Konzerte in Hamburg

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    • Konzerte in Hamburg

      18.04.10: Hamburger Symphoniker, Christian Arming, Guy Braunstein: Tüür zur Moderne

      Tüür: 'Aditus'
      Prokofieff: Violinkonzert Nr. 2 g-moll
      Martinů: 6. Symphonie 'Fantaisies Symphoniques'

      Sonntag hat mich der Dirigent Christian Arming begeistert! „Tüür zur Moderne“ hieß das Symphoniekonzert der Hamburger Symphoniker. Auf dem Programm standen Tüürs Aditus, Prokofjews 2. Violinkonzert und Maritnus 6. Symphonie.

      Das Tüür-Werk war nur kurz, dafür aber laut. Von daher hat es mich ein wenig an Adams´ "short ride in a fast machine" erinnert, obwohl es dann doch wieder ganz anders war, insebsondere im Nachspüren der Klangfarben einzelner ORchestergruppen. Viel Bleck, viel Schlagwerk. Die Blicke in das angejahrte Abonnentenpublikum sprachen Bände. Mir hat`s gefallen, wenn ich auch eine rote Linie nicht recht erkennen konnte.

      Das Violinkonzert hatte mit Guy Braunstein, Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, einen hochinteressanten Solisten zu bieten, der das Publikum begeistert hat. Ich mag das zweite Konzert nicht so gern, höre das erste viel lieber. Nun ja, Geschmacksache. Braunstein aber war wirklich toll. Er kam in seiner legeren Art sehr sympathisch rüber. Witzig seine Angewohnheit, bei markanten Stellen mit dem rechten Fuß nach vorn zu rucken - als wollte er den Ball mit der Pike rein machen.

      Nach der Pause erklang Martinus sechste Sinfonie. Ich habe sie auf CD, höre sie allerdings nicht oft, ein entfernter Bekannter sozusagen, nichts Besonderes. Unter Arming hingegen, der eine sehr klare, für das Publikum attraktive Zeichengebung pflegte, fand ich die Sinfonie aufregend und sehr interessant. Ungewöhnlich lebendig klang die Musik. Arming kannte ich gar nicht. Bei uns im Forum wird er überhaupt nicht, bei Tamino – ich dachte, weil Arming Wiener ist, wird dort sicher etwas über ihn zu lesen sein – ebenfalls nur am Rande erwähnt. Wenn Arming noch mal nach Hamburg kommt, bin ich wieder da, das ist gewiss!

      Gruß, Thomas
    • 02.05.10: Christoph von Dohnanyi – NDR Sinfonieorchester – Beethoven: Sinfonien 1, 2, 5

      v. Dohnanyi dirigiert innerhalb von acht Tagen alle Beethoven-Sinfonien. Klar, dass ich mir das nicht entgehen lasse.

      Gestern, am 02.05.10, hörte ich die Sinfonien 1, 2, 5. Am Ende gab es lang anhaltenden Applaus. Auch ich habe lange applaudiert. Mein Applaus galt allerdings der Person, nicht der gestrigen Aufführung.

      Durchweg wählte v. Dohnanyi mir gestern zu langsame Tempi. Betuliche Opa-Geschwindigkeit, dachte ich. Dementsprechend wurden leider für meinen Geschmack die Kontraste nicht genügend ausgespielt. Immer wieder sah ich v. Dohnanyi das Orchester bremsen. Leider wollte sich auch der bei solcherlei Interpretation bisweilen entstehende Klangzauber nicht einstellen (Ausnahme: die wieder einmal superben Holzbläser). Maßgeblich lag das an den Geigen, die für mein Empfinden zu gedeckt, zu wenig offen spielten. Ein für meinen Geschmack überaustarierter, zu sehr domestizierter Beethoven war das - was sich dem musikalischen Geschehen gemäß am wenigstens bei der 5. Sinfonie bemerkbar machte. Der Großteil des deutlich älteren Publikums fand allerdings gemessen am Applaus genau diesen Beethoven hervorragend.

      Begleitet hat mich übrigens mein siebenjähriger Sohn. „Papa, das war schön“, hat er mir am Ende gesagt. Na bitte, geht doch!
    • 03.05.10: Christoph von Dohnanyi – NDR Sinfonieorchester – Beethoven: Sinfonien 4, 3

      Das gestrige Konzert fand ich viel besser als das vorgestrige.

      Die vierte empfand ich als rundum stimmig, obgleich ich mir auch hier bisweilen ein wenig mehr Schärfe gewünscht hätte. Denn auch gestern und selbst bei der Eroica pflegte v. Dohnanyi keinen emotional-mitreissenden, sondern einen die Geschehnisse souverän überblickenden Zugriff. Es war höchst beeindruckend, wie sorgfältig insbesondere die Lautstärke und die Tempi abgestuft bzw. austariert waren. Vor allem der zweite Satz der Dritten profitierte davon ungemein. In der Summe bleibt es dennoch ein zurückhaltender, vergleichsweise leiser Beethoven, der mir nicht so sehr liegt.
    • 05./09.05.10: Christoph von Dohnanyi – NDR Sinfonieorchester – Beethoven: Sinfonien 6, 7, 8, 9

      Liebe Freunde des auch von mir sehr geschätzten Christoph von Dohnanyi, die ihr mir ob meiner oben stehenden Zeilen bereits böse zu werden drohtet,

      lasst euch sagen, dass.eben jener welcher am 09.05.10 ein ganz hervorragendes Beethoven-Konzert dirigiert hat. Die achte und die neunte Sinfonie erklangen in meinen Ohren in allerbester Weise. Nahezu nichts hatte ich auszusetzen. Ich lauschte und war rundum glücklich - Ausnahme: der Sopran, dessen Stimme ich furchtbar fand. Witzigerweise misslang in der achten Sinfonie ein Satzanfang, jetzt weiß ich doch glatt nicht mehr, ob es Satz drei oder vier war, CvD winkte nach etwa sechs Takten ab und ließ den Satz noch einmal beginnen. Bester Stoff für die Pausengespräche: "Hast du gehört, was Falsch war?" "Nein, keine Ahnung", meinten die meisten.

      Die Aufführung der sechsten und siebten Sinfonie hat bei mir am 05.05.10 übrigens zwiespältige Gefühle hinterlassen. Der sechsten kam CvDs Ansatz sehr entgegen, die siebte hätte mehr fetzen können. Nun ja. Insgesamt halte ich fest, dass ich die Aufnahmen, würde es die Box für 10 Euro geben, nicht kaufen würde, die Erfahrung alle neun Sinfonien in so kurzer Zeit live gehört zu haben, aber nicht missen möchte.

      Herzlichst
      Thomas
    • Moin Thomas,

      ich habe gestern vergeblich versucht, an der Abendkasse noch Restkarten zu bekommen, aber wer zu spät kommt ... :cry: Ich hätte vermutlich vor allem den Tenor KFV furchtbar gefunden, wäre aber gern bereit gewesen, das in Kauf zu nehmen. Heute Abend hörte ich im Radio die Aufzeichnung mit der Pastorale und der Siebten - diesbezüglich kann ich mich ganz Deinem Urteil anschließen.

      Als nächstes sollte CvD vielleicht mal einen Zyklus aller Dvorak-Sinfonen in der Laeisz-Halle aufführen - den dirigiert nämlich niemand besser als er.

      Den ganz oben von Dir lobend erwähnten Christian Arming habe ich vor einigen Jahren im Gasteig in einem beeindruckenden Konzert mit den Münchner Philharmonikern gehört. Vor der Pause gab es irgendwas Belangloses (Haydn oder so - hab ich wieder vergessen :hide: ), danach dann ein sehr überzeugendes, flammendes Plaidoyer für ein verkanntes Meisterwerk: Zemlinskys "Seejungfrau". Eigentlich warte ich schon länger darauf, dass Arming mal den Durchbruch schafft - keine Ahnung, was er falsch macht...

      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Moin Lavine,

      ich hatte immer noch nicht wirklich realisiert, dass du jetzt in Hamburg bist, obwohl der Graf mich vor einiger Zeit darauf hingewiesen hat. Jetzt aber: Herzlich Willkommen!

      Von den Solisten in der Neunten (Michaela Kaune: Sopran, Janina Baechle: Alt, Klaus Florian Vogt: Tenor, Thomas J. Mayer: Bass) war Frau Kaune deutlich am schlechtesten. Ich hatte sie zuvor noch nicht gehört. CvD hingegen hat die Neunte schon im letzten Jahr mit ihr gemacht. Da er sie wieder eingeladen hat, muss sie Sonntag wohl einen gebrauchten Tag erwischt haben. Kann ja mal passieren. Leider wusste auch Frau Baechle nicht zu gefallen, weil sie mit ihrer Stimme einfach kaum zu hören war. Viel zu wenig Durchschlagskraft brachte sie mit. K. F. Vogt singt halt, wie er singt. Gegenüber den Frauen konnte er sich positiv abheben - was leicht war. Deutlich am besten gefiel jedoch T. Mayer, der mich mit satter, voller, warmer Stimme wieder einmal beeindruckt hat.

      Schade, dass du keine Karte mehr bekommen hast. Genau vor mir - Parkett Mitte - sind zwei Plätze frei geblieben. Von daher ein Tipp, den du beherzigen magst oder auch nicht. In der Laeiszhalle findet nach der Pause keine Kartenkontrolle mehr statt. Wie so oft war auch am Sonntag das Hauptwerk nach der Pause zu hören. Wann Pause ist, weißt du, wenn du das Programm kennst. Du hättest also problemlos nach dem vergeblichen Versuch, Karten zu kaufen, für die Dauer der Achten ein Bierchen trinken und in der Pause zurückkehren können. Dann hättest du in den Saal gehen und nach freien Plätzen Ausschau halten oder dich, wenn es keine gibt, im Parkett an die Seite stellen können. Entsprechendes gilt übrigens für die Oper. Wenn man zufällig in der Gegend ist (oder mal bis Neun arbeitet), lohnt es sich bisweilen, kurz im Internet zu gucken, was gegeben wird, um dann in der Pause vorbeizuschauen und sich den Rest für lau anzuschauen. Wenn das Stück neu ist, funktioniert das nicht so gut, weil es wenig freie Plätze gibt, wenn aber eine Repertoirevorstellung läuft, sind eigentlich immer Plätze frei.

      Ob Arming etwas falsch macht, kann ich nicht beurteilen. Da er Wiener ist, dachte ich, bei Tamino mehr über ihn zu finden. Aber auch dort kommt er kaum vor. Vielleicht liegt es daran, dass er seit 2003 Chefdirigent des New Japan Philharmonic und damit doch recht weit ab vom Schuss ist - obwohl er offenbar noch in Wien lebt. Möglicherweise ist er live stärker als auf CD. Wenn man sich seine Künstlerbiographie anguckt ("http://www.primusic.at/kuenstler_detail.php?p_id=187&l_id=de&e_id=1253274309"), hat er jedenfalls eine Menge zu tun.

      Über das Konzertleben in Hamburg informiert übrigens sehr gut das an verschiedenen Stellen (z. B. Laeiszhalle, ich meine auch bei 2001 in den Collonaden hinten rechts), ausliegende gratis-Heft "Concerti - das Hamburger Musikleben". Hier gibt es viel mehr als man meinen könnte, wenn man sich nur an der Laeiszhalle und der Staatsoper orientiert.

      Viele Grüße
      Thomas
    • Knulp schrieb:

      Moin Lavine,

      ich hatte immer noch nicht wirklich realisiert, dass du jetzt in Hamburg bist, obwohl der Graf mich vor einiger Zeit darauf hingewiesen hat.

      Schon wieder eine kurze Bemerkung, zu der ich mich gezwungen sehe: Ich? Wirklich? Ich kenn den Général doch gar nicht... und zwar sowohl den, der hin und wieder sicher am Klavier Platz nimmt, wie den, der darauf... ?(

      Naja, Hauptsache, er ist in Hamburg, Deiner Perle. Alles andere ist nebensächlich. Nein, von meinem einzigen H&H-Konzert erzähle ich jetzt nichts, das ist acht Jahre her und ich habe alles vergessen, was damit zusammenhing, nur an Haydn erinnere ich mich sehr gut und gerne... ;+)


      :wink:

      "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

    • Danke für den Tip, Thomas. Mein Büro liegt gleich hinter der Staatsoper und fußläufig von der Laeisz-Halle, also werde ich es ab und an mal nach Feierabend darauf ankommen lassen. Noch heute habe ich vergeblich versucht, Karten für John Neumeier zu bekommen. Einfach mal rechtzeitig bestellen wäre vielleicht auch ne Lösung :whistling:

      Beim Hamburger Parsifal, der ja ein Pflichtbesuch ist, wird meine KFV-Toleranz demnächst gewiß auf eine besonders harte Probe gestellt werden X( Und bei einem weiteren Pflichttermin, Simone Youngs Mahler2, werde ich mich davon überzeugen, ob Michaela Kaune wirklich so schlecht ist oder ob sie gestern einfach nicht ihren besten Abend hatte. In den nächsten Tagen wird man das vorgestrige Konzert ja auch auf NDR Kultur hören können. Nebenbei: Dieser Sender ist ganz gewiß das Schlechteste am Norden - ein abscheulich klebriges Dauerwunschkonzertprogramm :thumbdown: Klassikradio ist dagegen wie Donaueschingen X( fast täglich läuft während des Zähneputzens Griegs Morgenstimmung, das macht mich total agressiv und verursacht Plaque und ich lasse es dann wieder zwanghaft an burgenländischen Zopfträgern aus :evil: )

      Cheerio,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Aaaaarg! Für EIN Konzert habe ich eine Karte ergattert - und nun kann ich wegen eines beruflichen Termins nicht dort hin :wut2:

      Daher biete ich das Ticket hier für 40 EUR feil:

      Fr, 11. Juni 2010, 20:00 / Laeiszhalle / Großer Saal
      Einführung mit Habakuk Traber: Fr, 19.00 Uhr / Laeiszhalle / Kleiner Saal

      NDR Sinfonieorchester
      Christoph Eschenbach
      Tzimon Barto Klavier

      Robert Schumann: Introduktion und Allegro appassionato G-Dur op. 92 für Klavier und Orchester
      Robert Schumann: Geistervariationen
      Robert Schumann: Konzert-Allegro mit Introduktion für Klavier und Orchester d-moll op. 134
      Robert Schumann: Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 »Die Rheinische«

      Bei Interesse bitte melden.

      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Danke für das Angebot, lieber Général. Aber das ist mir ein bisschen zuviel Schumann...

      Zum Job des NDR-Sinfonieorchesters gehört es ja, auch andere Städte des Sendegebiets zu bespielen, daher sehe ich es gerne und häufig im von mir aus näher gelegenen Bremen. Das dortige Konzerthaus "Die Glocke" ist mir auch etwas lieber als die Laeiszhalle. Wenn's aber nicht anders geht, fahre ich auch gerne mal in die Stadt des FC St. Pauli, um die sehr, sehr guten NDRler zu sehen.

      (Hatte ich auch noch nicht richtig auf dem Schirm, dass du jetzt Nordlicht geworden bist: Moin Moin und Herzlich Willkommen in der steifen Brise!!)

      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Général Lavine schrieb:

      Noch heute habe ich vergeblich versucht, Karten für John Neumeier zu bekommen. Einfach mal rechtzeitig bestellen wäre vielleicht auch ne Lösung


      Hallo Lavine,

      Ballettkarten zu bekommen ist nicht einfach. Die gehen weg wie warme Semmeln und sind meist schon kurz nach dem Verkaufsbeginn für die Spielzeit ausverkauft. Allerdings: Jeweil vier Wochen vor der Vorstellung geht um 10 Uhr ein Restkartenkontingent in den Verkauf (gilt sowohl für die Oper als auch für das Ballett). Ensprechend gucke ich mir den Spielplan im Voraus an und setze je nachdem einen Erinnerungstermin in Outlook. Kaufen kannst du dann - Kreditkarte vorausgesetzt - online mit Platzwahl.

      Am Schumann habe ich ebenfalls kein Interesse. Hoffentlich findest du noch jemanden.

      Magst du Cellomusik? Queyras ist ja kein Unbekannter. Am 19.05.10 spielt er mit dem Ensemble Resonanz (bei dem er 2010/2011 artist in residence ist) in der Kleinen Musikhalle (= kleine Laeiszhalle). Ich werde da sein. Karten gibt's noch reichlich. Wenn du also Lust hast und dir das Programm zusagt, komm doch auch (gilt natürlich auch für andere Anrainer). Ggf. könnten wir uns davor oder danach (besser danach) auf ein Bierchen treffen.

      @ Carsten: Ja, mit dem NRD SO haben wir Glück. Und mit - und wegen - Hengelbrock hoffe ich auf eine glorreiche Zukunft.

      :wink: Thomas
    • 19.05.10: Queyras - Ensemble Resonanz - Geschichten aus Spanien

      Georg Friedrich Telemann: Ouvertüre in G-Dur »Burlesque de Quixotte«
      Francisco Guerrero: »Zayin 2« für Streichtrio
      Luigi Boccherini: Konzert für Violoncello und Streichorchester G-Dur, G 480
      Luigi Boccherini: »Nachtwache zu Madrid«
      Francisco Guerrero: »Zayin 5« für Streichtrio
      Aulis Sallinen: Chamber Music 3, op. 58 »The nocturnal Dances of Don Juanquixote«
      Zugabe: Astor Piazzolla: Milonga en re

      Jean-Guihen Queyras, Violoncello und Einstudierung, Ensemble Resonanz

      Fazit: Ein höchstinteressantes, sehr abwechselungsreiches Programm wurde sehr gut bis fantastisch dargeboten. Hörerherz, was willst du mehr? Ein tolles Konzert!

      Allerbeste Unterhaltung mit Queyras und dem Ensemble Resonanz. Ein interessantes, sehr abwechselungsreiches Programm sehr gut bis fantastisch dargeboten. Ein tolles Konzert! So lautet das Fazit des gestrigen Abends, den ich gemeinsam mit einem Neuhamburger, unserem General Lavine, in der kleinen Laeiszhalle verbrachte.

      Das Ensemble Resonanz ist ein in Hamburg beliebtes Streicherensemble, das immer wieder durch hochinteressante Programme und eine ansteckend fröhliche Weise, diese Programme darzubieten, begeistert und das zu besuchen sich unbedingt lohnt. Umso reizvoller, wenn dieses Musikertruppe verstärkt wird durch eine solche Perle wie Jean-Guihen Queyras. Queyras ist von 2010 bis 2012 Artist in Residence beim Ensemble Resonanz. „Er wird“, wie es auf der Homepage des Ensembles heißt: „als Solist und künstlerischer Leiter 6 Programme mit dem Ensemble Resonanz gestalten und in Hamburg sowie bei Gastspielen in Europa präsentieren. Die Programmatik der Zusammenarbeit folgt der sowohl für Queyras als auch das Ensemble Resonanz charakteristischen Mischung aus klassischem Repertoire und Neuer Musik.“ Genug der lobenden Vorrede, jetzt zum gestrigen Konzert:

      In der Telemann-Ouvertüre, bei der zusätzlich ein Cembalo zum Einsatz kam, fügte sich Queyras quasi als erster Cellist in das Ensemble ein. Ausdrucksvoll und nuancenreich wurden dem Publikum Daon Quixottes Abenteuer sehr schön dargeboten. Begeistert hat mich dieses Stück dennoch nicht, vor allem weil mir die für Telemann so typischen Holzbläserfarben fehlten. Geschmacksache. Schon in diesem Stück war zu sehen, dass Queyras sowohl in Bezug auf die Mitmusiker als auch auf das Publikum äußerst kommunikativ musiziert. Unentwegt wurden Blicke getauscht, groß (aber keineswegs unangenehm) musiziert.

      Spanisch wie Don Quixotte war die Staatsbürgerschaft des 1997 verstorbenen – mir bisher unbekannten - Komponisten Francisco Guerrero. Der Zyklus Zayin entstand als Auftragsarbeit für das Arditti Quartett. Es ist verlockend zu sagen: Entsprechend wild ging es zu! Das aus Mitgliedern des Ensembles – Barbara Bultmann, Saerom Park und Tim-Erik Winzer – gebildete Streichtrio wurde aufs Äußerste gefordert. Hart, schnell, aggressiv klang Zayin 2. Die Kraftanstrengung stand den Musikern ins Gesicht geschrieben. Gut, dass es zwischendrin mehrere, die Prestoabschnitte unterteilende Ruhephasen mit hoher, zerbrechlicher, fahler Musik gab, in denen die Musiker sich nicht nur erholen, sondern im ersten Teil auch wieder zueinanderfinden konnten. Großen Applaus gab es, der wohl mehr der technischen Leistung und der Kraftanstrengung galt als der Musik selbst, die bisweilen trotz mancher markanter Abstriche doch arg nach Geschrubbe klang.

      Für mich der Höhepunkt des Abends war das Boccherini-Konzert. Sehr gespannt war ich, wie Queyras, den ich mit barockem Repertoire nicht kannte, Boccherini spielen wird. Die Antwort: Mit reichlich Vibrato, ganz als wäre Boccherini ein Spätromantiker. Das Konzert begann, das Publikum wartete gespannt auf Queyras’ solistischen Einsatz. Der war dann sympathisch normal. Schon in den ersten Takten quitschte es ein wenig zu viel und sprach kurz danach die D-Saite nicht an. Queyras zog als Antwort verwundert-kritisch seine Augenbrauen zusammen. Dieses Verhalten – nicht sein kleines Missgeschick, das ihm vorzuwerfen albern wäre -, sondern seine für das Publikum deutlich sichtbare Antwort, mag erheblich zu Queyras’ Erfolg beitragen. Er kommt einfach unheimlich sympathisch rüber. An eine Stelle des Konzerts spielt er eine Tonfolge mehrfach, bei jeder Wiederholung höher. Er spielt, guckt ins Publikum, spielt noch einmal höher, guckt ins Publikum, spielt noch höher, blickt ins Publikum und grinst dabei schelmisch und erntet mit diesen Entertainerqualitäten freundliches Lachen und spielt dann noch einmal, noch höher, krönt damit seine technische Meisterschaft und erhält – maßgeblich wegen seiner Kommunikation mit dem Publikum – begeisterten Applaus. Im ersten Satz des Boccherini-Konzerts war es noch ein normales Konzert, bei dem ich noch denken konnte: So gut ist der dann aber doch nicht – die Begleitung klang für meine Ohren zudem etwas pauschal, ich hätte mir mehr Eleganz gewünscht. Die Kantilene des Adagios begeisterte dann aber restlos. Absolut fantastisch, wie wundervoll elegisch, romantisch satt und rötlich warm Queyras das darbot. Ganz große Klasse!

      Nach der Pause befinden wir uns so richtig in Spanien. Die Nachtwache zu Madrid zog auf. Die Cellisten spielten ihr Celli wie Gitarren – schon das brachte Fröhlichkeit ins Publikum – und erfüllten mit den anderen Musikern den Abend mit Madrider Straßenklängen. Sogar laute Yippieh-Rufe und Getrampel bot das Ensemble dar. Deftige, aber allerbeste Unterhaltung. Wieder Riesenapplaus.

      Zayin 5 stand hierzu im allerbesten Kontrast. Kein schnelles, hartes oder gar aggressives Werk, sondern eines, das vor allem aus hohen, zerbrechlichen und doch geschmeidigen Klängen besteht. Hat mir deutlich besser gefallen als Zayin 2.

      Auf den Titel „The nocturnal Dances of Don Juanquixote” muss man erst mal kommen. Was Don Juan und Don Quixotte miteinander verbindet, mag jeder selbst überlegen. Dieses Stück für Solocello und Orchester – die Violine tritt später solistisch hervor, dass zeitweise der Eindruck eines Doppelkonzerts entsteht – ist mit seiner Aneinanderreihung von Tänzen sehr wirkungsvoll, aber nicht meine Welt. Verrat an der Avantgarde hieß es neulich irgendwo im Forum. Nun ja, Sallinen hat hier ebenfalls nicht gerade modern komponiert. Aber das Stück kommt an. Bisweilen hatte die Musik richtiggehend Swing.

      Die Zugabe, Piazzollas Milonga en re, zeigte Queyras nochmals als Meister des vollen Tons. Wundervoll, wie er spielte. Mir persönlich stand das Orchester zu sehr im Hintergrund, aber gut, es ging hier nicht um künstlerisch wertvoll, sondern ums Schmachten zum Abschluss. Das gelang allerbestens.

      Das Konzert – bis auf die Zayins – wird übrigens am 22.05.10 erneut gespielt, und zwar in Hanstedt (bei Uelzen).

      Viele Grüße
      Thomas
    • Ein schöner, informativer Bericht, lieber Thomas! Jean-Guihen Queyras habe auch ich kürzlich im Konzrtsaal erlebt, als Mitglied des Arcanto-Streichquartett mit Werken von Mozart, Bartók und Brahms. Auch das war ein großes Erlebnis.

      Der Künstler scheint sehr vielseitig zu sein. Er hat in Capriccio bereits einen eigenen Thread, der seine Leistungen dokumentiert: Jean-Guihen Queyras - Wanderer zwischen den Welten.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Tja, was bleibt mir da noch zu ergänzen - allenfalls, dass mir das Konzert eben so gut gefallen hat wie Thomas, und dass wir die Übung des Umsetzens kurz vor Konzertbeginn höchst erfolgreich praktiziert haben. Wir landeten in der zweiten Reihe :thumbup:

      Wer herausfinden möchte, was für extreme Klangfarben ein Streichtrio zu produzieren in der Lage ist, für den lohnt sich ganz gewiß die Begegnung mit Guerreros "Zayins".





      Sallinens "Nocturnal Dances", in die man hier mal hineinhören kann,





      sind ein sehr effektvolles und eklektizistisches, stets auf dem Boden der Tonalität bleibendes Stück aus dem Jahr 1983, das dem Cellisten glänzende Entfaltungsmöglichkeiten bietet. In einer Art musikalischer Weltreise in 20 Minuten erleben wir in raschem Wechsel nordisch-schwermütige Klänge, argentinischen Tango, spanischen Flamenco, asiatische Pentatonik und amerikanischen Blues.

      Zur Thematik hätte natürlich noch Straussens Don Quijote op. 35 bestens gepasst, für das die Besetzung gestern zu klein war. Nur all zu gern würde ich JGQ einmal damit hören.

      Auf die weiteren Konzerte dieser Reihe darf man gespannt sein.

      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Mahler im Michel

      Mittwoch, 10.11.2010, 20.15 h
      Hauptkirche St. Michaelis

      Gustav Mahler (1860 - 1911)
      Symphonie Nr. 2 c-moll in fünf Sätzen für großes Orchester, Sopran- und Altsolo und gemischten Chor
      "Auferstehung" (1888, 1892 - 1894, rev. 1905)
      Fassung für zwei Klaviere, Sopran, Alt und Chor von Hermann Behn (1859 - 1927)

      Christiane Behn, Klavier
      Mathias Weber, Klavier
      Daniela Bechly, Sopran
      Iris Vermillion, Alt
      Harvestehuder Kammerchor
      Claus Bantzer

      "Zu Mahlers engerem Freundeskreis in Hamburg gehörte Hermann Behn (1859-1927). Der promovierte Jurist hatte auch Komposition bei Anton Bruckner in Wien und bei Joseph Rheinberger in München studiert. Sein kompositorisches Schaffen umfasst nicht weniger als neun Liederhefte und eine Klaviersonate. In ihm fand Mahler einen wichtigen Förderer, denn Behn schätzte die Musik Mahlers und unterstützte ihre Verbreitung – gerade auch mit finanziellen Mitteln – nach Kräften. So übernahm er, gemeinsam mit dem Hamburger Industriellen Wilhelm Berkhan, auch die beträchtlichen Kosten für die Uraufführung der Zweiten Sinfonie am 13. Dezember 1895 in Berlin. Mahler wiederum war von Behns Kompositionen, insbesondere von seinen Liedern, sehr angetan. Nachdem Mahler seine Zweite Sinfonie vollendet hatte, übergab er das Manuskript seinem Freund Behn, denn er wollte es in sicheren Händen wissen. Ohne Mahler darüber zu informieren,bearbeitete Behn das Werk für zwei Klaviere. Als Mahler von einer Reise zurückkam und von Behn mit dieser Bearbeitung überrascht wurde, war er begeistert. Er nannte sie „vorzüglich“ und spielte die ersten drei Sätze zusammen mit Behn vierhändig in dessen Haus. Das Manuskript wurde erst jetzt wieder von Behns Urgroßnichte, der Pianistin Christiane Behn, ausfindig gemacht, und erlebte am 17.11.2008 im Kleinen Saal der Laeiszhalle seine Hamburger Erstaufführung."

      Quelle: musicaphon[/quote]

      Cheers,

      Lavine
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Russisches Kammermusikfest, 2. - 12. September

      Hier ein nettes kleines Kammermusikfestival, das Komponisten aus Hamburgs Partnerstadt St. Petersburg im Fokus hat. Es verspricht zahlreiche Entdeckungen und wird sicher die Freunde reizvoller russischer Raritäten anlocken. Die Alfred-Schnittke-Akademie findet sich in der Nähe des Altonaer Bahnhofs.

      Cheers,

      Lavine :wink:

      Eröffnungskonzert
      Lubotsky-Trio
      Mark Lubotsky (Violine), Olga Dowbusch-Lubotsky (Violoncello), Brenno Ambrosini (Klavier)
      Donnerstag, 2. September · 20 Uhr · Kulturkirche Altona

      Peter Tschaikowski (1840-93):
      Klaviertrio op.50
      Sergej Prokofiew (1891-1953):
      5 Melodien f. Violine & Klavier op.35
      Reinhold Glière (1875-1956):
      8 Stücke f. Violine & Cello op. 39


      Spätromantische Werke für Violine und Klavier
      Duo Inna Kogan & Tobias Bigger
      Freitag, 3. September · 20 Uhr · Alfred Schnittke-Akademie

      Michail Ippolitow-Iwanow (1859-1935):
      Sonate op.8
      Nikolai Medtner (1880-1951):
      Sonate op.21
      César Cui (1833-1918):
      Sonate op.84
      Sergej Bortkiewicz (1877-1952):
      Sonate op.26

      Raritäten für Kontrabass und Klavier
      Duo Markus Rex & Robert Starke
      Sonntag, 5. September · 11.15 Uhr (Matinee) Alfred Schnittke-Akademie

      Alexander Schurbin (*1945):
      Sonate (1975)
      Reinhold Glière (1875-1956):
      Vier Stücke op. 32
      Sofia Gubaidulina (*1931):
      Sonate (1975)
      Sergej Kussewitzky (1874-1951):
      Vier Stücke für Kontrabass und Klavier
      Sergej Rachmaninow (1873-1943):
      Vocalise aus op. 34 (Bearbeitung)

      Lieder und Klavierwerke von Nikolai Medtner
      Alla Kravchuk (Sopran), Natascha Konsistorum (Klavier)
      Sonntag, 5. September · 18 Uhr · Alfred Schnittke-Akademie

      Nikolai Medtner (1880-1951):
      Klavierzyklus „Vergessene Weisen“ op.38, Lieder aus opp. 6 und 15 (Goethe), opp. 13 und 36 (Puschkin), op.24 (Tjutschew), op.32 (Delwig)

      Werke für Viola und Klavier
      Duo Ulrich von Wrochem & Wolfram Lorenzen
      Donnerstag, 9. September · 20 Uhr · Alfred Schnittke-Akademie

      Michail Glinka (1804-57):
      Sonate d-moll
      Alexander Krejn (1883-1951):
      Prologue op. 2a
      Alexander Glasunow (1865-1936):
      Elegie op. 44
      Edison Denissow (1929-96):
      „Es ist genug“ für Viola & Klavier
      Aram Chatschaturjan (1903-78):
      Sonate für Viola solo
      Anton Rubinstein (1829-94):
      Sonate op.49

      Hommage an Modest Mussorgski
      Anatolij Safiulin (Bass) & Natascha Konsistorum (Klavier)
      Freitag, 10. September · 20 Uhr · Alfred Schnittke-Akademie

      Modest Mussorgski (1839-81)
      Liederzyklen „Ohne Sonne“, „Lieder und Tänze des Todes“, „Die Kinderstube“
      Miniaturen für Klavier: „Rêverie“, „Eine Träne“, „Am Südufer der Krim“


      Abschlusskonzert
      Atrium-Quartett
      Alexey Naumenko (1. Violine)
      Anton Ilyunin (2. Violine)
      Dmitri Pitulko (Viola)
      Anna Gorelowa (Violoncello)
      Sonntag, 12. September · 11.15 Uhr (Matinee) · Kulturkirche Altona

      Alexander Borodin (1833-87):
      Streichquartett Nr. 2
      Anton Arenski (1861-1906):
      Streichquartett op.35a
      Yuri Falik (1936-2009):
      Streichquartett Nr. 8
      Chary Nurymov (1940-93):
      Streichquartett Nr. 2 (Hommage an Indira Gandhi, 1984)
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Mittwoch, 10.11.2010, 20.15 h Hauptkirche St. Michaelis

      Gustav Mahler (1860 - 1911) Symphonie Nr. 2 c-moll in fünf Sätzen für großes Orchester, Sopran- und
      Altsolo und gemischten Chor "Auferstehung" (1888, 1892 - 1894, rev. 1905)

      Fassung für zwei Klaviere, Sopran, Alt und Chor von Hermann Behn (1859 -
      1927)

      Christiane Behn, Klavier
      Mathias Weber, Klavier
      Daniela Bechly, Sopran
      Iris Vermillion, Alt

      Harvestehuder Kammerchor

      Claus Bantze


      hoffentlich ist auch auch der NDR-Kultur dabei !

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • 22.09.10 Mahler: Sinfonie 9, Gielen, NDR Sinfonieorchester

      Nun wollte ich gerade im online-Abendblatt lesen, wie das gestern von mir besuchte Konzert gewesen ist, da stelle ich fest: kein Bericht bisher. Na gut, schreibe ich eben selbst etwas (aber nur kurz):

      Die 9. Sinfonie ist nicht irgendeine Sinfonie, sondern eine von den wenigen, bei welchen ich am Ende mit Gänsehaut auf der Stuhlkante sitze, weil gerade diese diese Sinfonie mich immer wieder vollständig umfängt und ergreift. Diese Ergriffenheit, dieses Gänsehautgefühl hat mir Gielen gestern nicht vermittelt. All die von den CD-Aufnahmen (ich kenne nur Hänssler) bekannten Stärken waren auch gestern zu hören: sehr präzise, sachgerecht und vernünftig kam Mahlers Partiur zur Geltung. Mir persönlich wären mehr Emotionen willkommen gewesen. Mein Daumen ging am Ende insgesamt gesehen aus der neutralen Horziontalstellung leicht nach oben, immerhin.

      Der Applaus war intensiv, aber gemessen an dem Rang des Dirigenten doch recht kurz. Ein Indikatior für das Maß des Gefesseltseins des Publikums von der Musik sind die Anzahl der Huster. Gestern gab es gerade gegen Ende der Sinfonie - wo sie besonders störten - auffällig viele.

      Wer interessiert ist, kann sich einen eigenen Eindruck bilden. In Amfortas Kalender ist verzeichnet, wann das Konzert im Radio ausgestrahlt wird.

      :wink: Thomas

      P.S.: Jetzt lege ich mit Gruß an Zwielicht B. Walters Vorkriegsneunte auf.