Konzerte in Berlin

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Zwielicht schrieb:

      Ich meinte jetzt allerdings nicht diese in der Partitur ausgeschriebene Verlangsamung, sondern die zusätzliche Verbreiterung durch den Dirigenten an dieser Stelle - hört man wirklich öfter.
      Absolut überflüssig, in der Tat... Führt auch gerne zu verschlepptem Tempo bis zum Schluß :D
      In dem Punkt (wie in den meisten) fand ich Janowski schon ziemlich stimmig...
      Nur, da er sowohl Mendelssohn wie auch Grieg mit viel Tempowechseln gemacht hat - nicht übertrieben, aber merklich, war ich von den "schnellen" Flöten und den langsamen Streichern doch überrascht. Aber vielleicht heißt dieses "largamente" ja wirklich, daß es so sein soll...
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Vielleicht war ja ausser mir noch jemand hier:

      Am 12 Mai spielte die Staatskapelle Berlin

      JEAN SIBELIUS Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 105
      SERGEJ PROKOFJEW Klavierkonzert Nr. 3 C-Dur op. 26
      IGOR STRAWINSKY Le sacre du printemps

      Solistin war Yuja Wang, es dirigierte Pietari Inkinen.

      Es wartete also ein heftiges Programm auf den Zuhörer im wirklich nicht ausverkauften Konzerthaus. Ich glaube, einige Leute sind auch in der Pause gegangen.

      Die Staatskapelle spielte hervorragend. Den Dirigenten fand ich ebenfalls sehr gut, die Tempi wirkten weder gehetzt noch zu lahm, der Klang des Orchesters war sehr ausgewogen.
      Yuja Wang spielte das Klavierkonzert technisch äußerst brilliant. Mir persönlich fehlte etwas der Ausdruck, die B-Note sozusagen, und auch das Klavier kam sehr hart an. Ich bin mir nicht sicher, ob das am Instrument oder an der Akustik des Hauses lag.
      Die Leute, die in der Pause gegangen sind, haben allerdings wirklich was verpasst. Beim Sacre wurde ich wirklich "vom Hocker" gerissen, wenn man das so sagen darf. Die Bläser waren hervorragend aufgelegt, das Spiel war präzise aber nie langweilig. Ich weiss, dass die Staatskapelle vor einiger Zeit das Sacre zum Ballett gespielt hat, mit dem Stück also sehr vertraut war, aber der Klang war keineswegs routiniert.
      Der Dirigent, Pietari Inkinen, gefällt mir sehr gut. Ich habe ihn jetzt schon mehrfach mit unterschiedlichen Orchestern gehört (Köln, Düsseldorf, Berlin), und zweimal hat er mir (und auch dem Rest des Publikums) deutlich besser gefallen als der Solist. Er ist noch ziemlich jung, Jahrgang 1980, und trotzdem hat man stets das Gefühl, er sei Herr der Lage. Von ihm wird man hoffentlich noch viel hören!
    • Ich habe das gleiche Konzert einen Tag vorher in der Philharmonie gehört und fand es auch sehr gut, siehe hier:
      "http://www.das-klassikforum.de/thread.php?postid=94892#post94892"
      Wenn ich wählen kann, gehe ich lieber in die Philharmonie, die Akustik ist besser und man sitzt v.a auch bequemer, obwohl zugegeben das Konzerthaus optisch schöner ist.

      Die Pianistin hat mich überrascht, ich würde sie gern mal mit einem mir bekannten Werk hören. Ich fand das technisch wirklich atemberaubend und und ich fand ihren glasklaren Anschlag auch angenehm.
      Heike
      „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)
    • Hallo Heike,

      da kann ich nur zustimmen, die Philharmonie ist auch mir die liebere Konzertstätte. Wobei ich nicht unbedingt sagen würde, dass das Konzerthaus ästhetisch ansprechender ist; pompöser ja ... aber egal, das ist Geschmackssache.

      Aber warum hast du deinen Konzertbericht hier nicht einfach reinkopiert, das würde den Konsum vereinfachen.

      :wink:
    • Hallo Ekkehard,

      o.k., dann kopiere ich nächstes Mal statt zu verlinken!

      Und einverstanden, ich hätte "prunkvoller" statt "schöner" schreiben sollen, denn ich liebe die Philharmonie!

      Heike
      „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)
    • Zum 100. Todestag Gustav Mahlers ereignete sich dieses Konzert in der Philharmonie:

      Berliner Philharmoniker
      Claudio Abbado
      Anne Sofie von Otter, Jonas Kaufmann

      Gustav Mahler: Zehnte Sinfonie (Adagio) und "Lied von der Erde"


      Es kann hier ('http://videos.arte.tv/de/videos/live_aus_berlin_c_abbado_dirigiert_g_mahler-3899648.html') in voller Länge nacherlebt werden!


      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Konzerthausorchester Berlin
      Eiji Oue, Dirigent
      Daniel Müller-Schott, Violoncello

      besuchte Aufführung: 26.5. Konzerthaus Berlin Gendarmenmarkt

      Im ersten Teil ein Requiem für Streichorchester von Takemitsu (1957). Mit einem relativ großen Streicherapparat (60 Spieler) klingt diese Musik im Konzerthaus sehr intensiv, auch wenn ich zugeben muss, dass ich die dem Stück attestierte Expressivität in der Interpretation nicht so ganz nachvollziehen kann. Ich habe den Eindruck, dass ich für diese Musik einfach keine rechten Antennen habe, Strawinski hat sich über dieses Stück wohl lobend geäußert, es ist sicher intensiver als so manches, was er nach den 1910'er Jahren geschrieben hat. Den Saint-Saens spielt das Orchester zum Glück mit einer deutlich verringerten Streicherbesetzung- das kommt der Ausgeglichenheit zwischen Bläsern, Streichorchester und Solist sehr zu gute. Das Klangbild ist sehr durchsichtig, das Orchester spielt dank der präzisen Zeichengabe (was man so von hinten sehen kann) sehr differnziert in Charakter und Lautstärke- zum Glück wenig Einheitslautstärke und Einheitssvibrato. Es ist dies meine erste Begegnung mit Müller-Schott, über den ich vieles Lobende gehört habe- er bestätigt sehr vieles davon. Besonders gut gefallen hat mir, dass er bei diesem 'hochromantischen' Cellokonzert das Vibrato als Stilmittel und nicht zum Ausdruck der Dauererregtheit dauernd eingesetzt hat. Der Solopart ist sehr schön gestaltet, nach der Aufführung bekommt Müller-Schott so viel Beifall, dass er noch ein Stück aus einer der Britten-Suiten spielt- sehr stimmig im Hinsicht zum restlichen Programm mit viel 20.Jh.

      Nach der Pause Schostakowitsch 5. Symphonie, ein Stück, das ich schon einige Male live hören durfte: WDR SO/Barshai; WDR SO/ Bychkov, Staatskapelle Berlin/K. Sanderling, WP/Jansons - mithin auch von einigen 'Spezialisten für dieses Repertoire. Am stärksten ist mir das Barshai-Konzert, das für die Brilliant-Aufnahme hergenommen worden ist, in Erinnerung geblieben, weil der Gesamteindruck sehr erschütternd war: gestern waren viele Stellen sehr gut und brilliant gespielt- den ganz großen Bogen habe ich allerdings vermisst im Vergleich zu einem Rudolf Barshai- das hat mich nicht wirklich überrascht. Leider scheint die Schostakowitsch-Erfahrung des Orchesters ziemlich dahin gegangen zu sein in den letzten dreißig Jahren- besonders in den langsamen Sätzen 1 und 3 fiel das auf. Ziemlich brilliant und zirkusmäßig war der zweite Satz gespielt, da merkte man, dass das (viertbeste??) Orchester Berlins doch ein hervorragend gutes Orchester ist- sehr beeindruckend auch der Schlusssatz, der jegliche positive Assoziation dieses Stücks verbietet- sehr beeindruckend die Brillianz des Paukenspielers, der an einigen Stellen das Orchester (als Interpretationsansatz denke ich gerechtfertigt) völlig zugedeckt hat.

      Für alle Berliner kann ich also zusammenfassen: man kann sehr vieles sehr schönes erleben, aber Eiji Oue kann den oben genannten Heroen noch relativ wenig entgegensetzen- wie das in Hannover geklungen haben mag, kann ich natürlich nicht einschätzen.

      LG Benno
    • Giovanni di Tolon schrieb:

      besuchte Aufführung: 26.5. Konzerthaus Berlin Gendarmenmarkt
      So ein Zufall - ich war gestern ebenfalls im Konzerthaus, allerdings nebenan im kleinen Saal, und lauschte dem Doric String Quartet.

      Bekannt war mir das Quartett bisher nur von einer Sampler-CD, die vor geraumer Zeit dem FonoForum beilag. Darauf war das Doric String Quartet mit Haydns Op. 76,1 zu hören. Schon auf dieser Live-Aufnahme war mir die kraftvolle und zupackende Spielweise des Quartetts aufgefallen. Dieser Eindruck hat sich im gestrigen Konzert bestätigt. Das besagt jedoch längst nicht, dass es sich hier nur um vier Herrren für's Grobe handelt. In den langsamen und ruhigen Sätzen können die Musiker aus England auch sehr sensibel die lyrischen Stellen ausbreiten.

      Auf dem Programm standen gestern Joseph Haydns Quartett A-Dur Op. 20,6, William Waltons Quartett in a-moll und Franz Schuberts Quartett d-moll D 810 (Der Tod und das Mädchen).

      Das publikumswirksame Walton-Quartett scheint dem Doric String Quartet besonders gut zu liegen. In den schnellen Sätzen brannte jeweils ein atemberaubendes virtouses Effektfeuerwerk ab. Man konnte glatt vergessen, dass es sich hier "nur" um Kammermusik handelt. So nebenbei wurde bei dieser Gelegenheit noch kräftig Werbung für die eben neu erschienene Walton-CD gemacht...



      ...die seit heute auf meinem Wunschzettel steht. Auch das Schubert-Quartett wurde sehr intensiv und anrührend gespielt. Am Schluss gab's zu Recht schier endlosen Applaus, Bravo-Rufe und Standing Ovations. Ein wunderbarer Abend - hat mir sehr gut gefallen!

      Viele Grüße
      Frank
    • Ekkehard schrieb:

      Und weiter geht's im Mahler-Zyklus der Berliner Philharmoniker. Gestern für uns mit der 3. (...) Auch auf die Gefahr hin, mich an dieser Stelle bezüglich Mahler/Rattle/BPhil nur zu wiederholen: Es war ein bewegender, fast schon überwältigender Abend. Am Ende war die Wirkung so intensiv, dass der Applaus nicht mit dem Verklingen der letzten Note losbrach, sondern die voll besetzte Philharmonie tatsächlich die Momente der Stille bis zum Senken des Taktstocks brauchte, um wieder zurück zu finden. (...) Und was soll man zum Orchester noch sagen? Konzertmeister Guy Braunstein (so lässig, so virtuos und in seinen Soloparts so intensiv ohne jede Gefühligkeit), Mayer - überhaupt die Bläser (Solo-Posaune!), aber auch die Streicher, die so viele Farben haben.
      Und Rattle. Mit diesem Mahler - so mein Eindruck - beseitigt er die Zweifel daran, dass er am richtigen Platz ist.

      Ich war offenbar mit Dir am selben Abend im selben Saal. Und ich stimme Dir voll zu. Die Dritte war für mich der (bisherige) absolute Höhepunkt des Mahler-Zyklus' von Rattle mit den Berlinern - da stimmte einfach alles! Diese Oboenrufe von Albrecht Mayer, die ich so überhaupt noch nie gehört habe! Und vor allem das Finale! Das war einfach unglaublich intensiv musiziert.

      Dass niemand außer Rattle auf diesen Chefdirigentenposten gehört, stand für mich nie in Frage. Ich habe nicht ein einziges mittelmäßiges oder gar schlechtes Konzert von ihm in Berlin gehört, nur sehr gute, herausragende und geradezu sensationelle (in dieser Abstufung). Das ging bereits 1995 (lange vor seiner Ernennung zum Chefdirigenten) mit Mahlers Zehnter los: das war mein erstes Rattle-Konzert mit den Berliner Philharmonikern. Und was hat er seitdem nicht alles gemacht! Absolute Highlights waren zum Beispiel Henzes "Floß der Medusa" in Anwesenheit des Komponisten, Stockhausens "Gruppen" im Hangar des Flughafens Tempelhof (zweimal aufgeführt, das Publikum musste sich zwischen beiden Aufführungen umsetzen, um die Klangflächen anders als beim ersten Mal zu erleben), dieses geradezu sensationelle "Planeten"-"Asteroiden"-Konzert 2006 (mit Werken von Holst, Matthews, Turnage, Dean, Pintscher und Saariaho), das von Matthias erwähnte Gemeinschaftskonzert mit dem Lincoln Center Jazz Orchestra und Wynton Marsalis, die in Form einer Installation aufgeführte Matthäus-Passion von Bach, der Beethoven-/Webern-Zyklus, das Musical "On the town" von Bernstein als Silvesterkonzert, "Le Martyre de Saint-Sebastien" von Debussy... Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

      Am Samstag werde ich Mahlers Achte (plus Thomas Tallis und Antonio Lotti) hören. Ich gehe jede Wette ein, dass das mal wieder ein Fest sondergleichen wird.
      "Die Leute verstehen heute von Haydn fast nichts mehr. Dass wir jetzt gerade in einer Zeit leben, wo - gerade hundert Jahre früher - Haydn unsere ganze Musik schuf, wo er eine Sinfonie um die andere in die Welt setzte, daran denkt niemand. Und Haydn - er war da gerade in meinem Alter - entwickelte sich in dieser Zeit ein zweites Mal zu so ungeheurer Größe, nachdem er früher die Welt gesehen und so viel geschaffen hatte. Das war ein Kerl! Wie miserabel sind wir gegen sowas!"
      (Johannes Brahms)
    • Wenn ich es richtig sehe, ist der aktuelle Mahler-Zyklus der Berliner Philharmoniker beendet. Ende vergangener Woche gab es die 9. (die 10., resp. deren Adagio, hatte Abbado hier bereits im Mai dirigiert).

      Am Ende so einer Reihe ist es immer gut, einen kleinen Triumph, zumindest ein Ausrufezeichen, sozusagen als passenden Abschluss, zu vermelden. Das allerdings fällt schwer, und es liegt nicht zuletzt am Werk selbst.

      Der Abend begann mit Lachenmanns Tableau für Orchester. Zerrissenheit wird als Charakterbild dazu im Programmheft vorgeschlagen. Es ist viel Geräusch, wenig Melodie, eigentlich wenig Ton im Vergleich mit dem symphonischerweise üblichen Programm. Zerrissenheit aber stimmt und wird im Verbund mit den ungewohnten, bislang nicht gehörten Klängen zu spannenden zehn Minuten. Zumindest am Donnerstagabend war der Komponist anwesend, erhielt sehr freundlichen Applaus - die große Irritation, die seine Werke früher laut Programmheft auslösten, war für mein Empfinden auch nicht mehr zu bewältigen. Das Werk stammt von 1988/89.

      Dann, wie gesagt nach zehn Minuten (plus Applaus), Pause. Vermutlich wegen Umstellarbeiten erforderlich. Mir wäre es lieber gewesen, beides hintereinander hören zu können. Denn das Tableau war schon sehr gut gewählt für das, was sich in der 9. an Zerrissenem findet, und was Rattle mit ihr zeigte. Seine Tendenz, den Blick auf Einzelnes zu lenken, dies zu vergrößern, kam vollends zum Tragen. Angesichts der nahezu perfekt spielenden Philharmoniker war das schon ein unglaublich intensives Erlebnis. Aber natürlich kann das zum Anlass genommen werden, den fehlenden roten Faden, übergeordneten Gedanken zu monieren (so beispielsweise der Rezensent des Kulturradios).

      Der vierte Satz dann - wie stets - tief bewegend. Die Pause Zwischen dem Verklingen der letzten Note und dem Einsetzen des Applauses war lang, und mir fast nicht lang genug, ich tue mich schwer, gleich im Anschluss zu klatschen, es passt einfach nicht. Viel Beifall, wenngleich ich bei diesem Zyklus schon größere Begeisterung erlebt hatte. Ein intensiver Abend in jedem Fall.
    • Der saisonübergreifende Mahler-Zyklus mit Rattle geht durchaus noch weiter: am 14., 16. und 17. Dezember gibt es zum Abschluss dieses Projekts "Das Lied von der Erde":

      Berliner Philharmoniker
      Sir Simon Rattle Dirigent
      Anne Sofie von Otter Mezzosopran
      Stuart Skelton Tenor
      Gerald Finley Bassbariton

      Leoš Janáček
      Schluss-Szene aus der Oper "Das schlaue Füchslein"
      Gustav Mahler
      Das Lied von der Erde

      Vielen Dank für Deinen interessanten Konzertbericht, lieber Ekkehard!
      "Die Leute verstehen heute von Haydn fast nichts mehr. Dass wir jetzt gerade in einer Zeit leben, wo - gerade hundert Jahre früher - Haydn unsere ganze Musik schuf, wo er eine Sinfonie um die andere in die Welt setzte, daran denkt niemand. Und Haydn - er war da gerade in meinem Alter - entwickelte sich in dieser Zeit ein zweites Mal zu so ungeheurer Größe, nachdem er früher die Welt gesehen und so viel geschaffen hatte. Das war ein Kerl! Wie miserabel sind wir gegen sowas!"
      (Johannes Brahms)
    • Drei Aufführungen der Dritten von Mahler innerhalb kurzer Zeit sind eher selten. Sicherlich ist das auch dem Jubiläumsjahr verschuldet, aber nicht nur. Immerhin hatte ich die Möglichkeit, zwei der Konzerte zu hören. Vom Ersten der Philharmoniker mit Rattle kann man ja weiter oben bei Ekkehard lesen. Vor einigen Wochen spielte das RSO Berlin unter Marek Janowski im Konzerthaus, ebenda hörte ich gestern das Konzerthausorchester unter ihrem designierten Chefdirigenten Ivan Fischer.
      Das erste Konzert stand bei mir noch ganz unter dem Einfluss des Genießens, denn Mahler 3 ist mir in den letzten Monaten zur wichtigsten und somit liebsten Musik überhaupt geworden und so war ich vom Live-Eindruck ganz eingenommen. Herausgekommen ist auf jeden Fall eine sehr klangschöne und runde Aufführung mit herausragenden Solisten, sowohl was die instrumentalen als auch die vokalen Parts anging.
      Bei Ivan Fischer hatte ich jedoch den Eindruck, dass er zur Musik mehr zu sagen hatte als Janowski. Allein schon der langsame, aber überaus intensive Beginn ließ mir den Atem stocken. Mit einer trügerischen Ruhe entfaltete das Konzerthausorchester die unterschiedlichsten Facetten und Klänge des Kopfsatzes. Umso brutaler und erschütternder dann die lauten Stellen, die in Mark und Bein fuhren. Fischer betonte eher eine bedrohliche Seite der Musik. Man konnte sich auch bei den freundlichen Passagen nie sicher sein, ob es auch so gemeint ist. Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, aber Fischer dürfte gefühlte sieben bis acht Minuten mehr für den kolossalen Kopfsatz gebraucht haben als Janowski.

      Nach dem ersten Satz, der ja auch die erste Abteilung der Sinfonie abschließt, beginnt das Publikum zu applaudieren (ebenso nach dem dritten Satz), Fischer tritt ab und die Chöre treten auf. Leider war bei mir damit komplett die Spannung raus. Diese Spannungsabfälle zogen sich dann bis fast zum Schluss. Was aber nicht am Dirigenten, sondern am sehr undisziplinierten Publikum lag. Laute Huster in Generalpausen, laute "Flüster"gespräche bei den Sitznachbarn oder Zuhörer, die während der Vorstellung den Saal verlassen und sich durch die Reihen zwängen. Man konnte es Ivan Fischer ansehen, dass auch er zu tun hatte, am Ball zu bleiben, was ihm aber dennoch famos gelang. Die musikalische Ausführung war bis zum Schluss erste Klasse, nur von der Altistin Christianne Stotijn hätte man sich gewünscht, dass sie das vorgelegte Niveau (auch vor allem von den Chören: Damen des Rundfunkchors und der Staats- und Domchor) mitgehen kann.

      Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mir eine Mischung aus beiden Konzerten gewünscht hätte. Janowskis Konzept, die Abteilungen nicht durch eine kurze Pause zu trennen. Fischers musikalische Interpretation. Die Klangkultur und -schönheit des RSO. Maria Radner im vierten Satz. Und das Publikum aus dem ersten Konzert. Im Endeffekt hat mir somit das Konzert aus dem November einen bleibenderen Eindruck hinterlassen. Jetzt würde ich ja gerne noch den Rattle hören... :pfeif:
      Und: Berlin kann sich auf Ivan Fischer freuen. Er hat das Zeug dazu, das Konzerthausorchester, wieder etwas aus dem Schatten der anderen Berliner Orchester rauszuholen.


      Liebe Grüße,
      Peter.
      Alles kann, nichts muss.
    • Mahlers Dritte mit dem Konzerthausorchester Berlin unter Ivan Fischer (6./7.1.12)

      petemonova schrieb:

      ebenda hörte ich gestern das Konzerthausorchester unter ihrem designierten Chefdirigenten Ivan Fischer.


      Das gleiche Konzert habe ich einen Abend früher gehört...


      petemonova schrieb:

      Bei Ivan Fischer hatte ich jedoch den Eindruck, dass er zur Musik mehr zu sagen hatte als Janowski. Allein schon der langsame, aber überaus intensive Beginn ließ mir den Atem stocken. Mit einer trügerischen Ruhe entfaltete das Konzerthausorchester die unterschiedlichsten Facetten und Klänge des Kopfsatzes. Umso brutaler und erschütternder dann die lauten Stellen, die in Mark und Bein fuhren. Fischer betonte eher eine bedrohliche Seite der Musik. Man konnte sich auch bei den freundlichen Passagen nie sicher sein, ob es auch so gemeint ist. Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, aber Fischer dürfte gefühlte sieben bis acht Minuten mehr für den kolossalen Kopfsatz gebraucht haben als Janowski.


      ...und teile, lieber Peter, Deine Eindrücke weitgehend. Die tiefen, schwarzen Klänge des Orchesters im Kopfsatz habe ich selten so bedrohlich gehört. Überhaupt war der erste Satz großartig ausgehört, die Klangballungen waren gleichzeitig überwältigend und transparent, z.B. in den letzten ca. 50 Takten. (Ich habe übrigens auf die Uhr geschaut: 33-34 Minuten brauchte Fischer für den Kopfsatz, das ist durchaus noch im üblichen Rahmen.)


      petemonova schrieb:

      Nach dem ersten Satz, der ja auch die erste Abteilung der Sinfonie abschließt, beginnt das Publikum zu applaudieren (ebenso nach dem dritten Satz), Fischer tritt ab und die Chöre treten auf. Leider war bei mir damit komplett die Spannung raus. Diese Spannungsabfälle zogen sich dann bis fast zum Schluss. Was aber nicht am Dirigenten, sondern am sehr undisziplinierten Publikum lag. Laute Huster in Generalpausen, laute "Flüster"gespräche bei den Sitznachbarn oder Zuhörer, die während der Vorstellung den Saal verlassen und sich durch die Reihen zwängen. Man konnte es Ivan Fischer ansehen, dass auch er zu tun hatte, am Ball zu bleiben, was ihm aber dennoch famos gelang. Die musikalische Ausführung war bis zum Schluss erste Klasse, nur von der Altistin Christianne Stotijn hätte man sich gewünscht, dass sie das vorgelegte Niveau (auch vor allem von den Chören: Damen des Rundfunkchors und der Staats- und Domchor) mitgehen kann.


      Da hatte ich mit dem Publikum am Freitag mehr Glück. Die kleine Pause nach dem Kopfsatz habe ich nicht als störend empfunden, sie ist ja auch in der Partitur vorgeschrieben.

      Trotz der nicht optimalen (aber auch nicht schlechten) Sängerin fand ich den Nietzsche-Satz besonders bemerkenswert, und zwar wegen des erstaunlich flüssigen Tempos und des schwebenden Klangs. So habe ich das noch nicht gehört, sehr überzeugend. Wunderbar auch das fließend-singend genommene Finale mit wunderbarem Streicherklang. Nur das Ende war entgegen der Anweisung Mahlers doch etwas zu dröhnend, vor allem die beiden Pauker droschen mit roher Kraft auf ihre Instrumente ein. Den Schlussakkord mit einem ganz leichten Diminuendo fand ich aber sehr schön.

      Der ganze Streicherapparat war klasse, hervorragend auch Soloposaune, -trompete sowie das "Posthorn" (hier, wie nachher erläutert wurde, kein Flügelhorn, sondern ein von einem Leipziger Instrumentenbauer in Zusammenarbeit mit Ludwig Güttler entwickeltes Corno di caccia mit Ventilen). Nicht ganz sicher die Hörner; auch die Holzbläsersoli habe ich in dieser Sinfonie schon überzeugender gehört.


      petemonova schrieb:

      Und: Berlin kann sich auf Ivan Fischer freuen. Er hat das Zeug dazu, das Konzerthausorchester, wieder etwas aus dem Schatten der anderen Berliner Orchester rauszuholen.


      Ganz bestimmt. Nach dem Konzert gab es noch ein Gespräch des Orchester-Dramaturgen mit zwei Orchestermusikern - dem Trompeter, der das "Posthorn"-Solo gespielt hatte, und einem Bratscher. Der Trompeter erläuterte Interessantes zu Instrument, Proben und Spielen "aus der Ferne", gab sich ansonsten ganz als robust-pragmatischer Orchestermusiker (Zitate und Programme interessieren mich nicht so, ich spiel das, was in den Noten steht - sinngemäß zitiert). Dagegen entpuppte sich der Bratscher - unter Beimischung der obligatorischen Witze - als echter Conferencier und Mahler-Kenner, sehr unterhaltsam. Von beiden Musikern wurde große Sympathie für Ivan Fischer geäußert. Nicht direkt, aber unverkennbar die Distanz der Musiker zu Fischers Vorgänger Lothar Zagrosek.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Streichquartett Meta4 im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, 12.01.2012

      Béla Bartók Streichquartett Nr. 1
      Gabriel Fauré Streichquartett e-moll op. 121
      Jouni Kalpainen Streichquartett Nr. 6 "The Terror Run"
      Sebastian Fagerlund Scherzic
      Osmo Taplo Räihälä Rampant
      Jaako Kuusisto "Play III" op. 21

      Auf ihrer Webseite (h**p://www.meta4.fi) stellen sich die Mitglieder des finnischen Streichquartetts Meta4 als betont cool und hemdsärmelig dar. Diesen Auftritt habe ich den vier Musikern bisher jedoch nicht so recht abkaufen können, seit ich deren Debut-CD mit Quartetten von Joseph Haydn gehört habe, die ich an anderer Stelle hier im Forum bereits öfters wegen ihrer federnd leichten und sensiblen Interpretationen gelobt habe.

      Meine positiven Eindrücke von der CD haben sich beim gestrigen Quartettabend im Konzerthaus am Gendarmenmarkt bestätigt. Für die klangschönen und ausgewogenen Darbietungen der Werke von Bartók und Fauré gab es jeweils einen begeisterten und lange anhaltenden Applaus.

      In der zweiten Hälfte des Konzerts standen neuere Werke zeitgenössischer finnischer Komponisten auf dem Programm. Es handelte sich durchwegs um effektvolle und publikumswirksame Stücke, bei denen die Musiker die virtouse und souveräne Beherrschung ihrer Instrumente demonstrieren konnten. Bewundernswert und mitreißend war die absolute Präzision beim Zusammenspiel selbst in den schnellen und rhythmisch vertrackten Passagen. Besonders das Streichquartett "The Terror Run" des 1956 geborenen Jouni Kaipainen erwies sich dabei als schlichtweg atemberaubend.

      Das richtige Programm besonders für Freunde "fetziger" zeitgenössischer Musik. Hoffentlich folgt irgendwann eine CD-Einspielung.

      Viele Grüße
      Frank
    • Einen interessanten Abend konnten wir am vergangenen Mittwoch in der Berliner Philharmonie erleben.

      Zu Beginn wurde wieder einem Mitglied des Orchesters Gelegenheit gegeben, solistisch tätig zu sein. Diesmal war es Solo-Cellist Olaf Maninger, der - begleitet von Mitgliedern der Orchester-Akademie der BPhil - "Ritorno degli snovidenia" spielte. Das Stück hatte Berio quasi für Mstislaw Rostropowitsch geschrieben. Bei dem Stück (übersetzt: Die Rückkehr der Träume) geht es um die russische Revolution und "vor allem eine Würdigung eines von der Geschichte, den Menschen, dem Stalinismus verratenen Traums" (so Berio laut Programmheft). Simon Rattle begrüßte das Publikum und gab eine kurze Einführung in das Stück: "Berit was an old communist, Rostropowitsch was an old realist." Das Stück (uraufgeführt 1977) ist natürlich irgendwie modern, dergestalt, dass es neue Wege beschreitet, also weniger wie in herkömmliches Solokonzert daherkommt; das wirkt teilweise zerrissen, collagiert, hat aber einen Spannungsbogen und klingt grundsätzlich eher harmonisch als dissonant. Ich kannte diese Musik bislang nicht, sie sprach mich unmittelbar an, auch wenn Maninger mich nicht völlig überzeugte, sein Ton war mir etwas zu schmal, aber das ist gewiss Geschmacksache. Im Vergleich mit Emanuel Pahud, den wir zuletzt solistisch in der Philharmonie erlebt hatten, fühlte sich Maninger für mein Empfinden so exponiert weniger wohl, aber auch das mag täuschen.

      Dann "Shéhérazade" vom Maurice Ravel. Gesungen von der Mezzosopranistin Magdalena Kozená. Erstaunliche Klangfarben des Orchesters (das mir teilweise etwas wenig Rücksicht auf die Solistin nahm) und ein tiefer, spannender Vortrag von Kozená. Das war ein imaginierter Orient, der so zur Projektionsfläche verschiedenster Stimmungen wurde, die die Sängerin jeweils beeindruckend transportieren konnte. Auch die nach der Pause anschließenden "Fünf Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert" von Gustav Mahler zeigten eine Kozená, die ganz bei sich, ganz in der Musik war. "Ich bin der Welt abhanden gekommen", war eine Mahler-Symphonie im Kleinen (wobei sich "klein" nicht auf die Ausdruckstiefe bezieht). Für mich der berührendste Moment des Abends.

      Bei der "Unvollendeten" Schuberts, dem Schlusspunkt des Abends, wurde der Mahler'sche Ton aufgegriffen. Ich habe diesen Klassiker schon seit langer Zeit nicht mehr live erlebt. So durchscheinend habe ich die Bässe zu Beginn aber gewiss noch nicht gehört, die Bläser - wie stets - superb, allein die Streicher ließen mich in den Ausbrüchen teilweise merkwürdig kalt; in den für mich schlechteren Momenten der Konzertabende mit den BPhil habe ich den Eindruck, dass hier außerordentliche Virtuosen außerordentlich virtuos spielen, und dabei auch bestens harmonieren - das berührt mich aber nicht in jedem Fall. Aber das ist eben ganz subjektiv.

      Auf jeden Fall bleibt ein schön durchkomponierter Abend. Ich war gespannt, wie die Musikauswahl harmonieren wird - sie tat es auf das Beste.
      Nun bin ich schon auf diesen Mittwoch gespannt; dann spielen die BPhil unter Andris Nelsons Brahms Violinkonzert (Solist: Guy Braunstein!) sowie Strauss' "Heldenleben".

      :wink:
    • Ich habe gerade noch mal nachgelesen: Im Oktober 2010 haben wir Andris Nelsons schon bei den BPhil gehört, damals ließ mich das unberührt, diesmal überhaupt nicht. Ein tolles Konzert. Und "toll" ist ein Begriff, den ich gemeinhin nicht verwende, hier trifft es das Geschehen aber.

      Der Abend begann mit Brahms Violinkonzert. Solist: Konzertmeister Guy Braunstein. Nun muss ich eingangs gestehen, dass ich Braunstein für überaus sympathisch halte, meine Wahrnehmung also alles andere als unvoreingenommen ist. Wie schon Maninger betritt Braunstein in schwarzem Hemd (über der schwarzen Hose) das Podium, was eine ältere Dame neben uns schlicht entsetzte, mir aber gefiel, weil es so unprätentiös rüberkam, wie Braunsteins Auftritt nun mal ist. Nelsons selbst erschien ähnlich, auch wenn sein Hemd schon nahezu die Ausmaße eines mittellangen Nachthemds annahm. Äußerlich? Jo. Aber insgesamt passend zum ganzen Abend, an dem es der Musik galt (gut, das klingt etwas dicke, trifft's für mich aber).
      Brahms also, Braunstein reiht sich zunächst quasi in seine Kollegen, drängt nicht nach vorn, was auch mal äußerlich ist, aber für mein Empfinden schon dafür stand, dass es bei dem Konzert eben weniger als vielleicht üblich um den Solisten geht. Der nimmt dann natürlich seinen Platz im Spotlight ein, und spielt einen für mich ganz famosen, rückhaltlosen Brahms, der nicht auf Perfektion und Attitüde, sondern auf Ausdruck, auf Energie setzt, dabei aber nicht übertrieben schwer daherkommt, sondern etwas Leichtes, Unangestrengtes hat. Und wie im zweiten Satz Oboe (Albrecht Mayer) und Violine miteinander agieren, war schlicht beeindruckend, schön.
      Am Ende sehr, sehr viel Beifall für Braunstein, Nelsons und Orchester. Zugabe. Applaus, Jubel. Braunstein ist offenbar einer der beliebtesten Philharmoniker - das hat auch musikalisch gute Gründe.

      Nach der Pause dann das "Heldenleben". Nicht jedermanns Sache; bei den BPhil, wie mir nun auffiel, offenbar doch häufiger auf dem Programm. Denn ich konnte mich entsinnen, dass mich beim letzten Mal die Solo-Violine von Daishin Kashimoto (der ja noch gar nicht so lange - 2009 - dabei ist) wenig überzeugte. Dies war jetzt anders. Überhaupt machten Nelsons und die Philharmoniker aus dem "Heldenleben" ein derart pralles Stück Musik, dass man sich dem gar nicht entziehen konnte. Nun schätze ich dieses Werk ohnehin, aber wie Nelsons hier in die Vollen ging, die Kontraste von Furor und Idylle in den Raum stellte, beides immer wieder gegeneinander krachen ließ, war schon sehr beeindruckend.
      Nelsons selbst erinnerte mich sehr an Jansons, nur dass er eben - weil jünger - noch etwas energetischer wirkte. Er selbst schien nichts zurückzuhalten und das übertrug sich für mein Empfinden auf die Musiker. Das machte allen Beteiligten einfach unbändige Freude, die man ihnen ansehen konnte - und das galt auch für das Publikum. Ein übrigens zum Gutteil sehr junges - und nebenbei bemerkt: sehr diszipliniertes - Publikum.
      Ich kann mir ja immer mal die verschiedensten Dirigenten als Rattle-Nachfolger vorstellen (auch wenn die Frage vor 2018 ja nicht auf der Tagesordnung erscheint), das gilt in besonderem Maße für Nelsons, wenn ich an den gestrigen Abend denke.

      :wink:
    • Ich habe das Konzert am Donnerstag gehört und mir hat es auch recht gut gefallen. Was aber vor allem an Nelsons lag. Der Mann ist einfach klasse, das ist das dritte Mal, dass er mich live so begeistert hat. Er tanzt förmlich auf dem Pult, macht relativ viel Takt, aber nicht wie ein Lehrer, sondern wie ein Spieler. Direkt ansteckend, ich kann mir vorstellen, wie der die Musiker schon in den Proben mitreißt.

      Braunstein hat es bei mir noch schwer (ich hänge an Stabrawa als meinem Lieblings-Phil-Konzertmeister). Beim Brahms hat er sich aber recht gut geschlagen, da passt seine Lässigkeit und Freche. Das war auch wirklich irgendwie nett, wie er sich da in die Geiger stellte und erst mal den Orchesterpart mitspielte: schon komisch, wenn man die andere Rolle auch so in und auswenig kennt, Das Oboensolo fand ich ein absolutes highlight, wie es dann mit der Geige zusammenfand, genial.

      Wie schon Maninger betritt Braunstein in schwarzem Hemd (über der schwarzen Hose) das Podium, was eine ältere Dame neben uns schlicht entsetzte, mir aber gefiel, weil es so unprätentiös rüberkam, wie Braunsteins Auftritt nun mal ist.

      Könnte es sein, dass die Dame einfach nur eine schlecht sitzende Kleidung kritisierte? Mich stört lässige Kleidung ncht, aber Braunstein hat einfach nicht die richtige Figur für dieses Hemd.
      Heike
      „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)
    • Bambambambam.

      Am Do, 01.03. und am Fr, 02.03. um 20:00 gibt es in der Berliner Philharmonie ein Konzert der Extra-Klasse zu erleben.

      Die Faust im Nacken verspürt der geneigte Besucher mit der kompletten Alexander-Newski-Kantate von Sergeij Prokofiev (sprich: Bragooofieff).
      Als wäre das nicht genug, gehen das DSO unter Tugan Sokhiev noch einen Schritt weiter und geben ihren Besuchern frontal voll eins auf die Zwölf mit
      der 4. Symphonie von Dimitrij Shostakovitch (sprich: Schostakoowijtsch).

      Das ist mal ein Programm!! EInzig angemessenes Motto des Abends kann lauten: Kaufen, Hinsetzen, Fr....halten, bewegt und erschüttert werden, gehen, Fr... halten.

      In dem Sinne
      :wink:
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Wulfs Empfehlung kann ich mich voll anschließen. Ein wirklich großartiges Programm, das ich - wenn ich in Berlin wäre - auf jeden Fall besuchen würde!
      Immerhin gibt es ein Trostpflaster in Form einer Rundfunk-Live-Übertragung des Konzerts am Freitag: :D

      Fr., 02.03.2012 - Deutschlandradio Kultur - 20.03-22.30 Uhr

      :wink:
      Johannes