Berlioz: Symphonie fantastique op. 14 - Werk und Einspielungen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Geheimtip...hm. Lohnend aber ganz sicher,
      da stimme ich lionel zu. "Star" ist das Orchester, mit seinem damals noch sehr französischem Klang: dunkel in den Streichern, leicht agressiv in den Bläsern, mit der ihnen eigenen Farbigkeit, die zu Berlioz zu gehören scheint. Eine Aufnahme, die, wie ich finde, schwer klingt, was nicht schwerfällig meint, sondern den Klang, der sehr grundiert ist. Aus der Ruhe entwickelt, vom Fundament ausgehend.
      Dabei kenne ich nur die LP, wie die CD klingt, weiß ich nicht.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Vielen Dank, Lionel und Hempel, für Eure Hinweise.
      Da ich die Fantastique in mehr als einem Dutzend Versionen habe, ist ein weiterer Kauf sicher nicht zwingend.
      Mich interessierte aber die Argenta-Aufnahme deshalb, weil sie - wie gesagt - nach ihrem Erscheinen von der Kritik hochgejubelt wurde. Vielleicht lag das aber zum Teil auch daran, daß der Dirigent bald nach der Einspielung überraschend verstarb. Klanglich wird sie an heutige Spitzenversionen ohnehin nicht heranreichen können.

      Gruß, Fallada :wink:
    • Lieber Fallada,

      Fallada schrieb:

      Klanglich wird sie an heutige Spitzenversionen ohnehin nicht heranreichen können.
      Lieber Fallada,
      mit einer solchen Aussage wäre ich vorsichtig. Natürlich war die Klangphilosophie eine andere als heute, aber keine schlechtere.
      Seinerzeit hat man noch mit wenigen Mitteln versucht, das Optimum zu erreichen, heute ist jedes Mittel recht. So simpel kann man herangehen wie ein der "Steinzeit"- Tonmeister: "Wir haben nur zwei Ohren, also genügen auch zwei Mikrophone". Nur müssen die dann ideal plaziert sein, um ein Ergebnis zu erzielen, das sowohl den direkten als auch indirekten Klanganteil angemessen abzubilden in der Lage ist. Und da gibt die Argenta- Aufnahme einiges her! Weil sie sowohl geschlossen als auch detailliert klingt, sehr natürlich vor allem in ihrer räumlichen Darstellung- und somit "heutigen Spitzenaufnahmen" ebenbürtig, vielleicht sogar überlegen.

      Ich betone nochmals: das französiche Orchester klingt auch noch wie ein solches, heute viel nivellierter und "europäisiert", an Maßstäben orientiert wie den Wienern oder Berlinern.
      Und wie immer: nur selber hören verhilft zu einer eigenen Meinung.
      Das: "Brauche ich nicht" verstellt Relationen und verhindert Wissen, bloße Information aus zweiter Hand ist nicht dasselbe.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Hempel schrieb:

      Das: "Brauche ich nicht" verstellt Relationen und verhindert Wissen, bloße Information aus zweiter Hand ist nicht dasselbe.
      Hallo Míke,

      danke sehr für Deine Antwort. "Brauche ich nicht" wollte ich gar nicht sagen, ich denke nur, wenn man 15 Versionen eines Werks hat, muß man vor einem weiteren Kauf auch an den Platz denken, der langsam aber sicher eng wird.
      Nun zum Klang. Um bei der "Fantastique" zu bleiben: Ich besitze u.a. die Münch-Aufnahme (RCA) von 1954 (!), eine der allerersten Stereo-Produktionen überhaupt, und die Muti-Version (EMI) von 1985. Letztere ist eine Digitalproduktion, aber Du hast recht: Klanglich gibt es zwar Unterschiede, aber ich kann nicht behaupten, dass Münch schlechter klingt. Deshalb muss ich meine Bemerkung von gestern revidieren. Meist ist es so, dass ältere Aufnahmen einen höheren Rauschpegel haben, doch der ist bei Münch sehr gering.
      Argenta bleibt auf meiner Wunschliste, aber da stehen noch 2 weitere: Dutoit und Mackerras mit dem RPO. Eine typisch "französische" Version habe ich auch: Beecham mit dem Orchestre National de la RDF Paris (EMI). Nur der Dirigent ist Engländer. Da sind die "leicht aggressiven Bläser" auch zu hören.
      Im übrigen stimme ich Dir vollkommen bei: Die heutigen Orchester - zumindest die europäischen - klingen fast alle gleich; den typischen "Berliner" oder "Wiener" Klang vermag man kaum noch auszumachen. Aber Gleichmacherei ist das Gebot der Stunde: Vom Fußball bis zur Politik ..... Warum sollte der Trend vor der Musik haltmachen?
    • SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart / Roger Norrington (2004)




      (P) 2004 SWR Music / Hänssler Classic CD 93.103 [56:18]
      rec. 02.-04. Juli 2003 (Beethovensaal, Liederhalle Stuttgart) live

      Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
      D: Roger Norrington

      Dies ist die zweite Einspielung von Norrington nach der mit den London Classical Players Ende der 1980er Jahre (siehe auch hier). Hier wird mit modernem Instrumentarium gespielt, aber Norrington hat die erarbeiteten Grundlagen der opi-Aufnahme nicht vergessen, sondern wendet sie ihr ebenfalls an. Dementsprechend wirkt auch hier der Orchesterapparat nicht so wuchtig, und die Symphonie wirkt luftig und fein austariert. Die Stuttgarter spielen mit hoher Präzision, geschlossenem Zusammenklang und einer gehörigen Portion Dynamik. Besonders die Pauken und das Schlagwerk weiß sich sehr gut ins rechte Licht zu rücken - das peitscht und knallt es, daß es eine wahre Freude für alle Masochisten ist... :D

      Diese Aufnahme macht auf jeden Fall was her - auch klanglich... :hammer1:
      :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Nur zur Information:

      New York Philharmonic - 175th Anniversary Edition



      Leonard Bernsteins zweite Aufnahme dieses Werks mit dem New York Philharmonic Orchestra, eingespielt am 5.3.1968, ist in dieser Box enthalten.
      (Ich weiß nicht, ob sie bisher schon auf CD veröffentlicht wurde.)
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Das soll Bernsteins zweite Aufnahme der Symphonie fantastique vom 05.03.1968 sein:

      [Blockierte Grafik: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/71o3hn8gjfL._SL1012_.jpg]

      Gibt es auch auf Vinyl:
      [Blockierte Grafik: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/71SXFIOPiRL._SL1024_.jpg]

      Hier ist die erste Aufnahme von 1963 drauf und zusätzlich sind Ausschnitte aus einem Gesprächskonzert vom 05.03.1968 enthalten:


      Die Spielzeiten im Vergleich:
      1963:
      Satz I: 13:18 / Satz II: 06:14 / Satz III: 17:13 / Satz IV: 04:49 / Satz V: 09:47

      1968:
      Satz I: 12:30 / Satz II: 06:00 / Satz III: 15:00 / Satz IV: 04:25 / Satz V: 09:25
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • James Levine mit den Berliner PH

      Nie gedacht hätte ich, dass mir noch einmal eine Aufnahme der Symphony fantastique über den Weg läuft, die sich mit meinen drei übriggebliebenen Favoriten messen kann.
      - das sind die beiden Normalen: Markewitsch (DG, 1962) und Solti (Decca, 1972)
      Was heisst nun Normal ?
      - der Bernstein-Wahnsinn von (SONY, 1963) gehört nicht mehr zu den Normalen, der hebt sich deutlich von allen Normalen ab - da ist natürlich viel "Bernstein - Special - Emotion" enthalten !


      :!: Es gesellt sich jetzt in diese Reihe die musikalische Delikatesse von James Levine mit den Berliner PH in DDD zu diesen 3 absoluten Favoriten, die es in allen Sätzen in sich hat:

      1. Satz - Träume - Leidenschaften 16:00 - ein musikalischer Leckerbissen mit einem farpierenden Detailreichtum

      2. Satz - Ein Ball 6:05 - hier tummeln sich unter den Gästen schon einige Monster

      3. Satz - Szene auf dem Lande 16:29 - es folgt ein spannend angedeutetes Gewitter als Vorahnung für die kommende Katastrophe

      4. Satz - Der Gang zum Richtplatz 7:12 - länger als gewohnt zelebriert Levine den Gang bis er das Geschehen dramatisch steigert, bis das Fallbeil brutal fällt. Fastzinierende Sichtweise, aber ich bevorzuge dennoch die packendere und rhythmischere Version mit Solti (mit 4:54).

      5. Satz - Sabbatnacht 10:00 - ein musikalisches Fest unter James Levine. Es bleibt keine Pauke, keine grosse Trommel unterbelichtet. Die Glocken scheinen Kirchenglocken zu sein, die eine Oktave tiefer sind als die sonst üblichen schrillen Röhrenglocken. Der Glockenklang wirkt fast gruselig und man hört das tiefe Mitschwingen des Metallkörpers (klar bei dem TOP-DG-Sound) - fastzinierend.
      Vom Opiumtrip unter Bernstein ist das gar nicht weit entfernt, dafür bei Levine ungleich präziser.

      *** Die Berliner PH habe ich selten so Präzise mit Hingabe gehört - was ihren Ruf als eines der weltbesten Orchester klar unterstreicht - Berliner PH in Bestform.
      Der megapositieve Eindruck ist natürlich James Levine zu verdanken (der hier mit den Berlinern eine um Klassen bessere Int abliefert als früher Karajan (eines seiner schwächeren Aufnahmen)).
      8o Ohne die phäomenal gute audiophile DG-Klangtechnik von 1990 wäre dieser begeisternde Eindruck auch kaum möglich.

      DG, 1990, DDD


      :saint: Als tollen Filler präsentiert Levine einen Ausschnitt aus den Trojanern,
      den Satz Königliche Jagd und Sturm 9:41.
      Ohne dass ich dieses Stück noch in Erinnerung hätte (habe es irgendwann schonmal gehört) kann ich feststellen, dass es kaum besser und eindrucksvoler in Klang gesetzt werden könnte, als hier unter Levine - ganz grosse Megaklasse !
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Bernstein / Orchestre National de Paris (EMI, 11/1976)

      Wenn es um die Symphony fantastique geht, dann setht bei mir die Hammeraufnahme mit Bernstein / New Yorker PH (SONY, 1963) an der Spitze. Auch wenn die sehr eigenwillig ist und man eigentlich den wirklichen Berlioz eher bei Markewitch / Lamourex (DG) erleben kann - - - egal, denn Bernstein ist schon der Wahnsinn.

      Von daher auch interessant Bernsteins Pariser Aufnahme zu hören. Dies befindet sich in meiner neuen ausgezeichneten und hochmpfehlenswerten 7CD-Box mit Aufnahmen, die Bernstein 1976/76 in Paris gemacht hat.
      Erwartungsgemäss ist es hier wie bei der Harold-Sinfonie. Die New Yorker PH und Bernstein sind einfach brillanter. Pluspunkt für Paris wäre, dass Bernstein hier mit französischem Flair mehr "Berlioz als Bernstein" einfliessen lässt. Ergebnis ist hier eine wohlklingend saubere kurzweilige megaspannende Symphonie fantastique, die als Ergänzung zu seiner New Yorker Aufnahme absolut bestehen kann. Im Gang zum Richtplatz und Hexensabatt ist Bernstein ganz in seinem Element. Tolle Pauken und wie es sein soll = :thumbsup: sonore fetzige Glocken im Hexensabatt, die keineswegs zu laut sind, wei ich es kürzlich Anderenortes gelesen habe.

      Die hier mal wirklich gute EMI-Klangqualität (mit aktuellem 24Bit-remastering von 2018) macht das Ganze zu einem Berlioz-Schmauss:


      EMI, 1975/76, ADD

      - oder als Einzel-CD:

      EMI, 1976, ADD
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang