Eben geglotzt

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    • Bei mir gab es heute einen der klassischen 'Ausbruchs-Filme'. ;)



      Jacques Beckers letzter Film von 1960. Damals an der Kinokasse ein Flop, heute als Meisterwerk angesehen. Und das mit Recht!

      Becker zeichnet einen historischen Ausbruchsversuch von 1947 wohl sehr detailgenau nach, was so weit geht, dass selbst einer der damals Beteiligten eine der Hauptrollen übernommen hat.
      Nur einmal, ziemlich zum Ende des Films hin, wird das Gefängnis einmal verlassen, wenigstens halb. Ansonsten spielt es sich v.a. in der Gefängniszelle in geradezu klaustrophobischer Enge ab. Minutiös werden nun die Vorbereitungen für den eigentlichen Ausbruch gezeigt, was teilweise von einer solchen Spannung ist (auch dank der hervorragenden Sound-Effekte), dass man es kaum noch aushalten kann.
      Becker verzichtete völlig auf Stars, griff eigentlich eher auf Laien-Darsteller zurück, verzichtete auch den ganzen Film über auf Musik, zeichnet aber trotzdem ein beeindruckendes Psychogramm dieser 5 Männer und ihrer Beziehung zueinander. Und wieder einmal steht bei ihm der 'Verräter' im Vordergrund, ebenso wie Männerfreundschaft und ihre Verlässlichkeit.
      Becker hat die Nouvelle Vague sehr bewundert (was auf Gegenseitigkeit beruhte), wollte sich aber dieser neuen Richtung nicht anschließen. Zudem war er als ehemaliger Assistent von Jean Renoir doch noch einem anderen stilistischen Ideal verpflichtet. Von daher ist der Film, auch wenn er 1960 in die Kinos kam, noch eher 'traditionelles' Erzählkino. Aber er hat trotzdem wenig gemein mit dem sogenannten französischen 'Qualitätskino', was Truffaut und Co. in den Cahier du Cinema so vehement angriffen.

      'Das Loch' ist ganz dichter, wirklich packender Film, der mich zutiefst beeindruckt hat. Absolut sehenswert!

      :wink: Wolfram
    • Neu

      Ich arbeite mich langsam durch meine Neuerwerbungen durch:



      Natürlich ist das ein wirklich grandioser Film, der die Probleme von Kriegsrückkehrern problematisiert. Wyler konnte Geschichten erzählen, er konnte Schauspieler zu wirklich guten Leistungen bringen (auch wenn die Art der Darstellung manchmal doch schon ziemlich antiquiert wirkt), er konnte Bilder komponieren und gleichzeitig durch die Verwendung von Tiefenschärfe Szenen akzentuieren. Und trotzdem fand ich den Film, den ich zuletzt als Jugendlicher gesehen habe (damals begeistert), seltsam ängstlich. Wyler spricht ganz viele Themen an, aber letztlich fehlt die Schärfe, die eine wirkliche Betroffenheit und vielleicht auch eine dauerhaft andere Sicht auf die Dinge bewirken würde. So bleibt zumindest bei mir der Eindruck zurück, dass sich diese Hollywood-Manier des 'Wir weisen darauf hin, aber es soll lieber niemanden wehtun, denn wir brauchen ja den Kassenerfolg' auch hier durchgesetzt hat. Der Film wirkt heute eher wie ein sanftes Sozialdrama und wurde wohl gerade deshalb so preisgekrönt.
      Inwieweit Zensurbestimmungen das bewirkt haben oder der Einfluss des Produzenten oder auch schlichtweg Wylers eigene Haltung kann ich nicht sagen. Es bleibt ein wirklich toll gemachter Film, der ambitioniert ist, aber letztlich niemanden wehtut. Und das Ende, dass man eigentlich erst wieder zu Hause ist, wenn man eine (Vorstadt-) Ehe eingeht, ist.... nun ja, vielleicht nicht mehr ganz aktuell, um es mal nett auszudrücken. ^^

      Wyler hat tolle Filme gemacht, ist mit Sicherheit einer der großen Regisseure des Kinos. Aber für meinen Teil würde er sich mit diesem Film nur einen halben Platz im cineastischen Olymp erobert haben. ;)

      :wink: Wolfram