Eben geglotzt

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    • Hier großartiger Trash aus Kinderzeiten.



      "Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster" hat mit Dr. Frankenstein und seinem Geschöpf natürlich nicht das Geringste zu schaffen, sondern beinhaltet den guten alten Godzilla im Kampf gegen ein Monster (kaulquappenähnlich, flugfähig und schmuddelig), welches aus der menschlichen Umweltverschmutzung heraus sich herbeimutiert hat. Mit seiner halbpsychedelischen Filmmusik und den quietschbunten Interieurs ist dies der skurrilste Film einer an Skurrilitäten eh nicht armen Reihe. Ein Heidenspaß!


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Bei mir sind nicht nur lektüremäßig gerade Kindheitserinnerung angesagt. :D



      Wolfgang Liebeneiner zeichnete regiemäßig für diesen ZDF-Vierteiler von 1968 verantwortlich. Wie naiv und amateurhaft Fernsehen damals noch funktionierte und trotzdem erfolgreich war. Was die Regie angeht, die schauspielerischen Leistungen vieler Nebenfiguren, die Führung der Statisten, die Synchronisation, die Anschlüsse, die Fehler im Verlauf - es rumpelt und poltert an jeder Ecke. Und trotzdem war es damals ein riesiger Erfolg und ich erinnere mich noch gut an die Erstausstrahlung (wir hatten gerade einen Fernseher geerbt) und an meine Begeisterung und an die aller meiner Freunde. Was natürlich an den beiden Hauptdarstellern lag, an ihrer Lebendigkeit, Frechheit, an Hucks Lebensweise und an Toms 'Ungezogenheit', die mit uns so viel zu tun hatte. Und wiederum auch nicht. Aber so wollte wir sein und trauten uns wiederum nicht oder es funktionierte halt auch nicht in unserem kleinbürgerlichen Stadtleben. Und so ist dieser Film für mich pure Nostalgie, ein Blick zurück, verbunden mit der Hoffnung, dass diese Anwandlungen hoffentlich nicht schlimmer werden. :D

      :wink: Wolfram
    • Deutschstunde
      (nach dem gleichnamigen Roman von Siegfried Lenz)

      D 2019, 115 Min.
      Regie: Christian Schwochow
      Darsteller: Ulrich Noethen, Tobias Moretti, Levi Eisenblätter, Johanna Wokalek, Sonja Richter, Maria Dragus, Louis Hofmann, Tom Gronau

      zdf.de/filme/der-fernsehfilm-d…he/deutschstunde-104.html
      Video verfügbar bis 10.11.2021

      de.wikipedia.org/wiki/Deutschstunde_(2019)


      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten


    • Jedes Ding hat seine Zeit und mancher Regisseur bei mir auch. ^^ Bislang konnte ich mit Antonioni nie so richtig etwas anfangen und dann plötzlich, sprich heute, platzt der Gordische Knoten - wenigstens ein Teil davon.

      Vielleicht, weil ich mich nicht mehr über die Geschichte genähert habe, sondern über die Formen und Objekte, die Hintergründe, die Schwarzweißdramaturgie. Klingt jetzt womöglich sehr intellektuell, war es aber gar nicht. Mir fiel nur gleich zu Beginn der Blick der Kamera auf scheinbar Nebensächliches auf, auf einen leeren Bilderrahmen, eine leere Vase, auf das Zurückziehen der Gardinen und die arrangierte Natur hinter den Fenstern. Und plötzlich faszinierte mich Antonionis Spiel damit, wobei das natürlich der völlig falsche Ausdruck ist. Nie gibt es bei ihm das spielerisch Improvisierte, immer ist alles bis ins Kleinste geplant.

      Aber eben dieses 'Spiel', die Einbettung der Schauspieler in das sie Umgebende, die Wechselwirkung zwischen Mensch, Drama, Objekt, Form, Kamerawinkel und Fotografie - hier liegt für mich, im Moment jedenfalls, ein Schlüssel zum Werk von Antonioni. Das kommt dann, trotz aller Emotionen, ungewollt oder gewollt, jedenfalls sehr sachlich rüber, schafft eine Distanz, eine Kühle. Was diesem Film nur zugute kommt, nämlich nun das Gefühl der Verlorenheit, das durch den Kamerawinkel oftmals hervorgerufene der Unvollständigkeit, der Unsicherheit, des Eingesperrtseins. Und das der Auflösung, des Auslöschens, des Unbedeutenden, was gerade durch die grandiose Schlusssequenz im Zuschauer entsteht. Es gibt so viele Bilder in diesem Film, die mich unendlich fasziniert haben. Der Mensch im Raum, der Mensch und das Objekt und die jeweilige Beziehung zueinander, die plötzlich entsteht. Und in den besten Momenten, bei den besten Bilder nie der Eindruck, dass das eine über dem anderen dominiert. Was nicht heißen soll, dass eine Harmonie entsteht, mitnichten, eher eine gegenseitige Durchdringung und Abhängigkeit, ein sich jeweils mit- und gegeneinander Bedingen.

      Mehr! Ich brauche mehr Antonioni, allerdings ist die Editionslage bei ihm in Deutschland ziemlich katastrophal. Wichtige Filme liegen weiterhin nicht in einer deutschen Ausgabe vor, so muss ich also erst einmal wieder auf die schon geschauten zurückgreifen. Was ich dann auch machen werde.

      :wink: Wolfram
    • Das wenige was ich von Antonioni kenne hat mich sehr begeistert. Wir hatten das Thema schonmal, lieber Wolfram, aber ich möchte nochmal ins selbe Horn stoßen: Bitte bitte bringt doch sein Gesamtwerk raus! Und bitte synchronisiert! Das kann doch nichr sooo schwer sein bei einem derartigen Ausnahmeregisseur.

      Die Editionslage ist ein kulturpolitischer Skandal.

      Arthouse, bitte eine eurer tollen Boxen! Wer wenn nicht Ihr... Ich hoffe weiter :D



      :)
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    • Am Wochenende gesehen




      Spiel mir das Lied vom Tod.


      Vielleicht zum ersten Mal ganz und konzentriert. Und es tut mir leid: ich finde dies einen schwachen, gescheiterten Film. Die Handlung trägt niemals den opernhaften Aufwand. Manchmal fühlte ich mich mich wie in einer Selbstpersiflage. Dann wieder auch große Momente. Klar. Diese Musik - nur nervig. Kitschig. Eklig. Dann wieder großartige Szenen, keine Frage! Aber im Ganzen kam niemals das auf was Leone wohl wollte: eine breite Erzählung dessen was der "Westen" wohl war, eine Deillusionierung in Form einer Überhöhung.

      Ich hab immer gemerkt was Leone da wollte. Manchmal hats geklappt, der Film steckt voller genialer Momente. Aber in Ganzen? Ich war froh daß es vorbei war, echt. Pfffft.

      Ich mag den nicht.


      :S
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    • Anders als bei Antonioni, lieber Garcia, werden wir hier nie zusammen kommen, scheint es mir.

      garcia schrieb:

      Die Handlung trägt niemals den opernhaften Aufwand.
      Jaaa, es ist große Oper und das liebe ich an dem Film. Der Traum eines Italieners vom alten, wilden Westen. Bigger than life, melodramatisch, mit der großen Geste und dem Pathos der italienischen Oper. (Seltsamerweise hat er eine wagnersche Länge, aber so what. :D ) Und auch Endzeit. Noch einmal ein ultimatives Heraufbeschwören, eine Verklärung amerikanischer und italienischer Kulturtradition, der Versuch ihrer Vermischung. Die Überspanntheit einer Donizetti-Oper, die hemmungslose Emotionalität eines Puccini und gleichzeitig der kalte Kapitalismus amerikanischer Prägung, der alles und jeden Traum vom Western zerstört. Ach, ich liebe dieses Monstrum.

      Zu schade, dass wir da nicht zusammenkommen (für Leone), aber wir können uns ja an anderen, leider viel zu wenig Filmen dieses Regisseurs dann schadlos halten. ;)

      :wink: Wolfram
    • James Bond 007: Keine Zeit zu sterben
      (UK/USA 2021)
      Mit Daniel Craig, Léa Seydoux, Rami Malek, Christoph Waltz, ...

      Ein ungewöhnlicher "007".


      maticus
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    • Wenn Samurai / Rojin , dann so . Doyo yaburi - Samurai from Nowhere . Alter japanischer schwarz-weiß Film von 1964 , Regie Seiichiro Uchikawa . Für Romantiker uneingeschränkt zu empfehlen - und er wird beim zweiten Anschauen noch besser . Keine großen Namen (Kurosawa soll den Regisseur sehr geschätzt haben ) , aber ganz schöne Unterhaltung .
      P.S : Nicht unerwähnt soll die Filmmusik bleiben - ich erwartete , daß jeden Moment ein oder zwei schwarze Citroen DS ins Bild kommen . Für mich Frankreich um 1960 . Beeindruckend .
      Etwas mehr zum Film : japanonfilm.wordpress.com/2020…nowhere-dojo-yaburi-1964/

      Hier zu finden : youtube.com/watch?v=OGl_2GwiKGA
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"
    • Neu

      Ich muss wirklich unbedingt mal an das japanische Kino heran. Bis auf Kurosawa quasi eine absolute Leerstelle bei mir. Geht gar nicht.

      In der Zwischenzeit heute aber erst einmal wieder etwas aus heimischer Produktion:



      Der ist eigentlich verdammt gut gemacht. Alleine die Traumsequenz zu Beginn steht noch ganz in der Tradition des deutschen expressionistischen Stummfilms und auch ansonsten gibt es manche Elemente, die daran erinnern. Zudem all die Fahrten durch das alte Berlin. Immer wieder schon anzuschauen.

      Interessant natürlich auch die Drehbuchautoren. Billy Wilder ist klar, wird ja auch genannt, aber auch Emeric Pressburger hatte kurzzeitig seine Finger darin und Erich Kästner sowieso. Jedenfalls ist es ein richtig gutes Drehbuch geworden, Sentimentalitäten und Naives à la Kästner logischerweise mit dabei, aber auch schon schöne Pointen, bei denen ich mal ungeniert auf Billy Wilder tippen würde. :D

      :wink: Wolfram
    • Neu

      Kann ich nur unterstützen, das Vorhaben mit dem japanischen Film :D

      Allerdings: es braucht den Moment. Ich hab mir ja 10 oder so davon besorgt. Die Hälfte davon steht hier noch ungesehen. Es ist schon eine hermetische Welt, die sich nur erschließt wenn - ich kann nur von mir selbst reden - eine gewisse innere Stille schon da ist. Sonst geht das Wesentliche schnell an mir vorbei. Bei Yasujiro Ozu hab ich das noch stärker empfunden als bei Kenji Mizoguchi, der doch noch etwas vertrautere Erzählstrukturen mitbringt, aber Ozu liebe ich noch mehr, vielleicht deshalb. Jedenfalls - das mußte ich erfahren - erzeugen diese Filme keine (wie soll ich das nennen? Achtsamkeit? Konzentration aufs Wesentliche? Innere Ruhe?), sie erfordern das.



      Du wirst bestimmt einen Weg zu diesen Filmen finden, und der wird dir gefallen. Laß dem Zeit. Sie kommen eher zu dir als du zu ihnen. Aber jetzt schon viel Freude damit :)


      :)
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      (Shunryu Suzuki)
    • Neu

      Bevor es nach Japan (irgendwann ;) ) geht, erst einmal ein Kurztripp in die ehemalige DDR:



      Kurt Maetzig greift hier ein wahrlich wichtiges Thema auf, nämlich die Geschichte der IG Farben im Dritten Reich und darüber hinaus, wobei DEFA und Drehbuchautor Konrad Wolff für sich in Anspruch nahmen, dass ihre Geschichte auf den Prozessakten aus Nürnberg basierte.

      Natürlich wird in einem Film dramatisiert, werden Person und Ereignisse hinzuerfunden. Das finde ich noch ok, würde man sich ja sonst auch zu sehr im Bereich des Dokumentarfilms bewegen. Hier aber ist die Absicht dann doch zu deutlich. Die IG Farben paktiert nicht nur mit den Nazis, sondern auch mit Standard Oil aus den USA und zwar vor, während und nach dem II. WK. Eigentlich ist es v.a. der böse amerikanische Kapitalist, der alle Fäden zieht und den Konzern auch nach Nürnberg noch für seine imperialistischen Ideen benutzt. Hilfe kommt dann nur von der politisch bewussten Arbeiterklasse, die durch ihre internationale Solidarität die Welt nun endlich zu einem besseren Plätzchen machen wird.

      Wenn der Film formal nun wenigstens interessant wäre, aber sein Erscheinungsjahr 1950 merkt man ihm doch ziemlich an. Das ist annähernd klassische deutsche Filmkunst, wie man sie auch vor '45 erleben konnte. Von daher ein wohl typischer Propagandaschinken der Defa aus diesen Tagen.

      Was ihn vielleicht doch sehenswert macht, sind die Schauspieler, allen voran Fritz Tillmann und Paul Bildt, die beide später selten angemessene Rollen gefunden haben, sind kurze Auftritte von Agnes Windeck und Eva Pflug, ist das immer wieder zu genießende Spiel der Inge Keller. Sehenswert auch deshalb, weil er Einblick gibt in die 'Kunst' der großangelegten Propagandafilme der Defa, fern ab von 'Die Mörder sind unter uns' oder 'Rotation'. Durchaus auch, weil der Film in der BRD verboten wurde (!), was ja einige Gedanken zum Verhältnis Politik - Kapital in der jungen Bundesrepublik lostritt. Aber v.a. weil Hanns Eisler die Filmmusik dazu geliefert hat und nicht nur das. Die letztlich dann doch wenigen Stellen, an denen er sich stärker hervortun konnte, nämlich Momente, wenn Zeitgeschichte in Form von Dokumentationsaufnahmen ein Bindeglied zum nächsten Stadium darstellte, gehören mit zu den stärksten, berührenden und auch verstörenden Abschnitten. Das ist immer eine ganz eigenständige, manchmal durchaus auch verquer zum Bild liegende Musik, gemäßigt 'modern', aber v.a. sehr präsent. Sie geht nicht unter, kann sich gegen die Wucht der Bilder aus dem II. WK wahrlich behaupten. Leider vertrauten der Regisseur oder die Defa dem Komponisten letztendlich dann doch nicht so richtig. Die Schlussapotheose der siegreich marschierenden Arbeitermassen wurde unterlegt mit Musik Tschaikowskjs. Da musste dann wohl 'was Russisches ran. :D

      Also, die Welt geht nicht unter, wenn man den Film nicht sieht :D , aber als Beitrag zur deutsch-deutschen Geschichte und Geschichtsverarbeitung in den fünfziger Jahren schon bemerkenswert.

      :wink: Wolfram
    • Neu



      Der Erstling von Peter Bogdanovich aus dem Jahre 1968.

      Wie kombiniert man die Geschichte eines 'Snipers' mit der eines alten Horrordarstellers, der nun Abschied nehmen möchte? In dem man Samuel Fuller das Drehbuch schreiben lässt. ^^
      Bogdanovich gibt ehrlich zu, dass seine Frau und er mit dem Drehbuch gescheitert wären, hätte es nicht die helfende Hand von Fuller gegeben, der allerdings keine Credits dafür beanspruchte. So stammen also die meisten Verknüpfungen, die interessanten Wendungen und Einfälle von ihm, während die filmische Umsetzung dann wirklich in der Hand von Bogdanovich lag. Und die ist für einen Erstling verdammt gut gelungen. Aus dem Stall von Roger Corman kommend und mit genauer Kenntnis der Werke einiger der großen Regisseure der Geschichte, war er einerseits in der Lage mit einem absoluten Produktionsminium umzugehen und andererseits wusste er genau, wo er die Kamera platzieren musste, wie Schauspieler im Raum zu arrangieren waren, wie eine Szene zu schneiden war usw. Von daher ist der Film wirklich toll gemacht. Inwieweit er das Thema 'Heckenschütze' angemessen behandelt oder ob es sich für eine eher ästhetische Gegenüberstellung mit der Kunst eignet, ist allerdings fraglich.
      Trotzdem ein wirklich sehenswerter Film und sei es nur wegen der grandiosen schauspielerischen Leistung von Boris Karloff!!!

      :wink: Wolfram