Eben geglotzt

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    • Josquin Dufay schrieb:

      Die Zwischentöne sind sicher sehr subtil, aber vorhanden.
      Dann sind sie jedenfalls sehr gut verborgen. :D Ich hätte mir z.B. gewünscht, dass der Film mal ein wenig auf diese Männerfreundschaft eingehen würde und was genau dahinter steckt. Obwohl sie sich ab und an anzicken, sind sie ja eigentlich ein absolutes Dreamteam. Warum eigentlich und warum funktioniert diese 'Ehe zu Dritt' so ausgezeichnet? Das wird einfach nur in den Raum gestellt. Natürlich ist es eine Komödie, aber auch als solche könnte es tiefschürfender sein.

      Josquin Dufay schrieb:

      Nee, das muß ein anderer Film gewesen sein...
      Du ahnst nicht, wie alt ich bin. :D

      Josquin Dufay schrieb:

      Ohnehin funktioniert dieser Film so dermaßen abseits der üblichen Western-Klischees, daß er auf die normale Art nicht ansehbar ist.
      Bin ich mir gar nicht sicher, obwohl es ja kaum Western-Komödien gibt, die a) gut sind und b) abseits von Klischees spielen.

      Der Film war ja ein Riesenerfolg, was aber, denke ich, mit der Entstehungszeit zusammenhängt. '68 und so. Ob man das heute noch so sieht, ich weiß es nicht. Ich fand ihn insgesamt nett und das als Kompliment ist nicht nett. ^^

      :wink: Wolfram
    • Heute blieb ich bei Western und bei Paul Newman:



      Auch ihn habe ich als Jugendlicher zunächst im Kino gesehen, fand ihn überwältigend und der Eindruck bestätigt sich bei jedem weiteren Ansehen. Auch wenn die Figur des 'Hombre' durchaus auch zwiespältig gesehen werden kann. Trotzdem ein exzellent inszenierter Film.

      :wink: Wolfram
    • Eine Lanze für Butch & Sundance

      "Butch Cassady & Sundance Kid" liebe ich sehr. Was damit zu tun haben mag, daß das einer derjenigen Filme ist, die ich 1000 mal im Magazin gesehen hab in meiner manischen Teeniezeit. Aber er funktioniert auch heute noch für mich (was nur noch für b wenige Western gilt und für gar keine Westernkomödien, das ist ein Genre welches ich in etwa so mag wie die Verbindung zwischen Rock und Klassik). Atmosphärisch ungeheuer intensiv die Phasen in denen die beiden von den Pinkertondetektiven verfolgt werden, ein bißchen abgründig die Bolivienpassagen (obwohl man gerade da mehr hätte rausholen können), super gespielt. Ein fluffiger Wohlfühlfilm ohne viel Anspruch, aber auch daß macht Kino ja aus, handwerklich fehlerlos und mit Herz gemacht. Dazu meine Erinnerungen, die sind ja subjektiv, aber ich sage: eine runde Sache und Daumen hoch für diesen Film :D

      (man verdirbt ihn sich ja nur wenn man immer überlegt, was wohl Peckinpah aus den Boliviensachen hätte machen können. Aber dann wärs ein ganz anderer Film.)


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Von Okamoto ist wohl 'Sword Of Doom' am bekanntesten . Aber mir gefällt 'The Human Bullet (Nikudan) aus 1968 noch besser . Glücklicherweise gibt es ihn aus der Tube . Mit jedem Anschauen wird der Film noch besser . Gerade wieder hin und weg .
      youtube.com/watch?v=RQ14BVMEFNY

      Aber am besten gefällt mir 'Fort Graveyard ' ( Chi to suna ) aus 1965 , den ich ja schon mehrmals erwähnte . Ein überzeugender Anti-Kriegs-Film , und dazu noch hochmusikalisch .
      youtube.com/watch?v=kG-c0Q25W5A

      Auch andere Filme von Okamoto sind gut , jedoch scheint man ihn nicht so auf der Rechnung zu haben . Aber allein für die drei von mir genannten Filme müßten ihn eigentlich viel mehr schätzen . Aber das Schema kennt man ja auch aus der Musik .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
      My mask is my master - K. Ayers (It begins with a blessing but it ends with a curse)
    • Für mich:

      Weil Western ein bestimmtes (wenn auch überkommenes, peinliches, veraltetes etc pp) Männerbild transportieren, das zwar ebenso veraltetet ist wie ein Dinosaurierskelett, aber trotzdem (jedenfalls auf mich) eine gewisse Faszination ausübt(e). Kann mir schon vorstellen daß das Frauen, die nicht ausgesprochen feministisch sind, bei Liebeskomödien nicht ganz anders geht. Man sieht das zwar mit einer ironischen Distanz aber... Hach... Irgendwas spricht das an :D

      Jedenfalls mir geht's so. Und daraus dann eine Komödie machen funktioniert nicht. Es gibt Identitätsversicherungen, mit denen scherzt man nicht :D

      Denn das führte diese dunkle (halb eingestandene? einem peinliche weil man ja längst intellektuell schon weiter war? Oder sich wähnte? Unkorrekte?) - - - jedenfalls Faszination ad absurdum. Und so absurd sie auch objektiv sein mag, sie hat doch ihren eigenen Wert. Eine Art Selbstvergewisserung.

      Das alles ist sehr subjektiv. Ich mein ja nur mich. Aber objektiv läßt sich ja feststellen, daß das alles nicht mehr zeitgemäß ist und daß dieses Kerngenre, seit das so ist, in einem permanenten Niedergang sich befindet.

      Verkürzt gesagt: Lern mal in ner Bar ne Frau kennen und sag du magst Western :D wenn du dann Butch Cassidy & Sundance Kid vorführst hast nicht alles verloren. Aber den Pale Rider? Besser lassen...


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Argonaut schrieb:

      Die Auffassung, dass es ein richtiges Denken gibt, das für die ganze Welt und für alle Zeiten gilt, ist zwar sehr christlich (und eine der wichtigsten Auffassungen für die Verwüstung und Unterwerfung der ganzen Welt durch das christliche Abendland)

      Die "ganze Welt" ist durch das christliche Abendland verwüstet und unterworfen worden? Wann soll das denn passiert sein? Wann wurde z. B. China christlich besiedelt? Oder Japan?

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Interessante Analyse, die sicherlich etwas für sich hat.

      garcia schrieb:

      Aber objektiv läßt sich ja feststellen, daß das alles nicht mehr zeitgemäß ist und daß dieses Kerngenre, seit das so ist, in einem permanenten Niedergang sich befindet.
      Aber inwieweit ist denn das Männer- und Frauenbild in Gangsterfilmen noch zeitgemäß? Will sagen, dieses Genre betrifft ein verändertes Rollenverständnis ja auch. Und nicht nur, dass die weiter lustig produziert werden, es gibt ja nun auch haufenweise Komödien und Parodien.

      Ich glaube nicht, dass der Niedergang des Westerns etwas mit der Zeitgemäßheit zu tun hat. Eher etwas mit Übersättigung. Der Western von heute ist das Action oder Fantasy, in denen männliche und weibliche Rollenbilder ja nun auch nicht gerade supermodern sind. Aber auch diese Wellen werden irgendwann vorbei sein, so wie die Sandalen- oder Katastrophenfilme.

      garcia schrieb:

      Verkürzt gesagt: Lern mal in ner Bar ne Frau kennen und sag du magst Western wenn du dann Butch Cassidy & Sundance Kid vorführst hast nicht alles verloren. Aber den Pale Rider? Besser lassen...
      Eine sehr emanzipierte Freundin von mir wollte gerade dringend meinen ganzen Schatz an Leones und Corbuccis ausleihen. Davor war übrigens der späte John Wayne dran gewesen. :D Ich kenne schon einige und die sind nicht dafür bekannt bei uns, dass sie am liebsten seine Socken stopfen. ;)

      :wink: Wolfram
    • Heute mal 'was richtig Gutes:



      Endzeit! 'Erbarmungslos' räumt Eastwood ja mit allen Mythen, Legenden, Klischees des alten Western auf und zerstört sie geradezu lustvoll. Das ist großartig und sehr überzeugend. Aber er geht ja noch weiter. Er zeigt eben auch welche Grundlagen der heutige amerikanische Staat eigentlich hat und in manchen Szenen fragte ich mich wirklich, wo denn nun eigentlich der Unterschied zu den jetzigen Verhältnissen liegen würde.

      Ein toller Film, aber eigentlich auch ein Endpunkt des Westerns. (Und in 'Brokeback Mountain' sind die Cowboys dann auch noch schwul. Was soll dann noch kommen? ^^ ) Ohne die Tradition des klassischen Westerns wäre dieser Film nicht denkbar, aber er beendet sie dann auch. Fraglich, ob sich das Genre nun noch einmal zu einer völligen Neuorientierung aufschwingen kann. Ich befürchte nicht, weil es dafür im Gesamtangebot des Films zu unbedeutend geworden ist. Da wo der Western wirklich groß war, hat er immer entweder aktuelle Fragen aufgegriffen oder Menschheitsfragen thematisiert. Das geschieht heute aber in anderen Genres. Von daher bleiben nur relativ klassische Geschichten mit klassischen Helden und denen hat 'Erbarmungslos' eigentlich den Garaus gemacht.

      Aber, wie gesagt, ein toller und auch wichtiger Film. Und ein Schauspielertrio, das überragend agiert.

      :wink: Wolfram
    • Ein interessanter Einwurf, daß das Komödienmachen bzw die Ironisierung bei Gangsterfilmen ja auch funktioniert.

      Ohne spontan eine Antwort zu haben doch ein spontaner Gedanke:

      1. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Gangsterfilmen und Western ist, scheint mir, daß Gangsterfilme meist in der Gegenwart spielen, Western dagegen immer historische Filme sind (wenn auch die damalige Realität immer nur retuschiert und idealisiert dargebracht wird, aber darauf kommt es nicht an).
      2. Weil der Western also immer (auch) darstellen will und muß wie es so 1780 bis 1900 zuging braucht er Authentizität - oder wenigstens die Aura, die Illusion davon. Der Zuschauer muß sich in eine Zeit versetzt fühlen, die nichtmal seine Urgroßeltern erlebt hatten.
      3. Und dieses Element würde zerstört wenn man eine Komödie draus macht. Humor ist immer an seine Entstehungszeit gebunden. Da entstünde ein Bruch. Es ist dann zwar witzig, aber es ist kein "richtiger" Western mehr.

      Sind aber nur erste Gedanken dazu... Die beinharte Kopplung an ein beinhartes traditionelles Männlichkeitsideal ist natürlich auch nicht gerade humorfördernd. Guter Humor lebt ja von Doppelbödigkeit, Western von einer monolithischen Eindimensionalität, die seine Kraft ausmachen kann (Ausnahmen gibt's immer).



      Hier antiwesternartiges :D



      (Ehemänner und Ehefrauen gibt's scheinbar nur noch auf Blueray und auch da nur mit spanischem Titel auf dem Cover, alles andre wirft bei Amazon keine Bilder ab).

      Von diesen von mir so geliebten späteren Woody Allans einer meiner Favoriten. Eine Komödie, aber ganz schön bitter und geeignet jeden Glauben an so etwas wie Liebe massiv zu untergraben. Dieses Spiel zwischen Ernst und Spaß, diese blitzenden Dialoge (das Drehbuch würde auch ohne Film Freude machen), schauspielerische Leistungen die teils staunen machen... <3



      :)
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      (Shunryu Suzuki)
    • Dank dir für ein paar weitere Ideen. Ich habe ja auch keine Antwort und so komme ich mir schon ein wenig komisch vor, wenn ich deine Versuche ((du hast wenigstens welche) immer gleich kontere. ^^

      garcia schrieb:

      Der Zuschauer muß sich in eine Zeit versetzt fühlen, die nichtmal seine Urgroßeltern erlebt hatten.
      3. Und dieses Element würde zerstört wenn man eine Komödie draus macht. Humor ist immer an seine Entstehungszeit gebunden. Da entstünde ein Bruch. Es ist dann zwar witzig, aber es ist kein "richtiger" Western mehr.
      Ich finde, dass kann es auch nicht sein, denn einmal gibt es doch z.B. innerhalb des 'Kostümfilmgenres' genügend Komödien, die also in einer Zeit spielen, die wir alle nicht mehr erlebt haben. Und andererseits bleibt für mich die Frage weiterhin, warum es dann kein richtiger Western mehr wäre. Aber vielleicht kommen wir weiter, wenn wir einmal die Westernkomödien auflisten würden, die wir für gelungen halten, um genauer sehen zu können, warum diese funktionieren. Ich werfe mal 'Destry Rides Again' in den Ring.

      garcia schrieb:

      Die beinharte Kopplung an ein beinhartes traditionelles Männlichkeitsideal ist natürlich auch nicht gerade humorfördernd. Guter Humor lebt ja von Doppelbödigkeit, Western von einer monolithischen Eindimensionalität, die seine Kraft ausmachen kann (Ausnahmen gibt's immer).
      Naja, wie gesagt, das traditionelle, monolithische Männlichkeitsideal gibt es halt auch in anderen Genres und die bieten auch Komödien. Und wenn man an 'Manche mögens heiß' denkt, so war das Geschehen zur Entstehungszeit des Films ja auch schon Historie. Natürlich spielt er ganz stark mit Rollenklischees, aber was da funktioniert, könnte doch auch im Western klappen. Vielleicht ist aber auch der amerikanische Western zu sehr mit einem für viele (damals) positiven Rollenklischee behaftet. Es waren halt (im klassischen Western) keine Verbrecher, die zu Helden eines Films wurden, sondern 'wackere' Gestalten, die den amerikanischen Staat hervorgebracht haben. Und das Klischee dann zu hinterfragen, wäre beim Publikum nicht gut angekommen. Man macht sich halt über nationale Helden nicht lustig, sondern dann schon eher über nationale Verbrecher. Dies alles nur für den US-Western.

      :wink: Wolfram
    • Naja, aber Western war ja eigentlich immer ein sehr unbewegliches und starres Genre, soweit ich das jedenfalls seh (Du kennst dich da weit besser aus), in dem es ja schon Shocking war wenn Wayne mal ein rosa Hemd anhatte, oder irre ich mich sehr? Wogegen es im Gangsterfilm ja durchaus ein Spektrum gibt zwischen extremen Hardboiled und Melodram
      , und psychologischen kammerspielartigen Herangehensweisen und Maschinengewehrgarben ohne Ende. Das war nie so standardisiert.

      Aber ein Western ist ein Western (ich rede vom Alten Western). Weißer Hut, schwarzer Hut, etc.

      Das ironisiere mal ohne Substanzverluste... Es geht mit Humor in einem derart festgelegten Genre das sich halt via Humorlosigkeit strukturell definiert mehr vom Herzblut verloren. Auch ein lustiger Gangsterfilm ist ein Gangsterfilm wenn er gewisse Muß Sachen beachtet. Beim Western reißt schon ein kleiner Scherz Risse in die Fassade des Monolithischen.

      Ich kenne nur 2 die ich halbwegs mag, den Butch und den Mein Name ist Nobody. Zweiteres mit Einschränkungen. Aber ich bin auch alles andre als ein Kenner auf diesem Gebiet....


      :)
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      (Shunryu Suzuki)
    • Ich glaube, wenn wir alle das Original von 'Nobody' verstehen könnten, würden wir ihn wohl als wirklich großartige Komödie ansehen. Die deutsche Synchronisation hat da wohl Einiges versaut. Aber das nur nebenbei und außerdem ist die Westernkomödie außerhalb der USA vielleicht sogar noch ein anderes Thema.

      Ich glaube, wenn man sozusagen des 'Bodensatz' des Genres nimmt, dann ist das Genre wirklich sehr starr, was aber wohl für alle anderen Genres ebenso gilt. Dann gibt es aber auch die 'Ausreißer', die im Western gar nicht einmal so spärlich zu finden sind. Das mag mit dem Genre zu tun haben, mit herausragenden Regisseuren oder auch nur mit der langen Geschichte des Genres. Und schaut man sich diese 'Ausreißer' an, dann gibt es da eine faszinierende Bandbreite von Themen und Stilen. Das, was man von allen anderen Genres annimmt, findet man im Western genauso. Und bei John Ford hatte John Wayne oft genug ein 'rosa' Hemd an. ^^ Also all das, was du für den Gangsterfilm kennzeichnest, hat man auch im Western. Ford und Hawks, Fuller und Ray, Mann und Zinnemann, Peckinpah und Eastwood, Stevens und Walsh, .... Es gibt so viele Ausreißer, so viele, die das Genre auch immer wieder in eine andere Richtung gerückt haben, die Doppelbödigkeiten und Risse gezeigt haben. Nimm nur mal die Szene (Red River 1948)), in der Monty Clift und John Ireland ihre Revolver miteinander vergleichen. Also die Länge und die Wirksamkeit und wie man damit umgeht. Das ist einerseits unendlich schwul, andererseits eine hochgradige Männerfantasie. Aber wie das durchgespielt wird, zeigt eben, in seinen besten Momenten, die Vielschichtigkeit und Doppelbödigkeit des Western. Oder nimm 'Shane' von George Stevens, was eigentlich eine Vorwegnahme von Pasolinis 'Teorema' ist. Western in seinen großen Momenten ist eben großes Kino, großes Theater, große Oper, ist fast große 'griechische Tragödie'. Er ist nie 'starr', es sei denn in all den vielen, vielen 'Normalos', in all den Universal-Produktion, in halt der Massenware. Aber da unterscheidet er sich doch wohl kaum von allen anderen Genres.

      Übrigens ist Ironie und Selbstironie in vielen Western zu finden, ohne dass sie dadurch gleich zu Komödien wurden. Vielleicht, warum auch immer, erschöpft sich damit auch der Humor des Genres.

      :wink: Wolfram
    • Bei mir ging es heute mit Eastwood weiter:



      Vom Beginn war ich eigentlich sehr fasziniert, von dem religiösen Aspekt, der dort angesprochen wurde. Da dachte ich noch, dass das ja interessant werden könnte und war sehr gespannt. Aber bei der Überdeutlichkeit der Hinweise hätte ich vielleicht schon stutzig werden sollen. Im weiteren Verlauf entpuppte es sich doch mehr und mehr als ein sehr amerikanischer Film. Wenn du stark und mutig bist, wenn du allem ins Auge schaust, dann kannst du es schon schaffen, dann kannst du auch das Großkapital besiegen. Eine Deutung. Eine andere wäre, dass man einen Deus ex machina braucht, womit der Film, jedenfalls so, wie das alles dargestellt wird, doch wieder politisch sehr brav bleibt.

      Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich Eastwood zu viel vorgenommen hat und die einzelnen Stränge nicht verbinden kann bzw. nicht klar und radikal genug an die Handlung herangeht. So bleibt ein motivisch überladener Film zurück, der eigentlich nichts erreicht. Die notwendige Radikalität hat er dann letztlich in 'Erbarmungslos' erreicht oder gewagt und das ist dann wirklich eine ganz andere Sache geworden.

      :wink: Wolfram
    • Um einmal wieder diese Diskussion zu durchbrechen (vielleicht wären die Beträge zu Solaris in einem eigenen Thread besser aufgehoben, auch damit sie später besser nachgelesen werden können), hier mal wieder ein Film, den ich heute gesehen habe:



      Ein Film über Selbstjustiz, Rache, Recht, Gesetz in einer Phase der Staatenbildung. Vielleicht in manchen Bereichen sehr konstruiert, aber trotzdem wirft er immer wieder interessante Fragestellungen auf. Und es wird einem klar, woher diese oftmalige Brutalität, die noch immer im amerikanischen Alltag herrscht, stammt. Da scheint sich nicht viel verändert zu haben. :D

      :wink: Wolfram
    • Ich denke auch, die Solarisdiskussion, so spannend sie sein mag, sollte in einen eigenen Thread ausgelagert werden. Denn ich hab nen Film geguckt und möchte nicht stören :D



      Ist aber nicht ironisch gemeint. Die Diskussion ist sehr spannend, ich beteilige mich nur nicht weil es zu lange her ist daß ich den Solaris gesehen hab und das Buch kenne ich garnicht.

      Aber sie macht es ein bißchen schwierig hier Filme nur kurz vorzustellen. Und hat einen eigenen Faden mehr als verdient.


      :)

      Hinweis:
      Die Diskussion zum Film "Solaris" wurde in einen eigenen Thread ausgelagert, siehe
      hier. Weitere Diskussionsbeiträge zum Film "Solaris" erfolgen dann bitte dort.
      Lionel - Für die Moderation
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      (Shunryu Suzuki)


    • Das Verfluchte Haus
      Italien-Frankreich 1968

      Kryptisch, irritierend, enigmatisch - und dennoch ziemlich klar einer ganz präzisen Konzeption folgend. Elio Petri porträtiert einen Maler, der neue Inspiration für seine Werke auf dem Land finden will; seine Managerin und Geliebte erfüllt ihm den Wunsch und kauft ein einsam gelegenes Haus, nach dem er sich sehnt. Dort stößt er auf die Vergangenheit: im Haus lebte einst eine junge Frau, die dort durch einen Fliegerangriff ums Leben kam. Er sucht immer mehr nach ihren Spuren, ermöglicht dadurch auch neuen Antrieb in seiner Arbeit, doch gleichzeitig rutscht er mental immer weiter ab.

      Ursprünglich dachte ich, ich hätte einen typischen Genrethriller italienischer Machart vor mir, doch Un tranquillo posto di campagna ist deutlich mehr - oder genauer gesagt: etwas ganz anderes. Es ist das Portrait eines neurotisch veranlagten Künstlers, der nur in seiner eigenen Geisteswelt funktionieren kann. Seine Kunst, sein Weltbild, seine Leiden richten sich nach Inspiration aus, und Petri unterliegt die Inszenierung ganz dieser Sichtweise. Von Anfang an wirkt der Film wie eine Installation, und er gibt diese Künstlichkeit nicht auf - aber dadurch trägt er das ganze Korsett der assoziativen Bilder und des getriebenen Charakters des Protagonisten. Bemerkenswert ist dabei die Durchdringung der filmischen Realität, die ganz auf den Maler ausgerichtet ist: Irreales mischt sich mit vermeindlich Normalem zu einer Geschichte, die wie ein Krimi - ein Gialli - funktioniert, aber die Regeln des Genres sind aufgehoben und machen Platz für eine godardeske Stimmung. Petri schöpft tatsächlich sehr profund aus den damaligen letzten zehn Jahren der Filmgeschichte, setzt aber seine Techniken ganz gezielt ein. Das unterscheidet ihn etwas von Fellini, der zeitgleich den Satyricon fertiggestellt hatte: während dieser seinen Film als Traumwiese der Inspiration umsetzt, bleibt Petri nüchterner, exakter und erlaubt sich eine groteske Ironie.

      Nein, die damalige Zeit - 1968 - hatte Vieles neu ausgerichtet, und auch in Italien ging das nicht spurlos an den Filmemachern vorbei. Es war eine inspiriende Epoche, die ihren Zeitgeist in eine erstaunliche Form brachte. Ich hatte bisher nur Fellini und Pasolini auf der Rechnung gehabt - nun kommt Elio Petri dazu.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Nicht eben eine differenzierte, profunde filmische Untersuchung dessen was in der Hochfinanz wohl so alles falsch laufen mag.

      Aber ein vibrierender Trip. Reizüberflutend. Und ich fürchte, mehr ist wahr oder fast wahr als man befürchtet hätte.





      :)
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    • Neu

      Nun habe ich mir auch den wieder angeschaut:

      (in einer anderen Aufmachung auf Russisch mit italienischen Untertiteln)

      [...] Der urspr. hier geschriebene Text wurde wegen Verstoß gegen Forenregel Nr. 10 versplittert.
      Lionel - Für die Moderation


      Als nächstes kommt:

      Alles, wie immer, IMHO.
    • Neu

      Hier extrem bleihaltige Luft.


      (bei mir die alte DVD aus der Süddeutschen-Serie aber ich Find nur noch Blueray Bilder die Amazon unterstützt...)

      Und immer wieder der selbe Effekt: so sehr mich dieser Film in der ersten Stunde auch mitnimmt, immer wieder verliere ich irgendwann die Aufmerksamkeit. Irgendwas stimmt mit der Dramaturgie (für mich) nicht.

      Aber trotzdem ein großer Western. Allein die ersten 20 Minuten, der Überfall: die bösen Jungs, die den Raub machen, die noch böseren und alkoholisierten und kaputten Hilfssherrifs auf den Dächern, die allerkaputtesten Kinder (die nächste Generation) die lachend einen Skorpion in einem Ameisenhaufen quälen bevor sie dann Ameisen und Skorpion feixend in Flammen aufgehen lassen während ihre Eltern ein paar Schritte weiter aus Dummheit und Gier ein völlig unnötiges Blutbad anrichten. Dazu die Abstinenzlerparade... Besser kann man doch uramerikannische Widersprüche auf so kleinen Raum gar nicht in Bilder pressen. Krass...

      Ich finde wieder: der späte amerikanische Western, der vom billigen Italowestern die Eerbarmungslosigkeit gelernt und sich seiner Klischees entledigt hat, sich aber seines großen Erbes versichert, der ist der beste. Sogar ohne Clint (der hier auch mangels Helden nicht hineingepaßt hätte).

      Leichen pflastern seinen Weg, Ich Tom Horn und Little Big Man brauche ich unbedingt noch...


      :)
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