Schreker: "Der ferne Klang" - Opernhaus Zürich, 09.05.2010

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    • Schreker: "Der ferne Klang" - Opernhaus Zürich, 09.05.2010

      Nach dem Opernhaus in Augsburg ("Ferne Klang") hatte nun „Der ferne Klang“ von Franz Schreker auch in Zürich Premiere und die vielen, freien Plätze im Zuschauerraum im Theater am Zürichsee deuten darauf hin, dass Schreker hier kein bekannter Komponist zu sein scheint, der für ein volles Haus garantieren könnte. Um so ehrenvoller, dass man die Bekanntheit des Komponisten Franz Schreker mit dessen Sensationserfolg von 1912 mit dieser "Erstaufführung" auch in Zürich zu steigern versucht.

      Regisseur Jens-Daniel Herzog zeigt in einem sehenswerten Bühnenbild von Mathis Neidhardt die Geschichte vom Komponisten Fitz, der seine Jugendfreundin Grete verlässt, um in der Welt einen „fernen Klang“, von dem er besessen ist, zu finden, als Zeitreise. Dabei dehnt Herzog die ursprünglich auf einen Zeitraum von 15 Jahren angelegte Handlung auf eine deutlich grössere Zeitspanne. Der erste Akt beginnt in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, der zweite spielt dann in den 70ern und der dritte schliesslich in unserer unmittelbaren Gegenwart.

      Mathis Neidhardt hat für die 5 Bilder der Oper dazu Räume auf die von einem Rahmen umfasste Drehbühne gebaut, die alle den gleichen Grundriss aufweisen und deren Türöffnungen und Fenster in jedem Bild wiedererkennbar sind, wenn auch nicht immer auf den ersten Blick.

      Zu den Klängen der Orchestereinleitung sieht man den altgewordenen Fritz in einem fast völlig leeren, weissen Raum – rechts eine Tür, in der Mitte ein Fenster, links ein kleiner Küchenschrank mit einer Kaffeemaschine darauf. Fritz hält beim Kaffeekochen inne und drückt sich horchend an die Wand. Die Szene dreht sich und man blickt in das Jungmädchenzimmer von Grete Graumann, die mit ihrem Freund Fritz im Bett liegt.

      Die Graumanns wohnen im Erdgeschoss, so kann Fritz durchs Fenster verschwinden, als die Mutter kommt und später wird an diesem Fenster die Kupplerin auftauchen und Grete wird durch dieses Fenster aus ihrem Elternhaus fliehen.

      Vater Graumann, wohl ein Kriegsversehrter, dem ein Arm und ein Auge fehlt (sinnfällig wird hier gezeigt, wo die Armut der Graumanns her kommt – der Mann ist schlichtweg nicht arbeitsfähig) hat die Tochter beim Kegeln an den Wirt verspielt und die ganze Wirtshausgesellschaft stürmt das Mädchenzimmer von Grete. Ziemlich fordernd und rücksichtslos wirft sich der Wirt auf das junge Mädchen, kein Wunder das Grete dem Schicksal, mit diesem Mann verheiratet zu werden, entflieht.

      Das zweite Bild ist ein echter Clou – Grete Graumann landet nämlich nicht in einem Wald mit einem See, wie es das Libretto beschreibt, sie schafft es gerade noch in einen Hinterhof in der unmittelbaren Nachbarschaft. Müll liegt herum, einsam leuchtet eine Lampe über einem Durchgang, die Fenster zum Hof scheinen unbelebt zu sein und statt eines Sees hat der unablässig herunterfallende Regen ein Pfütze gebildet, in der sich das Mädchen die Pulsadern mit einer Scherbe zu öffnen versucht. Der Gegensatz zwischen der von Schreker komponierten Musik, die díe seelische Befindlichkeit von Grete wiederspiegelt, und der Szenerie gehört zu den spannendsten Momenten dieser Inszenierung.

      Grete wird von der Kupplerin gefunden, die ahnt, welch geschäftliches Potential in diesem jungen Mädchen steckt.

      Szenenwechsel: das Bordell „Casa di maschere“ füllt sich langsam – die Zigeunerkapelle beginnt ihren Abenddienst, die Damen zwängen sich in enge Lackstiefel und richten Peitsche und Handschellen oder rauchen im tiefausgeschnittenen Silberkleid noch eine Zigarette. Die Gruppe der Männer sind allesamt Halbweltgestalten, Gangster- und Zuhältertypen im zeittypischen Outfit der 1970er Jahre. Der Graf, mit weissen Haaren, ist wohl eine Führungsfigur unter diesen Gangstern. Der Chevalier strippt bei seinem Lied von den „Blumenmädchen von Sorrent“, zumindest bis zur Unterwäsche, und der Graf, der bei Grete nicht landen kann, gibt sich derweil dem Alkohol hin.

      Fritz gerät in dieses Bordell, erkennt Grete, begreift aber doch recht spät, womit diese ihr Geld verdient und der Graf kommt noch an sein Ziel. Brutal schlägt er am Ende des zweiten Aktes Grete ins Gesicht, bevor er beginnt, sich an der wie leblos wirkenden zu vergehen.

      Der dritte Akt zeigt eine trostlose Theaterkantine. Über einen Bildschirm kann die Aufführung von „Die Harfe“, einer autobiographischen Oper von Fritz, verfolgt werden. Die Darstellerin der Grete (im identischen Kostüm, das Grete im ersten Akt getragen hat) wartet auf ihren Auftritt, auch die anderen Künstler/innen, die nach-und-nach die Kantine bevölkern, kennt das Publikum in Zürich schon aus dem zweiten Akt des „fernen Klang“. Das "Spiel-im-Spiel" wird hier mit einfachen Mitteln gut umgesetzt.

      Grete schliesslich, die die Aufführung als nun alte Frau besucht hat, wird von einem Schweizer Polizisten hereingeführt (sie hat erkannt, dass es auch ihre Geschichte ist, die da erzählt wird) und es ist ein anrührendes Bild, wenn Grete am Tisch ihrer eigenen Verkörperung in jungen Jahren gegenübersitzt.

      Am Schluss sieht man wieder den leeren Raum des Anfangs: hier werden sich Grete und Fritz als Rentnerpaar wieder begegnen, hier wird Fritz kurz vor seinem Tod jenen fernen Klang hören, den er zeit seines Lebens nicht gefunden hat.

      Jens-Daniel Herzog erzählt die Geschichte des „fernen Klangs“ dicht an der Vorlage, er versagt sich jede psychologisierende Kommentierung, was für Schrekers Werk immer eine Einschränkung bedeutet. Manches gelingt nicht wirklich überzeugend – der zweite Akt hängt dann doch mitunter etwas durch, hier wird auch nicht klar, wieso Fritz so überrascht reagiert, als er erkennt, wo er gelandet ist oder im dritten Akt glaubt man der ergrauten Grete im Hausfrauenlook nicht, dass diese noch als Prostituierte auf der Strasse ihr Geld verdient – aber andere Bilder, der erste und das Ende des dritten Aktes z. B., ermöglichen eine gute Nachvollziehbarkeit der Handlung bei sinnvoller Personenführung.

      Ingo Metzmacher, der Dirigent des Abends, setzt auf oftmals zarte, weiche Klänge, legt viel Wert auf die Details und entwickelt das Stück mit relativer Ruhe. Auch die Ausbrüche wirken nie massiv, sondern bleiben immer kontrolliert. Nach kleinen, anfänglichen Problemen, folgt auch das Orchester klangschön und ausdrucksstark. Der titelgebende "Ferne Klang" kommt in Zürich tatsächlich aus der Ferne, er wirkt dabei immer flüchtig und fragil.

      Roberto Saccà verfügt als Fritz über eine angenehm timbrierte Stimme, die auch einiges an Strahlkraft besitzt, ist aber nicht immer zuverlässig, besonders, wenn es um das erreichen der korrekten Spitzentöne geht.

      Auch Juliane Banse als Grete kann mit ihrem kühl timbrierten, neutral wirkenden Sopran nicht restlos überzeugen, manche Schärfe ist da zu hören und einige Passagen missglücken leicht. Dazu kommt, dass Juliane Banse über keine sehr grosse Stimme verfügt, manchmal wird sei einfach vom Orchester zugedeckt.

      Mit engem Bariton bleibt Oliver Widmer als Graf blass.

      Schon zur Pause sehr freundlicher Beifall in Zürich, der sich am Ende der Aufführung für alle Beteiligten noch hörbar steigerte.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Gestern Abend wagte ich mich einmal wieder in das Opernhaus Zürich, um die letzte Aufführung des «fernen Klangs» der Spielzeit zu besuchen, was sich sehr gelohnt hat. Weniger wegen der Inszenierung, die sicher nicht zu den stärksten des Regisseurs Jens-Daniel Herzog zählt, schwächelt doch mit der «Massenszene» im 2. Akt gerade das, was sonst Herzogs Stärke ist, als vielmehr wegen des in Musik und Handlung eindrückliche und überzeugende Stücks selbst, das für mich eine erste Begegnung mit Schrekers Werk war. Die Feinheiten der Inszenierung sind schon präzise in Alvianos Kritik beschrieben. Dieses Stück hat sicherlich mehr Inszenierungen verdient, gerade wegen seiner Vielschichtigkeit, die viel Spielraum für Interpretation und Anregung lassen.
    • Der ferne Klang

      Lieber Nordwind,

      schön, dass Dir die Musik gefallen hat. Sie begründete einstmals einen Ruhm, den Schreker zu einem der meistgespielten Komponisten seiner Zeit gemacht hat, bevor, am Ende der 20er Jahre, dieser Stern zu verblassen begann: Kurt Weill, Ernst Krenek und nicht zuletzt Arnold Schönberg trafen den Nerv dieser Zeit besser, als Franz Schreker, der darunter litt, nicht mehr gefragt zu sein. Die Nazis haben dann nachhaltig dafür gesorgt, dass Schreker in Vergessenheit geriet. "Der ferne Klang" wurde nun, 2010, das erste Mal überhaupt in Zürich gezeigt.

      Ich fand auch den zweiten Akt nicht wirklich gelungen, aber der dritte - und dort vor allem das Ende des dritten Aktes - , das hatte Format, sehr berührend und überzeugend umgesetzt.

      War denn die Vorstellung gut besucht? Ich war, ehrlich gesagt, überrascht, dass bei der Premiere so viele Plätze frei blieben.

      Nebenbei: hat denn Konrad Nachtigall die Produktion auch gesehen? Und: mal in Basel gewesen? Die "Calisto" ist, so finde ich, eine ganz bezaubernde Aufführung geworden, die auch allgemein sehr gelobt wurde.

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Leider, leider nicht, ich komme momentan gerade überhaupt nicht zum Opern schauen, was u.a. daran liegt, dass ich Ende des Monats meine Diss abgeben muss... Wenn ich das hinter mir habe, kommen vielleicht wieder öfter mal ein paar Berichte. Ärgerlich nur, dass es bis Saisonende, was die Inszenierungen angeht, eher mau aussieht hier in Zürich. (Die Festspielpremiere ist ja Bechtolfs Salome, mal sehen, ob ich mir das antue.) Ansonsten muss ich wohl mal wieder nach Basel fahren.
    • Konrad Nachtigall schrieb:

      Leider, leider nicht


      Das ist natürlich wirklich schade, zumal es wohl keine Wiederaufnahme gibt. Die "Salomé" würde ich mir vermutlich anschauen, wenn ich vor Ort wohnen würde - der Hauptgrund wäre der Dirigent der Aufführung, Christoph von Dohnány. Bei "Rusalka" bin ich eben auch ganz kurz hängen geblieben, das ist ein tolles Stück, das ich auch immer wieder gerne sehe und höre. Und Basel ist tatsächlich nicht wirklich weit weg: ich hab am Premierenabend vom "fernen Klang" auch in Basel übernachtet und bin halt mit dem Zug nach Zürich und zurück gefahren.

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Von Opern aus dieser Zeit, die ab und an auf Spielplänen auftauchen, wie Palestrina, Tote Stadt und Ferne Klang, sagt mir persönlich «Der ferne Klang» bisher am meisten. Thematisch weisen diese drei Werke auch grössere Überschneidungen auf, finde ich. Jedenfalls sind sie alle deutlich interessanter und vielschichtiger als jene Werke von Strauss, die in Zürich und anderswo die Spielpläne dominieren. Nichtsdestoweniger atmen alle drei Werke und Strauss' doch ein gewisse Nostalgie und einen Anachronismus in Richtung der schwindenen Harmonik – oder täusche ich mich da?

      Die gestrige Vorstellung war auch nur mässig besucht (was ich als Student eigentlich gar nicht so schlecht finde, denn dann gibt es eine grössere Auswahl an Legikarten).

      Diese Spielzeit war ich wohl fast öfter in Basel als in Zürich und habe dort alle Opernproduktionen gesehen – ausser «La Calisto», die am 20. Juni folgt. In Zürich werde ich eventuell noch «Rusalka» anschauen – kennt ihr zufällig den Freischütz von Berghaus und wisst, ob diese Inszenierung sehenswert ist?
    • Schreker...

      Nordwind schrieb:

      Jedenfalls sind sie alle deutlich interessanter und vielschichtiger als jene Werke von Strauss, die in Zürich und anderswo die Spielpläne dominieren. Nichtsdestoweniger atmen alle drei Werke und Strauss' doch ein gewisse Nostalgie und einen Anachronismus in Richtung der schwindenen Harmonik – oder täusche ich mich da?


      Die Popularität von Strauss beruht zu einem Teil darauf, dass Werke von z. B. Zemlinsky, Schreker oder Korngold für 1000 Jahre verboten waren. Gerade Schreker ist Strauss in Sachen Orchesterbehandlung deutlich überlegen. Das irisierende, das Spiel mit Farben, die Klangflächen, die da ausgebreitet werden, das ist schon erstklassig. Was jetzt die Harmonik angeht: Schreker geht da ganz klar an die Grenzen, aber er überschreitet sie nicht. Seine Musik bleibt immer tonal, aber in einer Form, die bewundernswert ist.

      Bei Berghaus bin ich befangen - eine der grössten Regisseurinnen überhaupt, deren Inszenierungen zu dem Besten gehören, was ich jemals gesehen habe. Wenn man die Theatersprache der Berghaus mag, wird man an diesem "Freischütz" seine Freude haben. Einstmals dirigierte das Nikolaus Harnoncourt.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Dass der Nationalsozialismus im Opernrepertoire noch einen so langen Schatten hinter sich herzieht, ist wirklich traurig und erstaunlich – oder auch nicht, wenn man annimmt, dass der Grossteil der Opernbesucher eher konservativ gesinnt ist. Aber da lehne ich mich nun sehr weit und sehr spekulativ aus dem Fenster. :stumm:

      Den Berghaus-Freischütz werde ich mir dann wohl anschauen, denn bisher habe ich keine Inszenierung von dieser Regielegende gesehen – sie starb lange bevor mein Interesse an Oper begann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nordwind ()

    • PS: Wenn auch nicht Oper so doch sicher Musiktheater – die vielversprechendste Festspiel-Première in Zürich ist wohl Sebastian Baumgartens Inszenierung von «Die Banditen» nach J. Offenbach am Theater am Neumarkt. Premiere ist am 19. Juni um 20 Uhr.
    • Nordwind schrieb:

      kennt ihr zufällig den Freischütz von Berghaus und wisst, ob diese Inszenierung sehenswert ist?


      Berghaus Inszenierung des "Freischütz" ist 1999 bei der Wiederaufnahmepremiere für das Fernsehen mitgeschnitten worden, die Aufführung gibt es auf DVD. Über Youtube oder den Trailer bei jpc kannst du dir da selbst ein Bild von der Aufführung machen.
      Ich hatte den "Freischütz" mal auf Video mitgeschnitten, am stärksten in Erinnerung geblieben sind mir Peter Seiffert als Max und Malin Hartelius als Ännchen, die Inszenierung hat mich weder begeistert noch entsetzt. Die Darstellung von Max fand ich sehr gelungen, die beklemmende, drückende Atmosphäre, die die Personen spüren, setzt Berghaus gelungen um, aber wegen der Inszenierung würde ich mir diese Aufführung jetzt nicht angucken. Aber mach dir am besten selbst ein Bild, ob es dich interessiert!

      Offenbachs "Banditen" liebe ich heiß und innig! Der Name Sebastian Baumgarten sagt mir so überhaupt gar nichts, aber allein wegen dem Stück würde ich in die Aufführung wahrscheinlich auch sofort gehen!
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Nordwind schrieb:

      (...) die vielversprechendste Festspiel-Première in Zürich ist wohl Sebastian Baumgartens Inszenierung von «Die Banditen» nach J. Offenbach am Theater am Neumarkt.


      Zitat Cherubino
      Der Name Sebastian Baumgarten sagt mir so überhaupt gar nichts


      Würde ich in Zürich oder in der unmittelbaren Umgebung leben, wäre Sebastian Baumgarten ein dicker Grund, mir diese Produktion anzuschauen. Da würde ich mich freuen, wenn wir hier etwas über diese Aufführung zu lesen bekämen.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Gerade Schreker ist Strauss in Sachen Orchesterbehandlung deutlich überlegen.


      Nur ganz am Rande bemerkt halte ich das für eine sehr subjektive Wahrnehmung. Man kann Strauss viele Schwächen vorwerfen, aber dass er die Klangpalette des spätromantischen Orchesters auf kunstvollstem Niveau handhaben konnte, steht wohl allgemein außer Frage.

      Womit ich nicht behauptet haben will, dass ihm Schreker in dieser Hinsicht wirklich nachstand. Von Unterlegenheit oder Überlegenheit wie bei einem Tennismatch würde ich hier einfach erst einmal nicht reden wollen.

      Viele Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Nur ganz am Rande bemerkt halte ich das für eine sehr subjektive Wahrnehmung. Man kann Strauss viele Schwächen vorwerfen, aber dass er die Klangpalette des spätromantischen Orchesters auf kunstvollstem Niveau handhaben konnte, steht wohl allgemein außer Frage.


      Für wieviel Werke von Strauss gilt das denn? Mutig war dieser Komponist eigentlich nur bei "Elektra" und "Salomé" und als das beim Publikum nicht so wirklich gut ankam, verfolgte er diesen Weg nicht weiter. Das sieht bei Schreker schon etwas anders aus. Aber diese Diskusion hatten wir zwei auch schon an anderer Stelle, das müssen wir wohl kaum wieder aufwärmen, schon gar nicht in diesem Thread. Die Qualität von Strauss ist gerade in Bezug auf Schreker höchst zweifelhaft und selbst, wenn man Siegfried Wagner zum Vergleich heranziehen würde, erklärt sich nicht, warum man Strauss spielt, aber den Wagner-Sohn nicht.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • ...das müssen wir wohl kaum wieder aufwärmen...


      Das müssen wir wirklich nicht. Nichtsdestotrotz scheint mir mit meinen offenbar gestörten Ohren die subtile Kunstfertigkeit (welche meines Erachtens nicht mit *Risikofreudigkeit* gleichgesetzt werden kann) des Umgangs mit einem spätromantischen Orchesterapparat in Strauss´schen Spätwerken wie "Die Liebe der Danae" oder auch und besonders "Vier letzte Lieder" auf die Spitze getrieben und kaum überbietbar zu sein. Vergleichsweise empfinde ich "Elektra" als zwar immer noch genial, aber mit einem deutlich gröberen Pinsel instrumentiert.

      und selbst, wenn man Siegfried Wagner zum Vergleich heranziehen würde, erklärt sich nicht, warum man Strauss spielt, aber den Wagner-Sohn nicht.


      Ich habe nichts gegen Siegfried Wagners Musik. Im Gegenteil - vor einiger Zeit habe ich mir die entsprechende CPO-Box mit seinen Orchesterwerken und Ouvertüren zugelegt, und ich würde mich freuen, mal einer seiner Opern live zu begegnen. Aber ich halte es mit Verlaub gesagt für zumindestens sinnfrei (wenn nicht gar ridikül), seine Qualitäten als Komponist gegen die von Richard Strauss auszuspielen.

      Viele Grüße

      Bernd

      P.S.:

      Mutig war dieser Komponist eigentlich nur bei "Elektra" und "Salomé" und als das beim Publikum nicht so wirklich gut ankam


      Salome war ein Welterfolg. "Von diesem Schaden konnte ich mir die Garmischer Villa kaufen“ - das war die legendäre Antwort des Komponisten auf die kaiserliche Kritik an seiner Oper, die sich in kurzer Frist durchsetzen konnte. So viel zum Thema Stiländerung wegen des angeblich schlechten Ankommens beim Publikum.
    • arundo donax schrieb:

      (...) Umgangs mit einem spätromantischen Orchesterapparat in Strauss´schen Spätwerken wie "Die Liebe der Danae" oder auch und besonders "Vier letzte Lieder" auf die Spitze getrieben und kaum überbietbar zu sein.


      Lieber Bernd,

      das bewerte ich tatsächlich gänzlich anders. Und es ist ja nun auch kein Geheimnis, dass Strauss nicht gerade zu meinen Lieblingskomponisten gehört. "Liebe der Danae" bereitet mir eher Qual, als Freude, aber lassen wir das...

      Das hier ist ein Schreker-Thread, über Strauss und seine Position innerhalb der Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts könnten wir in einem entsprechenden Thread sicher diskutieren, aber da fehlt mir zumindest im Moment ein wenig die Motivation zu. Ist unser kleinster, gemeinsamer Nenner eigentlich Wagner, R. ? Könnte passen, oder :D

      Deine Erweiterung habe ich jetzt erst gesehen - und da muss ich dann doch noch mal:
      Aber ich halte es mit Verlaub gesagt für zumindestens sinnfrei (wenn nicht gar ridikül), seine Qualitäten als Komponist gegen die von Richard Strauss auszuspielen.


      Aber ganz und gar nicht - die Musik von Siegfried Wagner ist besser, als man das beim ersten Hören meinen könnte und ich formuliere es mal etwas vorsichtiger: sie ist zumindest eine echte Alternative zu manchem Machwerk des Dr. Richard S.

      Was die Bühnentauglichkeit angeht, da könnte man schon Einschränkungen machen. Musikalisch ist "Rainulf und Adelasia" ausgezeichnet, aber als Bühnenaufführung? Da bräuchte es einen tollen Regisseur, mehr aus der Liga, die Dir nun so gar nicht zusagen würde. Aber dies hier ist auch kein Wagner, S.-Thread :D

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Ist unser kleinster, gemeinsamer Nenner eigentlich Wagner, R. ?


      Möglicherweise...

      Das hier ist ein Schreker-Thread,....Aber dies hier ist auch kein Wagner, S.-Thread...


      Ja doch, aber ganz klar provokante Äußerungen wie "Gerade Schreker ist Strauss in Sachen Orchesterbehandlung deutlich überlegen" fordern schon zu Erwiderungen direkt im Thread heraus! Und dann kommt man schnell von Hölzchen auf Stöckchen: Mit Siegfrid Wagner habe ich nicht angefangen, gelle...? :angel: :

      Jetzt geht es erstmal in die Poofe! :wink:


      Bernd
    • Um noch weiter ein bisschen weiter jenseits des Kernthemas zu bleiben: Ohne den Namen Baumgarten wäre ich sicher nicht auf die Idee gekommen, mir eine Offenbach-Operette anzutun. Obwohl der Name Marthaler brachte mich schon einmal auf die Idee und das hat sich wirklich gelohnt. Wie viel von Offenbach übrig bleibt, ist nach dem Pressetext der Dramaturgin aber ziemlich offen. ;+)
    • Offenbach, Strauss, Schreker

      Nordwind schrieb:

      Ohne den Namen Baumgarten wäre ich sicher nicht auf die Idee gekommen, mir eine Offenbach-Operette anzutun. Obwohl der Name Marthaler brachte mich schon einmal auf die Idee und das hat sich wirklich gelohnt. Wie viel von Offenbach übrig bleibt, ist nach dem Pressetext der Dramaturgin aber ziemlich offen. ;+)


      Das war bei Offenbachs "Grossherzogin" in Basel (Marthaler) auch nicht anders. Im zweiten und dritten Akt blieb von Offenbach kaum noch was übrig.

      (...) aber ganz klar provokante Äußerungen wie "Gerade Schreker ist Strauss in Sachen Orchesterbehandlung deutlich überlegen" fordern schon zu Erwiderungen direkt im Thread heraus!


      Das sollte gar keine Provokation sein, sondern das ist (nicht nur ) meine Überzeugung. Jetzt soll es aber an der Stelle auch erstmal gut sein, sonst müsste ich doch noch die Moderation bitten, die themenfremden Beiträge woanders hin zu sortieren.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Wenn man die Theatersprache der Berghaus mag, wird man an diesem
      "Freischütz" seine Freude haben.
      Gerade als alter Berghaus-Fan bin ich nicht sicher, ob ich mir gerade diesen "Freischütz" antun will. Angesichts der für Wiederaufnahmen in Zürich zur Verfügung stehenden Probenzeit habe ich doch deutlich Zweifel, dass diese Inszenierung mehr sein wird als eine Gudrun-Hartmann-Inszenierung nach Motiven von Ruth Berghaus...