Stirbt das Klassik-Publikum aus?

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    • Eusebius schrieb:

      Und das man eine akademische Ausbildung zum reinen Selbstzweck absolviert ist doch wohl eher die große Ausnahme.
      Es soll aber immer noch vorkommen, dass man für ein Fach brennt, und man deswegen es zunächst mal einfach nur studieren will, ohne sich damit zu beschäftigen, was danach kommt. In den Wissenschaften wie in Musik. Man *muss* es dann einfach tun. Welcher talentierte Jungmusiker denkt denn beim Musikstudium in erster Linie an späteres Geldverdienen?

      Leider ist das heutzutage tatsächlich eher die Minderheit. Viel häufiger kommt in der Masse der gegenteilige Fall vor, dass ein Fach nur aufgrund der vermeintlich guten Berufsaussichten studiert wird, nicht selten in Verbindung mit Talentfreiheit und Leidenschaftslosigkeit.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • maticus schrieb:

      Welcher talentierte Jungmusiker denkt denn beim Musikstudium in erster Linie an späteres Geldverdienen?
      Doch, da weiß ich positiv, daß es welche gibt, die sich darüber Gedanken machen, von was sie in dreißig oder vierzig Jahren leben wollen, und ich kenne auch einige, die im fortgeschrittenen Alter an der Armutsgrenze leben oder bereits jenseits davon... Cornelia Vasile war so jemand (da gibt's einen Threat hier). Und die war wirklich gut!
      Da könnte man jetzt ein ziemlich großes volkswirtschaftliches Fass aufmachen, sowohl in Richtung Primär- als auch Folgekosten.... ;)
      Tabuthema. Ich will's nicht vertiefen.


      Somni schrieb:

      Ich erachte es einfach in mehrfacher Hinsicht als problematisch, dass vor allem die Opernhäuser aber auch die großen, ehrwürdigen Konzerthäuser am Großteil der Bevölkerung vorbei arbeiten. Am Ende könnte es die Häuser selbst einholen, wenn man in der Bevölkerung es gar nicht mehr einsieht, diesen Betrieb der Häuser mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen. Daher bin ich für das Bauen von Brücken und zwar von Massengeschmack (was offensichtlich durchaus auch Helene Fischer ist) hin zur Klassik
      Ok: lassen wir Helene Fischer im Opernhaus auftreten. Hütte ist voll, weil: Helene Fischer hat ihr Publikum. Was berechtigt Dich zu der Annahme, daß am nächsten Tag die selben Leute wieder da sind, wenn "Oper" oder "Symphonie-Konzert" auf dem Programm steht? Genau darum tät's doch gehen, oder?
      OK: damit läßt sich die Auslastung von zumindest kleineren, vor allem nicht spezialisierten Spielstätten erhöhen. Wird (nicht nur, s.u.) in der Provinz aber doch genau so gehandhabt - da gibt es ein Kulturzentrum, und das steht allen offen, Helene Fischer ebenso wie Oper vom Freien Landestheater Bayern, dem Jahreskonzert des lokalen Musikvereins ebenso wie den Holzkirchener Symphonikern. Oder noch kleiner: wochentags vormittags ist Schulturnen, am nachmitag trainieren die Handballer, am Samstag ist der Theaterverein drin, am Sonntag ist Kammerkonzert (nein, das ist nicht hypothetisch. gibt's.). Beispiele zu Hauf liefert ein Bilck ins Internet. Im Prinzregententheater in München gibt es übrigens auch ein gemischtes Programm (muenchenmusik.de/konzertsaele/…0XVA7YEAAYASAAEgLE-vD_BwE). Heute gibt's in München Oper im Nationaltheater, Hansi Hinterseer oder Musical im Zirkus Krone. Was wäre denn gewonnen, wenn Hansi Hinterseer in der Oper auftreten würde, statt im Kronebau (wenn er denn 1000 Sitzplätze weniger überhaupt akzeptieren würde) und dafür Norma im Zirkus gegeben wird? Geht jemand, der heute Willy Astor im Prinzregententheater besucht morgen in in einen Klavierabend - wenn er sich nicht ohnehin dafür interessieren würde? Die Leute gehen doch in eine bestimmte Veranstaltung, egal, wo die ist, und nicht in ein Haus mit bestimmter Hausnummer?
      Nochmal: was wäre der Mehrwert?
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Naja, so war es noch nicht mal zu verstehen. Ich spreche ja von einer "Brücke", die man bauen oder schlagen muss (von der einen Seite "A" zur anderen Seite "B"); und damit ist natürlich nicht gemeint: "A" Helene Fischer, "Brücke" Helene Fischer, "B" Klassik".

      Sondern ich denke einfach an modernere Formen von Konzerten und vor allem Opern (da ich bei den Opernhäusern noch das größere Problem sehe). Also vielleicht ist David Garrett schon eine Brücke. Was die beste Brücke sein könnte, weiß ich auch nicht, und darüber mag man ja streiten. Und natürlich ist das ein längerer Prozess, also kann von "am nächsten Tag" nicht die Rede sein - auch wenn es polemisch gemeint sein mag. Also wenn man sich Helene Fischer als Brücke denken würde, müsste sie sich natürlich verändern und der Klassik Seite anpassen - würde also als "Brücke" nicht einfach nur "auftreten" wie sonst auch immer, sondern vielleicht eine Opernrolle spielen oder Klassik-Crossover Stücke geben. Und dann ist es ähnlich wie Garrett, der sicherlich Beschäftigung mit Klassik anstößt - wie bspw. sein Film und Album zu Paganini.

      Und der "Mehrwert" von einer solchen Brücke ist ( :!: unter anderem :!: ), dass die Klassik als kulturelles Erbe sozusagen "demokratisert" wird und nicht nur einer kleinen Elite vorbehalten bleibt.

      Aber irgendwie reden wir auch aneineinander vorbei und dann wird es mit Polemik und "Berechtigungen" etwas anstregend. Ich habe die Probleme, die ich sehe angesprochen und deutlich gemacht. Wenn man meine Darstellungen missverstehen möchte, dann wird mir das zumindest bei polemischen Nachfragen jetzt wirklich zu mühselig.
    • Somni schrieb:

      Und der "Mehrwert" von einer solchen Brücke ist ( :!: unter anderem :!: ), dass die Klassik als kulturelles Erbe sozusagen "demokratisert" wird und nicht nur einer kleinen Elite vorbehalten bleibt.

      Meines Wissens sind Konzert- oder Opernveranstaltungen in aller Regel jedem zugänglich, der eine Eintrittskarte kauft. Viele Konzerte sogar kostenlos. Was soll daran undemokratisch sein? Oder meinst Du, es soll sozusagen per Mehrheitsbeschluss über die Inhalte entschieden werden? Das ist zum Glück nicht so.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Bieten meine Worte wirklich so viel Interpretationsspielraum? Aber vielleicht, vielleicht -- vielleicht ja sollte es mir ja schmeicheln, dass man sich damit auseinandersetzt. :) Also:

      Ich habe an die 3. Bedeutung gemäß Duden gedacht: "etwas, was Privilegierten vorbehalten war, allgemein zugänglich, erreichbar machen"

      Nun der erste, einfach gedachte Einwand wäre schon, dass sich nicht jeder einen Opernbesuch leisten kann. Und selbst wenn Opernveranstaltungen umsonst wären, hieße das nicht, dass dieses Gut jedem gleich zugänglich wäre – ähnlich wie bei der ganz klassischen Bildung (Schule, Universität). Hier wie dort muss erst ein Bewusstsein für den Wert geschaffen werden; und auch der Zugang muss unterstützt werden – wie man bei der allgemeinen Bildung in Schule und Uni sieht reicht es noch nicht mal, wenn diese frei zugänglich sind...
    • Der Zugang muss aber zu dem führen, wozu er den Weg eröffnen soll. Der Weg zu Beethoven, Brahms, Mahler usw. führt nicht über schicke Verwurstungen und auch nicht über Die »Herr der Ringe«-Sinfonie (wie das Machwerk idiotischerweise tatsächlich heißt). Es ist wie beim Lehren einer Fremdsprache. Es hat keinen Sinn, gewisse komplizierte Sachverhalten dem Schüler erst einmal falsch beizubringen, um ihm später zu zeigen, dass es in Wahrheit ganz anders ist. Dann verlernt er das Falsche nämlich nie wieder. (Eine Binsenweisheit, die die Leute, die meinten, es wäre gut, Kinder in de Schule erst mal ein paar Jahre schreiben zu lassen, was sie hören, bis man ihnen die Orthographie erklärt, nicht begriffen haben.) Richtiger ist, allzu komplexe Dinge für den Anfang auszuklammern, aber nie etwas anderes zu lehren, als was gelernt werden soll.

      Eine andere Frage ist übrigens, ob die Rhetorik vom elitären Charakter der sogenannten »klassischen« Musik nicht völlig an der Sache vorbeigeht. Es gibt Dinge, die sind für viele, andere sind für wenige. Beides gehört zu unserer Kultur und ist deshalb wert, gepflegt zu werden. Es sprechen auf jeden Fall sehr viel weniger Menschen in Deutschland Sorbisch, als es Opern- oder Konzertbesucher gibt. Dennoch wird die sorbische Sprache und Kultur staatlich gefördert, was natürlich auch Geld kostet. Und das ist vollkommen in Ordnung, weil die Kultur dieser Minderheit nun einmal zu unserer Kultur gehört. Ich persönlich brauche diese Förderung nicht, weil ich die Sprache nicht kenne und auch nicht in der Gegend wohne, wo sie gesprochen wird, aber ich brauche sie eben doch, weil der Verlust eine Verarmung der Kultur dieses Landes wäre.
      Wenn also nur ein kleiner Teil der Menschen aus Deutschland in Opern und »klassische« Konzerte geht, liegt das daran, dass sich die Dinge so entwickelt haben. (Ob es jemals sehr viel anders war, ist eine Frage, die wir mal dahingestellt sein lassen wollen. Sicher ist immerhin, dass der Prozentsatz der Bevölkerung, für den eine Aufführung eines Stücks der Florentiner Camerata zugänglich gewesen wäre – finanziell und intellektuell – weit unter 1% gelegen haben dürfte.) Es gibt Dinge, die kosten eine Menge Geld und bringen es nie ein. Trotzdem sind sie da, weil sie schön sind, und sind deshalb ihr Geld wert. Das sehr teure Service aus Meißner Porzellan, das nur einmal im Jahr zum großen Familienfest aus der Vitrine geholt wird, ist sein Geld wert, wenn es diesen einen Tag so verschönt, dass er auf den Rest des Jahres ausstrahlt. (Und das Leben wird keineswegs schöner und auch nicht »demokratischer«, wenn wir ein PVC-Service auf den Tisch bringen, das in seiner Form dem Meißner Original nachempfunden ist.) Betriebswirtschaftlich korrekte Kosten-Nutzen-Rechnungen sind im Bereich der ästhetischen Phänomene nicht sinnvoll und führen auf jeden Fall in die Irre.

      Kurz und gut: Es gibt Dinge, die kosten etwas mehr und die kosten etwas mehr Anstrengung, Vorbildung, Vorbereitung, Konzentrationsvermögen, als viele aufzubringen gewillt und in der Lage sind. Demokratisierung kann in diesem Zusammenhang nur heißen, dass man jedem, unabhängig von seinem sozialen Status, den Zugang zur Kunst ermöglicht. (Das ist weitgehend gegeben.) Demokratisierung heißt nicht, dass man alles so einweicht und vorkaut, dass es ein jeder mühelos runterschlucken kann. (Das ist die Auffassung der radikal stalinistischen Kulturpolitik.)
    • Somni schrieb:

      dass sich nicht jeder einen Opernbesuch leisten kann.
      wobei offenbar teilweise fantastische Vorstellungen über den nötigen Aufwand zu herrschen scheinen. So wurde in Diskussionen anläßlich der Elbphiharmonie-Eröffnung beklagt, daß für den weniger Wohlhabenden ja außer der Eintrittskarte auch noch eine Frackmiete fällig würde.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • ...und Rock/Popkonzerte kosten auch nicht so wenig (teilweise mW sogar mehr als eine günstige Opern- oder Klassik-Konzertkarte), trotzdem strömen die Massen zu den angesagten Acts.

      EDIT:

      Für Helene Fischer fängt's - wie man hier sieht - zumeist bei ca. 60 Euro an - bei den klassischen Konzerten die ich so in der letzten Zeit erlebt habe, waren das eher Preise für Spitzenplätze.

      Bei Cosi Fan Tutte an der Oper Frankfurt (zufällig herausgegriffenes Beispiel) sind immerhin die Preiskategorien 4-7 günstiger als Helene Fischer, die billigsten Plätze kosten gar nur 15 Euro.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      ...und Rock/Popkonzerte kosten auch nicht so wenig (teilweise mW sogar mehr als eine günstige Opern- oder Klassik-Konzertkarte), trotzdem strömen die Massen zu den angesagten Acts.

      EDIT:

      Für Helene Fischer fängt's - wie man hier sieht - zumeist bei ca. 60 Euro an - bei den klassischen Konzerten die ich so in der letzten Zeit erlebt habe, waren das eher Preise für Spitzenplätze.

      Bei Cosi Fan Tutte an der Oper Frankfurt (zufällig herausgegriffenes Beispiel) sind immerhin die Preiskategorien 4-7 günstiger als Helene Fischer, die billigsten Plätze kosten gar nur 15 Euro.
      Mein letztes Live-Klassik-Erlebnis liegt erst zwei Tage zurück: Am Mittwoch war ich in der Oper, es gab den "fliegenden Holländer", gezahlt haben wir pro Karte 12 Euro (zweitgünstigste Kategorie, ermäßigt). Je nach Film und Extras bezahlt man ähnlich viel für eine Kino-Karte.
      Auf der anderen Seite ist es in der Klassik nicht anders als im Pop: Große Namen ziehen Publikum und kosten eben. Um Cecilia Bartoli bzw. Albrecht Mayer live zu sehen, bezahle ich dann halt um die vierzig Euro in der günstigsten Kategorie (und schon in der zweitgünstigsten hatte die Bartoli Helene Fischer preismäßig ungefähr erreicht, wenn ich mich erinnere, die guten Plätze kosteten um die 200 Euro).

      Die Diksussion um die Kosten für Klassik-Veranstaltungen finde ich völlig überflüssig und idiotisch. Niemand wird von den Eintrittspreisen vom Besuch eines Symphoniekonzertes oder einer Opernaufführung abgehalten. Da könnte man schon eher diskutieren, warum Veranstaltungen, die zum allergrößten Teil von Leuten besucht werden, für die zehn Euro mehr oder weniger keinen wirklichen Unterschied machen, von der Allgemeinheit so stark subventioniert werden - denn wenn man sich überlegt, wie viele Menschen vor Ort nötig sind, um eine Aufführung des "fliegenden Holländers" auf die Bühne zu bringen, dann sind zwölf Euro eher ein symbolischer Betrag.
      Und weil mir irgendwer gleich sicherlich das Wort im Mund herumdrehen und aus der Frage schon die Antwort herauslesen möchte: Ich finde diese Subventionierung richtig und habe keine Angst vor der Diskussion über ihre Notwenidigkeit!
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Cherubino schrieb:


      Auf der anderen Seite ist es in der Klassik nicht anders als im Pop: Große Namen ziehen Publikum und kosten eben. Um Cecilia Bartoli bzw. Albrecht Mayer live zu sehen, bezahle ich dann halt um die vierzig Euro in der günstigsten Kategorie
      Und also doch anders als im Pop. Phil Collins Fans mussten im letzten Jahr in der günstigsten Kategorie über 100€ zahlen. Dagegen scheint mir der Klassik-Betrieb geradezu einladend für Finanzschwächere: Teilhabe jedenfalls nicht gleich von vornherein ausgeschlossen.

      Hinsichtlich der "Brücken"-Diskussion schließe ich mich Argonaut an: Didaktische Reduktion ist halt eben nur Reduktion, aber keine wesenhafte Verfälschung.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Ach Leute, das Spiel der Vergleiche scheint mir ein bisschen zu beliebig und teilweise steigert ihr euch da auch ein bisschen zu sehr rein. Und es sind auch wieder die alten Bekannten dabei, die gerne andere Diskussionspositionen als "idiotisch" bezeichnen oder als "radikal stalinistische Kulturpolitik" oder "idiotischerweise" verwenden – irgendwie selbstentlarvend. Ich kann mir solchen Quatsch dann auch nicht weiter durchlesen.

      Was den zuletzt adäquat angesprochenen Punkt der Eintrittsgelder angeht: Vielleicht sollte man Phil Collins nicht mit einer Opernveranstaltung in Hannover vergleichen (wo man in der Regel nicht unter 20 € bezahlt), sondern mit Opernveranstaltungen mit ähnlicher Weltstarbesetzung (die auch schnell im dreistelligen Bereich landen).

      Nun angesichts der irrwitzigen Schärfe möchte ich aber auch nochmal darauf hinweisen, dass fehlende Finanzmittel nur ein erster, einfacher Einwand ist gegen Meinungen wie diese:

      Cherubino schrieb:

      Die Diksussion um die Kosten für Klassik-Veranstaltungen finde ich völlig überflüssig und idiotisch. Niemand wird von den Eintrittspreisen vom Besuch eines Symphoniekonzertes oder einer Opernaufführung abgehalten.

      Vielleicht sollte man sein "Nicht-Idiotentum" mal überdenken, wenn man wirklich voller Ernsthaftigkeit die Meinung artikuliert, "Niemand wird von den Eintrittspreisen vom Besuch eines Symphoniekonzertes oder einer Opernaufführung abgehalten." Oder vielleicht mag man nur selber wohlhabend sein und hat den Kontakt zu anderen Teilen der Bevölkerung verloren, denn sonst wüsste man, dass es auch in unserem Land Menschen gibt, denen das Geld an allen Ecken und Enden fehlt; die selbst beim Essenseinkauf sparen müssen - geschweige denn in ihrer Not an teure Bildungsgüter oder noch flüchtige Opernveranstaltungen denken...

      Aber ja, für das Gros stehen dem Opernbesuch andere Dinge wesentlicher im Wege als fehlendes Geld; wurde auch schon angesprochen; aber zumindest bei einigen Diskussionsteilnehmern frage ich mich - wem erkläre ich mich hier überhaupt... :)
    • Als jemand, der jetzt keine große Lust hat, sich hier zu beteiligen, möchte ich Dich doch fragen - angesichts Deines letzten Beitrags, werter Somni: Wofür stehst Du eigentlich? Deine Argumentation - falls es denn eine gewesen sein sollte - wurde im Großen und Ganzen widerlegt. Der letzte Beitrag wirkt doch recht gereizt, ohne dass man wüsste, warum.

      Ich habe übrigens als Jugendlicher nichts und niemanden benötigt, keine Vorbilder in der Familie oder unter Freunden, keine "Brücken" und nur sehr wenig Geld, um mich vor bald fünfzig Jahren in die Welt der Musik vorzutasten. Es war einfach Interesse da, wachsende Hörbegeisterung, zunehmende Erfahrung. Es hat auch lange gedauert, bis ich mir einen Plattenspieler zugelegt habe. Vorher habe ich Rundfunk gehört und viel auf Tonband mitgeschnitten. So geht das schon auch. (Und natürlich hatte ich vorher eine reine Popmusik-Phase, halt ein Frühstadium des Vortastens.)

      Gut - Klavier zu lernen, haben mir meine Eltern ermöglicht.

      Dass es heute rein vom Equipment her anders läuft, ist mir schon klar.

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Naja, ich finde es unsachlich und sogar beleidigend wenn man eine Position als "idiotisch" bezeichnet. Das hat mit widerlegen nichts zu tun. Es sind nur Behauptungen bzw. eigentlich recht offensichtliche Falschaussagen, wenn man meint, "Niemand wird von den Eintrittspreisen vom Besuch eines Symphoniekonzertes oder einer Opernaufführung abgehalten" oder "Deine Argumentation - falls es denn eine gewesen sein sollte - wurde im Großen und Ganzen widerlegt."

      Vor diesem Hintergrund erscheint es mir irgendwie sinnlos deine Frage zu beantworten. Entweder kannst du es meinen bisherigen Darstellungen entnehmen, oder es wird wohl nichts mehr. Ich bin aus diesem Thema auch erstmal raus. Wurde ja alles meinerseits gesagt. Und auf diesem wirren bis beleidigendem Niveau weiter zu diskutieren bzw. mich zu erklären erscheint irgendwie auch sinnlos.
    • Somni schrieb:

      Es sind nur Behauptungen bzw. eigentlich recht offensichtliche Falschaussagen, wenn man meint, "Niemand wird von den Eintrittspreisen vom Besuch eines Symphoniekonzertes oder einer Opernaufführung abgehalten"
      Das ist nun aber auch eine Behauptung. Wie willst Du denn belegen, dass das eine Falschaussage ist? Und was ist außerdem eine »recht offensichtliche« Falschaussage? Ist es offensichtlich eine, oder ist es offensichtlich keine? »Ein bisschen offensichtlich« ist ja ähnlich sinnvoll wie »ein bisschen schwanger«. Also was willst Du sagen? Übrigens liegt ja auf der Hand, dass hier nicht jeder einzelne Fall gemeint sein kann, sondern lediglich auf etwas zugespitzte Weise die Auffassung ausgedrückt wird, dass die Kosten kein signifikanter Faktor für den Rückgang der Besucherzahlen sind, den man hier und da beobachten kann (während man übrigens auch hier und da das Gegenteil beobachten kann, und nicht nur dort, nicht einmal in erster Linie dort, wo die Konzerte zeitgeistig aufgemotzt werden).
    • Guten Abend,

      ich bin durchaus der Ansicht, dass die Opernhäuser etwas dafür tun, neues Publikum zu gewinnen. Das mag ich jetzt nicht im Einzelnen aufzählen. Jedes Opernhaus ist anders und hat dasher ein eigenes Programm. Es gibt z.B. Liederabende, Jazz, Weltmusik und verschiedene Crossover-Projekte sowie Kinderveranstaltungen. Dazu zählt aber nicht, dass Sabine-oder-wie-immer-die-auch-heißt Fischer dort atemlos skandiert.

      Meine Meinung ist, dass man mit "leichter" Klassik auch keine neuen Hörer gewinnt. Klassik gilt nicht nur als schwer, sie ist es auch. Mir geht es oft so, dass ich "klassische Musik" von Gregorianik bis Moritz Eggert (aus dessen oben verlinkten Artikel ich primär monetäre Interessen ableite) als anstrengend und nervig empfinde. Der Punkt ist aber doch, dass es gerade trotz und wegen dieser Schwierigkeiten nützlich und lohnend ist, sich damit zu beschäftigen.

      Den monetären Aspekt finde ich auch nicht so stichhaltig. Es gibt Unmengen Material zum Streamen, legal und kostenlos bei den werbeunterstützten Portalen, auch Klassik-CDs für Einsteiger zu kleinen Preisen in jeder Drogerie und jedem Buchladen. Konzertkarten gibt es ab dem Äquivalent von zwei Päckchen Zigaretten.

      Also lautet die Frage nicht "wie bekommt man die Leute zur Klassik?", sondern "Wie schafft man es, dass die Leute Klassik hören wollen?"
      Schöne Grüße, Helli


      ...ich mag alle Farben. Nur schwarz müssen sie sein.
    • Sei mir nicht böse, aber die Penetranz, mit der Du behauptest, die Eintrittspreise würden einen Opernbesuch verhindern, empfinde ich mittlerweile als entweder polemisch oder als blanke Unkenntniss realer Eintrittspreise, alternativ auch als Unwillen, Fakten zur Kenntnis zu nehmen.
      Weil vorhin mal die Hannover Oper erwähnt wurde, ein kleines Zitat von deren Website:


      SCHÜLER, STUDIERENDE, AZUBIS, WEHR- UND ZIVILDIENSTLEISTENDE (unter 30 Jahre) sowie ARBEITSLOSE erhalten Karten zu 8 € (So-Do) und 9,50 € (Fr/Sa) im Vorverkauf in den Platzgruppen D, E und F, eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn in allen noch verfügbaren Preiskategorien. Ausgenommen sind Sonderveranstaltungen, Gastspiele u.a. Premierenkarten sind soweit vorhanden für 11,50 € an der Abendkasse erhältlich.

      HARTZ-IV-EMPFÄNGER
      erhalten gegen entsprechenden Nachweis (Hannover Aktiv Pass oder Leistungsbescheid plus Lichtbildausweis) Karten zu 4,20 € (So-Do) und 5,20 € (Fr/Sa) im Vorverkauf in den Preisgruppen D, E und F, eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn in allen noch verfügbaren Preiskategorien. Ausgenommen sind Sonderveranstaltungen, Gastspiele u.a. Premierenkarten sind für 6,20 € an der Abendkasse erhältlich, soweit vorhanden.
      INHABER der NDR Kultur Karte erhalten 15 % Rabatt auf alle Vorstellungen im Schauspiel (außer Premieren und Sonderveranstaltungen).
      SCHWERBEHINDERTE
      Menschen mit einer Schwerbehinderung von 50 – 90 % erhalten eine Ermäßigung von 25 %.
      Menschen mit 100 % Schwerbehinderung erhalten 50 % Ermäßigung.
      Liegt das Merkzeichen »B« im Ausweis vor, erhält auch die Begleitperson 25 % bzw. 50 % Ermäßigung.

      staatstheater-hannover.de/oper…&f=07_seiten&ID_Seite=184

      Essen, Dortmund und Düsseldorf liegen in der gleichen Größenordnung. Ich weiß ja nicht, wie das in Hamburg ist, aber 8,00 bzw 9,50 EUR für Arbeitslose bzw. 4,20 /5,20 EUR für Hartz-IV-Empfänger, und Premierenkarten für für 6,20, wenn noch welche da sind, liegt deutlich unter bzw. allenfalls auf Kino-Niveau. Ist das dann auch elitär? Eine Schachtel Zigaretten kostet auch 6 Euro. Was willst Du eigentlich? Geht's darum, daß 5 oder 6 Euro prohibitiv wirken? Ganz ernsthaft.
      Ich würde lieber eine Diskussion mit Tatsachen führen, statt mit realitätsfernen Behauptungen, die durch stete Wiederholung nicht richtiger werden.
      In der er Staatoper Hamburg gibt es für Hartz IV und Arbeitslose 50% auf die Platzgruppen 1-7 (die billigen Plätze sind regulär.) Das ist zugegeben deutlich teurer als in Hannover oder im Ruhrgebiet, ist dafür aber auch eines der führenden Häuser, da kostet regulär auch kräftig mehr. Dafür gibt's im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen auf ausgewählte Veranstaltungen freien Eintritt für Hatz IV Empfänger. Informieren muß sich jeder schon selber.
      Und nu? Your turn.
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • naja, dieses Hantieren mit Preisen für ermäßigte und/oder HartzIV-Karten hilft natürlich denen, die mit eigener Tätigkeit gerade so ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder erwirtschaften, nicht wirklich. Wer weiß, was für eine Entwürdigung es bedeutet, bis man in den Genuss dieser Vergünstigungen kommt, ist mit solchen Argumenten vorsichtiger.
      Trotzdem stimme ich im Prinzip zu: am Preis liegt es nicht.
      Ab und zu mal nen Fuffi für klassisches Konzert zu zweit + Anfahrt etc ist nicht utopisch viel.

      motiaan schrieb:

      Meine Meinung ist, dass man mit "leichter" Klassik auch keine neuen Hörer gewinnt.
      das denke ich auch. eher wäre es ein Anliegen, die Vorstellung:

      motiaan schrieb:

      Klassik gilt nicht nur als schwer, sie ist es auch.
      etwas aufzuweichen. Deswegen finde ich ja auch die Ansätze so gut, die praktisch das Gegenteil von
      "Helene Fischer im Opernhaus" bedeuten:
      Klassik im Club z.B., und das sollte mMn dann schon auch "richtige" Klassik sein, also nicht "best of Opernmelodien", sondern schon auch mal ne Symphonie oder so.

      Was macht denn Klassik so "schwer"? daß man zuhören muss, um dem Sinn folgen zu können?
      dann wäre es doch wichtig, zu lernen, daß sich dieses Zuhören lohnt, weil man da Erfahrungen machen kann, die Musik, die auf innere Entwicklungen verzichtet, nicht vermitteln kann.

      Cherubino schrieb:

      warum Veranstaltungen, die zum allergrößten Teil von Leuten besucht werden, für die zehn Euro mehr oder weniger keinen wirklichen Unterschied machen, von der Allgemeinheit so stark subventioniert werden
      damit auch Menschen, für die ein Zehner mehr oder weniger durchaus etwas ausmacht, auch noch hingehen können. Ein paar davon gibts schon, und nicht alle davon ziehen sich gerne dafür so komplett aus, wie es für HartzIV verlangt wird.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • philmus schrieb:

      naja, dieses Hantieren mit Preisen für ermäßigte und/oder HartzIV-Karten hilft natürlich denen, die mit eigener Tätigkeit gerade so ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder erwirtschaften, nicht wirklich. Wer weiß, was für eine Entwürdigung es bedeutet, bis man in den Genuss dieser Vergünstigungen kommt, ist mit solchen Argumenten vorsichtiger.
      Ab 18.2 18 gehöre ich auch zum engeren Kreis, da ich eine Erwerbsmindernde Rente beantragen mußte und natürlich auch aufs Arbeitsamt mußte.
      Zum Glück sind alle Bearbeiter /Beamte mir gegenüber supernett und mitfühlend.
      Und auch meine Betriebsärztin ist klasse und steht völlig hinter mir wie auch der Sozialbeauftragte, der sehr aktiv ist.
      Dahingehend kann ich mich nicht beschweren, stehe aber einigermaßen fassungslos vor den Trümmern meines beruflichen Lebens und reagiere nur noch.

      Meine Eltern bezahlen mir eine private Reha bei einer privaten Praxis-weil Sie es können-und es geht mir etwas besser.
      Aber fair ist das nicht.
      Ich denke, ohne meinen Status als städtischer Musiker wäre es sehr viel schwieriger.
      Ich bin jedenfalls bisher auf dem Arbeitsamt, bei der Rentenversicherung und bei meiner Krankenkasse hervorragend, einfühlsam und freundlich behandelt worden.

      Für mich ist eine solche Situation auch neu.
      Ich hätte niemals gedacht, in eine solche mal hinein zu geraten.
    • Der Kontext war meinem Verständnis nach eindeutig nicht, dass es absolut niemanden gibt, der finanziell so knapp ist, dass er sich kein Klassik-Konzert/Oper leisten kann. Das ist natürlich falsch. Aber der klassischen Musik kann wohl kaum zugemutet werden, das Problem der Armut in einem der reichsten Länder der Welt lösen zu sollen.
      Der Kontext war, dass Klassik und Oper verglichen mit anderen Konzerten oder auch Kino, Zirkus, Profisport... nicht ungewöhnlich teuer sind. Sondern im Gegenteil eher durchschnittlich bis günstig, mit vergleichsweise vielen Optionen, die gar nichts kosten. D.h. ein "elitäres Vergnügen" ist Klassik in D bzgl. des finanziellen Aspekts höchstens in derselben Weise wie Helene Fischer ein elitäres Vergnügen ist und eher weniger elitär als internationale Rockstars, bei denen es doppelt so viel kostet. Damit wird aber klar, dass die Eintrittspreise keinen relevanten Unterschied zwischen Helene Fischer und Julia Fischer ausmachen können.

      Und da es um angeblich mangelnde Popularisierung ging, ist der Vergleich bei den Eintrittspreisen zu populären Schlagerstars wie Helene Fischer, Musicals oder Crossover wie Garrett keineswegs abwegig. Denn die Idee der Popularisierung war doch u.a., dieses Publikum anzusprechen, das offensichtlich genügend Kohle für "König der Löwen" hat und sich daher nicht von 30 EUR für eine Opernkarte abschrecken lassen sollte.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
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