Jazz mit Laser und Nadel: Gerade goutiert - 2010/11

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  • Zuletzt noch eine sehr schöne Vocal-Jazz-Doppel-CD aus Island:

    Hvar er tunglið? von 2006 von Kristjana Stefánsdóttir (Söngur :D),mit Sigurdur Flosason (Alto Saxófónn), Eybór Gunnarson (Píanó), Valdimar K, Sigurjónsson (Bassi), Pétur Östlund (Trommur), auf dem isländischen Dimma-Label erschienen.

    Sehr schöner, sehr melancholisch klingender Late-Night-Jazz, vorzüglich durchwegs auf Isländisch gesungen von Kristjana Stefánsdóttir, die eine richtig gute Jazz-Söngkona ist. Jazz-Gesang auf Isländisch gefällt mir. :) Auch ihr Quartett ist ziemlich gut. Inzwischen hat sie auch mit sehr guten US-Amerikanern wie Drew Gress und Karl Bollenbeck aufgenommen.

    Das Beiheft ausschließlich auf Isländisch stellt mich jedoch vor einige Rätsel, wo ich auch mit Dansk und Bokmål-Norsk nicht weiterkomme. ?( Jedenfalls handelt es sich wohl bei den Texten um Gedichtvertonungen von dem zeitgenössischen Dichter Aðalsteinn Ásberg Sigurðsson und die Songs haben schon stark etwas Kunstliedhaftes mit Jazz-Mitteln.

    :wink: Matthias
  • Heute noch zum Ausklang Harry Allen (ts) mit Bill Charlap (p), Peter Washington (b), Kenny Washington (dr) mit Stücken des Duke.



    :juhu: :juhu: :juhu:

    Harry Allen spielt deutlich von vor allem Warne Marsh, aber auch anderen Cool-Jazz-Saxophonisten beeinflußt, jedoch mit einem einschmeichelnden, sehr an Stan Getz erinnernden Ton und doch durchaus eigenständigen Einfällen, - gefällt mir sehr gut.Das Trio ist ganz auf die Begleitfunktion festgelegt. Charlap spielt dabei auch in seinen Soli sehr ökonomisch. aber manch hübsche kleine Überraschung beisteuernd. Besonders gut, als Sax und Bass Duett sehr schnell gespielt, gelingt It don't mean a thing if it ain't got Swing und besonders wunderschön Lush Life, packend mit tollem Bass-Intro und einem Klasse-Schlagzeug Caravan, wo Charlap in seinem guten Solo auch mal etwas aus sich herausgeht und Allen herrlich vor unter hinter dem Beat spielt, originell Take the A Trainals eine Art Mid-Tempo Ballade zu spielen, aber mit einem Boogie-Klavier mit leicht monkischer Synkopierung und Cotton Tail geben sie als Up-Tempo Bebob. Auch der Rest ist nicht schlecht und mit schönen Soli von Allen, insgesamt eine eher überdurchschnittlich gute Mainstream-Scheibe mit einer herausragenden Interpretation am Sax von Lush Life.

    :wink: Matthias
  • "Pres" scheint mir hier schon nicht mehr ganz auf der Höhe zu sein, gleichwohl ist sein Spiel hier sehr anrührend und seine Sidemen betten ihn wundervoll in ein stabiles Gerüst ein. Ja, er hat sein Horn wirklich oft genau so gespielt, wie es auf dem Cover zu sehen ist ;(





    Cheers,

    Lavine :wink:
    "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
  • Zur WM habe ich mal wieder die CD des südafrikanischen Pianisten und Saxophonisten Bheki Mseleku hervor gekramt. Wenn der sich ans Piano verdrückt, spielen immerhin Pharoah Sanders und Joe Henderson die Vuvuzela... ähh... das Saxophon!


    Bheki Mseleku
    Timelessness

    Verve, 1994

    LG
    C.
    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
  • Die neuste Brad Mehldau:



    Hm, erzromantisch mit modernen Beats und bei vielen Stücken großem Orchester, immerhin am kitschigen Filmorchester geschickt vorbeiarrangiert, dennoch recht gefällig. So sind das Beste die Tenor- und Sopran-Sax-Soli von Joshua Redman. Da sind die meisten anderen Mehldau-CDs interessanter.

    :wink: Matthias
  • Général Lavine schrieb:

    Ich müßte lange nachdenken, bis mir ein Duo einfällt, das im Jazz größere Kunst des Zusammenspiels entwickelt hat.


    Die Horace Parlan/Archie Shepp CD ist schon toll, aber mir fallen schon noch ein paar Kandidaten ein, mit sehr langjähriger Zusammenarbeit z.B. Sheila Jordan/Cameron Brown, Mal Waldron/Jeanne Lee, Mal Waldron/Steve Lacy, wobei es auch eine sehr schöne CD mit dem Duo Mal Waldron/Archie Shepp, kurz vor Waldrons Tod aufgenommen, gibt.

    Mich begeistert zur Zeit besonders das Duo der stark von französischer Neuer Musik beeinflußten französischen Pianistin Sylvie Courvoisier mit dem us-amerikanischen supervirtuosen Jazz-Violinisten Mark Feldman, inzwischen auch ein Paar nicht nur in der Musik. Da höre ich doch gleich mal die beiden mit Kompositionen von John Zorn:



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:
    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

    Erfreulicherweise ist das nur eine von vielen gemeisamen CDs, darunter noch mehreren anderen Duo-Aufnahmen, die alle dieses überragende Niveau halten.

    :wink: Matthias
  • Mozartinaa schrieb:




    Als ein großer Fan des Jazz-Kontrabasses bin ich von der Bassistin Lindy Huppertsberg ganz begeistert. Aber auch Thilo Wagner ( piano ) und Gregor Beck ( drums ) finde ich großartig.


    Hallo Mozartinaa,

    Lindy Huppertsberg finde ich auch eine ziemlich gute Bassistin. Diese CD habe ich noch nicht, aber die Ausschnitte klingen sehr gut.

    Bei mir wieder der Top-E-Bassist Jamaaladeen Tacuma mit seinem neusten Monk-Projekt.



    Die CD gefiel mir aufgrund der Keyboards erst gar nicht, beim erneuten hören jetzt etwas besser. Bei Tacuma wird die Musik von Monk in modernen Funk umgesetzt und doch der Charakter von Monks Kompositionen auch reloaded hinübergerettet. Es gibt sehr schöne Bass-Soli von Tacuma und seine unverwechselbaren, extrem treibenden Grooves werden durch das Schlagzeug von Tim Hutson und Percussion von Napoleon Black weiter angetrieben. Auch Orrin Black, der nur auf einem Stück Piano, sonst E-Piano und Synthesizer spielt, überträgt ganz geschickt den idiosynkratischen Monk-Ton auf die E-Keyboards und spielt vor allem nicht zu viel, wodurch auf den elektronischen Keyboards schon durch die längere Anschlagsdynamik der Monk-Ton nur verloren gehen könnte, aber wieso diese doofen Allerweltssounds? Immerhin bei Round Midnight stellt er einen E-Piano-Sound ein, der dem schönen Fender Rhodes recht nah kommt, - das klingt dann gleich viel besser in meinen Ohren. Dann darf hier noch ein DJ King Britt mit "Sound Scapes" zur in der Hinsicht recht oberflächlichen Modernisierung mitwirken. Da dem nicht viel einfällt, es fiebt und zischt mal ein bisschen im Hintergrund, ist es sehr gut, dass dies sehr dezent bleibt. Er ist so aber auch völlig überflüssig. Was könnte hier eine so einfallsreiche Elektronikerin wie Ikue Mori oder jemand wie DJ Spooky leisten?!

    So bleibt dann doch insgesamt Tacumas wesentlich bessere Monk-CD dieses Duo mit seinem Langzeit-Partner, dem Saxophonisten Wolfgang Puschnig:



    Erweitert, dann noch mal so herausgebracht:



    Auch hier wurden zum Teil sogar dieselben Monk-Kompositionen kongenial in modernen Funk-Jazz umgesetzt. Diese CD krankt nur leider daran, dass sie sich eines Drum-Computers bedienen, zwar ein recht guter mit relativ annehmbaren Sounds und geschickt programmiert, dennoch nur ein mäßiger Ersatz für lebendige Musiker.

    So wäre die ideale Scheibe diese alte mit dem Drumer und dem Percussionisten seines neuen Monk-Projekts.

    :wink: Matthias
  • Ich mag alle Aufnahmen des Charlie Haden Quartet West sehr gern, insbesondere gefällt mir die bittersüße Melancholie im Ton des Saxofonisten Ernie Watts. Dies ist für mich die schönste verfügbare Aufnahme. Im Titelstück ist Ernie einfach hinreissend.




    Cheers,

    Lavine :wink:
    "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
  • Matthias Oberg schrieb:

    Lindy Huppertsberg finde ich auch eine ziemlich gute Bassistin. Diese CD habe ich noch nicht, aber die Ausschnitte klingen sehr gut.


    Lieber Matthias,

    freu mich immer wieder,wenn du als großer Jazzkenner auf meine Jazz-CD's eingehst und dir die eine oder andere sogar gefällt.[Blockierte Grafik: http://www.smileygarden.de/smilie/Schleifchen-Girls/smilie_girl_148.gif]

    Heute mal keine CD ,die ich vorstelle,sondern eine Frage zu einer Jazzmusikerin,deren Name ich nicht mehr weiß und auch den Zeitungsausschnitt über sie nicht mehr finde.

    Ein paar "wage" Anhaltspunkte: sie ist Deutsche,könnte jetzt so Mitte 50 sein,spielte Saxophon ( Trompete?) in einer Band ,dürfte damals sogar ziemlich bekannt gewesen sein, hat aber mit dem Spielen total aufgehört. Warum,weiss ich jetzt nicht mehr.

    Wer kennt des Rätsels Lösung?[Blockierte Grafik: http://www.smileygarden.de/smilie/Schleifchen-Girls/smilie_girl_168.gif]

    Liebe Grüße

    Mozartinaa
    " Das Österreichisch klingt wie ein einzig großer Topfenknödel "......Zitat aus der Krimiserie "Bella Block"
  • Liebe Moozartina,

    meinst du vielleicht Sibylle Pomorin? Vom Alter käme das hin. Sie war eine absolute Top-Saxophonistin, wie heute in Deutschland Angelica Nescier. Ich kannte sie auch, habe sie auch mehrmals in erstklassigen, aber schlecht besuchten Konzerten mit unterschiedlichen eigenen Projekten live gehört. Sie lebt heute noch in Berlin. Irgendwann war sie es leid, miserabel bezahlt, mit wenig Aufmerksamkeit ihre Amps selbst nachts in die und aus den Clubs herauszutragen. Parallel hatte sie bei Ernst Bechert und Dieter Schnebel Komposition weiterstudiert, für eigene Kompositionen auch Preise bekommen und lebt heute als Komponistin von Neuer Musik, elektroakustischer Musik, SoundScapes und Hörstücken.

    Dennoch jammerschade, dass sie dem Jazz verloren ging. Denn sie war nicht nur eine vorzügliche Saxophonistin, sondern auch eine exzellente, sehr orginelle Jazz-Komponistin und Arrangeurin. Mit der Pianistin Ulrike Haage leitete sie die Frauen-Big Band Reichlich Weiblich. Die beiden schrieben auch die meisten Kompositionen und Arrangements für diese Band. Es gab eine schöne CD live vom Festival in Moers: Reichlich Weiblich: Live at Moers 1987, Moers Music - sehr packende Musik, ausgefeilt und funky. Anders als Haage, war sie aber mehr Avantgarde-orientiert. Spielte mit zahlreichen internationalen Top-Musikern aus dem Bereich wie William Parker, Peter Brötzmann, John Tchicai, Tom Cora, Conny Bauer, Herb Robertson, Christy Doran, der Bassistin Joelle Leandre, der Sängerin Maggie Nichols und auch mit vielen, die an Ornette Colemans elekrischer Free Funk-Band Prime Time anknüpfden, wie der Posaunistin Annie Whitehead, der E-Bassistin Kim Clarke, der E-Violinistin Terry Jenoure. Mit Jenoure hatte sie auch eigene Bandprojekte in dieser Richtung, mit denen sie auch auf internationale Tourneen ging und es entstanden auch sehr gelungene Plattenaufnahmen, die natürlich längst vergriffen, aber in meiner Sammlung vollständig vorhanden sind. :D Außerdem hatte sie eigene Free Jazz Bands, bzw Projekte, in denen sie Freie Improvisation und strukturell komplexere Kompositionen verband und spielte viel in der Freien Improvisationsszene.

    Schade, dass es offenbar keine ihrer Aufnahmen mehr gibt. Gelegentlich bekommt man aber ihre Aufnahmen des Funk-Projekts mit Jenoure noch günstig gebraucht, weil die seiner Zeit in relativ hoher Auflage herauskamen und auch viel rezensiert worden sind. Ebenso auch die Funk-Cds von Annie Whitehead, wo auf einigen auch Sibylle Pomorin mitspielte, so wie Whitehead auch bei Pomorins Projekten.

    :wink: Matthias
  • Nach einem tollen Open Air Konzert mit Paul Brodys Sadawi, habe ich danach noch eine seiner älteren CDs gehört.



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

    Schräger Klezmer-Jazz, manchmal funky und auch rockig oder weltmusikalisch aus dem John Zorn Umfeld von einer us-amerikanischen/berliner Band, denn Brody hat lange in Berlin gelebt. Brody ist ein fantastischer Trompeter und auch der Rest der Band ist sehr gut.

    :wink: Matthias
  • David Moss Dense Band: Texture Time

    ... gab es heute in meinem mp3-Player.

    Schon lange vergriffen, und auch bei keinem Partner mit Bildchen zu haben ;( .

    Beim amerikanischen Amazon kann man aber immerhin in Ausschnitte reinhören.

    In welchem unserer gehört-Threads schreibt man eigentlich über David Moss? Neue Musik, also Klassik? Jazz? Und krass ist es allemal, was der Herr so treibt... Ärgerlich, diese Leute, denen jede Schublade zu eng ist...

    Texture Time tue ich mal zu Jazz - improvisiert ist das, und Anthony Coleman spielt in der Band mit. Wird also schon passen 8+) . Moss zeigt sich hier als Schlagzeuger mit viel Klangfantasie, und als umwerfender Vokal-Improvisator. Das ist schon ausgesprochen unterhaltsam - man höre bei Amazon mal in seine Version der Delilah-Schnulze von Tom Jones rein :thumbsup:

    Michel
    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
  • Gestern im Laufe des Abends noch gehört:



    Björk Gudmundsdóttir - Söngur, Gudmundur Ingólfsson (p), Gudmundur Steingrimsson (dr), Dordur Högnason (b)

    Björk, 1990, als Jazz-Sängerin mit dem Trio des leider schon ein Jahr später früh verstorbenen Pianisten Ingólfsson. Das sie hier auf Isländisch singt, finde ich besonders bei den Jazz-Standards reizvoll. Leider sind zu wenig Jazz-Standards vertont und dem gegenüber zu viel sehr schwaches Ausgangsmaterial, das eher so wie isländische Schlager klingt. Das wird zwar verbopt, aber das Trio bleibt überwiegend etwas bieder. Nur in wenigen, dann aber gleich sehr viel besser gelungenen Stücken (zB 3, 8,7,9 ) zeigt der Pianist, das er auch anders kann. Björk ist eine glänzende Jazz-Gesangstechnikerin. Wo sie in den besseren Stücken und den Jazz-Standards dies voll zeigt, gefällt sie mir gut, in den schwächeren Stücken klingt ihre aber recht limitierte Stimme nach Kindergärtnerinliedchenstimmchen und dann wird's nervig. Insgesamt für Björk-Fans, die Jazz mögen, vielleicht interessant, für mich - bis auf wenige Songs - sehr verzichtbar.

    Für mich verzichtbar auch diese:



    Pat Metheny hat sich ein Orchestrion, eine Idee des ausgehenden 19. Jahrh., bauen lassen, mit dem er alle Instrumente rein mechanisch gleichzeitig auch live selbst spielen kann. Aber so fehlt dann auch die lebendige Interaktion. Die Kompositionen sind (zu) mild-hübsche typische Metheny-Songs, die recht ähnlich und gleichbleibend vorrüberziehen, immerhin hier mal ohne scheußliches Synthesizergewaber, aber recht mechanisch klingt das alles dennoch.

    Dannach aber noch guten, lebendigen Latin Jazz und Neobop, der sicher nichts wesentlich Neues erfindet, aber dennoch entwickelt das Brian Lynch Latin Jazz Sextett seinen eigenen Klang, was in diesem überlaufenen Terrain schon viel ist, und überzeugen mich vor allem Lynch an der Trompete und Luis Perdomo am Piano solistisch. Damit, dass das erste Stück eine gelungene Hommage an den großen Trompeterkollegen Tom Harrell ist, hat Lynch aber bei mir auch schon gleich ein Stein im Bett gehabt.



    :juhu: :juhu: :juhu:

    :wink: Matthias
  • Hallo Carsten,

    das ist auch für mich eine besonders herausragend gute Aufnahme und den vielen exzellenten CDs Hutchersons.

    Général Lavine schrieb:

    Ein schöner Blue Note-Klassiker des hervorragenden Jahrgangs 1966 - Hendersons bissiges Saxofon harmoniert sehr gut mit Hutchersons glasklarem, vibratolosen Vibe-Spiel.


    Ja, ebenso funktioniert die spannungsreiche Kombination mit dem eher intellektuellen, sehr durchdachten Spiel Hutchersons mit dem Power-Play McCoy Tyners hier glänzend und Billy Higgings gehört sowieso zu meinen absoluten Lieblings-Drumern, der auch hier wieder äußerst feinfühling die ganze Sache mit dichtem Puls extrem antreibt.

    Bei mir läuft auch noch Joe Henderson - Punjab, 1986 live aufgenommen, 1990 bei Arco erschienen, leider immer schon sehr schwer aufzutreiben und schon lange vergriffen, jetzt bin ich durch einen Tausch rangekommen.

    J.Henderson (ts), Irene Rosnes (p), Marlene Rosenberg (b), Sylvia Quenca (dr)

    Henderson hatte über Jahrzehnte immer auch feste Bands, Tourneen und jedoch leider nur wenige Aufnahmen, meist auf Kleinstlabeln, die im Gegensatz zu seinen übrigen Aufnahmen wenig Beachtung fanden, als einziger Bläser mit rein weiblichen Trios, bewußt um gute, weniger bekannte Musikerinnen und dabei nicht nur Pianistinnen, sondern eben auch gute Bassistinnen und Schlagzeugerinnen vorzustellen. So spielte in seinen Ladies-Trios z.B. auch Kim Clark (bei ihm am Solid Body Upright E-Bass), die dann als glänzende Bassgitarristin mit Defunkt bekannt wurde. Wenn das wenig erfolgreich blieb, an ihm lag es jedenfalls nicht.

    Ich nehme an, bei der hier als Irene Rosnes bezeichneten, handelt es sich um die durchaus inzwischen bekannte Renee Rosnes, klingt jedenfalls so und ich weiß, dass sie bei ihm gespielt hat. Auch die sehr gute Sylvia Quenca war mir immerhin bekannt. Besonders gut gefällt mir hier jedoch Marlene Rosenberg, die mir völlig unbekannt war und die hier auch vorzügliche lange Bass-Soli und eine gute Eigenkomposition einbringt. Außerdem gibt es zwei Kompositionen Hendersons, darunter natürlich den schönen Titel-Song Punjab, den er auch auf einem seiner Blue Note Klassiker eingespielt hat, und den weniger häufig gecoverten Monk-Titel Friday the Thirteen, der leider viel zu früh ausgeblendet wird, dabei ließen die 4, wenn auch langen Titel durchaus noch etwas CD-Platz.

    :wink: Matthias
  • Gestern und heute wieder das französische Orchestre National de Jazz, diesmal unter der Leitung von Daniel Yvinec.
    Dieses Orchester ist immer wieder gut, neue und vielversprechende Musiker zu entdecken, die vom jeweiligen Leiter eingeladen werden. Ich hoffe jedoch, es ist nicht Folge von Sparmaßnahmen, dass es sich diesmal nicht um eine Big Band handelt, sondern um ein Tentet plus jedoch eine Reihe von SängerInnen, einschließlich Robert Wyatt. Zu der Kozeption, die ganz der Musik von Robert Wyatt gewidmet ist, passt diese Mini-Big Band jedoch sehr gut. Klingt eigentlich wie eine der neuen Scheiben des Sängers und ehemaligen Drumers von Soft Machine und anderen jazzigen Prog-Rock Gruppen der Canterbury Scene. Insofern wundert es mich etwas, da diese zuletzt immer sehr viel besprochen wurden, dass ich über diese CD noch nichts gelesen hatte.



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

    Die unverwechselbaren Wyatt-Hymnen sind hier geschickt von Vincent Artaud arrangiert mit deutlichen Anklängen an Soft Machine, Pink Floyd, Gil Evans, Steve Reich - die Minimal Music ähnlichen Phrasen werden aber immer interessant in übergreiffenden Songlines weiterentwickelt, bzw aufgelöst und nerven so nicht, sondern der Song bleibt insgesamt abwechslungsreich, - und natürlich der Musik von Robert Wyatt selbst. Neben Wyatt selbst, singen sehr Wyatt ähnlich Rokia Traoré, Yael Naim, Arno und Irène Jacob.

    Ein origineller Höhepunkt ist für mich, wie Wyatt Victor Jaras Te Recuerdo Amanda singt, mit einem schönen Solo des Saxophonisten und Klarinettisten Antonin-Tri Hoang.

    :wink: Matthias