Eben geglotzt

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    • Bei mir heute einer der ersten Filme (wenn nicht sogar der erste), der damals noch nicht existierenden Bundesrepublik, sprich im strengen Winter 1946/47 in der englischen Zone in und rund um Hamburg gedreht.



      Ein absoluter Klassiker des Trümmerfilms, der damals im deutschen Film noch ernsthaft betriebenen Vergangenheitsbewältigung. Das war in jenen Tagen wirklich ernstgemeint und hat auch einige der besten deutschen Filme zustande gebracht. 'In jenen Tagen' von Helmut Käutner gehört mit Sicherheit auch dazu, obwohl er aus heutiger Sicht durchaus kritischer betrachtet werden kann.

      Die Geschichte eines Autos, auch von ihm erzählt, das durch wechselnde Hände gehend, indirekt die deutsche Geschichte von der Machtübertragung bis zur eigenen Verschrottung nach 1945 erlebt. In verschiedenen Episoden wird eine prägnante Episode aus dem Leben der jeweiligen Eigentümer erzählt und das immer unter dem Thema 'Was ist ein Mensch?'.

      Von daher erzählt der Film nicht die Geschichte von Tätern, sondern die von Opfern, von kleinen Begebenheiten 'normaler' Menschen, die zu irgendeinem Zeitpunkt in Berührung mit dem politischen Zeitgeschehen kamen. Das ist an sich völlig in Ordnung, wirkt aber für 1946/47 in der Rückschau doch auch ein wenig bequem. Die Deutschen als schlichte Opfer und Leidtragende, als Helden des Alltags, als Unpolitische, bzw. von den Ereignissen Überrollte. Das gab es alles, das ist historisch durchaus auch ein zutreffendes Bild, aber das als einen der ersten Beiträge zur filmischen Aufarbeitung zu drehen, wirkt heute eher befremdlich oder auch sehr erhellend.

      Wobei ich Käutner und seinen Co-Autor Ernst Schnabel gar keine beschönigenden Absichten unterstellen möchte. Vielleicht muss man den Film aber auch als Gegenentwurf zum ungleich radikaleren 'Die Mörder sind unter uns' der Defa verstehen, obwohl die Idee zu 'In jenen Tagen' schon während des Krieges entstand. Aber er wirkt heute schon wie ein Hinweis auf die Adenauer-Ära und ihre spezielle Art der Vergangenheitsbewältigung.

      Und trotzdem ist es ein sehenswerter Film. Und das nicht nur als Zeitdokument oder hinsichtlich der katastrophalen Drehbedingungen damals. (Was man alles mit geringsten Mitteln erreichen kann!) Sondern weil er einfach hervorragend inszeniert wurde. Gut, man kennt Käutners Neigung, die Symbolik zu übertreiben, aber abgesehen davon - die Kamera ist herausragend, immer wieder fahrig, beweglich, unstet, wie das Empfinden der Menschen wohl war. Die Schauspieler (auch das Casting oftmals aus der Not geboren) sind durchweg gut besetzt, die einzelnen Geschichten berührend, ehrlich, durchaus auch erhellend. Als reiner Film wirklich richtig gut, als politisches Statement im Rahmen der 'Trümmerfilme' halt sehr (westdeutsch) zeitgebunden.

      :wink: Wolfram
    • Auch all die Jahre danach immer noch ein außerordentlich bewegender Film:




      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Statt dem Kandidatenturnier zu folgen, habe ich endlich "The Queen's Gambit" in den letzten Tagen zu Ende gesehen. (Ich hatte bisher nur ca. 2 Folgen gesehen und bin aus anderen Gründen ganz davon abgekommen.)

      (Symbolbild)

      Netflix (2020), gesehen als: original englisch mit dt. Untertiteln

      Eine wirklich sehr gut inszenierte Verfilmung des Romans von Walter Trevis über das Schachwunderkind Elizabeth Harmon, angesiedelt in der US-amerikanischen Provinz der 1950-60er Jahre. Sehr gut gespielt, schöne Filmmusik (u. a. auch klassische Musik; ich erinnere mich jetzt nur an Satie, Schostakowitschs 3. Streichquartett, und ich glaube, eine Beethoven Sinfonie). Besonders hat mir die letzte Folge "Endspiel" gefallen (u. a., weil man da auch mal ein paar Stellungen sehen -- und ggfs. analysieren -- konnte; als Berater stand der ehem. Schachweltmeister Garri Kasparow Pate).


      maticus
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      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • Bei mir heute noch 'n Käutner. Ich brauchte leichte Kost.



      Seltsames Cover, auf dem Wicki nicht zu sehen ist, stattdessen eine Dame links, die eigentlich gar keine Rolle spielt.

      Ja, das ist wahrlich leichte Kost, aber irgendwie mag ich den Film. Manchmal brachten die Deutschen in der Zeit auch charmante, ironische, witzige Komödien zustande. Das ist nichts Tolles, es macht einfach nur Spaß. Was man nie unterschätzen sollte. Und zudem spielt es teilweise in den Grindelhochhäusern in Hamburg, zu denen ich einfach ein besonderes Verhältnis habe.

      :wink: Wolfram
    • "Die Züricher Verlobung" schaue ich mir auch immer wieder gerne an. Ebenso mag ich auch "Heute heiratet mein Mann" (1956) wo u. a. auch Liselotte Pulver und Paul Hubschmid mitwirken. Ist vielleicht noch etwas leichter als "Die Züricher Verlobung" aber wie ich finde gut gemacht mit gut aufgelegten Schauspielern. Auf die Schnelle habe ich keine DVD-Version gefunden. Ich habe diesen Film irgendwann mal vor ein paar Jahren vom TV auf Festplatte aufgenommen und hier gibt es ihn auch.
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Auch ich bekenne mich als enthusiasmierter Konsument der "Zürcher Verlobung" und "Heute heiratet mein Mann" (obwohl dieser Film die literarische Vorlage des Selinko-Romans völlig verharmlost).

      Leider gibt es ein paar Lilo-Pulver-Filme, die nicht als DVD greifbar sind, z.B. "Männer im gefährlichen Alter" oder "Monsieur".
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Nach gut vierzig Jahren heute dieser mal wieder:



      Meine Güte kommen da Erinnerungen hoch. Wie oft hat man ihn damals in irgendwelchen mitternächtlichen Vorführungen gesehen. Das war ja nun wirklich Kult. Schöne Erinnerungsauffrischung - aber mehr auch nicht. So wie es Bücher aus meiner Jugend gibt, die ich heiß und innig geliebt habe, gibt es eben auch Filme und bei beiden ist ihre Zeit bei mir und mit mir dann doch vorbei.

      Trotzdem ist das natürlich ein gelungenes Ding. Ob er heute immer noch so funktionieren würde, mögen andere entscheiden. ;)

      :wink: Wolfram
    • Da ich heute geimpft wurde ( :clap: ), plane ich ein ganz ruhiges Wochenende und habe mich in Hamburg in einem Antiquariat noch einmal ordentlich mit Nachschub an Filmen eingedeckt. Deshalb kam nach 'Rocky Horror' gleich noch einer dran:



      Dazu dann mehr im Nouvelle-Vaque-Thread.

      :wink: Wolfram
    • "Rocky" funktioniert für mich gar nicht mehr... Welchen Geschmacksverirrungen bin ich mit 13,14,15 da eigentlich aufgesessen? Nichtmal die Musik taugt was... Ein Film,den mal gemocht zu haben ich heute zugeben muß, aber das war damals schon ein Irrtum.

      Aber der Godard, den merke ich mir mal vor :D


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • garcia schrieb:

      Ein Film,den mal gemocht zu haben ich heute zugeben muß, aber das war damals schon ein Irrtum.
      Nein, lieber Garcia, damals war er gerade richtig zur richtigen Zeit und an der richtigen Stelle. Nur nicht bedauern. ^^ Mir hat er damals Spaß gemacht und mir auch viel gegeben. Das bereue ich überhaupt nicht. Jedes Ding hat seine Zeit. Nur für mich ist halt heute seine Zeit bei mir abgelaufen. Obwohl es ja auch Spaß gemacht hat, ihn wiederzusehen. ;)

      Den Godard gibt es nur ziemlich teuer bei Amazon und bei 'Texte und Töne' habe ich ihn weggeschnappt. :versteck1: Ich hoffe, du bekommst ihn doch noch irgendwo. Mich hat er umgehauen.

      :wink: Wolfram
    • Ach, irgendwie hat er mir ja auch Spaß gemacht...warum auch immer :)

      Den Godard, den krieg ich schon. Notfalls eben teuer. Wenn ich meine Angel erstmal ausgeworfen hab zuckt es irgendwann immer :D


      :)
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      (Shunryu Suzuki)
    • Ich vergaß, den habe ich auch noch geguckt:



      Ich kann verstehen, dass Godard und Truffaut irgendwann nicht mehr miteinander konnten. Einerseits der Purist und Hohe Priester der Nouvelle Vague und andererseits derjenige, der versuchte, die Ideale mit dem Mainstream zu verbinden. Ich muss gestehen, dass ich im Moment mehr der Haltung des Puristen zuneige. Truffaut, ohne Zweifel der mit dem größeren kommerziellen Erfolg, versucht sich hier einmal wieder auf dem Gebiet der Komödie. Ob das klappt, mag jeder für sich selber entscheiden. Für mich war das seine Stärke nicht. Überhaupt war ich von dem Film ziemlich enttäuscht. Gut 10 Jahre nach dem Aufbruch der NV ist das doch ein sehr biederer, gefälliger Film. Durchaus gut inszeniert, aber eben auch nicht mehr. Witzig, in Teilen kritisch, gut gespielt, gut gemacht. 'Nett' liegt mir auf der Zunge, aber so tief will ich nicht gehen. ;) Man kann ihn sich gut anschauen, aber er hinterlässt relativ wenig.

      :wink: Wolfram
    • Begonnen habe ich heute mit Chabrols 'Der 10. Tag' und war hin und weg und dann funktionierte die DVD nicht mehr. Was für eine Enttäuschung. Den muss ich also nun nochmal aufschieben.

      Stattdessen kam der letzte Truffaut zum Einsatz:



      Näheres dazu in den französischen Meisterwerken.

      :wink: Wolfram