Eben geglotzt

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    • Weil 'Von Agenten gejagt' mit 68 Minuten nun wirklich ziemlich kurz ist, gleich noch den hinterher:



      Der letzte Film von Jacques Tati, v.a. für das Fernsehen produziert und bezugnehmend auf eine Tournee, die er durch Schweden machte.

      Wenn man Zirkus mag, ist er sicherlich witzig und ansprechend. Ich bin nun leider keiner Fan davon, war auch mit einer anderen Erwartung an den Film herangegangen und von daher ziemlich enttäuscht. Großartig seine Pantomimen, aber insgesamt ist das nicht mein Ding. ^^

      :wink: Wolfram


    • Godards bislang letzter Film, 2018 entstanden und somit das Werk eines 88-jährigen!

      Ich muss gestehen, ich habe ihn größtenteils nicht verstanden, intellektuell wie akustisch nicht.

      Ausgehend von den 5 Fingern, den 5 Sinnen zeigt Godard in 5 Kapiteln ... tja, was zeigt er? Es ist eine wilde Gedanken- und Bilderflut bestehend aus Texten, Filmausschnitten, Fotografien, Gemälden, Kommentaren, teilweise Photoshop-artig verändert. Es geht wohl um Wahrnehmung, natürlich um Kunst, um Präsentation, um das Kino, das Jahrhundert. Eigentlich geht es um alles. Ich steig da nicht durch. :D

      Ein Kapitel kam mir annähernd nahe. Den Titel weiß ich gar nicht mehr, aber es ging um die Symbolik und Bedeutung von Zügen. Und da offenbarte mir dieser Assoziationsrausch doch Einiges. Ganz anders das letzte Kapitel, in dem es um den 'Islamischen Frühling' geht und das ich dann als misslungen empfand, weil es viel zu gradlinig erzählt wurde.

      Das größte Problem war aber vielleicht sogar der Ton. Godard spricht den deutschen Kommentar selber. Nun ist es eben die Stimme eines 88ig-jährigen, gebrechlich, undeutlich, teilweise flüsternd und das auch noch in einer fremden Sprache. Also habe ich die Untertitel eingeschaltet und die sind wirklich katastrophal. Längst wird nicht alles untertitelt und wenn mal einer auftaucht, dann in der Regel mehrere Bilder und Worte nach dem eigentlich Gesagten und zudem in einer eher zusammenfassenden Art. Und so geht es die ganze Zeit. Godard war selber schon drei Sätze weiter, die Bilder eh, dann kamen endlich die Untertitel. Konfusion pur und das bei einem sowieso verwirrenden Film.

      Von daher kann ich ihn überhaupt nicht beurteilen. Als Werk eines fast 90-jährigen nötigt er mir höchsten Respekt ab, aber ansonsten drei '???'. ^^

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Den Titel weiß ich gar nicht mehr, aber es ging um die Symbolik und Bedeutung von Zügen.
      Das muß Schicksal sein:



      Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123
      USA 1974

      Hier geht es auch um einen Zug - einen entführten. Vier Männer übernehmen eine New Yorker U-Bahn und nehmen die Fahrgäste als Geiseln. Sie erpressen eine Million Dollar, vor 46 Jahren eine Menge Schotter. Und nein - es ist kein intellektueller Trip in die Köpfe der Täter und Opfer, kein Drama um die Angst der Gefangennahme. Es ist ein Thriller mit bemerkenswerter Kaltschnäuzigkeit und leicht derbem Humor. Nichts ist Godardesque daran... :D

      Aber er ist straight: perfekt abgestimmtes Unterhaltungskino mit klasse Darstellern und einem klaren Plot. Und so schnörkellos inszeniert, die New Yorker Atmosphäre so klasse einfangend, das Tempo so präzise hochhaltend, daß die 105 Minuten wie nichts dahinfliegen. Hollywood hatte dafür immer ein Händchen - und hier war es wirklich golden.

      Ich kann es nicht anders sagen: ich halte The Taking Of Pelham 1-2-3 für einen jener seltenen Glückskinder, wo alles zusammenkommt. Der Film will nicht mehr rüberbringen als das, was er erzählt, aber das macht er absolut überzeugend. Alle paar Jahre muß ich ihn wiedersehen, weil ich diese Art des Filmemachens einfach bewundere. Denn es gibt halt auch die ganzen kleinen Details: das Zusammenkommen in der U-Bahn als Gast oder Mitarbeiter, der Stress hinter den Kulissen, die blanken Nerven, wenn was schiefgeht; andererseits die Männer, die mit ihren Maschinenpistolen agieren und auch nicht frei von Nervosität sind. Die derben Sprüche der Amis gegen das konzentrierte Auftreten eines Engländers. Die Mimosen des Bürgermeisters gegen die Abgebrühtheit seines Stellvertreters. Der lässige Amerikaner gegen den aufmerksamen Japaner. Das alles verdichtet sich zu einem unkommentierten Porträt einer Großstadt, die jeden Tag aufsteht, arbeitet, feiert und schläft.

      Sicherlich viel für einen Thriller - aber es gibt nur wenige Filme, die soviel andeuten können, was hinter den Charakteren steckt. Das erhöht nämlich die Spannung ungemein.

      :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:
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    • Vor lauter Arbeiten und Lesen und Jazz hören bin ich lange nicht mehr zum Filmgucken gekommen. Kreative Pause. Heute ist mein Sohn zu Besuch und dann sucht er immer aus meinen Filmen aus, was heißt, daß es nicht allzu cineastisch aber unterhaltsam wird.

      Zur Pizza:





      :pop:
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Jetzt mag ich gar nicht mehr mit Godard kommen. ;)



      264 Minuten Geschichte(n) des Kinos. Puh, die Hälfte habe ich. Was nicht heißt, dass ich mich quäle. Im Gegenteil komme ich immer mehr in eine Art Strudel hinein, die mich selbst am heutigen Tag, an dem ich wirklich körperlich hart gearbeitet habe, fesselt.

      Formal ähnelt der Film dem 'Bildbuch', denn ich nun langsam ein wenig besser verstehe. Klar gibt es bei Godard keine konventionell erzählte Geschichte, zudem verweist der Titel ja schon auf Singular und Plural, aber Anekdoten darf man sich auch nicht erwarten.

      Der Film ist eine in unendlich viel Unterkapitel aufgeteilte wilde Melange aus Filmschnipseln, Fotos, Gemälden, Tönen, Texten, wobei letztlich eine große Sinfonie über das Kino entsteht. Wiederkehrende Themen sind das Bild, der Zuschauer, die Gegenwart des Kinos, die Zeit, die Kunst, das Gedächtnis, die Leinwand, ach, ich höre jetzt auf. Godard entfaltet wirklich ein Universum an Themen und Assoziationen, an Gleichzeitigem und Ungleichzeitigen. Man muss sich dem Film wohl wirklich wie einem Rausch hingeben (was Kino ja auch ist), ohne alles sofort analysieren zu wollen, wenn das überhaupt jemals geht, denn hier werden eben auch ganz stark die Sinne angesprochen. Ein sinnlicher Parforceritt durch 100 Jahre Kino.

      :wink: Wolfram
    • Kino in Corona Zeiten

      Neu

      Seit Anfang März liegt bei uns ein Gutschein für 2 Personen fürs CineMax, den CMS und ich von unserer Berliner Freundin K geschenkt bekamen.
      Dieses WE sollte er zum Einsatz kommen, aber das Kinoprogramm im CM ist einfach nur gruselig.
      Der DOC schlug dann vor, in einem anderen Kino den Film
      Master Cheng in Pohjanjoki von Mika Kaurismäki zu schauen.
      Es gibt nur wenige freie Plätze im Kino wg. der Abstandsregeln, ca. 1/3 und diese müssen vorher reserviert werden. Da ich Online buchte, ersparte ich mir die üblichen Namensanmeldungen.

      Doch es hat sich gelohnt. Ein liebenswürdige Komödie, die einigen Tiefgang aufweist, in den man aber nur sehr subtil Einblicke bekommt.
      Auch die dramatischen Höhepunkte sind so gesetzt, dass sie sich auflösen, bevor der Blutdruck zu sehr in die Höhe geschossen ist.

      Worum geht es?
      Master Cheng, ein Profikoch mit eigenem Lokal aus Shanghai verlor dort seine Frau bei einem Fahrradunfall, verlor den Halt und wurde von einem Gast aus Finnland namens Fongtrong quasi wieder in Leben geholt.
      Nun ist er mit seinem kleinen Sohn Niu Niu auf der Suche nach Fongtrong in Finnland in einem Kaff namens Pohjanjoki.
      Er macht in dem einzigen Lokal des Ortes halt.
      Dort kennt keiner Fongtrong und so will er wieder abreisen.
      Zufälligerweise kommt eine chinesische Touristengruppe an, die das angebotene Essen (Kartoffelmatsch, Rotkohlmatsch, dicke braune Soße, fette Würste) grausend ablehnt und Master Cheng bietet sich an, für die Gäste zu kochen.
      Damit beginnt die wundersame Heilung der Dorfbevölkerung durch chinesisches Essen und der Film nimmt liebenswürdig Fahrt auf.
      Mehr wird nicht verraten. Außer.....
      Natürlich gibt es ein Happy End.
      Ein Film mit "anschließend gute Laune" Garantie

      Gruß aus Kiel

      PS. Was ich in dem Film vermisst habe ist die entsetzliche Mückenplage im Norden Finnlands, grandios geschildert von Thomas Kapielski in seinem Buch "Gottesbeweise"
      Manchmal tue ich so, als wäre ich normal. Doch dann wird mir langweilig und ich bin wieder ich selbst.
    • Neu

      Komme gerade aus dem Kino, in dem der Klassiker "Spiel mir das Lied vom Tod" von Sergio Leone gezeigt wurde. Ich kenne zwar schon jede Szene, aber im Kino war immer noch viel Neues wahrzunehmen.

      Welch bild- und musikgewaltiger Film mit beeindruckenden Schauspielern. Toll, dass er wieder im Kino gezeigt wurde.

      Uwe
      Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.
    • Neu

      So, erstmal genug mit dem ganzen 'intellektuellen' Kino. ^^ Jetzt kommt das wahre Leben: ;)



      Die ersten Folgen schon gesehen und es macht wirklich Laune. Mit der Zeitmaschine zurück in die Kindheit.

      Ärgerlich nur, dass alle Folgen jeweils nur einen Track haben und v.a., wie bei so vielen Veröffentlichungen von ARD und ZDF (Staßenfeger, Barnaby, Vera, Stahlnetz usw.), dass es keine Untertitel gibt. An Schwerhörige scheint man nie zu denken. Beschämend.

      :wink: Wolfram