Eben geglotzt

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    • Westward Ho!



      Von Zeit zu Zeit stolpere ich über Raoul Walsh (Renegeration 1915 oder erst kürzlich Pursued 1947) und bin begeistert. Ein Meister der klaren, sorgfältig komponierten Bilder, der Geschichten, die klar und logisch erzählt werden, der Action, die aus den Charakteren heraus entwickelt werden, der Unaufdringlichkeit.

      'The Big Trail', 1930 gedreht und damit der erste epische Tonfilm-Western, zudem der erste mit John Wayne in einer Hauptrolle, ist zunächst einmal eine der später so typischen Treck-Geschichten. Künftige Siedler ziehen von A nach B und durchleben alle möglichen Gefahren um letztlich, wenn auch leicht reduziert, am Zielort glücklich zu werden. Dazu kommt die übliche 'Bevölkerung'. In der Oper wären das Tenor und Sopran, beide gut, beide kriegen sich, Bariton und Bass, beide schlecht und beide büßen das und der Buffo-Tenor, der für die Heiterkeit sorgt. So weit, so gut oder schlecht oder langweilig, wie man will. Nur 1930 war wohl noch nicht viel mehr drin.

      Aber dann kommt eben die Inszenierung hinzu und die ist wirklich bemerkenswert. Walsh, als Jahrgang 1887, hat noch Wounded Knee erlebt, hat als Cowboy und Rodeo-Reiter gearbeitet, wusste also, wovon er sprach. Diese ganzen Treck-Szenen atmen eine unglaubliche Authentizität, was durch das Setting, die Kostüme, die Einstellungen deutlich wird. Selten habe ich das Leid der Siedler so unsentimental und doch so realistisch erlebt, die Strapazen, die Quälereien. Selten wurde der Beitrag der Frauen an dieser körperlichen Schinderei aber auch so deutlich oder auch ein Angriff auf eine Wagenburg aus der Sicht der Indianer gezeigt und dabei eben nicht nur aus der der sich verteidigenden und mit jedem Schuss drei 'Wilde' flachlegenden Weißen. Übrigens gibt es keine Wertungen in diesem Film, bis auf Bariton und Bass. Allerdings wird zu Beginn sehr deutlich gesagt, dass das angestrebte Ziel Indianerland ist. 'Und wem gehört es?' ist dann die entsprechende Frage. :D Die Hauptperson, John Wayne, gibt sich allerdings von vornherein als Indianerfreund zu erkennen, die ihm eigentlich alles beigebracht haben, was wichtig ist.

      Was einen aber auch immer wieder in Staunen versetzt, ist der unglaubliche Aufwand, mit der das ganze Geschehen in Szene gesetzt wird und was natürlich auch zu dieser Authentizität beiträgt. Die Masse an Fahrzeugen, die überwältigenden Totalen, der Kampf des Trecks mit dem Matsch, der Angriff auf die Wagenburg, das Abseilen des gesamten Trecks einen unendlich langen Hang hinunter, die Durchquerungen der Flüsse usw. Und das alles ohne Computeranimation. :D

      Insgesamt auch heute noch ein sehr sehenswerter Film als solches, aber natürlich bezüglich des Western-Genres als ernstzunehmende Kunstform ein Meilenstein!

      :wink: Wolfram
    • ​Der große Treck (1930)

      Ja, das ist ein beeindruckender Reigen, den Walsh da inszeniert hat. Vor allem die Grandeur-Fassung (70 mm) ist visuell bemerkenswert arrangiert. Und der Film wurde während der Weltwirtschaftskrise produziert - Kosten, die er letztendlich nicht einspielen konnte. Aber für solche Projekte war Hollywood eben auch zu haben.
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    • Josquin Dufay schrieb:

      Und der Film wurde während der Weltwirtschaftskrise produziert - Kosten, die er letztendlich nicht einspielen konnte.
      Das Jahr darauf hat Hollywood bei 'Cimarron' ja versucht, kräftig nachzuhelfen und ihn zum 'Besten Film' gekürt. Hat aber an der Kinokasse wohl auch nicht viel geholfen.

      Danach war dann bis 1939 ja auch erstmal Schluss mit großangelegten Western.

      :wink: Wolfram
    • Und weiter ging es heute in diesem Genre:



      Zwei Wochen war Howard Hawks mit dem Stoff beschäftigt, dann übernahm Howard Hughes selber die Regie. Der Film war mehrere Jahre in den USA verboten, offiziell sozusagen weil die von Hughes gepuschte Oberweite von Jane Russel zu viel für die Zensur war, inoffiziell wohl eher wegen einiger Szenen, die dem anständigen Sexualempfinden nicht zumutbar waren. :D Als er übrigens dann endlich in die Kinos kam, war er ein ziemlicher Erfolg.

      Zwei Dinge an diesem Film sind nach mein Empfinden bemerkenswert, nein, eigentlich drei.

      1.) die Kamera von Gregg Toland
      2.) eigentlich ist es eine schwule Dreiecksbeziehung, zu der die Protagonisten erst langsam gelangen
      3.) ein bemerkenswert schlechter Film :D Jane Russel in ihrer ersten Rolle behauptet sich sehr gut gegenüber dem Hauptdarsteller, was nicht schwer fällt und auch einigermaßen gegenüber Walter Huston und Thomas Mitchell, wobei Huston eigentlich die einzig bemerkenswerte Leistung abliefert. Die Story an sich ist seltsam, höchstens als Parodie akzeptabel, die Musik mit dem ewigen Tschaikowsky-Motiv nervig und die Inszenierung durch Howard Hughes ziemlich holperig.

      Leider hatte der Film auch noch Überlänge. X(

      :wink: Wolfram
    • Neu

      'Zähle drei und bete'

      Was für ein schwachsinniger deutscher Titel, wenn das Original schlichtweg '3:10 to Yuma' heißt. ^^



      Zunächst einmal ein wirklich beeindruckender Film mit einer grandiosen schauspielerischen Leistung durch Glenn Ford. Eigentlich mag ich ihn in all seinen 'netten' Rollen gar nicht mal so sehr, aber hier als Bösewicht ist er wirklich grandios.

      Der Film selber ist sicherlich einer der besten von Delmer Daves, aber insgesamt finde ich ihn zu uneinheitlich. Grundsätzlich toller Film, aber wenn man genauer hinschaut, hapert es hier und dort. Abgesehen vom Ende, dass doch ein wenig zu 'nett' ist, hatte ich immer das Gefühl, dass Daves einerseits wirklich eindrucksvolle Momente gelingen (und da gibt es verdammt viele), was Komposition, Kameraeinstellung, Tiefenschärfe etc. angeht, andererseits er aber auch immer wieder in ein ziemlich banales, weil klassisches Filmen zurückfällt. Hätte er es nur durchgehalten oder hätte er mehr Mut gehabt (oder hätte er vielleicht einen wagemutigeren Produzenten gehabt); ich weiß nicht, woran es lag. Aber, so spannend und toll die Story erzählt wird, es hätte mehr draus werden können.

      Trotzdem ist es ein sehenswerter, eben beeindruckender Western, wenn für mich auch nicht ganz oben anzusiedelnd.

      :wink: Wolfram
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      Heute ein weiterer 'Treck-Film':



      Von vielen Kritikern als einer der großen Western der 50iger Jahre gepriesen, was ich so nicht unterschreiben würde. Die Story ist zwar klar und professionell erzählt, bietet das gesamte Spektrum der üblichen Western-Ingredienzien, aber insgesamt schleppt der Film sich schon und die permanenten Gesangseinlagen Janes Russells machen es auch nicht besser. :D Clark Gable hat ein paar witzige Antworten auf Lager, aber diese kurzen, prägnanten Zeilen konnte John Wayne doch besser servieren.

      Was den Film aber weiterhin anschauenswert macht, sind die unglaublich tollen Aufnahmen während des Viehtrecks, der wohl einer der größten in der Hollywood-Geschichte war. Das ist schon unglaublich imposant und man bedauert den 'kleinen' Bildschirm. Gerade auch die Stampede am Ende des Films ist schlichtweg fulminant. Aber insgesamt greife ich dann doch lieber zu anderen Western aus dieser Zeit.

      :wink: Wolfram
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      Gestern haben wir uns William Wylers "Ein Herz und eine Krone" von 1953 mit Audrey Hepburn und Gregory Peck in den Titelrollen angeschaut.

      Es ist schade, dass er nicht in Farbe gedreht wurde; gerade zu diesem Thema würde dies gut passen. Aber aus finanziellen Gründen soll Wyler wohl auf Schwarzweiß zurückgegriffen haben...

      Es ist ein seichter und unterhaltsamer Film ohne schwache Momente. Die Hepburn spielt fantastisch; leider empfinde ich das bei Gregory Peck nicht so sehr. Er wirkt mir, wie in mehreren anderen Filmen auch, allzu hölzern. Schade, dass Cary Grant abgesagt hat; mit ihm wäre der Film bestimmt noch lebendiger und emotionaler geworden. Aber auch so habe ich, besonders wegen des dynamischen Drehbuchs, der Hepburn und der gefühlvollen Kameraführung, 8/10 Punkte gegeben.



      Uwe
      Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen.

      (Franz von Assisi)
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      Wolfram schrieb:

      Bei mir weiter mit Anthony Mann:



      Interessanterweise hatte sich Fritz Lang die Rechte am Stoff gesichert, aber durch Probleme mit der Finanzierung verfiel seine Option und der Stoff geriet an Anthony Mann. Laut Wikipedia läutete dieser Western (1950) die große Zeit dieses Genres in den USA bis in die 60iger Jahre hinein ein, was ich so eigentlich nicht unterschreiben würde. 'The Big Trail', 'Stagecoach', Red River', 'Red River' oder 'Rio Grande' wurde vorher produziert.

      Aber mit Sicherheit gelang Mann hier (übrigens erste Zusammenarbeit mit James Stewart) ein Western der besonderen Art, was Psychologie, Thematik, Inszenierung und Optik angeht. Und auch hier wieder einmal das große Thema des Western, der unabhängige Einzelgänger und die sich langsam formierende Gesellschaft. Übrigens ein Thema, das wohl nie seine Aktualität verlieren wird, auch wenn die Gesellschaften in der Regel heute klar strukturiert sind.
      Ich habe den an Neujahr (oder wann auf Arte der Westerntag war) seit Jahrzehnten, vermutlich seit der Teenagerzeit zum ersten Mal wieder gesehen und war ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Das mag auch an verklärender Erinnerung gelegen haben, weil diesem Film mit dem Gewehr, das wie Tolkiens Ring der Macht von allen begehrt wird, aber niemandem Gutes bringt, als besonders gut abgespeichert hatte. Diesmal fand ich das ein bißchen sehr konstruiert (inkl. der anhand der Andeutungen kaum verstehbaren Vorgeschichte der Antagonisten).
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
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      Kater Murr schrieb:

      Diesmal fand ich das ein bißchen sehr konstruiert
      Das gilt sicherlich für die meisten Geschichten, in denen ein Gegenstand von Hand zu Hand geht um am Ende wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Wenn es wenigstens in Malta oder Andorra spielen würde, aber in den gigantischen Weiten des Wilden Westens. Klar, kann ich verstehen, hat für mich aber nicht die Rolle gespielt. Andere Aspekte fand ich da wichtiger.

      Mir erging es dabei ähnlich wie dir. Als Jugendlicher gesehen und toll gefunden, dann ein paar Jahre später erneut und fragte mich, warum der Film diesen Ruf hat. Aber nun hat er mich wirklich umgehauen und ich sah ihn, als hätte ich ihn vorher noch nie gesehen.

      :wink: Wolfram
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      Hier ein extrem meisterhafter aber auch extrem belastender Dreistünder - vor Monaten bestellt aber erst heute hatte ich die Energie den mir anzutun.



      Wird lange nachhallen. Darf man so einen Film drehen? Sollte man es am Ende? Ich sag erstmal ja... Ob man ihn sehen will/kann/ ist nochmal ne andre Sache. Ich persönlich fühle mich bereichert, aber nicht auf angenehme Art.

      Auf den :) am Ende verzichte ich diesmal, es wär irgendwie unpassend.


      LG
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
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      Heute mal wieder John Wayne:



      Ein sehr später John-Wayne-Film (1972) und irgendwie auch ungewöhnlich, wenn man sein Ende sich anschaut.

      Aus bestimmten Gründen muss der Wayne-Charakter einen Haufen von Kindern und Jugendlichen für einen Viehtreck engagieren. Dann gibt es natürlich noch die Verwicklungen mit den Bösewichtern, erzieherische Maßnahmen und zum Schluss einen ungewöhnlichen Showdown.

      Eigentlich ist das ein ganz rührender Film. Schon Beginn an gibt es diese Stimmung von Altsein und von Weiterreichen der 'Fackel' an nächste Generationen. Und das zieht sich durch den ganzen, sehr liebevollen und durchaus auch witzigen Film hindurch, bis zum 'bitteren Ende', das vielleicht rührselig, aber eigentlich auch sehr traurig ist.

      Ein ungewöhnlicher John-Wayne-Film, den er Jahre vorher so wohl nicht gemacht hätte. Was den Western angeht, waren seine letzten künstlerischen Höhepunkte eigentlich 1962 'Liberty Valance' und 1966 'El Dorado'. Alles was danach als Western kam, war mehr oder weniger gut gemachte Unterhaltung. 'Die Cowboys', 'True Grit' und vielleicht 'The Shootist' fallen da ein wenig heraus, aus unterschiedlichen Gründen.

      :wink: Wolfram
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      Ein Jahr vor Ben Hur drehte Wyler diesen monumentalen Western.



      Wyler war einfach verdammt gut, was man auch hier wieder merkt. Anders als bei den letzten Western, die ich sah, hatte ich hier sofort das Gefühl, dass jede Einstellung genau komponiert und überlegt war. Zudem bietet er blendende schauspielerische Leistungen, großartige Landschaftsaufnahmen und v.a. ein packenden Thema. Die Idee einer anderen zivilisatorischen Haltung bricht in die starre Verhaltenswelt des amerikanischen Südens ein. Wunderbar diesbezüglich, wie er den Faustkampf zwischen Peck und Heston dreht. Endlich einmal kein Haudrauf, um die Handlung auf zu mobben, sondern Wyler zeigt immer durch die die extreme Ferne der Kameraposition, durch das Platzieren der Beiden die Absurdität dieser Auseinandersetzung.

      :wink: Wolfram
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      Heute zur Abwechslung einen 'modernen' Western:



      Schöne Darstellung des 'folkloreträchtigen' Cowboymilieus im XX. Jhrdt. Sehenswert aber durch die schauspielerische Leistung Don Murrays und v.a. durch das, was die Monroe bietet. Wie sie die talentfreie, sehr naive 'Cherie' proträtiert ist wirklich großartig. Nun könnte man vielleicht einwenden, sie hätte eigentlich in großen Zügen ihr eigenes Leben spielen müssen. Stimmt in so fern, dass das alles ihr nicht ganz unbekannt war. Und trotzdem ist dies eine sehr reflektierte, nuancierte Arbeit, die weit über das hinaus geht, was sie bis dato auf der Leinwand gezeigt hatte.

      :wink: Wolfram