Mahler - Das Lied von der Erde

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    • So habe ich die Szell Aufnahme von 1970 bei youtube gefunden. Sie ist wirklich wunderbar!
      Kompliment Mike, guter Geschmack. :D
      Eine Recherche hat dann ergeben, dass Szell das Lied 1970 aufnehmen wollte, man aber sich mit der Plattenfirma nicht einig wurde,obwohl man Live in dieser Besetzung erfolgreich war.
      Ormandy hatte für CBS zuvor ne Aufnahme auch mit Richard Lewis gemacht und CBS wollte partout eine komplett andere Besetzung. Szell wollte aber auf seine Qualitätsstandards hinsichtlich Proben nicht verzichten und den Tenor ersetzen.
      Lewis hatte für Szell schon in der 1967er Live-Aufnahme des Liedes den Tenor gegeben. (Die CD habe ich, ich finde allerdings Frau Forrester nicht überragend. Genauer, als deutschsprachiger finde ich ihre Aussprache nicht einmal mehr grenzwertig. Da ist Dame Baker weit besser, vom Timbre sowieso genau).

      Fazit des Dramas: 1/2 Jahr später war Szell tot und so gibt es von einem zentralen Werk im Leben Szells keine Studioaufnahme, sondern es sind zwei Liveaufnahmen zur Verfügung, die sich vom Orchester fast nicht unterscheiden, wohl aber in der Qualität der Sängerin:
      1967 in Berlin mit Cleveland Orchestra und Richard Lewis und Maureen Forrester sowie die von Mike so gelobte Aufnahme, dessen Lob ich hier bekräftigen möchte.
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Guten Abend,

      auch ich habe mir die "Szell-Aufnahme" von 1970 nun schon das dritte Mal angehört. Ich finde auch, dass hier alles zusammenpasst. Jeder Ton sitzt an seinem Platz, die Phrasierungen von Orchester wie Sängern finde ich exzellent. Alle Beteiligten ordnen sich der Musik unter, es ist keine "vorgefertige" Interpretation (zB bei Karajan nervt mich die ständige "Klangwand" schon mal). Es hat Eleganz und Würde, Geschicklichkeit, Tiefe und Schönheit. Mehr kann man nicht erwarten.
      Schöne Grüße, Helli


      Immer cool bleiben.
    • Doc Stänker schrieb:

      die sich vom Orchester fast nicht unterscheiden, wohl aber in der Qualität der Sängerin
      Lieber Doc,

      irgendwie unterscheiden sie sich doch, ich kenne beide....äh, natürlich.

      Vielleicht interessant, dass Szell 1967 zuerst Haydns 93 spielen ließ, 1970 Schuberts "Unvollendete"- das Nummerngetue zu Schubert erspare ich mir.
      Beide Mitschnitte habe ich auch oft isoliert gehört, ohne die "Einleitung" Haydn oder Schubert, ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass für Szell sich etwas geändert hatte.

      Ich kenne sehr viele Programme Szells, die auf dem Blick in ihrer Musikauswahl wenig konsistent erscheinen.
      Was haben eine "Gran Partita", Strauss: "Mtamorphosen" und das "Siegfried- Idyll" gemainsam?
      Wenig auf den ersten Blick.

      Auf den zweiten hat Szells Programmgestaltung immer Sinn.
      1967 noch der Haydn zuvor, der die Stimmung einleitet, aber doch so zuversichtlich endet- als Gegengewicht den Mahler, der "im Dunkel" untergeht.
      1970 der Schubert, der im Hauch vergeht, der folgende Mahler aber Zuversicht mitträgt.

      Da hatte sich einiges geändert in Szells Werkverständnis! Mahler wurde zu einem offenen, lichten Werk! Und das trägt Janet Baker, sie besonders, mit. Lewis auch.

      Alles um Plattenverträge etc. ist mir auch bekannt, lieber Doc.
      Zum Glück haben wir diesen Mitschnitt immerhin, so bescheiden er auch klingen mag.
      Danke für Euren Zuspruch jedenfalls!

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Hab mir den Szell-Mitschnitt von Youtube angehört und finde ihn ebenfalls ausgezeichnet. Richard Lewis mit seiner engen Höhe und mittelprächtigen Artikulation ist im "Trinklied" leider etwas überfordert, dafür strahlt hier der orchestrale Part eine vibrierende Energie aus wie selten. Überhaupt wirkt das orchestral alles sehr "durchgearbeitet". Die Tempi und Temporelationen leuchten mir durchweg ein. Ziemlich markant, weniger spielerisch als sonst, eher latent aggressiv "Von der Jugend", wo sich Lewis besser schlägt. Im "Abschied" gerät besonders der orchestrale Trauermarsch-Mittelteil sehr eindrucksvoll, leicht schleppend und stockend, gleichzeitig mit ungeheuer ausdrucksvoll gespielten Phrasen in allen Instrumentengruppen, konsequent zum Höhepunkt gesteigert. Der Schlussteil (ab Die liebe Erde...) ist mir etwas zu erdverhaftet-laut, aber das mag Konzept sein. Ja, Baker ist großartig, aber ich höre hier wie in anderen LvdE-Aufnahmen mit ihr immer eine leichte Anstrengung in langen Phrasen und in der Höhe heraus.

      Noch der Link zum Mitschnitt vom 2.2.70 (Richard Lewis, Janet Baker, Cleveland Orchestra, George Szell):
      youtube.com/watch?v=amPWyN3EMR…PhA7eYF_Nl9CcUCcjQHsrRGqW


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Ich weiß nicht, ob diese Kubelik-Aufnahme hier schon besprochen wurde.



      Ich muss gestehen, dass ich bislang nur den Schluss, den Abschied gehört habe. Aber ich könnte mir vorstellen, dass dieser Eindruck auch für das gesamte Werk gilt.

      Baker singt mit einer sehr schlanken, jugendlichen Stimme, die für mein Empfinden für den Part nicht so richtig taugt. Ich habe da gerne jemand, in deren Stimme Reife und Erfahrung mitklingt. Zudem hat sie für mein Empfinden immer wieder Schwierigkeiten mit der Phrasierung. Das, was als Bogen gesungen werden muss, wird öfters geradezu zerstückelt. 'Ich sehne mich, oh Freund...' ist so ein Beispiel. Die Phrase ist unterteilt. Aber eine Sängerin muss dabei den großen Bogen wahren, muss von Beginn wissen, wohin sie eigentlich will, damit einerseits der Sinnzusammenhang deutlich wird, aber auch der Blick nach vorn deutlich wird, was auch immer dieses 'Vorn' bedeutet.

      Und gerade das ist es was mich an dieser Aufnahme, diesem Abschnitt stört. Der fehlende Blick nach vorn. Abgesehen davon, dass 'die schöne Erde' fast spießig gesungen wird, dass also die Erschütterung überhaupt nicht deutlich wird, fehlt beiden, Dirigent, wie auch Sängerin, die Aussicht, die Vision, dieses Umdrehen und nach vorne Schauen und auch dahinschreiten.

      Denn auch Kubelik, so differenziert und dadurch auch faszinierend er immer wieder dirigiert, verharrt irgendwie auf der Stelle, verweigert sich dem Blick in ein Ungewisses, Unbekanntes, das aber nun betreten werden muss.

      Von daher hat mich diese Interpretation sehr enttäuscht, aber, wie gesagt, ich kenne bislang nur einen Ausschnitt.

      :wink: Wolfram