Alfred Hitchcock - Seine besten Filme

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    • Auf einem Hitchcock kann man nicht stehen, also kam sein vorletzter Film gleich danach in den Player:



      Nach drei vielleicht schwächeren Filmen (Marnie, Torn Curtain, Topaz) dann doch noch einmal ein richtiger Knaller des Altmeisters und dabei 'Alt...' durchaus bewusst gewählt. Hitchcock war schon von Altersschwäche gezeichnet und zudem hatte seine Frau gerade einen Herzinfarkt erlitten. Und trotzdem konnte er sich noch einmal zu solch einem Meisterwerk aufraffen. Vielleicht bedingt durch die Rückkehr nach London, speziell Covent Garden.

      Truffaut, glaube ich, hat gesagt, dass das ein Film eines jungen Mannes wäre wegen seines filmischen Wagemuts. Und genau das stimmt. Für Hitchcock finde ich ihn äußerst brutal, aber unglaublich gut strukturiert, streckenweise sehr witzig mal wieder und filmisch mit kleinen und großen Sequenzen in bester Hitchcock-Manier ausgestattet.

      Wenn er selber nicht so viele grandiose Filme gedreht hätte, würde ich ihn unbedingt zu seinen 5 besten zählen.

      :wink: Wolfram
    • Und schon hatte mich Hitchcock wieder. Also weiter im Text. ^^



      Nach 'The Birds' gibt es ja einen, wohl von den meisten Kritikern, bis 'Frenzy' konstatierten Qualitätsabfall in seinem Werk. 'Torn Curtain' fällt darunter und er hat auch nicht die Dichte und auch nicht den Charme und Humor von z.B. 'North by Northwest' Aber trotzdem finde ich ihn ungemein spannend, klug aufgebaut und wiederum mit filmischen Kabinettsstückchen versehen. Die Mordszene ist grandios (leider trifft es gerade Wolfgang Kieling und das ist ein Jammer, war er bis dahin schlichtweg sensationell), die Bus-Sequenz ebenso, die ganze Atmosphäre der Bedrückung und Furcht wunderbar eingefangen. Natürlich ist das ein Blick von außen auf die DDR, obwohl Hitchcock im Vorfeld sie selber besucht hat. Aber seine Manie, v.a. im Studio zu drehen, bekommt dem nicht immer. Klar konnte er nicht an Originalschauplätzen arbeiten, aber man merkt doch schon manchmal, dass es ein Blick von außen ist.

      Größtes Manko für mich sind aber die beiden Hauptpersonen. Paul Newman nehme ich einfach den Wissenschaftler nicht ab. Und bei Julie Andrews erwarte ich immer, dass sie nun gleich zu singen anfängt. :D Lila Kedrova legt dagegen eine Sternstunde hin, auch wenn ihr Auftritt den Gesamtablauf vielleicht zu sehr bremst. Hansjörg Felmy ist wunderbar charmant-gefährlich, Günther Strack zum Glück noch nicht der gute ZDF-Onkel und Kieling zum Niederknien. Insgesamt, für mich, die Nebenrollen also besser als die Hauptrollen.

      Aber hin und her - der Film ist v.a. spannend und das so richtig!

      :wink: Wolfram
    • Und dann musste mal wieder Psycho dran.



      Ohne Frage ein filmisches Meisterwerk von der ersten bis zur letzten Minute. Vielleicht die langatmige Psychologenerklärung am Ende ausgenommen.

      Ich habe den Film lange, lange nicht mehr gesehen, weil für mich er ein großes Problem hat. Wenn man ihn einmal gesehen hat, hat sich der Ablauf, haben sich die entscheidenden Szenen so in das Gedächtnis eingebrannt, dass diese fruchteinflößende 'Schockstarre' nicht mehr so richtig funktioniert.

      Ich erinnere mich an meine erste Begegnung. Nicht wissend, wohin der Film gehen würde, saß ich quasi die ganze Zeit höchsterregt auf der Stuhlkante. Und wirklich von der ersten Minute an wenn die Kamera in das Hotelzimmer fährt. Dann das Auftauchen des Polizisten. Schiere Panik damals. Und so ging es weiter. Nur leider weiß man später, wo eigentlich die spannenden Knackpunkte des Films sind. Das soll dem Film als wirklich filmisches Meisterwerk keinen Abbruch tun. Aber ich glaube, die Erregung des ersten Sehens stellt sich nie mehr so richtig ein. Das ist übrigens etwas, was ich bei anderen Filmen von ihm so nicht kenne. Vielleicht weil ich die genaue Handlung irgendwann doch vergessen habe, vielleicht weil er in seinen anderen Filmen mehr auf Suspense in manchen Szenen und weniger auf relativ brutale Überrumpelung gesetzt hat.

      Aber, wie gesagt, es bleibt ein filmisches Meisterwerk. Natürlich ist die Duschszene schlichtweg sensationell. Und auch die schauspielerische Leistung, v.a. von Perkins ist beeindruckend. Und dass er einen der Stars nach der Hälfte des Films killen lässt, ist ein wunderbarer Dreh. Aber genau unter diesen Gesichtspunkten sehe ich heute v.a. diesen Film. Das ist schade und wird ihm auch nicht gerecht. Ich beneide jeden, der ihn zum ersten Mal schauen kann.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Größtes Manko für mich sind aber die beiden Hauptpersonen. Paul Newman nehme ich einfach den Wissenschaftler nicht ab. Und bei Julie Andrews erwarte ich immer, dass sie nun gleich zu singen anfängt.
      Ich finde die Hauptrollen schon gut, und Paul Newman nehme ich im Prinzip auch den Wissenschaftler ab. Allerdings wirkt er in der Tat ziemlich schwach bei den wissenschaftlichen "Diskussionen" mit dem DDR-Physiker. Das ist aber m. E. eher ein Inszenierungs- bzw. Regie-Fehler.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • maticus schrieb:

      Allerdings wirkt er in der Tat ziemlich schwach bei den wissenschaftlichen "Diskussionen" mit dem DDR-Physiker.
      Witzig, denn das fand ich noch eine seiner besten Szenen, v.a. in Kombination mit seinem Gegenüber und diesen völlig verwirrenden Formeln an der Tafel. Witzig und spannend zugleich.

      Was ich ihm aber eigentlich nicht abnehme ist die Kombination von Physiker, Spion, romantic lover. Und dann auch noch auf Julie Andrews fixiert. Da hätte ich mir eher Cary Grant gewünscht, der aber zeitlich natürlich nicht mehr passte.

      :wink: Wolfram
    • "Frenzy" finde ich auch absolut großartig.

      Die Filme nach "Die Vögel" mögen schwächer gewesen sein, auf einer absoluten Ebene betrachtet, aber ich möchte doch - sehr subjektiv gesehen - für Marnie mal eine Lanze brechen. Man kann diesem Film viel vorwerfen, daß er ein ungelungener Hybrid aus Drama und Thriller sei, daß er eine Menge mißverstandenen psychoanalytischen Gedankengutes enthalte, daß Sean Connery eine Fehlbesetzung sei, mag ja alles sein. Aber ich hab Marnie immer sehr geliebt, und ich würde sogar soweit gehen ihn als einen der unterschätzesten Hitchcockfilme anzusehen. Das mag aber daran liegen, daß ich ihn als Kind mal im TV sah (verbotenerweise :D ) und er mich wochenlang nicht losgelassen hatte. Damals gab es nicht so viele mediale Ablenkungen wie heute. Alles wirkte viel stärker nach. Ich gucke Marnie heut noch so einmal im Jahr und finde das damalige Erlebnis in Form zarter Nachbeben immer noch wieder...

      Ich sag ja, ein sehr subjektiver Eindruck, aber ich wollte ihn doch mal hierlassen :)



      Für etwaige Interessenten/innen gern nochmal das Linkbild, der Film kostet weniger als ne Schachtel Zigaretten.


      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • garcia schrieb:

      Das mag aber daran liegen, daß ich ihn als Kind mal im TV sah (verbotenerweise ) und er mich wochenlang nicht losgelassen hatte. Damals gab es nicht so viele mediale Ablenkungen wie heute. Alles wirkte viel stärker nach. Ich gucke Marnie heut noch so einmal im Jahr und finde das damalige Erlebnis in Form zarter Nachbeben immer noch wieder...

      Ich sag ja, ein sehr subjektiver Eindruck, aber ich wollte ihn doch mal hierlassen
      Dagegen kommt man natürlich nicht an. Gott sei Dank! Sonst müsste ich 'Der Schatz im Silbersee' in die Tonne treten. ;)

      Aber im Ernst, wie ist es schön, dass du auch heute noch dieses 'zarte Nachbeben' spüren kannst. Geht mir übrigens mit dem 'Silbersee' ähnlich, den ich vor Jahren noch mal im Kino gesehen habe. Das ist es ja, was man bei Filmdiskussionen nie vergessen darf: das eigene Erleben und da ist Subjektivität einfach nicht zu schlagen. ;) Ich habe 'Marnie' erst sehr spät kennengelernt und sehe ihn zwangsläufig mit anderen Augen. Was sicherlich schade ist.

      :wink: Wolfram
    • Nach vielen Jahren wieder einmal geschaut:



      Ich bin mir gar nicht sicher, ob das wirklich eines seiner absoluten Meisterwerke ist. Zunächst finde ich Tippi Hedren in den eher dramatischen Szenen wirklich überfordert. Dann ist Rod Taylor für mich auch nicht die ideale Wahl, weil einfach zu hölzern. Zudem ist man heute doch technisch ganz andere Lösungen gewohnt, wofür Hitchcock logischerweise nichts kann und was die Qualität des Films als solches im Auge des Betrachters nicht schmälern darf. Und trotzdem nehmen ihm diese technischen Schwächen einiges an Wirkung, auch wenn er damals durchaus ja das Beste bot, was die Tricktechnik zu bieten hatte.

      Vielleicht ist es aber v.a. die Vielschichtigkeit, die mir hier abgeht. Natürlich kann man 'The Birds' in unterschiedlichster Art und Weise interpretieren, aber ich habe immer das Gefühl, dass diese Deutungen auch ein wenig gewollt daherkommen, während sie in anderen Filmen klarer auf der Hand liegen, weil im jeweiligen Film stärkere Ansatzpunkte dafür vorhanden sind. 'The Birds' ist vordergründig zu sehr Unterhaltung und Horrorgeschichte, während man bei 'Vertigo' oder 'Rear Window' gar nicht daran vorbeikommt, tiefere Bedeutungen zu finden, andere Schichten freizulegen.

      Aber genug des Meckerns. 'The Birds' ist v.a. (und trotz aller technischer Schwächen) ein richtig gut gemachter, spannender, unterhaltsamer Film. Unterhaltung auf höchstem Niveau, was für mich schon einmal einen Wert als solchen darstellt. Und dann ist er natürlich ein Film, der alptraumhafte Bilder, jedenfalls für meine Generation (ich habe ihn als frühen Jugendlichen erstmals im TV gesehen) geradezu in unser Unbewusstsein eingegraben hat. Sehe ich z.B., wie vor einiger Zeit, mehrere Dutzend Krähen, wie sie sich zu bestimmten Tageszeiten immer gegenüber der Terrasse in den Bäumen sammelten, steht sofort 'The Birds' vor mir, denke ich augenblicklich an diesen Film. Nicht dass ich augenblicklich die Fenster verrammle, aber die Bilder sind da. Hitchcock hat es eben wirklich geschafft, in unser kollektives Unbewusstsein (wie gesagt mindestens für meine Generation) diese geradezu archetypische Bilder zu verankern. Das muss erst einmal ein Film schaffen.

      :wink: Wolfram


    • Ein Sonderfall in seinem Werk. Der einzige Stoff, den er zweimal verfilmt hat und für mich übrigens eines der seltenen Beispiele, wo das Remake besser ist als das Original.

      Die übliche Idee des unschuldig in kriminelle Machenschaften verwickelten Menschen bzw. Paares. So weit, so gut. Und auch dies wieder ein Film ohne sich aufdrängende tiefere Schichten. Aber das ist pure und gute, weil spannende Unterhaltung, weil einfach unglaublich gut inszeniert, sehr gut gecastet und mit dem gerüttelt Maß an typischen Hitchcock-Szene und -Einfällen ausgestattet. Was will man mehr für einen lauschigen, anspruchslosen Kinoabend? ^^

      Nein, vielleicht kein Meisterwerk innerhalb seines Oeuvres, aber vielleicht auch nur, weil er so viele noch bessere Filme gedreht hat. Allerdings muss man so flotte Unterhaltung erst einmal hinkriegen.

      :wink: Wolfram
    • Eigentlich hatte ich ihn vor gar nicht allzu langer Zeit gesehen, hatte aber trotzdem heute wieder einmal Bock auf ihn:



      Ich schwanke immer, ob in meinem Hitchcock-Kosmos Vertigo oder Fenster zum Hof die Krone gebührt. Im Moment neige ich eher dem letzteren Film zu.

      'Das Fenster zum Hof' ist an der Oberfläche ja zunächst einmal ein wunderbarer Unterhaltungsfilm, glänzend und spannend inszeniert, großartig gespielt, gefilmt, geschnitten etc. Aber bei der Einordnung Krimi, Liebesfilm, Komödie habe ich schon meine Schwierigkeiten. Denn dabei stößt man unweigerlich auf die vielen anderen Ebenen, die dieser Film eben auch noch hat und der ihn ebenso vielschichtig macht wie Vertigo.

      Zunächst ist es natürlich ein Film über Voyeurismus und auch das wieder auf mehreren Ebenen. Damit ist dieser Film vielleicht wirklich reinstes Kino. Denn Kino ist ja Voyeurismus. Jemand schaut, es wird gezeigt, was er sieht, dann sieht man die Reaktion beim Betrachter. Was sozusagen die Keimzelle von Kino ist. Wie das jetzt in die Geschichte eingebettet wird, ist dann Aufgabe der filmischen Mittel, die es so gibt. Gleichzeitig beobachten wir als Zuschauer voyeuristisch den im Film handelten Menschen. Und genau damit spielt dieser Film ununterbrochen.

      Eine weitere Ebene ist vielleicht eher soziologisch. Es werden schon ziemlich genau die verschiedenen Einsamkeiten der Menschen in ihren kleinen Appartements gezeigt. Jeder hockt in ihnen und hat mehr oder weniger keinen Kontakt zu den Nachbarn und wenn, ist er nicht unbedingt freundlich. Nur ein einziges Mal kommen sie alle aus ihren 'Löchern' und nehmen den Mitmenschen auch wahr, wenn nämlich der Hund tot aufgefunden wird. Und das ist dann auch der einzige Moment, in dem die Kamera aus der Wohnung von James Stewart hinausgeht und sich direkt den Menschen zuwendet. Die Kamera hier stellvertretend für Stewart, der ja nicht mobil ist. Kaum aber, dass diese sich wieder zurückziehen, geht auch sie wieder zurück in die Wohnung und verbleibt dort.

      Dann ist es natürlich eine Liebesgeschichte und eigentlich eine ziemlich pessimistische, in der es darum geht, dass Grace Kelly und James Stewart mit ihren so unterschiedlichen Lebensentwürfen (wohl) nicht zueinander finden werden. Sie sind sich zwar grundlegend einig über ihre Gefühle, sie bleibt ja auch bei ihm. Das aber möglicherweise nur, solange er weiterhin in Gips liegt. Das Problem ist nicht gelöst. Zwar ist sie willens und liest auch brav ein Buch über den Himalaya, legt das aber sofort wieder beiseite und wendet sich Harpers Bazaar zu. Ein typischer Schlussgag von Hitchcock, der aber viel mehr als nur ein Witz ist.

      Zudem wird diese Liebesgeschichte in den einzelnen Geschichten, die James Stewart und wir dank ihm so neugierig mit verfolgen, ja immer wieder auf unterschiedlichste Weise gespiegelt. Am eindrücklichsten vielleicht in der um die bettlägerige Frau und den Handelsvertreter. Und ausgerechnet das ist dann die Geschichte, in der der Mord vorkommt.

      Vielleicht ist es ja neben dem Voyeurismus vor allem eine Abhandlung über die Liebe und der Kriminalfall ist nur das Beiwerk. Aber das kann zum Glück der Zuschauer selber entscheiden.

      Eigentlich ist das aber alles schon sehr böse betrachtet und wird doch gleichzeitig mit einem wunderbaren Humor serviert, der allerdings oftmals auch sehr schwarz ist.

      Fazit für mich: Ein Film, der ganz, ganz weit oben bei seinen besten Filmen steht.

      :wink: Wolfram
    • Seinen nächsten Film, nach dem 'Fenster' hatte ich zufällig gerade davor gesehen.



      Welch ein Unterschied! Wehe, wenn man beide Filme mit einander vergleicht, dann würde man 'Über den Dächern von Nizza' wirklich Unrecht tun. Natürlich kann er in keiner Weise mit 'Fenster zum Hof' mithalten, was aber wohl auch nicht beabsichtigt war. Was aber bleibt, ist eine leichte, charmante Kriminalkomödie, die reine Unterhaltung ist. Was ich überhaupt nicht negativ finde Reine, gute Unterhaltung ist extrem schwer zu realisieren, wenn sie nicht klamaukig, vulgär, billig, laut oder was auch immer sein soll. Das ist dieser Film überhaupt nicht, sondern immer, trotz aller erotischen Beimischungen, dezent, geschmackvoll und, wie gesagt, v.a. charmant. Das liegt natürlich auch an den beiden Hauptdarstellern, die das Konzept so wunderbar mittragen.

      Persönlich finde ich die Ballszene am Ende zu lang. Aber ansonsten habe ich mich wunderbar unterhalten, habe Cary Grant und Grace Kelly bewundert, habe die Dialoge genossen, ebenso wie die vielleicht ein wenig spärlich ausfallenden typischen Hitchcock-Szenen und mich in der wunderbaren Landschaft verloren.

      Fazit: Ich habe mich gut amüsiert, nicht mehr, aber beileibe auch nicht weniger.

      :wink: Wolfram
    • Ich habe zu lange nichts mehr von Hitchcock geschaut, aber ab Montag wird sich das ändern denn ich habe dann Urlaub :D da muß der gute Wolfram kommen und mich auf dies Versäumnis hinweisen... Hitchcock, Oper, Hitchcock, Oper, Hitchcock, Oper, ab und an ein Herbstspaziergang, so wird es aussehen :)

      Jajaja der "beste" Hitchcock. Eine an sich unbeantwortbare Frage angesichts dieses ungeheuren Outputs fast immer großartiger Filme. Und doch fällt mir die Antwort leicht: es ist natürlich "Der unsichtbare Dritte".



      Ich bin fast geneigt, ihn als den perfektesten Film überhaupt anzusehen. Jede Einstellung, jeder Dialog, alles an diesem Film empfinde ich als überragend.

      Das Fenster zum Hof würde ich immer unter Hitchs Best Six einordnen. Aber vor Vertigo (ein Film den ich immer noch irgendwie problematisch empfinde) landeten bei mir auf Platz 2,3,4,5 doch eher Die Vögel, Psycho, die 39 Stufen und natürlich Eine Dame verschwindet. Und das Fenster dann auf 6 (was sehr sehr viel bedeutet)...

      Allerdings ist Vertigo der mit dem zu beschäftigen am dringendsten ist für mich :D



      LG :)
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    • garcia schrieb:

      Aber vor Vertigo (ein Film den ich immer noch irgendwie problematisch empfinde) landeten bei mir auf Platz 2,3,4,5 doch eher Die Vögel, Psycho, die 39 Stufen und natürlich Eine Dame verschwindet. Und das Fenster dann auf 6 (was sehr sehr viel bedeutet)...
      Komisch - bei mir hat sie Vertigo allesamt hinter sich gelassen. Im Grunde gibt es auch keinen anderen Hollywoodfilm der 1950er Jahre, der so traumhaft schön mit dem Thema Tod und Auferstehung umgeht wie dieser. Alles schwebt, alles gleitet - wie auf einem Luftkissen; erlesen, vollendet, elegant, mit Stil; und doch ist er sosehr subversiv durchdrungen wie kein anderer Hitchcock-Film. Der gute Alfred war ein Stilist und Träumer, mit hellen und dunklen Seiten. Vor allem dunkle Seiten - die haben ihn unsterblich gemacht.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
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      Jean Paul
    • Deswegen muß ich mich mit Vertigo ja auch wieder eingehend beschäftigen - er ist bei mir nicht so ganz angekommen, er war aber immer nah dran, ich ahne wie gut er eigentlich ist, aber es fehlte doch immer ein Quentchen. Es ist ein sehr komplizierter Film, der sich, wenigstens mir, nicht einfach so erschließt, im Gegensatz zu oben genannten Filmen, die es mir viel leichter machen.

      Na ich werde berichten demnächst...


      LG :)
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    • garcia schrieb:

      Hitchcock, Oper, Hitchcock, Oper, Hitchcock, Oper, ab und an ein Herbstspaziergang, so wird es aussehen
      Sehr gutes Programm für einen Herbsturlaub. Allerdings achte auf die richtigen Opern. Bei Hitchcock greift man allerdings selten daneben. :D

      garcia schrieb:

      Jajaja der "beste" Hitchcock. Eine an sich unbeantwortbare Frage angesichts dieses ungeheuren Outputs fast immer großartiger Filme. Und doch fällt mir die Antwort leicht: es ist natürlich "Der unsichtbare Dritte".
      Ich habe ihn gerade wieder gesehen und liebe ihn sehr. Das ist so unglaublich gute Unterhaltung mit vielen Hitchcock-typischen Themen. Aber ich finde immer, dass es beim 'Fenster' oder bei 'Vertigo' einfach mehr Subtext gibt und sie deshalb reicher sind.

      garcia schrieb:

      Und das Fenster dann auf 6 (was sehr sehr viel bedeutet)...
      Die Position musst du aber dringend noch mal überdenken. ^^

      Josquin Dufay schrieb:

      Komisch - bei mir hat sie Vertigo allesamt hinter sich gelassen. Im Grunde gibt es auch keinen anderen Hollywoodfilm der 1950er Jahre, der so traumhaft schön mit dem Thema Tod und Auferstehung umgeht wie dieser. Alles schwebt, alles gleitet - wie auf einem Luftkissen; erlesen, vollendet, elegant, mit Stil; und doch ist er sosehr subversiv durchdrungen wie kein anderer Hitchcock-Film. Der gute Alfred war ein Stilist und Träumer, mit hellen und dunklen Seiten. Vor allem dunkle Seiten - die haben ihn unsterblich gemacht.
      Unterschreibe ich sofort. Bis auf, dass er alle hinter sich gelassen hat. Da bin ich mir eben nicht sicher. Wobei er für mein Empfinden nur mit dem 'Fenster' konkurriert. Hängt wohl immer davon ab, welchen Film ich gerade gesehen habe. Aber was soll's. Beides sind grandiose Geniestreiche, die ich persönlich in keiner Art von Olympiade gegeneinander antreten sehen möchte, bzw. sie gegeneinander beurteilungsmäßig ausspielen kann.

      :wink: Wolfram
    • Kurzes OT:
      Bei der Kombination "Hitchcock-Oper" bietet sich Hitchcocks "Haus- und Hofkomponist" Bernard Herrmann und dessen einzige Oper "Wuthering Heights" an. Die Aufnahme hatte Herrmann selbst dirigiert.
      (leider teuer)
      (AD: 11. - 13. Mai 1966, Barking Assembly Hall, London)

      Es gibt auch eine neuere Aufnahme, bei der es sich um einen Livemitschnitt vom Juli 2010 vom Festival de Radio-France-Monpellier handelt, die ich aber nicht kenne:
      (derzeit nicht verfügbar)
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Schluck, die ist wirklich teuer. Die 2010-Version gibt es immerhin teilweise auf YouTube.

      youtube.com/watch?v=puA_ImKf3E0

      Ich habe bislang recht wenig davon gehört, aber sie scheint mir doch relativ gefällig zu sein. Vielleicht liegt das an mir, aber vielleicht auch am Sujet oder (vergleicht man das mit seinen Filmarbeiten) dass er sich im für ihn falschen Genre bewegte. Andererseits kann ich das für seine Sinfonien nicht sagen, die ich doch interessanter finde. Möglicherweise war die Auseinandersetzung mit der menschlichen Stimme nicht so sein Ding. Ups, ich spekuliere gerade wild drauflos. ^^

      :wink: Wolfram
    • Und heute gab es mal wieder diesen hier:



      Ein filmisches Experiment, nämlich der Versuch einen Film ohne Schnitt zu realisieren. Was ihm aber nicht ganz gelungen ist, bzw. was er nicht völlig durchgehalten hat. Zum Beginn schneidet er von einem Blick auf die Straße direkt auf den Mord und mitten im Film gibt es noch einen Schnitt auf die Haushaltshilfe, wobei der Sinn dieses zweiten mir nicht klar ist.

      Technisch finde ich ihn interessant, auch wenn dieser Versuch für mein Empfinden gescheitert ist, weil er sich selber dabei den eigentlichen filmischen Mitteln beraubt, die gerade er ja so wunderbar einsetzen konnte. Wobei man sich eigentlich nicht langweilt und immerhin gibt es wieder typische Hitchcock-Szenen, v.a. die, in der die Hilfe die Reste des Essens von der Truhe abräumt in der die Leiche liegt. Das zeigt er uns mit einer geradezu nervtötenden Ruhe, während nebenbei ein ebensolches Partygespräch läuft.

      Was mir aber diesmal beim Wiederanschauen aufstieß, war diese ganze Mordgeschichte. Das ist nicht mehr schwärzester Humor, das ist eigentlich nur noch widerlich. Widerlich finde ich, dass zwei kranke Typen aus Überlegensheitsgedanken einen völlig Unschuldigen umbringen, dass sie diesen Mord durch eine Party krönen wollen, dass sie dafür die Eltern einladen, dass sie das Essen auf seinem 'Sarg' servieren, dass das nun auch noch unbedingt Schwule sein müssen. Irgendwie fehlt mir dann doch der Sinn dafür.

      Möglicherweise kann man den Film noch als eine Art von Kommentar auf das gerade drei Jahre zuvor zugrunde gegangene III. Reich ansehen. Aber warum muss es dann ein schwules Paar sein? Ich denke, Hitchcock hatte eine andere Intention. Aber so oder so, es geht für mich nicht auf.

      :wink: Wolfram
    • Daß die beiden schwul sind war mir garnicht aufgegangen... Ich dachte nur, der eine ist völlig gewissenlos und der Andre nicht gewissenlos genug.. Vielleicht hab ich da was übersehen. Ich hab sie als gestörte Heteros gesehen. (also gestörte Leute, gar nicht hetero oder sonstwie)

      Aber ich finde das an sich egal.

      Es ist ein halbwegs guter, ein ganz interessanter Film, es gibt echt miesere, allerdings unbefriedigend denn das "ich mach alles in einer Einstellung" Experiment trägt den Film nicht richtig. Ist ja cool gemacht aber er bleibt etwas lau. Ich finde ihn mittelmäßig.

      Allerdings mag ich die schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten. Das rettet ihn. Aber sonst? Naja... Es zieht und zieht sich doch arg und ohne das zwar spannende Experiment ohne Einstellungswechsel auszukommen wäre das eine längliche Theaterabfilmumg gewesen. Und den Mehrwert des Experimentes muß der Filmfan sich schon selbst zusammenbuchstabieren finde ich, der Film gibt es kaum her.

      Wie manche Alfred Hitchcocks für mich kein Meisterwerk nur weil er es gemacht hat. Hätte den nicht der Meister gedreht, wer würde sich noch daran erinnern? Nur Spezialisten...

      Find jedenfalls ich. Den kann und sollan mal sehen und dann gut weglassen.


      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)