Eben geglotzt

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    • Hier weiter mit den unsterblichen Sachen :D



      Scorcese wird mich nun eine Zeitlang begleiten. Ich muß zugeben ihn früher nicht recht geschätzt zu haben, mir war das alles zu hektisch und schnell, gerade bei Casino und Good Fellas (Wolf Of Wall Street kannte ich noch nicht), aber heute isses :sofa2:



      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • garcia schrieb:

      Ich muß zugeben ihn früher nicht recht geschätzt zu haben
      Ich habe nun die ganze Zeit eure wirklich interessanten Beiträge gelesen und irgendwie machen sie mich ja doch neugierig.

      Eigentlich ging Scorsese immer an mir vorbei oder ich an ihm. Taxi Driver habe ich z.B. nie gesehen (shame on me) und auch viele andere von ihm nicht. Wobei, auf ein paar komme ich schon.

      Vor Jahrzehnten New York, New York und Raging Bull. Beide fand ich ok, haben mich damals aber nicht vom Hocker gerisssen. Aviator hatte ich auf DVD und habe ihn dann wieder verkauft, weil gut gemacht und interessant, aber ich das Gefühl hatte, ihn doch nicht wieder anzusehen.

      Dann kam vor kurzem Gangs of New York und den fand ich ganz fürchterlich, aber nur ein paar Tage später Zeit der Unschuld und der wiederum hat mich schwerst begeistert.

      Mehr kenne ich von ihm nicht und meine persönliche Erfahrung tendierte immer eher zu ok, aber ich brauche es nicht. Nun bin ich mir nach den Silence- und Irishman-Besprechungen nicht mehr so sicher. Schau'n wir mal. ;)

      :wink: Wolfram
    • Tichy schrieb:

      Wer weiß, vielleicht zerfleischt sich der Streaming Markt ja auch selbst. Jetzt kommen Apple+ und Disney+ und HBO/Warner+ und wie sie alle heißen. Dann brauch der gute Filmfreund nicht nur 1, sondern 5 verschiedene Abos.
      Das wird auf Dauer eh nicht funktionieren - sieht man ja bei Musik. Vor allem aber sehe ich bei Arthous-Filme und älteren Klassikern schwarz. Als mein Vater ein Probe-Abo von Netflix hatte, konnte ich nichts dergleichen finden. Selbst sowas wie Mord in Orient-Expreß (2017) war nicht da, und ich fand kein Ben Hur, Vom Winde verweht oder Der Pate. Immerhin konnte ich Orson Welles The Other Side Of The Wind sehen, der exklusiv auf Netflx läuft. Und die Serien waren für meine Eltern überhaupt nicht interessant gewesen - das Abo wurde gekündigt.

      Das mit dem Zerfleischen ist gut möglich - letztendlich kommt es darauf an, einen breiten Katalog anbieten zu können, und der wird zwangsläufig auch Abwegiges und Älteres enthalten müssen. Wenn ich mir ansehe, was ich bisher angesammelt habe und es mit den Streaming-Diensten vergleiche, dann würde ich mich einschränken müssen. Dazu habe ich einfach keine Lust.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Wolfram schrieb:

      Eigentlich ging Scorsese immer an mir vorbei oder ich an ihm. Taxi Driver habe ich z.B. nie gesehen (shame on me) und auch viele andere von ihm nicht. Wobei, auf ein paar komme ich schon.
      Dieser Mann hat in über fünfzig Jahren 26 Spielfilme gedeht, dazu einige Dokumentarfilme, Musikclips und Kurzfilme. Immer wieder hat er ganz große Filme machen können, die zu den wichtigsten Filme ihrer Dekade zählen. Und selbst die unscheinbarsten oder unbekanntesten haben immer noch ein sehr gutes Niveau. Ich kann dir versichern, es lohnt sich, mehr von Scorsese zu sehen. Mir fallen da folgende ein, die sich lohnen:
      • Shutter Island
      • Casino
      • Zeit der Unschuld
      • Kap der Angst
      • GoodFellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia
      • Die letzte Versuchung Christi
      • Wie ein wilder Stier
      • Taxi Driver
      • Hexenkessel
      Arbeite diese Liste ab, dann erwarte ich deinen Bericht... :D
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    • Josquin Dufay schrieb:

      Wenn ich mir ansehe, was ich bisher angesammelt habe und es mit den Streaming-Diensten vergleiche, dann würde ich mich einschränken müssen.
      Einschränken im Bereich der Klassiker und bei Arthouse Filmen.
      Tatsächlich ist eher das Überangebot ein Problem und damit auch Quantität über Qualität. Zu viele Eigenproduktionen, die derzeit ja auch für rote Zahlen bei Netflix sorgen. Man möchte sich hier unabhängig machen von Warner, Disney und Co. und den Wert der Marke verkaufen, die Klassiker spielen dabei langfristig kaum noch eine Rolle. Andererseits, "Der Pate" und "Ben Hur" waren sogar mal auf Netflix, aber natürlich nur begrenzte Zeit.
      Es gibt zwar auch Streaming Portale wie MUBI, die sich auf Arthouse spezialisieren, aber da gibt es das gleiche Problem der beschränkten Verfügbarkeit. Darüber hinaus fehlen hier dann die gehobenen Mainstream Filme.

      Daher glaube ich eher daran, dass sich die Anbieter aufgrund der kulminierten Masse an eigenem Zeugs zerfleischen werden.
      „Music is a nexus. It's a conduit. It's a connection. But the connection is the thing that will, if we can ever evolve to the point if we can still mutate, if we can still change and through learning, get better. Then we can master the basic things of governance and cooperation between nations.“ - John Williams
    • Tichy schrieb:

      Tatsächlich ist eher das Überangebot ein Problem und damit auch Quantität über Qualität. Zu viele Eigenproduktionen, die derzeit ja auch für rote Zahlen bei Netflix sorgen.
      Tja, eben. Und ich interessiere mich dafür praktisch gar nicht. Nebenbei bin ich einfach der haptische Typ, ich brauche Cover, Hülle, gepreßte Scheibe. Da steht Streaming weit unten in meiner Priorität.
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    • Wolfram schrieb:

      Vor Jahrzehnten New York, New York und Raging Bull. Beide fand ich ok, haben mich damals aber nicht vom Hocker gerisssen.

      Wolfram schrieb:

      Dann kam vor kurzem Gangs of New York und den fand ich ganz fürchterlich, aber nur ein paar Tage später Zeit der Unschuld und der wiederum hat mich schwerst begeistert.

      Josquin Dufay schrieb:

      Arbeite diese Liste ab, dann erwarte ich deinen Bericht...
      In vorauseilendem Gehorsam... ;)

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Geht mir genauso, was allerdings für volle Regale und Wände sorgt.
      Lese ich öfters. Ist bei mir nicht anders. Und?

      Wenn ich alles abgebe, habe ich praktisch eine leere Wohnung - das ist noch viel schlimmer... :D
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      garcia schrieb:

      Der Irishman hat in den ersten zweieinhalb Stunden gehalten was ich mir erhofft hatte - ein Mafiadrama in verschachtelter Erzählweise, wie man / ich es von Scorcese erwartet. Aber die letzte Stunde dieses langen Filmes war dann nochmal um einiges großartiger. Passieren tut nicht mehr viel, es ist ein elegischer Abgesang auf das Leben selbst, eine Meditation über Tod, Altwerden, Sterben und Sinnlosigkeit.
      Ich schließe mich dem jetzt einfach an. De Niro als ewiges Arbeitstier, zerrissen zwischen der Loyalität zu Hoffa und Buffalino, spielt großartig. Pacino zuzuschauen bei dem, was er nun mal grandios kann, hat einfach nur unfassbar Spaß gemacht. Joe Pesci in dieser ruhigen und doch unglaublich bedrohlichen Rolle wiederzusehen, hat gut getan. Alles für die Familie? Am Ende heißt es alles für einen simplen Rückruf der Tochter (vergeblich)
      Ein Fest für Cineasten!
      Heute Abend schaue ich "Der Leuchtturm" von Robert Eggers mit Willem Dafoe und Robert Pattinson. Gedreht mit antiken Originalobjektiven der s/w-Ära. :sofa1:
      „Music is a nexus. It's a conduit. It's a connection. But the connection is the thing that will, if we can ever evolve to the point if we can still mutate, if we can still change and through learning, get better. Then we can master the basic things of governance and cooperation between nations.“ - John Williams
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      Ich bin ja so happy mit den städtischen Büchereien Wiens.
      :verbeugung1:
      Soeben geglotzt:

      Germaine Dulac
      La Souriante Madame Beudet (1922)
      L'invitation au voyage (1927)
      La Coquille et le Clergyman (1928)

      Charles Dekeukeleire
      Combat de boxe (1927)
      Impatience (1928)
      Histoire de détective (1928)
      Visions de Lourdes (1932)

      Henri Storck
      Images d’Ostende (1929)
      Pour vos beaux yeux (1929)
      Histoire du soldat inconnu (1932)
      Sur les bords de la caméra (1932)

      Henri d’Ursel
      La Perle (1929)

      Ernst Moerman
      Fantômas (1937)
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
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      Oh ja oh ja, "Der Leuchtturm" interessiert mich auch brennend, schon seit ich zum ersten Male drüber Vorbericht gelesen hatte irgendwann im Spätsommer (von uralten Kameras und stummfilmartigem Bildformat stand da noch nix, das macht es noch interessanter). Hoffentlich läuft er länger als eine Woche, denn vor kommenden Freitag wird es bei mir nix...

      Morgen geht's mit meinem Sohn ins Kino (er ist 18 und Bildformat sowie s/w, da hat er nix von :D , also geht's in die aktuelle Stephen King Verfilmung "Dr. Sleep"), immerhin wie ich lese ein sorgfältig gemachter 150minüter und der Roman gehört zu den, ich sag mal, weniger mißlungenen unter den späten des King. Ich erwarte fette Unterhaltung mit etwas Tiefgang. Und einen schönen Abend.


      Hier eingetroffen und neu für mich im Rahmen meiner Scorcese-Exegese:



      Werde ich mir wohl aufgrund der Länge heut Abend nach dem Spätdienst nicht mehr antun, ich brauch fetten Sound und habe Nachbarn, aber dieser Film kommt morgen sofort in den Player (soviel zu "eben" geglotzt :D )


      Cineastischen LG :)
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      (Shunryu Suzuki)
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      putto schrieb:

      Ich bin ja so happy mit den städtischen Büchereien Wiens.
      Ich werde auch ganz grün vor Neid. :D Wobei mich als Landei eine städtische Bücherei weniger betrifft, aber ich sprach heute gerade mit einem Freund aus Hamburg über die Öffentliche Hauptbücherei dort. Da ist schon das Filmangebot aus den 30iger und 40iger Jahren sehr überschaubar will man denn sie auch noch mit deutscher Tonspur sehen.

      :wink: Wolfram
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      "Der Leuchtturm" - von Robert Eggers

      Dieses mittlerweile erfreulich ausfallende Filmjahr ist um eine echte Perle reicher geworden.

      Cineasten und Freunde des experimentellen Horrors horcht auf: Ja, dieser Leuchtturm will betrachtet werden. Denn schnell schlägt das Filmherz höher, wenn einen die ersten 10 Minuten bereits derartig fesseln und in fast schon ungläubiges Staunen versetzen, mit solcher stilsicheren Perfektion präsentiert sich hier die ungewöhnliche Form. Und diese Form folgt dem Inhalt und wird dadurch mehr als gerechtfertigt.

      Dies ist ein Film eines jungen Regisseurs mit beeindruckendem Talent, welcher aber nicht bloß damit angeben will, sondern den Zuschauer vollends von seiner Vision überzeugen kann. Zumindest ging es mir so.

      "Der Leuchtturm" wirkt wie ein expressionistisches Spätwerk der 30er Jahre, welches nun zufällig wiederum sehr spät in die Kinos kommt. Gedreht wurde mit speziellem S/W- Film und original Objektiven und Filtern, zudem im 1:1,19 Bildformat (fast quadratisch). Der Regisseur kennt seine Vorbilder genau, von Caligari bis Mabuse. Und doch wirkt der Film modern und furchtlos. Das Sounddesign ist dabei phänomenal gut, noch immer dröhnt das immer und immer wieder auftönende Nebelhorn in meinen Ohren.

      110 Minuten lang schaut man den 2 überragend spielenden Schauspielern beim Abdriften in den Wahnsinn zu, lacht mit ihnen, fürchtet sich noch mehr um sie. Eggers schreckt weder vor deutlichen Allegorien und Symbolen zurück (der Leuchtturm als Phallus, toxisch gestimmte Männer unter sich und in Konkurrenz zueinander), noch scheut er Witze über Willem Dafoes Furze und seine schlechten Kochkünste. Die Umsetzung von alldem ist, wie schon gesagt, großartig und absolut selbstbewusst im Stil.

      Auch schafft es Eggers hier genug Augenzwinkern einzubauen, um die beinahe parodistischen Dialoge (von Dafoe vor allem) nicht zu prätentiös wirken zu lassen. Ein Beispiel:
      "Und wenn ich sage, du ziehst jeden einzelnen elenden Nagel aus jedem einzelnen vermoderten Nagelloch und lutscht sie bar jedes Fleckens Rost, so dass der Haufen Nägel funkelt wie ein blanker Pottwal-Pimmel und du daraufhin die Anlage der Leuchtturm-Station von Neuem aufbaust und das Ganze dann gleich wiederholst, dann tust du es! Und bei Gott und bei den Göttern, tu es auch mit einem Lächeln, denn es wird dir gefallen! Es wird dir gefallen, weil ich es so will!"

      Genug geschrieben. Vorstellung suchen, Ticket kaufen!
      „Music is a nexus. It's a conduit. It's a connection. But the connection is the thing that will, if we can ever evolve to the point if we can still mutate, if we can still change and through learning, get better. Then we can master the basic things of governance and cooperation between nations.“ - John Williams
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      Erfreulich ausfallendes Kinojahr? Das ist aber zart ausgedrückt. Ich kann mich seit Äonen an kein vergleichbares erinnern...

      Doris Dörries "Kirschblüten und Dämonen" gleich im Januar (ok bei Doris Dörrie bin ich so unobjektiv wie Liebe es eben mit sich bringt :)

      Jarmusch mit The Dead Dont Die

      Tarantino mit "Once Upon A Time In Hollywood"

      "Parasite" (!!!)

      "Midsommar" - auch so ein experimenteller, beeindruckender Horrorfilm

      The Irishman

      Joker (für mich mit Einschränkungen allerdings, aber schon gut)

      Burning - diese 150minütige Verfilmung einer 12seitigen Murakami Story war auch groß...

      Der Leuchtturm (noch nicht gesehen aber ich glaub das unbesehen)

      ... Und sogar Terminator 6 war angenehm selbstironisch und knüpfte nahtlos an die ersten beiden Teile an...


      Dies Jahr brachte eine reiche Ernte! Und dann gucken die alle diese Marvel-Suoerheldensachen und warten auf Star Wars Teil CXVIII oder so 8|

      Alles was ich aus dieser Auswahl auf dvd kriegen kann (abgesehen vom Terminator allerdings) will ich hier haben. Oder hab es schon. Beim Irishman hilft da wohl nur Beten...

      Heut Abend hab ich eine Verabredung mit einem Freund, der allem was mit Horror zu tun hat abgeneigt ist. Aber ich werd mal versuchen ihn ins Abaton in den Leutturm zu überreden :D


      LG :)
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      (Shunryu Suzuki)
    • Neu

      Doch, und, auch ES2 war nicht wirklich schlecht und ein Event allemal. Den hab ich vergessen :D

      Geht ja nicht immer nur um Kunst sondern auch um Spaß...

      Ein überragendes Kinojahr!


      LG :)
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      (Shunryu Suzuki)