Traduttore, traditore - Übersetzte Sprachkunstwerke

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    • Traduttore, traditore - Übersetzte Sprachkunstwerke

      Manchmal ist es ja schon schwer genug, Alltagssprachliches in eine fremde Sprache zu übersetzen. Es gibt immer wieder Ausdrücke und Sachverhalte, die so idiomatisch sind, dass sie nur umschrieben übertragen werden können, Doch in Sachen Literatur - am meisten noch bei der Lyrik - scheint es ein unmögliches Unterfangen, ein Werk adäquat zu übersetzen. Bei einem Petrarca-Sonett steht man vor der Quadratur des Kreises. Schon die lautlichen Anspielungen können einen Übersetzer zum Wahnsinn treiben (was mache ich auch l'aura - Laura?) Dann habe ich noch beziehungsreiche Wörter, deren Gegenstück eben diese Beziehungen nicht aufweist. Wenn ich dann auch noch die Form übersetzen will, scheint die Kunst am Ende.

      Und trotzdem wird dies oft unternommen. Eine meiner Petrarca-Ausgaben weist seitenlang (allerdings auch kommentiert) Übersetzungen aus. Schon vor und mit Opitz beginnt die Geschichte der (erst einmal gereimten) Übersetzung und heute ist sie noch lange nicht zu Ende.

      Ich lade hier mit großer Vorfreude zu dem Übersetzungs-Thread ein, erhoffe Übersetzungs-Partys und Schlimmeres. Und natürlich viel an Gespräch über Literatur.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Sehr löbliches Unterfangen, lieber Peter!!!!! Dazu hab ich ganze Romane zu schreiben, aber keine Sorge, petit à petit.
      Ich werde Dir nur schon schnell bei der Laura - l'aura Problematik (ganz egozentrisch) aus der Patsche helfen. Wie wärs mit Maria -m'aria. Kommt wie gerufen, spontane Intuition..... :fee:

      Ansonsten mache ich heute noch später (wenn ich meine Gesangsschülerin versorgt habe) mit Rilke -Valéry einen Start. Evtl kann ja ein Mod. die übersetzungspostings aus dem Sonettthread hierher kopieren?
      ausserdem schlage ich vor, dass wir zusammen Übersetzungen von Wunschgedichten probieren. In diesem polyglotten Forum müsste das eigentlich ein serh vielversprehcendes Unterfangen sein.
      Wie wärs mit diesem Verfahren: Jeder der dabei mitmachen will, meldet sich hier an. Er/sie darf sich ein Gedicht wünschen und wir übersetzen pro Tag(oder wenn wir länger bracuhen eben pro Woche) mit vereinten Kräften. Französisch, englisch, italienisch, spanisch, latein, griechisch, ungarisch, russisch, alt und mittelhochdeutsch und niederländisch sind bereits im Forum vertreten. Bayrisch und Wienerisch desgleichen. Kundige ander Sprachen kônnen sich ja bitte noch outen.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Lieber Peter,
      ich kann nur von meiner Warte aus sprechen, da ich fast ungefragt für einige Jahre Presseartikel (Italienisch und Deutsch) für einen Politiker zu übersetzen hatte, was immer irre rasch gehen mußte, und wofür ich keine besondere Ausbildung hatte, und wobei der Politiker kein Wort Deutsch konnte, also mußte die Übersetzung vor allem verständlich sein, ohne logische Fehler und eben taufrisch, da am Tag darauf meist alles schon überholt war.
      Übersetzen, mit oder ohne Ausbildung, ist bekanntermaßen Schwerstarbeit, und wenn man nicht so rasch übersetzen muß, daß man (ging früher noch) in Word praktisch Kürzel einbauen mußte, und zwar für häufig verwendete Wörter oder Satzteile, dann finde ich geht es am besten, wenn zwei Übersetzer daran arbeiten, wobei sie unterschiedlicher Muttersprache sein sollten. Meiner Erfahrung nach, kann man nicht in zwei Sprachen alles wissen, was man sollte, Redewendungen, ausgefallene Wörter usw. Das Schlimmste daran ist, daß einem immer noch eine bessere Möglichkeit einfällt, man aber irgendwann eine Arbeit auch abgeben muß. Meines Wissens ist die kostenpflichtige online EU Datenbank für Linguistik die weltweit beste, die sich aber nur für Firmen auszahlt, da nicht billig.
      Ein Übersetzer sollte eigentlich nahe daran sein, in beiden (oder mehreren) Sprachen zu träumen, ohne sich dazu zwingen zu müssen, dies wäre ein Signal, daß er die Sprache fühlt.
      Gewisse Übersetzungen kann man nur im Team machen, indem man für Fachausdrücke die dafür kompetenten Leute fragt, sofern greifbar.

      Traditore (Verschwörer) sehe ich hier keinen, Peter :prost: :prost: :prost:
    • robert schrieb:

      Traditore (Verschwörer) sehe ich hier keinen


      Heißt das nicht schlicht und einfach "Verräter"? In diesem Sinne zitiert das Wortspiel auch Ortega y Gasset in "Glanz und Elend der Übersetzung" ("Miseria y esplendor de la traduccion").
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      Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi
    • Auf die Gefahr hin, die weihevolle Aura der ganz hohen Literatur gleich zu Beginn zu beschädigen, möchte ich einfach mal ein paar Gedankensplitter zu diesem weiten Thema streuen, das mich persönlich als Konsument wie als semiprofessioneller Gelegentheitsübersetzer interessiert.

      Das Übersetzungsproblem müsste uns eigentlich noch viel näher stehen als von Peter angedeutet, wenn man an die Auseinandersetzungen in Threads wie "Oper auf deutsch" etc. denkt.

      Ich schlage mich auch immer wieder gerne mit den damit verbundenen Problemen herum, wie man z.B. in meinen Sondheim- oder Chabrier-Threads erkennen kann. Dabei habe ich natürlich das Privileg, mir besonders reizvolle und machbare Stücke auswählen und mich dann ganz sportiv und ohne Leistungsdruck mit den Herausforderungen der Librettisten von Chabrier oder Offenbach samt ihren sprachspielerischen Kunststücken auseinandersetzen zu können. Wobei ich mich noch immer nicht recht traue, mit William S. Gilberts "I am the very model of a modern major-general" herum zu schlagen, obwohl da der Gleichklang noch machbar ist. Das muss ich zugeben, obwohl ich mich schon mit einigem Erfolg an Lewis Carroll und den Gedichten von ALICE IN WONDERLAND versucht hatte. Dabei geht es mir tatsächlich überwiegend um die Übertragbarkeit von Sprachspielereien. Von einer adäquaten Übertragung der Klangschönheit eines Gedichtes wage ich nicht zu träumen, habe ich doch schon Schwierigkeiten damit, so einfache Sätze wie "Die Eifersucht ist eine Plage" in ein adäquates Englisch zu bringen ohne den komponierten Rhythmus oder Sinn zu sehr zu verletzen. Umgekehrt gilt das natürlich auch, oder wie übersetzt man Chabriers hinterhältig verführerisches in Bedeutung, Klang und Rhythmus adäquat?
      Donnez-vous la
      Donnez-vous la
      Donnez-vous la
      Peine de vous assoir
      Mon bon ami, vous allez voir.

      (Macht euch das Vergnügen, euch - auf den Folterstuhl - zu setzen, lieber Freund, und ihr werdet schon sehen)

      Ich habe es bis heute nicht geschafft (s. CHABRIER: L'ÉTOILE - ein strahlender Stern).

      Oder, um das Beispiel von Fairy Queen zu nehmen:

      Ich werde Dir nur schon schnell bei der Laura - l'aura Problematik (ganz egozentrisch) aus der Patsche helfen. Wie wärs mit Maria -m'aria. Kommt wie gerufen, spontane Intuition.....
      Bei allem Lob für das frappierende Ergebnis der Spontaneität: M'aria ginge ja noch, aber Du änderst den Vornamen schon erheblich, wenn Du ihn auf dem A statt dem I betonen musst. Der Teufel steckt bei sowas immer sehr tief im Detail.

      Andererseits: es geht - manchmal sogar extrem gut, wenn ein wirklich musikalischer Dichter wie Peter Cornelius dahinter steckt. (S. Berlioz, Hector- Les nuits d'été)

      Von daher würde ich mich gerne an praktischen Versuchen beteiligen, sei es in diesem Thread oder ansderswo, möglichst allerdings mit Librettotexten oder anderen, deren Rhythmus zwangsläufig vorgegeben ist.

      Schreibe ich das nun aus Prahlerei? Vielleicht. Vor allem aber um auf meine - zugegeben im Wortsinn amateurhafte - Erfahrung abzuheben, dass man Übersetzungsprobleme nicht einmal bei einem einzigen Autor und Werk generalisieren kann. Die zwangsläufig zu treffende Wahl zwischen Übersetzung um der Klarheit willen und Nachdichtung um des Klanges oder Rhythmus willen muss zuweilen Zeile für Zeile getroffen werden, was natürlich auch nicht uneingeschränkt geht ohne ein unlesbares Chaos zu erzeugen. Das macht Gemeinschaftsübersetzungen aus der Ferne extrem aufwändig, wenn man nur ganz schnell einen deutschen "Harry Potter" aus der Maschine hauen muss - und selbst da...

      Wenn ich mir in einigen älteren Threads hier die aus Konsumentensicht verständlichen, in meiner Wahrnehmung aber etwas leichtfertigen Kritiken von Übersetzungen, etwa zu Homer, durchlese, dann habe ich einerseits dafür Verständnis, aber auch sehr viel für die Nöte des jeweiligen Übersetzers. Ich kann mir nur zu gut vorstellen, dass etwa die Übersetzer an der Komischen Oper regelmäßig frustriert sind, wenn ihre Texte unverständlich gesungen und sowieso - im Gegensatz zu einer Regiearbeit - eigentlich nie in den gedruckten oder geposteten Reaktionen gewürdigt werden, schon gar nicht angemessen, obwohl sie nicht weniger intensive Auseinandersetzungen mit dem Text des Werkes voraussetzen als eine gute Regie.

      Soviel zunächst mal, mit einer Entschuldigung dafür, dass mir bei diesem Thema die Tippfinger durchgehen und die Struktur unauffindbar wurde.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Rideamus schrieb:



      Das Übersetzungsproblem müsste uns eigentlich noch viel näher stehen als von Peter angedeutet, wenn man an die Auseinandersetzungen in Threads wie "Oper auf deutsch" etc. denkt.


      Um von meiner Seite, lieber Rideamus, es auf das für mich Naheliegendste zu bringen: Ich mache gerne Vokalwerke verständlich, indem ich die Texte dazu poste. Da hat man im Allgemeinen kein Copyright-Problem. Es wird aber kritischer, wenn ich Übersetzungen übernehme, denn dann hat man in der Regel Probleme mit der Schutzfrist. Deshalb kam ich darauf, selbst Übersetzungen anzufertigen. Die brauchen nun keinen besonderen Standards zu genügen, sie brauchen nicht singbar zu sein, sie brauchen sich nicht zu reimen. Das ist das eine, das lockere Ende. Das andere ist eben jenes der Literatur, aber das ist ja auch eine Herausforderung ...

      Um nur ein Beispiel zu nennen: Im Netz finde ich weder die Texte von Monteverdis Madrigalbüchern noch Übersetzungen. Die fantastische Liederseite hat sie nicht, kann sie nicht haben. Schon in einem anderen Forum hatte ich daran gedacht (und z.T. auch in fleißiger Fingerarbeit umgesetzt) diese Texte an einer Stelle zu sammeln. Ein zweiter Gang wäre die Übersetzung.


      Von daher würde ich mich gerne an praktischen Versuchen beteiligen, sei es in diesem Thread oder ansderswo, möglichst allerdings mit Librettotexten oder anderen, deren Rhythmus zwangsläufig vorgegeben ist.


      Das finde ich höchst spannend ... und in diesem Thread genau richtig.


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Muy bien, ich mach dann mal eine Liste der potentiellen Übersetzungswilligen auf. Bitte erweitern und korrigieren, falls ich SprachKompetenzen unterschlage. Und bitte keine Panik, Perfektion ist nicht gefragt, dazu sind wir ja im Team- was der Eine nciht weiss, wissen die Anderen.

      Rideamus (englisch, französisch? Librettotexte)

      PeterB. (englisch, französisch, latein alt-mittelhochdeutsch Aphorismen, Gedichte, und alles was das Herz sonst noch begehrt)

      Fairy (französisch, italienisch, spanisch(zur Not...) latein, Lyrik,das ist am spannendsten)

      Wünsche (welche Texte wollt ihr in Angriff nehmen/genommen wissen) können dann geäussert werden, wenn die Liste soweit fertig ist.


      Lieber Recordatorio, bist Du Opernfan? Mozart? Don Giovanni? Donna Elvira? Traditore! Traditore! Fuggi il traditor!!!! Mi tradita quell alma ingrata... etc

      Der Verrat lauert überall. Ein Verschwörer ist ein conspirateur!
      Der Rilke/Valéry kommt dann gleich.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Patience, patience
      Patience dans l'azur
      chaque atome de silence
      Et la chance d'un fruit mûr
      Viendra l'heureuse surprise
      Une colombe la brise
      L'enbranlement le plus doux
      Une femme qui s'appuie
      Feront tomber la pluie
      Ou on se jette à genoux


      Paul Valéry


      Gedulden, gedulden, gedulden
      Gedulden unter dem Blau
      Was wir dem Zweifel verschulden
      macht uns das Reifen genau
      Auf einmal lohnt sich der Glaube
      ein Windhauch kommt, eine Taube
      ein leisester Anstoss geschieht
      eine Frau neigt leicht sich entgegen
      und bringt ihn zu Fall ,diesen Regen
      in dem ein Gesegneter kniet.


      R.M. Rilke

      Ich finde Rilkes Übersetzung so genial, weil sie gleichzeitig ein eigenes Rilke-Gedicht(die Sprache ist voll und ganz Rilke) ergibt und trotzdem die Melodie und beinahe auch den Inhalt des Valéry Gedichts wiedergibt. Rilkes Konnotationen zeigen deutlicher in Richtung Religion als die von Valéry,sein Sprachduktus ist auch elegischer und noch musilkalischer im Rhytmus. Valery legt sich nciht ganz fest, Rilke schon. Ich frage mich hier ernsthaft, welches das bessere Gedciht ist- das Original oder die Übersetzung. Beide sind jedenfalls so, dass man sie sofort auswendfig lernen will und kann.

      Hier haben wir ein Beispiel für eine höchst gelungene Gedcihtübersetzung, die trotzdem eher eine Nachdichtung ist, weil sie die Aussage des Originals doch etwas modifiziert und verschärft.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Liebe Capricciosi!

      Da Übersetzen gewissermaßen Teil meines Lebens ist, finde ich dieses Thema sehr interessant. Also vorneweg: Wirklich gute Übersetzungen sind selten. Wirklich schlechte Übersetzungen sind dafür sehr häufig. Was ich vor allem nie verstanden habe, ist, wieso Übersetzer ohne Not Dinge dazuerfinden, die im Original gar nicht stehen. Oder wieso man einige Zeilen wunderschöner Metaphern im Deutschen mit "Es wurde Abend." wiedergibt. :faint:
      Deshalb bin ich auch eher ein Gegner von metrischen Übersetzungen. Bei denen muss man sich nämlich meistens entscheiden, ob man lieber das Metrum oder den Inhalt wiedergeben möchte - und ich halte es für sinnvoller, den Inhalt wiederzugeben als das exakte Metrum...

      Rideamus schrieb:


      Wenn ich mir in einigen älteren Threads hier die aus Konsumentensicht verständlichen, in meiner Wahrnehmung aber etwas leichtfertigen Kritiken von Übersetzungen, etwa zu Homer, durchlese, dann habe ich einerseits dafür Verständnis, aber auch sehr viel für die Nöte des jeweiligen Übersetzers.


      Leichtfertig hat bei Homer niemand etwas kritisiert. Und die kritisierten Homer-Übersetzer hatten schon gar keine Nöte! Die haben nur einfach so, weil sie gerade lustig waren, den Text verfälscht, anstatt ihn ordnungsgemäß zu übersetzen. :wut2:

      Ich teile nicht unbedingt Roberts Meinung, dass zwei Übersetzer besser sind als einer. Viele Köche verderben den Brei, auch bei Übersetzungen. Wichtig ist natürlich, dass der Übersetzer die Ausgangssprache gut beherrscht und er die Zielsprache als Muttersprache hat oder wenigstens auf muttersprachlichem Niveau beherrscht. Denn die Übersetzung ist ja Schaffung eines neuen Textes in der jeweiligen Zielsprache, der dann auch stilistisch einwandfrei sein sollte. Und auch stilistisch konsistent, was bei einem Übersetzer wahrscheinlich leichter zu erreichen ist.

      Was zweisprachige Ausgaben insbesondere für Lyrik betrifft: Ja, liebe Fairy, das sollte auch meiner Meinung nach längst Standard sein! Ich hätte auch nichts gegen mehr zweisprachige Romanausgaben. Mit einer einsprachig übersetzten Ausgabe ist den Konsumenten nur ungenügend gedient, sobald sie die Originalsprache auch nur ganz wenig beherrschen. (Man kann ja mit zweisprachigen Ausgaben sich durchaus auch Fremdsprachen gut aneignen...)

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Areios schrieb:

      Ich teile nicht unbedingt Roberts Meinung, dass zwei Übersetzer besser sind als einer. Viele Köche verderben den Brei, auch bei Übersetzungen.
      Na ja Areos, einer der beiden muß natürlich die Entscheidungsbefugnis haben, und es kommt schon sehr darauf an, "was" man übersetzt: Romane erfordern eine gewisse Homogeneität, kurze Texte brauchen oft nur einen guten Berater.
      Ich selbst habe mit einem online Übersetzungsbüro in Berlin zusammengearbeitet, und hatte auch mehrere Übersetzungsbüros für den Notfall zur Verfügung, und: aus Berlin kamen immer die richtigen Antworten für alle Sprachen, und alle Sparten. Womit ich nicht sagen will, daß dort im Team gearbeitet wird, im Gegenteil, aber wie gesagt, spreche ich 2 Sprachen ungefähr gleich gut. Nur das Geheimnis dieser Übersetzer in Berlin kenne ich nicht: Profis wohl.
      Robert
    • Okay, ihr wolltet es so. Ich übertrage ab und an Gedichte. Von dem Lieblings(lang)gedicht meiner Lieblingsdichterinnen, gab es bislang nur eine Übersetzung, die einen wesentlichen Aspekt des Werkes nicht mitübersetzte, nämlich das Alphabetische. (Die Übersetzung, von der ich spreche, ist ansonsten ganz hervorragend, und Hans Gössel hat sie gefertigt). Die Dichterin um die es geht ist Inger Christensen, die Anfang dieses Jahres gestorben ist. Sie hinterläßt eines der wichtigsten Werke der neueren, europäischen Lyrik. Und ich habe die ersten acht Abschnitte des Gedichtes "Alphabet" aus dem Dänischen übertragen. Und ihr müßt das jetzt lesen... :D .., :faint:
      (Die Nachdichtung wurde zuerst veröffentlicht in "manuskripte Nr 183" - und sie folgt hier im nächsten Posting).
      .




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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • inger christensen „alphabet“ – acht abschnitte übertragen von florian voß



      1

      aprikosenbäume gibt es, aprikosenbäume gibt es


      2

      bärlapp gibt es; brombeeren, brombeeren
      brom gibt es; und borwasser, borwasser


      3

      chimären gibt es; chrysantemen, chrom
      und citrusfrüchte gibt es; chimären gibt es
      chimären, chromosomen, cerebellum


      4

      drosseln gibt es; denker, domino
      diktatoren gibt es; drosseln, drosseln;
      dunst, dioxin und dekaden; dekaden
      gibt es; dekaden und dumpfheit; und dichtung
      gibt es; dichtung, dekaden, dumpfheit


      5

      erdzeitalter gibt es; erkundungen und erfahrungen
      gibt es; und enthaltsamkeit gibt es; engel
      ehefrauen und elche gibt es; einzelheiten
      gibt es; erinnerungen, erinnerungslicht
      und elmsfeuer gibt es, eichen und eschen
      gibt es, und essigbäume, einigkeit, einsamkeit
      gibt es, und eiderenten und engerlinge gibt es
      und essig gibt es, und die erde, die erde


      6

      den fischreiher gibt es, mit seinem graublau gebogenen
      rücken gibt es ihn, mit seinem federschopf dunkel
      und seinen schwanzfedern licht gibt es ihn; in kolonien
      gibt es ihn; in der sogenannten Alten Welt;
      gibt es auch fische; und fischadler, feldhasen
      falken; die farnwedel und die farben der fohlen;
      fusionselemente gibt es und feigenbäume gibt es;
      die fehler gibt es, die großen, die systematischen
      die zufälligen; die fernsteuerung gibt es und die falter;
      und fruchtbäume gibt es und früchte im fruchtgarten wo
      es aprikosenbäume gibt, aprikosenbäume gibt
      in ländern wo die wärme genau die farbe im körper
      erzeugt die aprikosenfrüchte haben


      7

      grenzen gibt es, die gassen, das gehen

      und gras und gurken und geißböcke und ginster,
      begeisterung gibt es, grenzen gibt es;

      grüne blätter gibt es, angehoben vom wind
      gibt es sie, und im grünen die einzige zeichnung

      von genau dem baum genannt die eiche gibt es
      von genau dem baum genannt die esche, die birke,
      die zeder gibt es, und die zeichnungen gespiegelt

      gibt es im kies des gartenwegs; gibt es
      auch den gram, und gänseblümchen und ginster gibt es,
      die geiseln, die graugans, die gänsejungen;

      und gewehre gibt es, einen geheimnisvollen gartenwinkel,
      überwuchert, öd und geschmückt nur mit ranken,
      gewehre gibt es; mitten in dem gleißenden
      chemischen ghetto gibt es die gewehre,
      mit ihrer gemütlichen, friedlichen präzision gibt es
      die gewehre, und die gramgebeugten frauen gibt es, satt
      wie gierige eulen, den gefahrenort gibt es;
      den gefahrenort, dösend, normal und abstrakt,
      in ein kalkiges, gottverlassenes licht getaucht,
      dieses giftige, weiße, verwitternde gedicht


      8

      den hauch gibt es, den hauch gibt es,
      das heu, die historie gibt es, und den Halleyschen

      komet; heerscharen gibt es, die horden
      die herrscher, die höhlen, und in den höhlen
      halbschatten, in dem halbschatten ab und an

      hasen, ab und an ein blattvorhang vor der höhle wo es
      bärlapp gibt; und brombeeren, brombeeren,
      ab und an hasen verborgen unterm blattvorhang

      und hinterhöfe gibt es, hinterhofgärten, holunder
      blaß und bewegungslos blühend wie eine siedende
      hymne; und den halbmond gibt es, das halbseidene,
      den ganzen heliozentrischen dunst der geträumt hat
      diese heeren hirne, ihre harmonie; und die haut

      die haut und häuser gibt es, den Hades der
      den hengst zurücknimmt und den hund und der halbschatten
      herrlichkeit, und hoffnung; und haß, hagel
      unterm steinhimmel gibt es, hortensien
      hell, ihren lichtblau oder grünlich leuchtender
      schlafnebel, ab und an blaßrote, einzelne
      sterile dolden gibt es; und unter dem
      himmelszelt des harmageddons gift,
      des gifthelikopters sausende harfe überm hirtengras,
      hornkraut und hanf; hirtengras, hornkraut
      und hanf, diese letzte hermetische schrift,
      die sonst nur die kinder schreiben; und hafer
      den hafer im haferfeld gibt es, des hafers

      schwindelerregendes horizontales wissen, halbwertzeiten,
      hungersnot und honig, und im inneren des herzens,
      wie immer nur im innern des herzens
      die wurzeln des haselstrauchs, der ausgesetzte haselstrauch
      auf den hügeln des herzens, hager und genügsam,
      ein aufgehäufter werktag aus der engel ordnung;
      hurtig, hyazinthisch im hinfall des lebens,
      wie im himmel also auch auf erden

      .




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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • :faint: :faint: :faint: :juhu: :juhu: :juhu:
      Das ist wirklich genial!
      Wenn die Fortsetzung so weiter geht, sind wir aber Weihnachten noch nicht durch......
      Gut zu wissen, dass du dänisch kannst, das hatten wir noch nicht. Hat Andersen so schöne Gedcihte geschrieben wie seine Mârchen? ich wünsche mir die übersetzung eines Liebesgedichtes an Jenny Lind!!!!! :love: :angel:
      Abgesehen davon, dass ich (wie nicht so ganz selten in musikalisch-literarischen Fragen) mit Areio ganz einer Meinung bin: der Gedanke dass man IN seine Muttersprache übersetzen muss und nicht aus der Muttersprache heraus übersetzen kann (bei Lyrik, bei Prosa geht das besser) ist bestechend wahr. Ich kann serh gut vom Frz. ins Deutsche übersetzen, umgekehrt wird's deutlich komplizierter.
      Also bitte von mir Überstzungen aus dem Französischen wünschen.
      Bonne nuit
      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:


      Abgesehen davon, dass ich (wie nicht so ganz selten in musikalisch-literarischen Fragen) mit Areio ganz einer Meinung bin: der Gedanke dass man IN seine Muttersprache übersetzen muss und nicht aus der Muttersprache heraus übersetzen kann (bei Lyrik, bei Prosa geht das besser) ist bestechend wahr. Ich kann serh gut vom Frz. ins deutsche übersetzen, umgekehrt wird's deutlich komplizierter.
      Also bitte von mir Überstzungen aus dem französischen wünschen.


      Liebe Fairy Queen!

      Ja, eine literarische Übersetzung ist meiner Meinung nach tatsächlich nur in die Muttersprache möglich - bzw. in eine Sprache, deren gesamtes künstlerisch fruchtbares Potenzial man kennt und anwenden kann, in eine Sprache also, in der man auch selbst literarisch tätig sein könnte. Es gibt ja tatsächlich Autoren, wie z.B. Vintila Horia, die in einer Fremdsprache schreiben (im konkreten Fall Französisch; seinen Roman "Dieu est né en exil" kann ich dir und allen anderen sehr ans Herz legen) - ich bewundere das zutiefst!
      Wie Robert allerdings schon dargelegt hat, ist es bei Gebrauchsprosa natürlich schon möglich, in eine Nicht-Muttersprache zu übersetzen. Aber ich hatte bei meinem Posting oben eigentlich nur die literarische Übersetzung im Blick.

      Welche Sprachen man von mir erhoffen kann, ist wahrscheinlich eh allgemein bekannt: tote... ;+)

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Also fang ich mal mit dem Wünschen an:

      von Florian Voss: ein Andersen-Liebesgedicht für Jenny Lind aus dem Dänischen (gibt's garantiert, denn es gibt Lieder nach Texten von Andersen)

      von Areios: die berühmten Pleiaden Mitte der Nächte- du weisst schon, aus dem Griechischen von Sappho

      Und zusammen mit Peter würde ich gerne eine Übersetzung einiger Zeilen aus dem Tristan von Gottfreid ins(moderne) Französische versuchen: Die ganz berühmten, wo(in banalem Neudeutsch :hide: ) drin vorkommt " So war es und so ist's noch heute......" Du weiss sicher schon, welche ich meine.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • ... hier gehts ja hoch her, in diesem Thread! Chaotisch und vielversprechend...

      FairyQueen schrieb:

      Muy bien, ich mach dann mal eine Liste der potentiellen Übersetzungswilligen auf.

      Ich stelle mich für Spanisch, Englisch sowie - in limitiertem Umfang - für Russisch zur Verfügung.

      FairyQueen schrieb:

      Lieber Recordatorio, bist Du Opernfan? Mozart? Don Giovanni? Donna Elvira? Traditore! Traditore! Fuggi il traditor!!!! Mi tradita quell alma ingrata... etc

      Ja, die Opernbühne wimmelt von "traditi" (ist das richtig für: Verratene?) ;)

      FairyQueen schrieb:

      Ich finde Rilkes Übersetzung so genial, weil sie gleichzeitig ein eigenes Rilke-Gedicht(die Sprache ist voll und ganz Rilke) ergibt und trotzdem die Melodie und beinahe auch den Inhalt des Valéry Gedichts wiedergibt.

      Ein ganz großartiges Beispiel dass Du da gebracht hast, vielen Dank dafür! Der Rilke wirkt in der Tat noch ergreifender.
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      Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi