Eben geglotzt

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    • Ich fahre fort mit dem unvergleichlichen David Lynch, aber untypisch, ohne Alpträume, ohne unentschlüsselbare Chiffren, ein später Film in seinem Cuevre:


      A Straight Story.

      Und obwohl all das oben benannte hier nicht ist (er ist ohne Altersbeschränkung freigegeben) hat er dieselbe Meisterschaft, und auch die Lynchschen Schatten spielen ganz zart im Hintergrund mit hinein. Meisterhaft fotografiert, sowas kriegt mich immer. Ansonsten eine ruhige stille Geschichte mit einer herrlich knorrigen Hauptfigur um die skurrilen Seiten des Lebens. Dieser Film sollte, bei aller Unterschiedlichkeit, Menschen gefallen die eine Ader für die Sachen vom mittleren bis späten Jarmusch haben...

      Wolfram übernehmen Sie :D

      (wobei du ja beim Kommissar bist. Eine beneidenswerte und unendliche Beschäftigung mit einem Meer aus großartigen Sachen. Ich bin ein Riesenfan davon und schätze es Galaxien höher als die Wallacefilme, die amüsant und gut gemacht sind, aber nix Ernstes. Kommissar ist in seinen besten Folgen etwas was mich eher an manche Bergmans erinnert als an Edi Arendt und Joachim Fuchsberger, wenn auch manche Reinikerdialoge heute unfreiwillig komisch... Naja eignes Thema :) )


      Also Straigt Story empfehle ich rückhaltlos!


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • garcia schrieb:

      Wolfram übernehmen Sie
      Ich muss ja gestehen, dass ich mit Lynch weiterhin ein wenig Probleme habe, weil 'Alpträume, unentschlüsselbare Chiffren' so gar nicht mein Ding im Film sind. (In der Literatur auch nicht. :) ) Von daher klingt dieser Film zunächst einmal sehr interessant.

      garcia schrieb:

      (wobei du ja beim Kommissar bist. Eine beneidenswerte und unendliche Beschäftigung mit einem Meer aus großartigen Sachen. Ich bin ein Riesenfan davon und schätze es Galaxien höher als die Wallacefilme, die amüsant und gut gemacht sind, aber nix Ernstes. Kommissar ist in seinen besten Folgen etwas was mich eher an manche Bergmans erinnert als an Edi Arendt und Joachim Fuchsberger, wenn auch manche Reinikerdialoge heute unfreiwillig komisch... Naja eignes Thema )
      Ich weiß gar nicht, ob ein stetes, geradezu hemmungsloses Nacheinanderschauen der Serie ihr Gerechtigkeit widerfahren lässt. Manchmal geht sie mir echt auf den Keks, dann aber kommt wieder eine Folge, die mich ob ihrer 'Besonderheit' schier umhaut. Jedenfalls entwickelt sie einen Suchtcharakter in mir und ich weiß gar nicht, was ich danach sehen soll. ;( Doch, natürlich. Aus aktuellem Anlass werde ich mir erstmal wieder mit 'Mit Schirm, Charme und Melone' die Kante geben. :D

      :wink: Wolfram
    • Wie immer, wann immer, von Straigt Story wirst du seeeehr sehr angetan sein :D

      Kommissar ist bei mir so: sehr viel hintereinander sehen ist mir unmöglich. Dazu ist die Intensität viel zu hoch.

      Hattest du schon die Folge "Der Tennisplatz"? Wo degenerierte Ärsche aus der Oberschicht einen obdachlosen Penner solange quälen bis einer quasi aus Spaß den erschießt?

      Sowas meine ich wenn ich Bergman Vergleiche anstelle. Eine erschütternde aufwühlende Folge. Das kann ich nicht am Stück reinziehen, das muß Tage sacken und es ist dermaßen großartig gemacht, da bleibt mir die Spuke weg.

      Aber ich bin da Fan...

      Ich kann das nur sehr dosiert schauen, es ist zu inzensiv und zu gut für mehr.


      Hier all dir Münstertatorte in letzter Zeit :D :D




      :)
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      (Shunryu Suzuki)
    • Ich tat mir mal zwei meiner absoluten Lieblingsfolgen des Kommissars an letzte Nacht (diese Serie muß nachts geguckt werden). Beide hoch beängstigend.

      Folge 36 "Tod eines Ladenbesitzers". Es dreht sich um die Bewohner (Insassen müßte man es nennen) eines Altersheims. Das ganze Setting erinnert an einen alten s/w Zombiefilm. Eine unglaublich intensive Bedrohung liegt über allem, ich wubdre mich daß sowas seinerzeit gesendet werden durfte. Und Folge 50, "Der Tennisplatz", in dem eine Gruppe reicher Leute einen harmlosen obdachlosen Trinker aus reinem Amüsement quält und am Ende umbringt.

      Solche Folgen sind es die mich an Bergman erinnern, aber keinesfalls an die albernen Wallacefilme (die ich teilweise aber auch sehr mag). Hier ist ganz große Kunst gelungen, was vermutlich niemand der Beteiligten je beabsichtigt hat... Natürlich gibt es auch spießigen Unsinn ("Tod eines Hippiemädchens", Folge 56) und debile Dialoge (hatte Herbert Reinecker gelegentlich einen im Tee?) und unfreiwilligen Humor - aber wenn mal alles paßte, und das war nicht selten, dann kamen da 60 Minuten bei rum für die ich 85% aller amerikanischen Film Noir Bemühungen stehen lasse weil aufgesetzt, unecht und lebensarm.


      :)
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    • garcia schrieb:

      Hattest du schon die Folge "Der Tennisplatz"? Wo degenerierte Ärsche aus der Oberschicht einen obdachlosen Penner solange quälen bis einer quasi aus Spaß den erschießt?
      Die Folge hatte ich schon und war nicht so begeistert. Die abschließende Szene auf dem Tennisplatz fand ich doch sehr übertrieben.

      garcia schrieb:

      Folge 36 "Tod eines Ladenbesitzers". Es dreht sich um die Bewohner (Insassen müßte man es nennen) eines Altersheims. Das ganze Setting erinnert an einen alten s/w Zombiefilm.
      Großartige Folge! Ich weiß nicht, ob ich sie in Bergman-Nähe rücken würde. Für mich hat sie eher einen absurden, schwarzen, ganz bitterbösen Humor, wie es ihn allerdings im deutschen Kino und im deutschen TV bis dahin kaum gegeben hat.

      garcia schrieb:

      Solche Folgen sind es die mich an Bergman erinnern, aber keinesfalls an die albernen Wallacefilme
      Natürlich erinnern nicht alle Filme an Wallace, aber z.B. 'Sommerpension' mit vier skurrilen, undurchschaubaren Gästen, einem behinderten Mädchen und einer grandiosen Marianne Hoppe als überängstliche Mutter - die Folge geht in diese Richtung, wobei die Wallace-Filme, weil ein anderes Format und natürlich auch länger, noch überdimensionaler sein konnten.

      Hans Schweikart tritt ja nicht nur im 'Tod eines Ladenbesitzers' und in der 'Sommerpension' auf, sondern als Landstreicher auch in 'Tod eines Landstreichers'. Und diese drei 'Vagabunden' dort, zu denen er gehört, ergeben wieder einmal ein grandios-köstliches und doch furchterregendes Trio. Dazu die Mutter, die immer aus ihrer Kammer herauskommt. Das ist nahe am absurden Theater, genauso wie 'Die Schrecklichen', wieder mit Schweikart, in der eine schwarz-gekleidete 'Rentnergang' mit einem Enkel Furcht und Schrecken verbreitet.

      Dann gibt es die Folgen, die einen mit wirklich großen schauspielerischen Leistungen (z.B. Käthe Gold in 'Ein Anteil am Leben') beschenken oder die kammerspielartig ein familiäres Beziehungsgeflecht ziemlich gekonnt aufdecken, wie in 'Im Jagdhaus'.

      Schwächer wird es, wenn Action dazukommt oder Ermittlungen z.B. im Rauschgift- oder Prostitutionsmilieu. Reinecker ist durchaus unterschiedlich, wie sollte es bei einem solchen Vielschreiber auch anders sein. Und immer wieder 'tobte' er sich an bestimmten Figuren geradezu aus (z.B. Heinz Reincke als besorgter Vater in ''Ohne auf Wiedersehen zu sagen'). Aber er hatte auch diese 'Momente' und dann entstand etwas wirklich Besonderes.

      :wink: Wolfram


    • Das rote Zimmer
      D, 2010
      R: Rudolf Thome
      Mit Peter Knaack, Katharina Lorenz, Seyneb Saleh

      Langsamer Film, der von der Atmosphäre und der Kameraführung (Ute Freund) lebt.


      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • Neu

      Nach 96 Folgen 'Kommissar' habe ich heute meine Entzugserscheinungen mit Fellinis Erstling als allein verantwortlicher Regisseur bekämpft.



      Ein netter, witziger, satirischer, auch charmanter Film. Interessant, weil schon verschiedene Themen anklingen, die Fellini dann immer wieder aufgegriffen hat.

      :wink: Wolfram
    • Neu

      Heute mal wieder diesen Klassiker:



      Einerseits eine faszinierende Mixtur von einer Art deutschem Surrealismus, schwarzer Romantik, Stummfilm, Experimentalfilm, Realismus, 'Student von Prag' usw. und andererseits ein bildgewaltiger Film, der gerade zum Ende hin, mit dem Blick aus dem Sarg heraus, eine der aufregendsten Kamerafahrten zeigt, die ich je gesehen habe.

      :wink: Wolfram