Konzerte in Hamburg

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    • Roberto schrieb:

      Zu Naganos Exkulpation möchte man annehmen, dass die langfristige Planung dieses Konzerts noch in anderen Händen lag.
      Also, davon gehe ich nun definitiv nicht aus. Das neue Leitungsteam der Staatsoper hatte lange genug Zeit, seine erste Saison zu planen. Und gerade das Eröffnungskonzert, mit dem sich Nagano dem Hamburger Publikum präsentierte, hat ihm bestimmt nicht Frau Young in die Wiege gelegt.

      Ähnlich wie Du habe ich die beiden Werke für Cembalo solo von Telemann (hierbei handelte es sich, etwas anders als von Dir beschrieben, um die Fantasia TWV 33/7 und die Ouvertüre burlesque TWV 32/2), welche etwa 15 Minuten in Anspruch nahmen, als einen völlig unverständlichen Programmteil in einem Orchesterkonzert unter dem Motto "Hamburger Komponisten" empfunden. Als ob es nicht genügend Orchesterwerke von Telemann gäbe, die man hätte aufführen können! Das Cembalokonzert von Carl Philipp Emanuel Bach von mir aus, aber warum zwischen Peter Ruzickas "ins Offene" für Streichorchester und dem Cembalokonzert eine Viertelstunde Cembalo solo?

      Highlight des Abends war - darin stimme ich mit Dir ebenfalls überein - das Concert Romanesc aus dem Jahr 1951 von Ligeti. Ebenfalls sehr gut fand ich das Ruzicka-Werk, das Du unerwähnt ließst. Ein Auftragswerk der Festival Strings Lucerne aus den Jahren 2005/2006, für das der im Eröffnungskonzert anwesende Komponist mit Recht viel Applaus bekommen hat.
      Die Franzosen können Essen, Mode, Mann und Frau auseinanderhalten. Die Deutschen können Bohrmaschinen, Autos und klassische Musik.
      (Marie Bäumer in: Der Feinschmecker, 10/2019)
    • 10.12.2015 Krzysztof Urbański dirigiert das NDR Sinfonieorchester

      NDR Sinfonieorchester. 10.12.2015

      Antonín Dvořák: Heldenlied / Sinfonische Dichtung op. 111
      Dmitri Schostakowitsch: Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester c-Moll op. 35
      Modest Mussorgsky / Maurice Ravel: Bilder einer Ausstellung

      Dirigent Krzysztof Urbański

      Guillaume Couloumy Trompete
      Dejan Lazić Klavier

      Wow, welch ein Dirigent! Kaum hatten meine Frau und ich die Laeizshalle verlassen, fragte sie mich aus. Wer ist das? Woher kommt der? Was macht der? Ich kannte ihn nicht und wusste wenig zu sagen. Zum Glück gibt es das Internet. Auf diese Weise konnte ich meine Liebste auf der Heimfahrt mit den von ihr dringlich erbetenen Informationen versorgen: 1982 in Polen geboren ist Urbański beileibe kein Anfänger mehr. 2010 trat er seine Stelle als Chefdirigent des Trondheimer Sinfonieorchesters an, seit 2011 ist er zudem Musikdirektor des Indianapolis Symphony Orchestra und außerordentlicher Professor im Fach Orchester-Dirigent an der Indiana University. Außerdem und man muss wohl inzwischen in der Hauptsache sagen, ist er bereits mit – unglaublich, ich lese die Namen und staune! – sehr, sehr namhaften Orchestern bis hin zu den Berliner Philharmonikern aufgetreten.

      Das Konzert begann mit dem Heldenlied, einer sinfonischen Dichtung, derentwegen ich beileibe nicht ins Konzert gegangen wäre. Langweilig, dachte ich. Das Orchester schien das ebenso zu sehen. So lahmarschig wie zu Beginn, habe ich es lange nicht mehr spielen hören. Die nehmen den jungen Kerl wohl nicht richtig ernst, dachte ich. Mir schien fast, dem Orchester gefiel selbst nicht, was es spielte und es riss sich zusammen. Nach einigen Minuten jedenfalls, wurde ich zunehmend aus meiner „Gut, dann sitze ich diesen Teil des Konzerts eben ab“-Haltung herausgerissen. Mit dem Orchester passierte etwas, es klang nun deutlich besser, die Streicher vor allem blühten auf. Oder lag das vielleicht doch am Dirigenten, dachte ich erstmals. Denn offensichtlich wusste er haargenau, was er tat und – sehr interessant zu erleben – folgte ihm das Orchester dabei. Am Schluss des Heldenlieds war ich zwar noch immer kein Freund von Sinfonischen Dichtungen, aber umso gespannter auf das, was jetzt kommt: Schostakowitsch!

      Und ja! Genau so muss man das spielen! Das Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester müsste viel bekannter sein, denke ich immer wieder, wenn ich es höre. Schostakowitsch muss beim Komponieren übervoll mit Musik gewesen sein. Immer neue Ideen, Abweichungen, Irrwitzigkeiten ereignen sich. Wenige Werke vereinen eine solch abwechslungsreiche Rhythmik mit einem solchen Melodienreichtum – bisweilen mit Ohrwurmqualität. Schon deshalb bringt das Werk Freude, auch zu Hause im Sessel. Live steigert sich die Unterhaltung um ein Vielfaches, weil es einfach Spaß bringt, dem Pianisten und dem Trompeter bei ihrem – irgendwann ist es einer – Wettlauf zuzusehen.

      Dejan Lazić spielte fulminant. Große Kunst in all ihren diffizilen Facetten beeindruckend dargeboten, u.a. auch hübsch anzusehen, weil er das Publikum auch visuell unterhielt. Guillaume Couloumy, Solotrompeter des Orchesters, spielte ebenfalls sehr gut, zeigt aber im Übrigen leider, wie ein Trompeter ein Sinfoniekonzert abzusitzen pflegt. Breitbeinig wird die Zeit abgesessen bis zum nächsten Einsatz. Immer wieder einmal wird das Gerät auseinandergeschraubt und die Spucke auf dem Boden verteilt… Wenn der Mann auch noch ein Entertainer wäre, das wäre es gewesen! Gar nicht auszudenken, wie das Publikum getobt hätte, wenn ein Rampensau-Trompeter um das Klavier herumgeschlichen wäre, um den Pianisten aus immer neuen Richtungen mit seinen Einwürfen zu überraschen. Stark applaudiert hat das Publikum im Anschluss. Denn musikalisch war das Gebotene – wie gesagt – sehr, sehr gut.

      Nach der Paus die Bilder einer Ausstellung – das Orchester war hierzu mit vielen Gästen verstärkt. Ist ja so eine Art Selbstgänger für den Dirigenten, weil dieses Stück nun wirklich jedem Musiker Spaß bringt, könnte man sagen. Falsch! Urbański machte den Unterschied. Sehr deutlich führte er erneut das Orchester. Unmissverständlich zeigte er, was er wollte. Und das Orchester folgte erneut. Es spielt den Beginn langsamer, als ich es gewohnt bin, entwickelte aber vor allem unter Urbańskis Händen eine solche Farbenpracht, dass ich die Augen schloss, um noch besser zuhören zu können, um möglichst jede Nuance dieses klangfarblichen Traums genießen zu können. Einzelne Fehler – die Blechbläser lieferten sich untereinander einen kleinen Wettstreit, wer wohl heute die meisten Fehler macht – spielten überhaupt keine Rolle.

      Urbański zuzusehen, bringt Freude. Ohne jemals in die Gefahr des Showdirigats zu geraten, macht er doch so viel, er tänzelt bisweilen sogar mit, dass die Augen des Publikums – insbesondere der Damen – an ihm kleben. Denn ja, er sieht auch noch gut aus.

      Am Ende tosender Applaus, Fußgetrampel. Begeisterung. Auf dem Weg nach draußen allerorts nur ein Thema: Urbański!

      Das Beste lese ich auf der NDR-Seite: „Krzysztof Urbański, einer der herausragenden Vertreter der jungen Dirigentengeneration, wird zur Spielzeit 2015/2016 Erster Gastdirigent des NDR Sinfonieorchesters.“

      Wann ist endlich das nächste Konzert?

      Für Hamburger: Sonntag, den 13.12. gibt es das Konzert vormittags wie üblich noch mal. Wer kann, gehe hin! Weiß nicht, ob es noch Karten gibt.
    • music lover schrieb:


      Highlight des Abends war - darin stimme ich mit Dir ebenfalls überein - das Concert Romanesc aus dem Jahr 1951 von Ligeti.
      Spannenderweise bietet sich in dieser Saison noch ein zweites Mal die Gelegenheit, Ligetis selten gespieltes Concert Românesc in der Laeiszhalle zu hören: Nämlich am kommenden Donnerstag abend und am Sonntag morgen mit dem NDR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Juraj Valčuha. Interessant ist diese Konzertankündigung auch wegen der Deutschen Erstaufführung des von Sabine Meyer gespielten Klarinettenkonzerts des ungarischen Komponisten Márton Illés:


      Do, 21.01.2016 | 20 Uhr
      So, 24.01.2016 | 11 Uhr
      Hamburg, Laeiszhalle

      Juraj Valčuha Dirigent
      Sabine Meyer Klarinette
      NDR-Sinfonieorchester

      BÉLA BARTÓK
      Tanz-Suite
      MÁRTON ILLÉS
      Re-akvarell - Konzert für Klarinette und Orchester
      (Deutsche Erstaufführung, gemeinsames Auftragswerk von NDR und Lucerne Festival)
      GYÖRGY LIGETI
      "Concert Românesc"
      LEOŠ JANÁČEK
      Sinfonietta op. 60

      (Quelle: "http://www.ndr.de/orchester_chor/sinfonieorchester/konzerte/Abokonzerte-AB5-Hamburg,illes102.html")



      Die Franzosen können Essen, Mode, Mann und Frau auseinanderhalten. Die Deutschen können Bohrmaschinen, Autos und klassische Musik.
      (Marie Bäumer in: Der Feinschmecker, 10/2019)
    • Rising Stars

      In der vergangenen Woche gab es hier die Konzertserie "Rising Stars", in welcher junge Nachwuchskünstler die Gelegenheit bekommen an verschiedenen Orten in Europa aufzutreten. Die Auswahl erfolgt durch Nominierung eines Konzerthauses. Wir hatten in diesem Jahr 3 der Konzerte besucht, von denen gestern das letzte stattfand.

      Harriet Krigh, Cello
      Magda Amara, Klavier

      Die beiden Künstlerinnen wurden vor dem eigentlichen Konzert im Rahmen eines Podiumsgespräches vorgestellt, und konnten sich entsprechend präsentieren. Die beiden Damen machen einen eher bescheidenen, ungeheuer sympathischen und gänzlich unprätentiösen Eindruck. So wurde ein kurzes Video gezeigt, bei welchem Harriet Krigh auf einer Alm in Bayern vor einer Herde Kühen sitzt, dabei u.a. aus einer Suite von Bach spielt, und man sieht wie die Tiere sich eines nach dem anderen der ungewohnten Szene nähern. Nach ein paar Minuten steht die gesamte Gruppe der Kühe hinter dem Zaun und sieht der Cellistin beim Spiel zu. "https://www.youtube.com/watch?v=eAQ-CrobUAA"
      Man erfuhr etwas über die künstlerischen Ziele und die Freundschaft der beiden jungen Damen (24 und 31 Jahre), und vor allem einiges wissenswertes zu dem Auftragsstück für die Tournee, einem Werk der österreichischen Komponistin Johanna Donderer. Denn das ist ein wiederkehrendes Merkmal dieser Reihe, dass für jeden Künstler bzw. jedes Ensemble ein Werk in Auftrag gegeben wird.

      Das Programm:

      Felix Mendelssohn, Sonate für Cello und Klavier Nr. 2 D-Dur op.58
      Johanna Donderer, Break on Through
      Sergej Rachmaninow, Sonate für Cello und Klavier g-Moll op.19

      Die Sonate von Mendelssohn spielten die Beiden in gelöster Stimmung, aber mit dem leidenschaftlichen Ton, der für die beiden Ecksätze notwenig ist. Die heitere Stimmung des Allegretto scherzando trafen sie ebenso gut wie das ruhig und beseelte des Adagio. Gerade die lyrischen Momente sind die Domäne der Cellistin. Dann blüht ihr Ton auf, und sie versenkt sich ganz in die Musik. Das ist geradezu physisch erlebbar. Ich muß bei ihrem Anblick unwillkürlich an Jaqueline Du Pré denken, obwohl ich diese nur aus Filmaufnahmen kenne. Aber die Leidenschaft mit der sie spielt überträgt sich unmittelbar auf die Zuhörer (jedenfalls war es bei meiner Frau und mir so). Magda Amara ist eine kongeniale Partnerin, und das Zusammenspiel der beiden ist perfekt. Da haben sich ganz offenbar zwei Seelenverwandte getroffen.

      Ganz im Gegensatz dazu das Stück von Johanna Donderer. Es basiert auf dem gleichnamigen Song von Jim Morrison, dem ehemaligen Frontmann der Doors. Es beschreibt einen Ausbruch aus den Grenzen und Konventionen, und entstand in der Stimmung der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, als die Jugend gegen Krieg und Unterdrückung rebellierte. Der Grundrhytmus des Songs bildet auch das Rückrat der Komposition, mit welcher die Komponistin u.a. erreichen wollte dass Harriet Krigh neben ihren lyrischen Qualitäten auch agressive Elemente darstellen kann. Und nach meiner Einschätzung ist ihr das hervorragend gelungen. Ein ganz ausserordentliches Stück in einer überragenden Ausführung.

      Die Sonate von Rachmaninow, geschrieben nach seiner langen Schreibblockade und in unmittelbarer Nachbarschaft zum 2. Klavierkonzert, brachte nun wieder eine ganz andere Klangfarbe auf das Podium. Die wunderschönen Kantilenen und der leicht melancholische Unterton, der in den Werken des Komponisten nahezu immanent ist, wurde hier ideal getroffen. Während der schnelleren Passagen im Scherzo und im letzten Satz rückte ich merklich an die Stuhlkante. Beide Musikerinnen spielten mit hohem Einsatz, und machten die Sonate zu einem unvergleichlichen musikalischen Erlebnis.

      Ich gestehe frei, dass ich von diesen beiden Musikerinnen hellauf begeistert bin, vor allem aber von Harriet Krigh. Halte ich sie doch für eines der größten Nachwuchstalente der Gegenwart, und würde mich freuen wenn ihr eine große Karriere beschieden wäre. Aber dessen bin ich mir fast sicher.
      Übrigens hat sie sogar ihr eigenes Festival, und das bereits seit 5 Jahren. Auf dem Anwesen ihrer Eltern, der Burg Feistritz ca. 100 km südlich von Wien, veranstaltet sie alljährlich im Sommer mit Musikerfreunden ein kleines Festival. Ab 2017 bin ich zeitlich ungebunden, und plane dann dorthin zu fahren.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Heute in Hamburg gehört: Das NDR-Sinfonieorch... - stopp, nein: Das NDR Elbphilharmonie Orchester spielte in der Laeiszhalle eine "Musica gioconda". Genauer:

      IGOR STRAWINSKY
      Suite aus "Pulcinella"
      MAX BRUCH
      Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26
      Solistin: Janine Jansen
      FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY
      Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 "Italienische"

      Und da das Konzert überschaubar lang zu werden versprach, habe ich mal meinen Zwölfjährigen mitgenommen.

      Das Orchester unter Hengelbrock scheint mir insgesamt klanglich flexibler geworden zu sein, so auch gleich beim Strawinsky, der in recht kleiner Besetzung schlank und farbig ausmusiziert wurde.
      Sehr populär und eingängig ist natürlich auch das Bruch-Konzert, aber hier gab es dann eine deutlich dunklere Klangebene - und das lag nicht nur an der Tonart. Janine Jansen spielte auf ihrer Stradivari mühelos - so schien es - über dem Orchester schwebend, aber stets in engstem Kontakt mit diesem. Dabei hatte sie ebenfalls eine flexible, schlanke Tongebung, was mir persönlich als Hörer wohl auch sehr liegt. Ich kann mich an Konzerte erinnern, in denen Geiger so einen dicken Strich mit schwerem Dauer-Vibrato auffuhren, sodass ich dann das Stück auch etwas schief ansah. Nichts davon heute. Bruch konnte also nichts dafür, ihm und Jansen sei Dank.
      Die "Italienische" schloss dann den "gioconda"-Kreis. Es wurde wieder lichter, das Orchester schien mir nach ein paar wenigen Intonations-Irritationen zuvor auch diesbezüglich voll auf der Höhe, gelöst und konzentriert zugleich.
      Als Hengelbrock damals hier in HH seinen ersten Saisonauftakt gab, hätte ich ein Programm wie heute kaum für möglich gehalten, ja womöglich wäre ich sogar enttäuscht gewesen: Zu stark war die Erwartung, er würde vordergründig konventionellen Abläufen widerstehen wollen. Aber es hat sich gezeigt, dass das wohl kaum eine Kategorie ist, in welcher er denkt. Gut so, da sehe ich eher meine frühere Erwartung als wenig angemessen an. Im Orchester hat sich in den Jahren unter ihm schon vieles Positive entwickelt. Meinem Sohn jedenfalls kam das Programm sicherlich entgegen, denn diese Leichtigkeit, die sich auf unterschiedlichen Ebenen durch das Programm zog, war für ihn als Selten-Klassik-Hörer sehr gewinnend.
      Zu Janine Jansen sagte er: "Boah, ich bin ja kein Geigen-Experte, aber die schien mir wirklich ziemlich professionell zu sein." Gerne hätte ich der Dame dieses anerkennende Urteil als Mutmacher für die weitere Karriere noch übermittelt, aber mein Sohn wollte nach dem Konzert lieber schnell zum Essen.
      Nächste Woche gibt's den Tristan in der Oper, da habe ich dann allerdings meine Frau neben mir.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Benutzername schrieb:

      Nächste Woche gibt's den Tristan in der Oper, da habe ich dann allerdings meine Frau neben mir.
      Falls das am 5.5. ist könnten wir uns ja direkt treffen, allerdings hat meine Frau keine Lust mitzukommen. Stattdessen habe ich meinen in Sachen Oper noch recht unerfahrenen Cousin überzeugt hinzugehen. Ich sitze Reihe 16 Platz 17. Bin schon sehr gespannt wie es wird. Der Tristan ist für alle Beteiligten, wie auch für das Publikum eine besondere Herausforderung. Ich hätte allerdings kein Problem mir jedes Jahr eine Vorstellung anzuhören, was mit ein wenig Reiseaufwand ja durchaus möglich wäre.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Benutzername schrieb:

      Nächste Woche gibt's den Tristan in der Oper, da habe ich dann allerdings meine Frau neben mir.
      Falls das am 5.5. ist könnten wir uns ja direkt treffen, allerdings hat meine Frau keine Lust mitzukommen. Stattdessen habe ich meinen in Sachen Oper noch recht unerfahrenen Cousin überzeugt hinzugehen. Ich sitze Reihe 16 Platz 17. Bin schon sehr gespannt wie es wird. Der Tristan ist für alle Beteiligten, wie auch für das Publikum eine besondere Herausforderung. Ich hätte allerdings kein Problem mir jedes Jahr eine Vorstellung anzuhören, was mit ein wenig Reiseaufwand ja durchaus möglich wäre.

      Peter
      Ja, wir sind auch am 5. Mai dort, Peter. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dann sitzen wir wohl auch gar nicht so weit entfernt von euch. Ich sage mal "Hallo", wenn du nichts dagegen hast, okay? Ich heiße übrigens Christoph.
      Bin mal gespannt auf meinen ersten Live-Tristan. Meine Schwiegermutter sah die Inszenierung in den 80ern und sagte, dass es damals wohl Diskussionen um irgendwelche Campingstühle oder sowas auf der Bühne gegeben habe - und dass das aus heutiger Sicht aber völlig "harmlos" war und sich darüber jetzt kaum noch jemand aufregen könne...
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Leonard Bernstein: Candide

      Ich meine das völlig ernst, was ich jetzt schreibe:

      Ich habe heute Abend das beste Konzert meines Lebens gehört.

      1. Mai 2016, 19.00 Uhr
      Hamburg Laeiszhalle

      Leonard Bernstein: "Candide"
      Konzertante Aufführung mit Zwischentexten von Loriot

      Isabel Karajan, Erzählerin :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:

      Jason Bridges, Candide :verbeugung1: :verbeugung1:
      Jane Archibald, Cunegonde :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:
      Joshua Hopkins, Dr. Pangloss / Martin
      Mark Stone, Maximilian / Captain
      Doris Soffel, Old Lady
      Brenden Gunnell, Governor / Vanderdendur / Ragotski

      EuropaChorAkademie :verbeugung1:
      Hamburger Symphoniker :verbeugung1:
      Sir Jeffrey Tate :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:

      Ich hatte im Konzertankündigungs-Thread schon ein bisschen was über dieses Werk und den bevorstehenden Konzertabend geschrieben:
      Wo wir so hingehen - Anstehende Besuche von Oper / Theater / Konzert

      "Konzertante Aufführung", wie vom Veranstalter angekündigt, ist stark untertrieben gewesen. Es gab Videoprojektionen (übrigens mit dem Logo "Vol Taire" ganz oben rechts am Bildrand, und zwar "Vol" in schwarzer Schrift auf weißem Grund und "Taire" in weißer Schrift auf rotem Grund, exakt so wie "You" und "Tube"). Alle Sängersolisten gestalteten ihre Rolle auch gestisch und mimisch. Es gab auch ein kleines Bühnenbild links am Bühnenrand, wo der hauptsächliche Wirkungsbereich von Isabel Karajan war. Sie spielte sowohl die Rolle der Erzählerin als auch (passagenweise) Voltaire. Und zwar kostümiert - und nicht als "Erzählerin" im erwarteten Sinne, sondern als veritable "Rampensau", die ihre Rolle durch und durch schauspielerisch gestaltete und teilweise geradezu über die Bühne fegte. Welch eine große Schauspielerin!! Sie war in den 3 Stunden der Aufführung fast dauerpräsent, und zwar auch dann, wenn sie zu schweigen hatte. Welche Mimik, mit der sie der Musik folgte! Ihr zuzusehen, war ein Hochgenuss.

      Wenn man mal bedenkt, dass Frau Karajan (die ihrem Vater übrigens wie aus dem Gesicht geschnitten ist) diese umfangreiche Sprechrolle nur für diesen einen Abend auswendig lernen musste. Oder andersherum gewendet: Ein Jammer, dass diese Produktion mit ihr nicht auf Tour geht, sondern nur an diesem Abend stattfand.

      Die musikalische Gestaltung durch Sir Jeffrey Tate war überwältigend. Was habe ich bloß alles in der Vergangenheit verpasst, denn ich sah heute zum ersten Mal eins seiner Konzerte. Ein wirklich großer Dirigent. Das Orchester spielte fantastisch und der Chor sang großartig. Auch das Sängerensemble ließ nichts zu wünschen übrig. Das einzige leicht Negative, was mir auffiel, war, dass Doris Soffel als Old Lady nicht durchweg auswendig sang, sondern bei zwei Titeln die Noten in der Hand hielt.

      Jane Archibald als Cunegonde war eine Offenbarung! Und das nicht nur bei der halsbrecherisch schwierigen Arie "Glitter and be gay", mit der sie das Publikum zum Toben brachte. Sie sang durchweg auf allerhöchstem Niveau.

      Jason Bridges in der Titelrolle des Candide gefiel mir ebenfalls ausgesprochen gut. Wie warm er zum Beispiel das "Nothing more than this" gestaltete. Oder das Finale mit Jane Archibald.

      Joshua Hopkins hatte seinen großen Moment, als er das beißende, spöttische, fast schon bizarre "Words, Words, Words, Words" in der Rolle des Martin sang und mit allen möglichen Lauten aus seiner Kehle und aus seinem Mund anreicherte.

      Vor allem muss natürlich Leonard Bernsteins großartiges Werk gewürdigt werden. Warum wird es bloß so selten aufgeführt? Der Choral "Universal Good" ist zum Niederknien schön. Und das Finale, das von mir als Bernsteins persönliche Referenz an den Schlusssatz aus Mahler Sinfonie Nr. 2 verstanden wird, ist vielleicht das Ergreifendste, das er jemals komponiert hat. Überhaupt strotzt das gesamte Stück (Ist es Operette? Ist es Opern-Persiflage? Ist es eine Art musikalische Revue?) nur so vor kompositorischer Qualität, enthält sogar eine kurze Zwölftonpassage.

      Das Hamburger Publikum war völlig aus dem Häuschen. Ich habe außerhalb eines Opernhauses noch nie solch einen donnernden Applaus, solche massiven Bravo-Rufe, solche Ekstase des Publikums über eine solch lange Dauer erlebt wie nach dem Verklingen des Finales. Das war eine 15-minütige standing ovation für Sir Jeffrey Tate und seine Mitstreiter. Allen voran für die großartige Isabel Karajan.
      Die Franzosen können Essen, Mode, Mann und Frau auseinanderhalten. Die Deutschen können Bohrmaschinen, Autos und klassische Musik.
      (Marie Bäumer in: Der Feinschmecker, 10/2019)
    • Der Hamburger "Tristan", die Wiederaufnahme einer Inszenierung aus den 80ern von Ruth Berghaus, bot für mich als Anfänger eine Mischung aus Anregendem und Berührendem, aus Irritierendem und Fragwürdigem. Mit einem Wort: Es war ein gelungener Abend, der sicher noch nachwirken wird.

      Eusebius schrieb:


      Falls das am 5.5. ist könnten wir uns ja direkt treffen, allerdings hat meine Frau keine Lust mitzukommen. Stattdessen habe ich meinen in Sachen Oper noch recht unerfahrenen Cousin überzeugt hinzugehen. Ich sitze Reihe 16 Platz 17.
      Auf diesem Platz saß vor Vorstellungsbeginn Klaus, der sich wunderte, dass ich ihn ansprach. Tut mir leid, Klaus. Ich dachte, du seist Peter. :D
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Schade das wir uns nicht getroffen haben, aber ich bin erst kurz vor Beginn zu meinem Platz gegenagen weil ich noch auf jemand gewartet hatte.

      Also mein Eindruck der Aufführung war ziemlich zwiespältig. Fangen wir mit dem negativen an: Ricarda Merbeth als Isolde war schwer zu ertragen. In den Höhen hat sie fortwährend forciert und dadurch mehr geschrieen als gesungen. In der Mittellage war es weitgehend o.K. und ihr Schlussgesang dann noch zufriedenstellend. Diese Rolle ist eben extrem anspruchsvoll, und braucht daher versierte Sängerinnen mit Durchhaltevermögen und einer starken Stimme. Trotzdem Nagano das Orchster an vielen Stellen gedämpft hatte, kam einige Male ihre Stimme gar nicht mehr durch, so dass ich schon befürchtete sie würde ihr versagen. Das weitere unerfreuliche war die Personenregie. Es gab kaum interaktion, die Sänger standen meist zum Publikum gekehrt und direkte Ansprachen wurden irgenwo hin gerichtet, nur nicht zu dem angesprochenen. So konnten die Sänger zwar die Einsätze des Dirigenten besser sehen, aber es wirkte alles ausgesprochen distanziert. Und zu Beginn des Liebesduettes im 2. Aufzug sollten sich die beiden eigentlich in die Arme fallen, anstatt schüchtern umeinander herumzugehen. Die Inszenierung insgesamt war wenigstens nicht störend, und bot sogar einige schöne Bilder, trotz des Kernspintomografen im ersten Aufzug.
      (Erklärung für diejenigen welche die Inszenierung nicht kennen: Es stand da ein maschinenähnlicher Klotz mit einer Röhre innen, und davor ein Tisch, auf dem isolde immerzu von Brangäne in ein Leinentuch gewickelt wurde).

      Erfreulich hingegen war Stephen Gould als Tristan. Er hat bis zum Schluß seine kräftige Stimme behalten, und sang Isolde bisweilen "an die Wand". Auch Lioba Braun als Brangäne war ausgezeichnet. Eine schöne runde Mezzosopranstimme mit Volumen und voller Höhe. Wilhelm Schwinghammer bot in bewährter Weise einen guten Marke, und Werner van Mechelen sang den Kurwenal ebenfalls auf hohem Niveau.
      Das Dirigat von Kent Nagano war mir stellenweise zu verhalten. Schon der Beginn des Vorspiels kam kaum von der Stelle. Und die Raserei im 2. Aufzug darf man gerne auch als solche ausführen. Verglichen mit der alten Böhm Aufnahme aus Bayreuth wirkte die Stelle schon fast brav. Aber er dirigierte sehr sängerfreundlich, und das Orchester deckte deren Gesang nur ganz selten zu, was aber wohl mehr an Frau Merbeth lag. Alles in allem also eine ordentliche Repertoire Aufführung, aber beileibe keine Sternstunde. Das haben die Lübecker Bühnen vor ein paar Jahren besser hinbekommen.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Noch mal zum "Tristan": Die Isolde hatte im 1. Aufzug auch für meine Ohren zu viel Schärfe in den Höhen. Gleichzeitig trug ihre Stimme zunächst - wie auch die der Brangäne - nicht immer über das Orchester hinweg, wenn es um tiefere und mittlere Lagen ging. Merbeth steigerte sich allerdings für mein Empfinden deutlich. Das Ende des 3. Aufzuges war gut und intensiv gesungen, Schärfe hörte ich hier nicht mehr.
      Die Personenregie war in der Tat irritierend und manchmal scheinbar kaum existent. Zwischen dem Liebespaar passierte nicht nur fast nichts (schon gar nichts Sinnliches), sondern sie wurden auch so voneinander abgewandt geführt, dass die Liebe hier eine eigenartige Ausprägung bekam. Beide schienen sich zu brauchen, um auf die andere Seite zu kommen - mit dem Hier und Jetzt konnten sie praktisch nichts anfangen, auch während der großen Liebeszene im 2. Aufzug.
      Ja, es wirkte vieles wirklich distanziert - und sehr kontrolliert. Das galt für Orchester wie für Sänger. Emphase gab es da kaum, und wenn, dann war es eine abkehrende. Tristan, blass im 1. Aufzug, als er ja bis zur Einnahme des Liebestranks quasi gar nicht als Person greifbar wird, ist im 2. und 3. Aufzug nur damit beschäftigt, wie er mit Isolde im Schlepptau den Abflug ins apersonal-kosmische Weltgetriebe unternehmen kann. Das Sehnen ist hier so konsequent romantisch gesteigert, dass es körperlos und allem Irdischen entrückt wirkt.
      Nagano empfand ich in diesem Sinne als "zurückhaltenden" Ästheten: Alles sehr geschmackvoll, flexibel, angepasst - aber entsprechend auch kaum mal einen Ausbruch, kein Extrem. Es hätte womöglich auch wirklich nicht zur Inszenierung gepasst, in der die Liebe dem Menschlichen entsagender, kalter, kosmischer Natur war. Manchmal "stand" die Musik aber auch wirklich ein wenig.
      Isolde starb den Liebestod konsequenterweise natürlich nicht, indem sie ihren Leib auf den Tristans herniedersinken ließ - stattdessen kam sie unter dem sinkenden Vorhang nach vorn und umarmte zum Schluss einen von Kratern übersäten Himmelskörper. Da zog sich in mir einiges zusammen. Überhaupt hat mir die Isolde als Figur am meisten Eindruck gemacht, sie verkörperte echte Tragik, während Tristan traumatisiert und als Person "völlig kaputt" wirkte. Die "Heilung", die er sich von Isoldes Ankunft im 3. Aufzug versprach, konnte m.E. nur als Wunsch nach gemeinsamem Übertritt in die kosmisch-ewige Nacht verstanden werden.
      Es gab viel Beifall für alle und einige Bravos - aber irgendwie dem eben Gesagten gemäß keine euphorische Reaktion des Publikums. Bei Gould wurde es am lautesten. Vor dem 2. Aufzug gab es einen (zwei?) Buher - ich nahm es zu meiner Überraschung so wahr, als gelte dies Nagano. Aber sofort gab es auch eine positive Gegenreaktion des Publikums.
      Meine Frau sagte mir schon nach dem 1. Aufzug, das Orchester, vor allem die Bläser, habe an einigen Stellen etwas Mühe gehabt. Ich habe dafür kein so feines Gehör, aber ein uns bekanntes Orchestermitglied bestätigte das dann in der Pause - es sei etwas unkonzentriert gewesen und bei den Bläsern habe es Intonationsprobleme gegeben. Ging an mir aber einigermaßen vorbei - wie im Übrigen auch einiges an Rätselhaftem auf der Bühne.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Lieber Christoph

      Ja so habe ich es auch empfunden, Du hast es noch besser auf den Punkt gebracht als ich. Eine gute Aufführung, aber keineswegs mitreissend.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • ​Andrei Ioniță​

      Andrei Ioniță ist in der Saison 2019/2020 artist in residence bei den Hamburgern Symphonikern und spielt daher mehrere Konzerte (es gibt ein günstiges Abo nur für diese Konzerte, sehr empfehlenswert). Die Konzerte können diesem link entnommen werden: symphonikerhamburg.de/orchester/andrei-ionita-369/.


      Das erste Konzert fand am 12. Januar 2020 statt. Es gab:

      Zoltán Kodály
      Sonate op. 8
      Robert Schumann
      Drei Fantasiestücke op. 73
      Dmitri Schostakowitsch
      Sonate d-Moll op. 40

      in der Besetzung:

      Andrei Ioniță Violoncello
      Naoko Sonoda Klavier

      Die Kodaly-Sonate hatte ich noch nicht live gehört. Entsprechend gespannt war ich, wie Ioniță die vielen Höchstschwierigkeiten bewältigen wird. Antwort: Großartig! Technisch wie interpretatorisch zweifellos oberstes Regal. An wenigen Stellen, gerade am Anfang, hätte ich mir noch eine Spur mehr Intensität gewünscht, aber das ist Nörgelei auf höchstem Niveau (und mag, weil es nur anfangs vorkam, der Nervosität des Künstlers oder sogar meiner noch nicht hinreichenden Aufmerksamkeit geschuldet gewesen sein). Im Internet sind ja bereits diverse Lorbeeren über Ioniță zu lesen - er ist Tchaikovsky-Preisträger - und ich war, das gebe ich zu, etwas skeptisch. Pustekuchen! Ganz großes Kino! Nebenbei bemerkt: Mit seinem Verhalten hat er das Publikum irritiert. An verschiedenen Pausen hat er sich deutlich entspannt (Hand ausgeschüttelt, Arme ausgestreckt). Manche Zuhörer verstanden das als Zeichen, das das Stück zu Ende ist und applaudierten (zum Glück nur beim ersten Mal).

      Die Fantasiestücke mag ich nicht gern, typischer, langweiliger Schuman (schlagt mich ruhig). Das wurde sehr gut musiziert und klang schön, interessiert mich aber nicht weiter.

      Den Abschluss bildete die Cellosonate von Schostakowitsch. Wenn ich mir ein Programm hätte wünschen dürfen: Kodaly und Shostakowitschs Sonate wären dabei gewesen. Wie singt Meat Loaf so schön: Two Out Of Three Ain't Bad. Leider war die Sonate für mich doch überwiegend enttäuschend, was wesentlich an der Pianistin lag. Sie hat mich mit ihrer Art zu spielen nie abgeholt. Sogar das Klischee, dass asiatische Musiker zwar technisch perfekt sind, nicht aber interpretatorisch, ging mir durch den Kopf. Oder lag es an der Einstellung dess Flügels? Jedenfalls erklang nie ein harter, perkussiver Klavierklang, sondern blieb dieser immer weich. Sie spielte halt die Töne, dachte ich. Aber was will sie uns damit sagen? Ioniță spielte erneut sehr stark, aber das passte in meinen Ohren eben leider insgesamt nicht gut zusammen und wirkte so, als wäre die Pianistin kurzfristig eingesprungen. Der dritte Satz gelang sehr gut. In diesem hat das Klavier eben auch kaum etwas zu leisten. Ich habe mich bemüht, nur dem Cello zuzuhören und mich nicht zu ärgern.

      Als Zugaben ein sehr schönes Bach-Arioso sowie Rumänische Volkslieder von Bartok. Letztere wurden so begeisternd gespielt, dass sie beinahe zum Höhepunkt des Abends wurden. Ioniță ist in Bukarest geboren, vielleicht ist er Bartoks Idiom näher als mancher Kollege?

      Riesenapplaus zum Abschluss. Wohlverdient. Ich freue mich auf das nächste Konzert am 19. Januar und bin sicher, Ioniță wird eine große Karriere machen.


      Eine CD gibt es auch schon (u. a. mit der Kodaly-Sonate, habe ich gleich gekauft und auf Youtube gibt es auch einiges zu finden (u. a. Shostakovich, Cellosonate, mit einem anderen Pianisten).
    • Laeiszhalle Hamburg, 19.01.2020, Symphoniker Hamburg, Roland Kluttig, Mozart, CPE Bach, Weill,

      Wolfgang Amadeus Mozart
      Sinfonie g-Moll KV 183
      Carl Philipp Emanuel Bach
      Konzert für Violoncello und Streicher A-Dur Wq 172
      Hamburger Sinfonie Wq 182/5
      Kurt Weill
      Sinfonie Nr. 2

      Ein sehr erfreuliches, unterhaltsames Konzert! Eigentlich hatte ich vor, weiter "nur" über den Cellisten Ioniță zu berichten. Das allein würde dem Konzert aber nicht gerecht, daher ein kurzer Bericht zum gesamten Konzert:

      Mozarts Sinfonie g-moll KV 183 hatte Schwung und wurde mit dem erforderlichen Witz gespielt. Es war eine dieser Aufführungen, bei denen man danach seinen Partner fröhlich anlächelt, weil das gut war und Spaß gebracht hat. Einen erheblichen Anteil daran hatte der Dirigent Roland Kluttig, der für das Publikum sehr anschaulich dirigierte und mit seinem körperlich mitgehenden Dirigierstil Freude an der Musik vermittelte.

      Das Cellokonzert in A-Dur ist berühmt für den zweiten „mesto“-Satz. Tatsächlich gelang Ioniță es erst mit diesem, mich für sich einzunehmen. Im ersten Satz war er für meinen Geschmack zu stark in das Ensemblespiel eingebunden und wusste er sich nicht wie von mir erhofft klanglich durchzusetzen. Das mag auch daran gelegen haben, dass er fast durchweg nah am Griffbrett spielte. Für einen Solisten wäre schlicht mehr Lautstärke gut gewesen bzw. für diese fast schon Flautando-Spielweise war der Saal zu groß. Der zweite Satz war dann aber ein Traum. Die Spielanweisung mesto steht für traurig, bedrückt. Von CDs her kenne ich sehr unterschiedliche Wiedergaben dieser Stimmung. Ioniță setzte mit dem Cello über dem dunklen, grundieren Teppich wie ein Engel ein. Das war kein bedrücktes, sondern ein zwar trauriges, aber süßliches mesto eines tröstendes Engels. Himmlisch schön! Hätte ich am liebsten direkt nochmals gehört! Ein, zwei Nachlässigkeiten haben sich eingeschlichen (zu lauter Lagenwechsel, ein kleines Quietschen beim Saitenwechsel), kann aber live immer passieren. Abermals ein starker Auftritt. Als Zugabe gab es das Menuett aus Ladykillers. Ein ewiger Klassiker, grazil und melodisch. Großer Applaus.

      Die Hamburger Sinfonien gehören zu Recht zu den berühmtesten Werken Bachs. Auch hier Freude am Musizieren. Stürmische, an Vivaldis Jahreszeiten erinnernde Streicher. Ein munteres Hin und Her zwischen ersten und zweiten Geigen, das der Dirigent für das Publikum mit ausgestreckten Armen anzeigte. Das Orchester spielte bis hierhin in deutscher Aufstellung.

      Das Highlight des Konzerts war zum Abschluss Weills 2. Sinfonie, die ich noch nicht kannte und auf die ich daher besonders gespannt war. Hierfür wurde auf amerikanische Aufstellung umgestellt. Kluttig überbrückte bzw. nutzte die Pause, um dem Publikum die Umstellung sowie die gehörten wie die Sinfonie Weills zu erläutern. Zu letzterer sprach er von neuer Einfachheit, vom bewussten Zurückgehen auf klassische Formen wie Dreisätzigkeit in Abgrenzung von der schwülstigen Musik z. B. von R. Strauss. Weills Musik sei inhaltlich deutlich modern. Arbeiterlieder seien zu hören, die Musik sei sehr motorisch.

      Tatsächlich erwies sich die Musik als für die öffentliche Aufführung besonders dankbar. Denn es passierte deutlich mehr klar Sichtbares als in „normalen“ Sinfonien. Fast jedes Orchesterinstrument hatte ein oder mehrere Soli, es gab diverse ungewohnte Spielweisen der Streicher und Klangmischungen, auffällig andere Klangfarben gerade im Vergleich zu der zuvor gehörten streicherbetonten Musik, weil der Blechbläseranteil sehr groß war. Schon kurz nach dem Beginn gibt es ein ausgedehntes Trompetensolo, unterstützt von der Pauke und begleitet von kurzen Strichen der Geigen.

      Akustisch bleibt anzumerken, dass es klanglich sehr interessant ist, abwechselnd in die Elbphilharmonie und die Laeiszhalle zu gehen. Mir jedenfalls wurde gestern sehr deutlich, wie warm und geschlossen der Laeiszhallen-Klang im Vergleich ist.