MOZART: Die Zauberflöte - Kommentierte Diskographie

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    • Lieber Sotka!

      Von der Seite der Schwiegermutter habe ich eigentlich die Königin der Nacht noch nicht betrachtet - aber Du hast Recht es stimmt natürlich.

      Erika Mechera und Ingeborg Hallstein wären da besonders hervorzuheben.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • die tiefe der zauberflöte

      gestern sah ich - eigentlich ganz zufällig - das duett "bei männern welche liebe fühlen". simon keenlyside und dorothea roschmann.
      ich war komplett BAFF !!!

      hier zeigte man mir eine ganz neue interpretation von mozart, denn mit andacht wird gesungen. es ist ob man dieses duett zelebriert. etwas geistiges.
      als ich neugierig weiter nach ausführungen dieser oper in covent garden suchte, sah ich eine wunderbare interpretation, die mich völlig überraschte. mozart wurde hier auf eine neue weise akzentuiert.

      so staunend und sinnend, realisierte ich mich plötzlich, daß gerade mozart so viel seiten hat, weil er zwar die musik schrieb, aber die einfüllung der interpretation eigentlich den sängern überließ. man muß (lernen zu ???) interpretieren auf mozarts weise, d.h. mit gefühl. denn DAS war mozarts kraft.

      weiter so sinnend, bedachte ich, daß sein leben eigentlich eine dauernde rebellion war. ebenso seine musik.
      nimm mal die letzten opern. trotz zensur gab es einen dauerkampf. kampf von reich gegen arm, von hoch gegen niedrig, von gut gegen böse.

      vllt darum ist mozart so schwer zu spielen. nicht technik ist bei ihm das höchste, sondern gefühl. und da auch technisch nicht so leichte sachen einfach klingen, fällt einer durch, wenn die seele fehlt. ist das vllt der grund, warum viel menschen mit ihm keinen rat wissen. seine bewunderer eigenlich als einfaltspinsel abschreiben?

      oh ja, der link dieses duett ist "http://www.youtube.com/watch?v=8wo4jLwBiwc"

      übrigens, mit "free you tube download" kann man die dateien in eine sehr gute version als mp4 downloaden. empfehlungswert.

      [Hierhin verschoben, da es thematisch so paßt. Ein hoffentlich ebenfalls passendes Coverbild ergänze ich.
      :wink:
      Gurnemanz]


      Wirklich schöne Musik rührt
    • musicophil schrieb:

      ha, ist auf DVD erschienen. die werde ich kaufen !!
      Ich hab sie schon! :P
      Hab sie mir gestern angeschaut. Wirklich eine schöne Inszenierung. Einfallsreich, pfiffig und ausdrucksstark.
      Einzig die 3 Knabensoprane stören etwas, da sie manchmal was schief singen. Live würde mich das nicht stören, bei einer gekauften DVD ist es aber auffälliger. Sei's drum, der gruselige Auftritt der Königin der Nacht macht alles wett! :juhu:



      :wink:
      "Ohne Musik wär alles nichts."
    • Ist halt eine David McVicar Inszenierung... Und hier

      David McVicar - Die Opernarbeiten auf DVD

      schon mal ganz knapp erwähnt worden...

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • ZAUBERFLÖTE aus Stuttgart 1949

      Morgen, 20.06.12, sendet SWR2 in der Sendereihe "Musik kommentiert" ab 20:03 h :

      Ausschnitte aus der Stuttgarter GA von 1949 mit Lore Wissmann, Walther Ludwig, Otto von Rohr, Karl Schmitt-Walter,.... und dem Chor und Orchester des Senders Stuttgart, ML Hans Müller-Kray.

      Weiß jemand von euch, ob es die Aufnahme mittlerweile auf kommerziellen Tonträgern gibt? Ein Blick in die Schriftenreihe "Stimmen, die um die Welt gingen" aus dem Jahr 1994 - Walther Ludwig gewidmet - verrät auf der Seite 109 zwar die Besetzung der GA, gibt aber keinerlei Hinweise auf eine Veröffentlichung.

      Bin auf die Sendung gespannt, nicht nur wegen meiner Favoriten Walther Ludwig (Tamino) und Otto von Rohr (Sarastro).

      :wink:
    • Lieber Peter,

      danke für den Hinweis auf die 1937-Aufnahme! Um diese handelt es sich bei der von mir erwähnten aus dem Jahr 1949 nicht.

      Ich werde die SWR2-Sendung morgen mitschneiden, in Ruhe anhören und anschließend über meinen Eindruck berichten.

      Bis dann.

      Aus der Geburtsstadt der Brüder Fritz und Adolf Busch grüßt dich herzlich

      :wink: lysiart
    • Lieber lysiart!

      Entschuldige mein Vesehen - ich habe zu spät nachgeschaut auf meinem LP - Cover, das kommt davon wenn man nur auf Walther Ludwig schaut.

      Ich werde beim Mozarteum / Salzburg nachschauen, geht aber erst am Nachmittag, die haben fast alles im Katalog und ich habe noch von früher Freunde dort, ich bleibe am Ball - nur jetzt bin ich etwas nervös wegen der Prüfung heute.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter. :wink: :wink:


    • Im November 2010 (!) fragte Local Hero nach meiner Meinung zu dieser "Zauberflöte" - ich bitte sehr um Entschuldigung, daß es mit der Antwort so lange gedauert hat.

      Es handelt sich um die Inszenierung von Benno Besson an der Pariser Oper 2001. Der Regisseur ist leider 2006 verstorben. Seine Version trifft für mich in vielen Punkten den Nerv. Teils märchenhaft angelegt, teils modern besticht sie nicht zuletzt optisch durch sehr gelungene Kostüme und Bühnenbilder. Sie versucht nicht alles zu erklären, sondern lebt mit den logischen Ungereimtheiten eigentlich ganz gut, weil sie viel Sinnstiftendes anschaulich macht. Außerdem wußte Besson, wie man eine Zauberoper des späten 18.Jahrhunderts realisieren soll. Mit viel barockem und historisierendem Maschinenzauber und oft großartiger Formphantasie gibt er dem Bühnengeschehen sehr viel Leben, dessen Ernst auch von Augenzwinkern begleitet wird. Die märchenhafte alte Welt des Aberglaubens wird hier in die verstandesbestimmte, aber nicht herzlose moderne Zeit übergeleitet - die sich viel Simnn für Märchenzauber bewahrt. Sarastro ist ein echter Eierkopf, auch äußerlich, der sein Anliegen ehrlich meint, es aber auch gut zu verkaufen versteht. So wirkt seine Charakteristik etwas bizarr, aber nicht parodistisch verfremdet wie die Gestalt des Monostatos, die durch ihre groteske Erscheinung sich jeder Problematik rassenhafter Natur o.dgl. entzieht. Blendend der Gedanke, das "In diesen heilgen Hallen kennt man die Rache nicht" auch dadurch anschaulich zu machen, daß die gerade erst in ewige Nacht gestürzten Damen, der Mohr und die Königin am Schluß wieder präsent sind und in den Jubelchor einstimmen, diesmal aber nicht als Privilegierte, sondern als Gleiche unter Gleichen im Volk.
      Kostüme und Bühnenbild sind eine Sonderleistung von Jean.-Marc Stehlé. Er beschämt seine Kollegenschaft durch eine hervorragende Begabung für Farbe und Form. Seit Schinkel hat die Königin der Nacht kein so eindrucksvolles Kostüm bekommen, und erst der Tamino sieht geradezu überwältigend aus.
      Musikalisch hält man hervorragendes Niveau. Ivan Fischer gibt den instrumentalen Passagen kein besonderes Eigenprofil, erweist sich aber als geradezu idealer Mozartdirigent für die Sänger, ist ein ausgesprochen einfühlsamer Begleiter. Mir kam der Zusammenklang immer wieder perfekt vor. Im Ensemble vollbringt Dorothea Röschmann als Pamina eine ganz hervorragende Leistung. Stimmlich und im Typus für die Partie vielleicht eine Spur zu reif klingend/erscheinend, überzeugt sie jedoch durch intensivstes Spiel und intensivsten, wunderbaren Gesang. Eine einwandfreie Fünfsternbenotung! Als Tamino überraschte mich Piotr Beczala mehr als positiv. Er singt ausgezeichnet (was ich ihm in dem Alter eigentlich nicht zugetraut hatte), sodaß ich meine einmal gemachte despektierliche Bemerkung, er sei ein sehr guter B-Tenor, beschämt zurückziehe. Auch erweist sich, daß Beczala unter einem vorzüglichen Regisseur und in einer Partie, die nicht unbedingt viel Tiefe erfordert, auch darstellerisch recht gut zu bestehen vermag. Natürlich gibt es einige wenige noch bessere Taminos, aber mit Paris hat er sich zweifelsfrei für die Spitzengruppe qualifiziert. Desirée Rancatore sieht als Königin fast zu jung und fesch aus, aber das ist eigentlich kein Fehler. Stimmlich liegt ihr das Lyrische mehr, daher singt sie ihre Auftrittsarie als leidende Mutter wunderbar (ein ganh kleiner Gickser zählt da nicht). In der Rachearie gelingen ihr die Koloraturen fehlerlos, nur das Dramatische wirkt leicht forciert. Trotzdem eine insgessamt sehr beeindruckende Leistung. Detlef Roth vertritt den Typus des wenig schalkhaften und ziemlich rauhen, fast unsympathischen Papageno, singt ausgezeichnet und gar nicht so sehr als ein lyrisch angehauchter Bariton, sondern mit teils recht kräftigem Organ, das ihn noch für ganz andere Aufgaben interessant scheinen läßt. Matti Salminen verkörpert den Sarastro ganz ausgezeichnet, stattet ihn vokal mit aller würdevollen und patriarchalisch-edlen Schwärze aus. So wie seine priesterschaft trägt er modernes Hemd und Krawatte unter seinem üppigen Ornat: Das ungewohnt Neue und Rationale geht eine glückliche Verbindung mit dem traditionellen Kostümuzauber ein..Die Nebenrollen sind überwiegend gut bis sehr gut besetzt. Nicht nur die drei Damen singen blendend, auch die drei Tölzer Knaben machen ihre Sache tadellos. Gaele le Roi sieht als Papagena reizend aus, gewinnt aber gesanglich nicht viel Profil neben ihrem eindrucksvollen Papageno. Uwe Peper gibt einen stimmlich durchschnittlichen Monostatos.
      Alles in allem aber bietet diese "Zauberflöte" eine in sich sehr geschlossene und stimmige Lösung, mit - auch musikalisch - einem deutlichen Hang zu dramatischer Abwechslung und einem Zug in die Große Oper, was vorzüglich paßt. Unter den aktuellen Versionen, die ich kenne, stelle ich sie ohne Zögern an die erste Position. Die Konkurrenz erscheint dagegen vielfach fast provinziell.

      Liebe Grüße
      Waldi
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      Homo sum, ergo inscius.


    • Opernhaus Zürich 2000, TDK 2002

      Zweifellos eine der beachtlichsten Inszenierungen der "Zauberflöte" aus jüngster Zeit. Sehr konsequent zielt sie auf die freimaurerisch-aufklärerischen Elemente und macht vieles von dem deutlich, was auch unser Peter Brixius betont hat. Hier geht es um Reform und Befreiung aus dem harten klerikalen Anspruch, alles bestimmen zu wollen. Wenn zum Anschluß der Chor mit Trikolorenschärpen erscheint, ist das für mich ein bißchen überzogen, denn das hängt dem Sarastroschen Tun beinahe ein kleines Robespierremäntelchen um. Das paßt mir nicht, denn ich glaube, weder Mozart noch Schikaneder wollten es so radikal verstanden wisssen. Ob mit der Königin der Nacht wirklich auf Maria Theresia angespielt werden soll, scheint mir eher zweifelhaft. So konkret ist das offenbar nicht gemeint. Aber dieser bigott-intrigante Klüngel um die Königin ist blendend gezeichnet. Der äußerliche Prunk dieser ancien monde ist aber kalt und distanzierend. Da hat der Regisseur sehr überzeugend gestaltet (zusammen mit seinem Designer Philip Prowse). Auch ist die Inszenierung eher herb und vor allem weitestgehend unsinnlich. Das barock-spielerische Moment spielt kaum eine Rolle, das Märchenhafte bleibt ausgeklammert. Farbe gibt es wenig, Natur noch weniger (nur im Ausblick zum Schluß), was bei Papagenos Selbstmordversuch prompt zur Inkonsequenz wird. Er singt zwar von dem Baum, den er zieren will, aber von einem solchen ist weit und breit nichts zu sehen, sodaß er sich münchhausenartig selbst am Strick in die Höhe ziehen muß/müßte. Trotzdem: Diese herb-britische Art hat etwas Bezwingendes, weil sie hier mit viel Gefühl und Können eingesetzt wird. Da macht es auch nichts, daß der Regisseur Jonathan Miller für einen wienerischen Papageno wenig Verständnis aufbringt. Miller macht aus ihm einen reichlich primitiven Landmenschen, für den sein Prüfungs-Betreuer nur - etwas skurril übertriebene - Verachtung empfinden kann. Federn gibt es keine, weder für Papageno noch für Papagena, die als eine Art einfacher Dienerinnentyp erscheint - sehr stimmig natürlich für diesen Ideenansatz. Humor wird in teils kräftiger, aber sehr kontrollierter Dosis verabreicht, was mit dem sonstigen, mehr bewußt steifen Gehabe drollig kontrastiert (auch wieder sehr britisch, diese Art). Die Leichtigkeit ist gar nicht angestrebt. Alles in allem aber unbedingt ein Ergebnis, das zur Spitzengruppe gehört, auch wenn mir die weit sinnlichere Pariser DVD von 2001 persönlich mehr zusagt.
      Musikalisch wird sehr hohes Niveau geboten. Piotr Beczalas Tamino erreicht zwar noch nicht ganz das Niveau von 2001, aber hat unter den derzeitigen Darstellern dieser Rolle kaum Konkurrenz zu befürchten. In der Pamina von Malin Hartelius steckt viel mehr als ein tumbes, seeelengutes Naivchen. Die wird als Herrscherin einmal eine beachtliche Persönlichkeit sein. Sehr gut gesungen und dargestellt mit einem deutlichen Einschlag, der fast ins Hochdramatische geht. Matti Salminen war im Prinzip gut bei Stimme, verläßt aber ein bißchen zu oft die Gesangslinie - Fazit: Sehr gut, aber nicht optimal oder einen Gottlob Frick vergessen machend. Anton Scharinger ist für diesen Typ Papageno genau der Richtige. Seine schwere, gut klingende, aber nicht allzu beweglich geführte, die Konsonanten mitunter etwas verschleifende Stimme paßt hier optimal. Und schauspielerisch liefert er einen Glanzpunkt. Ausgezeichnet die Papagena: Julia Neumann, ausgezeichnet die drei Damen (Martina Janková, Irène Friedli, Ursula Ferri), die zu den besten gehören, die ich kenne. Vorzüglich Elena Mosouc als Königin der Nacht mit perfekten Koloraturen und klug dosiertem Spiel. Volker Vogel ist ein brauchbarer (und optisch gut gelungener) Monostatos. Einzig der Sprecher (Jacob Will) fällt ab. Er kämpft mit seinem Akzent, und der Dirigent hätte dem Armen vielleicht etwas mehr Zeit gönnen sollen. Franz Welser-Möst dirigiert einen schnörkellosen, leicht toscaninihaften Mozart von hohen Graden, nimmt aber hin und wieder recht flotte Tempi. Das paßt auch mit der einen Ausnahme.
      Anschaffung oder Kenntnisnahme für leidenschaftliche Zauberflötisten unbedingt zu empfehlen.

      Liebe Grüße
      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Lieber Waldi,

      vielen Dank für Deine Würdigung der Inszenierungen von Besson und Miller, die ich gerne unterschreibe. Nun lese ich ja gerade die beiden Bände "Mozarts Opern. Das Handbuch", die u.a. auch eine Reihe von Inszenierungen z.T. sehr ausführlich vorstellen. Für mich unverständlicherweise sind diese beiden Inszenierungen nicht berücksichtigt, Jonathan Miller wird immerhin noch genannt (unter Verfilmungen, dort wird überbordend die Bergmann-Inszenierung geschildert). Es ist nun kein wichtiger Teil dieses Handbuchs, aber die Kriterien der Auswahl sind mir nicht immer nachvollziehbar.

      Besprochen werden John Dew (Wuppertal 1984), Harry Kupfer (Berlin 1986), Peter Sellars (Glyndebourne 1990), Johannes Schaaf (Salzburg 1991), Achim Freyer (Salzburg 1997, Schwetzingen 2002), George Tabori (Berlin 1998), Andrej Woron (Mannheim 1999), Uwe Scholz (Nürnberg 1997), Stéphane Braunschweig (Aix en Provence 1999), Robert Carsen (Wien 1999), Gabriele Rech (Weimar 2001), Urs Häberli (Kaiserslautern 2003), Alex Ollé/Carlos Padrissa, La Fura dels Baus (Essen 2003), Peter Konwitschny (Stuttgart 2004), Vera Nemirova (Eisenach 2005), William Kentridge (Brüssel 2005). Im Nachtrag werden noch Pierre Audi (Salzburg), Achim Freyer (Dresden), Hans Neuenfels (Komische Oper Berlin) und Krystian Lupa (Wien) genannt.

      Die Beschreibungen beziehen sich nur auf Inszenierungsideen, über die Korrespondenz mit der Musik oder über die Akteure auf der Bühne erfährt man nichts, noch nicht einmal etwas zu den jeweiligen Dirigenten. So kann man Rezeption auch sehen, da hätte Mozart eigentlich gar keine Musik schreiben brauchen, da hätte es der Schikaneder auch getan ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Nun, lieber Peter, ich habe Dir zu danken, denn vor allem auf Deine Empfehlung hin habe ich mir diese Zürcher Version angeschafft. Nachzutragen habe ich noch, daß die drei Knaben sich bemühen, aber nicht alle drei gleichwertig singen. Die Wiener Sängerknaben, angeführt von Peter dem anderen, werden durch jene nicht erreicht, auch nicht die Tölzer..
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Lieber Waldi,

      dann musst du dir jetzt aber unbedingt auch noch die in diesem Thread schon mehrfach erwähnte Londoner Zauberflöte unter Colin Davies in der superben Inszenierung von David McVicars zulegen. Auch hier eine hervorragende Besetzung (u.a. erneut Dorothea Röschmann als Pamina) und Diana Damrau als Königin der Nacht kommt in ihren beiden großen Auftritten mit der Intensität einer Naturgewalt über die Bühne, das muss man erlebt haben. Schlichtweg unvergesslich.
    • Waldi schrieb:

      Ja, die steht auch auf meiner Liste. Ich warte, bis sie günstig zu haben ist, und hoffe, daß es heuer diesbezüglich klappt und ich im entscheidenden Moment nicht gerade in Ungarn bin.


      Interessanterweise gehört auch diese nicht zu den besprochenen im Mozart-Handbuch.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Es ist eine Weile her, da fand ich eine Einspielung fürn läppischen Euro auf dem Flohmarkt:




      (P) 1994 Naxos 8.660030-31 (2 CDs) [149'06"]

      Tamino - Herbert Lippert
      Papageno - Georg Tichy
      Königin der Nacht - Hellen Kwon
      Sprecher - Robert Holzer
      Pamina - Elizabeth Norberg-Schulz
      Sarastro - Kurt Rydl
      Monostatos - Wilfried Gahmlich
      Papagena - Lotte Leitner
      1. Geharnischter & 2. Priester - Peter Jelosits
      2. Geharnischter & 1. Priester - Peter Köves
      1. Dame - Julia Faulkner
      2. Dame - Waltraud Winsauer
      3. Dame - Anna Gonda
      1. Junge - Robert Pap
      2. Junge - Maximilian Richter
      3. Junge - Matthias Uray

      Hungarian Festival Chorus
      Failoni Orchestra Budapest

      D: Michael Halász


      Ich hatte nicht viel davon erwartet, doch gab es gute Gründe, sie mitzunehmen: erstens beinhaltet das Booklet das komplette Libretto, zweitens schien die Besetzung zum überwiegenden Teil aus deutschsprachigen Muttersprachlern zu bestehen. Und drittens sagte mir die Laufzeit, daß auch die Dialoge vorhanden waren.

      Und genauso ist es auch. Alle Dialoge zwischen den Nummern sind vorhanden und werden von den jeweiligen Solisten gesprochen. Sie sind alle als eigene Tracks gesetzt, wodurch man auch die Chance erhält, die Oper ohne Dialoge zu hören, wenn man die CDs entsprechend programmiert. Einige Klangeffekte - Donnerhall, Löwengebrüll u.ä. - sind dazugemischt. Allerdings wirken einige Stellen doch etwas zu leise gesprochen.

      Das gleichen dafür die Gesangsleistungen aus: Herbert Lippert als Tamino klingt toll, Georg Tichy gefiel mir auch sehr gut. Kurt Rydl und Hellen Kwon sind ebenso passend. Ich muß zugeben, daß ich - der ich ja nur die Böhm-Aufnahme von 1964 gut kenne - sehr angetan bin von dieser Besetzung, auch wenn keiner vielleicht so einmalig sein mag wie Wunderlich oder Fischer-Dieskau. Doch vielleicht erwarte ich einfach zuviel an dieser Stelle.

      Eine ebenso gute Figur machen auch der Chor sowie das Orchester. Es wird präzise intoniert bzw. virtuos gespielt. Und dann wurde das Ganze in einer wirkungsvollen Weise aufgenommen, die die straffe Interpretation mit ihren schnellen Tempi und Sinn fürs Farbige adäquat darstellt. Ein gewisser wienerischer Einfluß ist spürbar, was der Einspielung eine besondere Leichtigkeit gibt.


      Naxos hat also seit fast zwanzig Jahren eine ausgezeichnete Zauberflöte in ihrem Katalog. Das muß doch mal einem gesagt werden... ;+)

      :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Nachdem ich gestern diese gehört habe :


      Im Klemperer-Faden habe ich ja schon kurz etwas dazu geschrieben, 1A Besetzung und orchestral hervorragend.
      Außerdem besitze ich diese Aufnahme von Sawallisch :



      Entgegen so mancher Meinung mag ich Schreiers Tamino sehr gerne, er bringt das unbedarft-jungenhafte für mich gut rüber, Walter Berrys Papageno bedarf kaum der lobenden Worte, und dann ist da noch Moll als salbungsvoller Sarastro und natürlich Edda Mosers Maschinengewehr-Königin (das muss man vielleicht mögen, der Wirkung der Rachearie ist es nur zuträglich, wenn ich das mit Popp bei Klemp vergleiche, so singt diese zwar formschöner, aber wirkt auch nicht zwingend rachsüchtig, Moser tötet scheinbar schon mit ihrem Gesang).

      An Aufführungen kenne ich die "Jungle/Rasta"-Version von Brian Large/Pierre Audi aus Salzburg 2006



      Muti und die Wiener bieten orchestral eine gute Leistung, Paul Groves als Tamino ist für mich eher eine Enttäuschung, Genia Kühmeiers Pamina ist okay, Gerharer als Papageno finde ich irgendwie nicht ganz passend und wirklich überzeugend (sein Schauspiel sagt mir dagegen zu). Die Highlights sind für mich René Pape als Sarastro und Diana Damrau als Königin der Nacht (ich halte sie momentan eh für die beste Vertreterin dieser Partie).

      Mein absoluter Favorit bei dieser Oper ist allerdings eine ganz andere Version (Blasphemie mag so mancher evtl. gleich denken :D )
      Es handelt sich um eine Verfilmung der "Zauberflöte" durch den britischen Regisseur (und berühmten Shakespeare-Darsteller) Kenneth Branagh.
      Ums gleich vorweg zu sagen, ich liebe diesen Film wirklich.
      Außerdem finde ich, dass er vereint, was scheinbar (!) unmöglich ist, nämlich traditionelle Elemente und moderne Bezüge.



      Die Besetzung der wichtigsten Rollen :

      Tamino - Joseph Kaiser
      Pamina - Amy Carson
      Papageno - Benjamin Jay Davis
      Königin der Nacht - Lyubov Petrova
      Sarastro - René Pape
      u.v.m.

      Was an diesm Film sofort auffallen wird, ist, dass in Englisch gesungen wird. Was mich zuerst etwas irritierte, hat aber, wie ich finde, doch seinen Reiz, vor allem weil die englische Fassung von Stephen Fry nicht einfach eine 1: 1 Übertragung ist, sondern den Elementen des Filmes angepasst wurde, dadurch kommt es auch nicht zu Brüchen zwischen dem gesungenem Text und der Visualität von Situation und Handlungen.

      Etwas zum Aufbau :
      Der Film spielt nicht im fernen Ägypten, sondern in einer Fantasiewelt. Dort ist zwischen der Königin der Nacht und Sarastro ein Krieg ausgebrochen. Tamino, ein Soldat in den Reihen der Königin wird nun von ihr berauftragt, ihre entführte Tochter aus Sarastros Burg zu befreien (also wie man's kennt), ein etwas trotteliger, anderer Soldat namens Papageno soll ihm dabei helfen. Die Behauptung, die ich oft im Zusammenhang mit diesem Film las, dass die Handlung in den I. Weltkrieg versetzt sei, stimmt so überhaupt nicht. Das Setting weist zwar Anlehnung an diese Zeit auf (Schützengräben wie beim Stellungskrieg, die Uniformen - hier aber einfach als rote bzw. blaue Armee gekennzeichnet -, Stacheldraht, die Königin kommt auf einem kleinen Panzer herangefahren - ein toller Einfall, finde ich- usw.), ist aber nicht als historische Wiedergabe angelegt, es ist ein "Fantasie-Krieg" in einem Fantasie-Reich und trotz aller Anleihen, sehr farbenfroh gehalten. Vom Kern her folgt die Geschichte weitesgehend dem Libretto, dichtet hier und da interessante Kleinigkeiten dazu (eine frühere Liason zwischen Sarastro und der Königin der Nacht etwa aus der Pamina entsprang).
      Wie gesagt, alles ist dabei herrlich quietschbunt und ja, vielleicht sogar ganz selten ein wenig kitschig, aber das kann ich verschmerzen.
      Die Sänger, von den ich die wenigstens bis dahin überhaupt kannte - sagen mir allesamt sehr zu, tragen ihre Rollen ganz wunderbar (und sind auch optisch passend besetzt).

      Ein toller Film. Es mag Menschen geben, die die Interpretation der "Zauberflöte" für nicht gelungen halten, vielleicht kitschig, grell, bunt, aber genau das ist es, was mir gefällt. Es ist ein Märchen, ein spannendes, unterhaltsames Märchen.
      Eine grandiose Symbiose aus Tradition und Moderne.
      Dieser Film macht macht vor allem einfach eines... einen Riesenspaß!
      Wer also offen für etwas Neues/Anderes ist, dem kann ich diesen Film herzlich empfehlen.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Waldi schrieb:

      Sir Georg gehört zu meinen absoluten Favoriten. Von seinen beispielgebenden Interpretationen möchte ich nur herausgreifen:


      Kann jemand Genaueres zu dieser Aufführung sagen?
      Bei jpc kann man schon Videos anschauen, sieht alles irgendwie assiatisch aus...
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"