Französischsprachige Romane – die Favoriten der Capricciosi

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    • Le Merle Bleu schrieb:

      Du hast das Buch vermutlich mehrmals gelesen
      Ja das auch , aber vor allen Dingen beim S :hide: chreiben gepennt!

      arundo donax schrieb:

      Flaubert finde ich sprachlich grandios, aber inhaltlich eher unangenehm;
      Diese Ansciht kann ich nur teilen, ein so mitleidloser Sezierer ist wahrlich kein Seelenbalsam. Aber er hat die bürgerlichen Lebenslügen grandios und gnadenlos entlarvt. "Die von mir angegebneen "Erziehung des Herzens" ("Education sentimentale") ist dafür ein fast noch besseres Beispiel als Madame Bovary


      Don Fatale schrieb:

      Da habe ich zum Glück noch einiges vor mir!
      Das kann man wohl sagen!!!!!


      GiselherHH schrieb:

      Rabelais: Gargantua und Pentagruel (ein lebenspralleres Buch kenne ich nicht)
      :yes: :yes: :yes: :yes: Wie schön, dass Rabelais hier noch einen Fan hat!
      Absolut köstlich und umwerfend diese barocke Freude am Fressen, Saufen, dem Wort das man hier nicht schreiben darf, und überhaupt allen nur denkbaren physischen, sensorischen und sonstigen Genüssen.
      Manchmal fält es allerdings schwer, sich das Ganze bildlich vorzustellen, jedenfalls wundert es nach dieser Lektüre niemanden mehr, woher dieses welsche Volk seinen Ruf hat . :faint: :faint: :faint:

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Soooo viel Jules Vernes? Das kann nur Verlegenheit sein - oder Du willst die Franzacken beleidigen ...
      nee, nee das sind momentan meine Lieblingsfranzosen. Ich will doch auch keinen beleidigen, und nationale Selbstgerechtigkeit ist nur wirklich das, was mir am fernsten liegt. Es mag ja sein, dass es Romane gibt, die qualitativ besser sind, als meine Favoriten aus Frankreich, England und Russland. Aber meine Favoriten habe ich gerne und öfters mir reingezogen. Bei den Russen hätte ich doch aus vermeitlicher Verlegenheit auch noch die "Auferstehung" von Tolstoi nennen können. Aber das Buch gehört mit zu den schlechtesten Romanen, die ich überhaupt gelesen hatte, und das ist mir leider erst am Ende des Buches klar geworden, aber da war es zu spät...

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Liebe Fairy,

      auf Rabelais und Stendhals Werke kann ich mich noch freuen, die habe ich noch gar nicht gelesen.

      Lieber Micha,

      Butors "Paris - Rom oder Die Modifikation" fand ich auch sehr gut. Ebenso die "Passage de Milan" und auch das wenige, was ich von den späteren, noch experimentelleren Sachen kanne, fand ich interessant.
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      Ganz OT, weil spanisch und kein Roman, aber bei den vielen J-Verne-Nennugen viel mir Julio Cortázars "Reise in 80 Welten um den Tag" wieder ein, 80 kurze, wunderbar geschriebene Beobachtungen, gut z.B. als U-Bahn-Lektüre geeignet.

      Auch kein Roman, aber ich möchte es doch bei französischer Literatur empfehlen: Die Novellensammlung L'Heptaméron von Marguerite d'Angoulême, der auch philosophisch hochgebildeten Königin von Navarra, einer dieser erstaunlichen Renaissancegebildeten, welche bereits die patriarchalischen Geschlechterverhältnisse infragestellten und in derem kurzlebigen Reich im Euzkadi, mitten in einer Welt von religiösen Kriegen und Bürgerkriegen, damals völlige Religionsfreiheit herrschte. Das L'Heptaméron steht Boccaccios Decamerone um nichts nach. Natürlich steht auch bei ihr in den von ihren Protagonistiinen wie im Decamerone erzählten Geschichten die Liebe mit all ihren Verwicklungen im Vordergrund, wer vor allem dies in der Literatur sucht, kommt ganz auf seine Kosten, dann kommt jedoch bei ihr die Philosophin durch und sie läßt ihre Damen und Herren über die Moral weiterdiskutieren, sehr wahrhaftig, sehr kühn für ihre Zeit und sehr frei vom moralischen Zeigefinger und der diesen stets begleitenden Bigotterie.

      :wink: Matthias
    • Wen ich (und alle anderen hier bisher ebenfalls) ganz sträflich vergessen habe(n), ist Robert Pinget, der zumindest mit seinem 1968 erschienen Roman Le Libera (dt.: Befreie uns [1998]) und dem kleinen Meisterwerk L'apocryphe (1980) ins Pantheon der französischsprachigen Romanciers gehört.

      Adieu,
      Algabal

      p.s.: @Fairy
      Rabelais hab ich gelesen.
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Irgendwo habe ich hier gelesen, dass der eine oder ander Stendhal-Freund unter uns weilt- wer sich für die Biographie des Autors interessiert:

      In der FAZ wurde heute Johannes Wilms Biographie ausnehmend gut rezensiert:



      Wilms ist in der Zeit bestens zu Hause: Die Biographie über Napoleon war hervorragend, daneben hat Wilms noch über Balzac und Napoleon III. geshrieben. Erschienen ist das Buch bei Hanser ;+)

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Bei mir ganz unspannend, ich bin ja Zola-Liebhaberin. Habe mal einen ganzen Sommer den Rougon-Macquard-Zyklus durchgeackert.
      Ist ja widersprüchlich, viel Gutes, aber auch ganz Schreckliches dabei.
      Meine absoluten Highlights dabei : Germinal, Ein feines Haus, Die Erde, Die Beute, Das Geld
      Auch sehr gut : Der Totschläger, Nana, Das Glück der Familie Rougon, Der Bauch von Paris usw.
      Zu den Schlimmsten gehören für mich : Der Traum und Die Lebensfreude

      Mit Flaubert kann ich persönlich nur wenig anfangen, ist mir oft zu überladen. Und wie habe ich Emma Bovary beim Lesen gehasst...!

      Was mir sehr gefiel, war "Natterngezücht" von Francois Mauriac.

      Wenn es um Französischsprachiges geht, dass nicht aus Frankreich ist, dann George Simenon
      "Das Testament Donadieu"
      "Die Zeit mit Anais"
      "Die Witwe Couderc"
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • 1 – 3. Julien Green. Hier noch nie genannt. Ich hätte die Liste mit 10 seinerBücher füllen können, aber beschränke mich auf:

      • Adrienne Mesurat (1927)
      • Leviathan (1929)
      • Von fernen Ländern (1987)

      (Das an letzter Stelle genannte Buch ist der Beginn einer umfangreichen Romantrilogie, die der damals schon 87-jährige Autor den amerikanischen Südstaaten widmete. Julien Green, der seit seiner Kindheit in Frankreich lebte, ist amerikanischer Staatsbürger, aber hat fast ausschließlich Französisch geschrieben.)

      4. Marcel Proust. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

      5. Albert Cohen (*1895 Korfu). Die Schöne des Herrn (1968)

      6. Michel Tournier. Der Erlkönig

      7. Albert Camus. Die Pest

      8. Francois Mauriac. Der Jüngling Alain

      9. Amelie Nothomb. Mit Furcht und Zittern

      Nach langem Zögern beende ich die Liste mit

      10. Jonathan Littel. Die Wohlmeinenden.

      (ich habe dieses eigentlich unerträgliche Buch aber nie zu Ende gelesen)

      Manches (Proust, Camus, Tournier, Mauriac) habe ich vor langer Zeit gelesen und ich weiß nicht, wie ich es beurteilen würde, wenn ich es heute wieder läse.

    • Na ja, allzu frankophil bin ich eben nicht und komm daher auch nicht guten Gewissens auf 10 Sachen, aber immerhin fast:

      1. Hugo, die Elenden
      2. Balzac, das Changrinleder
      3. Zola, Thérèse Raquin
      4. Flaubert, Salammbo
      5. Stendal, Rot und Schwarz
      6. Vian, der Herzausreißer
      7. Verne, Reise zum Mittelpunkt der Erde
      ...und da verließen mich die Eingebungen. Den Proust lass ich hier mal weg, da hat mich zwar manches schwer beeindruckt, aber wenn ich bei einem 7 Bänder dann doch zu Beginn von Band 3 mehr oder weniger narkotisiert die Segel gestrichen hab kann ich das nicht in eine solche Liste reingeben. Allerdings bin ich, glaube ich, mit diesem Werk lange noch nicht fertig ... in 10 Jahren sieht das möglicherweise völlig anders aus...

      Maupassants Erzählungen zählen hier nicht. Schade. Das wäre meine liebste Prosa aus dem schönen Nachbarland.

      Rabelais nehme ich als Anregung aus diesem Thread gern mit, danke dafür :D

      ...und ohne Lästern geht es nicht: Camus und mehr noch Sartre kann ich nicht ausstehn, heute noch viel weniger als mit 20 schon... dieses düstere larmoyante mies erzählte, schlampig gemachte, selbstbeweihräuchernde Zeug... Nein. Bah. Überschätzter geht's ja kaum. Hätten sie es doch bei Zeitungsartikeln belassen :D :versteck1:


      LG
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Neu

      ?( :neenee1: ?(

      Nee, nee, nee, lieber Algabal, 10 Romane und dann noch in der Reihenfolge der persönlichen Lieblinge - das schaffe ich nicht. ;) Was ich gerade noch hinbekomme, sind meine 10 Lieblingsautoren, von denen ich eigentlich alles lese oder lesen möchte.

      Wenn das ausreicht, fange ich einfach mal an. ^^ Allerdings ohne Wertung.

      - Marcel Proust - in meinen jungen Jahren gelesen, als ich noch die Ausdauer für Riesenwerke auch im Alltag hatte. Die 'Recherche' v.a., aber auch 'Jean Santeuil' haben mich gequält, fasziniert, begeistert, haben mich (zeitweise) zum hemmungslosen Proust-Fan gemacht und habe, so denke ich jedenfalls, mich und mein Leben auch ein Stück verändert. Ob ich das heute noch einmal schaffen würde, ich weiß es nicht. Ich nehme mir die Recherche immer wieder vor und weiche doch dann vor dieser Riesenaufgabe zurück. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag. :D
      - Julien Green - noch so einer, von dem ich quasi alles gelesen habe und der auch heute noch einen riesigen Platz in meinem Regal einnimmt. Eigentlich war er ja Amerikaner und gehört von daher vielleicht gar nicht in diese Reihe, aber da er v.a. französisch geschrieben hat.... Meine Bewunderung für Green kann ich vielleicht am besten mit einem seiner Romantitel beschreiben: 'Jeder Mensch in seiner Nacht'. Ob ich ihn heute noch so verschlingen würde - ich müsste es einmal wieder überprüfen.
      - Guy de Maupassant - welch eine Eleganz der Sprache, welch eine Leichtigkeit und dabei welch eine Durchdringung der menschlichen Abgründe. Maupassant ist eigentlich wie Mozart und sagt das nicht genug? ;)
      - André Gide - der Immoralist, der Humanist, der Psychologe, der Außenseiter, derjenige, der sich auch hemmungslos in den eigenen Werken betrachtete. Immer auch am Rande, immer auch radikal und das mit einer wunderbaren Sprache.
      - George Simenon - wieder kein Franzose, aber doch so unendlich französisch. Welchen Roman von ihm könnte ich nennen? Simenon ist vielleicht der Purist unter den Großen. Kurz und knapp und trotzdem ist alles da.
      - Marguerite Yourcenar - und wieder keine geborene Französin und trotzdem gehört sie für mich hierher. 'Der Fangschuss' oder 'Ich zähmte die Wölfin' haben mich damals zutiefst getroffen.
      - Jules Verne - welch ein Fabulierer, welch ein hemmungsloser Geist. Hemmungslos, weil es für ihn keine technischen Begrenzungen gab, weil er die Wissenschaft der menschlichen Kreativität anpasste. Und das nicht strohtrocken, sondern in einer Weise lebendig und sinnlich, dass man nur Staunen kann.
      - Honoré de Balzac - noch so ein 'Schmöker-Kandidat'. Schmöker - ja, aber nicht nur. 'Die menschliche Komödie' ist genau das, was der Titel aussagt. Egal, welches Buch davon man in die Hand nimmt, man bekommt das ganze Leben, literarisch mal hervorragend, mal besser, mal nicht ganz so gut. Egal, es ist immer die Welt darin.
      - Gustave Flaubert - alleine für 'Madame Bovary' gebührt ihm der Platz in der ewigen Rangliste ^^ , aber auch sonst. Welch eine feine Zeichnung menschlicher Abgründe! Welch eine psychologische Durchdringung! Welch eine Einfühlsamkeit!
      - Jean- Paul Satre / Albert Camus - wenn sie wüsste, dass ich sie zusammen nenne. ^^ Aber beide gehören dazu und ich habe nur noch einen Platz. Und irgendwie gehören sie ja auch zusammen, wenigstens in ihrer Gegnerschaft. 'Die Mauer', 'Herostrat', 'Die Kindheit eines Chefs' oder 'Die Pest', 'Der Fremde' - wer Philosophie belletristisch verwandeln kann, der gehört für mich hier dazu.

      Zehn Plätze sind belegt. Und was mache ich mit Diderot, Hugo, Houllebecq, Duras, Grimbert, Céline, Cocteau, Queneau, meinetwegen auch mit Zola? Ich bewahre sie in meinem Herzen und wenn du mal auf 20 erweitern solltest... ;)

      :wink: Wolfram
    • Neu

      Jules Verne hab ich als Jugendlicher verschlungen, parallel mit Hans Dominik :versteck1:

      Klassiker liegen mir nicht, daher nenne ich nur einen bemerkenswerten Fantasy-Roman:
      Esther Rochon - Der Träumer in der Zitadelle (Le reveur dans la citadelle), 1977. Das Cover der Heyne-Ausgabe ist, wie üblich, einfach scheußlich.
      Schöne Grüße, Helli


      Immer cool bleiben.
    • Neu

      Meine Antworten sind ja inzwischen fünf Jahre alt. Aufgefallen ist mir, dass Matthias Oberg am 16.3.10 sich sehr begeistert zu Roger Martin du Gard geäussert hat. Den habe ich inzwischen auch mit Begeisterung gelesen. Es ist allerdings eine Schande, dass sein umfangreiches Romanfragment "Le Lieutenant-Colonel de Maumort" nie ins Deutsche übersetzt wurde. Dass es ein Fragment ist, stört insofern wenig, als die (mitten im Roman) fehlenden Kapitel zumindest skizziert sind, so dass man nie den Faden verliert. Auch sein früher Roman über die Dreyfuss-Affäre "Jean Barois" ist faszinierende Lektüre. R. Martin du Gard bekäme heute einen Platz ziemlich weit oben in meiner 10-er Liste. Und Littel würde ich rausschmeissen.
      Zu Wolfram (s.o.):
      Ich habe auch sehr viel Julien Green gelesen, finde aber, dass er das Niveau seiner frühen Werke (Mont-Cinére, Adrienne Mesurat, Leviathan) nie mehr erreicht hat. Inzwischen sind auch seine ersten Tagebücher unzensiert veröffentlicht.
      Und den Proust lese ich jetzt zum zweiten Mal ... und hoffe die Ziellinie zu erreichen. "Die Gefangene" habe ich gerade beendet.
    • Neu

      Abendroth schrieb:

      Zu Wolfram (s.o.):
      Ich habe auch sehr viel Julien Green gelesen, finde aber, dass er das Niveau seiner frühen Werke (Mont-Cinére, Adrienne Mesurat, Leviathan) nie mehr erreicht hat.
      Das erinnere ich auch noch. Die drei Bücher waren, wenn ich mich recht erinnere, meine ersten Greens (Hanser fing damals ja damit an, ihn groß herauszubringen) und sie haben mich völlig begeistert, während diese große Südstaatenfamiliengeschichte, die dann neu herauskam, doch eher quälend war. Aber ich denke, ich muss, wenigstens die großen Romane noch einmal wieder lesen. Bin gespannt, wie ich heute darauf reagiere.

      :wink: Wolfram