ABRAHAM, Pàl - ...wird dich die Welt mit Füßen treten

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    • ABRAHAM, Pàl - ...wird dich die Welt mit Füßen treten

      Heute vor fünfzig Jahren verstarb der Komponist Paul Abraham. Da dieser runde Jahrestag nicht so einfach übergangen werden sollte, übernehme ich eine aktualisierte Fassung seiner Biografie aus meinem unrealisierten Operettenbuchprojekt, da ich dieser kaum Neues hinzu zu fügen habe.

      Geboren wurde Abnraham am 2.11. 1892 im ungarischen Apatin als Pàl Abraham. Seine kurze Erfolgskarriere verdankte er einer geschickten Verbindung von großer Operette und eingängigem Schlager, mit der er den eskapistischen Publikumsgeschmack seiner Zeit traf. Wie bei vielen seiner jüdischen Zeitgenossen im übrigen Europa ist sein Gesamtwerk nicht unabhängig von den katastrophalen Verbrechen seiner Zeit zu beurteilen, da es durch die tragischen Konsequenzen seiner Verfolgung stark beeinträchtigt wurde.

      Seine Karriere als Operettenkomponist begann er erst mit 36 Jahren. Zuvor hatte er von 1910 bis 1916 in Budapest Musik studiert und einige Instrumentalwerke geschaffen. Seine Begabung für die Operette entdeckte er als Kapellmeister am Budapester Operettentheater, für das er 1928 sein erstes Bühnenwerk ZENEBONA schrieb. Der überragende Erfolg seiner Operette VIKTORIA UND IHR HUSAR machte ihn auch in Deutschland populär, nachdem deren deutsche Fassung 1930 in Leipzig uraufgeführt worden war. Abraham zog daraufhin nach Berlin und konnte nur ein Jahr nach seinem ersten Großerfolg den nächsten feiern: DIE BLUME VON HAWAII (1931). Im gleichen Jahr schrieb er die Gesangsnummern für die Filmkomödie „Die Privatsekretärin“ mit dem unsterblichen Schlager "Ich bin ja heut' so glücklich" (s. "http://www.youtube.com/watch?v=17MGwS64HOI"), denen weitere Filmmusiken und Verfilmungen seiner Operetten in Deutschland und Ungarn folgten. Ende 1932 reüssierte er noch einmal mit BALL IM SAVOY.

      Diese Operette offenbarte jedoch schon Anzeichen nachlassender Inspiration und brachte mit „Es ist so schön am Abend bummeln zu gehn“ nur einen nachhaltigen Erfolgstitel hervor. 1933 reduzierte sich die Zahl der Aufführungen von DIE BLUME VON HAWAII schlagartig von 1725 in der Spielzeit 1932 auf 8, denn seine Operetten wurden als „Niggermusik“ verboten. Abraham floh nach Wien, später nach Budapest. In beiden Städten schrieb er noch einige Operetten und Filmmusiken, die aber rasch vergessen wurden. Bei Kriegsausbruch floh Abraham über Paris und Kuba in die USA, wo er jedoch nicht Fuß fassen konnte. Schließlich musste er seinen Lebensunterhalt als Barpianist in New York verdienen, bis 1946 eine, von seinem Elend ausgelöste, geistige Verwirrung seine Einweisung in eine Heilanstalt erzwang. 1956 wurde er auf Betreiben zahlreicher Anhänger seines Werks nach Deutschland zurück geholt. Dort lebte er in weitgehender Umnachtung bei seiner Frau in Hamburg, wo er am 6.5.1960 von seinem Leiden erlöst wurde.

      Seine Hauptwerke wurden in den 50er Jahren im Stil der damals beliebten Schlagerparaden neu verfilmt. 1978 versuchte man in Salzburg eine Wiederbelebung in Form eines Pastiches aus seinen frühen ungarischen Operetten ZENEBONA, DER GATTE DES FRÄULEINS und ES GESCHEHEN NOCH WUNDER, hatte aber wenig Erfolg damit.

      Abrahams erklärtes Vorbild war Franz Léhar, dem er auch in seiner Vorliebe für exotische Schauplätze nacheiferte. VIKTORIA UND IHR HUSAR spielt in Russland, Japan und Ungarn und wirkt auch musikalisch wie ein hurtiger Streifzug durch Lehárs Spätwerk. Seine Beherrschung von Lokalkolorit („Honved Banda“) und Sentiment bewies er mit Nummern wie „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“. Mit seiner Offenheit für die simplen Formen eingängiger Schlager ging er allerdings merklich über Léhar hinaus und erschloss der Operette mit Nummern wie „Rote Orchideen“, „Meine Mama war aus Yokohama“ oder „Mausi, süß warst du heute Nacht“ zusätzliche Publikumskreise aus den Anhängern der Welt der Schlager und Revuen, trug damit allerdings auch zur weiteren Verflachung der Gattung bei.

      Gleiches gilt für Abrahams zweites Erfolgswerk DIE BLUME VON HAWAII, deren Schauplätze vom Fernen Osten in den noch ferneren Westen und das damals kaum weniger exotische Spielerparadies Monte Carlo wechselten. Die Musiknummern changierten erneut unbekümmert zwischen Léhar und Schlager, haben sich aber bis heute als feste Bestandteile des Wunschkonzertrepertoires gehalten, etwa „Will dir die Welt zu Füßen legen“, „My Little Boy“ oder das von Al Jolson als schwarz geschminkter „Minstrelsänger“ inspirierte „Bin nur ein Jonny“, dessen rassistisches Klischee heute allein schon eine Aufführung des Stückes problematisch macht. Abrahams geschickte Aneignung hawaiianischer Klänge in dem Titellied dieser Operette oder in „Du traumschöne Perle der Südsee“ erwies sich allerdings als so eingängig, dass sie eine Südseenostalgie auslöste, die sogar den Weltkrieg noch für geraume Zeit überdauerte. Seine europäisierte Adaption polynesischer Klänge erwies sich weltweit als derart populär, dass ihre Spuren selbst in Richard Rodgers Musical SOUTH PACIFIC noch hörbar sind.

      Wenige höchst erfolgreiche Künstler fielen im Laufe von nur wenigen Jahren von einer solchen Höhe in eine derart verzweifelte Tiefe, aber selbst das allein wäre noch kein Grund, dieses enorm begabten Komponisten in einem Musikforum zu gedenken. Was er musikalisch bedeutete, wird hoffentlich irgendwann wieder deutlicher werden, wenn man gute Aufnahmen der originalen Instrumentationen macht. Auch ich hatte nämlich bei meiner Erstbegegnung mit den zur Schlagerparade reduzierten Operetten Abrahams erhebliche Probleme. Ich fand damals die Lieder (wie das meiste im Operettengenre) unglaublich seicht und habe erst viel später einmal die ganzen Operetten zu hören bekommen (etwa die WDR-Aufnahme von VIKTORIA UND IHR HUSAR unter Franz Marszalek mit Gitta Lind und Willy Hofmann), die es zum Glück wieder zu kaufen gibt,



      und gemerkt, dass da doch ein sehr guter Musiker dahinter stand, obwohl auch Marszalek "modernisierte". Deshalb frage ich mich, ob Abraham wirklich nur noch ein Fall für Nostalgiker und hoffnungslos veraltet ist, oder ob wir nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn wir sein Werk einfach ad acta legen und damit mittelbar die Nazis in ihrem Unwerturteil bestätigen.

      Leider gibt es außer der erwähnten von VIKTORIA derzeit keine einzige vernünftige Gesamtaufnahme seiner Operetten am Markt. Die (höchst relativ) beste davon, die es bei der EMI aber auch nicht mehr gibt, quetscht einige Hits noch mit Potpourris von Kalman-Operetten zusammen, obwohl bei der EMI vollständigere Aufnahmen dieser Besetzung(en) vorliegen, die früher auch einmal veröffentlicht wurden. Leider leiden aber selbst die unter der totalen Verschlagerung der Operette, wie sie in den 50er Jahren Mode war, so dass man sie heute kaum mehr jemandem empfehlen möchte.

      So kann man mit einigermaßen gutem Gewissen derzeit eigentlich nur diese Zusammenstellung historischer Aufnahmen empfehlen, die Abrahams größten Erfolgen gewidmet ist, aber natürlich nur einen sehr oberflächlichen Eindruck von den vollständigen Operetten und dem eigentlich möglichen Klang seiner Musik gibt:



      Vielleicht bin ich aber nicht mehr ganz auf dem Laufenden und Ihr kennt noch andere gute Aufnahmen von Abrahams Werk?

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Vielen Dank, Rideamus. Ich hatte mir noch nie Zeit genommen Naeheres ueber Abraham zu lesen. Wie Du sagst, es ist traurig, dass keine weiteren Gesamtaufnahmen kommerziell erhaeltlich sind. Eine nette "Blume von Hawaii" vom ORF habe ich gehoert, aber es ist schade, dass die Orchestrierungen eben oft so modernisiert wurden. Zwar hat der WDR ja jetzt versucht die Werke original-getreuer zu Instrumentieren, aber mit der "Viktoria" und der "Blume" ist doch zu merken, dass es dann aber an vollstaendigen Dialogen und teilweise einfach schierer Freude und Energie etwas fehlt. Ich nehme an, dass es mit "Ball im Savoy" welches ja bald gesendet wird, aehnlich sein wird. Eine perfekte Einspielung gibt es also immer noch nicht von diesen Werken. ;(
      Carola - indysetter@gmail.com
    • zur Blume von Hawaii:



      Das Schauspielhaus Essen hat eine ganz passable Gesamtaufnahme von BLUME VON HAWAII auf CD veröffentlicht, die seinerzeit bei sound-of-music Essen bezogen werden konnte.



      Im übrigen hat Abraham bereits in ZENEBONA, dessen Komposition er sich mit anderen Komponisten teilte, ein Buffo-Duett komponiert, das er später in BLUME VON HAWAII wieder verwendet hat.



      BALL IM SAVOY: ist neben MÄRCHEN IM GRAND-HOTEL meine Lieblingsoperette von Paul Abraham und neben VIKTORIA sein heutzutage meist gespieltes Werk. Vor allem in Ungarn und Rußland läßt sich dem BALL IM SAVOY auf zahlreichen Bühnen begegnen. 1978 wurde BALL IM SAVOY vom russischen Fernsehen in einer Kurzfassung, die aber das Gros der Musiknummern enthält verfilmt, 1985 folgte eine 2-stündige Fernsehfassung aus Estland und eine fabelhafte, liebevoll modernisierte Inszenierung aus Veszprém wurde 2006 im ungarischen Fernsehen übertragen.
    • zu Ball im Savoy:



      Zitat Rideamus:

      "Diese Operette offenbarte jedoch schon Anzeichen nachlassender Inspiration und brachte mit „Es ist so schön am Abend bummeln zu gehn“ nur einen nachhaltigen Erfolgstitel hervor"



      Ich glaube eine solche Aussage tut dem "Ball im Savoy" unrecht. Meiner Meinung nach ist es die beste Abraham-Operette (neben "Märchen im Grand-Hotel") und die bis heute weltweit meistgespielte. Nur an deutschen Theater bekommt man sie seit Jahrzehnten vorenthalten (rühmliche und einzige Ausnahme der WDR Köln) während sie in Ungarn, Rußland, Italien ein fester Bestandteil des Operettenrepertoires ist und regelmäßig aufgeführt wird.



      An "Schlagern" hat der "Ball im Savoy" eine Menge aufzubieten, jede Nummer ist im Prinzip einer, genannt seien etwa der Känguru-Fox und das Duett "O Mister Brown" oder von den lyrischen Nummern "Was hat eine Frau von der Treue".



      Insgesamt ist es eine höchst reizvolle Partitur, zu der sehr hübsche Gesangstexte erdacht wurden und allein deshalb eine Wiederaufführung lohnend erscheint.
    • Ball im Savoy von Paul Abraham

      ABRAHAM, Paul - Ball im Savoy
      Abraham, Paul
      Ball im Savoy

      Operette in 3 Akten mit einem Vorspiel.
      UA: Berlin 1932, Text: Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda

      Personen:
      Marquis Aristide Faublas, Tenor
      Madeleine, Sängerin, seine Frau, Sopran
      Bébé, ihre Zofe
      Daisy Darlington, Jazzkomponistin, Soubrette
      Célestin Formant, Rechtsanwalt
      Mustapha Bey, Ataché türkische Botschaft in Paris, Buffo
      La Tangolita, argentinische Sängerin, Soubrette
      Pomerol, Ober im Hotel Savoy
      Ernest Bennuet, ein Freund Célestins
      Blanca aus Prag
      Mizzi aus Wien
      Lucia aus Rom
      Mercedes aus Madrid
      Grude aus Berlin
      Ilonka aus Budapest

      Venedig und Nizza, erstes Drittel des 20. Jahrhunderts

      Vorspiel: Marquis Faublas und seine junge Frau Madeleine sind von ihrer Hochzeitsreise nach Venedig zurückgekehrt. Sie erleben voller Freude und Glück den mitternächtlichen Zauber der Lagunenstadt, den Gesang der Gondolieri und den wunderschönen Sternenhimmel.

      1.Akt
      Viele Freunde begrüßen die Ankunft des Hochzeitspaares in der Villa, sie sind extra nach Nizza gekommen. Die frisch Vermählten wollen aber lieber unter sich bleiben und so werden sie im Hotel Savoy einquartiert, in dem heute ein großer Ball stattfinden soll.
      Unter der eingegangen Post ist auch ein Brief seiner ehemaligen Freundin Tangolita. Aristide hatte ihr damals zum Abschied ein intimes Souper versprochen und nun fordert sie es ein. Er weiß nicht was er machen soll und berät sich mit seinem Freund Mustapha. Als Ausrede seiner Frau Madeleine gegenüber behauptet er sich mit dem Komponisten Pasadoble im Savoy zu treffen.
      Doch Madeleine weiß, dass es nur ein Vorwand ist und ihre Freundin Daisy, die gerade aus Amerika gekommen ist, benutzt gerade selber dieses Pseudonym Pasadoble um ihren Eltern ihre Unabhängigkeit von ihnen zu beweisen. Sie begegnet Mustapha und verliebt sich sofort ihn. Die beiden Damen wollen sich verkleidet auf den Ball begeben um sich an den beiden Herren Aristide und Mustapha zu rächen.

      2.Akt
      Im Ballsaal gibt sich die Junge Prominenz von Nizza ein Stelldichein. Madeleine begegnet dem jungen und schüchternen Célestin, mit dem sie nach dem Motto „Toujours l’Amour, das ist mein Prinzip“ bereitwillig tändelt. Auch Tangolita wird von der Männerwelt umschwärmt und Madeleine beobachtet voller Eifersucht, sie diese sich mit Aristide in ein Séparée zurückzieht. Moustapha hat es auch nicht leicht, da er sich mit einer Anzahl früherer Frauen, die er in verschiedenen Hauptstädten Europa heiratete und dann wieder verließ, auseinandersetzen muss. De Marquis hat ein schlechtes Gewissen und lässt durch den Ober Pomerol zu Hause anrufen. Dieser verrät es Madeleine, doch Aristide glaubt nun, dass alles in Ordnung sei. Als das Fest seinen Höhepunkt erreicht hat, lüftet Daisy zum Schrecken des Marquis ihr Inkognito. Madeleine spielt nun die tief Beleidigte und verkündet, dass sie gerade ihrerseits Aristide mit Célestin betrogen habe. Ein Riesenskandal ist die Folge.

      3.Akt
      Das Ehepaar Faublas berät mit Mustapha und Daisy was zu tun sein, und beschließt – zumal die Presse diese Neuigkeiten sensationslüstern aufgenommen hat -, sich scheiden zu lassen. Aristide bestellt einen Anwalt, obwohl er nicht glauben kann, dass ihn seine Frau betrogen hat. Célestin, in Vertretung seines Chefs, kommt zur Türe herein und erkennt seine Balldame wieder. Er versichert, dass zwischen ihm und Madeleine absolut nichts gewesen sei. Als endlich auch Aristide erklärt, warum er mit Tangolita im Séparée war, versöhnen sich die Eheleute. Daisy hat vor Moustapha zu heiraten, obwohl sie sich nicht sicher sein kann, ob er auch sie – wie schon ihre Vorgängerinnen – wieder verlassen wird.

      Toujours l’amour
      Es ist schön am Abend bummeln zu gehen
      Hall im Savoy
      La bella Tangolita
      viele Grüße von musica
    • Blume von Hawaii, Paul Abraham

      ABRAHAM, Paul - Blume von Hawaii

      Libretto Emmerich Földes, Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda.

      UA 24.7.1931 in Leipzig.
      Hawaii 90er Jahre des 19. Jahrhunderts

      Personen:
      Laya, Prinzessin von Hawaii
      Prinz Lilo-Taro
      Kanako Hilo, ein vornehmer Hawaiianer
      Reginald Stone, Kapitän der US-Marina
      Lloyd Harrison, Gouverneur von Hawaii
      John Buffy, sein Sekretär
      Bessie Worthington, Harrisons Nichte
      Raka, eine junge Hawaiianerin
      Jim Boy, amerikanischer Jazzsänger
      Suzanne Provence, seine Partnerin
      u.a.

      1. Akt
      Kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts hat die amerikanische Armee Hawaii besetzt und die Königin entmachtet. Seither herrscht ein Gouverneur über die Inselgruppe. Die hawaiische Prinzessin Laya hat sich mehr oder weniger mit den neuen Verhältnissen abgefunden, hält sie sich doch lieber in Paris auf, wohin sie ihre Eltern in ihrer Jugend zur Ausbildung gegeben haben. Schon im Kindesalter wurde sie dazu ausersehen, später einmal die Frau des Prinzen Lilo-Taro zu werden. Dieser liebt jedoch das Leben mehr als seine Heimat und befindet sich oft auf Reisen.
      Einem großen Teil der Eingeborenen ist die amerikanische Besatzung zuwider. Die königstreue Partei hat Kanako Hilo zu ihrem Führer gewählt und hofft, dass es ihm gelingen möge, die Kolonialherrschaft abzuschütteln. Gouverneur Harrison aber hegt den Plan, seine Nichte Bessi mit Lilo-Taro zu vermählen, um so Einfluss auf die hawaiische Führungselite zu gewinnen. Harrisons Sekretär John Buffy hingegen passt dies überhaupt nicht, weil er selbst ein Auge auf Bessi geworfen hat.
      Kapitän Stone trifft in Honolulu ein. Mit an Bord seines Schiffes hatte er ein Künstlerpaar: Der junge Mann ist der berühmte Jazzsänger Jim-Boy. Die ihn begleitende Dame gibt sich als die nicht minder berühmte Sängerin Susanne Provence aus. Tatsächlich aber ist sie die heimkehrende Prinzessin Laya, die zunächst unerkannt bleiben möchte. Auf der Überfahrt hat sich Kapitän Stone in die „Sängerin“ verliebt.
      Als Kanako Hilo die wahre Identität der Sängerin gelüftet hat, hofft er, in ihr eine Verbündete im Kampf gegen die Besatzungsmacht zu gewinnen. Die Prinzessin jedoch kann sich für diese Idee nicht begeistern, obwohl sie vom Volk wie eine Königin begrüßt wird.

      2. Akt
      Bei dem alljährlich stattfindenden Blumenfest ist es Brauch, dass eine junge Dame zur Blumenkönigin gekürt wird, zur „Blume von Hawaii“. Als solche soll heuer Prinzessin Laya ausgerufen werden. Gouverneur Harrison befürchtet, das Volk werde dieses Ereignis zum Anlass nehmen, gegen die Besatzungsmacht zu revoltieren. Von Prinzessin Laya verlangt er, eine Erklärung zu unterzeichnen, wonach sie im Namen des hawaiischen Volkes auf jegliche Souveränitätsansprüche verzichtet. Nachdem die Prinzessin dieses Ansinnen zurückgewiesen hat, wird sie vom Gouverneur zur Staatsfeindin erklärt. Kapitän Stone erhält den Befehl, sie umgehend zu verhaften. Weil dieser jedoch die Prinzessin zutiefst verehrt, verweigert er den Befehl und riskiert damit, dass er seinen Posten verliert. Um Stone aus der Patsche zu helfen, unterschreibt schließlich Laya doch noch die Erklärung. Lilo-Taro, bei dem inzwischen die Liebe zu seiner Verlobten entbrannt ist, deutet dies falsch. Er ist zutiefst verzweifelt und flieht an das Meer, um dort den Tod zu finden. Laya weiß nun, wem ihr Herz gehört.

      3. Akt
      Hier treffen alle Protagonisten der Operette zusammen, um dem Gesang der „echten“ Susanne Provence zu lauschen. Kapitän Stone, dem in Honolulu das Glück hold war, Lilo-Taro vor dem Selbstmord zu bewahren, hat nun auch Glück im Spiel. Er und der Prinz sind inzwischen richtig dicke Freunde geworden. Susanne Provence tröstet ihn, weil er in der Liebe auf Laya verzichten muss. Das Ende der Operette ist vorhersehbar: es finden sich vier glückliche Paare, zu denen selbstverständlich auch Laya und Lilo-Taro gehören.

      Bekannte Lieder daraus:
      Blume von Hawaii, ich liebe dich fürs Leben
      Mein golden Baby
      Ich hab ein Diwanpüppchen
      Du traumschöne Perle der Südsee
      Will dir die Welt zu Füßen legen
      viele Grüße von musica
    • Rideamus schrieb:

      ist sein Gesamtwerk nicht unabhängig von den katastrophalen Verbrechen seiner Zeit zu beurteilen, da es durch die tragischen Konsequenzen seiner Verfolgung stark beeinträchtigt wurde.


      Dies ist völlig richtig. Insbesondere den späteren Operetten Abrahams ist dies deutlich anzumerken. Etwa die Auftrittsnummer der Roxy in der Wasserball- (in der deutschen Fassung Fußball-)Operette "3:1a szerelem javara" (Roxy und ihr Wunderteam) als sie sich mit den Worten "Haben sie nicht irgendein Geheimfach, wo man sich diskret verstecken kann" von ihrer Hochzeit ins Hotelzimmer der ungarischen Nationalmannschaft flüchtet.Erst im historischen Kontext der Entstehungszeit betrachtet, erschließt sich die wahre Bedeutung dieser auf den ersten Blick harmlos wirkenden Zeilen.

      Besonders stark sind die Spuren in Abrahams "Julia" zu spüren - ein Aufguß zu "Viktoria und ihr Husar", von musikalisch zweifelhafter Qualität, welche die Ernüchterung des heimatlos gewordenen Komponisten deutlich spüren läßt. Was Wunder, daß die Handlung von einem in Kanada gestrandeten Ungarn handelt, der von der Hochzeit seiner Verlobten im fernen Ungarn im kanadischen Urwald aus dem Radio erfährt. Kaum eine andere Operette Abrahams rückt die Gefühlswelt des vertriebenen Komponisten so stark ins Zentrum der Handlung. Musikalisch wie textlich ist das Werk desolat. Die beste Nummer ist was Wunder eine leise valse boston, eine wehmütige Reminiszenz an untergangene, (bessere?) k&k-Zeiten, die für immer verloren sind:

      "Am Burgtor im Garten, da pflegten zu warten, die Mädels auf ihren Husar, er kam sah und siegte, ein Küßchen gleich kriegte, weil sie doch sein Herzliebchen war"
    • Viktoria und ihr Husar von Paul Abraham

      ABRAHAM, Paul - Viktoria und ihr Husar

      Operette in drei Akten mit einem Vorspiel
      Text: Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda nach Emmerich Földes
      UA. Budapest 1930,

      Sibirien, Japan, St. Petersburg und Ungarn, nach Kriegsende 1918

      Personen:
      John Cunlight, amerikanischer Gesandter, Bariton
      Gräfin Viktoria, seine Frau, Sopran
      Riquette, ihre Zofe, Sopran
      Graf Ferry Hededüs auf Doroszma, ‚Viktorias Bruder, Tenor
      O Lia San, Ferrys Verlobte, Sopran
      Aladar Koltay, Husarenrittmeister, Tenor
      Janczi, sein Bursche, Tenor
      Pörkelty Istvan, Bürgermeister von Doroszma

      Vorspiel: Dem ungarischen Husaren-Rittmeister Koltay und seinem Burschen Janczi gelingt die Flucht aus russischer Kriegsgefangenschaft, nachdem sie die Wächter mit einer wertvollen Geige bestochen haben.

      1.Akt:
      Cunlight, amerikanischer Gesandter in Japan, ist nach Russland versetzt worden; er feiert mit Viktoria, seiner aus Ungarn stammenden Frau und vielen Freunden Abschied. Auch Graf Ferry, der sich in die schöne Halbjapanerin O Lia San verliebt hat, ist dabei.
      Koltay hat nach einer mühseligen Flucht Japan und Tokio erreich1, er kommt in die japanische Botschaft weil er erfahren hat, dass sich dort Ungarn aufhalten. Er sieht Viktoria, seine ehemalige Verlobte wieder und muss erfahren, dass sie Cunlight geheiratet hat, weil er selbst totgesagt wurde. Janczi verliebt sich in Riquette, die reizende Zofe Votkorias, die ebenfalls aus Ungarn stammt. Cunlight, der nichts von dem früheren Verlöbnis seiner Frau weiß, nimmt Koltay und Janczi als Botschaftsangehörige nach St. Petersburg mit

      2.Akt
      Vergebens fordert Koltay Viktoria, die sich an ihren früheren Treueschwur nicht mehr gebunden fühlt, auf, ihren Mann zu verlassen. Der Gesandte hat inzwischen erfahren wer Kolty ist, will ihm aber weiterhin helfen in seine Heimat zu gelangen. Dieser jedoch weist die Hilfe des Mannes, der ihm Viktoria weggenommen hat, zurück und wird schließlich als entsprungener Kriegsgefangener verhaftet. Viktoria bricht zusammen, als sie dies miterleben muss.

      3.Akt
      Sie trennt sich von ihrem Mann, obwohl dieser die Begnadigung und Freilassung des Rittmeisters erreicht hat und lebt jetzt mit ihrem Bruder Ferry zusammen in Doroszma, ihrer Heimat. Heute sollen nun die Hochzeiten von Ferry und O Lia San, sowie von Janczi und Riquette gefeiert werden. Außerdem überredet Ferry Viktoria dazu, sich mit ihrem Mann zu versöhnen. Bevor jedoch Viktoria Cunlight ein zweites Mal ihr Jawort gibt, stürmen Koltay und seine Husaren in das Dorf. Cunlight, der inzwischen von allem weiß, verzichtet auf Viktoria. Er selbst spricht sich mit Koltay aus und erklärt, dass er Viktorias Glück nicht im Wege stehen wolle. Nun werden drei Hochzeiten gefeiert.

      Pardon, Madame, ich bin verliebt
      Mausi, süß warst du heute Nacht
      Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände
      Meine Mama, war aus Yokohama
      Ja, so ein Mädel, ungarisches Mädel
      viele Grüße von musica