Eben geglotzt

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    • Beides, lieber Garcia, großartige Western, wobei kaum miteinander vergleichbar. Der Corbucci ist ja geradezu noch ein klassischer Western, halt im Italo-Stil und sehr politisch, während der Eastwood eigentlich wirklich das Ende aller Western bedeutet. Nicht für mein Empfinden, weil er so großartig ist, sondern weil er rücksichtslos mit allen Legenden und Mystifikationen des klassischen US-Western aufräumt und sie zerstört. Danach fragt man sich, was eigentlich vom Western noch bleibt. (Der endgültige 'Todesstoß' kam dann vielleicht mit 'Brokeback Mountain, als die Cowboys auch noch schwul wurden. ;) )

      'Erbarmungslos' steht damit in der Reihe von Endzeitwestern wie 'Liberty Valance' und 'Cheyenne Autumn' von Ford oder auch Leones 'Nobody', wenn er denn so gelungen wäre, wie angedacht.

      Interessant, dass Ford und Leone wie auch Eastwood in gewisser Weise, nämlich als Schauspieler, an der künstlerischen Neubelebung des Genres maßgebend beteiligt waren und alle drei dann auch zu dessen Totengräber wurden.

      Aber vielleicht schafft es ein Regisseur noch einmal eine völlig andere Sichtweise auf den Western zustande zu bringen. Ich befürchte aber, die Zeit dafür ist vorbei, weil auch das große Publikum nicht mehr vorhanden ist. Da hat sich ein Genre wirklich totgelaufen und Eastwood hat es nur mit aller Vehemenz deutlich gemacht, war derjenige, der eine Wahrheit klar ausgesprochen hat.

      :wink: Wolfram
    • Eben (im Kino) geglotzt:

      "Nahschuss"


      Mit dem großartigen Lars Eidinger. :verbeugung1: :verbeugung1: Näheres demnächst mal ...

      EDIT:
      So, nun aber. Gestern war ich noch zu ... emotional und stand noch etwas neben mir. Der Film hatte mich einfach sehr geflasht.

      Der Film „basiert“ auf einer wahren Geschichte eines letzten Opfers der Todesstrafe der DDR, Werner Teske. Als dieser Stasi-Mitarbeiter, der in den Strudel der Machenschaften hineingeraten war, begreift, dass er aus diesem System ausbrechen muss, ist es auch schon zu spät. Noch während der Organisation der Flucht, die er gemeinsam mit seiner Frau vollziehen wollte, wird er festgenommen und schließlich zum Tode verurteilt.

      In einer Kritik heißt es: „Zwischen Angst, Panik und Hilflosigkeit aufgeladene Atmosphäre trifft auf famose Schauspieler und symbolhafte Bilder. Ein Film, der im Gedächtnis bleibt.“
      Das trifft es.

      Und hier wurde er als „Film-Tipp“ vorgesellt:
      zdf.de/nachrichten/zdf-morgenm…ee-guy-nahschuss-100.html

      Da wird noch mal erwähnt, dass der Film ohne Filmmusik auskommt, was ich übrigens großartig finde!! Ich gehöre zu den Menschen, die oft einfach nur genervt sind von manipulativer und meist auch einfach nur schlecht gemachter Filmmusik. Daher empfand ich es als große Erleichterung, dass man hier mal darauf verzichtet hat. Und es funktioniert ja auch so. Sogar noch viel besser …

      Also, für Eidinger-Fans ist dieser Film ein regelrechtes „Fest“. Man erlebt hier den typischen Eidinger: extreme Szenen (Nacktszenen, Ausraster), sowie eine gewisse Machtlosigkeit, die sich im Laufe des Films breit macht und die er ebenfalls wahnsinnig gut verkörpern kann. Ach, was kann er eigentlich nicht verkörpern … Da fällt mir so spontan nichts ein. ^^
      Wer nah am Wasser gebaut ist, sollte eine Packung Taschentücher dabei haben … ;(

      Hier noch "Lars Eidinger über die Todesstrafe in der DDR und seinen neuen Film Nahschuss/ Interview“ … :thumbup:
      youtube.com/watch?v=IztKE1ZWwqw


      EDIT:
      Ein negativer Kritikpunkt kommt doch noch: die Sache mit dem "Wellensittich" ... das hätte man sich sparen können. :( Hier möchte ich nun aber nicht zu viel verraten.
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • 20,000 Days on Earth - Ich liebe Nick Caves Musik sehr (vor allem die frühen Sachen), weshalb ich die Bluray im letzten Jahr angeschafft, geschaut… und dann ganz schnell verdrängt hatte.



      Der Film ist derzeit auch in der Arte-Mediathek verfügbar, weshalb ich ihn heute spontan nochmal anschaute. Das Ding ist stylisch und stellenweise auch irgendwie cool gefilmt, aber insgesamt extrem enttäuschend. Cave ist so ein charismatischer Künstler, dieser Film ist im Gegensatz dazu unheimlich langweilig und nichts sagend. Und stellenweise wirklich deprimierend und ärgerlich, wenn ich an all die belanglosen Gespräche und Szenen denke. Für mich ist es schwierig, den jungen, scheuen Mann aus den frühen, interessanten Interviews seiner Karriere mit dem späten, selbstgefälligen Mann aus dem Film, der Belanglosigkeiten mit seinem Psychiater austauscht, zusammen zu bringen. Man fragt sich am Ende: Warum nur?

      Es gibt auch eine kurze Szene mit Blixa Bargeld: Beide sitzen zusammen im Auto und reden darüber, warum Blixa die Bad Seeds verlassen hatte. Bargeld wirkt die ganze Zeit sehr distanziert, als würde er hier nur genau die Rolle spielen, die Cave ihm zugedacht hat. Und als würde er sich unwohl in dieser Rolle fühlen. Das ist irgendwie traurig anzuschauen…

      Ich habe danach den Film gestoppt. Keine Empfehlung meinerseits. :thumbdown:
    • Ich finde schon amazons Werbetext einigermaßen abschreckend. Klingt nach einem Lifestyleprodukt mit dem die Werbeabteilung des "späten, selbstgefälligen Mannes" (schön ausgedrückt), dessen dann aufkommenden Erfolg unterfüttern wollte (samt dessen mir ab dann nie mehr ganz nachvollziehbaren Nimbus, denn ich kenne ihn nach etwa 1989 nur als Produzenten von Edelkitsch). Was sich nicht auf den frühen Cave von Birthday Party bis Tender Prey bezieht! Das mag ich sehr. Aber irgendwann fand ich was er dann so absonderte nur noch klebrig. Da fand er sich wohl selbst bedeutsam, und das ist dann oft das Ende. Schade aber häufig...

      Gebt mir eine Filmdoku von den Anfängen bis 1990, wär sofort meines.


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Mal 'was anderes. Eine Vorabendserie (oder wann immer sie gelaufen ist) aus dem Jahr 1982 vom Fernsehen der DDR.



      Ähnlich wie bundesdeutsche Vorabendserien aus der Zeit ist das alles eigentlich ganz gruselig :versteck2: , es sei denn man hat sentimentale Erinnerungen daran. Die habe ich hinsichtlich der 'Geschichten übern Gartenzaun' nun nicht und von daher.... :D

      Und trotzdem ist das natürlich auch interessant, gibt das Fernsehen der DDR doch damit einen Einblick in den Alltag der damaligen Zeit, durchaus geschönt, aber an manchen Punkten wohl auch recht realistisch. Man muss halt zwischen den Zeilen lesen. ^^

      :wink: Wolfram
    • Neu

      Heute begonnen:



      'Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen', wie er auf Deutsch heißt und was den Originaltitel wesentlich besser wiedergibt. Leider konnte ich den Film heute nicht beenden, denn die erste halbe Stunde verspricht ein außergewöhnliches Filmereignis.
      Mehr dazu dann im Thread über die französischen Meisterwerke.

      :wink: Wolfram
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      Gestern habe ich eine "Bildungslücke" im Bereich des Blockbuster-Kinos der 2010er Jahre geschlossen und Interstellar (2014) von Christopher Nolan gesehen.



      Für großes Hollywood-Kino neueren Datums ist das schon sehr intelligent und pfiffig - ein zweites "2001" ist es m. E. eher nicht.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Neu

      Symbol schrieb:

      Für großes Hollywood-Kino ist das schon sehr intelligent und pfiffig - ein zweites "2001" ist es m. E. eher nicht.
      (Dann schau nochmal in ein paar Tagen und dreh den Ton voll auf. :D )

      Nein, im Ernst......das wäre auch schwierig und ob man den Anspruch haben sollte, weiss ich nicht. Science Fiction als Genre ist ja nun inzwischen ziemlich abgelabert. Das muss man glaube ich dabei beachten. Der Film ist auch inhaltlich anders gelagert. Ich finde ihn toll, viel atmosphärischer als 2001 und die Musik spielt dabei eine grosse Rolle für mich. Der Soundtrack ist Spitze, allerdings nicht ohne das Visuelle, es muss zusammen kommen. Jetzt hast du mir gleich Lust darauf gemacht. Meine Faszination bleibt immer an der Zeit-Sache hängen und nach einer Glotz-Sitzung beschäftigt mich das noch tagelang. Eventuell ist das auch ein Film, der reift, wenn man ihn mehrmals sieht und die Vorstellungskraft schweifen lässt, während die Musik und die Bilder wirken. Man muss ja eigenltich am Ende den Anfang nochmal durchdenken.
    • Neu

      Rosamunde schrieb:

      Symbol schrieb:

      Für großes Hollywood-Kino ist das schon sehr intelligent und pfiffig - ein zweites "2001" ist es m. E. eher nicht.
      (Dann schau nochmal in ein paar Tagen und dreh den Ton voll auf. :D )

      Nein, im Ernst......das wäre auch schwierig und ob man den Anspruch haben sollte, weiss ich nicht. Science Fiction als Genre ist ja nun inzwischen ziemlich abgelabert. Das muss man glaube ich dabei beachten. Der Film ist auch inhaltlich anders gelagert. Ich finde ihn toll, viel atmosphärischer als 2001 und die Musik spielt dabei eine grosse Rolle für mich. Der Soundtrack ist Spitze, allerdings nicht ohne das Visuelle, es muss zusammen kommen. Jetzt hast du mir gleich Lust darauf gemacht. Meine Faszination bleibt immer an der Zeit-Sache hängen und nach einer Glotz-Sitzung beschäftigt mich das noch tagelang. Eventuell ist das auch ein Film, der reift, wenn man ihn mehrmals sieht und die Vorstellungskraft schweifen lässt, während die Musik und die Bilder wirken. Man muss ja eigenltich am Ende den Anfang nochmal durchdenken.

      Atmosphärisch fand ich den Film auch gelungen - man meinte wirklich, bei dieser Reise in eine entfernte Galaxis irgendwie dabei zu sein.

      Die Handlung fand ich dann aber doch weitaus weniger komplex als aus diversen Rezensionen vermutet - das ist im Wesentlichen eigentlich das gute alte Bootstrap-Paradoxon. Verglichen mit "Dark" (eine Serie, die ich für ein echtes Meisterwerk halte) ist "Interstellar" eher semikomplex und recht gut verdaulich. Es gibt auch keine rätselhaften Motive wie in "2001" mit dem Monolith oder dem mysteriösen Schluss.

      LG :wink:
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    • Neu

      Josquin schrieb:

      Schöner als Jan Küveler kann ich es nicht ausdrücken, was mir an Nolans Filmen nicht gefällt:

      Logiklöcher, Gequatsche und Kleistermusik


      Gruß
      Josquin


      Na ja, gar so schlecht ist der Streifen dann auch wieder nicht. Ein Nolan ist aber kein Lynch, Tarantino, Allen, Coppola oder Scorsese. Vielleicht (und bestenfalls) eine Art gehobener Spielberg.

      LG :wink:
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    • Neu

      Symbol schrieb:

      ist "Interstellar" eher semikomplex und recht gut verdaulich. Es gibt auch keine rätselhaften Motive wie in "2001" mit dem Monolith oder dem mysteriösen Schluss.
      Gut verdaulich, ja. Keine rätselhaften Motive, stimmt auch. Mysteriös... weiss ich nicht, ein wenig schon, denn wie findet er seine Tochter wieder? Und so mysteriös finde ich den 2001 Schluss auch wieder nicht. Der Monolith bewirkt, dass der Mensch eine höhere Bewusstseinsebene erreicht. Am Ende blickt er wie Gott auf die Menschen auf der Erde hinab. Dazu erklingt Also sprach Zarathustra. Die Kreatur wird zum Kreator. Schon toll, aber mysteriös?
      Ich finde diese Idee von Kubrick nicht besonders neu oder besonders inspirierend. Ich finde seinen Film auch nicht besonders spannend. Interstellar beschäftigt mich viel mehr, wegen der Zeit Sache. Das Thema mag für dich mit dem wissenschaftlichen Gedanken an ein Paradox abgehandelt sein, das ist es aber für mich nicht. Meine Vorstellung geht da erst los. Was bedeutet Zeit, was machen wir mit unserer Zeit. Wie verwenden wir sie. Gibt es Zeit überhaupt usw. Damit können sich meine Gedanken tagelang beschäftigen. Gut, diese Gedanken sind auch nichts neues, aber das andere Thema Kreatur wird zum Kreator habe ich für mich schon sortiert - das Zeit Thema noch nicht so richtig.

      Symbol schrieb:

      Verglichen mit "Dark" (eine Serie, die ich für ein echtes Meisterwerk halte)
      werde ich mir mal ansehen.....!
    • Neu

      Ich gucke gerade Lynchs Meisterwerk "Mulholland Drive" - - bei jpc finde ich ihn nicht, amazonlinks funktionieren sowieso nicht, also ohne Link.

      Aber ein andrer Link zu diesem großartigen Regisseur - man kann und sollte sich ihm auch jenseits seiner Filme nähern:



      Für den Fan ein Muß, außerdem braucht man aus den Essays von David Foster Wallace den Beitrag über die Dreharbeiten zu Lost Highway, der allertollste Text den ich je über Film las...




      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)