Verdi - Messa da Requiem

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    • Verdi - Messa da Requiem

      Ihr Lieben,

      wenn man sich mit Verdis Requiem auseinandersetzt, trifft man immer wieder auf die Vorwürfe, die das Werk auch schon nach seiner Uraufführung über sich ergehen lassen musste: zu opernhaft, theatralisch, oberflächlich, voll von Effekthascherei.
      Hans von Bülow spricht von einer „Oper im Kirchengewande“ und lässt sich auch sonst eher spöttisch über das Werk in einer Zeitung aus.
      Und ganz ehrlich: Mir erging es bei den ersten Hörsitzungen nicht viel anders. Ich hatte, was die Gattung Requiem angeht, Mozart, aber vielmehr noch Brahms im Ohr. Und war enttäuscht, vermutlich auch, weil ich kein Freund italienischer Oper bin und deswegen noch nicht allzu viel mit Verdi zu tun gehabt habe.
      Aber ich dachte es mir schon: Je öfter du es hörst bzw. selbst singst (wir machen das gerade im Chor), umso mehr kommst du dahinter und findest Gefallen daran. Und so war es dann auch. Ich sehe das Requiem nun mehr aus Verdis Sicht und lasse die Kollegen Mozart und Brahms völlig außen vor. Warum sollte man auch die Sachen vergleichen, wenn jedes Stück für sich stehen kann?

      Als Rossini 1868 starb, regte Verdi an, dass Italiens zu der Zeit bedeutendste Musiker ein Requiem ihm zu Ehren schreiben. Jeder einen Satz. Verdi selbst schrieb das Libera me. Das Werk wurde auch fertig, kam aber durch diverse obskure Gründe nicht zur Aufführung.
      Es schien aber Verdi im Nachhinein doch öfter gereizt zu haben, ein eigenes Requiem zu schreiben. Als dann 1873 sein Lieblingsautor Alessandro Manzoni starb, nahm es der tief erschütterte Verdi zum Anlass, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Auf der Grundlage des bereits fertig geschriebenen Satzes entstand bis zum April 1874 ein groß angelegtes Werk für viel Solostimmen, Chor und großes Orchester. Die Uraufführung am 22. Mai 1874 in Mailand leitete Verdi selbst.

      In einem Booklet habe ich gelesen (ich weiß nicht mehr, von wem geschrieben), dass sich im Requiem Verdis gesamte Könnerschaft konzentriert. Während in den Opern vielleicht die Grenzen etwas verschwommen bzw. nicht klar gezogen werden, findet man hier alles in einem strengen liturgischen Rahmen vereinigt.
      Interessant finde ich auch, dass Verdi ähnlich wie Brahms nicht gläubig, sondern eher freigeistig unterwegs war. Trotzdem legen beide Werke hin, in denen sich auch gläubigste Christen problemlos wiederfinden können. Also keine Werke von Atheisten, sondern von Agnostikern(?).

      Es gibt eine Unzahl von Aufnahmen. Eigentlich hat beinahe jeder bedeutende Dirigent das Verdi-Requiem eingespielt. Ich habe gerade angefangen, mich allmählich dort durchzuforsten, bin aber noch nicht allzu weit. Deswegen interessieren mich auch eure Lieblingsaufnahmen.

      Aber nicht nur das interessiert mich, sondern auch folgende Fragen: Wie ist es euch beim ersten Hören ergangen? Wieviel Oper steckt drin? Eher Kirche oder Konzertsaal?
      Welchen Rang nimmt für euch das Requiem in Verdis Gesamtschaffen ein? Welchen Stellenwert hat der Chor? Nur Beiwerk bzw. Background für die Solisten oder wichtiger Parameter für eine gelungene Aufführung?

      Bisher gehört und für gut empfunden:



      Harnoncourt mit einer Liveaufnahme aus Wien. Relativ schlank, wenig Oper. ;+)



      Ja, Fritz Wunderlich halt. Is scho toll...



      Bester Chor bis jetzt, auch die Solisten fand ich nicht so schwach, was man der Aufnahme manchmal vorwirft.
      Auf der Hör-Liste stehen jetzt ganz oben Giulini (EMI), Solti (Decca), Solti (RCA) und dann schaun ma mal, was der Thread noch so hervorbringt. :sev:

      Liebe Grüße,
      Peter.
      Alles kann, nichts muss.
    • petemonova schrieb:

      Wie ist es euch beim ersten Hören ergangen? Wieviel Oper steckt drin? Eher Kirche oder Konzertsaal?



      Lieber Peter

      mit diesem thread machst Du ein Fass ohne Boden auf, ich werde der Versuchung widerstehen hier ellenlange Monologe zu meinen Verdi-Requiem-Erlebnissen zu verfassen, also nur ganz kurz:

      erstes Hören? fand bewusst nicht statt. das ist so ähnlich wie mit beethovens 5., die musik kennt man halt, das dies irae und auch andere Stellen war mir "schon immer" im Ohr. das vollständige Requiem habe ich durch einen zweistündigen Film kennen- und lieben gelernt: Claudio Abbado bei Proben und Aufführung mit Chor und Orchester der Mailänder Scala (Solisten Montserrat Caballe, Samuel Ramey, den Rest weiß ich nicht mehr).

      Schönste - beste Interpretationen mE: Giulini, Abbado, Pretre, Harnoncourt fallen mir spontan ein. zugehörige Orchester Solisten Jahr müsste ich recherchieren.

      Live Erlebnisse hatte ich nur im Konzertsaal, Kirche würde mir besser gefallen, kann ich aber nicht so gut beurteilen, weil ich da selbst im Chor mitgesungen habe.
    • petemonova schrieb:

      Harnoncourt mit einer Liveaufnahme aus Wien. Relativ schlank, wenig Oper


      Nachtrag:

      gerade sehe ich, dass Du diese Aufnahme von 2004 eingestellt hast. Harnoncourt hat 2001 wohl ähnlich interpretiert: Eröffnung des "Klangbogen" in Wien, Musikverein. Chamber Orchestra of Europe, Arnold Schönberg Chor (in ziemlich kleiner Besetzung), Solisten Luba Organosova, Marjana Lipovsek, Ramon Vargas, Matti Salminen.

      ein unglaublich schöner Klang, sehr andächtig, schlicht, stellenweise wie nie gehört. die Akustik des Musikvereins war dafür traumhaft. Leider wurde eine Konzertpause eingelegt, die Stimmung ging dabei etwas verloren, der zweite Teil war nicht mehr ganz so berückend. Die Interpretation wie Du sagst insgesamt sehr "unopernhaft", apollinisch. Der Chor war :juhu: !!
    • RE: Verdi - Messa da Requiem

      petemonova schrieb:


      Aber nicht nur das interessiert mich, sondern auch folgende Fragen: Wie ist es euch beim ersten Hören ergangen? Wieviel Oper steckt drin? Eher Kirche oder Konzertsaal?
      Welchen Rang nimmt für euch das Requiem in Verdis Gesamtschaffen ein? Welchen Stellenwert hat der Chor? Nur Beiwerk bzw. Background für die Solisten oder wichtiger Parameter für eine gelungene Aufführung?


      Zum ersten Mal habe ich es glaube ich leihweise in der Wiener Digitalaufnahme Karajans gehört. Die Aufnahme ist durchaus gut (nicht alle Solisten...) und ich erwäge, sie mir nochmal richtig zu kaufen. Ruhig und verklärt/abgeklärt strömt sie dahin, das ist wirklich jenseitige Musik und keine Kirchenoper. Der Eindruck, dass es sich hierbei um wirklich religiöse Musik handelt, bestand bei mir also von Anfang an. Dass Verdis Requiem allerdings jeglichen liturgischen Rahmen sprengt und man es desshalb zu 99,99% konzertmässig aufführt, ist klar. Ausserdem ist die dies irae-Sequenz seit dem zweiten Vatikanischen Konzil im liturgischen Rahmen eigentlich sowieso unzulässig.

      Das Requiem ist für mich persönlich mit knappen Vorsprung Verdis wichtigstes Werk. Aber ich kann es nicht immer hören. Manchmal kann es mir auch geradezu auf den Keks gehen, besonders wenn die Solisten eben doch zu opernhaft knödeln.

      Der Chor ist wichtig, aber eine falsche Person (Andrea Bocelli (hoffentlich liest er´s nicht), ...) im Solistenquartett kann für den Gesamteindruck einer Aufführung wesentlich katastrophaleren Schaden anrichten als ein suboptimaler Chor.

      Die perfekte Aufnahme gibt es natürlich nicht. Sehr hörenswert in Teilaspekten finde ich Giulini/EMI, Fricsay/DG, Karajan/DG/ADD, Karajan/DG/DDD, Gardiner/Philips.

      Vielleicht auch sehr sehr gut, aber noch nicht intensiv gehört: Victor de Sabata / Naxos

      Fritz Reiner auf Decca hat mich mit diesem furchtbar langsamen und unspannenden Beginn so sehr verstört, dass ich die Aufnahme nicht weitergehört habe. Sollte ich aber mal wieder tun, sind ja gute Solisten.

      Giulini/DG und Abbado/DG&EMI konnten mich nicht überzeugen.

      Toscaninis NBC-Aufnahme muss bei mir dringend mal her. Sonst gibt es glaube ich keine Aufnahme, die mir noch ganz dringend fehlen würde.
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Der Einwand war mir klar im Moment des Smileygenerierens. Wollte noch "Altachtundsechziger" dazuschreiben.

      Die mit dem Michelangelo drauf, naklar.

      Aufblendende Sutherland, dem Tenortimbre stellenweise berückend nahe Horne, Prätritenoralpavarotti at his best und der Bauer aus Finnland zerschmetternd.
      Scharfe Kontraste mit allen Schikanen im Orchester, Tempi ideal, Bögen immens.

      Bei den Aufnahmen zur Götterdämmerung sagt Solti irgendwo: "Das muss enorrrrm sein, absolut enorrrm!"
      Diese Aufnahme ist es.

      Und auch wenns gerade nicht hypt: Ich liebe die Wiener (Philharmoniker :D ).
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Hallo,

      das ist meine allerliebste Aufnahme und für mich der Einstieg gewesen in die geistliche Musik (vielleicht weil ich die ital. Oper so liebe)



      es heißt ja immer, das Verdi-Requiem wäre kein richtiges, was weiß denn ich. Ich finde die Toscanini-Aufnahme atemberaubend.

      Gern mögen tu ich auch:



      vor allem wegen Raimondi, Veasey, dem jungen Domingo und Leonard Bernstein


      Grüße aus München

      Kristin :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Hallo Zusammen!

      Also, nachdem ich zweimal das Glück hatte, als Tutti-Schwein Verdis Requiem mitsingen zu können, muss ich sagen: das waren die besten Aufführung seit Menschengedenken.
      Nun, Scherz beiseite.
      Ich kenne eine Reihe der bisher genannten Aufnahmen,die mich aber zum größeren Teil nicht so recht zufrieden stellen. D
      as hat unterschiedliche Gründe. Friscays Interpretation ist mir zu eilig, die Tonqualität lässt meines Erachtens viel von dem verschwinden, was eingentlich einmal da gewesen ist, Soltis Wiener Einspielung mag ich - man mag's kaum glauben - wegen der Solisten nicht so recht. Große Namen, ja. Aber: Joan "the jaw" Sutherland ist schlicht nicht mein Fall, die Tenor-Partie habe ich auch schon besser gehört als bei Pavarotti, Marilyn Hornes Timbre ist es in meinen Ohren für die Partie auch nicht so recht. Talvela ist zwar ein gewaltiger Bass, kann aber kein italienisches Latein. In den Ensembles (Offertorio / Lux aeterna) ergibt sich das Problem, dass die Stimmen nicht so recht zueinander passen wollen. Ich weiß bis heute, wie enttäuscht ich nach dem Kauf der Scheibe war. Genug des Bashings. Bernstein finde ich auch ganz ordentlich, wenngleich Frau Arroyo hier ein glattes "Thema verfehlt" hinlegt. Auch fehlt Bernstein ein bisschen der Zugang zum spezifisch Italienischen des Werkes.
      Warum Gardiner an Verdi herumfummelt, verstehe ich bis heute nicht. Bisweilen macht er ja Ausflüge, die ihn weit weg von seinem, sagen wir einmal "Kernrepertoire" führen, wobei ich das ein oder andere recht gelungen finde, so zB seine Darstellung der "Enigma-Variationen", seine Einspielung des Brahmsschen "Requiems" oder seine "Lustige Witwe". Leider gehört diese Aufnahme nicht zu dem, was mich vom Hocker haut.
      Mein Gott, hoffentlich denkt keine, das ich so ein Moserfritze bin, so wie sich das liest. Kaum im Forum und schon herummäkeln... :stumm:

      Aber, ganz klar, es gibt eine Aufnahme, die ich besonders liebe und das ist Karajans Berliner Einspielung mit Mirella Freni, Christa Ludwig, dem im Publikumsbewusstsein verschütt gegangenen Carlo Cossutta und Nicolai Ghiaurov:

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      Aus meiner Perspektive ist das eine sehr gelungene Ensembleleistung, wobei hier genau das zustande kommt, was bei Soltis Wiener Platte fehlt: die Stimmen der Solisten mischen sich zu einem wunderbaren Gesamtklang. Ein schöneres "Recordare" als das von Freni/Ludwig habe ich (bisher) nicht gehört, ebenso rührt mich das "Lux aeterna" im Grunde nur hier. Und Cossutta präsentiert die Tenor-Partie wie einer der ganz Großen, wenngleich ihm eine solche Position nie gegönnt war. Sein "Hostias" ist unübertroffen, nur Gedda kommt bei Giulini daran heran.
      Und weil's so schön ist, höre ich die Aufnahme auch gleich mal wieder.

      :wink: Agravain
    • Zur Premiere von damals:

      Programmheft vom 31. Mai 1874:

      „Selten zuvor, gab es eine so feierliche Aufführung wie jene am Abend des 25. Mai im Teatro della Scala, als das Requiem von Verdi gegeben wurde, das bereits am 22. In S. Marco aufgeführt wurde, anlässlich des Jahrestages des Todes von Alessandro Manzoni.
      Die Musik hat dabei Höhen erreicht, wie selten… Dieses ganze Requiem besitzt eine außerordentliche Machart…Verdi persönlich dirigierte. Der Maestro, die Sänger und das Publikum schienen eins zu sein, derart unmittelbar war ihr gemeinsamer Wille, der sie verband. Das Genie Verdi schien die Ausübenden zu beflügeln und mit dem gleichen Geist zu beseelen, und jedem von ihnen einen Teil seiner Kraft zu vermitteln.
      Dabei scheinen uns die geeigneten Worte zu fehlen.
      Chor und Orchester verblüfften mit perfekter Intonation, Klangfarbe und unvergleichlicher Syntonie von Tönen und Stimmen. Dem berühmten Meister und den wichtigsten Interpreten, flogen während und noch mehr, nach der Aufführung, Ovationen von unglaublicher Begeisterung zu und Verdi wurde nach der Wiederholung des Sanctus eine Krone aus massivem Gold und Silber mit grünen Streifen übergeben, Streifen auf denen in Gold der Name des Meisters umgeben von einem Stern von Brillanten, und die Daten 22. und 27. Mai eingestickt war. Dieser denkwürdigen, musikalischen Feier wohnten mehrere tausend Zuhörer bei.“

      Text bei Verdi in Latein und Deutsch:"http://www2.hu-berlin.de/hpc/materialarchiv/verdi-requiem/verdi_text.htm"
    • Lieber Robert!

      Danke für die schöne Beschreibung der Aufführung von Verdis Requiem, eine der ganz großen Werke dieses Genies. Dieser Messe für ein Opernhaus, das leider fast nie in Kirchen gespielt und gesungen wird, eine Ausnahme habe ich die Evangelische Kirche in Wien 1060.

      Teresina Stolz [eine Verwandte das Komponisten Robert Stolz] sang das Sopran- Solo und Maria Waldmann den Mezzo Part, beide erste Aida nd Amneris, die beiden sangen es ja auch unter Vedis Leitung in Wien, nur die Männer fallen mir jetzt nicht ein,

      kein Wunder der Tag war anstrengend. :stern: :stern:

      Für mich eine der besten Aufnahmen ist diese - nur habe ich ein anderes Cover:



      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus dem Frühlings - Wien. :wink: :wink:
    • Musikkristin schrieb:

      Ich finde die Toscanini-Aufnahme atemberaubend.


      Liebe Kristin, lieber Peter, ich schließe mich euch an.

      Agravain schrieb:

      Ein schöneres "Recordare" als das von Freni/Ludwig habe ich (bisher) nicht gehört, ...... Und Cossutta präsentiert die Tenor-Partie wie einer der ganz Großen, wenngleich ihm eine solche Position nie gegönnt war. Sein "Hostias" ist unübertroffen, nur Gedda kommt bei Giulini daran heran.


      Dem kann ich mich aber auch voll anschließen. Ebenso finde ich bei Solti Sutherland sogar unerträglich :stumm: , mag sie aber zugegeben sowieso nicht. Auch das empfinde ich bei dieser Solti-Aufnahme ähnlich:

      In den Ensembles (Offertorio / Lux aeterna) ergibt sich das Problem, dass die Stimmen nicht so recht zueinander passen wollen.


      Jedoch gefällt mir auch die schnelle, aber dabei enorm präsize, transparente und sehr gut akzentuierte Aufnahme von Fricsay.

      Eine weitere große Aufnahme ist für mich die von Tulio Serafin, obwohl hier bei der Tonqualität natürlich deutliche Abstriche zu machen sind.



      Aber genaueres kann ich erst wieder nach erneutem und vergleichenden Hören sagen, wann immer ich auch dazu kommen mag. ?(

      :wink: Matthias
    • Meine Lieben!

      Jetzt sehe ich eben im Prawy Buch die Besetzung des "Verdi Requiems" in Wien, am 21.6.1875.

      Teresina Stolz - Sopran,

      Maria Waldmann - Mezzosopran,

      Angelo Masini - Tenor,

      Paolo Mandini - Bass.

      Chor und Orchester der K. &. K. Hofoper unter der Leitung des Komponisten.

      Liebe Grüße Euer Peter aus Wien. :wink:
    • Eigenartigerweise war das Verdirequiem bisher ein von mir weitgehend unbeackertes Feld. Die Fricsay- und die Toscaniniaufnahme stehen herum, ich kann mich aber gar nicht mehr entsinnen, wann ich sie gehört habe.

      So habe ich mich jetzt neu versorgt. Bei aller gebotenen Vorsicht, weil ich nicht wirklich einen Vergleich habe: die Giuliniaufnahme von 1964

      finde ich absolut überwältigend - sowohl orchestral als auch und vor allem, was Chor und Solisten betrifft. Der Chor artikuliert und intoniert mustergültig, und schon gleich zu Beginn war ich verzückt von dem durch die Stimmen wandernden, gleichsam seufzend hingehauchten "luceat eis". Christa Ludwig ist, vor allem im "Liber scriptus", unglaublich gut, Nicolai Gedda viel ausdrucksstärker, als ich ihn sonst in Aufnahmen erlebte (und seine Artikulation ist eine Wonne: wann hört man schon mal das "d", wenn einer "sed tu" singt?), Ghiaurov fällt ganz leicht ab, ist aber alles andere als ein Ausfall.
      Und Elisabeth Schwarzkopf: ihr eigenwilliger Umgang mit Konsonanten und ihr Abschattieren der Vokale hat hier für mich unmittelbar ohrenfällige, überzeugende klangliche Wirkung. Jeder einzelne Ton ist perfekt. Nur im zweiten Teil des "Libera me" zeigt sie unerklärliche Schwächen, auch gibt es hier einen deutlich hörbaren, unschönen Schnitt.

      Zum Werk selbst: dass dieses Requiem allzu sehr von der Oper her komponiert ist, kann ich gar nicht finden. Allenfalls gilt das für den letzten Teil, das Libera me, der ja als erster und schon für das Rossini-Requiem-Projekt entstand - der Beginn kommt als dramatische Szene daher, die ich als etwas unpassend im Gesamtgefüge empfinde. Ansonsten höre ich beispielsweise aus dem Berlioz-Requiem mehr Grand Opéra heraus als bei Verdi.

      Grüße,
      der Don