Barber, Samuel – Der große Spätromantiker der Neuen Welt

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    • Ich empfand ganz oft -- wenigstens gefühlt -- eine Ähnlichkeit zwischen Barbers Adadio for Strings und Schostakowitschs Largo aus seiner 5. Sinfonie, auch wenn ich die Werke nie direkt hör-verglichen habe, zudem Barbers Adagio (das ich zuerst kennengelernt habe; mit Bernstein) lange nicht gehört habe. Klar, Schostakowitschs Largo ist nicht nur für Streicher (aber zu weiten Teilen streicherdominiert, zudem ohne Blech und mit wenig Schlagzeug). Barbers Werk ist 1936 komponiert, Nov. 1938 uraufgeführt, Schostakowitschs 1937 komponiert und uraufgeführt worden.

      Empfinde andere auch diese Ähnlichkeit? Oder ist das an den Haaren herbeigezogen?

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Kronos Quartet

      music lover schrieb:

      Ich habe mir gerade den Hörschnipsel angehört. Interessanterweise mit 07:16 min. im Toscanini-Bereich (07:11 min.) liegend. Nur: Ist das noch ein Adagio? Ist nicht Bernstein mit seinen 09:54 min. viel näher dran an dem Gedanken des Werks?

      ebensogut könnte man fragen: Ist es bei Bernstein noch Adagio? Oder nicht schon Lento assai?
      Sorry, aber das überhaupt nichts aus.
      Der (für mich überzeugenden) Interpretation des Kronos Quartet den Adagio-Charakter abzusprechen, halte ich für etwas mutwillig.
      Ich weiß nicht ob der Grundpuls als Viertel oder Achel notiert ist, jedenfalls sagt mein Metronom ca Tempo 42 dazu. Wenn das kein Adagio ist, was dann?
      Außerdem kann man sehr schön hören, dass das Kronos Quartet ziemlich viele Noten auf einen Bogen spielt, was auch sicher so notiert ist und eine vom Komponisten beabsichtigte Ruhe hineinbringt. Bei langsamerem Tempo muss der Bogen öfter unterteilt werden, was deutlich bei diversen Orchesteraufnahmen bei Youtube zu sehen und auch zu hören ist: jeder Bogenwechsel erzeugt einen zwar kleinen aber doch spürbaren Akzent oder eine Unruhe, häufig auf einem völlig unpassenden Taktteil.
      Ich behaupte nicht, dass Bernsteins Tempowahl "falsch" ist oder seine Interpretation schlecht.
      Das Kronos Quartet überzeugt mich aber mehr. Allerdings habe ich generell Schwierigkeiten mit Streichquartett(sätz)en, die von einem Streichorchester gespielt werden. Für mich meist eine unnötige Aufblähung und den Fluss hemmende Massierung (ja auch in diesem Fall!).
    • Khampan schrieb:

      Allerdings habe ich generell Schwierigkeiten mit Streichquartett(sätz)en, die von einem Streichorchester gespielt werden. Für mich meist eine unnötige Aufblähung und den Fluss hemmende Massierung (ja auch in diesem Fall!).
      Ah, es war ursprünglich ein Satz aus einem Streichquartett. Das wusste ich nicht. Mir geht es ähnlich, ich mag solche Bearbeitungen für Streichorchester i. d. R. auch nicht, etwa auch nicht Schostakowitschs Op. 110 als Kammersinfonie. Ich sollte mir mal das Quartett besorgen.

      maticus
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    • Khampan schrieb:

      Der (für mich überzeugenden) Interpretation des Kronos Quartet den Adagio-Charakter abzusprechen, halte ich für etwas mutwillig.
      Das habe ich nicht, liebe/r Khampan, sondern ich habe nur einen kurzen Hörschnipsel gehört und dann eine Frage gestellt. Zu der Kronos-Aufnahme kann ich überhaupt nichts sagen, da ich sie mit Ausnahme dieses Hörschnipsels nicht kenne. Und auch nicht kennenlernen will.

      Khampan schrieb:

      Allerdings habe ich generell Schwierigkeiten mit Streichquartett(sätz)en, die von einem Streichorchester gespielt werden. Für mich meist eine unnötige Aufblähung und den Fluss hemmende Massierung (ja auch in diesem Fall!).

      maticus schrieb:

      Mir geht es ähnlich, ich mag solche Bearbeitungen für Streichorchester i. d. R. auch nicht, etwa auch nicht Schostakowitschs Op. 110 als Kammersinfonie. Ich sollte mir mal das Quartett besorgen.
      Bei mir ist es genau andersherum. Wenn ich überhaupt reine Streichermusik (ohne Klavier) ertragen kann, dann von einem Streichorchester gespielt. Mit Streichtrios, -quartetten oder -quintetten kann man mich jagen. Schostakowitschs op. 110 habe ich in der Originalfassung für Streichquartett, nicht in der Barshai-Fassung, erstmals - völlig unerwartet - in der Elbphilharmonie live gehört, weil Currentzis dieses Werk im abgedunkelten Saal von den vier Stimmführern der Streicher nach einem Orchesterkonzert als Zugabe aufführen ließ.

      Die Streichorchesterfassung des Adagio for strings stammt hingegen von Barber selbst. Sie ist keine Fremdbearbeitung, sondern - auf Anregung von Toscanini - vom Komponisten selbst erstellt. Sie ist ein Meisterwerk, und Bernstein ist in meinen Augen (und Ohren) ihr Meisterinterpret. Was da in der Streichquartettszene an Aufführungen der Originalfassung abgeht, vermag ich ebenso wenig zu beurteilen wie die aktuelle politische Situation in Botswana, da mich beides nicht interessiert. Mich interessiert allein die Streichorchesterfassung. Und da ist für mich Bernstein das Maß aller Dinge.
      "This is a song about love and loss. Which makes it exactly like every other song I've ever written."
      (Marc Cohn)
    • Danke für eure Rückmeldungen! 8) Ja, ich denke, ich sollte mir zunächst mal eine Streichquartett-Einspielung besorgen. Ich werde aber sicher noch ein paar Tage benötigen, bis ich die für mich zufriedenstellendste Aufnahme gefunden habe. Das Artemis-Quartett spielte es jedenfalls sehr leidenschaftlich (ja, dafür habe ich scheinbar eine gewisse Schwäche, wie neulich auch im Schumann-Cellokonzert-Thread angedeutet). Es war dennoch nicht "zu" schnell, allerdings auch nicht so langsam wie die meisten der hier empfohlenen Aufnahmen. Ich fand' s einfach perfekt und sehr ergreifend.
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)


    • Habe heute diese hier gehört und kann sie empfehlen. Den Spannungsaufbau im langsamen Satz finde ich sehr gelungen. Schon ein eigenartiges Werk, das Quartett. Der erste Satz kommt als typischer Sonatensatz daher und deutet allenfalls im Seitenthema und in der Durchführung ein wenig die bittersüße Endzeitstimmung des Adagios an, der letzte Satz ist dann ganz knapp und unverbindlich. Die Diotima-CD bietet auch eine (für mich) sehr ansprechende Version der Black Angels von Crumb. Den Reich habe ich heute nicht gehört.
    • Barber: Adagio für Streicher

      *** Bernsteins orchestrale Version ist schon sehr intensiv und kommt hoch emotional rüber. Wenn man die brillante Klangqualität und Interpretation abwängt ist seine Aufnahme mit dem Los Angeles PO (DG) beinahe die beste Wahl.
      Spieldauer auf meiner DG-5 CD-Box "The Americans" mit Bernstein= 10:00


      *** Hammeraufnahme: Noch mal mit einer wahnsinnigen Intensivität, bei Abstrichen in der Klangqualität empfinde ich aber die alte Aufnahme um 1960 mit Thomas Schippers / New Yorker PH (SONY, ~ 1960), die mir früher in den 80ern, als ich noch vom Rundfunk mit Tonband aufgenommen hatte, die "Socken ausgezogen hatte". Ich habe die Aufnahme nicht auf CD, aber sie ist bei SONY auf 2 verschiedenen CD-Kopplungen erhältlich.
      Spieldauer = 9:03


      SONY, ~1960, ADD


      *** Sehr gut auch die Aufnahme mit Ormandy / Philadelphia Orchestra (SONY, 1957 Stereo, ADD). Diese wirkt trotz des zügigeren Tempos nicht minder intensiv; kostet aber den Höhepunkt nicht so genial aus, wie Bernstein und Schippers. Ich würde Ormandy vom Tempo Adagio con moto bezeichenen.
      Spieldauer = 7:43

      Schade, dass SONY auf diese Hammer-CD nicht das Adagio mit Schippers gepackt hat, denn mit Schippers sind hier das Second Essay und die Ouvertüre The School for Scandal in nie besser und aufgewühlteren gehörten Int enthalten. Ein weiterer absoluter Hammer auf der CD ist aber auch Barbers KK mit Browning/Szell.


      SONY, 1957 (Adagio), ADD
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • music lover schrieb:

      AlexanderK schrieb:

      Auf dieser CD spielt das Kronos Quartet das Adagio, eine eher herbere Interpretation (ich höre es aber gerne auch mal so)
      Ich habe mir gerade den Hörschnipsel angehört. Interessanterweise mit 07:16 min. im Toscanini-Bereich (07:11 min.) liegend. Nur: Ist das noch ein Adagio? Ist nicht Bernstein mit seinen 09:54 min. viel näher dran an dem Gedanken des Werks? Seine Tempowahl flasht mich, muss ich wirklich sagen.
      Faktencheck. In der mir vorliegenden Partitur der Fassung für Streichorchester (beim Verlag G. Schirmer erschienen) findet sich oben links über dem ersten System die Angabe "Playing time: 7-8 min." Ob diese vom Komponsten stammt, muss offen bleiben. - Das ergibt - ohne Ritardandi, Rubato usw. - ein Tempo von ca. 40-42 Halben pro Minute. Dabei sind die Halben der Puls, also sehr ruhig.

      Dass Bernsteins Wiedergabe ihre Meriten hat - die von Celi wohl auch - will ich damit freilich nicht in Frage stellen, genauso wenig persönliche Hörvorlieben herabwürdigen. Alles fein. Nur das mit dem "Gedanken des Werks" holt für mein Empfinden ein wenig zu verallgemeinernd aus, wo doch wohl Persönliches gemeint ist.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Faktencheck. In der mir vorliegenden Partitur der Fassung für Streichorchester (beim Verlag G. Schirmer erschienen) findet sich oben links über dem ersten System die Angabe "Playing time: 7-8 min."
      Danke für diesen Hinweis, lieber MB!! Dann liegt Toscanini, der das Werk quasi in Auftrag gegeben hat, mit seinen 07:11 min. also richtig, während Bernstein mit seinen knapp 10 Minuten mal wieder maßlos übertreibt. Aber Übertreibung macht bekanntlich anschaulich :D

      Nein, ernsthaft: Ich habe seit meiner Klassik-Sozialisation, die in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren stattfand, das "Adagio for strings" unzählige Male gehört. Aber ich habe es im Wesentlichen mit Bernstein gehört, andere Einspielungen eher beiläufig verfolgt. Mir ist deshalb wohl das von Bernstein gewählte Tempo so dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen, dass mir alles andere irgendwie "falsch" vorkommt, obwohl es möglicherweise richtiger als Bernstein ist.

      teleton schrieb:

      Bernsteins orchestrale Version ist schon sehr intensiv und kommt hoch emotional rüber. Wenn man die brillante Klangqualität und Interpretation abwängt ist seine Aufnahme mit dem Los Angeles PO (DG) beinahe die beste Wahl.
      Heißt das, dass Du im Hörvergleich der NYPO-Version und der LAPO-Version der letzteren den Vorzug gibst? Oder kennst Du nur die LAPO-Version auf DG, die NYPO-Version auf Sony Classical hingegen nicht? Das würde mich sehr interessieren, lieber teleton. Danke auch für Deinen Hinweis auf Schippers.
      "This is a song about love and loss. Which makes it exactly like every other song I've ever written."
      (Marc Cohn)
    • Mauerblümchen schrieb:

      In der mir vorliegenden Partitur der Fassung für Streichorchester (beim Verlag G. Schirmer erschienen) findet sich oben links über dem ersten System die Angabe "Playing time: 7-8 min." Ob diese vom Komponsten stammt, muss offen bleiben. - Das ergibt - ohne Ritardandi, Rubato usw. - ein Tempo von ca. 40-42 Halben pro Minute.
      Diese Ausgabe lag Bernstein ebenfalls vor. Man kann sie sich - inklusive der Notizen Bernsteins - hier ansehen:

      archives.nyphil.org/index.php/…d92-80a1-06acd103d0d2-0.1

      Spannend!

      :wink: Agravain
    • Habe gerade Stokowski auf YouTube mit dem Adagio gehört. 6:30! Sehr überzeugend.
      Das kommt mir langsam so vor wie mit dem Adagietto von Mahlers 5ter. Entweder man nimmt es als Lied, Bruno Walter in ca. 7 1/2 Minuten oder dirigiert es als....... Zum Beispiel Tennstedt 12 Minuten bzw. Levine. wobei Scherchen mit mehr als 13 Minuten den Vogel abschoß. (Es kann auch schneller: Wien 9:20)
      Ich bin für Bruno und die Flotten!
      Gruß aus Kiel

      PS mit....... meinte ich "Schmachtfetzer" oder "Schmalzrudi" oder "Heulsuse", aber ich wollte ja keine Leute beleidigen.
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Sollte man nicht mal einen separaten Thread für Barbers Adagio erstellen? :D

      Ich hoffe jedenfalls sehr auf weitere Rückmeldungen zum Thema "Streich-Quartett". :wink:

      Vielleicht bin ich aber auch ein hoffnungsloser Fall, weil mir die grandiose Live-Version (Artemis Quartett) noch zu sehr im Kopf herumspukt ...
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • RE: Adagio mit Bernstein New Yorker PH = 9:54

      musiclover schrieb:

      Heißt das, dass Du im Hörvergleich der NYPO-Version und der LAPO-Version der letzteren den Vorzug gibst? Oder kennst Du nur die LAPO-Version auf DG, die NYPO-Version auf Sony Classical hingegen nicht? Das würde mich sehr interessieren, lieber teleton. Danke auch für Deinen Hinweis auf Schippers.
      Hallo musiclover,

      Deine Frage ist nicht nur wichtig - sie ist von grösster Bedeutung für den Vergleich !!!

      Ich hatte tatsächlich zunächst nur die LAPO-Version auf dem Schirm, weil die abgebildete CD bezüglich des VC mit Stern bereits von der SONY-CD in Beitrag 47 abgedeckt wird. Die abgebildete SONY CD habe ich dann praktisch nur für die knappen 10Minuten für das Adagio (denn die Schuman-Werke auf der CD sagen mir wenig zu ...); deshalb stand die CD aus Platzgründen nicht mehr bei mir im Barber-CD-Regalbereich ... ich wusste aber das die da sein muss ...

      :verbeugung1: Heute habe ich mir die New Yorker - Aufnahme angehört und war platt ... ja, die New Yorker Aufnahme ist doch der LAPO-Aufnahme vorzuziehen und kommt von allen mir bekannten tatsächlich der erwähnten Schippers-Aufnahme an Intensität am nächsten.


      Mit geht es auch so wie Dir, dass das von Bernstein gewählte Tempo so dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen, dass mir alles andere irgendwie "falsch" vorkommt, obwohl es möglicherweise richtiger als Bernstein ist - bei mir aber in den letzten Jahren bezogen auf die LAPO-Aufnahme.

      :alte1: Keine Frage:
      Diese SONY-Billig-CD ohne Angabe von AD (in dieser esprit-Serie leider üblich) muss ich jetzt im Prinzip nur wegen des Adagio mit Bernstein behalten !


      SONY, 60er, ADD
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • teleton schrieb:

      Heute habe ich mir die New Yorker - Aufnahme angehört und war platt ... ja, die New Yorker Aufnahme ist doch der LAPO-Aufnahme vorzuziehen und kommt von allen mir bekannten tatsächlich der erwähnten Schippers-Aufnahme an Intensität am nächsten.
      Da ich die LAPO-Aufnahme nicht kenne, hat mich sehr interessiert, wie sie in Deinen Augen im direkten Vergleich zum NYPO abschneidet. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die New Yorker Bernstein-Aufnahme von irgendetwas getoppt werden kann. Schön, dass Du das nach einem direkten Hörvergleich auch so siehst :cincinbier:

      teleton schrieb:

      Mit geht es auch so wie Dir, dass das von Bernstein gewählte Tempo so dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen, dass mir alles andere irgendwie "falsch" vorkommt, obwohl es möglicherweise richtiger als Bernstein ist
      :top:
      "This is a song about love and loss. Which makes it exactly like every other song I've ever written."
      (Marc Cohn)