Eben geglotzt

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    • Irgendwie mag ich seinen "2012", obwohl man den Vorwurf des seelenlosen Bombasts dem ebenso vorwerfen kann wie seinem übrigen Werk auch. Vielleicht weil ich ihn öfters an Winterabenden mit meinen Kindern geguckt hab als die noch klein waren, irgendwas sickert dann immer ein... Draußen der Eisregen am Fenster und drinnen der Weltuntergang zu Pfannkuchen mit Vanillesauce :) Hat mir viel Freude gemacht. Ich hab ihn heute sogar hier stehen und manchmal, so einmal jährlich, amüsiere ich mich mit dem halt unter Niveau :D - - - aber sonst schätze ich seine Materialschlachten garnicht. Simplifizierter Spielberg. Und auch den Steven mag ich mit sehr sehr wenigen Ausnahmen auch nicht. Zu klebrig, zu süß, obwohl er weiß was er tut und das ja auch gut macht...


      Aber ich hab hier doch wohl nicht etwas gegen Ed Wood gehört?! Ehrt die Schönheit des Scheiterns! :alter1:


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • (1946)

      Heute gab es bei mir diesen fast 2,5-stündigen Western von David O. Selznick (auch wenn der eigentliche Regisseur King Vidor war).

      Mensch, war ich tapfer! :D

      Das Missliche an einem Erfolg ist vielleicht, dass man immer an ihm gemessen wird und man ihn immer wiederholen möchte. Nur manchmal ist es halt so, dass alles zusammen einfach stimmig ist und deshalb dieser Erfolg eintritt. Diese Stimmigkeit ist aber nicht wiederholbar. Selznick hat es aber versucht.

      'Duell in der Sonne' sollte ein zweites 'Vom Winde verweht' werden. Also wurden noch mehr Stars versammelt und um Selznicks spätere Ehefrau Jennifer Jones versammelt. Also wurden noch mehr Sonnenunter- und aufgänge und entsprechende Technicolor-Spielereien eingebaut. Also wurde, jetzt auf einen anderen Selznick-Erfolg zurückgreifend, das Thema der abhängigen Liebe extrem ausgebaut. Also wurde an Produktionskosten nichts gescheut, bei der Ausstattung wie bei den Kostümen geklotzt, wurde eine große Tanzerei eingebaut usw.

      Nur was kam dabei heraus? Sicherlich ein großartiges Technicolor-Spektakel, auch wenn es immer wieder hart an der Grenze ist. Aber v.a. kam eine totale Kitsch-Orgie dabei heraus. Es trieft in einer Tour. Und endet in einem Duell, dass nun nicht mal mehr große Oper ist, sondern nur noch eben Kitsch.

      Die liebe, edle Mutter und der anständige, ehrenwerte Sohn auf der einen Seite, der hemmungslose Rancher und sein verwöhnter Bengel auf der anderen. Dazwischen Jennifer Jones als ungewollte 'Femme Fatale', die alles durcheinanderbringt. Und am Ende? 'Femme Fatale' tot, Bengel tot, Mutter tot, Rancher bekehrt, Rückkehr des 'verlorenen', anständigen Sohns. Und die Technicolor-Sonne funkelt mit Sicherheit zuhause über Vater und Sohn, während wir von 'Femme' und Bengel, nachdem sie sich gegenseitig umgebracht haben, Abschied nehmen, die nun engumschlungen in ihrer Pappkulisse dahindörren werden.

      Ich habe mich so geärgert bei dem Film. Peck, noch als Bösewicht, war immerhin interessant, wenn auch nicht so richtig überzeugend. Gish ein reines Klischee, ebenso wie Barrymore. Cotton war immer besser, wenn seine Rolle auch Zwischentöne enthielt. Marshall und Bickford sterben zu schnell, so dass sie wenig Profil entwickeln konnten. Bleibt als Dreh- und Angelpunkt Jennifer Jones. Ok, ich mag sie eh nicht sonderlich, aber ich habe die ganze Zeit nur gedacht, was für ein Glück, dass sie 1939 noch nicht mit Selznick verheiratet war. Dann hätte sie womöglich die Scarlett gespielt, was ein Desaster geworden wäre.

      Ich bin jetzt 62 und 2,5 Stunden meines Lebens verschenkt. Ich merke, wie ich langsam pingelig werde, was das angeht. :D

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Aber v.a. kam eine totale Kitsch-Orgie dabei heraus. Es trieft in einer Tour.
      Kitsch me, if you can... :D

      Ja, Duel In The Sun (1946) ist Bigger-Than-Life-Emotion bis zum Abwinken. Alles ist monströs und überwältigend gewollt, Technicolor und Musik bis zur Schmerzgrenze aufgeblasen. Insofern ein bemerkenswertes Stück Film, welches in dieser Form nur in Hollywood entstehen kann.

      Ich bewundere die Gnadenlosigkeit, wie hier jedes noch so kleine Gefühlschaos zur großen Oper stilisiert wird - die Künstlichkeit, die jede Geste und Blick bestimmt - die pure Verschwendung an Eye Candy in technischer Hinsicht. Noch die war ein Texas-Western so bunt wie dieser... :callas1:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Alles ist monströs und überwältigend gewollt,
      Hoffen wir, dass es gewollt war. ;)

      Josquin Dufay schrieb:

      Ich bewundere die Gnadenlosigkeit, wie hier jedes noch so kleine Gefühlschaos zur großen Oper stilisiert wird
      Ich bin ja sehr für große Oper und die große Geste und überhaupt und das kann man hier ja durchaus finden. Aber ich bezweifle, s.o., dass das so von Selznick gewollt war und deshalb kippt diese Oper für mich leider permanent in Kitsch um.
      Schade eigentlich. Deinen leicht ironischen Blick darauf schaffe ich noch nicht. Aber kommt vielleicht noch. ^^

      :wink: Wolfram
    • Meine Güte - wenn du mal durch die Hölle der filmischen Niederungen gegangen wärst wie ich, würdest du auch schnell merken, was wirklich grausam ist und was nicht... :D
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    • Wolfram schrieb:

      bei mir stehen noch Freddy-Quinn-Filme rum
      Uih, Freddy-Quinn-Filme - jetzt hast du's mir aber gegeben... :megalol:

      Da stinke ich ja mit Franz Marischka (Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen, Allotria in Zell am See) ganz schön ab... ape01

      Dabei meine ich die richtigen Zelluloid-Verbrechen wie Zombies unter Kannibalen oder Gunan - König der Barbaren: das sind Filme, die saugen Einem so richtig das Mark aus den Knochen... :wisch1:
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    • Ich möchte hier bitte nichts Despektierliches in Sachen "Zombies unter Kannibalen" lesen müssen :alter1: Ist ja schließlich ein Kulturforum. Da kann man ja wohl zarte Geigenklänge, gedämpftes Licht und einen gewissen Respekt erwarten, auch innerhalb Subgenres, die einen gewissen Schmudfelfaktor nicht von der Hand weisen können noch wollen...


      :)
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    • Josquin Dufay schrieb:

      Freddy-Quinn-Filme - jetzt hast du's mir aber gegeben
      Da habt ihr was angerichtet: "La Guitarra Brasilana" spukt jetzt als Ohrwurm herum.
      Aus dem Film "Weit ist der Weg".
      Den habe ich Anfang 1961 in "unserem" Kino gesehen. Das Kino war im Haus neben unserem, der Kinoinhaber "Onkel Wolfgang" wohnte bei uns mit seiner Familie in der 2. Etage und ließ mich jahrelang Sonntags um 13:30 die "B-Pictures" schauen (Fuzzy, Stan und Olli, Pat und Patachon, Western etc.) und dann auch "Weit ist der Weg". Der lief wg. des großen Erfolges 3-mal am Tag. Mittags, 17:15 und 20:15.
      Gruß aus Kiel
      Manchmal tue ich so, als wäre ich normal. Doch dann wird mir langweilig und ich bin wieder ich selbst.
    • garcia schrieb:

      Da kann man ja wohl zarte Geigenklänge, gedämpftes Licht und einen gewissen Respekt erwarten, auch innerhalb Subgenres, die einen gewissen Schmudfelfaktor nicht von der Hand weisen können noch wollen...
      :D

      Du darfst nicht vergessen: ich liebe diese Filmchen - bringen einen wirklich wieder auf den Boden zurück... :pop:

      Doc Stänker schrieb:

      Da habt ihr was angerichtet: "La Guitarra Brasilana" spukt jetzt als Ohrwurm herum.
      Weit ist der Weg habe ich zum Glück nicht zur Verfügung. Aber Lied der Südsee und Lied der Prärie liegen bei mir rum... :S
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    • Josquin Dufay schrieb:

      Da stinke ich ja mit Franz Marischka (Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen, Allotria in Zell am See) ganz schön ab...
      Überhaupt nicht. Das eine ist halt die norddeutsche, das andere die süddeutsche Variante. Oder Mutante. C:::S

      Josquin Dufay schrieb:

      Dabei meine ich die richtigen Zelluloid-Verbrechen wie Zombies unter Kannibalen oder Gunan - König der Barbaren: das sind Filme, die saugen Einem so richtig das Mark aus den Knochen...
      Komm, das ist schon fast Kunst. So wie die Nacht der reitenden Leichen. :D

      :wink: Wolfram
    • Ich seh' mir ja immer weniger an , aber letzte Nacht war es wieder mal soweit : Renaldo & Clara von Dylan , gibt es jetzt im Netz . Ich erinnere mich , daß ich ihn in den 80er Jahren zum ersten Mal sah , noch auf Video , und es gab Probleme mit dem US - Format , und die Filmqualität war auch schlecht . Und ich fand ihn gut . Seither gibt es ihn in besserer Qualität , und er gefällt mir immer noch . Irgendwann gab es bei uns mal die Erörterung , ob Suza Rotolo , Joan Baez oder Sara Dylan - sein Problem . Aktuell hat allerdings das Whitefacing an Brisanz gewonnen . allerdings nicht für mich . Nach einem früheren Ansehen des Films haben wir uns darauf geeinigt , daß Dylan sich für Gustav Gründgens hielt . Das ist eine ebenso gute Erklärung wie die von Dylan selbst.
      Es gab mal eine auf 2 Stunden kastrierte Fassung , sowie einen Konzert - Film , zusammengestellt aus dem Tour - Material . Erstere ist Müll , zweiterer ganz nett , aber was völlig anderes als das 4 stündige Renaldo & Clara Epos . Was mich immer wieder verwundert , ist die Reaktion darauf , wenn ich mein Gefallen an dem Film ausdrücke . Weil - 95 % der ablehnend Reagierenden kennen den Film überhaupt nicht , einige zumindestens den Konzert - Film . Aufgeschnappt und nachgesabbelt . Fast müßte man den Kreuz-und Querdenkern einen Gnaden-Bonus einräumen , weil manche wenigstens versuchen zu denken , ungeachtet des Resultats . Also , wer mal 4 Stunden übrig hat - Renaldo & Clara ansehen . Gibt es im Netz . Ob ich den wohl noch auf großer Leinwand sehen werde ?
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"


    • Es tut mir leid, ich konnte mit dem Film noch nie etwas anfangen und das hat sich nach dem heutigen Besuch im alten Rom wieder nicht geändert.

      Ich finde es sehr ehrenwert und auch sehr ambitioniert, wie sich Kirk Douglas mit diesem Film für Opfer der McCarthy-Ära eingesetzt hat, dass er überhaupt dieses Thema angerührt hat. Aber als Produzent wollte er natürlich auch ein Star-Vehikel für seinen Hauptdarsteller haben und da standen sich möglicherweise beide, weil Personalunion, im Wege. Vielleicht ist aber auch das Genre für Sozialkritik nicht geeignet. Möglicherweise hat er sich dann doch den falschen Regisseur ausgesucht und hätte an Anthony Man festhalten sollen.
      Für mich ist das Ergebnis jedenfalls nichts Halbes und nichts Ganzes. Spartacus selber wird zu einer Heilsbringerfigur zwischen Moses und Napoleon, streift vor der Schlacht in seinem Lager herum wie Shakespeares Henry V. und gibt ansonsten den gütigen 'Vater seines Volks', so wie seine Frau, kleine Kinder waschend, zur 'Mutter der Nation' wird. Dazwischen werden dankbar blickende Ex-Sklaven eingeblendet, wodurch das alles schon eine ordentliche Prise Sozialkitsch abbekommt.
      Viel interessanter als das finde ich eigentlich die politischen Machtkämpfe in Rom selber, die aber viel zu kurz kommen und für den Verlauf der eigentlichen Geschichte wohl auch nicht so bedeutsam sind. Trotzdem macht es Spaß, diese zu sehen, gerade weil Charles Laughton da so eine ausgiebige Rolle spielt. Eine Freude ihm wie auch Olivier zuzusehen. Übertroffen werden die beiden für mich nur durch Peter Ustinov. Schon Quo Vadis hat er fast gerettet und auch hier bin ich über jede Szene dankbar, in der er auftaucht. Aber leider reicht ein Sir Peter auch nicht aus. Den Rest finde ich einfach nur quälend.

      Im Bonusmaterial findet sich übrigens noch ein Interview mit Peter Ustinov von 1992. Eine knappe halbe Stunde höchsten Vergnügens!!!!! Dafür hat sich der Kauf dann doch gelohnt.

      :wink: Wolfram