Offenbach: "La Périchole" - Komische Oper Berlin, 06.06.2010

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    • Offenbach: "La Périchole" - Komische Oper Berlin, 06.06.2010

      1865 kam in München Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“ das erste Mal auf die Bühne, rund fünf Jahre später verlor Frankreich die Schlacht von Sedan, der Kaiser wurde gestürzt und die Republik ausgerufen. Die „Pariser Commune“ wird gebildet, ein revolutionärer Stadtrat nach sozialistischem Vorbild, dessen Wirken nach rund zwei Monaten blutig beendet wird.

      Zwischen diesen beiden Ereignissen liegt die Uraufführung der Operette „La Périchole“ von Jacques Offenbach im Jahr 1868, die im Jahr 1874 in einer auf drei Akte erweiterten Fassung erneut dem Publikum vorgestellt werden wird.

      Wenn nun in der Neuinszenierung der „Périchole“ von Jacques Offenbach an der „Komischen Oper“ in Berlin nicht etwa die Ouvertüre des Franzosen aus Köln ertönt, sondern jene des grossen Romantikers aus Sachsen, ist die Verblüffung erst mal gross. Aber auch die Szene verblüfft: während vor Beginn eine Art grosses Varietétheater imaginiert wird, mit breitem, silberglitzerndem Laufsteg um den Orchestergraben und bunten Showlampen als Umrandung der Bühne und der Proszeniumslogen, die in dieses Bühnenbild für Auf-und Abgänge integriert worden sind, sieht man auf der leeren Bühne einen Mann aus dem Volk mit der abgerissenen, roten Fahne in der Hand, der seine Rede an das Volk mit einem kräftigen: „Arbeiter!“ beginnen wird und erzählt, was sich im Paris des Jahres 1871 ereignet hat.

      Regisseur Nicolas Stemann, das erste Mal für das Musiktheater tätig, schafft es in bewundernswerter Weise, die Offenbach-Operette nicht nur in ihrer Zeit zu zeigen, er schlägt den Bogen zum grössten Komponisten dieser Zeit, Richard Wagner, und verlängert die Handlung bis in die „Komische Oper“ 2010. So treten die beiden Beamten aus dem Stab des Vizekönigs von Peru, Graf Miguel und Don Pedro, als Conferenciers in Glitzeranzügen auf, die nicht nur die Handlung erzählen, sondern auch wie in einer Live-Show den Abend moderieren.

      Dieser Ansatz funktioniert in seiner Verschränkung der verschiedenen Elemente erstaunlich gut, z. B. zu Beginn, wenn das Volk, in grauer Einheitskleidung unserer Zeit, dem Arbeiter aus den Strassen von Paris nicht zuhören will und „Drei Cousinen“, eine kleine Truppe von Showgirls, sich stattdessen als Massenverführerinnen versuchen, die den Werbesponsor gleich überdimensioniert über dem Kostüm tragen.

      Diese „Drei Cousinen“ begegnen dem Publikum immer wieder in unterschiedlicher Verkleidung, im zweiten Akt in einer perfekten Szene als Chansonsängerinnen, am Ende auch schon mal als Domina und zwischendrin in einer Sprechpassage, die von Einar Schleef inszeniert worden sein könnte.

      Aber natürlich gibt es auch die eigentliche Handlung, die Strassensängerin Périchole und ihr Liebhaber Piquillo sind leider künstlerisch erfolglos und somit arm. Rettung naht, als der Vizekönig, der glaubt unerkannt unter seinem Volk herumlaufen zu können, um zu erfahren, was das Volk wirklich denkt (in Wahrheit wissen alle, wer der Mann im Strassenreinigeranzug ist), sich in Périchole verliebt und diese als „Ehrendame“ engagieren will. Ehrendamen dürfen nur verheiratete Frauen werden und natürlich (wir sind in einer Operette) ist Piquillo der Mann, der für diese Rolle ausgesucht wird und der nicht weiss, dass es Périchole ist, die er pro forma heiraten soll. Nach einigen Wirrnissen finden die Liebenden dann doch noch zusammen, der Vizekönig geht leer aus.

      Bilderreich und flott erzählt Nicolas Stemann seine Version von „Périchole“, das ist oft sehr unterhaltsam gemacht, aber nie fällt die andere, die nicht so unterhaltsame Seite unter den Tisch. Immer wieder erklingt Musik aus „Tristan und Isolde“ und der Hörer hat den Eindruck, dass tatsächlich zwischen der Musik Wagners und jener Offenbachs, die zur selben Zeit entstanden sind, Welten liegen. Der Gipfel ist sicher, wenn im letzten Akt, das Orchester ist zwischenzeitlich auf die Bühne gewechselt und sitzt dort eng beieinander auf einer Bühne auf der Bühne, Périchole und Piquillo einen Ausschnitt aus dem grossen Liebesduett aus dem zweiten „Tristan“-Akt singen.

      Aber auch der Arbeiter aus Paris, der immer vergeblicher von der reinen Unterhaltung abzulenken versucht, hat einen grossen Moment, wenn er Franz Kafkas „Auf der Galerie“ zitiert.

      Und erst recht nicht wirklich komisch, wenn Piquillo sich den Dynamitgürtel umschnallt, die rote Fahne emporreckt und dieses ganze System aus Lug und Trug gewaltsam beenden will.

      Zu den komischen Elementen gehört klar die Überzeichnung des Vizekönigs, der im zweiten Akt mit Netzstrümpfen und Lackstiefeln im 40-Lochbereich einherstöckelt oder der im dritten Akt eine wirklich lustige Szene hat, als er als verkleideter Gefängniswärter quasi enttarnt wird.

      Höhepunkt auch eine Szene auf dem Laufsteg, wo die versammelte SolistInnenschaft in einer Endlosschleife „Mein Gott, was sind die Männer dämlich“ intoniert und das Publikum zum mitsingen animiert. Das geht solange, bis wild empörte Herren tatsächlich den Saal unter Protest verlassen.

      Das Ende ist fast ein ernstes geworden: der Vizekönig erschiesst sich, die anderen werden von Maschinengewehren, die von aussen zu hören sind, niedergeschossen. Aber in der Operette muss ein glückliches Ende her: also stehen alle wieder auf und singen die kurze Schlusssequenz, die Offenbach komponiert hat.

      Wirklich bemerkenswert der Chor, der seine vielfältigen Aufgaben mit enormem Einsatz bewältigt und auch vor körperlich anstrengendem Joggen beim Singen nicht zurückschreckt. Unter den grauen Anzügen tragen die Chorist/innen T-Shirts mit der Aufschrift: "Ich bin freundlich“, na dann...

      Es wird sich redlich um Offenbachs Musik bemüht, nicht immer wirklich mit Erfolg. So bleibt Johannes Chum als Piquillo doch etwas steif und auch die Höhenexpansion will nicht so recht gelingen, Karolina Gumos als Périchole liegen die lyrischen Passagen mehr, als die flotteren – aber beide punkten mit dem Ausschnitt aus Wagners „Tristan“ – es ist verführerisch, diese leichten Stimmen mit der grossartigen Liebesszene von Wagner zu hören, auch, wenn man hoffen muss, dass beide nicht auf die Idee verfallen mögen, einmal die ganze Partie auszuprobieren.

      Gelungen auch die Rollengestaltung von Roger Smeets als Vizekönig, der sich mit etwas nasalem Bariton durch den Abend singt.

      Unbedingt erwähnenswert die „Drei Cousinen“, Mitglieder des Opernstudios der „Komischen Oper: Anna Borchers, Mirka Wagner und Olivia Vermeulen, das war sängerisch und darstellerisch recht vielversprechend.

      Ein dickes Sonderlob dem Schauspieler Andreas Döhler, der mit starkem Stimmeinsatz und nicht nachlassender körperlicher Präsenz seine Rolle perfekt über die Rampe brachte.

      Vervollständigt wurde das Ensemble durch Peter Renz und Günter Papendell, die ihre moderativen Aufgaben professionell erledigten.

      Am Pult stand Markus Poschner, der bemüht war, den Abend zusammenzuhalten, bei Offenbachs temporeicher Musik nicht immer ganz einfach, der aber auch, vor allem gegen Ende, Wagners Klänge schön präsentierte. Dass Poschner den Wechsel vom Graben auf die Bühne mitmachte, soll hier unbedingt positiv vermerkt werden.

      Viel Applaus für diese Produktion, einige Buhs – die wohl mehr etwas mit der Regie zu tun hatten – musste Andreas Döhler hinnehmen, auch Johannes Chum blieb davon nicht zur Gänze verschont – natürlich deutliche Buhs für Nicolas Stemann (Regie), Katrin Nottrott (Bühne) und Marysol del Castillo (Kostüme), denen aber kräftige Bravos für diese sehenswerte Produktion gegenüberstanden.
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    • Da muss man wohl wirklich im Theater sein, um den vollen Genuss zu haben, denn die aufgenommene Übertragung sah ich bis jetzt höchstens bis zur Hälfte, obwohl ich mich sehr freute, dass Olivia Vermeulen erneut eine gute Rolle bekommen hat . Da sieht man mal wieder, wie sehr sich Wettbewerbsjuroren irren können (sie flog leider viel zu schnell aus dem ARD-Wettbewerb). Das Publikum hat sie gleich geliebt und in Berlin scheint es auch so zu sein. Ein Fan von Günther Papendell bin ich ja noch aus den Zeiten seines Studiums in München.

      Danke Alviano für den, wieder sehr guten Bericht. Jetzt werde ich diese Operette sicher bald bis zum Ende anschauen.
      :wink: Ingrid

      PS. Am 6.6. war ich ja hier in der Carmen und heute hat ein weiterer Publikumsliebling dieses Wettbewerbs (Falko Hönisch) u.a. die Dichterliebe (Schumanns 200. Geb.) in München gesungen und ich bin immer noch hin und weg.
    • Auch mir hat diese "Périchole" in der Fernsehübertragung sehr gut gefallen (jedenfalls viel besser als die plumpe Pariser Inszenierung von und mit Jerome Savary, die ich vor ein paar Jahren auf DVD sah). Bei dem Feuerwerk an Einfällen, das die Regie abbrannte, blieben nur die beiden Hauptfiguren Périchole und Piquillo merkwürdig blass, und Karolina Gumos und Johannes Chum konnten nach meinem Empfinden weder gesanglich noch schauspielerisch besondere Akzente setzen.
    • Ich habe mal eine ganz naive Frage: was hat Tristan und Isolde (und Wagner überhaupt) in Offenbachs Perichole zu suchen?
      Ich habe diese Operette auch schon live auf der Bühne gesehen (in Lille mit Stephanie d'Oustrac in der Titelpartie) und der Zusammenhang, den der Regisseur in Berlin herstellt, erschliesst sich mir leider gar nciht.
      Was ich bestens nachvollziehen kann ist, dass man den Inhalt keinesfalls nur komisch finden/darstellen muss, sondern es auch eine sozialkritische Seite gibt. Die armen Strassensänger, die sich quasi verkaufen müssen um zu überleben und dagegen die Dekadenz des Hofes. Aber mit einer Liebestragödie à la Tristan hat das beim besten Willen ncihts zu tun. Und wenn doch, muss man mir das bitte mal genau erklären.



      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Local Hero schrieb:

      Auch mir hat diese "Périchole" in der Fernsehübertragung sehr gut gefallen (...) Bei dem Feuerwerk an Einfällen, das die Regie abbrannte,


      Was ja auch ganz wörtlich zu nehmen ist: das ist doch eine grandiose Szene für eine Operette, wenn tatsächlich eine Glitzerwelt mit Feuerwerk auf die Bühne gebracht wird und dennoch gleichzeitig die (ironische) Distanz zum gezeigten quasi mitinszeniert wird. Oder allein die Kostüme (nicht nur) für Périchole und den Vizekönig im zweiten Akt, das ist schon auch was fürs Auge.

      (...) blieben nur die beiden Hauptfiguren Périchole und Piquillo merkwürdig blass, und Karolina Gumos und Johannes Chum konnten nach meinem Empfinden weder gesanglich noch schauspielerisch besondere Akzente setzen.


      Johannes Chum habe ich als Nerone ("Poppea", Monteverdi) und Belmonte ("Entführung", Mozart) schon wesentlich besser gehört, Karolina Gumos steigerte sich im Laufe des Abends etwas, darstellerisch fand ich beide soweit in Ordnung, wenngleich (im Verhältnis zum restlichen Ensemble) etwas steif.

      Liebe Ingrid,

      obwohl ich mich sehr freute, dass Olivia Vermeulen erneut eine gute Rolle bekommen hat .


      wenn Olivia Vermeulen die Mezzosopranistin ist, kann ich berichten, dass mir diese Stimme sofort positiv aufgefallen ist. Aber die "Drei Damen" waren insgesamt sehr engagiert bei der Sache (Piquillo zitiert auch an einer Stelle die "Zauberflöte"...)

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Bevor ich auf diese Inszenierung eingehe, die mir, im Gegensatz zu Alviano, leider überhaupt nicht gefallen hat (auf der Basis der TV-Übertragung, notabene, aber ich glaube nicht, dass mein Einruck im Theater ein gänglich anderer gewesen wäre), zwei Informationen:

      @ Alviano
      Olivia Vermeulen kennst Du auch als Severina aus Bieitos Inszenierung der ARMIDA. Vielleicht erinnerst Du Dich noch. Als die Stimmführerin (?) der drei Cousinen hat sie das damalige Lob bestätigt, das ich ihr zollte.

      @ Fairy Queen
      Wagners TRISTAN oder konkreter das Sehnsuchtsmotiv daraus hat mit Offenbach und der PÉRICHOLE in der Tat nichts zu tun außer der ungefähren Entstehungszeit, und ich finde das permanente Zitat dieses Motivs ebenso wie den kräftig störenden Arbeiter auch keineswegs einen Beleg dafür, dass der Regisseur die ernste Seite der Oper zur Geltung kommen lässt, sondern im Gegenteil einen zunehmend platten Verweis darauf, dass er am liebsten ein ganz anderes Stück inszeniert hätte und deshalb auch das ihm vorliegende drastisch umgeschrieben hat.

      Keine Goldene Karosse

      Eigentlich kann man diese Aufführung nicht mit Jacques Offenbachs LA PÉRICHOLE überschreiben, sondern allenfalls als eine Revue nach Motiven von Meilhac und Halévy unter Heranziehung einiger Hits aus der genannten Operette Offenbachs bezeichnen. Ich habe ja normalerweise keine Probleme mit derartigen Zitaten historischer oder anderer Parallelen, wenn sie dem besseren Verständnis des Stückes dienen, aber doch erhebliche Schwierigkeiten damit, wenn man ein Stück nicht ernst nehmen kann und in einer unverdauten Reminiszenz an das Brechtsche Verfremdungstheater partout sein eigenes Werk daraus basteln muss. Wenn man historische Parallelen suchen will, welche die gesellschaftlichen Untiefen dieses Stückes ausloten helfen, dann böte gerade bei diesem Stück nichts besser an als die Vorlage Prosper Mérimées, der Einakter LE CAROSSE DU SAINT SACREMENT; aus der Renoir seinen schönen Film LA CAROSSE D'OR mit Anna Magnani gemacht hat. Das ist nämlich dieselbe Geschichte, die sich auch Meilhac und Mérimée ausgewählt haben, und zwar durchaus mit der Absicht einer satirischen Gesellschaftskritik, die im Original immer wieder durchschimmert und auch zum Durchbruch gebracht werden kann, wenn man sie nur erkennen wollte.

      Aber man muss sich natürlich schon ein bisschen mit dem Hintergrund des Stückes auskennen, das man inszeniert, wenn man seine eigenen übergelagerten Absichten aus dem Stück herausholen will statt sie ihm aufzupropfen. Die Reminiszenzen an TRISTAN ebenso wie die an den Aufstand der Pariser Kommune oder gar der Niederlage von Sedan, von der Offenbach 1868 naturgemäß noch keine Ahnung haben konnte, sind keineswegs erhellend, sondern schlicht eine Vergewaltigung des Stoffes, der es verdient hätte, dass man ihn ernster nimmt. Aber das konnte und wollte wohl niemand unter den Beteligten.

      So ist es denn auch erklärlich, und hier stimme ich Alviano vollkommen zu, dass man sich zwar "redlich um Offenbachs Musik bemüht, nicht immer wirklich mit Erfolg". Gelegentlich, wie in dem anspruchsvollen Ensemble vor der Pause, ist das musikalische Niveau sogar richtig schlimm, und man denke besser nicht daran, was ein Minkowski oder Yves Abel aus diesem Stück hätten machen können. Dazu hätte es allerdings auch einer Übersetzung bedurft, die weniger von didaktischen Absichten als von musikalischem Gehör und besserem Sprachgefühl hätte geprägt sein müssen. Eine Zeile wie "Ah, que les hommes sont betes" mit einem endlos ausgewalzten "Mein Gott, wie sind die Männer dämlich" zu übertragen, ist jedenfalls kaum herrlich zu nennen. Man höre sich einmal an, was Régine Crespin aus diesem Chanson macht. Leider gibt es das nicht auf YouTube, aber einen Eindruck von dem gigantischen Qualitätsunterschied geben auch diese Auszüge mit Régine Crespin ("http://www.youtube.com/watch?v=CBK1eJKVO3Y") oder Anne Sofie von Otter ("http://www.youtube.com/watch?v=gf3NmS0LJQA&feature=related"). Von Dergleichen, selbst mit einigen gerne konzedierten Abstrichen an die Sprache, kann man hierzulande offenbar nur träumen.

      So aber ist leider wieder einmal zu konstatieren, dass eine weitere deutsche Offenbach-Aufführung allenfalls marginale Berührungspunkte mit dem Stück hatte und in erster Linie als Selbstbefriedigungsvorlage für ein Regieteam diente. Ich bitte, mich hier nicht misszuverstehen: ich habe nichts gegen Versuche, alte Stücke für den heutigen Konsum im Interesse eines besseren Vrständnisses oder des emotionaleren Zugangs zu adaptieren und ggf. auch zu verfremden. Voraussetzung für die Legitimität eines solchen Versuches ist aber, dass man die Vorlage ernst nimmt statt sie dermaßen ungehobelt zu desavouieren. Das ist nämlich genau die Praxis, mit der uns überhebliche Kulturschaffende über Jahrzehnte hinweg um einen kaum ersetzbaren Teil unseres musikalischen Erbes gebracht haben.

      Das ist auch keine Nostalgie nach dem Staubitheater, sondern ein Appell, ein Stück nicht immer nur als ein Pferd zu behandeln, das von einem Regisseur zugeritten werden muss. Wer sich also mit Entsetzen von der Übertragung abgewandt hat, der sei versichert, dass auch diese Offenbach-Operette wesentlich besser ist als sie einem hier verkauft wird. Man mag gar nicht daran denken, was ein Laurent Pelly daraus gemacht hätte und hoffentlich eines Tages auch noch machen wird.

      Gemessen an diesem groben Missverständnis, um nicht von Missbrauch zu sprechen, fallen ein paar in der Tat hübsche Bildideen wie die Smilie-Gesichter des verlogenen Volkes kaum ins Gewicht, auch wenn ich gerne zugestehe, dass auch solche Einfälle vorhanden waren und funktionierten, bis sie, was leider immer wieder geschah, bis zum Überdruss breitgetreten wurden.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Périchole

      Schön, dass es eine kontroverse Meinung zu dieser sehenswerten Produktion der Offenbach-Operette "La Périchole" gibt, die mir allerdings im Detail nicht nachvollziehbar ist, aber das spielt keine grosse Rolle. Hauptsache, man wird neugierig auf diese Produktion und schaut sich an, wie Operette heute auf der Szene funktionieren kann, wenn ein Regisseur wie Nicolas Stemann mit seinen Mitteln Offenbach inszeniert. Neben Marthalers "Grand-Duchesse" ist diese "Périchole" ein echter Lichtblick in Sachen Offenbach, der natürlich auch irritieren und verstören kann.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Lieber Rideamus, danke für diesen weiteren Ohren/Augenzeugen- Bericht aus der Feder eines Offenbach-Kenners und Liebhabers, der zudem Offenbach auch als Offenbach sui generis als Lichtblick empfindet und dazu keine Verfremdungen braucht. Offenbach Lichtblicke waren für mich bisher vor allen Dingen Laurent Pelly/ Marc Minkowksi und ich fürchte nach wie vor, dass in deutschen Händen noch ncihts Gescheites auf demselben Niveau enstanden ist. Nach der deutschen Übersetzung habe ich aus naheliegenden Gründen besser gar nicht erst gefragt...... :o:
      Ich wüsste aber trotzdem gerne von einem der Fans dieser Aufführung, inwieweit die starke Einbindung des Tristan aus der Sciht des Regisseurs zu verstehen ist. Evtl erschliessen sich da ja Zusammenhänge, die mir bis dato unbekannt sind. Rein "spirituell" dürften zwischen Wagner und Offenbach Welten liegen und die jeweiligen Liebesgeschichten schienen auf den ersten naiven Blick nciht das Geringste gemein zu haben. Aber ich gebe die Hoffnung nciht auf, dass mir da noch jemand die Augen öffnet.
      Sollte es mir jedenfalls je passieren, dass ich in einem Theater Offenbach hören möchte und statt dessen mit Wagner beschallt werde, werde ich wahrscheinlich die ersten Buh-Rufe meines Lebens loslassen. Es sei denn, der Regisseur hat ausser eigener Geltungs- und Gefallsucht eine sehr triftige ästhetische Erklärung dafür. Was würde wohl ein Parsifal-Fan tun, wenn man ihm als Weihefest-Vorspiel Offenbachs Cancan liefern würde???????? ?(

      F.Q.
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    • Wagner & Offenbach

      FairyQueen schrieb:

      Rein "spirituell" dürften zwischen Wagner und Offenbach Welten liegen und die jeweiligen Liebesgeschichten schienen auf den ersten naiven Blick nciht das Geringste gemein zu haben. Aber ich gebe die Hoffnung nciht auf, dass mir da noch jemand die Augen öffnet.


      Liebe FQ, ich bin kein wirklicher Kenner der Pariser Operette, aber da ich den Thread hier gelesen [die in Frage stehende Aufführung aber nicht gesehen!]habe und gestern mehr oder zufällig über diese Stelle aus Adornos "Quasi una fantasia" gestolpert bin, möchte ich sie Dir nicht vorenthalten, erhellend in Bezug auf Deine Frage scheint sie mir jedenfalls schon (trotzdem von anderen einzelnen Werken die Rede ist):

      Die im Hellen ihrer Zeit misstrauisch und feindselig sich mieden, im Geheimen begegnen sie sich: Wagner und Offenbach im roten Salon der gottverlassenen Liebe. An der Stelle nach der Romerzählung, da der Verworfene weiterlebt ohne Hoffnung und zum zweiten Male in die Beleuchtung der Venus eintritt: Zu dir, Frau Venus, kehr ich wieder / in deiner Zauber holde Nacht - wie mahnt nicht die künstliche, wintergartenhafte Transparenz an Offenbach, an den Walzer der Helena, an Hoffmanns Erzählungen; beim Worte Hold die Antezipation der Tonika unter der Sextakkord der siebenten Stufe, der verminderte Septimakkord, die Triolenschnörkel der Singstimme könnten aus Dapertuttos Spiegelarie zitiert sein, die Giuliettas zweites Opfer gewinnen hilft. Wie dünn ist die Hülle, welche die bedrohliche Schicht von der Oberwelt sondert und die Ordnung darüber eben noch beschützt. Bei Offenbach mengen sich die Sphären im Rausch der Parodie ohne Scheidung und Sieg; bei Wagner bietet das wache Entsetzen eben noch eine Erlösung auf, an die nicht einmal Wolfram recht glaubt, der in der Angst der Begierde zu zittern beginnt. Was aber wäre aus der Oper der neunzehnten Jahrhunderts geworden, hätten Offenbach und Wagner die Unterwelt ihrer Sänger, des Orpheus und des Tannhäuser, ernstlich freigesetzt. Dann erst wäre der Umschlag gewonnen, wenn sie dort Einlass gefunden hätten. Wäre Elisabeth, mit der Geste, die sie auf der Höhe des zweiten Aktes findet, dem Tannhäuser in den Venusberg gefogt, er hätte den Landgrafen und seine Sippe endlich verjagt und in den leeren Himmel verbannt.

      Habe die Tannhäuser-Bezüge mitzitiert da ich aus dem entsprechenden Thread weiß dass Du dieser Oper sehr kritisch gegenüberstehst, vielleicht ein wenig in Verkennung ihrer unterschwelligen Ambivalenz. Wenn man nun den Tristan als das deutlich sinnen-bejahendere (mit Einschränkungen!) Werk sieht, so ist eigentlich die Nähe zu den Metellas und Pericholes doch klar gegeben, nämlich im Sinn der erotischen Rebellion die Adorno hier "roten Salon" nennt ;)
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      Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi
    • FairyQueen schrieb:


      Nach der deutschen Übersetzung habe ich aus naheliegenden Gründen besser gar nicht erst gefragt...... :o:


      Bei der Kritik in der nmz findet man, dass die deutsche Übersetzung von Bernd Wilms stammt, dem ehemaligen Intendanten des Deutschen Theaters Berlin.. Die Kritik in der nmz gibt übrigens recht gut meinen Eindruck wieder:

      Die ständigen Brechtschen V-Effekte eines Spiels im Spiel im TV (das tatsächlich live, aber zeitversetzt in 3sat übertragen wurde) verhindern bis zur Pause, dass das Spiel in Gang kommt. Gerade einmal aufgebaute Emotionen versanden durch ständige Unterbrechungen, durch die Ansagen per Micro, Aufforderung zur TV-Publikumsabstimmung per Telefon etc.

      Offensichtlich wird es nach der Pause besser, da werde ich mir den zweiten Teil der Aufzeichnung anschauen. Der erste Teil langweilte gerade durch die Vielzahl der Unterbrechungen, Zitate, Einreden, weniger wäre mE mehr gewesen. Nun ja, vielleicht überzeugt mich ja der zweite Teil.

      Liebe Grüße Peter
      (der in der Komischen Oper sicherlich nicht das Theater in der Pause verlassen hätte)
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • RE: Périchole

      Lieber Peter,

      im zweiten Teil wird es tatsächlich etwas besser, ohne dass es m. E. wirklich gut wird. Wenigstens aber werden die Varieté-Einlagen reduziert. Das Problem, dass man sich immer wieder fragt, warum sich der Regisseur ausgerechnet dieses Stück vorgenommen hat, das er augenscheinlich (von ohrenscheinlich ganz zu schweigen) überhaupt nicht schätzt, bleibt jedoch.

      Alviano schrieb:

      Schön, dass es eine kontroverse Meinung zu dieser sehenswerten Produktion der Offenbach-Operette "La Périchole" gibt, die mir allerdings im Detail nicht nachvollziehbar ist, aber das spielt keine grosse Rolle. Hauptsache, man wird neugierig auf diese Produktion und schaut sich an, wie Operette heute auf der Szene funktionieren kann, wenn ein Regisseur wie Nicolas Stemann mit seinen Mitteln Offenbach inszeniert. Neben Marthalers "Grand-Duchesse" ist diese "Périchole" ein echter Lichtblick in Sachen Offenbach, der natürlich auch irritieren und verstören kann.
      Lieber Alviano,

      wie Du weißt, sind wir weitaus häufiger einer Meinung gewesen als anderer, aber dass die Operette auf der Szene so funktionieren kann, gar eine "sehenswerte Produktion" sei, ist genau der Punkt, den ich bestreite. Zum einen, weil die Operette gar nicht erst stattfinden kann, und zum anderen, weil Stemann mit seinen Mitteln Offenbach nicht inszeniert, sondern desavouiert. Oder wie anders wäre der Hinweis zu verstehen, dass Offenbach auf halbem Weg zwischen der Pariser Kommune und der Niederlage von Sedan eine Komödie verfasst? Warum fehlt jeglicher Hinweis auf die Sozialkritik, die Meilhac, Halévy und auch Offenbach haufenweise in ihr Libretto verpackt haben? Warum muss statt dessen die Regie permanent mit eigenen Einfällen triumphieren - bis hin zu dem in jedem Wortsinn deplatzierten Arbeiter mit seinen Reminiszenzen an den Aufstand der Kommune in einem ganz anderen Erdteil und Jahrhundert, an dessen Stelle man bequem einen der ausgebeuteten Indios hätte setzen können, die schon der zweite Satz des Librettos vorsieht. Das wirft nämlich sehr wohl einen kritischen Blick auf die sozialen Missstände des ausgewählten Milieus - natürlich im Rahmen der damals von der Zensur gegebenen Möglichkeiten, die man aber heute locker steigern könnte ohne eine ganz andere Argumentation einzuführen und die auch noch in ziemlich plumper Weise mit einer - wenn ich richtig höre und erinnere - auch instrumental simplifizierten Banalisierung des Tristan-Motives zu unterstreichen.

      Tut mir Leid, aber hier versucht ein Schauspielregisseur Musik zu machen, der damit wenig vertraut ist. Das werfe ich ihm gar nicht vor, wohl aber, dass er sich in totaler Selbstüberschätzung über sie erhebt und sie fast als notwendiges Übel mit Ansagen der Musiknummern à la DREIGROSCHENOPER behandelt.

      Falls das Detail doch etwas zur Sache tun sollte, bin ich gerne bereit, es zu diskutieren, aber ich will niemanden langweilen, der ohne Kenntnis der Aufführung mitliest. Marthalers GRANDE DUCHESSE kenne ich leider (noch) nicht, aber ich hoffe inständig, dass sie wirklich mehr ein Lichtblick ist als dieses zwar bunt schillernde, aber ansonsten ziemlich düstere Kapitel deutscher Offenbach-Inszenierungen, das keineswegs die unterstellte Ehrenrettung des Werkes darstellt. Ganz im Gegenteil: solch bösartige "Solidarität" hat es wirklich nicht nötig.

      Das heißt nicht, dass ich die von Local Hero mit Recht kritisierte Inszenierung aus Genf (war die vorher in Paris?) mit Maria Ewing und Gabriel Bacquier (die allerdings viel besser waren als ihre Berliner Gegenstücke) viel besser finde, nur, weil sie weniger kontrovers ist. Tatsächlich kenne ich noch keine gelungene Inszenierung des Werkes, die auch seine sozialkritischeren Dimensionen angemessen erfasst. Auch Renoir hat das in seinem Film kaum versucht. Das didaktische Verfremdungstheater, das Stemann bietet, ist aber kaum die richtige Lösung - schon gar nicht, wenn auch noch die musikalische Dimension, die ja nicht ganz unwichtig ist, so mager ausfällt, dass man schon die Ausführung der ziemlich werkfremden Tristan-Akkorde loben muss um überhaupt etwas Positives daran zu finden.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Rideamus schrieb:

      (...) zum anderen, weil Stemann mit seinen Mitteln Offenbach nicht inszeniert, sondern desavouiert.


      Dass ich diese Auffassung nicht teile, ist klar. Stemann nimmt das Stück durchaus ernst, nur mag natürlich sein, dass das, was er in dem Stück findet, gerade dem konservativem Theaterfreund nicht gefällt und natürlich ist auch die Form der Inszenierung nicht jedermanns Geschmack. Dass sich die Beschäftigung mit ihr lohnt, zeigt schon dieser Thread - auch wenn die Kritik bislang nur an der Oberfläche entlangschrammt und nicht zwingend ist.

      Im Übrigen glaube ich, dass selbst die Leute, die am Sonntag mit der Produktion auch so gar nichts anfangen mochten, sich zumindest nicht gelangweilt haben - im Gegenteil, die waren dann doch sehr erregt.

      Das war für mich ganz klar einer der besseren Abende, die ich in der letzten Zeit gesehen habe und natürlich würde ich es begrüssen, wenn Nicolas Stemann, dessen Schauspielproduktionen (muss ich es erwähnen?) von mir sehr geschätzt werden, einmal wieder Musiktheater machen würde.

      Meine Lust, mir das "weisse Rössl" in der kommenden Saison an der "Komischen Oper", wo Sebastian Baumgarten Regie führen wird, anzuschauen, ist durchaus gewachsen.

      Nebenbei: Marthaler geht natürlich mit einer ganz anderen Erzählweise an die "Grossherzogin" heran, die Dekonstruktion würde ich allerdings als deutlich weitergehend bezeichnen, als man das bei Stemann sehen kann.
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    • Lieber Rideamus,



      eine Inszenierung wie die von Stemann wird notwendigerweise Kontroversen hervorrufen (und sie ist ja auch von der professionellen Zeitungskritik, so weit ich im Internet gesehen habe, ordentlich gezaust worden). Richtig ist sicher, dass Steman die Personen und die Handlung nicht besonders ernst nimmt. Das ist aber auch nicht ganz unverständlich, denn was sich die Librettisten Meilhac und Halévy da als handlungstreibende Momente ausgedacht haben, ist schon ziemlich abstrus: ein peruanischer "Vizekönig" darf sich jede Frau offen als Mätresse nehmen, nur schon verheiratet muss sie sein; der jugendliche Held heiratet in betrunkenem Zustand seine Geliebte ohne sie zu erkennen (er denkt er heiratet eine andere, don't ask why...); ein Gefängniswärter entpuppt sich wiederum als der Vizekönig etc. Stemann lässt die aberwitzige Handlung nicht spielen, er stellt sie als solche aus, "dekonstruiert" sie meinetwegen. Aber er tut das mit so viel Spielwitz und Ideen, dass das Ergebnis (für mich) wiederum sehr unterhaltsam geraten ist.

      Und ich würde auch nicht sagen, dass die Inszenierung deswegen Offenbach "desavouiert". Da hat Alviano schon recht, Stemann nimmt das Stück als Operette und die Operette als Gattung durchaus ernst und versucht sie mit seinen spezifischen szenischen Mitteln auf Funktion und gesellschaftlichen Kontext zu befragen. Das mag als Grundhaltung im Jahr 2010 nicht mehr superoriginell sein, bestimmte Einfälle wie der fahnenschwingenden Arbeiter im ersten Akt sind vielleicht zu sehr ausgewalzt, aber spannend und diskussionswürdig ist diese Aufführung allemal.

      Die Inszenierung von Jerome Savary, die ich in meinem ersten Posting erwähnte, ist eine Aufzeichnung von 2001 aus der Pariser Opéra Comique, mit Elise Caron, Eric Huchet und Savary als Vizekönig in den Hauptrollen. Ich hatte sie mir als DVD aus Frankreich bestellt, und war hinterher mehr als enttäuscht. Im Vergleich dazu ist Stemanns Version zigmal interessanter. Aber da stimme ich dir zu: die "Périchole" mal von Laurent Pelly inszeniert, vielleicht mit Natalie Dessay - das würde ich auch liebend gerne sehen.
    • Lieber Alviano,

      deine wie immer gut geschriebene Kritik, habe ich wieder gerne gelesen. Nur eine Petitesse zur Formulierung:

      Alviano schrieb:

      Die „Pariser Commune“ wird gebildet, ein revolutionärer Stadtrat nach sozialistischem Vorbild


      Nach welchem "sozialistischen Vorbild"? :D Die Pariser Commune war das Vorbild, bei aller Kritik im einzelnen auch für Marx, davor gab es keine anderen Vorbilder, weder in der Theorie, noch praktisch, sieht man von den frühsozialistischen Modellprojekten ab, die aber weder die Communarden, noch die Sozialisten nach der Erfahrung der Commune wesentlich beeinflußt haben. Rätedemokratische Gedanken etwa entwickeln und verbreiten sich erst in und durch die Commune.

      :wink: Matthias
    • RE: RE: Périchole

      Rideamus schrieb:

      Lieber Peter,

      im zweiten Teil wird es tatsächlich etwas besser, ohne dass es m. E. wirklich gut wird. Wenigstens aber werden die Varieté-Einlagen reduziert. Das Problem, dass man sich immer wieder fragt, warum sich der Regisseur ausgerechnet dieses Stück vorgenommen hat, das er augenscheinlich (von ohrenscheinlich ganz zu schweigen) überhaupt nicht schätzt, bleibt jedoch.


      Ich habe gerade noch einmal - um mich der Zahl zu vergewissern - in das Interview hinein gehört, das Peter Konwitschny im Zusammenhang mit der "Alkestis"-Inszenierung gab. Dort sprach er von 90% der Inszenierungen, die seiner (und seiner Kollegen) Meinung nach Schrott wären Offensichtlich geraten diese Inszenierungen nur in den Blickwinkel Konwitschnys, ansonsten wird man, nur weil einem eine Inszenierung nicht gefällt, zum konservativen Opernfreund gestempelt, Das empfinde ich als ein Lagerdenken, das gerade dem Musiktheater nicht gut tut. Erregt hat mich die Inszenierung übrigens nicht, sie hat mich nur auf die Dauer (durch die ständigen Wiederholungen von als Gag gemeinten Aktionen) gestört, weil sie der Musik den Pfiff nahm. Wenn man die Périchole nicht kennt, wird einem das natürlich anders gehen können. Im übrigen sind die Verhältnisse am Bildschirm immer andere als in einer Aufführung.

      Kurzum, gerade weil ich ein Freund des Musiktheaters bin, werde ich mE misslungene Versuche als misslungene Versuche kennzeichnen. Mit Eingriffen in die Handlung habe ich kein Problem, Eingriffe in die Musik beäuge ich erst mal misstrauisch, da muss man mich überzeugen. Das ist durchaus Inszenierungen gelungen, dieser nicht.

      Ach ja, da ich nun beim Leser (im Wagnerforum) mal nachschaue, finde ich, dass in der taz zu lesen ist: Gegen all dieses Nichtaufführen eines Stücks wäre nichts zu sagen, wäre das, was stattdessen geschieht, nicht so quälend langweilig. Da hat sich wohl einer auch nicht genug aufgeregt. Aber wenn man weiß, was ein Konwitschny daraus gemacht hätte, an den der Rezensent erinnerte ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Lieber Matthias,

      völlig richtig, da habe ich in der Verknappung unklar formuliert. Für mich war an diesem Abend in Berlin gerade dieser Zeitbezug zu den Tagen der Commune und ihrem blutigen Ende sehr interessant, weil er uns heute lebenden Menschen vergegenwärtigt, in welchem Umfeld die Musik des Jacques Offenbach ursprünglich erklungen ist. Es sind griffige Bilder, wenn das Amusement, das Leichte, das Heitere immer wieder versucht, die Oberhand zu gewinnen und der Arbeiter der "letzten Tage der Commune" verzweifelt (und die Ambivalenz zwischen Ernst und (Tragi)Komik der Situation perfekt auslotend) versucht, sich Gehör zu verschaffen und das doch auch sehr "heutig" wirkt.

      :wink:

      Lieber Local Hero,

      (...) Stemann nimmt das Stück als Operette und die Operette als Gattung durchaus ernst und versucht sie mit seinen spezifischen szenischen Mitteln auf Funktion und gesellschaftlichen Kontext zu befragen


      Das hat mir auch sehr gut gefallen. Wobei Stemann schon auch der Oberfläche des Stückes "La Périchole" mit einer gewissen kritischen Haltung begegnet. Dass einem Schauspielregisseur die "offene" Form der Operette (zumindest im Vergleich zur doch oftmals viel geschlosseneren der Oper) entgegen kommt, ist klar: Zäsuren, Einschübe, das alles ist problemlos möglich und das macht Stemann auch wirklich geschickt, unterstützt vom Dirigenten der Aufführung.

      Für mich auch eine grosse Qualität dieser Arbeit: dass das Unterhaltung im besten Sinne ist: es gibt wirklich komische Situationen, aber auch Umschwünge, die fast etwas abgrundtief trauriges haben, dem Auge wird was geboten und dem Kopf auch. So kann Operette heute aussehen und so ist sie meiner Meinung nach auch zukunftstauglich.

      Natürlich ist klar, das eine solche Interpretation, eine solche szenische Lösung Protest hervorruft. Man kann es hier lesen: da wird von "Desavouierung", gar von "Vergewaltigung" des Komponisten gesprochen (allein schon die Begriffe sind drei Nummern zu gross), die gesamte Klaviatur der konservativen Kritik an zeitgemässen Aufführungen wird herangezogen, dem Regisseur unterstellt, sich für das Stück nicht wirklich zu interessieren, Elemente einzubringen, die mit dem Stück nichts zu tun hätten, gar mehr Nähe zum Libretto wird eingefordert, mit der Produktion selbst hat das allerdings alles nichts zu tun, die muss man nicht mögen, diskussionswürdig ist sie allemal.

      Eine sehr schöne Besprechung der Aufführung von Jürgen Otten findet sich übrigens heute in der "Frankfurter Rundschau" wieder.

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Alviano schrieb:

      die gesamte Klaviatur der konservativen Kritik an zeitgemässen Aufführungen wird herangezogen,
      Lieber Alviano, warum ist das konservative Kritik an zeitgemässen Aufführungen, wenn man sich z.B. fragt, was Wagners Tristan- Vorspiel in der Perichole zu suchen hat? Eine Frage, die Du mir immer noch nciht beantworten konntest oder wolltest!
      Ich frage daneben auch noch einmal : was würde wohl passieren, wenn demnächst bei einer Parsifal-Aufführung Offenbachs Cancan statt des Vorspiels erklänge? Ist das dann auch auch zeitgemässe Aufführungspraxis und Kritik daran konservativ? Oder darf man so nur mit Operetten umspringen? ?(

      Lieber Recordatorio, danke für den Hinweis auf Adorno. Er ist doch immer wieder für Überraschungen gut! :yes:
      Ich sehe allerdings damit immer noch nicht die Parallele zwischen Tristan und der Perichole. Glaubst du dass der Regisseur Bezug auf Adorno nimmt? Und wie kan man hjer einen ähnlihen Bogen schlagen wie vom Tannhäuser zum Orpheus, ohne dass das an den Haaren herbeigezogen wirkt?

      Mir schient die Gesellschaftskritik bei Offenbachs Perichole ein wesentlicher Punkt zu sein, die Liebesgeschcihte ist eigentlich unwichtig/beliebig und auch nicht von besonderer Leidenscahft geprâgt. Gerade das ist beim Tristan genau umgekehrt.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • RE: Commune

      Alviano schrieb:

      Natürlich ist klar, das eine solche Interpretation, eine solche szenische Lösung Protest hervorruft. Man kann es hier lesen: da wird von "Desavouierung", gar von "Vergewaltigung" des Komponisten gesprochen (allein schon die Begriffe sind drei Nummern zu gross), die gesamte Klaviatur der konservativen Kritik an zeitgemässen Aufführungen wird herangezogen, dem Regisseur unterstellt, sich für das Stück nicht wirklich zu interessieren, Elemente einzubringen, die mit dem Stück nichts zu tun hätten, gar mehr Nähe zum Libretto wird eingefordert, mit der Produktion selbst hat das allerdings alles nichts zu tun, die muss man nicht mögen, diskussionswürdig ist sie allemal.

      :wink:
      Lieber Alviano,

      Wenn ich die Aufführung nicht diskussionswürdig fände, hätte ich mich nicht zu ihr geäußert. Ich habe auch keine Probleme damit, in die konservative Ecke gestellt zu werden, denn da gehöre ich vermutlich hin.

      Probleme habe ich jedoch damit, wenn dieser Begriff zur Herabwürdigung konträrer Ansichten herangezogen und mir unterstellt wird, ich würde wie ein Staubomat "eine solche szenische Lösung" ablehnen. Ich habe bei anderen Gelegenheiten (ich denke an Konwitschnys LAND DES LÄCHELNS) oft genug bewiesen, dass ich keine grundsätzlichen Probleme damit habe, dass ein Libretto weiter gedacht und das Ergebnis illustriert wird. In Konwitchnys Hamburger/Wiener DON CARLOS finde ich das vorbildlich gelöst, wenn auch der Autodafé-Akt meiner Ansicht nach daneben geriet.

      Um derartige Veränderungen sinnfällig und für mich akzeptabel zu machen, muss man mich aber zunächst davon überzeugen, dass sie sinnvoll, womöglich sogar notwendig sind, um bestimmte Aussagen des Werkes selbst einleuchtender zu machen oder, je nachdem, kritisch zu beleuchten. Diese Überzeugungskraft fehlt mir hier. Wenn das Einfordern von Respekt gegenüber einem zu inszenierenden Werk bereits als Ausdruck reaktionären Theaterverständnisses gilt, sei's drum. Es geht mir aber nicht um sklavische Librettotreue, sondern allein darum, ob die Dekonstruktion eines Werkes der Konstruktion eines besseren Verständnisses des Werkes dient oder seiner Destruktion. Nur wenn ich Letzteres ausschließen kann, bin ich gerne bereit, den Veränderungen - möglichst im Sinne der Vorlage - zu folgen. Dass es bei der Tendenz mancher Werke legitim ist, das zuweilen (siehe LAND DES LÄCHELNS) auch ausdrücklich gegen die Intentionen der Autoren zu tun, steht auf einem anderen Blatt. LA PÉRICHOLE gehört aber nicht zu diesen Werken, jedenfalls für mich.

      Was den Vorwurf angeht, ich hielte mich bei meiner Kritik, die in der hier gebotenen Kürze natürlich nicht so detailliert sein kann, wie es vielleicht wünschenswert wäre, nur an der Oberfläche auf, so widerspreche ich dem. Ich habe selbst einen Ansatz dafür vorgeschlagen, aus dem Werk selbst heraus kritische Fortschreibungen zu gewinnen, die natürlich, da hat Local Hero völlig Recht, notwendig sind, weil die Zeit seit der Uraufführung vor bald 150 Jahren nicht stehen geblieben und über manche damals leicht verstandene Konventionen hinweg gegangen ist. Ich finde es auch durchaus legitim, Zitate aus anderen Musikstücken zu bringen - mustergültig geschah das bei Pelly und Minkowsky in den CONTES D'HOFFMANN in Lausanne, die mit einem Zitat aus Mozarts DON GIOVANNI begann. Nur sollten solche Zitate, wenn sie schon nicht werkimmanent sind, wenigstens Sinn machen und nicht nur dazu dienen, auf Kosten vernachlässigten Potenzials zeitkritische Zusammenhänge zu generieren, die der Regisseur partout herstellen will, weil ihm zu dem Werk selbst nichts Rechtes eingefallen ist. Nicht jedes Aufpropfen führt zwangsläufig zur Veredelung einer Traube.

      Aber ich gebe hier ja auch nur meine Meinung kund und versuche sie zu begründen. Ich kann mich natürlich auch nur auf die Eindrücke vor dem Monitor beschränken, hatte aber da auch nicht den Eindruck, dass das Publikum vor Ort ungewöhnlich begeistert oder auch nur provoziert war.

      Wie auch immer: mir liegt es fern, Dir und anderen die Freude an dieser Aufführung oder gar die Vorfreude auf weitere vielversprechende Operettenaufführungen trüben zu wollen. Die Gratwanderung zwischen dumpfer Wunschkonzertdümpelei einerseits und überzogener Aktualisierung zeitkritischer alter Operetten andererseits ist in der Tat eine besonders schwere. Es stimmt: man sollte sich davor hüten, Abweichungen vom Libretto gleich als illegitimes Regietheater zu verdammen. Umgekehrt wird aber auch ein Schuh daraus: das standardmäßige Abbügeln jeglicher Kritik an provokanten Inszenierungen als Ausdruck konservativer Verknöcherung tut den wirklich kreativen Weiterentwicklungen eines Werkes durch entsprechend begabte Regisseure ebenso wenig einen Gefallen.

      Stemanns Ausweichen in die mit Versatzstücken aus dem "revolutionären" Theater der Nachkriegsdekaden vergagte Revue ist für mich nun einmal kein glücklicher Ansatz, die PÉRICHOLE einem heutigen Publikum nahe zu bringen. Zugegeben: das ist auch nicht leicht. Die offenbar einander ähnlichen Versuche in Paris und Genf von Jerome Savary, der schon lange nicht mehr auf der Höhe seiner frühen Einfallskraft ist, wie zuletzt seine katastrophale LUSTIGE WITWE in Dresden zeigte, belegen unübersehbar, dass man das Werk allein mit flach vergagter Illustration nicht in den Griff kriegen kann. Da bin ich ganz bei Local Hero und seinem Verweis auf Laurent Pelly, dessen LA VIE PARISIENNE im Zeitalter des Flugtourismus auch nicht gerade eine wörtliche Umsetzung des Librettos war und dennoch viel mehr Respekt vor dem Wesen des Werkes zeigte als Stemann. Hoffen wir also, dass er sich auch noch diesem Werk widmet, und beurteilen dann, wo Stemann steht.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Einschätzungen

      Lieber Peter,

      (...)sie hat mich nur auf die Dauer (...) gestört, weil sie der Musik den Pfiff nahm. Wenn man die Périchole nicht kennt, wird einem das natürlich anders gehen können.


      Diese Überlegung halte ich für abwegig. Das würde bedeuten, dass jemand, der die "Périchole" kennt, die Inszenierung von Stemann gar nicht gut finden kann, das ist ganz sicher nicht so. Vieles in diesem Bereich hat auch (vielleicht sogar überwiegend) mit persönlichem Geschmack zu tun.

      Das empfinde ich als ein Lagerdenken, das gerade dem Musiktheater nicht gut tut.


      Was will uns der Autor mit diesen dunklen Worten mitteilen? Diese Einschätzung halte ich auch für abwegig.

      Kurzum, gerade weil ich ein Freund des Musiktheaters bin, werde ich mE misslungene Versuche als misslungene Versuche kennzeichnen.


      Prima, so muss das sein!

      Da hat sich wohl einer auch nicht genug aufgeregt.


      Na, aber Nikolaus Halblützel ("taz") hat sich doch so erregt, dass er noch beim Schreiben seiner Aufführungsbesprechung ganz ausser sich ist. Das liest sich flott, bietet aber wenig erhellendes über die Produktion, seis drum.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • RE: Einschätzungen

      Ich weiß nicht so recht, warum es gleich ins Persönliche gehen muss, wenn jemand anderer Meinung ist.

      Alviano schrieb:

      Lieber Peter,

      warum denn gleich so angestossen?


      Ich bin weder angestoßen noch gleich angestoßen. Ich mochte die Inszenierung nicht und habe das geäußert. Ich habe auch gleich die Vermutung geäußert, dass sich Einiges im Opernhaus anders ansieht als am TV. Aber ich werde meine Meinung äußern und nicht die eines anderen.

      (...)sie hat mich nur auf die Dauer (...) gestört, weil sie der Musik den Pfiff nahm. Wenn man die Périchole nicht kennt, wird einem das natürlich anders gehen können.


      Diese Überlegung halte ich für abwegig. Das würde bedeuten, dass jemand, der die "Périchole" kennt, die Inszenierung von Stemann gar nicht gut finden kann, das ist ganz sicher nicht so. Vieles in diesem Bereich hat auch (vielleicht sogar überwiegend) mit persönlichem Geschmack zu tun.


      So ist es, deshalb braucht man sich auch nicht aufzuregen. Ich präzisiere: Wer die Musik von Offenbach kennt, hat seine Probleme mit der Inszenierung, denn die Musik erzielt nicht die Wirkung, wie ich sie von Offenbach kenne. Wenn in den Rezensionen immer wieder Wagners "Sink hernieder" als eines der emotionalen Zentren der Aufführung genannt wird, dann ist etwas falsch gelaufen, dann sind die Austariertheit und die wohl nuancierten Mittel Offenbachs perdu. Da spielt vieles mit, es beginnt mit dem alten Streitpunkt, mit der Sprache. Mir leuchtet gerade bei einer Komödie, die auch viel mit Gesprochenem zu tun hat, die Tatsache der Übersetzung ein, den notwendigen Verlust darf ich dennoch bemerken. Dann ist La Périchole eine (nicht) nur leichte Pariser Operette, bei der sich ein geistreich-witziger Text zu einer Musik mit großem Flair gesellt. Wenn man sich über Witziges lustig macht, wird in der Regel kein großer Spaß entstehen, vor allem droht das kritische Potenzial, das im Witz des Ausgangsstückes steht, verloren zu gehen. Das hat Auswirkungen auf die Sinnhaltigkeit der Musik, die so eng verbunden ist mit dem Text, dass im Original die Funken hin- und herfliegen. Es nimmt Musik und Sängern ihre Wirkung. Solche Wunderstücke wie "La clémence d'Auguste! oder "O mon cher amant" werden verschenkt. Manches mag auch an den Protagonisten der Operette liegen, die von den Nebenfiguren überspielt werden. Aber gerade die rasende Geschwindigkeit, die Offenbach mitbringt, wird hier zerkaut. Dr. Clarke schreibt bei klassik.com:

      Der mangelnde Spaßfaktor hat meiner Meinung nach zwei Ursachen. Einmal funktioniert das Timing der Inszenierung nicht. Es entsteht zu viel langweiliger Leerlauf, wo Offenbach und die Operette (ebenso wie die opéra bouffe’) rasantes Tempo verlangen, damit der Aberwitz zu Hochtouren aufläuft und seine Wirkung voll entfalten kann. Zum anderen braucht man für eine solche dekonstruierte Slapstick-Lesart Offenbachs, die prinzipiell absolut genre-gerecht ist, Darsteller, die das Groteske bravourös vermitteln können und blitzschnell von einer Stimmung in die nächste schalten können.


      Nun muss man festhalten, dass es bei Offenbach selbst durchaus kein reiner Spaß war, aber die Untertöne werden - so denke ich - bei musikalischer Intensivierung deutlicher als bei allem äußerlichen Riesenzeigefingern.


      Das empfinde ich als ein Lagerdenken, das gerade dem Musiktheater nicht gut tut.


      Was will uns der Autor mit diesen dunklen Worten mitteilen? Diese Einschätzung halte ich auch für abwegig.


      Sie geht offenbar einen anderen Weg als Du, aber sie ist nicht abwegig. Ein Lagerdenken bedeutet in diesem Fall: Wer eine Operninszenierung kritisiert, die sich als Musiktheater manifestiert, ist ein Gegner des Musiktheaters, also ein konservativer Musikfreund. Da sind gleich zwei logische Fehler enthalten, die Du selbst wohl auffinden kannst. Ideologien funktionieren nach dem Muster: Wer das Wort x gebraucht, ist notwendigerweise ein y. So kann man sich die Welt einfach machen. Ein "dunkles Wort", also ein hermetisches, muss man doch erst wohl deuten, bevor man es als abwegig halten kann :D
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)