POULENC: La Voix Humaine / BARTÓK: A kékszakállú herceg vára - Oper Köln, Premiere am 12.03.2010

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    • POULENC: La Voix Humaine / BARTÓK: A kékszakállú herceg vára - Oper Köln, Premiere am 12.03.2010

      Ich kann hoffentlich am Wochenende noch ein paar Worte mehr dazu schreiben - fürs Erste die Empfehlung an alle Opernfans, eine der nur wenigen Aufführungen zu besuchen. Zurückhaltende, aber treffsichere Regie, großartige Musik, exzellente Sänger. 14., 19., 21. und 26. März, das wird's dann auch schon gewesen sein.

      Viele Grüße,
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • François Poulenc - LA VOIX HUMAINE (Die Menschliche Stimme)

      Das gleichnamige Einpersonenstück, das dieser Kurzoper zugrundeliegt, hatte Jean Cocteau 1930 geschrieben. Eine Frau ist nach fünf Jahren von ihrem Liebhaber verlassen worden, der eine andere heiraten wird. Sie führt ein letztes Telefongespräch mit ihm.

      Der Bühnenraum ist von oben um die Hälfte gekürzt, was auf der recht breiten Kölner Bühne einen merkwürdig gestreckten Guckkasteneffekt erzeugt. Man befindet sich mitten in einem - sehr naturalistisch gestalteten - Wald. Ein Motorengeräusch kommt näher, Abgasschwaden sind zu sehen, die Musik setzt ein, als die Protagonistin, im Outfit der 50er-Jahre, die Bühne betritt. Das Telefon klingelt (das Xylophon aus dem Orchester wird man noch oft vernehmen), sie zieht ein Handy aus der Tasche und das Gespräch beginnt. Aber, so einiges stimmt da nicht: Typische Verbindungsprobleme früherer (Telefon-)Zeiten, wie andere Teilnehmer in der Leitung oder das Fräulein vom Amt - aber ein Handy? Und wieso benimmt sie sich mitten im Wald, als sei sie eben nach Hause gekommen (wovon sie am Telefon auch spricht), zieht ihren Mantel aus und hängt ihn an einen Ast wie an einen Kleiderhaken, holt von irgendwoher ein Gießkännchen und begießt damit die Bäume als seien es Zimmerpflanzen; und wieso spricht sie schon wieder, die Hand am Ohr, mit ihrem Geliebten, obwohl das Handy doch immer noch in dem Korb liegt, in den sie es vorhin gepfeffert hatte? Man merkt rasch, daß die so überaus naturalistisch aussehende Szenerie offenbar einen ziemlich irrealen Zustand bebildert. Bald wird die Frau ihrem Geliebten beichten, daß sie am Tag zuvor einen Selbstmordversuch mit Tabletten unternommen hat; das hatte sie also eben aus ihrer Handtasche geholt und eingenommen - nicht zum letzten Mal! Erleben wir einen zweiten Suizidversuch, oder vielleicht jenen ersten, von dem sie erzählt? Derweil verstrickt sie sich in ihrem Telefonat immer tiefer in den Selbstbetrug, mit dem sie die Trennung ungeschehen machen will, versinkt immer tiefer in einem Wust aus nutzlosen Worten, bis sie zum Schluß eine Schaufel hervorholt, eine Kuhle im Waldboden gräbt und sich hineinlegt; sich mit Erde und Blättern zudeckt und sozusagen mit dem Verklingen der Musik und dem langsamen Löschen des Lichts im Nichts versinkt.

      Dem Regieteam (Regie: Bernd Mottl, Ausstattung: Friedrich Eggert, Licht: Wolfgang Göbbel, Dramaturgie: Georg Kehren) gelingt es einerseits, die ungeheure Traurigkeit und Einsamkeit der Protagonistin fühlbar zu machen und gleichzeitig eine gewisse, vielleicht sogar leicht ironische Distanz zu wahren, ganz ähnlich der Musik Poulencs, so wie ich sie empfunden habe (das Stück war vollkommen neu für mich). Die Sopranistin Nicola Beller Carbone singt und spielt diese Frau, die ihr Leben völlig auf den Mann eingestellt hat, der sich nun von ihr trennt, in zeitloser Art und Weise - und wie sie das singt! Was für eine ungeheure Leichtigkeit in der Stimme, was für ein plätschernder parlando-Ton bei gleichzeitig tiefer Empfindung! Erst beim Applaus merkt man ihr an, was für ein tour de force dieses Einpersonenstück ist. Eine lyrische, leichte Stimme vom Klang her, aber offenbar mühelos zu dramatischen Aufschwüngen fähig und dann auch ohne Volumenprobleme! (Hat sie schon mal jemand gehört? Sie singt auch Salome, Sieglinde, Wozzeck-Marie, Katerina Ismailowa, sogar Turandot! Erstaunlich!) Großer Applaus schon zur Pause.
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Quasimodo schrieb:

      Eine lyrische, leichte Stimme vom Klang her, aber offenbar mühelos zu dramatischen Aufschwüngen fähig und dann auch ohne Volumenprobleme! (Hat sie schon mal jemand gehört? Sie singt auch Salome, Sieglinde, Wozzeck-Marie, Katerina Ismailowa, sogar Turandot! Erstaunlich!)


      Lieber Bernd!

      Ich ärgere mich noch heute, dass ich sie im hiesigen Wozzeck verpasst habe... Sie gehört wohl zu den seltenen Stimmen, die Wohlklang, Pianokultur, Nuancenreichtum, Dramatik und Robustheit verbinden! Ihre Tosca-Arie auf ihrer Homepage ist sublim!

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Bartók Béla - A KÉKSZAKÁLLÚ HERCEG VÁRA (Herzog Blaubarts Burg)

      Immer noch der breite, flache Guckkasten. Ein modernes, bürgerliches Schlafzimmer, in der Mitte hinten ein großes Ehebett, offenbar mit zwei Insassen, mittig darüber ein gerahmtes Bild (könnte der Wald von vorhin sein), links und rechts davon zwei geschlossene Türen, vorne links ein großes Fenster, die Vorhänge sind zugezogen, rechts ein Heimtrainer. Vorne links vor dem Fenster befindet sich am Bühnenrand im Dunkeln irgendwas Unförmiges. Es regnet (hörbar, bis die einsetzende Musik das Geräusch übertönt).

      Rechts im Bett setzt die Frau sich auf (sie trägt das gleiche rosafarbene Negligé wie die Protagonistin der "voix humaine"), sie hat etwas gehört, leuchtet nun mit der Taschenlampe im Zimmer umher und erschrickt: das unförmige Etwas vorne links ist ein Mann in mittelalterlicher Bekleidung, schwerer schwarzer Mantel, hoher runder Hut, schwere Handschuhe.

      In dieser Konstellation, also vielleicht als Traum im bürgerlichen Ehebett, läßt Regisseur Bernd Mottl die Auseinandersetzung zwischen Judit und Blaubart ablaufen. Und mit jeder geöffneten Tür bricht mehr von einer unbekannten Wildnis in das heimelige Schlafzimmer ein: Blaubart wirft seinen Mantel ab und zeigt ein weißes, allerdings blutbeflecktes Hemd, das Fenster springt auf und starker Wind bläst herein, der Kleiderschrank erstrahlt in goldenem Licht (Judit holt vier goldbesetzte, mittelalterliche Kleider heraus), Sand bricht durch den sich aufwölbenden Boden, die Zimmerdecke öffnet sich, es schneit Blüten herein. Und während es im Zimmer immer heller wird, wird es auch immer heller in Bartóks Musik - und in Blaubarts zuvor düsterem Gemüt. Wie diese Wandlung Johannes Martin Kränzle dem Zuschauer singend und spielend nahebringt, ist vielleicht das größte Wunder dieser phantastischen Aufführung. Takesha Meshé Kizart als Judit steht ihm da um nichts nach, wie sie als Judit lockt und girrt, weit über die erotische Anziehung hinaus die emotionale Leere Blaubarts, seinen Hunger nach Zuwendung auszunutzen weiß. Das gelingt in einem Maße, daß man die formalen Mittel der Künstler kaum noch wahrnimmt: hier ein goldfarbener Mezzo mit blendender Höhe, großer Entfaltungskraft und perfekter Intonation, dort ein sonorer Baßbariton, dem nach oben keine Grenzen gesetzt zu sein scheinen (er hatte ja schon der drögen Meistersinger-Produktion als Beckmesser Glanz verpaßt), eine Stimme die zudem in jeder Lage und Lautstärke perfekt anspricht. Grandios gesungen und gespielt, wie er sich (beim fünften Schlüssel, glaube ich) für die Frau zum Affen macht und vor lauter Glück beginnt, auf dem für ihn viel zu kleinen Heimtrainer herumzustrampeln.

      Aber Judit geht zu weit: sie will Alles von ihm; und so erobert sich das bürgerliche Schlafzimmer die Wildnis zurück. Unter der Tür hinten links dringt Nebel hindurch, als sie sich öffnet, blicken wir ganz profan - ins Badezimmer. Und während es im Schlafzimmer wie in Bartóks Musik langsam wieder dunkel wird, tauchen nach Judits Forderung nach dem siebten Schlüssel aus der Badewanne nacheinander drei nackte junge Frauen auf. Blaubart überreicht ihnen die goldbesetzten Kleider, und sie verschwinden im Dunkel der nun geöffneten Tür hinten rechts. Als letzte zieht sich auch Judit ein solches Kleid an und folgt den anderen drei Frauen ins Dunkel, bevor auch Blaubart im Nichts verschwindet.

      Während die Musik leise ausklingt, öffnet sich noch einmal die Badezimmertür, die Frau im Negligé tritt wieder ein und geht wieder zu Bett. Unwillig ob der nächtlichen Störung wirft sich neben ihr im Bett Blaubart auf die andere Seite.

      Der Regie gelingt es auch hier, das Stück teif ernst zu nehmen und gleichzeitig augenzwinkernd zu karikieren, ohne daß sie sich dabei in irgendeiner Weise über das Stück und seine protagonisten lustig macht. Die psychologisch bedingte Seite des Stücks (der "Blaubart" ist, wie manch anderes zu dieser Zeit, unter dem Einfluß der sich verbreitenden psychoanalytischen Theorien Freuds entstanden) wird auf diese Weise sowohl in den Fokus gerückt als auch gleichzeitig relativiert. Wir können uns überlegen, was wir da gerade miterlebt haben, festgelegt ist es nicht (wie schon beim Poulenc).

      Zu erwähnen unbedingt noch das grandios aufspielende Gürzenich-Orchester unter Oleg Caetani, der, vor allem im Blaubart, gelegentlich dem Affen Zucker gibt und diese phantastische Musik (auch dieses Stück war neu für mich; ich kann mich den euphorischen Äußerungen, die es in diesem Forum dazu gibt, nur anschließen!) zum Glühen und zum Bersten bringt, ohne dabei jemals die Sänger auch nur im Geringsten in Probleme zu bringen. Einhellig standing ovations für Sänger, Dirigent und Regieteam. Eine umwerfend gelungene Produktion!
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Also das war wirklich ein großartiger Opernabend! Ich bin nachhaltig sehr beeindruckt, sowohl von den beiden Werken an sich (die ich vorher überhaupt nicht kannte), als auch von der musikalischen und szenischen Umsetzung. Oleg Caetani bietet mit dem Gürzenich-Orchester eine so enorm gute Qualität in Technik und Farben, wie ich sie in der Kölner Oper lange nicht mehr erlebt habe (habe mich vor zwei Wochen noch im Rosenkavalier über so manches aus dem Orchestergraben geärgert), da wird eine Musik mit ganz starken Klangbildern von einer ungeheuren Suggestivkraft erzeugt. Dann die Sänger/innen, die so überzeugend sind, daß man fast glauben könnte, diese beiden Opern seien extra für sie komponiert. Der Blaubart von Johannes Martin Kränzle ist schlichtweg eine Wucht! Düster, samtig, erotisch, brutal - eine enorm facettenreiche Stimme hat dieser Mann, dazu eine scheinbar mühelose Stimmführung (die weder nach oben noch nach unten jemals grenzwertig wirkt) und eine äußerst packende, präzise Darstellung. Ihm gegenüber steht Takescha Meshé Kizart eigentlich in kaum etwas nach - die Frau produziert Töne wie Purpur oder flüssiges Karamell, warm, rund und saftig - für meinen Geschmack fast schon zu gesättigt.
      Toll waren auch die Bünenbilder und die Regie, die mich an David Lynch denken ließ: während in LA VOIX HUMAINE das Surreale gerade durch den überrealistischen Wald (da hätte auch Siegfried mit dem Waldvogel oder Hänsel und Gretel bei der Beerensuche nicht überrascht) als inneres Seelenbild wirkte, brach sich in HERZOG BLAUBARTS BURG die Natur gewalt(tät)ig ihren Weg in das bieder-moderne Schlafzimmer; das fing ganz harmlos mit wehenden Vorhängen an, steigerte sich dann aber über den aufbrechenden Teppichboden, einen Felsbrocken, der ein Loch in die Zimmerdecke schlug, bis hin zu einem monsunartigen Regensturz, der sogar olfaktorisch wirkte. Und das Ganze in einem wirklich ausgezeichneten Licht von Wolfgang Göbbel - muß man einfach auch mal namentlich nennen. Kurzum: ein ganz starker, beeindruckender Opernabend!

      Es gibt nur noch zwei Vorstellungen: morgen und am kommenden Freitag. Wer es irgendwie einrichten kann, dem rate ich unbedingt:

      Hingehen!
      Hingehen!
      Hingehen!

      (Hab ich schon "Hingehen!" gesagt?)
    • Was die "Menschliche Stimme" angeht, kann ich nicht ganz so begeistert in den allgemeinen Jubel einstimmen. Musikalisch war das tadellos; was auf der Bühne zu sehen war, hat mich weniger überzeugt. Monodram, drei Viertelstunden lang alleine auf der Bühne, ist allerdings auch eine beängstigende Sache. Da kann einen, sowohl Regisseur als auch Darstellerin, auf der Probe schon mal der horror vacui befallen, und man tut des Guten zuviel, um ja nicht nachher zu wenig zu tun zu haben. Kurz: meines Erachtens war das Ding überinszeniert, so sehr, dass die Figur hinter all dem, was Frau Beller Carbone beim Singen noch alles auszuagieren hatte (sich auf dem Boden wälzen, Bäume umarmen, Blätter streuen, Bilder aufhängen, Buchstaben an Baumstämme sprühen) immer mehr verloren ging.

      "Blaubarts Burg" aber war für mich eine Sternstunde der Musiktheaterregie, nachgerade ein Musterbeispiel dafür, wie stringent und zwingend man erzählen kann, wenn man ein Libretto wirklich ernst nimmt. Mottl hatte offensichtlich nicht bloß ein "Konzept", sondern er hat sich ein tiefes und grundsätzliches Verständnis von Balázs' Drama erarbeitet, das er den Darstellern auch zu vermitteln wusste, und auf dieser Grundlage gelang es ihnen, gemeinsam eine Bühnenhandlung zu entwickeln, die in ihrer assoziativen, unaufdringlichen Klarheit absolut überzeugend ist. Deutlich (aber keinesfalls epigonal) von Lynch beeinflusst übrigens, da waren der Laller und ich uns einig: das Grauen der Seele, externalisiert ins bürgerliche Interieur. Die Grundidee, dass nämlich Blaubarts Burg nicht die Fremde ist, in die Judit entführt ist, sondern das gemeinsame Schlafzimmer, stellt ein Gleichgewicht zwischen den Figuren her, auf dessen Basis sich das alte Mann-Frau-Spiel wunderbar archetypisch durchspielen lässt. (Ich will, dass du dich mir ganz öffnest! - Ich will mein Privates erhalten! - Ich will dich stark! - Ich will bei dir schwach sein dürfen! - Ich will mich dir ausliefern! - Ich muss mich vor dir schützen! Undsoweiter. Undsoweiter. Undsoweiter. Kennt ihr dieses Dr.-Doolittle-Tier, das "Stoßmich-Ziehdich"? Sinnbild jeder jungen Ehe.)

      So hervorragend, gespielt wie gesungen, ich den Blaubart von Herrn Kränzle fand, vollends enthusiasmiert hat mich Takesha Meshé Kizart. Ich habe noch nie eine so üppig-erotisch sich ausströmende Judit und selten eine junge, noch recht unbekannte Sängerin mit einer so wundervollen, großen, reichen Stimme gehört.

      ein goldfarbener Mezzo mit blendender Höhe, großer Entfaltungskraft und perfekter Intonation

      Ein Mezzo: das hätte ich nach dieser Aufführung, nachdem ich die herrlichen tiefen Töne der Chicagoerin gehört habe, auch vermutet. Aber Frau Meshé Kizard sang oder singt die Mimì in Berlin, die Trovatore-Leonora in Stuttgart, die Tosca in Dallas, und wird als "lyrisch-dramatische Sopranistin" kategorisiert. Im Augenblick zumindest kann die junge Dame, deren Karriere 2006 mit dem Sieg beim Stimmenwettbewerb in Busseto begann, offenbar so ziemlich alles. Hoffentlich bleibt es so. Ich bin kein Stimmenspezialist und kann nur davon erzählen, wie außergewöhnlich wundervoll und großartig ich diese Stimme finde, aber ich kann nicht beurteilen, ob sie auch über die technischen Mittel verfügt, ihre Stimme dauerhaft auf diesem Niveau zu erhalten. (Alviano müsste sie übrigens in Berlin in einer Respighi-Oper gehört haben - vielleicht kannst du mal kurz berichten, was du von ihr hältst?)

      Ein Lob noch an den Sprachtrainer: Kränzle vor allem singt ein blitzsauberes, hervorragend verständliches Ungarisch. Bei Meshé Kizard kommt der amerikanische Akzent hörbar durch, aber auch sie nähert sich beachtlich einer sehr guten Aussprache an.

      Auch von mir der Aufruf: wer noch eine der letzten Aufführungen besuchen kann, sollte das tun! Am Freitag war die Kölner Oper so circa zur Hälfte gefüllt. Mehr als schade, mit dieser Produktion wären dem Haus Dutzende ausverkaufter Vorstellungen zu wünschen.

      Es grüßt
      der Don
    • Kölner Oper - die 4.

      Dieser Operndoppelabend hat mich szenisch doch eher zwiegespalten zurückgelassen. Allerdings war ich wegen ziemlicher Unkenntnis beider Stücke (das erste wurde vor Jahren in der Kölner Phil mit Conlon am Pult aufgeführt, vom zweiten ist das Märchen von Charles Perrault im Programmheft abgedruckt) auch arg damit beschäftigt, Augen und Ohren zwischen Übertitel, Bühne und Graben hin- und herirren zu lassen.

      Ein paar kurze Eindrücke zu den Bildern:

      Das erste Bild zeigt einen Wald, aber einen Wald der wie gemalt aussieht. Dazu hat die Bühne einen schwarzen Rahmen der aus dem 2. Rang ausschaut, als müßte man in ihn einsteigen um auf die Bühne zu gelangen, was diese Künstlichkeit bzw. Abgrenzung zwischen Kunst und Zuschauer noch unterstreicht. Die Frau habe ich als völlig überaktiv wahrgenommen.

      Blaubart spielt in einem scheußlich beängstigenden dunklen Schlafzimmer, genau richtig für Alpträume wie F. Reininghaus im Dradio bemerkte. Insgesamt fand ich den Blaubart jedoch ansprechender, was vor allem an der Darstellung von J. M. Kränzle lag. Dieser Blaubart wirkt selbstzerstörerisch, gequält, er windet sich zitternd im Sessel wenn die Frau ihn bedrängt und gibt doch immer wieder nach. Ein paarmal kam mir beim Blick auf die beiden das prominente Opernehepaar Lohengrin und Elsa in den Sinn. Die Bühnenaktionen (eindringen der Natur in diesen Raum - also genau umgekehrt zum Poulenc) fand ich eher ein bißchen blöd: Boden auf, Decke auf, Windmaschine auf der Seitenbühne, gerahmtes Bild mit Wald über dem Bett.

      Musikalisch kann ich die genannten Eindrücke bestätigen ohne daß selber genauer beschreiben zu können. Was die Sanierung der Oper betrifft sei noch angemerkt, daß an dem besuchten Abend der Schlußvorhang nicht richtig funktioniert hat
    • Auffällig in der Aufführung am 21.03. war die etwas verschobene Klangbalance zwischen Bühne und Orchester; ich dachte zunächst, es liege an meinem Platz im 2. Rang, aber meine im Parkett sitzenden Freunde bestätigten mir, daß das Orchester gelegentlich zu laut gewesen sei. Das war in beiden vorher besuchten Vorstellungen nicht im geringsten der Fall! Vielleicht saß Oleg Caetani ja noch sein lärmiger Don Carlo vom Vortag im Nacken...

      Ansonten: wie gehabt! Vor allem an der Interaktion der beiden Protagonisten im "Blaubart" kann man sich einfach nicht sattsehen! Zur letzten Vorstellung am kommenden Freitag werd' ich's aber trotzdem nicht schaffen.

      Was die "Voix humaine" angeht, kann ich die Kritik des Don nachvollziehen, halte sie aber für nur bedingt gerechtfertigt. Du hattest ja auch gemeint, daß die Inszenierung den musikalischen Bogen des Stückes ignoriere, bei dem eine Klimax erst gegen Ende erreicht werde. Ich höre das nicht so: von den ersten Tönen an wohnt dieser Musik ein innere Aufgeregtheit, ja Überspanntheit inne, die durch das hektische Umheragieren der Protagonistin aufgegriffen wird. Ich meine: das paßt!

      Ergänzung zum Eingangspost: es ist nicht so, daß das Telefonat in Wirklichkeit gar nicht stattfindet: inzwischen habe ich heraus, daß die Frau sich ein Headset ins Ohr drückt, bevor sie das Handy in die Tasche wirft.

      Allen Kölnern, die noch nicht drin waren, sei die letzte Chance am Freitag, den 26.03. nochmal benannt: Ich will ja hier nicht 'rumschreien wie der Laller, aber wenn Ihr nicht hingeht: Ihr seid selber schuld!!!!!!!einself
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur