Eben geglotzt

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    • Nach so viel Torte brauchte ich dann erst einmal Knäckebrot. ^^



      René Clements Film über zwei Kinder und ihr unbewusster Versuch, das, was sie ständig erleben, irgendwie zu bewältigen. Und die Zuneigung, die dabei zwischen ihnen entsteht. Ein absolutes Meisterwerk mit der fünfjährigen Brigitte Fossey in einer der beiden Hauptrollen. Das ist skurril und tragisch, aber v.a. herzzerreißend und dabei nie sentimental. Eine wirkliche Erschütterung.

      :wink: Wolfram
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      Und zur Erholung dann noch dieser:



      Man merkt schon sehr, dass es quasi eine Theaterverfilmung. Aber was soll's. Das ist perfekt inszeniert mit blenden Dialogen, einem tollen Hauptdarsteller und einer überragenden Monroe und dann noch gekrönt von einer der legendären Filmszenen überhaupt. Ich habe übrigens immer das Gefühl, dass Wilder am besten war, wenn er versuchen musste, die Zensur zu umschiffen. Hier blüht er immer wieder in bester Wilder-Manier auf.

      Tolle Unterhaltung und man darf dabei nicht vergessen, dass tolle Unterhaltung nicht einfach ist und wahrlich einen Wert in sich besitzt.

      :wink: Wolfram
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      Vorher angefangen hatte ich diesen hier:



      Aber dann musste ich mich doch erstmal erholen. ^^ So faszinierend wie die Bilder und v.a. die Farbdramaturgie sind, ich habe schlichtweg noch Schwierigkeiten mit Antonioni. Die Filme sprechen mich (noch) nicht so richtig an. Was ja noch kommen kann und hoffentlich wird. Wie gesagt, es gibt diese Sequenzen, die mich durchaus umhauen, aber dann ertappe ich mich auch immer wieder dabei, wie ich nach der noch verbleibenden Zeit schaue. Immer ein Zeichen, dass der Film mich nicht erreicht. Aber ich werde am Ball bei ihm bleiben. Mal sehen... ^^

      :wink: Wolfram
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      Antonioni ist manchmal etwas extrem - zumindest immer fordernd. Ich selber habe auch gerade einen Film von ihm begonnen, aber dann erstmal pausiert; ich schaue aber weiter, das ist klar.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
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      Die Nacht der offenen Särge
      Spanien-Frankreich-Portugal-Liechtenstein 1972
      Regie: Jess Franco

      :megalol: :megalol: :megalol: :megalol: :megalol: :megalol:

      Die Filmgeschichte ist voll von schlechten Filmen, aber selten schmerzt das Sehen mehr als hier. Die Umbenennung des Films in "Die Macht der offenen Logik" habe ich bereits beantragt.

      Während Dr. Frankenstein sein Monster erweckt, beendet Dr. Seward das Wirken von Graf Dracula; Dr. Frankenstein dagegen erweckt auch den Grafen wieder zum Leben und zwingt ihn unter seine Knute, um die Weltherrschaft mithilfe einer Legion Vampiren zu erlangen. Dr. Seward ist zunächst ahnungslos, aber die Zigeunerin Amira ahnt das schlimme Schicksal voraus: sie sendet den Wolfsmenschen zum Schloß Dracula, der dort sofort Frankensteins Monster angreift. Während Dr. Seward mit den Zigeunern ebenfalls das Schloß betritt, sieht sich Dr. Frankenstein dazu gezwungen, seine Weltherrschaftspläne auf Eis zu legen und den Grafen endgültig zu töten. Dr. Seward braucht nur noch das Kruzifix hochzuhalten und mit dem Beten anzufangen.

      Na, ist das was? Alle wichtigen Universal-Monster in einem Streifen, der alles Mögliche ist, nur kein überzeugender B-Movie. Ich habe ja nun einige Filme der zweiten, dritten und xten Garnitur gesehen, aber mich verblüfft es immer wieder, wie mühelos Jess Franco es schafft, seinen Filmen jedes Maß an Professionalität, Logik und Spannung zu nehmen. Nicht, daß es bei dem Budget, was es hier gegeben hat, zu viel gereicht hätte, aber da konnten ganz andere Filmemacher deutlich mehr aus dem Müll herausholen.

      Das Hauptproblem ist: die Szenen ergeben zueinander nur grob einen Sinn, so als ob das Drehbuch erst beim Filmen entstanden ist; die Darsteller - allen voran der tatsächlich und wirklich abgehalfterte Dennis Price! - sind nicht mal funktional in der Rolle, zumal erstaunlich wenig gesprochen wird. Sehr häufig hört man Dr. Frankenstein aus dem Off, der seine Gedanken zu Papier bringt. Howard Vernon braucht nur die Zähne zu fletschen, und der Rest ist eh uninteressant. Anschlüsse stimmen nicht: Schnitte von einen Gesicht, beschienen von der Sonne, auf das Objekt, was er anschaut - welches im tiefsten Wolkensturm (ohne Sonne wohlgemerkt!) zu sehen ist. Billigste Tricks, um die Vampire als Fledermäuse darzustellen. Andauernd Frauen, die hübsch anzusehen sind, aber Dinge machen, die man nicht nachvollziehen kann. Der Horror soll vom Grafen kommen und über das ganze Land lasten wie eine dunkle Decke; in Wirklichkeit kommt er von Franco (nein, nicht der Diktator!) und lähmt alle Zuschauer, die sich nicht trauen, das Kino zu verlassen bzw. den TV abzuschalten. Und die Dialoge sind und bleiben durchgängig dusselig.

      Ich habe mich schon immer gefragt, wie Jess Franco auch nur einen Film je fertigstellen konnte; dabei hat der Mann über zweihundert gemacht. Bis auf ein halbes Dutzend Filme habe ich ansonsten nicht einen gesehen, der auch nur handwerklich gewisse Qualitäten aufwies. Perfide ist eigentlich, daß die Marke Jess Franco als untalentierter Schmuddelregisseur mit so einem Streifen wie Die Nacht der offenen Särge erst richtig zementiert wurde, denn die Schmerzen, die diese Katastrophe verursacht, kann der einzige Grund sein, warum Franco so eine große Fangemeinde bis heute hat. Denn Mann konnte kein Wässerchen trüben, nicht mal Wodka.

      Ihr dürft mich als auf den Boden liegen sehen und röcheln hören: "Das Grauen! Das Grauen!"

      :hammer1:
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      Josquin Dufay schrieb:

      Antonioni ist manchmal etwas extrem - zumindest immer fordernd. Ich selber habe auch gerade einen Film von ihm begonnen, aber dann erstmal pausiert; ich schaue aber weiter, das ist klar.
      Genau so ging es mir auch mit der 'Wüste'. Ich musste eine Pause einlegen, wohl wissen, dass es danach damit weitergehen würde.

      Pausenfüller war dann dieser Film:



      Ganz witzig, teilweise visuell auch interessant, aber letztlich nur die klassische 'Engel-kommt-auf-die-Erde-Geschichte' mit zum Teil banaler Küchenpsychologie und Küchenphilosophie. 'Wenn du jemand anderen lieben möchtest, muss du dich erstmal selber lieben.'
      Zudem hatte ich den Eindruck, dass da, wo Antonioni seine Bilder komponiert, wo jede Einstellung eine Bedeutung hat und sie mit Bedacht gewählt wurde, geht es in 'Angela' oftmals nur um den netten Effekt.

      Also bin ich dann sofort und ziemlich dankbar wieder zu Antonioni zurück. :D

      :wink: Wolfram
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      Hier mal was Älteres:



      Das Remake läuft wohl gerade auf ORF.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
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      Josquin Dufay schrieb:

      Die Filmgeschichte ist voll von schlechten Filmen, aber selten schmerzt das Sehen mehr als hier. Die Umbenennung des Films in "Die Macht der offenen Logik" habe ich bereits beantragt.
      Ich liebe ja auch sehr das europäische Trash-Kino, aber mal unter uns: Warum tust du dir das da denn an? Und dann hast du von dem Regisseur ja wohl noch Einiges mehr gesehen.

      Ganz schön tapfer! :clap:

      :wink: Wolfram
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      Wolfram schrieb:

      Warum tust du dir das da denn an?
      Ganz ehrlich: wie soll man denn die großen Meisterwerke bewerten, wenn man nicht weiß, wie der Bodensatz aussieht? Und außerdem steh ich auf Trash - unfreiwilliger Humor ist einer der ehrlichsten... :D :D :D

      Wolfram schrieb:

      Und dann hast du von dem Regisseur ja wohl noch Einiges mehr gesehen.
      Oja... :jaja1:

      Gewiß nicht alles oder ein großer Teil, denn das ist einfach nicht möglich - 2-3 Dutzend bisher, aber es reicht, um ihn einschätzen zu können.
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      Jean Paul
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      Wolfram schrieb:

      Deshalb liebe ich ja Edgar Wallace
      Das sehe ich nicht mal als Trash an - es ist Unterhaltung, speziell für die früheren Filme gilt das. Vor allem handwerklich sind sie akkurat gemacht.

      Wolfram schrieb:

      Wobei, im Vergleich zu Franco habe ich das Gefühl, dass das schon fast Orson Welles ist
      Yo, kann man so sagen... :jaja1:
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      Jean Paul
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      Heute geschaut:



      Toller Film, wobei mir die ersten drei Episoden am besten gefielen (Los Angeles (wegen der grandiosen Gena Rowland), New York und Paris). Sehr unterhaltsam, auch durchaus nachdenkenswert in einzelnen Episoden, aber insgesamt fand ich ihn, für das, was ich bislang von Jarmusch kenne, nicht 'radikal' genug. Fast schon zu sehr Hollywood. ^^ Ich glaube, er kann mehr independend als hier.

      :wink: Wolfram
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      Heute mal wieder einer meiner Big Five was Woody Allan angeht.



      Welch ein Genuß :D


      Bei der Jarmuschbox habe ich ein technisches Problem: mein DVD Player bricht einige der Filme nach etwa einer Stunde ab und geht aufs Hauptmenü zurück. Das hatte ich auch bei drei der Filme aus der Wendersbox. Extrem nervig...


      Entweder die billigen dvd Player heutzutage kacken schnell ab, was die Abtastsicherheit angeht. Wegwerfgesellschaft. Das mag sein. Smartphones schaffen ja auch nur noch knapp die 2 Jahre Garantie. Dann brauch ich nen Neuen.

      Oder aber die ja sehr preiswerten Arthouseboxen enthalten nachlässig produzierte DVDs...

      Kann auch sein, denn: Bei andren Filmen hab ich das nicht, aber als der brilliante Broken Flowers nach ner Stunde nicht mehr weiterging war das schön ein sehr unschöne Gefühl ;(


      Hmm.
      LG X/
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
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      Wenn eine DVD mal abbricht, könnte es eine Fehlpressung sein - wenn aber andauernd verschiedene DVDs etwa an der selben Stelle abbrechen, deutet das eher auf den Player hin. Die Laserschiene könnte beschädigt sein und läuft nur bis zu einer bestimmten Stelle. Oder der Justagekopf ist beim Layerwechsel nicht in Ordnung und kann die zweite Schicht nicht erkennen.

      Ich tippe eher auf den Player.
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      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
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      garcia schrieb:

      aber als der brilliante Broken Flowers nach ner Stunde nicht mehr weiterging war das schön ein sehr unschöne Gefühl
      Das ist ja grauenhaft, v.a. bei dem Film. ;(

      Ich habe mich nun durch diese Filme durchgeschaut:



      Mit 'Stranger Than Paradies' hatte ich schon Probleme. Auch wenn ich seinen Ansatz verstehe (wenn ich ihn denn richtig verstehe :D ) alles anders als das gängige Hollywood-Mainstream-Kino zu machen, fand ich ihn streckenweise doch zu langatmig, manchmal zu amateurhaft, nicht sehr überzeugend für mich. Aber vielleicht habe ich ihn auch nur nicht kapiert. ^^

      'Down by Law' und 'Mystery Train' haben mich allerdings von der ersten Minute an hellauf begeistert. Hier entdeckte ich endlich auch den Jarmusch-Humor, den ich aus 'Broken Flowers' und 'Night on Earth' kannte, hier fand ich die ironische Verfremdung der sozialen Verhältnisse in Amerika ohne sie gleichzeitig zu beschönigen wirklich grandios, hier fand ich endlich auch die Charaktere spannender als in 'Stranger...'. Bei allen drei Filmen genossen habe ich allerdings die Musik!

      :wink: Wolfram
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      Und weil ich gerade auf dem Jarmusch-Trip bin, habe ich dann gleich den von Garcia schon vorgestellten 'Paterson' nachgeschoben.



      Ich bin noch mittendrin, er gefällt mir aber ausnehmend gut. Nur bin ich mir nicht sicher, ob Jarmusch seine radikale Abkehr vom typischen Hollywood-Kino in den letzten Produktionen nicht doch ein wenig aufgegeben hat. Was das Schauen einfacher, gefälliger macht, was aber wiederum auch schade wäre, da Amerika solche Querdenker im Film dringend braucht. Aber ich habe auch erst eine Dreiviertelstunde gesehen. Möglicherweise liege ich völlig falsch.

      :wink: Wolfram
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      Josquin Dufay schrieb:

      Mein Liebling:



      Armee im Schatten
      Frankreich 1969
      Ich habe mir gerade diese Box gekauft:



      Nun habe ich zwar den 'Roten Kreis' doppelt, aber dafür war die Box einfach preiswert. Also wird die 'Armee' in den kommenden Tagen auch bei mir aufmarschieren. Bin sehr gespannt. ^^

      :wink: Wolfram

      PS: Wieso kann ich eigentlich keine Smileys oder hier eben das Filmbild kopieren? ?(
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      Ich habe jetzt 'Paterson' von Jarmusch beendet und bin ein wenig zwiegespalten.

      Einerseits hat er mich zutiefst berührt und er klingt auch immer noch nach in mir. Ein Film, den ich so schnell nicht ad acta legen kann. Eigentlich ja ein ganz stiller Film, der seine Geheimnisse nicht sofort offenbart (wie wunderbar!!!), der einen aber geradezu zwingt, über alle möglichen Details nachzudenken, weil er erst dann sich rundet. Ein stilles Bohren eben, wo es doch so leicht ist, zu sagen: Was soll es denn nun? Hier springt nichts ins Gesicht und trotzdem ist alles da. Vielleicht sind wir aber nicht mehr gewohnt, das Stille, Unaufdringliche, Leise zu beachten. Aber da genau liegt wohl immer die Lösung, die Erklärung.

      Andererseits aber frage ich mich, ob Jarmusch nicht doch mit solchen Filmen zu sehr in den Mainstream gerät. Von seinen späteren Werken kenne ich nur 'Broken Flowers' und eben 'Paterson'. Und da gibt es schon einen großen Unterschied zu den fast lustvoll inszenierten 'Anti-Hollywood-Filmen' der früheren Jahre. Natürlich wird jeder 'Rebell' älter und auch 'weiser'. Aber ich bin nicht ganz sicher, ob dies in diesem Fall Weiterentwicklung oder vielleicht doch Anpassung ist.

      Sei es wie es ist, es ändert nichts an der Qualität der Filme an sich.

      :wink: Wolfram