Berlioz: Symphonie fantastique op. 14 - Werk und Einspielungen

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    • Berlioz: Symphonie fantastique op. 14 - Werk und Einspielungen

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      (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)


      „Nur noch einzelne gute Konzerte tauchen manchmal hervor in dieser Wüste und gewähren dem Freunde der Tonkunst eine außerordentliche Labung. Dahin gehörten diesen Winter die Sonntage des Conservatoires. Einige Privatsoireen auf der Rue de Bondy und besonders die Konzerte von Berlioz und Liszt. Die beiden letzteren sind wohl die merkwürdigsten Erscheinungen in der hiesigen musikalischen Welt; ich sage die merkwürdigsten, nicht die schönsten, nicht die erfreulichsten. Von Berlioz werden wir bald eine Oper erhalten. Das Sujet ist eine Episode aus dem Leben Benvenutos Cellini, der Guß des Perseus. Man erwartet Außerordentliches, da dieser Komponist schon Außerordentliches geleistet. Seine Geistesrichtung ist das Phantastische, nicht verbunden mit Gemüt, sondern mit Sentimentalität; er hat große Ähnlichkeit mit Callot, Gozzi und Hoffmann. Schon seine äußere Erscheinung deutet darauf hin. Es ist schade, daß er seine ungeheure, antediluvianische Frisur, diese aufsträubenden Haare, die über seine Stirne, wie ein Wald über eine schroffe Felswand, sich erhoben, abschneiden lassen; so sah ich ihn zum ersten Male vor sechs Jahren, und so wird er immer in meinem Gedächtnisse stehen. Es war im Conservatoire de musique, und man gab eine große Symphonie von ihm, ein bizarres Nachtstück, das nur zuweilen erhellt wird von einer sentimentalweißen Weiberrobe, die darin hin und her flattert, oder von einem schwefelgelben Blitz der Ironie. Das Beste darin ist ein Hexensabbat, wo der Teufel Messe liest und die katholische Kirchenmusik mit der schauerlichsten, blutigsten Possenhaftigkeit parodiert wird. Es ist eine Farce, wobei alle geheimen Schlangen, die wir im Herzen tragen, freudig emporzischen. Mein Logennachbar, ein redseliger junger Mann, zeigte mir den Komponisten, welcher sich, am äußersten Ende des Saales, in einem Winkel des Orchesters befand und die Pauke schlug. Denn die Pauke ist sein Instrument. „Sehen Sie in der Avant-scène“, sagte mein Nachbar, „jene dicke Engländerin? Das ist Miß Smithson; in diese Dame ist Herr Berlioz seit drei Jahren sterbens verliebt, und dieser Leidenschaft verdanken wir die wilde Symphonie, die Sie heute hören.“ In der Tat, in der Avant-scène-Loge saß die berühmte Schauspielerin von Coventgarden; Berlioz sah immer unverwandt nach ihr hin, und jedesmal, wenn sein Blick dem ihrigen begegnete, schlug er los auf seine Pauke, wie wütend. Miß Smithson ist seitdem Madame Berlioz geworden, und ihr Gatte hat sich seitdem auch die Haare abschneiden lassen. Als ich diesen Winter im Conservatoire wieder seine Symphonie hörte, saß er wieder als Paukenschläger im Hintergründe des Orchesters, die dicke Engländerin saß wieder in der Avant-scène, ihre Blicke begegneten sich wieder ... aber er schlug nicht mehr so wütend auf die Pauke.“

      Es ist Berlioz’ Trauzeuge Heinrich Heine, der diese Zeilen 1836 (und damit sechs Jahre nach der UA der Symphonie) in seinen „Vertrauten Briefen über die französische Bühne“ für August Lewalds Zeitschrift „Allgemeine Theaterrevue“ schreibt und mit ihnen eine treffliche Charakterisierung jenes Komponisten abliefert, zu dessen populärstem symphonischen Werk ich diesen Faden eröffne.

      Die „große Symphonie“, das „bizarre Nachtstück“ von dem Heine spricht ist – ich trage Eulen nach Athen – die „Symphonie fantastique“, deren – es ist nicht ganz unwichtig – vollständiger Titel „Épisode de la Vie d’un Artiste. Symphonie fantastique en cinque parties“ lautet. Diese Symphonie verfolgt mich seit meiner Schulzeit, habe ich doch – wie viele andere sicher auch – über sie im Musikunterricht nicht nur das Phänomen der (sogenannten) Programm-Musik kennengelernt, sondern auch das Phänomen Hector Berlioz. Für mich, der ich mich zu dieser Zeit vornehmlich für Haydn, Mozart und Ludwig van begeisterte, war diese Musik wie ein Keulenschlag. Was für eine Mucke! Welch krasse Klangfarben! Was für eine irrwitzige Leidenschaft! Heute weiß ich, dass sich das Publikum bei der UA ganz ähnlich gefühlt haben muss. Über die Jahre sind immer mal wieder Aufnahmen in meinen Besitz übergegangen, die ich unten einmal aufliste und aus deren Reihen ich gern die ein oder andere Besprechen möchte, jedoch natürlich herzlich dazu einlade, eigene Beiträge zu bringen, sei es zum Werk selbst oder seinen Einspielungen.

      Zur Entstehung selbst möchte ich an dieser Stelle nicht viel sagen, ist der Hintergrund (Literarische Romantik, Juli-Revolution, Harriet Smithson, Camille Moke, Beethoven- und Shakespeare-Erlebnisse, Faust, Chateaubriand, persönlicher Ehrgeiz) doch weidlich bekannt. Wenn nicht, so kann er im Lauf der Diskussion erschlossen werden. Auch das Programm (das im Übrigen in verschiedenen Variationen existiert) bringe ich an dieser Stelle nicht, steht es doch idR in jedem besseren Booklet. Wenn nicht, dann kann es HIERnachgelesen werden.

      Als einführende Lektüre zu Berlioz möchte ich Wolfgang Dömlings bei Reclam errschienenes Buch „Hector Berlioz. Die symphonisch-dramatischen Werke“ empfehlen, das neben sehr guter Lesbarkeit auch fundierte Informationen und im Anhang viele Texte (inkl. einer Übersetzung) bietet, die man sonst so einfach nicht findet, wie z.B. das Libretto zu „Lélio ou Le Retour à la Vie. Monodrame lyrique avec orchestre, choeur et soli invisibles“ (leider nur antiquarisch zu haben). Der „Lélio“ stellt die bei weitem nicht so populäre Folgekomposition zur „Symphonie fantastique“ dar und kann und sollte sicher auch zur Sprache kommen, zumal Berlioz beide Kompositionen als Teile eines Ganzen betrachtete.

      Und nun für alle Freunde der Statistik die Spielzeiten der Aufnahmen in meinem Plattenschrank:

      Berlioz: Symphonie fantastique op. 14

      Munch (1954): 13.18 / 6.06 / 13.50 / 4.29 / 8.41
      Karajan (1954): 14.35 / 6.19 / 16.38 / 4.46 / 10.40
      Markevitch (1961): 14.15 / 6.08 / 15.58 / 4.48 / 11.03
      Karajan (1965): 14.13 / 6.08 / 16.41 / 4.39 / 10.28
      Solti (1972): 15.24 / 6.13 / 16.31 / 4.54 / 10.06
      Martinon (1973): 15.08 / 6.42 / 17.22 / 4.53 / 9.57
      Bernstein (1976): 13.39 / 6.51 / 16.28 / 4.51 / 10.05
      Maazel (1982): 12.41 / 6.00 / 16.30 / 4.02 / 9.21
      Prêtre (1985): 13.04 / 6.10 / 15.31 / 4.30 / 9.24
      Muti (1986): 15.35 / 6.10 / 16.03 / 6.45 / 9.43
      Inbal (1987): 15.51 / 6.33 / 16.57 / 6.51 / 9.53
      Rozhdestvensky (1988): 14.19 / 6.27 / 17.43 / 4.43 / 10.23
      Davis (1990): 15.14 / 6.29 / 17.08 / 6.46 / 10.28
      Gardiner (1991): 13.57 / 6.03 / 16.35 / 6.38 / 9.51
      Tilson Thomas (1997): 15.48 / 6.49 / 17.04 / 6.36 / 9.21
      Eschenbach (2002): 15.20 / 6.38 / 17.44 / 6.15 / 9.43
      Rattle (2008): 15.38 / 6.26 / 16.09 / 7.11 / 9.58
      Immerseel (2008): 14.59 / 6.47 / 15.52 / 7.32 / 10.29

      Ich hoffe auf eine interessante Diskussion!

      :wink: Agravain
    • RE: Meine Lieblingsaufnahme der Fantastique

      Hallo Agravain und alle Berlioz-Freunde,

      Du hast ja eine wirklich große Auswahl an interessanten Aufnahmen. Wenn ich ehrlich sein soll, dann brauche ich heute im Prinzip nur noch Zwei - alle anderen habe ich abgegeben, weil nicht gehörte CD´s als totes Kapital ansehe.

      Zunächst einmal mein Strory wie ich mit den Jahren auf meinen Favoriten gekommen bin (eine Auswahl der Wichtigsten):
      Wenn man in den 70er-Jahren in den Schallplattenladen ging und sich eine Markenfirma und einen "Markendirigenten" aussuchte, war man auf der sicheren Seite und hatte keinen Fehlkauf getätigt. Heute gibt es eine viel größere Auswahl von allen Werken auf CD, SACD und DVD-Audio, sodaß man seine Auswahl viel bedachter erledigen sollte.

      So war es damals auch bei Berlioz: Sinfonie fantastique.
      [Blockierte Grafik: http://www.tamino-klassikforum.at/images/smilies/smile.gif] Ich hatte die DG-LP von 1962 mit Igor Markevitch/Orchestre Lamoureux ausgewählt und hatte damit über viele Jahre eine Aufnahme, die einfach Klasse war. :thumbup: Wenn ich die Kritiken zu dieser Einspielung heute lese, so finde ich meine damalige Auswahl mehr als bestätigt.
      (Es gibt auch eine berliner Mono-Aufnahme von Markevitsch DG,1953. Das diese auch sehr gut sein soll, kann man mehrfach nachlesen. Das man daran Spaß haben kann gilt für mich nicht, da ich für dieses Werk eine ausgewogene räumliche Klangqualität brauche.)

      [Blockierte Grafik: http://www.tamino-klassikforum.at/images/smilies/frown.gif] Später kaufte ich mir zum Vergleich einige Vergleichsaufnahmen, die mich alle nicht überzeugen konnten. Dabei auch die Karajan-Aufnahme (DG), die mir diesesmal gar nicht gefallen wollte. Der Gang zum Richtplatz klingt zu harmlos ... Platte abgesetzt.


      [Blockierte Grafik: http://www.tamino-klassikforum.at/images/smilies/confused.gif] Die Sixten Ehrling - Aufnahme (EMI) machte mich durch die Kritik (10,10) neugierig - gekauft - das war bisher der größte Reinfall in meiner CD/LP-Geschichte überhaupt - schnell weiter verhökert. Ich habe mit Ehrling schon viele Konzerte begeistert gehört, auch Live in der Beethovenhalle Bonn, aber diesesmal war es ein Versuch mal etwas ganz anders zu machen als seine Kollegen - das war nichts. Das Werk wirkt unter seinen händen absolut fremd.

      [Blockierte Grafik: http://www.tamino-klassikforum.at/images/smilies/happy.gif] Eine LP-Philips-Kassette mit allen Berlioz-Sinfonien und der Leitung von Colin Davis war interessant, aber seine Sinfonie fantastique konnte mich nie begeistern; das kann nur der verstehen, der die Markewitsch-Aufnahme im Ohr hat. Mit Colin Davis höre ich lieber alle Berlioz-Ouvertüren.

      [Blockierte Grafik: http://www.tamino-klassikforum.at/images/smilies/pleased.gif] Der große Durchbruch kam dann mit dieser Aufnahme, die ich vorher ungehört gekauft habe ( und das kann man bei diesem Dirigenten fast immer) :
      Georg Solti / Chicago SO auf DECCA, 1972, ADD

      Das ist die Interpretation die mir (wen wunderts) vollends gefällt und hatte 2005 auf CD zum Durchbruch für einen TOP- Favoritenaufnahme geführt. Solti rhythmisch prägnant, spannend und zupackend, wie man es von ihm gewöhnt ist. Die Aufnahme ist bei DECCA schon mehrfach im CD-Programm gewesen - ich habe sie in der Decca-Solti-CD-Serie. :!: Das dies nicht die letzte bleiben sollte, haben Besprechnunbgen in Klassikforen Anfang 2006 verursacht...

      Anfang dieser 2006 trudelte der Berlioz-Opium-Tripp aus Florida in Form dieser SONY-CD ein:

      Berlioz: Sinfonie fantastique … NewYorker PH / L.Bernstein
      Aufnahme CBS 1963, Dokumentation mit Orchester von 1968; im 24Bit-Remastering

      Den Kauf habe ich nicht bereut – es ist eine Aufnahme, die zu meiner weiteren Referenzaufnahme der Sinfonie geworden ist. Die CD gehört ebenggfalls ui meinen 10 Schätzenswertesten (wie die Tschaik5-Solti-Decca). Bernstein läßt keine Effekt aus, liefert seinen eigenwilligen Berlioz und vermschmelzt als Interpret beim dirigieren zu Berlioz selbst. Er läßt Orchesterstimmen hörbar werden, die ich noch bei keiner anderen Aufnahme vernommen habe – insofern sehe ich die Eigenwilligkeit Bernsteins, dessen Leidenschaft die Aufnahme so sympathisch macht. Das merkt man auch dem Track6 von 1968 an in der er die Sinfonie mit Orchesterbeispielen in fast 16Minuten erklärt – ein hervorragendes Plädoyer.
      Die Klangqualität ist warscheinlich durch das 24Bit-Remastering sehr räumlich und plastisch und fast ohne Rauschen (besser als so mache DDD-Aufnahme). Es ist die beste Aufnahme die ich je aus den 60er-Jahren gehört habe.
      Die Solti-Aufnahme ist weniger Hallig - trockener und hat daher nicht diesen Raumeindruck der CBS-Aufnahme.
      Die Solti/CSO-Decca-Aufanhme von 1974 ADD ist mein 2.Favorit für die Sinfonie fantastique.

      Hier die Spielzeiten von
      Solti………und........... Bernstein
      15:22……………………13:18
      6:13………………………6:15
      16:31…………………… 17:14
      4:54……………………...4:49
      10:06………………….…9:47

      In der FONO FORUM 12/93 steht über Solti´s Aufnahme folgende zutreffende Kritik:

      Zitat: Präsens und Fasslichkeit der Klangelemente könnten kaum größer sein. Alle metodischen, rhythmischen und harmonischen Vorgänge sind auf plastische Weise gegeben und in ihrer internen Dramatik exponiert. Das Orchester spielt unerhört prägnant und detailbewust.



      1.Satz: Während die Solti -Aufnahme im ersten Satz noch höher Punkten kann, als Bernstein, weil Solti hier noch mehr Durchsichtigkeit und Feuer bietet, gehen IMO die weiteren Sätze an Bernstein. Das einzige Manko der Bernstein-Aufnahme ist, das trotz der räumlichen und plastischen Klangqualität bei ein bis zwei fff-Stellen innerhalb der Sinfonie die übersicht für Sekunden verlorengeht – an diesen Stellen ist Solti´s Aufnahme trotz aller Emotion deutlicher (hört sich jetzt schlimmer an als es ist). Solti ist braucht mehr als 2Minuten mehr für den 1.Satz, wirkt aber trotzdem schneller, weil er sich in lyrischen Passagen mehr Zeit läßt um dann wieder Spannung zu produzieren. Bei den weiteren Sätzen sind die Spielzeiten bei Beiden recht ähnlich.

      Beim 2.Satz sind bei Bernstein unter den Ballgästen schon wesentlich mehr Monster vorhanden, die den Satz spannender und hörenswerter machen als andere mir bekannte Aufnahmen.

      Der 3.Satz, die Szene auf dem Lande ist als Ruhepunkt vor dem Unheil zu sehen, das angedeutete Gewitter als Vorahnung dazu wird von Beiden spannend und effektvol inzeniert. Bernstein legt noch mehr Gefühl in diesen Satz - da ist man gefangen und in Erwartungshaltung auf das was da kommt.

      Beim Gang zum Richtplatz 4.Satz sind Solti und Bernstein in ihrem Element – am Ende ist nach dem Fall der Guliotine ist der Kopf sowas von ab – den näht keiner mehr an [Blockierte Grafik: http://www.tamino-klassikforum.at/images/smilies/biggrin.gif] ....
      Bei Karajan, dessen beachtenswerte DG-Aufnahme ich nicht abwerten möchte bleibt da das Messer im Hals stecken (im übertragenen Sinne) – diese Stelle ist Karajan nicht gelungen.

      Der Hexensabatt 5.Satz ist bei Bernstein der erwähnte absolute Opiumtripp. Die Glocken wirken Riesengroß und fügen sich effektvoll in den Orchesterklang und die Aufnahmetechnik sorgt dafür das alle Obertöne der Glocken plastisch aus den Lautsprechern tönen. Hier ist das einzige Manko der Solti – Aufnahme zu sehen, bei dem die Röhrenglocken zu zurückhaltend, wie größere Triangeln klingen.
      @Agravain: Du hast in der Tat mit deiner aus Frankreich die falsche Bernstein - Aufnahme !

      Wenn ich in einigen Wochen oder Monaten (wer weiß schon wann?) wiedermal die Sinfonie fantastique höre, wohin greife ich dann ?
      :thumbsup: Zu Bernsteins Opiumtripp !


      Heute sehe ich die Sache so, dass ich meine Favoriten für die Symphonie fantastique - Markewitsch (DG, 1962) und Solti (Decca) eigendlich kaum noch höre. :angel: Es sollte eigendlich immer gleich diese großartige Bernstein-Aufnahme sein, die in der gesamten Diskographie nichts gleichwertiges entgegenzusetzen hat.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Algabal takes no Trip

      Hm, zur Fantastique habe ich ja ein etwas merkwürdiges Verhältnis. Zwischen 2001 und 2003 war ich sowas von Berlioz-fixiert, dass ich beinahe nix anderes als seine Werke hören wollte und gehört habe. Und auch heute noch wäre, fragte man mich nach meinen Lieblingskomponisten, Berlioz neben Biber, A. Scarlatti, Mahler und Wolfgang Rihm unter den Top 5.

      ABER: Während Les Troyens, La damnation de Faust, Roméo et Juliette, das Requiem, die Symhonie funebre (ja auch die), Benvenuto Cellini und Béatrice et Bénedict zu den mir liebsten Werken überhaupt gehören, sind mir die Fantastique und der Herold i-wie immer fremd geblieben. Nicht, dass ich diese Werke nicht mögen würde, aber der letzte Funke will nicht recht überspringen (das tut er dagegen dann wieder beim Lelio).

      An den Einspielungen kann es nicht liegen – da ist mir eine ziemliche Bandbreite gut bekannt:

      Markevitch (OLP, Stereo), Munch, Berstein (NYP), Leibowitz, Davis, Inabl, MTT, Kegel, Dutoit, Norrington, Gardiner, Minkowski, Immerseel.

      Richtig gut finde ich Munch, Markewitch, Bernstein, Leibowitz und MTT – die mit Abstand beste liefert allerdings IMO Charles Dutoit, den ich ohnehin für den mit Abstand begnadetsten Berlioz-Interpreten neben Charles Munch halte.

      Trotz meiner grundsätzlichen HIP-Affinität finde ich die HIPster bei der Fantastique allesamt nicht besonders überzeugend – am interessantesten ist hier vielleicht (trotz des Einsatzes von Fortpianos statt der Glocken im Finale) Immerseel, der das Werk ganz ordentlich gegen den Strich aller (zumindest aber meiner) Hörgewohnheiten bügelt.

      Anderenorts in diesem Forum schrieb ich dereinst mal als Antwort auf die Frage "welche Fantastique findest Du am Besten?" mal etwas, das jetzte mal einfach mal hierherzitiere (Immerseel kannte ich damals noch nicht):

      Berstein, wenn man es denn unbedingt superorgiastisch will. Ansonten die hier schon mehrfach genannte Aufnahme von Munch mit den Bostenern, die ist richtig klasse. Empfehlen würde ich aber auch Markevitch mit dem Orchestre Des Concerts Lamoureux - und dann ganz unbedingt Charles Dutoit mit dem Orchestre symhonique de Montréal. Sehr schon ausbalanciert und dennoch voller Druck und scharfer Konturen, nicht so zügellos wie Bernstein, dennoch werden die Bizarrheiten wundervoll herausgespielt. Für mich die bisher eigentlich beste Fantastique. Gibt's relativ billig hier (gekoppelt mit einem sehr guten Herold und den drei Instrumentalsätzen aus R&J):



      Wenn man sie bekommen kann, würde ich aber diese Kopplung empfehlen:



      weil man hier einen ganz hinreissend musizierten Lelio dazu bekommt.

      Die HIPster haben mich bei Berlioz allesamt nicht richtig überzeugt. Norrington ist mir einfach - wie fast immer - zu trocken, Gardiner eilt IMO über die Abgünde der Fantastique zu locker hinweg. Minkowski finde ich nicht schlecht (und für den Brilliant-Preis auch unbedingt als Zweit oder Dritt-Einspielung zu empfehlen) aber die Lobeshymnen der Kritiken kann ich nicht so recht eingelöst finden. Alles schön und nuanciert produziert - mir fehlt aber etwas das Rauschhafte und der letzte Drive.


      Soviel Unqualifiziertes aktuell von mir. Ich höre mich jetzt vielleicht mal nach und nach durch meine Fantastiques (aktuell läuft Montreal/Dutoit) und vermelde ggf. mal etwas, wenn’s denn was zu vermelden gibt.

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Ich finde auch, dass die New Yorker Bernstein-Aufnahme ihres Gleichen sucht.

      Eines meiner besten Live-Erlebnisse der letzten Jahre war die Fantastique, dirigiert von Andris Nelsons mit dem WDR-SO in Köln. Ein der Bernstein-Einspielung sehr nahe kommender Temperamentsausbruch.

      Wer schon genug oder gar zu viele Fantastiques kennt, dem sei eine der gelungensten Klaviertranskriptionen von romantischer Sinfonik ans Herz gelegt. Natürlich stammt sie vom Berlioz-Bewunderer Franz Liszt. Den Einspielungen mit Leslie Howard oder Idil Biret ziehe ich die von Todd Crow bei Weitem vor. Nachdrückliche Empfehlung!




      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Einspielungen

      Hallo,

      lange Zeit habe ich diese Symphonie nicht mehr ganz gehört. Sie war einmal eine meiner Favoriten und die Karajan-Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern von 1965 gehört zu meinen ersten '100 Klassik-CD'…bevor der Sammelwahn ausbrach.

      In der Zwischenzeit hat sich die totale Begeisterung für dieses Werk etwas gelegt, so dass ich mir keine weiteren Aufnahmen zulegen mochte und meine Vergleichsmöglichkeiten gering sind:

      I. Markevitch, 1954, Berliner Philharmoniker; 13:19, 5:49, 14:39, 4:27; 10:07 = 48:21
      P. Monteux, 1951, San Francisco Symphony Orchestra; 12:47, 5:41, 15:31, 4:44, 9:22 = 48:05
      H. v. Karajan, 1965; (s. o.)
      C. Davis, 1965, London Symphony Orchestra; 15:36, 6:14, 17:08, 6:31, 10:00 = 55:29
      E. Inbal, 1987; (s. o.)
      C. Davis, 2000, London Symphony Orchestra, Live; 15:31, 6:32, 17:13, 7:01; 10:27 = 56:44

      Gleich vorweg: I. Markevitchs Aufnahme von 1954 ist die beste von diesen, und ich mutmaße sie gehört zu den besten überhaupt. Sehr fein bzw. schlank (also „Markevitch“), rhythmisch hervorragend, vielleicht etwas streng, aber nicht ohne Feuer (z. B. 2. Satz). Die Balance zwischen Streichern und Bläsern gelingt ihm am besten, so dass die Klangnuancen durch die interessante farbenreiche Instrumentierung Berlioz’ voll zur Geltung kommen, ohne dass Dramatik mittels dickem pastosem Klangbild erreicht werden soll.

      P. Monteux hat gem. meiner Quelle diese Symphonie viermal aufgenommen. Ob meine Aufnahme die beste davon ist kann ich leider nicht beurteilen. Das Klangbild ist trotz des Alters der Aufnahme hervorragend, etwas dunkler aber klar und direkt, lediglich bei den dramatischen lauten Tutti-Stellen könnte man Abstriche machen. Die Bläser bes. die Holzbläser klingen wesentlich wärmer als z. B. bei H. v. Karajan. Die Aufnahme ist hochdramatisch da wo es dramatisch sein soll (z. B. der wuchtig-gefährlich klingende Anfang im 4. Satz) aber nicht Gefühlsüberladen. Die Differenzierung Streicher-Holz ist sehr gut. In den langsameren Teilen ist es ein Erlebnis (bes. 3. Satz). Diese strukturbetonte Aufnahme kommt nicht ganz an I. Markevitchs bzgl. der Perfektion (Aufnahmequalität) heran, vom reinen Gefallen ist sie ebenbürtig.

      H. v. Karajans Aufnahme ist hochprofessionell, schnörkel- und kantenlos, wirkt jedoch zu glatt. Dramatik ohne echte Leidenschaft. Das flächige etwas sehr einförmige Klangbild ist nicht mein Fall. Das Ausbalancieren der Instrumentengruppen sowie zwischen Haupt- und Nebenstimmen ist einem Klangverständnis gewidmet, das Strukturen im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Dirigenten verwischt. Die Einzelstimmen gehen im Gesamtklang nicht unter, könnten aber prägnanter sein, wobei ich nicht die Violinen meine. „Episoden aus dem Leben eines Künstlers“ [m. E.: 1. lyrisch-dramatisch 2. tänzerisch-heiter 3. idyllisch-einsam 4. hochdramatisch-dunkel 5. final, wild, verzerrt, grell, furios] kann ich hier leider nicht als Programm erkennen.

      Von C. Davis habe ich zwei Aufnahmen, nicht schlecht aber auch nicht hervorstechend. Ich ziehe die 1965er Aufnahme vor. Hier wieder ein differenzierter, strukturbetonter Klang mit teilweise schönen Klangfarben (z. B. 3. Satz ab Laufzeit 3:20 - die Bläser mit südländischem Kolorit). Die Pizzicato-Stellen im 1. Satz sowie die Passage ca. ab Laufzeit 4:45 sind u. a. wunderbar. Insgesamt eine sehr unaufgeregte aber detailkonzentrierte Aufnahme und mir zu langsam.

      Die Aufnahme von E. Inbal gefällt mir überhaupt nicht. Das Klangbild ist dumpf bzw. sehr zurückgenommen (ggf. technisch bedingt?). Die Langsamkeit verhindert in diesem Fall einmal mehr die Dramatik und Leidenschaftlichkeit - fast langweilig. Man muss nicht unbedingt schnell sein um Dramatik herzustellen. Dieses kann man auch mit gekonntem Spannungsaufbau erreichen, aber das gelingt hier nicht.

      Leider fehlen mir Aufnahmen von L. Bernstein, C. Munch, G. Solti und C. Dutoit; aber nun ist es sowieso ein bisschen viel „Symphonie-Fantastique-Hören“ geworden.

      Lieber Agravain (da Du diese aufführst), was hältst Du von der Muti-Aufnahme? Diese soll ähnlich L. Bernsteins Aufnahme(n) sehr expressiv sein. Würde sich ein Kauf lohnen?

      H. Berlioz: Symphonie Fantastique: Ein Werk höchster Güte.

      Bis dann
    • teleton schrieb:

      Solti ist braucht mehr als 2Minuten mehr für den 1.Satz, wirkt aber trotzdem schneller, weil er sich in lyrischen Passagen mehr Zeit läßt um dann wieder Spannung zu produzieren.


      Bei allen Angaben zur Spieldauer des ersten und vierten Satzes ist zu berücksichtigen, dass in diesen beiden Sätzen Wiederholungen von Abschnitten vorgeschrieben sind, die von manchen Dirigenten berücksichtigt werden, von anderen nicht.

      Beim ersten Satz soll die Exposition (wenn man das so nennen will) des Allegro-Hauptteils wiederholt werden, also die Takte 72-167. Das macht ungefähr 1.30-2 Minuten mehr aus. Darüber hinaus ist natürlich auch die Temporelation zwischen langsamer Einleitung und Hauptsatz für die Spieldauer entscheidend.

      Beim vierten Satz ist die Wiederholung der ersten 77 Takte vorgeschrieben, das sind ungefähr zwei Minuten - man kann also anhand der Spieldauer leicht erkennen, ob hier wiederholt wird oder nicht. Diese Wiederholungsvorschrift war in früheren Ausgaben nicht enthalten und ist m.W. erst seit der quellenkritischen Edition (1972 bei Bärenreiter) publiziert. Was immer man von Colin Davis als Berlioz-Interpret halten mag: Der hat sich vor seiner Einspielung wenigstens mal mit den Quellen beschäftigt und bereits in seiner Einspielung von 1965 diese Wiederholung ausgeführt. Wenn man Agravains Liste folgt, war dann erst wieder Muti 1986 der nächste...

      Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich an diese Wiederholung nie gewöhnen konnte: Der Anfang des Marsches suggeriert ja ein Näherkommen aus der Ferne - durch die Wiederholung verliert diese Klangwirkung ihren Sinn, oder?

      Unoriginellerweise gehörte die Fantastique zu den ersten dreißig oder vierzig Werken klassischer Musik, die ich kennengelernt habe. Ich mochte sie schon immer heiß und innig, daran hat sich bis heute nichts geändert. Zuerst - das dürfte auch vielen so gegangen sein - war ich stark auf den vierten und fünften Satz fixiert (und natürlich auf das sehnsüchtig erwartete Donnergrollen am Ende der Scène aux champs :D), später schloss ich dann auch die ersten drei Sätze in mein Herz.

      Apropos Donnergrollen: das ist ja in ihrer Mehrstimmigkeit wirklich eine atemberaubende Pauken-Passage. Besonders genial finde ich, wie die Klangfarbe der Pauke danach fast übergangslos auch den Anfang des "Gangs zum Schafott" bestimmt - das Grollen der Natur erlebt unmittelbar eine Metamorphose zum Rhythmus des Todes. Oder wie die unterschiedlichen Klarinetten in A, C und Es der "Geliebten" jeweils eine ganz andere Klanglichkeit verleihen...


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Nachdem schon einiges zu den unterschiedlichen Aufnahmen gesagt wurde, möchte ich nun auch gerne meine Favoriten vorstellen. Es sind derer zwei, und zwar: Markevitch mit dem Orchestre Lamoureux (1961; Spielzeit: 51.31) und Michael Tilson Thomas mit dem San Francisco Symphony (1997; Spielzeit: 54.58).



      Zu Markevitch. Was mich an seiner Interpretation besonders fesselt ist die Wiedergabe der beiden letzten Sätze. Nicht, dass die ersten drei nicht gelungen wären. Denn trotz seines insgesamt analytischen Blickes (surprise, surprise) gelingt ihm auch der elegisch-elegante Ton, der bei aller Leidenschaftlichkeit einen großen Teil der ersten drei Sätze durchzieht. Es ist zwar nicht zu übersehen bzw. zu überhören, dass man da – wenn man denn möchte – noch ein Quentchen mehr an Intensität herausholen kann (namentlich in der Scène aux champs) – die Wiener Einspielung von Davis ist da kaum zu schlagen – eindrucksvoll gemacht ist das aber allemal. Was Markevitch dann aber aus dem Mache au supplice und dem Songe d’une nuit du Sabbat macht ist atemberaubend. Als ich mir die Aufnahme angeschafft habe (es ist gar nicht einmal so lange her), fiel mein Blick auf die Spielzeit des letzten Satzes und ich dachte: Mann, das ist langsam! Irgendwie war ich seit Schultagen der Idee verfallen, der Satz gewänne, je schneller er gespielt würde. und jetzt mehr als zwei Minuten hinter Munch. Mmh. Tatsache ist jedoch, dass Markevitch hier nicht einfach drauflos scheppern lässt, sondern durch die etwas langsamere Gangart eine derartige Innenpannung aufbaut, dass man das Gefühl hat, der Satz müsse in jedem Moment auseinanderbersten (Buchstabe E). Während die meisten Dirigenten sich hier bereits im Vulkan und seinem Höllenstrudel befinden, so tanzt Markevitch noch am Rand, und zwar gerade so, als würde er den sich durch die Spannung sich einstellenden Lustgewinn genießen. Wie sollte man die von Berlioz beschriebene „Orgie“ besser darstellen? Zum anderen ist seine Orchesterbehandlung ausgesprochen innovativ und schon fast prä-HIP zu nennen. Ganz staubtrockene Artikulation, bspw. im Blech. Selten habe ich „dreckigere“ Posaunen, düsterere Ophikleiden gehört. Hinzu tritt völlig vibratoloses Spiel in allen Instrumentengruppen. Alle Stimmen sind gleichmaßig zu hören, der Satz gelingt ungeheuer platisch und durchsichtig. Das macht Immerseel in seiner als besonders innovativ gepriesenen Einspielung nicht wirklich besser (zumal ihm die ersten drei Sätze nicht so gut gelingen wie Markevitch).

      Micheal Tilson Thomas’ Aufnahme begeistert mich aufgrund ihrer spektakulären stilistischen Treffsicherheit. Immer wenn ich sie höre denke ich mir, dass man das anders im Grunde gar nicht machen kann. Tilson Thomas’ Berlioz ist leidenschaftlich, aber nicht überzogen, er ist elegant, aber nicht süßlich, er ist vehement aber nicht lärmend, er ist gut durchhörbar, glänzend strukturiert, analytisch, aber auch gefühlvoll, ja romantisch. Und das aben alles im rechten Moment, ohne dass man ein störendes Kalkül spüren würde. Hinzu kommt, dass die Aufnahme außergewöhnlich gut klingt, ein sehr präsentes, plastisches und rundes Klangbild bietet, ohne dass man das Gefühl hätte, hier würde auf Schönklang hingearbeitet. Das San Franciso Symphony spielt einfach sensationell und ist mit anderen Orchestern (sei es das WPO oder das BPO) auf einer Augenhöhe. Ehe ich jetzt jedoch anfangen muss, nach möglichst vielen positiven Adjektiven zu suchen, die meinen Lobpreis noch trefflicher auszudrücken in der Lage wären, höre ich lieber auf, wenn es am Schönsten ist.



      @Keith: Ja, Muti ist durchaus den Kauf wert. Zum einen ist die Einspielung tatsächlich sehr leidenschaftlich und ähnlich rauschhaft wie Bernstein (zumindest wie der Bernstein aus Paris, denn nur den kenne ich). Persönlich finde ich das Holz ganz besonders schön verzerrt (letzter Satz), wenngleich die Wahl der Glocken im letzten Satz vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig ist. Da die Aufnahme via Werbepartner schon ab etwa einem Euro zu bekommen ist, lohnt sich die Anschaffung definitiv. Eine weitere Einschätzung findest Du HIER.

      :wink: Agravain
    • RE: Bernstein/New Yorker PH (SONY)

      Agravain schrieb:

      ähnlich rauschhaft wie Bernstein (zumindest wie der Bernstein aus Paris, denn nur den kenne ich).


      Hallo Agravain,

      Dank für Deine genaue Darstellung der Markevitsch-Aufnahme (DG, 1961). Das ist eine weitere Kritik, die mein Erstwahl für dieses Werk bestätigt.

      Aber interessanter ist IMO Bernstein: Das ist ja schonmal gut und angemessen, dass Du es genau so siehst wie ich: "Bernstein rauschhaft".

      Aber zwischen den Bernstein-Aufnahmen aus Paris (die Du kennst) und der aus New York besteht ein Unterschied fast wie Tag und Nacht.

      :angel: Solche Tempramentsausbrüche sind nicht wiederholbar - die :juhu: SONY-Aufnahme von 1963 ist in jeder Beziehung der Wahnsinn. Leider scheint diese unter den Capriccios nicht so weit bekannt und verbreitet zu sein, denn nur Lavine hat den Wert dieser Einspielung beantwortet und erkannt.

      :!: Die mußt Du, und an alle Leser meine Empfehlung: :wink:Die müßt ihr kennenlernen.

      Meinen dank auch an Zwielicht für die Wiederholungsfragen. Das erklärt, warum mir Solti flotter vorkommt, der die Wh beachtet; nachvollziehbar auch Deine Einlassung warum Du Dich nie an diese Wh gewöhnen konntest.



      PS. und OT aber interessant:

      Ich hatte mir daraufhin (nach der SONY-Aufnahme der Fanta) auch Harold in Italien mit Bernstein/New Yorker PH (SONY) gekauft, die auch mir auch phänomenal gut gefällt. Aber hier ist auch Ormandy/Philadelpia Orchestra (SONY) ; sowie David Oistrach (hier als Dirigent), Moskauer PH, R.Barshai, Viola (Eurodisc) erste Wahl. Wäre ein Thread wert !(Aber ich gehe jetzt in Urlaub!)
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • RE: RE: Bernstein/New Yorker PH (SONY)

      teleton schrieb:


      :angel: Solche Tempramentsausbrüche sind nicht wiederholbar - die :juhu: SONY-Aufnahme von 1963 ist in jeder Beziehung der Wahnsinn. Leider scheint diese unter den Capriccios nicht so weit bekannt und verbreitet zu sein, denn nur Lavine hat den Wert dieser Einspielung beantwortet und erkannt.

      :!: Die mußt Du, und an alle Leser meine Empfehlung: :wink:Die müßt ihr kennenlernen.

      Planbar sind sie sicher nicht, aber wiederholbar schon. So bestätigte mir Ende der 70er der damalige Musikchef des ZDF eine Erinnerung an ein Konzert Bernsteins in der Jahrhunderthalle Frankfurt-Höchst von 1968 (?), das zu meinen frühesten unvergesslichen Musikerlebnissen zählt. Bernstein ließ da ebenfalls die Symphonie Fantastique aufführen - mit einem für meine Begriffe ähnlich orgiastischen Ergebnis. Er hatte die Aufzeichnung für eine Sondersendung zum hoffentlich viel späteren Tod Bernsteins reserviert, aber als es dann tatsächlich so weit war, waren der Redakteur längst pensioniert und Gedenksendungen ohnehin eine Rarität geworden. Vielleicht aber weiß jemand noch etwas von dieser Aufzeichnung, die mit Sicherheit ein besonderes Desiderat wäre.

      Die SYMPHONIE FANTASTIQUE war, wie offenbar auch bei manch anderen hier, lange Zeit auch mein Lieblingsstück von Berllioz, und ich weiß nicht, wie oft ich die Aufnahmen Toscaninis, Martinons, Bernsteins und schließlich von Colin Davis gehört habe, bevor sich mein Interesse ganz auf andere Kompositionen von Berlioz fokussierte. Meine Beschäftigung mit dieser Symphonie liegt daher schon zu lange zurück um mich aus dem Stegreif kompetent dazu zu äußern. Ich möchte aber noch eine ganz andere Aufnahme in die Debatte bringen, die in ihrem Fokus auf der Struktur statt den Exzessen des Werkes einen gewichtigen Gegenpol zu den bisher mit Recht gepriesenen darstellt. Zum Glück wurde sie unlängst in dieser Box neu aufgelegt:



      Die Box umfasst sämtliche Berlioz-Einspielungen, die Pierre Boulez in den 60ern und 70ern für die CBS (heute Sony) gemacht hatte, darunter eben auch die Symphonie Fantastique mit dem LSO und - vor allem - ein im Wortsinne (es war damals die Schallplattenpremiere) vorbildlicher, weil auch vollständiger LÉLIO mit John Mitchinson und John Shirley-Quirk. Besonders hervorzuheben ist der Sprechtext dieser Aufnahme, den man keinesfalls einfach weglassen darf, wie Colin Davis das machte, der den LÉLIO nicht schätzte und hörbar nur der Vollständogkeit halber aufgenommen zu haben scheint. Deswegen ließ er wohl auch José Carreras einen besonders unidiomatischen Vortrag durchgehen. Bei Boulez wird der Text mit grandioser Emphase und Verständlichkeit vorgetragen von Jean-Louis Barrault. Nach dieser damaligen Schallplattenpremiere des Werkes wollte ich eigentlich keinen anderen Lélio mehr hören, so verdienstvoll die späteren Aufnahmen auch sein mochten. Selbst Gérard Dépardieu reicht bei Muti und De Billy da nicht heran. Die Aufnahmen der beiden Werke unter Charles Dutoit kenne ich leider ebenso wenig wie die von Michael Tilson Thomas.

      Ich habe mir vorgenommen, wieder mal in meine Aufnahmen hinein zu hören - auch die von Gardiner, die bisher so konsequent ignoriert wird und damit eher schlecht weg kommt, was eigentlich nicht meiner Erinnerung entspricht. Also demnächst hoffentlich mehr darüber.

      :wink: Rideamus

      PS: Die Zeiten von Boulez in der SF: 13:41, 6:28, 14:58, 6:04, 11:20


      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Für mich muß es keine "schnelle" Interpretation sein. Ich liebe auch Zdenek Kosler, der z.B. für die Scene aux champs nicht weniger als 18:14 beansprucht, womit er wohl kaum übertroffen wird. Meine alte Leier: Nicht das Tempo allein macht's.
      Die CD erschien 1998 beim (nieder)österreichischen Label T-rax in der Reihe der Basic Classics. Aufnahmedatum ist keines angegeben (die Copyrightangabe "A.Scholz Musikförderung Wien, Austria" enthält ja auch einen der bekanntesten Vernebelungsnamen oder zumindest einen gleichlautenden solchen).
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Rideamus schrieb:

      Ich habe mir vorgenommen, wieder mal in meine Aufnahmen hinein zu hören - auch die von Gardiner, die bisher so konsequent ignoriert wird und damit eher schlecht weg kommt, was eigentlich nicht meiner Erinnerung entspricht. Also demnächst hoffentlich mehr darüber.




      Lieber Rideamus,

      ich glaube nicht, dass Gardiners HIP-Aufnahme der Symphonie fantastique hier bisher intentional ignoriert wurde, schon gar nicht, um sie auf diese Weise zu bewerten. Darum jetzt ein paar Worte zu dieser Einspielung.

      Ich für meinen Teil habe zwei HIPpe Aufnahmen im Schrank stehen (Norrington habe ich mir gespart, denn je mehr ich von Norrington gehört habe, desto eher hat sich bei mir das Gefühl breit gemacht, dass man ihn sich sparen kann), derer eine die Gardiner-Version ist. Ich glaube, sie ist schlicht nicht erwähnt worden (im Grunde kann ich hier natürlich nur für mich sprechen), weil sie nicht wirklich zum Höhenkamm gehört. Grundsätzlich finde ich sie sehr ordentlich, ja insgesamt deutlich besser als den (über den Klee ?) gelobten Immerseel. Angsichts der euphorischen Kritiken (Werner Theurig im Spiegel: „Die Originalklang-Diät mit intensivem Aroma-Kern - knackig siegt über opulent.“ John-Pierre Joyce auf musicweb international: “Cards on the table: This is a fascinating disc and anyone interested in the Symphonie fantastique should make an attempt to hear it.” etc.) frage ich mich, ob man angesichts des neuen HIP-Versuchs Gardiner völlig vergessen und überhaupt noch einmal ein Vergleichshören gewagt hat. Denn es ist ja ganz schön, dass Immerseel einen Neuversuch vorlegt, er gelingt ihm allerdings in meinen Ohren nicht, eine gleichmäßig überzeugende Leistung zu bringen. Die letzten beiden Sätze sind zwar ein interessantes knarziges Hörspektakel, Gardiner kann das aber genauso gut (und 30 (!) Jahre vor ihm konnte Markevitch das schon, ohne dass es eine HIP-Bewegung gegeben hätte).

      Aber die Symphonie besteht ja nicht nur aus dem monströsen Ende, sondern hat noch drei andere Sätze, die auch gut gestaltet sein wollen. Und hier hat Gardiner meines Erachtens deutlich die Nase vorn, ringt er ihnen doch eine ganze Menge Spannung ab, wohingegen Immerseel kaum mehr als Langeweile produziert. Doch obwohl Gardiner damit eine insgesamt kohärenterer Leistung bringt, geht es doch nicht so recht über eine akademische Übung hinaus. Die Einspielung hört man streckenweise eben doch ihr experimentelles Kalkül an, es fehlt mir da das Unmittelbare, das Rauschhafte. Sicher, irgendwie ist es „nett“, dem Experiment beizuwohnen, zu wissen, dass Gardiners Aufnahme am Ort der Uraufführung aufgezeichnet wurde, dass Habenecks Orchesteraufstellung berücksichtigt wurde, dass Instrumente der Zeit genutzt wurden. Aber der Effekt eines besonders intensiven Eye- bzw. Ear-Openers stellt sich bei mir (der ich wahrlich kein Feind der HIP-Bewegung bin) nicht ein. Da nützt auch die vermeintliche Authentizität nichts.

      Im Gegenteil, viel eher muss ich da an die durchaus provokanten Äußerungen Sir Colin Davis’ zur HIP-Bewegung denken, die er in einem Interview des Grammophone getätigt hat, nämlich: „Unwittingly, we had touched a nerve. The inevitable question of period performance and period instruments was bound to come up. ‘It isn't such a new thing,’ says Davis, citing the likes of Thurston Dart, one of the movement's great pioneering figures. ‘I think the essence of this whole trend stems from almost a desperation to say something new about an ageing repertoire. There is this misguided idea we have that unless you do something new it won't be interesting. What is being done in this area is interesting and useful in terms of encouraging reexamination of the repertoire— though I personally don't care much for the sound of those instruments. But it doesn't alter the fundamental problem: what are these pieces about?’”(Grammophone 09/1991) Ist es so? Ich weiß nicht. Kürzlich habe ich ein Statement an einem anderen Ort gelesen, das von einem nicht ganz unbeleckten Hörer klassischer Musik kam, der sinngemäß im Zusammenhang mit den HIP-Versionen der Symphonie fantastique die (nicht ernt gemeinte) Hoffnung äußerte, dass man, wenn man Berlioz schon im HIP-Gewand bringt, hoffentlich den „Tristan“ auch bald in HIP einspielen würde. Ein Zeichen von HIP-Müdigkeit? Ich mag es nicht beurteilen.

      :wink: Agravain
    • Agravain schrieb:

      hoffentlich den „Tristan“ auch bald in HIP einspielen würde


      Hat's doch längst gegeben und gibt es in Kürze wieder (Rattle 2001 mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment, im August wieder in Baden-Baden), wenn auch noch nicht auf Tonträgern. Ebenso wie hippen Verdi, Mahler, Ravel... Aber die grundsätzliche HIP-Debatte müssen wir hier vielleicht nicht wiederbeleben, weil sonst in diesem Thread erstmal nicht mehr von Berlioz' Fantastique die Rede sein wird. :S

      Nebenbei ist die "traurige Weise" des Englischhorns im dritten Tristan-Akt ein deutlicher Reflex auf den dritten Satz der Fantastique, fast schon ein Zitat (besonders deutlich beim Duett mit der Oboe, wobei dort Wagner die Rollen der Instrumente vertauscht).

      Zu dem hier recht schnell abgelegten Norrington versuche ich hier demnächst mal, etwas Ausführlicheres zu schreiben. Norrington ist möglicherweise der einzige, der konsequent die Metronomangaben von Berlioz umgesetzt hat. Das wird besonders im dritten Satz deutlich, wo sich die auch unter dem HIP-Banner angetretenen Herren Immerseel und besonders Gardiner nicht im geringsten für die vorgeschriebenen 84 Achtel pro Minute interessieren. Dabei ist das keineswegs eine exzentrische Geschwindigkeit, sondern ein für ein Adagio im 6/8-Takt (zumal mit pastoralem Charakter) ziemlich gängiges Tempo. Man kann so zumindest hörend das Metrum nachvollziehen, was z.B. in den Schlusstakten - wenn sich das Englischhorn letztlich dem 6/8-Metrum fügt - besonders wichtig ist. Bei Norrington hört man diese rhythmische Pointe. Er benötigt insgesamt 14:33 für den Satz, Munch scheint mit 13:50 noch ein bisschen schneller zu sein (die Aufnahme werde ich mir vielleicht mal anschaffen). Alle anderen mir bekannten oder hier angeführten Dirigenten liegen deutlich über 15 Minuten (Boulez knapp drunter), manchmal sogar über 17 Minuten (der von Waldi angeführte Kosler mit 18:14 wäre für mich vermutlich ein Albtraum).

      Das ist möglicherweise nicht nur ein reines Tempo-Problem. Dahinter steckt auch die Frage, inwieweit der Drogentrip, das Rauschhafte wirklich der einzige und/oder beste Weg der Fantastique-Interpretation ist. Bei einer eher "trockenen" Herangehensweise à la Norrington wird viel stärker die Dimension der innovativen Auseinandersetzung mit der Form der klassischen Sinfonie deutlich.


      Norringtons Aufnahme (sie stammt von 1989) ist inzwischen in einer sehr preiswerten Edition erhältlich:





      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Norringtons Aufnahme mit den LCP müßte ich mir wieder mal vornehmen. Übrigens hat er 2002/03 das Werk mit dem RSO Stuttgart neu herausgebracht (kenne die Aufnahme nicht). Wer dem Link folgt, findet eine ausführliche Rezension durch Ben Cohrs (aus Tamino-Zeiten dem einen oder anderen vielleicht noch bekannt):



      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Zwielicht schrieb:

      Norrington ist möglicherweise der einzige, der konsequent die Metronomangaben von Berlioz umgesetzt hat. Das wird besonders im dritten Satz deutlich, wo sich die auch unter dem HIP-Banner angetretenen Herren Immerseel und besonders Gardiner nicht im geringsten für die vorgeschriebenen 84 Achtel pro Minute interessieren.


      Lustig. Sir Colin relativiert in dem oben genannten Interview, dirket nachdem er die HIP-Bewegung abgewatscht hat, die bindende Bedeutung von Metronomangaben :

      You won't discover that by examining metronome markings. I'm sorry, but this obsession with the metronome is complete nonsense. Look, I'll tell you a little story about Stravinsky. When I did Oedipus Rex at Sadler's Wells [and what a dramatic disc that was] Stravinsky came to a performance and he said to me afterwards, 'Young man, why did you take Jocasta's aria so slowly?' I said, 'Well, Mr Stravinsky, I tried to keep to your metronome marking'. And he said, 'My dear boy, a metronome mark is only a beginning'. In other words, it has nothing whatever to do with the spirit of the music; somewhere along the line we've all individually got to make up our own minds about tempo. I'm afraid it's a screen behind which you can hide— otherwise, Heaven forbid, it might just sound like yet another performance of the same piece. Let's be realistic, a performance becomes personal when and if someone has something to say about a piece, and not before.
      (Quelle: HIER)

      Nun weiß ich zwar, dass Berlioz ein Anhänger des Metronoms war, das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig - folgt man Sir Colin und Strawinsky - , dass die Angabe sakrosankt ist. Aber Du hast ja schon auf musikalische Vorteile, bspw. für den dritten Satz, hingewiesen. Einige weitere Beispiele fände ich sehr interessant.

      :wink: Agravain
    • Ich weiß schon, warum Colin Davis - trotz all seiner Verdienste um Berlioz - nicht zu meinen Lieblingsdirigenten zählt. :D Unzweifelhaft distanzieren sich Komponisten gelegentlich von ihren eigenen Metronomisierungen. Sie distanzieren sich aber auch oft genug von eigenen Dynamisierungen, Phrasierungen, Instrumentationsentscheidungen usw., ohne dass man daraus die totale Freiheit des Interpreten als Prinzip ableiten würde. Dieses grundsätzliche Problem hat ja kürzlich Christian Köhn anhand eines Beispiels, bei dem der Komponist (Enescu) sein eigenes Werk interpretiert, angesprochen.

      Die Argumentationslinien gegen Metronomisierungen verlaufen immer ähnlich, berufen sich zudem auffällig häufig auf anecdotal evidence. Der jahrzehntelange Kampf um Beethovens Metronomziffern spricht da Bände. Heutzutage bezweifelt kein ernstzunehmender Interpret mehr, dass Beethovens eigene Metronomisierungen fast alle ausführbar und sinnvoll sind. Ob man sie wirklich ausführt, ob man zumindest die intendierten Temporelationen beachtet, ist eine andere Sache. Sakrosankt sind Metronomangaben ebensowenig wie andere Vorschriften der Partitur.

      Das gilt auch für Berlioz und die Fantastique. Natürlich sollen nicht alle Dirigenten die Metronomisierungen befolgen, das wäre ja furchtbar - aber man freut sich eben doch, wenn wenigstens eine einzige Aufnahme die Ziffern ernstnimmt.

      Am auffälligsten sind die Unterschiede zu "gewohnten" Tempi, wie gesagt, im dritten Satz. Hier finde ich ein relativ schnelles Tempo grundsätzlich wichtig, weil die Rhythmik in diesem Satz eine so wichtige Rolle spielt - insb. ab dem Erscheinen des zweiten Themas (T. 48) häufen sich metrische Verschiebungen, und die hört man m.E. bei einem fließenden Tempo einfach besser. Zudem klingt der Satz mit dem originalen Tempo weniger "spätromantisch".

      Ansonsten wenig Sensationelles: Das einleitende Largo des ersten Satzes wird nicht verschleppt, der vierte Satz ist kein Geschwindmarsch, sondern hat ein eher gestautes Tempo. Interessant noch der fünfte Satz, weil mit der Metronomisierung das einleitende Larghetto relativ schnell, der Allegro-Hauptteil aber eher gemessen daherkommt. Berlioz wollte also nicht unbedingt eine Orgie der Orchestervirtuosität. Das ist auch bereits von anderen Dirigenten umgesetzt worden, Du hast ja explizit Markevitch genannt.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Rideamus schrieb:


      ...
      Die SYMPHONIE FANTASTIQUE war, wie offenbar auch bei manch anderen hier, lange Zeit auch mein Lieblingsstück von Berllioz, und ich weiß nicht, wie oft ich die Aufnahmen Toscaninis, ...
      ...


      Lieber Rideamus,

      A. Toscanini hat oft H. Berlioz im Programm gehabt, meist La Damnation de Faust (Ausschnitte), Harold en Italie, Roméo et Juliette. Aber von einer Aufnahme der "Symphonie Fantastique" weiß ich nichts. Welche Aufnahme meinst Du? Oder handelt es sich um ein Video ohne Platten-/CD-Veröffentlichung oder eine Verwechslung?

      Bis dann.
    • Lieber Keith,

      danke für den Hinweis. Es handelt sich tatsächlich um eine Verwechslung meiner Erinnerung. Der Toscanini, den ich so oft gehört habe, war tatsächlich HAROLD EN ITALIE mit dem Bratschisten Carlton Cooley. Wenn Toscanini die Symphonie gespielt hat, dann hat er sie jedenfalls wohl nie aufgenommen, sonst hätte ich sie sicher auch gekauft, wenn möglich.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Waldi schrieb:

      Für mich muß es keine "schnelle" Interpretation sein. Ich liebe auch Zdenek Kosler, der z.B. für die Scene aux champs nicht weniger als 18:14 beansprucht, womit er wohl kaum übertroffen wird. Meine alte Leier: Nicht das Tempo allein macht's.
      Die CD erschien 1998 beim (nieder)österreichischen Label T-rax in der Reihe der Basic Classics. Aufnahmedatum ist keines angegeben (die Copyrightangabe "A.Scholz Musikförderung Wien, Austria" enthält ja auch einen der bekanntesten Vernebelungsnamen oder zumindest einen gleichlautenden solchen).
      Hallo zusammen, lieber Waldi,

      meine Einspielung unter Zdenek Kosler ist diese.



      PS. Kann mir einer sagen warum das Cover nicht verlinkt wird. :wut2:

      amazon.de/Symphonie-Fantastiqu…sic&qid=1279441187&sr=8-1

      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41HoYIEQQyL._SS500_.jpg]

      [Liebe Maggie, leider gibt es einige Amazon-Bilder, bei denen die Bild-Verlinkung nicht geht. Liegt an Amazon, nicht an Capriccio. In solchen Fällen hilft "Plan B" (Verlinkung mit IMG, ich habe es eingefügt).
      :wink:
      Gurnemanz]



      Die "Scene aux champs" Part 1 und 2 zusammen beträgt 17,78 das Orchester ist die Slovak Philharmonic.

      Ich liebe die Symphonie Fantastique und habe durch diesen Thread gerade festgestellt, das ich unbedingt noch weitere Einspielungen benötige. :cursing: :D

      LG

      Maggie
      Wenn Einer kümmt un tau mi seggt, Ick mak dat allen Minschen recht, Dann segg ick: Leiwe Fründ, mit Gunst, O, liehr'n S' mi de swere Kunst. - Fritz Reuter
    • Neulich auf der "Wühltheke" in der Düsseldorfer Tonhalle erwarb ich diese Aufnahme:



      Da ich ohnehin Fan von Charles Mackerras bin, war diese CD ein Blindschuss und ein Muss,,,

      Heute bin ich dann endlich mal dazu gekommen, die CD genauer zu hören und die Partitur hinzuzunehmen,

      Die Aufnahme wurde 1993 produziert mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Sir Charles Mackerras. Die Spielzeiten der Sätze sind 14:34/6:04/15:50/6:47/9:48, damit ist Mackerras eher einer der schnelleren.
      Mackerras beachtet stricte alle Wiederholungen, sogar die seltener beachtete im IV. Satz.

      Das Klangbild ist sehr transparent und klar, nach meinem Empfinden auch hervorragend ausbalanciert. Die Holzbläser kommen sehr schön heraus, das Blech deckt nicht gnadenlos alles zu. Andererseits ist das "DIes Irae" im Finale ausgesprochen gruslig und energisch, die Tuben und die Ophicleide (wenns denn eine ist) kommt gut heraus.

      Ein (umstrittenes?) Schmankerl im zweiten Satz: nachträglich hat Berlioz noch ein einzelnes Cornett hinzugefügt; in einer alten Ausgabe der Partitur, die ich gesehen habe, stand der Vermerk "Der Herausgeber empfielt, diese wegzulassen". Nun, Mackerras ist dieser Empfehlung nicht gefolgt und setzt mit einem einzelnen, strahlenden Cornett interessante Rhytmische und melodische Akzente,

      Unter dem Strich eine tolle Einspielung, für mich nicht nachvollziehbar, dass sie auf dem Wühltisch landet. Unter den Aufnahmen, die ich kenne, ist das die, die mir unter dem Strich bisher am besten gefällt, zusammen mit Norrngton, die ich vor einer Weile online erwarb. (Am Norrington stört mich nur, dass sie live ist, mit Live-Aufnahmen komme ich generell nicht gut zurecht).
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Ist Mackerras nicht auch einer der wenigen, der die Glockenschläge mit Klavier doppelt? (oder nur einer der wenigen, wo man das tatsächlich hört?)

      (Als weiteres Schnäppchen gibt es in dieser Reihe auch eine Sibelius 2. mit Mackerras, auch hier findet sich meiner Erinnerung nach im Finale entweder eien Text/Instrumentationsvariante, oder jedenfalls eine ungewöhnlich Balance. Habe das leider nicht mehr genau präsent. Und die Schostakowitsch 5 und 10 sind auch nicht schlecht, eine mit Mackerras, die andere mit Frank Shipway)
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)