Alfred Hitchcock - Seine besten Filme

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    • Wolfram schrieb:

      Die übrigens englischen Filme passen für mich in dieses Ranking nicht, weil sie entweder großartige visuelle Einfälle haben oder weil sie schlichtweg toll sind.
      Vielleicht ist es nicht ganz klar herausgekommen: ab 1934 hat Hitchcock keinen mittelmäßigen Film abgeliefert, bevor er in die USA ging. Sabotage und Secret Agent würd ich als die schwächsten dieser Zeit ansehen, was bedeutet, daß sehr gute Filme mit grandiosen verglichen werden. Das generelle Niveau seiner Filme ist insgesamt schwindelerregend hoch, technisch wie auch thematisch. Ich kenne keinen Regisseur in der Filmgeschichte, dem so viele wirklich gelungene Filme geglückt sind wie Hitchcock. Und die nach so langer Zeit immer noch neue Fans akquirieren... :verbeugung1:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Wolfram schrieb:

      Lange Kamerafahrten funktionieren als Mittel vielleicht nur, wenn eine 360°-Perspektive möglich ist, d.h., wenn die Kamera eine ganz andere Freiheit erhält. Aber auch dann wäre es mehr das Abfotografieren der Realität und weniger die Gestaltung innerhalb einer besonderen Kunstrichtung.
      Es kommt darauf an, wie man es verwendet, was man damit ausdrücken möchte. Generell hat der Schnitt eine wichtige Funktion in der Handlungsgestaltung und kann nicht so ohne Weiteres "ausgehebelt" werden, aber lange Einstellungen - unabhängig von ihrer Kamera-Bewegung oder nicht - sind zumeist ein besonderer dramaturgischer Moment innerhalb eines Films. Man kann da auch nicht alles über ein Kamm scheren, dafür sind die konzeptionellen Voraussetzungen häufig viel zu unterschiedlich.

      Aber so wie Hitchcock filmisch gedacht hat, wird es für ihn sicherlich gestimmt haben.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
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    • Josquin Dufay schrieb:

      Ich kenne keinen Regisseur in der Filmgeschichte, dem so viele wirklich gelungene Filme geglückt sind wie Hitchcock. Und die nach so langer Zeit immer noch neue Fans akquirieren...
      Vielleicht sollte man ergänzen, über einen solch langen Zeitraum, denn sonst schrecken wir Fellini und manch andere aus ihrem Grabe auf. ^^

      Aber grundsätzlich hast du natürlich recht.

      :wink: Wolfram
    • Josquin Dufay schrieb:

      Es kommt darauf an, wie man es verwendet, was man damit ausdrücken möchte. Generell hat der Schnitt eine wichtige Funktion in der Handlungsgestaltung und kann nicht so ohne Weiteres "ausgehebelt" werden, aber lange Einstellungen - unabhängig von ihrer Kamera-Bewegung oder nicht - sind zumeist ein besonderer dramaturgischer Moment innerhalb eines Films
      Völlig richtig. Ich bezog mich dabei auch eher auf die Idee Hitchcocks, man könnte einen Großteil eines Films mit langen Einstellungen gestalten. So wie er das bei 'Sklavin des Herzens' gemacht hat und letztlich auch bei 'Rope' sieht man v.a. einen 180°-Ausschnitt, so dass das Gefühl entsteht, einer Theateraufführung beizuwohnen. Wenn das aber z.B. als Plansequenz gemacht wird, hat das in der Tat einen ganz anderen Effekt und ist ein wichtiges Stilmittel aus einem ganzen Bündel.

      :wink: Wolfram
    • Übrigens sah ich heute ein Selbstporträt von Katherine Hepburn gerade auch mit vielen langen Ausschnitten aus ihren Filmerfolgen der 30iger und 40iger Jahre. Eigentlich waren das alles Filme, in denen die Kamera ab und an mal die Protagonisten begleitete oder verfolgte. Ansonsten Auftritt Heldin von links oder rechts oder sonstwo, dann Gespräch mit XY. Totale von beiden, dann Großaufnahme von ihr, Großaufnahme von ihm, dann mal wieder Totale usw. Ich übertreibe jetzt, aber es erinnerte schon alles sehr an verfilmtes Theater und gleichzeitig sehr standardisiert.

      Mein Eindruck vom und meine Erinnerung an das Hollywood-Kino mag täuschen, aber irgendwie habe ich das Gefühl, das Hitchcock mit seiner (Kamera-) Sicht auf Dinge und Menschen, mit der Lust Formen und Zeichen zu entwickeln und zu benutzen, da (bis 'Citizen Kane') total aus dem Rahmen fiel. Und vielleicht ein Grund, warum er so einschlug.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Ich übertreibe jetzt, aber es erinnerte schon alles sehr an verfilmtes Theater und gleichzeitig sehr standardisiert.
      Kein falscher Eindruck: das Hollywood-Kino war bereits Konventionen unterworfen. Seit den 1920er Jahren hatte sich zunehmend ein übliches Muster an Auflösungen und Szenenübergängen herausgebildet, die sich durch den Einsatz von Ton nur leicht veränderte. Da sehr viel im Studio gedreht wurde (allein die Lichtbedingungen erforderten immensen Aufwand, der "vor Ort" erheblich werden konnte), setzte sich dann ein schneller, präziser Arbeitsablauf erst richtig durch.

      Ja, Hitchcocks Sichtweise auf die Charaktere hob sich optisch vom Standard ab, aber das kam erst allmählich in seinen Werken durch; außerdem wurde es eher deutlicher im Laufe eines Films, weil Hitchcock es als veränderte Situation inszenierte, in der der Protagonist hineingeraten war. Was Welles betrifft: er tickte so ganz anders, weil er gleich eine neue Ästhetik einführte, die er praktisch immer behielt; er war ohnehin ein Außenseiter und wurde visuell kaum kopiert.
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      Hudebux
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    • Josquin Dufay schrieb:

      Was Welles betrifft: er tickte so ganz anders, weil er gleich eine neue Ästhetik einführte, die er praktisch immer behielt; er war ohnehin ein Außenseiter und wurde visuell kaum kopiert.
      Wohl wahr. Welles war und blieb ein Außenseiter wohl auch, weil er ein Box-Office-Hit war. Da war die 'Industrie', wie Schauspieler etc. aus Hollywood das System ja gerne und sehr aufschlussreich nennen, eben gnadenlos. Künstlerische Außenseiter ohne Kassenerfolg - :thumbdown: . (Wobei die Tiefenschärfe (ok, Welles war der nicht erste, der sie benutzte) sich schon ein wenig durchgesetzt hat.)

      Hitchcock hatte es da besser, weil er (meistens) Kassenerfolge produzierte und sich selber wohl auch geschickter vermarkten konnte. Zudem waren seine Produktionsbedingungen recht kostengünstig, weil er selten Drehzeiten überzog, Filmmaterial nicht verschwendete und der Schnitt sehr schnell und relativ problemlos vonstatten ging.

      :wink: Wolfram