Jazz mit Laser und Nadel: Gerade goutiert - 2010/11

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  • Jazz mit Laser und Nadel: Gerade goutiert - 2010/11

    Auch hier: Neues Jahr, neuer Thread. Auch im zweiten Capriccio-Jahr möge viel Jazz gehört werden

    Le Merle Bleu

    Im Moment läuft hier eine Empfehlung aus dem Bassklarinetten-Thread:




    Michel
    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
  • Zitat von Carsten aus dem alten Thread:

    Bei mir gibt's gerade indirekten Coltrane in Form einer Hommage.

    Kenny Garretts Tribut an den Meister finde ich sehr gelungen. Die Tatsache, dass Garrett Alt- statt Tenorsaxofon spielt, lässt einen allzu direkten Vergleich gar nicht erst zu. Garrett kann vom Sound her ganz er selbst bleiben. Mit Brian Blade hat er einen Drummer, der das Spiel von Elvin Jones feinnervig und um viele Nuancen erweitert fortsetzt. Eine ideale Besetzung. Statt McCoy Tyners Klavier-Pranke hat sich Garrett mit Pat Metheny einen Gitarristen am Harmonie-Instrument dazugeholt. Das geht aber trotzdem gut, denn so entsteht keine bemühte Kopie, sondern eine ganz eigenständige, luftige und transparente Herangehensweise an die Musik des Coltrane-Quartetts.

    Lieber Matthias, weiter oben hast du deinem Ärger über den Metheny-Kitsch Luft gemacht, ihn als Sideman aber ein wenig gelobt. Diese CD bietet meiner Meinung nach allen Anlass zu letzterem. Begleitung und Soli von ihm sind hier wirklich sehr gut.

    Kenny Garrett
    Pursuance - The Music of John Coltrane

    Warner, 1996


    Lieber Carsten,

    Kenny Garretts Tribute finde ich auch sehr gelungen und Pat Metheny mag ich schon häufig nicht nur "eine wenig", sondern sogar sehr, wenn er als Sideman und Partner von wirklich starken, auch mal etwas wagemutigeren Musikern agiert, so mag ich z.B. seine CDs mit Brad Mehldau, das Duo mit Ornette Coleman find ich ziemlich genial und aus dieser 3-CD-Box im Quartett mit Derek Bailey und 2 Drumern ursprünglich aus der Hardcore-Szene höre selbst ich meistens nur jeweils ein Stück. Das ist die heftigste Brachial-Free-Jazz-CD, die ich kenne:



    Gegen das Inferno, was Metheny hier veranstaltet, ist Caspar Brötzmanns "Massaker" Kinderkram. Ich würde zu gerne die Gesichter von typischen Metheny-Group-Fans sehen, wenn ihnen als hartnäckigen Fans das in die Hände gefallen ist und die ersten Cluster-Attacken aus den Boxen dröhnen.

    Ansonsten lief bei mir heute in Erinnerung an Hank Jones, den ich zuletzt mit Joe Lovano, davor mit Abbey Lincoln gesehen habe:



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

    :wink: Matthias
  • Ich hör jetzt auch mal ein paar Standards:



    Paul Motion: On Broadway I (1988)

    Paul Motion: Drums
    Joe Lovano: T-Sax
    Bill Frisell: E-Gitarre
    Charlie Haden: Bass

    Porters My Heart Belongs to Daddy wird man wohl nie und nimmer und nirgends so geil interpretiert hören wie hier. Und alles andere ist auch suuuuper!

    Adieu,
    Algabal
    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
  • Nach einem sehr schönen Konzert mit Irène Schweizer, Omri Ziegele und Makata Ntshoko jetzt diese:



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

    mit südafrikanischen und südafrikanisch inspirierten Standards von Dudu Pukwana, Dollar Brand/Abdulla Ibrahim, Johnny Dyani, Chris McGregor und Don Cherry.

    :wink: Matthias
  • Algabal schrieb:

    Ich hör jetzt auch mal ein paar Standards:



    Paul Motion: On Broadway I (1988)
    Ich verdopple - danke für die Anregung, lieber Algabal!
    Wunderbare Platte. Humorvoll und kantig, aber nicht auf Kosten des Songmaterials. Ganz fein...

    LG
    C.
    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
  • Hallo Matthias,

    weil du Abbey Lincoln erwähnt hast.......

    Bei meiner letzten "Jazz-Shoppingtour" fiel mir zunächst die schrille Kopfbedeckung der Lady auf,der Name Abbey Lincoln sagte mir nichts.Aber nach den ersten paar Hörproben,wusste ich,diese Sängerin gefällt mir und nun hat sie einen Platz in meiner bescheidenen,aber ständig wachsenden "Jazz/Blues/Countrysammlung" gefunden.

    Nicht zu glauben,dass diese "grande dame des Jazz" schon 80 Jahre ist und auf diesem Cover anscheinend auch schon 77 Lenze zählt. Kompliment fürs Aussehen und für die Stimme.



    Die Platte gefällt mir durch ihre musikalische Vielfalt,von allem ein bisserl was....Jazz,Blues,Countrymusik .Besonders gut gefällt mir der Einsatz des Akkordions und die vielen verschiedenen Arten der Gitarre.

    Larry Campell spielt die akustische Gitarre,e-Gitarre,national resonator guitar und die pedal steel guitar.

    Dazu gleich eine Frage: wie heisst die national resonator g. und die pedal steel g. übersetzt ins Deutsche? Ist die erste die typische Bluesgitarre und die zweite die amerikan.Countrymusik-Steelgitarre?

    Liebe Grüße

    Mozartinaa
    " Das Österreichisch klingt wie ein einzig großer Topfenknödel "......Zitat aus der Krimiserie "Bella Block"
  • Liebe Mozartinaa,

    "Abbey sings Abbey" finde ich auch eine großartige CD, aber sehr untypisch für sie, denn die alte Dame zeigt es hier noch mal den ganzen jungen Pop-Jazz-Stimmchen, wie es gelingen kann, die Jazz-Grenze zu überschreiten in Richtung Singer/Songwriter. Die meisten der Stücke hatte sie schon früher als typischere Jazzaufnahmen eingespielt und diese sind nicht schlechter. Die Stimme ist natürlich deutlich älter als in frühen Aufnahmen, aber irgendwie passt es gerade hier gut.

    Eine unverzichtbare ältere, in der du hören kannst, wie sie als junge Frau klang, ist die:



    Sie war damals eine der wichtigsten Sängerinnen, die das, was in den späten 50ern neu im Jazz war, auch singen konnte, dazu Texte schrieb oder auch eigene Stücke, was damals auch eher ungewöhnlich war. Sie gehörte wirklich zu den großen Pionierinnen im modernen Jazz-Gesang. Mit ihrem zeitweiligen Mann Max Roach war sie außerdem auch politisch sehr engagiert in der Bürgerrechtsbewegung. Ihre gemeinsame Tochter ist übrigens die Jazz-Bratschistin Maxine Roach, Leader des Uptown String Trio, die gelegentlich auch auf CDs ihrer Mutter mitspielt.

    Resonanz-Gitarren sind nicht nur im Blues, sondern auch im Country und Folk verbreitet, was sich aber genau unter "national resonator g." verbirgt, weiß ich auch nicht. Pedal Steel Gitarren haben keinen anderen, deutschen Namen, jedenfalls kenne ich keinen. Heute sind sie sicher am verbreitetsten im Country, kamen früher aber auch häufiger im Blues und vor allem Gospel vor, wenn die Gemeinden zu arm selbst für eine E-"Heim"-Orgel waren.

    :wink: Matthias
  • Hier gerade dies:



    Klingt natürlich super, verbreitet eine angenehme Stimmung im Raum, einerseits teils kinderliedhafte Melodien, andererseits extrem ruhiger, zurückgenommener Rhythmus. Das ist dann wie ein in schick-reduziertem skandinavischem Stil (nicht Ikea) eingerichtetes Haus, in dem auch noch Kinderspielzeug rumliegt. Vermutlich eine ziemlich blöde Assoziation, kommt mir gleichwohl in den Kopf.
    Könnte insgesamt bei all der Zurückgenommenheit kontemplativ wirken. Tut's bei mir aber irgendwie doch nicht.

    Deshalb nun dies:



    Hier klappt das mit dem Kontemplativen schon besser. Die Melodien sind so simpel, dass sie nicht mehr kinderliedhaft, sondern minimalistisch sind. Der Rhythmus wird variabler gehalten. Der Raum ist somit immer noch geschmackvoll, aber nicht so monostilistisch eingerichtet - Kinderkram liegt auch nicht mehr wie zufällig herum.

    Würde nicht bald Fußball laufen, würde ich die Jazz-Triologie hiermit komplettieren:



    Dazu fällt mir im vorhinein nicht mal ein schiefer Innenarchitektur-Vergleich ein. Muss ich also spätestens morgen nachholen.
  • Kräftige Big-Band-Klänge und komplexe Arrangements bietend und doch beweglicher als eine Big Band und damit offenere Formen für Improvisationen, auch kollektive, und für Experimente zulassend, ist das Ensemble für ca. 9 -16 Instrumentalisten. Charles Mingus experimentierte in ungefähr dieser Größe oft besonders interessant mit seinen Workshop-Bands, George Russell, Carla Bley, Pino Minafra und der späte Gil Evans hatten oft Bands dieser Größe oder die kaum größer waren.

    Die kreative dänische Jazz-Szene hat eine ganze Reihe sehr guter, origineller Bands diesen Formats hervorgebracht: Pierre Dörges New Jungle Orchestra, T.S. Hawk and the Great Mungo Dilmuns, Erling Kroners Dark Side Orchestra, Jan Kaspersens Special Occasion Band, Fredrik Lundins Overdrive ...und, für mich am interessantesten, das Copenhagen Art Ensemble.

    Bei mir lief gerade eine ihrer frühen CDs, aufgenommen 1997:



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

    Auf ihr spielen sie ausschließlich Kompositionen ihrer bis heute Co-Leiterin, der vorzüglichen Saxophonistin Lotte Anker, die damals noch sehr stark vom späten Gil Evans beeinflußt waren, dabei jedoch in keinster Weise epigonal sind wie etwa die bekannte Band Maria Schneiders oder die Arrangemants Laurents Clunys, die ich vergleichsweise gegen Gil Evans oder diese dänische Formation dröge und unbeweglich finde. Das ist hier ganz anders: Zwar klingt das dritte Stück mit einem wunderbar kräftigen Tenor-Sax-Solo von Lotte Anker sogar ausnahmsweise fast wie eine gute Gil Evans Komposition der frühen 60er, aber die anderen Kompositionen Ankers nehmen den späten Gil Evans der 80er nur zum Ausgangspunkt, erweitern die Komplexität der vorgegebenen Strukturen und erhöhen noch den Raum für freie Improvisation, vor allem bei den Kollektivimprovisationsphasen im 4. Stück, sowie die Komplexität der Metrik, die der hervorragende Schlagzeuger Anders Mogensen hier, auf einigen Stücken mit der Percussionistin Marilyn Mazur als Gast, äußerst dicht ausfüllt. Dabei erreichen sie eine Intensität, die oft an Mingus Workshop-Bands erinnert, besonders im 7. Stück mit einer Rezitation eines Gedichts von T.S. Hoeg, nicht zu verwechseln mit dem Romancier Peter Hoeg, vom Dichter selbst sehr gut auf Dänisch vorgebracht. Auch das erinnert hier stark an die Jazz & Lyrik-Aufnahmen von Mingus, etwa mit Langston Hughes oder Allen Ginsberg. Aks weiterer Gast singt beim 5. Stück sehr poetisch Mona Larsen.

    Die Band besteht aus einigen, der besten Musikern der kreativen dänischen Szene, das waren 1997: Jesper Riis (tp, flh), Jens Goldtholdt (tp, flh), Kasper Tranberg (tp, flh), Peter Fuglsang (as, acl, cl), Lotte Anker (ts, ss, cond), Thomas Aagergaard (ts,fl) Pelle Fridell (bs, bcl) Ture Larsen (tb), Klaus Löhrer (btb, tuba) Thomas Clausen (p, Fender Rhodes - oft mit vielen Effekt-Geräten gespielt) Nils Davidsen (b), Anders Mogensen (dr) + Marilyn Mazur (perc), Mona Larsen (voc), T.S. Hoeg (recitation)

    Alle Bandmitglieder sind sehr gute Solisten.

    Inzwischen sind die Strukturen eher noch komplexer geworden, die Improvisationsphasen freier und es sind zum Teil Streicher und fest Live-Elektroniker und Computer-Spezialisten zur Band gestoßen.

    :wink: Matthias
  • :wink:

    Gerade durch den Faden hier inspiriert diese eingelegt:



    Ebenso schön ist diese:



    Bei "Abbey is blue" bin ich besonders dankbar, dass es die auch als Schallplatte gibt. Großartige Perlen wie "Afro Blue" und "Come Sunday" aus Ellingtons "Black, Brown and Beige" klingen einfach phantastisch auf einem guten Teller.

    Auf dem lief heute übrigens eine Neuerwerbung, die ich gestern bei einem Urlaubsrückfahrtabstecher nach Tübingen gefunden habe, und die ebenfalls großartig ist:



    Cannonball Adderly, Altosax & Milt Jackson, Vibes & Wynton Kelly, Piano & Percy Heath, Bass & Art Blakey, Drums. Und genauso toll hört es sich auch an. :yes:

    Gruß, Frank

    Der Laden in Tübingen hatte auch die neue Scheibe von Olafur Arnalds, "The Wee Small Hours" von Sinatra und "She hangs brightly" von Mazzy Star als Long Playing für mich. :thumbup:
  • Matthias Oberg schrieb:

    Eine unverzichtbare ältere, in der du hören kannst, wie sie als junge Frau klang, ist die:


    Lieber Matthias,

    diese "Abbey is blue" ist wirklich eine unverzichtbare Aufnahme und ich hab sie mir bereits bestellt. Ihre Stimme in jungen Jahren klingt noch nicht so rauchig und das gefällt mir sehr gut.

    Danke für den Tip und die Erklärung bezüglich meiner Gitarrenfrage.

    Seit kurzem in meiner Jazz-Sammlung:



    Als ein großer Fan des Jazz-Kontrabasses bin ich von der Bassistin Lindy Huppertsberg ganz begeistert. Aber auch Thilo Wagner ( piano ) und Gregor Beck ( drums ) finde ich großartig.

    [Blockierte Grafik: http://www.smileygarden.de/smilie/Schleifchen-Girls/smilie_girl_205.gif]Mozartinaa
    " Das Österreichisch klingt wie ein einzig großer Topfenknödel "......Zitat aus der Krimiserie "Bella Block"
  • Und auch bei mir eine hatology-Platte:



    - keine Liebe auf den ersten Hör, aber eine Aufnahme, die im Ohr bleibt und mehrmals gehört werden will. Manche Liebe braucht Zeit... Mal abwarten...
    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
  • Seit ich am letzten Samstag dieses Projekt live erleben konnte und mir dort gleich die CD günstiger mitnehmen konnte, immer wieder die:



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:
    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

    Zu der schreibe ich demnächst noch mehr.

    :wink: Matthias