Eben geglotzt

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    • Ich habe meinen Fellini-Trip mal kurzfristig unterbrochen, um eine meiner Neuanschaffungen zu sehen.



      Ich muss ja gestehen, ich liebe Doris Day. Sie war bzw. ist eine wirklich hochprofessionelle Künstlerin, die eine Pointe genau richtig servieren konnte. Natürlich sind das auch immer sehr hausbackene Filme, aber in einer Zeit, in der der Hayes Code noch galt, schaffte sie es doch mit ihrem Hausfrauen-Image recht gewagte Inhalte an den Zuschauer zu bringen.

      Zudem ist der Film wirklich witzig und bietet in den Dialogen schon Einiges. Ich habe ihn jedenfalls wieder einmal sehr genossen.

      :wink: Wolfram
    • Danach immer noch kein Fellini (Casanova wird erst morgen folgen), sondern eine weitere Neuerwerbung:



      Ein Hammer! Ich erinnere mich, dass ich in grauer Vorzeit mal den 'Eiskalten Engel' von ihm gesehen habe. Aber lange her. Von daher war ich ziemlich unvorbereitet auf das, was mit dann präsentiert wurde.

      Geschwätzig ist der Film ja wirklich nicht. ^^ Schon mal sehr angenehm. Aber dann diese fast sachliche Kühle, diese harten Schnitte, die Musik und v.a. das Spiel von Delon und Montand. Großartig. Trotz 2 1/2 Stunden keine Sekunde Langeweile. Unglaublich tolle Einstellungen, all die Referenzen zum amerikanischen Kino, diese Beziehung zwischen den vier Männern, die Themen, die angesprochen werden (Freundschaft, Verrat, Sympathie, sich Verlassen können usw.), die vordergründige Ruhe. Ich war hin und weg und befürchte, dass Melville mich noch einiges kosten wird. :D

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Danach immer noch kein Fellini (Casanova wird erst morgen folgen), sondern eine weitere Neuerwerbung:



      Ein Hammer! Ich erinnere mich, dass ich in grauer Vorzeit mal den 'Eiskalten Engel' von ihm gesehen habe. Aber lange her. Von daher war ich ziemlich unvorbereitet auf das, was mit dann präsentiert wurde.

      Geschwätzig ist der Film ja wirklich nicht. ^^ Schon mal sehr angenehm. Aber dann diese fast sachliche Kühle, diese harten Schnitte, die Musik und v.a. das Spiel von Delon und Montand. Großartig. Trotz 2 1/2 Stunden keine Sekunde Langeweile. Unglaublich tolle Einstellungen, all die Referenzen zum amerikanischen Kino, diese Beziehung zwischen den vier Männern, die Themen, die angesprochen werden (Freundschaft, Verrat, Sympathie, sich Verlassen können usw.), die vordergründige Ruhe. Ich war hin und weg und befürchte, dass Melville mich noch einiges kosten wird. :D

      :wink: Wolfram
      Den habe ich zum Jahreswechsel gesehen, ein faszinierender, in aller Stille beeindruckender Film mit Sogwirkung. Da sitzt alles, unheimlich gut in Szene gesetzt.

      (Ist übrigens auch einer der Lieblingsfilme Tarantinos.)
      „Zwei plus zwei ergibt vier, immer und überall.“
    • Jean-Pierre Melville war schon ein besonderer Regisseur: seine Filme ab den 1960er Jahren sind eindrucksvolle Werke, die dem französischen Kino viel gegeben haben. Bedauerlich, daß er so früh starb (1973, mit 55 Jahren). Mein Liebling:



      Armee im Schatten
      Frankreich 1969
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Schöne Anschaffungen, lieber Wolfram, besonders den Uhrwerk Orange schätz ich sehr ("lieben" verbietet sich hier), er fasziniert mich seit Jahrzehnten...


      Hier auf indirekte Anregung Gurnemanz', wenn auch leider ohne Kino wo es sowas noch gibt:




      War mir in meiner großen Westernzeit von 16-35 immer etwas fremd, da langsam, lang, artifiziell und ohne Clint.

      Heute weiß ich ein Meisterwerk besser zu würdigen. Ist ja auch wieder nicht so verkehrt alt zu werden :D
      ... Gäbe es "Es war einmal in Amerika" nicht wär es der einsame Gipfel der Laufbahn eines beinahe singuläre Regisseurs. Gäbe es "Erbarmungslos" und "Texaner" nicht wäre es der Gipfel der Western. So ist es ein 8000der, irre

      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Freut mich, daß ich Dich in dieser Weise anregen konnte, lieber garcia!

      Übrigens habe ich mir gerade in Ruhe den ausführlichen Wikipedia-Artikel zum Film durchgelesen. Erstaunlich, wie die deutsche Synchronfassung das Original umgemodelt hat! Damals kannte man keine Skrupel!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Gurnemanz schrieb:

      Übrigens habe ich mir gerade in Ruhe den ausführlichen Wikipedia-Artikel zum Film durchgelesen. Erstaunlich, wie die deutsche Synchronfassung das Original umgemodelt hat! Damals kannte man keine Skrupel!
      Welchen Film meinst du?
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • <= geh doch stark von aus, das Uns-Gurne Das Lied vom Sensemann meint...
      (<= nixx für mich btw: >gar< zuviel Leichen und Gewalt pflastern meine (Seh-)Nerven :huh: :huh: :huh: )

      g e s t e r n N a c h t keineswegs "geglotzt", sondern aufmerksam betrachtet . . .



      "Leere Räume, Ruinen, zuwachsende Städte, rissiger Asphalt... Geyrhalters Kamera blickt in eine posthumane Zukunft" (PROFIL)

      (war auch schon bei der Vorführung anlässl. der Duisburger Doku-Film-Woche '16, ebenso beim anschl. Publikumsgespräch mit Geyrhalter und Cutter Michael Palm... Ersterer hat erklärtermaßen nichts dagegen, nimmt man Homo Sapiens einfach nur als schräge Dia-Show zur Kenntnis … na denn :) )
      >>>>Wer Rechtschreibefehler findet, darf mich g e r n e darauf hinweisen!!<<<<

      Es ging aus heiterem Himmel um Irgendwas. Ich passte da nicht rein. Die anderen auch nicht. (Fischer-Dieskau üb. seine 1. >u. letzte!< Talk-Show)

      Hollywood ist ein Witz (Aki Kaurismäki)
    • Josquin Dufay schrieb:

      Gurnemanz schrieb:

      Übrigens habe ich mir gerade in Ruhe den ausführlichen Wikipedia-Artikel zum Film durchgelesen. Erstaunlich, wie die deutsche Synchronfassung das Original umgemodelt hat! Damals kannte man keine Skrupel!
      Welchen Film meinst du?
      Den von garcia angesprochenen: Spiel mir das Lied vom Tod, eigentlich C’era una volta il West bzw. Once Upon a Time in the West, vgl. de.wikipedia.org/wiki/Spiel_mir_das_Lied_vom_Tod.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Möchte aber dem wes.walldorf schon recht geben: die ganze zur Schau gestellte Brutalität und Lebensfeindlichkeit hab ich auch wahrgenommen. Auch wenn sie ästhetisch großartig in Glitzer und mit Schleifen verhüllt daherkommt, nein: dargebracht wird. Je älter ich werde desto dünnhäutiger werde ich in diesen Dingen. Was ja absolut nichts am hohen Rang vom Spiel mir das Lied etcpp ändert, auch nicht als Kritik mißverstanden werden möchte. Aber irgendwas macht das mit mir, was ich empfinde wie eine innere Verschmutzung :( dabei hab ich mir vor 2 Jahrzehnten Horrorsplatter en Masse reingezogen...

      Ein großer Film, ja, aber heute ist Paris Texas aus der Wim Wenders Box dran. Den liebe ich sehr. Was ich auszudrücken versuche und was der gute wes.walldorf mir irgendwie klargemacht hat: es gibt Filme die ich bewundern kann und Filme die ich lieben darf, und zu zweiteren zieht es mich mitzlerweile mehr :)



      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • garcia schrieb:

      Schöne Anschaffungen, lieber Wolfram, besonders den Uhrwerk Orange schätz ich sehr ("lieben" verbietet sich hier), er fasziniert mich seit Jahrzehnten...
      Auch wieder so ein Fall von vor hundert Jahren gesehen. Bin sehr gespannt und gleichzeitig auch a bisserl nervös, wie ich ihn wohl heute verkraften werde.

      garcia schrieb:

      Gäbe es "Erbarmungslos" und "Texaner" nicht wäre es der Gipfel der Western. So
      Na, lieber Garcia, was ist mit 'The Seachers' oder 'Shane'? ^^ Allerdings kommt 'Once Upon a Time...' bei mir auch gleich hinterher.

      :wink: Wolfram
    • Gurnemanz schrieb:

      Übrigens habe ich mir gerade in Ruhe den ausführlichen Wikipedia-Artikel zum Film durchgelesen. Erstaunlich, wie die deutsche Synchronfassung das Original umgemodelt hat! Damals kannte man keine Skrupel!
      Das denke ich, sollte man wirklich wissen, denn es macht noch einmal deutlich oder deutlicher, worum es Leone wirklich ging. Die deutsche Übersetzung verschiebt den Schwerpunkt wirklich total.

      :wink: Wolfram
    • garcia schrieb:

      Möchte aber dem wes.walldorf schon recht geben: die ganze zur Schau gestellte Brutalität und Lebensfeindlichkeit hab ich auch wahrgenommen. Auch wenn sie ästhetisch großartig in Glitzer und mit Schleifen verhüllt daherkommt, nein: dargebracht wird. Je älter ich werde desto dünnhäutiger werde ich in diesen Dingen. Was ja absolut nichts am hohen Rang vom Spiel mir das Lied etcpp ändert, auch nicht als Kritik mißverstanden werden möchte. Aber irgendwas macht das mit mir, was ich empfinde wie eine innere Verschmutzung dabei hab ich mir vor 2 Jahrzehnten Horrorsplatter en Masse reingezogen...
      Schon witzig irgendwie. Natürlich ist der Leone auch in der Zurschaustellung der Gewalt (man denke nur an das 1. Auftreten von Fonda) äußerst brutal, wie man es ja aus dem Italo-Western dann ja auch gewohnt war. Aber es hat mich nie gestört, obwohl ich Action- und Gewaltdarstellungen im Film eigentlich überhaupt nicht mag. Hier passt es aber und ich kann es gut ansehen, vielleicht auch, weil es immer wieder eine hohe künstlerische Qualität hat (Eingangssequenz) oder auch, weil die Brutalität so dermaßen gut in den Kontext der Story eingebaut ist, dass ich sie einfach für notwendig und folgerichtig betrachte.

      garcia schrieb:

      Ein großer Film, ja, aber heute ist Paris Texas aus der Wim Wenders Box dran. Den liebe ich sehr. Was ich auszudrücken versuche und was der gute wes.walldorf mir irgendwie klargemacht hat: es gibt Filme die ich bewundern kann und Filme die ich lieben darf, und zu zweiteren zieht es mich mitzlerweile mehr
      Kann ich gut verstehen. Und es gibt natürlich auch Filme, die ich liebe, obwohl ich sie gar nicht einmal bewundere. Aber im Fall von 'Once Upon...' trifft wirklich alles bei mir zusammen. Liebe, Bewunderung, Ehrfurcht vielleicht (nein, das ist womöglich doch zu viel oder zu pathetisch, aber egal, du weißt sicherlich, was ich meine. ^^ ).

      :wink: Wolfram
    • Er hat ja jedes Lob verdient, warum nicht Ehrfurcht?


      Hier zum wiederholten Male der Paterson von Jarmusch.



      Eigenartig: ein Film, der bei mir extrem lange nachschwingt, obgleich wirklich überhaupt nix passiert. Ich sitz da und gucke und dämmere und wenn er vorbei ist fühl ich mich gut, egal was an Widrigkeiten so ansteht. Und ich kriege nicht raus wie zum Teufel der Jarmusch das gemacht hat. Ein leises Geschenk, dieser Film.


      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Da ich in den letzten Tagen ziemlich Zeit hatte, kamen eine ganze Rehe von Filmen zum Einsatz. ^^



      Ich kann Garcias Jarmusch Begeisterung total verstehen. Ein grandioser Film mit einem grandiosen Bill Murray :verbeugung1: . Was ich einfach liebe, ist, wenn sich ein Film Zeit nimmt und nicht ständig hektisch hin und her schneidet, wenn ich Gesichter, Landschaften, Dekors auch einmal betrachten kann. Und wenn ein Film Szenen, Einstellungen, Bilder hat, die bei mir einwirken und nachwirken. Und das bietet hier 'Broken Flowers' und zudem eine durchaus philosophische Reise in die Vergangenheit.

      :wink: Wolfram
    • Danach habe ich meine Fellini-Box beendet mit folgenden zwei Filmen:



      Wenn es etwas gibt, dass ich Fellini vielleicht vorwerfen würde, ist es, dass er (eben für mich) immer ein wenig zu lang ist. Aber diese Maßlosigkeit im Umgang mit der Zeit entspricht ja eigentlich nur seiner sonstigen Maßlosigkeit. Und das sind ja wirklich beide Filme. Maßlos, hemmungslos, ausschweifend, barock. Und gerade dafür liebe ich ihn, für dieses Grenzensprengende, für dieses 'Bigger-than-Life'. Und für die atemberaubenden, vielschichtigen, rätselhaften, vieldeutigen, wunderschönen Bilder, die er entwerfen konnte.

      'Casanova' ist in seiner Künstlichkeit und Starrheit, 'Stadt der Frauen' in seinem ständigen Wechsel von Witz und Tragik einfach überwältigend. Große, maßlose Entwürfe. Da klotzt jemand, kleckert nicht. Während oftmals Filme, die sich mit diesen Thematiken beschäftigen, geradezu klein und bescheiden daherkommen, v.a. auch durch die Beschränkung auf Biographisches bzw. durch das Erzählen einer fortlaufenden Geschichte, sprengt Fellini hier jeden Rahmen und präsentiert uns einen Bilderbogen wagnerschen Ausmaßes. Überwältigend!

      :wink: Wolfram