Der Böse hört Klassik

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    • Der Böse hört Klassik

      Normalerweise lese ich in meiner TV-Spielfilm nur den Programmteil, diesmal fiel mir beim Durchblättern die obige Schlagzeile auf. Untertitelt war sie mit Wer fernsieht oder ins Kino geht, kennt sie: 50 filmklischee, die in Hollywood unausrottbar sind. Und da findet sich tatsächlich unter Nr. 10

      Böse hören klassische Musik.


      Sonst findet man wenig zur Musik in der Auflistung:

      21. Beim Sex läuft grundsätzlich Musik im Hintergrund.

      37. In islamischen Ländern hört man unentwegt den Muezzin singen.

      Was haltet ihr von der Nr. 10?

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • RE: Der Böse hört Klassik

      Peter Brixius schrieb:

      Normalerweise lese ich in meiner TV-Spielfilm nur den Programmteil, diesmal fiel mir beim Durchblättern die obige Schlagzeile auf. Untertitelt war sie mit Wer fernsieht oder ins Kino geht, kennt sie: 50 filmklischee, die in Hollywood unausrottbar sind. Und da findet sich tatsächlich unter Nr. 10

      Böse hören klassische Musik
      Was haltet ihr von der Nr. 10?

      Liebe Grüße Peter
      Sie ist schlicht und einfach Blödsinn. Für jeden Nazi, der klassische Musik spielen lässt, findet sich ein MR: HOLLAND'S OPUS, eine MADAME SOUSATZKA (um nur mal TItel zu nennen, die mir spontan einfallen) usw., von einem BEETHOVEN (ich meine nicht einmal den Hund) ganz zu schweigen.

      Also bitte keine Hollywood-Theorien an diese höchst oberflächliche Beobachtung hängen. Sie trifft allenfalls auf bestimmte Tätertypen zu, die auf diese Weise als intelligent oder meinetwegen auch raffiniert ausgewiesen werden.

      Was natürloch stimmt, ist die allgemeine Beobachtung, dass das Klassikpublikum vor allem in der noch immer überwiegend angesprochenen Jugend schrumpft. Aber auch diese Ansprache schrumpft, denn die Jugend sitzt jetzt vor dem PC. Warten wir also in Ruhe ab. Der nächste Klassikhit kommt eher aus einem Hollywood-Film als woanders her.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Lieber Rideamus,

      vielen Dank, da fällt mir ja ein Stein vom Herzen. Ob Western, ob Krimi (ich stelle mir gerade Humphrey Bogart als Gangster mit klassischer Musik vor), ob Horror (da gibt es natürlich Dr Phibes und "Ein Toter spielt Klavier) - die Bilanz ist bei mir absolut negativ.

      Und Blofield ist mE auch der einzige Böse, der Katzen streichelt.

      Immerhin, die genannten Frauen/Männer-Klischees stimmen meist:
      1. Männer bringen hysterische Frauen mit zwei Ohrfeigen zur Besinnung.
      2. Männer leeren Drinks grundsätzlich in einem Zug.
      3. Auf der Flucht zerren Männer Frauen am Arm hinter sich her.
      4. Frauen verknacksen sich auf der Flucht den Knöchel.
      usw.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Ich habe BTW jetzt gefunden, dass alles auch auf der Website von TV Spielfilm steht, wenn auch ein wenig anders aufgemacht, hier findet man den klassikfreundlichen Bösen.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • vé-nus schrieb:

      Wagner wahrscheinlich :rolleyes: ...
      Aber klar doch: Dazu paßt auch Klischee Nr. 14: Der Böse liebt es luxuriös, der Gute eher durchschnittlich. :D

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      vé-nus schrieb:

      Wagner wahrscheinlich :rolleyes: ...
      Aber klar doch: Dazu paßt auch Klischee Nr. 14: Der Böse liebt es luxuriös, der Gute eher durchschnittlich. :D

      :wink:


      Lieber Gurnemanz,

      dieses Klischee kann ich schon eher nachvollziehen. Es ist aber eine Frage des Typs - Edward G. Robinson kann ich mir da gut vorstellen, allerdings kann ich mich an keinen Film erinnern, wo der kulturelle Anspruch durch das Hören (? über welches Medium) von Klassik oder gar durch Performanz nachgewiesen wurde. Da liegt Boxkampf und Music Hall doch wesentlich näher ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Immerhin, die genannten Frauen/Männer-Klischees stimmen meist:
      1. Männer bringen hysterische Frauen mit zwei Ohrfeigen zur Besinnung.
      2. Männer leeren Drinks grundsätzlich in einem Zug.
      3. Auf der Flucht zerren Männer Frauen am Arm hinter sich her.
      4. Frauen verknacksen sich auf der Flucht den Knöchel.
      usw.

      also dazu gehört natürlich unbedingt, dass es Frauen nie schaffen, eine Sektflasche zu öffnen

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Peter Brixius schrieb:

      Es ist aber eine Frage des Typs - Edward G. Robinson kann ich mir da gut vorstellen, allerdings kann ich mich an keinen Film erinnern, wo der kulturelle Anspruch durch das Hören (? über welches Medium) von Klassik oder gar durch Performanz nachgewiesen wurde.
      Was ist mit Hannibal Lecter? Der ist nicht nur auf seine Weise von hoher kultureller Delikatesse, er ist auch noch ein ausgesprochen großer Freund klassischer Musik. Er hört die Goldberg-Variationen, während er zwei Gefängniswärter umbringt, er geht sogar soweit einen Musiker eines Orchesters zu meucheln, weil er permanent zu spät einsetzt. Oder war es zu früh? Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall eine recht konsequente Art der Orchestererziehung.
    • Der Böse hört Klassik?
      Klar. Ich habe automatisch an Dr. Hannibal Lecter gedacht. Schweigen der Lämmer. "Bereit, wenn Sie es sind, Sergeant Pembry." Und danach. Die Goldberg-Variationen (ich denke, von Gould interpretiert), die Kamerafahrt von oben auf den weiß gekleideten, blutrot beschmierten Serienmörder, der gedankenverloren mit der rechten Hand die Melodie nachmalt.

      Aber gut, vielleicht ist Lecter auch gar kein Böser. Passt vielleicht nicht.

      Eine andere Szene wiederum, die mir gleich danach einfällt: Aus "Sieben". Wenn Morgan Freeman durch die unmenschliche, nächtliche Großstadt in die Bibliothek fährt. Das Air von Bach.

      Gleicher Komponist. Diesmal auf jeden Fall als Begleitung eines "Guten".

      Aber egal, ob gut oder böse: Beide Szenen sind auch dank der Musik sehr dicht für mich.

      :wink:

      Nachtrag: Agravain, da hatten wie uns überschnitten. Aber gut zu wissen, dass Dir Lecter auch gleich einfiel.
    • Agravain schrieb:


      Was ist mit Hannibal Lecter? Der ist nicht nur auf seine Weise von hoher kultureller Delikatesse, er ist auch noch ein ausgesprochen großer Freund klassischer Musik. Er hört die Goldberg-Variationen, während er zwei Gefängniswärter umbringt, er geht sogar soweit einen Musiker eines Orchesters zu meucheln, weil er permanent zu spät einsetzt. Oder war es zu früh? Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall eine recht konsequente Art der Orchestererziehung.


      Lieber Agravain,

      an Lecter habe ich auch gedacht, aber ein klischeehafter Hollywood-Schinken ist er doch nicht gerade.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Gary Oldman als Beethoven-liebender durchgeknallter Cop in Leon der Profi ist auch nicht ohne:

      "http://www.youtube.com/watch?v=gKjJKbgqf2A" (Achtung, Gewalt!)

      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Zitat von »kunnukun«

      ... Rotgrüne bevorzugten Wagner. :wink: Was? Da hätte ich tiefstes Schwarz vermutet...
      Nein nein, so klischeegemäß ist es eben nicht - ich glaube, dass an der Untersuchung was dran ist. In Wagner steckt natürlich was Utopisches und zugleich Entrücktes, und das ist nichts für aus Trägheit 'Konservative'. Zwar meldet sich beim 68er sogleich das politisch korrekte schlechte Gewissen wegen NS, aber die Sache ist mit Ambivalenz verbunden. (Es sei denn, man kennt nur den Walkürenritt und liebt es laut.) :wink:
      Ich bin weltoffen, tolerant und schön.
    • kunnukun schrieb:

      In Wagner steckt natürlich was Utopisches und zugleich Entrücktes, und das ist nichts für aus Trägheit 'Konservative'.
      Natürlich, dem ist so, dennn Wagner war ja zu seiner Zeit auch und gerade ein Revolutionär. Mir schwebte in dem Moment wo ich's scghrieb allerdings, dies sei zugegeben, nicht Richard der Revoluzzer vor dem innreren Auge, sondern der domestizierte, institutionale Wagner und eben seine domestizierten, trägen, für die Dinnerparty in der VIP-Lounge geschniegelten Hörer. Das ist zwar eine ungerechte Assiziation. Ist aber halt so.