimmfach weigerte sie sich lange Zeit, eine in ihren Augen musikalisch minderwertige und inhaltlich lächerliche Gattung wie die Operette auch nur in Betracht zu ziehen. Neben einem kurzen Frühlingsstimmenwalzer-Intermezzo , in dem sie als reizendes , ein wenig schüchtern und leicht fehl am Platze wirkendes Pariser Petit four an Sylvester 1993 das Wiener Publikum bezauberte,konnten erst Laurent Pelly/Minkowski sie zu einer richtigen
      Operetteneinspielung bewegen.
      Die Eurydice aus Offenbachs „Orphée aux enfers“ erwies sich als eine Paraderolle für Dessays komisches Talent . Zusammen mit ihrem Ehemann , dem Bassbariton Laurent Naouri, legt sie darin im rotschwarzen Baby-Doll eine massstabgebende und gleichzeitg virtuose wie urkomische und frivol-erotische Duettszene „Jupiter verführt Euridice in Gestalt einer Fliege“ hin, dass sie allein deshalbbereits in die Annalen der Operettengeschichte eingegangen ist.
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      In einem Interview sagte Dessay mit der ihr eigenen temperamentvollen Bodenhaftung später dazu, dass die Leute ruhig denken sollten, es ginge bei ihr Zuhause auch so zu- die Tatsache, diese Szene mit ihrem Ehemann zu spielen, habe ihr den allergrössten Spass gemacht.
      Leider hat dieser überaus vielverprechende Ausflug in die Operette keine weiteren musiklaischen Folgen gezeitigt und ihre Vorurteile der Gattung gegenüber wohl nciht endgültig revidiert.

      Musikalisch sehr fruchtbar und ihren hohen Ansprüchen eher angemessen als die leichte Muse erwies sich ihre Freundschaft mit der frz. Barock-Spezialistin und Dirigentin Emmanuelle Haïm. Als geraedezu ideale Barockstimme hat Dessay mit ihr zusammenbereits etliche CDs eingespielt und ich hoffe inständig , dass noch
      Viele folgen werden.


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      Und hier noch eine allerletzte Errungenschaft der Zusammenarbeit zwischen N. Dessay und E3. Haïm deren Loblied ich dieser Tage nicht genug singen kann- und das nicht nur wegen N. Dessays himmlischem "Lamento della Ninfa" von Monteverdi sondern wegen einer herausragenden Sänger- und Musikerriege, die den barocken Klage einen überirdischen Charakter verleiht.

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      Nach ihrer grossen Stimmkrise 2003/2004 hat sich Dessay vom reinen Koloraturrepertoire weitgehend verabschiedet und sich ins lyrischeKoloraturfach, insbesondere in die Belcanto Partien der italienischen und frz. Oper vorgewagt.

      Ihre Massenet-Manon und ihre Ophélie sind dabei genauso masstabsetzend wie ihre Marie aus Donnizettis "la fille du regiment" oder die Amina aus Bellinis Sonnambula oder die Lucia di Lammermoor. Leider leider gibt es keine Gilda-die rolle mûsste eigentlch ein Traum für eine solche Stimme sein, aber Dessay istund bleibt serh eigenwillig in der auswahl der Charaktere die sie verkörpern möchte oder nicht.
      Was wir in Zukunft von ihr hören werden , bleibt ungewiss. Die in Wien angekündigten Traviatas wage ich derzeit nciht zu denken. Die Rolle ist im zwieten Akt so dramatish angelegt, dass es schon ganz besonderer Bedingungen bedarf um da nciht sofort in die nächste Stimmkrise zu stürzen.
      M;E; ist Dessays Stimme zu leciht für eine Violetta ab dem zweiten Akt, aber ich hoffe natûrlcih dass sie uns alle überrascht und Lügen straft.
      Ich glaube aus ihren diversen interviews verstanden zu haben, dass die Violetta eine Krönung ihrer karriere sein soll und sie wird sich danach vielleicht dann von der Bühne weg und ins sprechtheater zurückziehen. Aber bei ienem solchen Puck muss man sich auf Alles gefasst machen und so warte ich gespannt ab und hoffe vor allen dingen, dass diese Ausnahme- Stimme noch ein paar Jahre durchhalten wird.

      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Die San Francisco Opera kündigt für die Saison 2012/13 eine Produktion von Les Contes d'Hofmann an, in der Natalie Dessay alle Frauenrollen singen wird ("http://sfopera.com/Season-Tickets/2012-2013-Season/Tales-of-Hoffmann.aspx)

      Da bin ich aber seeehr skeptisch - Dessay mag ja als Olympia die Latte so hoch gelegt haben, dass so ziemlich jede andere Sängerin sie reißt. Aber Antonia oder gar Giulietta? Kann ich mir nicht wirklich vorstellen...
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Le Merle Bleu schrieb:

      Die San Francisco Opera kündigt für die Saison 2012/13 eine Produktion von Les Contes d'Hofmann an, in der Natalie Dessay alle Frauenrollen singen wird ("http://sfopera.com/Season-Tickets/2012-2013-Season/Tales-of-Hoffmann.aspx)

      Da bin ich aber seeehr skeptisch - Dessay mag ja als Olympia die Latte so hoch gelegt haben, dass so ziemlich jede andere Sängerin sie reißt. Aber Antonia oder gar Giulietta? Kann ich mir nicht wirklich vorstellen...


      Das ist aber schön! Ich bin schon sehr gespannt und hoffe, dass man davon auch aus der Ferne was zu sehen und vor allem zu hören bekommen wird.

      Natalie Dessay ist vielleicht nicht meine allererste Wahl für diese Quadrupelrolle - eine "Violetta-Stimme" wäre ideal ;+) -, aber ich glaube schon, dass die Partie für sie noch innerhalb der Grenzen des Machbaren liegt. Vielleicht knapp, aber doch.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Ich habe keine grossen Bedenken. Dessay ist intelligent genug, sich das nur in einer musikalischen und szenischen Umgebung zuzumuten die auf ihre Kapazitâten zugeschnitten ist. Sie hat Händels Cleopatra tadellos gesungen, weil sie die richtigen Partner, den richtigen Orchesterchef und den richtigen Regisseur hatte. Wenn diese Parameter in San Franciso ebenfalls stimmen, wird sie eine wirklich anfâllige und rührende Antonia hinlegen und nicht so eine kerngesunde rotbackige und gutgenâhrte Un-Kranke wie Netrebko.
      Die meisten Bedenken hätte ich noch bei Giulietta, weil das durchaus eine dramatisch durchwirkte Partie sein kann. Aber es kommt auch hier ganz drauf an, wie sie angelegt ist, wie die Partner sind und was man draus macht.
      Es wird ein sehr individuelles Rollenporträt werden, das steht allemal fest, aber da Dessay sehr gerne in modernen Inszenierungen spielt, die die Dinge von anderen Seiten beleuchten, kônnen wir uns auf Originelles gefasst machen.
      Ich hoffe ebenfalls, dass man davon etwas zu sehen bekommen wird. :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Kürzlich erschienen:



      - im Prinzip ein interessantes Programm.

      Jürgen Kesting ist allerdings vom derzeitigen Zustand von Dessays Stimme wenig angetan:
      Betrüblich ist, dass mehr als zehn Jahre in dramatischen Koloraturpartien (Lucia, Konstanze, Violetta) der ohnehin Twiggy-schlanken Stimme den Glanzüberzug genommen und ein Vibrato jenseits der Toleranzgrenze zugefügt haben. Gerade französischen Sängern ist bewusst, dass sie die Musik des Wortes ebenso sinn- wie sinnenfällig machen müssen. Dazu ist Madame Dessay leider kaum noch imstande, etwa in hoher Lage, wo die Töne splittern wie Glas. Die spitzige Tongebung verhindert fast durchgängig, dass ein melodischer Fluss oder ein «lettre-son» (Roland Barthes) entsteht. Dem «parfum subtil», das in «Fête galante» besungen wird, fehlt der Duft. Und nur selten bringt Natalie Dessay sich als Virtuosa in Erinnerung: etwa in den Vokalisen und Trillern von «Rondel chinois». In der kaum bekannten Ballade «Les Elfes», einer tödlichen Verführungsszene (an den «Erlkönig» erinnernd), fehlen die Farben für einen Klangspiegel, in dem die Figuren ein Gesicht bekommen.
      (Quelle: "http://www.kultiversum.de/Musik-Aktuell/Medien-CDs-DVDs-Buecher-Fleming-Dessay-Lemieux-M-lodies-Sinn-und-Sinnlichkeit.html)
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Lieber Le Merle Bleu!

      Da hat Jürgen Kesting nicht ganz unrecht - wie heißt es denn in der Bibel "Ein lange Dürre wird kommen" - aber singen kann sie, manchmal, schon schön.

      Liebe Grüße und gesegnete Ostern wünscht Dir und Gattin Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Wenn ich nur den Namen Kesting im Zusammenhang mit Koloratursopranen sehe, muss ich gar nciht weiterlesen..... da scheint es ein Trauma oder einen eingeborenen Widerwillen zu geben, denn eine solche Anhäufung von Herablassung einem einzigen Stimmfach gegenüber und das durch alle Sängergeneratione hinweg bis heute, kann nciht normal sein.

      Dass Dessay nicht mehr die ist, die sie mit 25 war, liegt in der Natur der Sache. Der unvergleichlich anrührende Schmelz der Stimme ist leider nicht mehr oft zu hören. Das letzte Grossartige das ich von ihr gesehen habe, war die Händel Cleopatra und das war stimmlich wie darstellrisch ein Fest. Die Piani in der Höhe so beeindruckend wie eh und je und die Koloraturen ohne Fehl und Tadel. Mit Debussyliedern stelle ich sie mir serh gut vor, diese Lieder sind genau richtig und dass sich Herr Kesting als Deutscher anmasst, eine französische Native-Stimme in dieser Weise hinsichtlich der Diktion zu kritisieren , finde ich schon fast dreist. Aber wie gesagt: man weiss ja, von wem es kommt...... :whistling:
      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Leider muß man Kesting Recht geben.
      Der Charme ist in der Mittellage geblieben, aber die Höhe ist forciert und tendiert zum Geschrei. "Nuit d'étoiles", das erste Stück, beginnt buchstäblich traumhaft, auch dank Philippe Cassards feinfühligen Spiels. "Je rêve aux amours défunts" ist der erste Ausflug über die Mittellage und da merkt man schon, daß etwas nicht richtig funktioniert. Die "sereine mélancolie" bringt wieder den schönen Ton und die farbige Stimme ... bis sie wieder von toten Liebschaften träumern muß. Die nächste Strophe ist dann viel zu angespannt ("cette rose, c'est ton haleine"); erst beim dritten Anlauf gelingt ihr ein "rêve" im schönen Piano.
      Und das ist erst der Anfang. Jedesmal, wenn sie sich etwas nach oben wagt, wird der Gesang von der Stimme bedingt und nicht umgekehrt. Die Diktion leidet darunter und nach ein paar Nummern muß man barsch sagen, daß dies Gekreische einem auf den Geist geht.

      Bei YouTube findet man "Nuit d'étoiles" mit Diana Damrau. Sie wird eher hölzern von einer Harfe begleitet, aber ihr Timbre ist dem Dessays nicht unähnlich. Und als Franzose darf ich wohl so dreist sein, um zu sagen, daß die Diktion unserer Schwäbin viel klarer ist.
      Seien wir noch dreister. In "Clair de lune" phrasiert Dessay:
      Votre âme est un paysage choisi
      Que vont // charmant masques et bergamasques.
      Véronique Gens phrasiert richtig
      Que vont charmant // masques et bergamasques.
      Wenn man "Clair de lune" mit Gens gehört hat, fällt man drei Klassen tiefer mit Dessay. Und ja, Dessay könnte von Gens lernen, wie man Verlaine vorträgt.
      Das "Vibrato jenseits der Toleranzgrenze" ist mir in dieser CD nicht aufgefallen aber sonst könnte ich Kestings Kommentar unterschreiben.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Am Sonntag hat Natalie Dessay bei einer Aufführung von Verdis "La Traviata" nach dem ersten Akt das Handtuch geworfen - und wurde durch Hei-Kyung Hong ersetzt. Von offizieller Seite wurde Dessays Ausfall mit den Folgen einer Erklätung begründet, welche die Sängerin noch immer plage. Ist das "nur" eine Erkältung oder mehr? Was meint Ihr?

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Da ich mit meinem letzten Beitrag Natalie Dessay etwas scharf kritisiert habe, ist es mehr als gerecht, daß ich jetzt ihre Mélisande lobe, die BR-Klassik gegenwärtig ausstrahlt (Aufzeichnung vom April 2011).
      ["http://www.br.de/radio/br-klassik/programmkalender/sendung265684.html link geht nicht mehr; mto]
      (als Podcast verfügbar).
      Nicht nur sie, sondern ihr Pelléas Simon Keenlyside und die ganze Truppe mit Louis Langrée am Pult würden sogar die eingefleischten Debussy-Hasser überzeugen.
      Verglichen mit ihrer Mélodies CD klingt Dessay freier, ohne Druck in der hohen Lage und viel homogener. Der Charme entfaltet sich ohne Begrenzung.

      Daß sie allerdings ein Jahr später die Traviata nach dem ersten Akt abbrechen muß, überrascht mich nicht so sehr.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Caesar73 schrieb:

      Am Sonntag hat Natalie Dessay bei einer Aufführung von Verdis "La Traviata" nach dem ersten Akt das Handtuch geworfen - und wurde durch Hei-Kyung Hong ersetzt. Von offizieller Seite wurde Dessays Ausfall mit den Folgen einer Erklätung begründet, welche die Sängerin noch immer plage. Ist das "nur" eine Erkältung oder mehr? Was meint Ihr?

      :wink: :wink:

      Christian

      Unsere Feenkönigen ist vielleicht/besser über den aktuellen Zustand der Stimme von Dessay informiert.

      Ich schätze diese Sängerin sehr, ich habe aber seit einiger Zeit die Befürchtung, dass sie sich selbst überfordert. Dass sie nach ihren Stimmbandproblemen mit Operation das reine Koloraturfach verlassen und in Richtung Belcanto gewechselt hat, war für mich ein logischer Schritt. Die Traviata (und ich kenne nur Teile ihrer CD-Einspielung) scheint mir allerdings ein falscher Weg des Repertoirewechsels. Auch wenn Dessay vom Typ her eine sehr gute Traviata sein mag, stimmlich dürfte die Partie ihre Grenzen zumindest erreichen (wenn nicht sogar überschreiten). Wenn dann noch eineVerkühlung dazu kommt, die sonst übersungen werden könnte, ist das Scheitern wohl vorprogramiert. Schade für diese Künstlerin.

      mit Grüßen aus aktuell Tschechien

      Michael