Englischsprachige Romane – die Favoriten der Capricciosi

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    • Mich faszinieren sowohl Jane Austen als auch die Brontës- Jedes auf ihre eigene Art!
      Tharons Vergleich mit der Sophokleischen Tragödie finde ich ausserordentlich treffend. Wenn man danehmen die auf den ersten Blick arg zivilisierte Jane Austen liest und keinen ausgeprâgten Sinn bzw Geschmack bzw Vorliebe für ironische Feinheiten mitbringt, fühlt man sich fast wie im Mädchenpensionat. Das :sleeping: kann ich aus dieser Perspektive schon verstehen, auch wenn ich es aus verschiedenen Gründen so nicht empfinde.
      Aber Wuthering Heigts und für mich noch mehr Wildfell Hall führen in Abgründe der menschlichen Seele, vor denen Jane Austen entweder Angst hatte oder von denen sie nie gehört hatte oder die sie absichtlich mied, um nicht darin zu versinken. Mit zarter Ironie kann man einem Heathcliff oder der "Herrin" jedenfalls nciht mehr beikommen. :shake:
      Ich finde die Herrin so faszinierend, weil die Entwicklung dieses Frauencharakters bis zum Ende spannend bleibt und kein bisschen eindimensional oder vorhersehbar !
      Nix mit vorhersehbaren Ehen oder und wenn sie nciht gestorben sind.......
      Von der jungen Naiven, über die Desillussionierte und fast Martyrerin bis zur starken selbstbestimmten Frau- das ist in diesen Zeiten und gesellschaftlichen Umständen schon ein beeindruckender Weg. Ich hatte das grosse Glück einen mehrteilige BBC - Film sehen zu kônnen: die Umsetzung hat voll überzeugt und die Besetzung der weiblichen Hauptrolle war ideal. Die Schauspielerin zeigte alle Facetten zwischen Sprödigkeit, Selbstaufgabe, Härte gegen sich selbst, abgrundtiefer Enttäuschung und neuem Lebensmut. :juhu: :juhu: :juhu:

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Könnte Grete Rambach sein.


      Ja, die Übersetzung ist von Grete Rambach - wie in der aktuellen Insel-Auflage auch. Was sie taugt, kann ich nicht einschätzen, aber ich habe jetzt ungemein Lust bekommen, den Roman noch einmal zu lesen! In den nächsten Tagen stehen Zugfahrten an.....da wird sich wohl die Gelegenheit ergeben.

      "Der Sturmheidhof" ist wenigstens konsequent übersetzt, aber ich bleibe dabei, dass der korrekte Titel "Wuthering Heights" wäre


      Sorry, aber seit dreissig Jahren hat sich das Buch in meinem Gedächtnis mit dem Titel "Die Sturmhöhe" eingebrannt, und genau unter diesem Namen bleibt es für mich ein Begriff. Das verhält sich ähnlich wie im Falle von "Schuld und Sühne" - rein philologisch gesehen mag es sich bei "Verbrechen und Strafe" um eine deutlich korrektere Übertragung handeln, aber angesichts einer etliche Jahrzehnte währenden Rezeptionsgeschichte unter dem *falschen*, aber nichtsdestotrotz irgendwie geflügelten Titel erscheint es mir als akademisch im eher weniger angenehmen Sinn, hier eine Korrektur einzufordern. Das ist ein großartiger Roman, und wenn er in Deutschland nicht als "Der Sturmheidhof" :D oder "Wuthering Heights", sondern als "Die Sturmhöhe" bekannt geworden ist, seis drum! -

      "Villette", "Jane Eyre" und "Agnes Grey" habe ich seinerzeit auch mit einiger Anteilnahme gelesen, aber so gnadenlos mitgerissen wie im Falle der "Sturmhöhe" wurde ich sonst von keinem dieser Bücher.

      Ich bin sehr gespannt auf die Wirkung, die Emily Brontës Klassiker bei erneuter Lektüre auf mich ausüben wird! Inzwischen bin ich zu einem ausgeprägten Zweimal/Dreimal-Leser geworden - auf die Gefahr hin, neue Eindrücke zu verpassen, restauriere und intensiviere ich gerade bei Büchern gerne ein altes, nur noch in schwächeren Umrissen abgespeichertes Bild....

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • Wie Waldi vor mir finde ich es unmöglich, meine Liste von englischsprachigen Prosawerken auf nur 10 zu beschränken. Auch wenn ich meine Favoriten schließlich auf 20 zusammengestrichen habe, fühle ich mich dem aussortierten Rest gegenüber ein wenig schuldig. Sorry, you guys...
      Meine Liste folgt in etwa den Erscheinungsdaten (hab nicht extra nachgeschaut).

      1. Henry Fielding: Tom Jones - Einer der sympathischsten Helden aller Zeiten, obwohl oder weil er soviel Quatsch verzapft.

      2. James Fenimore Cooper: The Leather Stocking Tales - Lange vor Karl May hat Cooper in dieser Romanreihe der Zerstörung der First Nations durch den Weißen Mann ein bewegendes Denkmal gesetzt.

      3. Charlotte Bronte: Jane Eyre - Wieviele Autoren ihrer Zeit hatten wie sie den Mut, eine körperlich unscheinbare Heldin mit so viel Leidenschaft auszustatten, dass es weithin Anstoß erregte? Und das als Pfarrerstochter...

      4. Emily Bronte: Wuthering Heights - Trotz seiner verschachtelten Konstruktion - fast alles Wesentliche wird von Randfiguren als Rückblende erzählt - ein großartiges, abgründiges Drama, der gesitteten Welt Austens so fern wie nur was.

      5. George Eliot: Middlemarch - Ich finde die scheiternden Idealisten Tertius und Dorothea unheimlich (ja, unheimlich!) aktuell: Selten wird so unerbittlich das Auseinanderklaffen von Absichten und Ergebnissen vorgeführt. Und wie man an dem aufrechten Underdog Will keinen Anteil nehmen kann, ist mir unbegreiflich.

      6. Charles Dickens: David Copperfield - Es ist ja ziemlich aus der Mode gekommen, dass heuchlerische Verbrecher bestraft werden und die Opfer zu ihrem Recht gelangen, aber ich glaube, dass Dickens auch heute noch Menschen Mut machen kann, sich mit Unrecht nicht abzufinden.

      7. Mark Twain: Huckleberry Finn - Gilt zwar als Jugendbuch, hat aber erwachsenen Lesern
      genug zu bieten durch seine atmosphärisch dichte Schilderung des Lands am Mississippi und seine Haltung zur Rassenfrage.

      8. Jack London: Blinding Light/White Fang/Short Stories - Ich finde eigentlich fast alles von London gut, vor allem seine Geschichten vom Goldrausch in Alaska. Da gibt es unvergessliche Charaktere...

      9. Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes - Es sind eigentlich ein paar Romane und viele Kurzgeschichten, die alle durch die Figur Holmes zusammengehalten werden. Die einzigen Krimis, die ich wirklich mag.

      10. Jerome K. Jerome: Three Men in a Boat - Drei Männer rudern von London nach Oxford, ganz einfach. Aber das Buch ist so unglaublich lustig, dass es zu meinem Sorgenbrecher Nr.1 avanciert ist. Unbedingt im Original lesen, die Übersetzung ruiniert alles.

      11. Zane Grey: The Heritage of the Desert - Der Hintergrund dieses Westerns ist die grandiose Landschaft der Painted Desert. Ein Todkranker aus dem Osten gewinnt sein Leben zurück...Auch hier: Vorsicht vor trashigen Übersetzungen!

      12. M.M.Kaye: The Far Pavilions - Ein dicker Wälzer aus dem kolonialen Indien, mit einem überzeugenden Helden, der nie weiß, auf welche Seite er gehört. Das Ganze endet in Afghanistan mit der Vernichtung der britischen Mission in Kabul. Also nicht unaktuell...

      13. Truman Capote: The Grass Harp - Ein wunderbar versponnenes Buch über eine einsame Jugend im amerikanischen Süden.

      14. Peter Beresford Ellis: The Rising of the Moon - Am Ende des amerikanischen Bürgerkriegs versuchten irische Regimenter, durch einen Angriff auf Kanada die Briten zur Aufgabe ihrer Kolonie Irland zu zwingen (das weiß so gut wie niemand mehr). Ich liebe den Held Gavin, der eher unfreiwillig in diese ganze hoffnungslose Sache hineingerät...

      15. Tom Sharpe: Porterhouse Blue - Eine Kobolz schlagende Satire auf die englischen Traditionsuniversitäten (nichts für Leser mit schwachen Nerven), aber streckenweise unwiderstehlich komisch. Ebenso gut: Wilt/Ancestral Vices/Indecent Exposure und viele andere.

      16. Ken Follett: The Pillars of the Earth - Es geht hier um den Bau einer Kathedrale in der Zeit des Übergangs von der gedrungenen Romanik zur lichterfüllten Gotik. Ich habe eine Menge übers Bauen gelernt. Sehr überzeugende Charaktere.

      17. Barbara Erskine: Lady of Hay - Noch einmal Mittelalter, diesmal aber eine Zeitreise, bei der eine moderne junge Frau in die Zeit John Ohnelands gerät und eine Weile zwischen den Welten hin und her pendelt. Nichts für Männer, glaube ich.

      18. Neal Stephenson: The Baroque Cycle - Dafür ist diese Trilogie etwas für Wissenschaftsinteressierte: Es geht um Leute wie Newton und Leibniz und die Gründung der berühmten Royal Society in London. Aber in wahrlich barocker Manier um tausenderlei andere, wilde Sachen...

      19. T.C. Boyle: The Tortilla Curtain - Ein wirklich erschütterndes Buch über illegale Einwanderer in Kalifornien und die Heuchelei scheinbar progressiver, wohlhabender Intellektueller, die die Maske fallen lassen, wenn die Armen zu nahe kommen...

      20. Arundhati Roy: The God of Small Things - Dieses angeblich autobiographisch getönte Buch einer jungen indischen Autorin ist gewalttätig und subtil zugleich und hilft mehr als kluge Analysen, sich ein Bild von Indien zu machen.

      So, das war's. Ich würde mich über Kommentare, Widerspruch, Ergänzungen freuen.
    • Lieber Bernd!

      Ich finde es nur immer seltsam, wenn der Titel "Die Sturmhöhe" lautet, dieses Wort aber im Text des Romans gar nie vorkommt, weil der Übersetzer dort Wuthering Heights sehr wohl auch im Deutschen immer als "Wuthering Heights" bezeichnet... Doch ich will nicht zu viel akademisch jammern: es hätte ja noch weit schlimmer kommen können, wie die oben gepostete Aufzählung zeigt, und der Roman im Deutschen etwa unter "Umwitterte Höhen" oder gar "Catherine Linton" bekannt werden können... ;+) :D

      "Die Herrin von Wildfell Hall" solltest du übrigens noch nachholen, gerade, wenn dir "Wuthering Heights" so gut gefallen hat, denn das ist wohl das einzige Bronte-Buch, das in der Darstellung der menschlichen Abgründe sogar noch weiter geht. Der Aufbau ist allerdings nicht ganz so stringent: dieses außerordentlich Tragödienhafte bei "Wuthering Heights", dass nämlich die Handlung an einem gleichsam hermetisch abgeriegelten Ort aus einer begrenzten Anzahl von Charakteren heraus unausweichlich und unabwendbar bis zum bittersten Ende getrieben wird, ist bei der "Herrin" stark gemildert: da gibt es auch gesellschaftliche Ereignisse, umfangreichere Sozialkontakte und diverse Ortswechsel, und es gibt ein Entrinnen aus der Hölle.

      Ich bin übrigens auch bekennender leidenschaftlicher Mehrfach-(z. T. sogar Vielfach-)Leser!

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Ja, die Übersetzung ist von Grete Rambach - wie in der aktuellen Insel-Auflage auch. Was sie taugt, kann ich nicht einschätzen
      Vielleicht helfen Dir ja die hier enthaltenen Hinweise/Vergleiche bei Deiner Einschätzung weiter:
      "http://newsgroups.derkeiler.com/Archive/De/de.rec.buecher/2005-08/msg00053.html"
    • Lieber Yukon,

      Mit der dtv-Übersetzung von Michaela Meßner oder der Reclam-Übersetzung von Ingrid Rein macht man nichts falsch, die sind beide sehr ordentlich. I. Rein übersetzt als einzige der mir bekannten Übersetzer die mundartlichen Passagen des Romans einigermaßen adäquat. Josephs nordenglischen Dialekt gibt sie mit einer Art Bairisch wieder. Das klingt ziemlich überzeugend und stimmt mit dem Original besser überein als die verschliffene Umgangssprache, mit der M. Meßner diese Passagen wiedergibt.


      das ist auch einer der Punkte, die mir an Meßners Übersetzung als weniger gelungen aufgefallen sind. Grundsätzlich ist es natürlich saumäßig schwer, Dialekt adäquat zu übersetzen, erst recht einen mir im Original völlig unverständlichen wilden Dialekt wie den von Joseph. Aber ein paar Prinzipien sollte man dabei meiner Meinung nach schon im Auge behalten:

      1.) Der Autor legt Personen einen bestimmten Dialekt in den Mund, um sie damit zu charakterisieren und/oder um Atmosphäre und realistisches Lokalkolorit zu erzeugen. Der Übersetzer sollte danach trachten, diese Charakterisierung bzw. Atmosphäre auch in der Übersetzung zu bewahren. Zu dem rustikalen Joseph passt die urbane Flapsigkeit, die im Michaela Meßner in den Mund legt, nicht wirklich.

      2.) Es ist meiner Meinung nach von Vorteil, die Dialektpassagen in der Übersetzung gegenüber dem Original abzuschwächen und zu stilisieren, da man einen genau passenden Dialekt in der Zielsprache sowieso nicht finden wird. Also keinen realen Dialekt bis ins Einzelne nachzumachen, sondern die Sprache nur durch dialektale Features abzutönen. Denn etwa die Reclam'sche Lysistrate-Übersetzung von Ludwig Seeger, bei der die spartanische Mundart des Originals durch breitestes Altalemannisch wiedergegeben wird, finde ich grausam. Da wäre weniger sicher mehr gewesen. Ingrid Rein macht das recht vernünftig, wie ich meine.

      Außerdem scheint mir Ingrid Rein auch etwas poetischer zu übersetzen als Michaela Meßner (das betrifft insbesondere den Prosarhythmus), und das ist bei einer genuinen Lyrikerin wie Emily Bronte nicht unwesentlich.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Nach den aufschlußreichen Hinweisen hier ( :juhu: ) habe ich mir die "Sturmhöhe" jetzt in der Reclam-Ausgabe (Ingrid Rein) bestellt. Die bereits eingetroffene "Herrin" hat mir meine Frau gleich weggeschnappt, so daß ich mit der Lektüre noch etwas warten muß... :|

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • arundo donax schrieb:

      Jenseits aller grauen Romantheorie bin ich in "Mansfield Park", dem einzigen Buch, welches ich von Jane Austen besitze, nie über die ersten drei Seiten hinausgekommen .

      "Wuthering Heights" hingegen habe ich mit großer Begeisterung in nahezu einem Rutsch verschlungen (damals, als ich noch richtig Zeit zum Lesen hatte), und zwar in einer alten Insel-Augabe.

      Mansfield Park ist aber auch tatsächlich dröge, und Wuthering Heights paßt wesentlich besser zu Deinem Garten, Bernd.

      "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

    • Gurnemanz schrieb:

      Nach den aufschlußreichen Hinweisen hier ( :juhu: ) habe ich mir die "Sturmhöhe" jetzt in der Reclam-Ausgabe (Ingrid Rein) bestellt. Die bereits eingetroffene "Herrin" hat mir meine Frau gleich weggeschnappt, so daß ich mit der Lektüre noch etwas warten muß... :|


      Nun, lieber Gurni, hast du bereits Zeit und Muße zum Lesen gefunden? Oder wenigstens deine Frau? ;+)

      Ich hab im Brief an das Christkind jedenfalls folgenden Wunsch geäußert:



      Angeblich sind da alle Romane der Schwestern drinnen (auch Emma???), auf Englisch, versteht sich. Und wenn die Ausgabe auch in natura so schön ist wie die Abbildungen und Beschreibungen (Goldschnitt und Illustrationen), dann ist sie zusätzlich auch noch ein optisches Vergnügen, das um diesen Preis wahrlich nicht zu teuer erkauft wäre... wenns wahr ist. Ich werde dann berichten.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Mit der Wiederholungslektüre der "Sturmhöhe" bin ich jetzt bis gut bis zur Hälfte des Romans weitergekommen. Der Sparsamkeit und Bequemlichkeit halber liegt mir wieder die nämliche Rambach-Übersetzung vor, aber trotzdem habe ich über weite Strecken das Gefühl, dieses Buch zum ersten Mal zu lesen. Nach über 25 Jahren sind doch viele Details der Handlung und der sprachlichen Darstellung unerwartet tief im Orkus der Erinnerung verschwunden. Und auch die persönliche Rezeption von Literatur hat sich in diesem Zeitraum (beinahe erschreckend) stark verändert....

      Die Sogkraft, die dieser Roman damals auf mich auszuüben vermochte, hat sich schon ein wenig abgeschliffen. Aber trotzdem bewundere ich auch beim zweiten Durchgang die konzeptionelle Raffinesse (der Darstellung auf mehreren Ebenen) und die in der Tat unerbittliche Stringenz, mit der das Drama seinen Lauf nimmt.

      Das, was im Vergleich zu anderen *großen* Romanen an Vielschichtigkeit fehlt, wird durch die glaubwürdige Intensität der Darstellung einigermaßen adäquat ersetzt. Für besonders lesenswert halte ich "Wuthering Heights" jedenfalls auch noch nach dem zweiten Anlauf.

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • Lieber Areios,

      "Emma" wirst du in dem Sammelband über die Brontes nicht finden, weil dieser Roman von der völlig anders gestrickten Jane Austen ist. Wer etwas über die Brontes erfahren möchte (ich gebe zu, ich bin seit Jahrzehnten endlos fasziniert von dieser Familie), sollte sich den Band "The Brontes" von Juliet Barker (1995 , Phoenix Giant, PB) zulegen. Hier werden die Bedingungen transparent, die diese ungewöhnlichen Autorinnen hervorgebracht haben. Was Emily Bronte betrifft, fand ich den Sammelband "The Art of Emily Bronte" von Anne Smith (ED.) von 1976 bei Vision Press sehr lesenswert.
    • Areios schrieb:

      Nun, lieber Gurni, hast du bereits Zeit und Muße zum Lesen gefunden? Oder wenigstens deine Frau? ;+)
      Bei "Sturmhöhe" bin ich gerade mittendrin. Spannend! Weitere Kommentare folgen, sobald ich so weit bin. Da ich parallel immer alles Mögliche lese (zur Zeit z. B. ein Buch über Dieterich Buxtehude, ebenfalls spannend!), komme ich nur langsam voran.

      Meine Frau hat die "Herrin" durch und ist angetan davon. Mir steht sie noch bevor.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • miranda schrieb:

      Lieber Areios,

      "Emma" wirst du in dem Sammelband über die Brontes nicht finden, weil dieser Roman von der völlig anders gestrickten Jane Austen ist.


      Liebe Miranda,

      Charlotte Brontë begann im Herbst oder Winter 1853/54 mit der Arbeit an "Emma"; das Manuskript war bei weitem nicht vollendet, als sie zu Ostern 1855 starb. Das Fragment wurde dann posthum gemeinsam mit "The Professor" herausgegeben. ;+)

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Gurnemanz schrieb:

      Meine Frau hat die "Herrin" durch und ist angetan davon. Mir steht sie noch bevor.
      ... und dieser Tage habe ich endlich den Roman gelesen - war noch spannender als Wuthering Heights, dessen Lektüre sich über mehrere Wochen hinzog. Die Herrin von Wildfell Hall erscheint mir insgesamt stringenter und klarer konzipiert, mit feiner psychologischer Zeichnung der Figuren, auch wenn die Erzählkonzeption - Areios hat es oben angedeutet - bei Emily Brontë raffinierter ist.

      Über die Handlung und vor allem das Ende (ein spannendes Finale!) verrate ich jetzt besser nichts, für den Fall, daß sich jemand zur Anschaffung und Lektüre verführen lassen mag:



      Ein Hinweis noch: Der Roman wird ja gern als ein Werk gepriesen, daß sich um die Emanzipation der Frau im 19. Jahrhundert verdient gemacht habe. Das mag ja stimmen, wäre aber, für sich genommen, für mich weniger interessant. Entscheidend ist: Das Buch ist einfach gut geschrieben! Anne Brontë muß eine feine Beobachterin gewesen sein: Sie wußte, wie Frauen und wie Männer ticken (können).

      Jetzt suche ich nach einer empfehlenswerten Übersetzung von Jane Eyre (Charlotte Brontë)...

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
    • FairyQueen schrieb:

      Ich empfehle dazu die hervorragende Verfilmung durch die BBC.
      Danke, liebe FQ, für den Tip - würde mich in der Tat mal reizen, das verfilmt zu sehen (trotz aller Vorbehalte gegenüber Literaturverfilmungen generell).

      Was Jane Eyre angeht, habe ich mich wieder für eine Übertragung von Ingrid Rein entschieden; von ihr kenne ich ja bereits die Übersetzung von Wuthering Heighs (s. o.), mit der ich ganz zufrieden bin.



      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Ein Hinweis noch: Der Roman wird ja gern als ein Werk gepriesen, daß sich um die Emanzipation der Frau im 19. Jahrhundert verdient gemacht habe. Das mag ja stimmen, wäre aber, für sich genommen, für mich weniger interessant. Entscheidend ist: Das Buch ist einfach gut geschrieben! Anne Brontë muß eine feine Beobachterin gewesen sein: Sie wußte, wie Frauen und wie Männer ticken (können).


      Das habe ich heute angedeutet: "Die Herrin von Wildfeld Hall" erfährt (nachdem Charlotte nach dem Tod von Anne Neuauflagen untersagt hatte und das Werk so beinahe in Vergessenheit geriet) erst in letzter Zeit wieder nennenswerte Rezeption, aber leider etwas einseitig fast nur im Kontext von Gender Studies und Emanzipation der Frau, was bei dem Werk zu kurz greift. Das merkt man auch an Klappentexten und dergleichen, beim Werbepartner heißt es z.B. in der Beschreibung "Anne Brontë plädiert mit diesem Meisterwerk für die Gleichberechtigung der Frau in der Ehe." Hm. Ob das wirklich das Ziel der Autorin war, wage ich zu bezweifeln.

      Meiner Ansicht nach hat Anne Brontë abgesehen vom literarischen Anspruch ein anderes Hauptanliegen: sie will Realität abbilden. Darauf besteht sie auch im Vorwort zur zweiten Auflage, in dem sie ihren Kritikern (das Werk sei skandalös, gefalle sich im Schildern von Unanständigkeiten etc.) sinngemäß entgegnet, nicht ihr Werk sei unanständig, sondern die Realität, und sie sei gegen eine rein fantastische, von der Realität abgehobene Literatur, auch wenn die Realität schmerzhaft sei. Man hat den Roman wohl durchaus mit gewissem Recht verschiedentlich erstens als literarische Verarbeitung der Zustände im Hause Brontë (der Bruder Branwell ruinierte sich mit Alkoholsucht) und zweitens als Antwort auf die Romane ihrer Schwestern, in denen "bad boys" (Rochester, Heathcliff) romantisch als erstrebenswerte Ehepartner verklärt werden oder zumindest eine enorme Faszination ausüben, sowohl auf die Charaktere innerhalb des Buches als auch auf die damaligen und heutigen LeserInnen. Auch Helen hat romantische Vorstellungen (hat sie zu viel Jane Eyre gelesen?), aber die Realität raubt ihr bald alle Illusionen. (vgl. übrigens die Beziehung Heathcliff-Isabella Linton!)

      Und dann zeigt Anne Brontë, wie ihre Heldin wenigstens ihre eigene Integrität bewahrt im Angesicht der selbstverschuldeten (!) Prüfungen. Auch hier geht Anne Brontë einen damals erst selten beschrittenen Weg, den Plot mit seinen Wendungen nicht auf zufällige Schicksalsschläge (oder im positiven Sinne zufällige Zusammentreffen) zurückzuführen, sondern ihn aus den Charakteren und ihren Entscheidungen natürlich zu entwickeln. Sich nicht dem Gruppenzwang oder gesellschaftlichen Zwängen zu beugen, das ist eine Botschaft des Werkes, die größer ist als ein hineinprojizierter Feminismus. Und die Charakterzeichnung ist nun wahrlich nicht geeignet, die Feminismus-These weiter zu unterstützen: es gibt in der "Herrin" mindestens genauso viele "bad girls", deren Ehepartner unter ihnen leiden (oder leiden werden), wie umgekehrt. Und es gibt konventionelle Ehen, die ganz vorzüglich funktionieren; und Ehen, die sich von einer Krise wieder erholen; es kommt halt immer auf das einzelne Individuum an, und Anne Brontë hat sehr erfolgreich ihr Möglichstes getan, um die zahlreichen Charaktere fein und sehr unterschiedlich zu zeichnen, so dass sich ein Maximum an Varianten menschlicher Beziehungen auftut.

      Liebe Grüße,
      Areios

      P.S.: Das oben erwähnte Buch ist schon lange eingetroffen, es ist wirklich schön und umfasst die sieben vollständigen Romane der Schwestern "Agnes Grey", "The Tenant of Wildfell Hall", "Jane Eyre", The Professor", "Shirley", "Villette" und "Wuthering Heights" in englischer Sprache. Wer gern englische Bücher liest, für den ist das angesichts des Preises eine absolute Empfehlung! Einziger Nachteil: es ist recht groß (etwas größer als A4) und schwer (~2,5 kg) mit zwei Spalten Text pro Seite. Ich weiß nicht, wie ihr lest, mir selber macht es nichts, weil ich gern am Bauch am Bett liege und lese, aber wenn man es die ganze Zeit halten muss, spart man sich das Fitnessstudio... ;+)

      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Areios schrieb:

      Auch hier geht Anne Brontë einen damals erst selten beschrittenen Weg, den Plot mit seinen Wendungen nicht auf zufällige Schicksalsschläge (oder im positiven Sinne zufällige Zusammentreffen) zurückzuführen, sondern ihn aus den Charakteren und ihren Entscheidungen natürlich zu entwickeln.
      Genau das, lieber Areios, beeindruckt mich an der "Herrin"!
      [...] Anne Brontë hat sehr erfolgreich ihr Möglichstes getan, um die zahlreichen Charaktere fein und sehr unterschiedlich zu zeichnen, so dass sich ein Maximum an Varianten menschlicher Beziehungen auftut.
      So empfinde ich es auch - und ich vermute, daß heutige Klappentexte, die die Romane der Brontë-Schwestern als Frauenemanzipationsliteratur preisen, wohl auf dafür empfängliche Leserinnen spekulieren (und Leser wie mich eher abschrecken könnten). Schade - denn da steckt viel mehr und vor allem anderes drin!
      [...] weil ich gern am Bauch am Bett liege und lese, aber wenn man es die ganze Zeit halten muss, spart man sich das Fitnessstudio...
      Ganzheitliches Lesen nennt man das heute. :D

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • (Aus "Eben gewälzt" hierher kopiert - Areios)

      Endlich eine Lücke geschlossen:




      Dieser Roman steht unter den Werken der Bronte-Schwestern unserem heutigen Empfinden wohl am nächsten (die in manchem, nicht durchwegs!, recht gegensätzliche "Jane Eyre" am wenigsten - überraschenderweise ist sie aber nach wie vor ungebrochen populär) und war zu seiner Entstehungszeit ein ausgesprochen mutiges Werk, das in seiner realistischen Weltsicht viel von Jane Austen gelernt hat, die sich aber nie so schonungslos ausdrückt. Ein starkes Buch, das seine Verfasserin in meinen Augen neben Austen und Gaskell stellt.
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • calisto schrieb:

      Emily Bronte, Sturmhöhe

      Algabal schrieb:

      Hermann Melville: Moby Dick

      Algabal schrieb:

      Djuna Barnes: Nightwood

      Areios schrieb:

      Anne Bronte: The Tenant of Wildfell Hall

      Florian Voß schrieb:

      Cormac McCarthy - Die Straße

      Fünf Mal Ja auch von mir!

      Bitte unbedingt erwähnenswert ist Carson MacCullers "Spiegelbild in Goldenem Auge" und "Uhr ohne Zeiger" (gefallen mir viel besser als das oft gerühmte "Das Herz ist ein einsamer Jäger")

      Hier bisher nur ein Mal erwähnt (!was bin ich entsetzt ;+) !) mein Lieblingsautor überhaupt : William Faulkner (was für ein Genie!)

      Mein absolutes Highlight dort : "Absalom! Abasalom!"
      Aber genauso zu empfehlen :
      "Light in August" ,"Sound and Fury", "Sartoris", "Intruders in the Dust" und Die Snopes-Trilogie
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"