John Williams - Größen der Filmmusik

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    • John Williams - Größen der Filmmusik

      Halli hallo, hier ist er schon mal der Komponistenthread zu John Williams.

      Wer kennt ihn nicht, den Schöpfer von Filmmusiklegenden, wie Supermann, Der weisse Hai, ET, Star Wars, Uheimliche Begegnung der dritten Art, Indiana Jones, Schindlers Liste, Jurassic Park, Harry Potter, AI, aber auch eher unbekanntere dennoch nicht minder schöne Scores, wie Always, Reich der Sonne aber auch Sleepers und, und und.

      Hier ist der Platz, wo einzelne Scores im Detail besprochen und diskutiert werden können und sollen.

      John Williams ist schon mal aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit ausgehend vom späten 20. Jahrhundert bis jetzt einer der aktuell schaffenden Komponisten, bei dem man den Wandel von eher spätromatisch anmutenden Werken, wie beispielsweise Supermann, ET, Star Wars Episode IV bis VI über eindeutig von der Minimalistik geprägten Scores (AI) bis hin zum ganz aktuellen eher postminimalistischem Schaffen (München, Harry Potter...) sehr schön verfolgen kann. Inspiriert von Spätromantikern, wie Gustav Holst (Die Planeten) aber auch Korngold hat er im Laufe seines Schaffens eine ihm ureigene Tonsprache gefunden anhand derer man ihn eindeutig immer erkennen kann. John Williams dirigiert seine Musiken bei der Einspielung sehr oft selbst, was dem Eindruck des "aus einem Guss gemacht" noch sehr oft entscheidend unterstreicht. Es gibt auch nicht wenige nicht zur Filmmusik gehörende Arbeiten dieses Ausnahmekomponisten:

      So sorgte kein anderer als er für den fanfarenhaften Marsch zu den olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles. Auch wurde ihm jüngstens die musikalische Untermalung der Inauguration von Barack Obama erfolgreich anvertraut. Auf dem Gebiet der ungebundenen Musik hat er bisher unter anderem ein Flötenkonzert geschaffen, welches aber aufgrund seiner eher neutönigen Machart entscheidend von den anderen Tonschöpfungen abhebt.

      Wie schon im Parallelthread erwähnt bediente sich John Williams insbesondere in seiner 1970er und 1980er Phase sehr überzeugend wagnerianischer Leitmotivik. Dies tritt nicht nur bei Star Wars, sondern auch sehr schön bei Indiana Jones zu Tage: Insbesondere hier kann man sehr schön die sehr präzise musikalische Identität der Charaktere durch eigene Themen bewundern. Bei Star Wars kommt - wie schon berichtet - interessanterweise das Fortführen der Leitmotivik in den nachgedrehten Episode I bis Episode III hinzu. Ja hier hat er in der Tat sehr überzeugend die Musik retrospektiv entwickelt.
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.



    • E.T. The Extra Terrestrial


      Obenstehendes Cover stammt von der seit 2002 erhältlichen Neuausgabe. Dabei handelt es sich um eine remasterte "Geamtausgabe" des Scores.

      Besprochen wird im folgenden die MCA-Originalausgabe von 1982 (dem Erscheinungsjahr des dazugehörigen Steven Spielberg-Filmes). Retrospektiv betrachtet stellt diese in meinem Besitz befindliche Ausgabe gewissermassen eine symphonische Suite aus dem Score dar.

      Dirigieren tut da John Williams selbst.

      Die Trackfolge dieser 40 minütigen Originalausgabe lautet:

      1) Three million lightyears from Home
      2) Abandoned and pursued
      3) E.T and me
      4) E.Ts Halloween
      5) Flying
      6) Over the moon
      7) Adventure on earth

      Der erste Track stellt im Prinzip das Vorspiel dar. Er beginnt ganz verhalten mit dem - nennen wir es mal E.T. - Heimweh-Thema, dem sich dann eine leicht düstere choralähnliche lange Melodielinie anschliesst, die sich langsam immer höher emporschwingt, ehe sie dann nach kurzer Zeit in den zweiten Track übergeht.

      Dieser gestaltet sich dann eher rhythmisch und dramatisch. E.T. wird sehr rasch von Kindern in der Nähe seines unfreiwilligen Aufenthaltsortes gefunden und liebgewonnen. Die Kinder verstecken ihn, da sie wie sich leider im Laufe der Zeit ganz richtig herausstellt bei den Erwachsenen einerseits Furcht und andererseits einen zerstörerischen Forscherdrang wecken.

      Track 3 lässt uns mittels seiner lieblichen wiegenliedhaften Melodie an der ganz besonders liebevollen Zuneigung zwischen einem der Kinder und E.T. teilnehmen. Dieses Stück ist in meinen Augen eine der schönsten Arbeiten von John Williams überhaupt. (Später, ja viel später wird der Komponist in AI da anknüpfen...)

      Track 4 beginnt mit einem kurzen Scherzando - klar, so kann man sich recht gut in ein Halloween - Fest hineinversetzen. Gegen Ende dieser kurzen humoresken Passage schwenkt die Musik - ja fast schon feierlich in das Hauptthema des ganzen Scores um, welches dann mit einer enormen Steigerung herrlich instrumental ausgesungen wird.

      In Track 5 mutiert dieses Hauptthema zu einer wahrhaft federleichten luftigen Musik - schöner lässt sich das Thema FLIEGEN mit Tönen kaum darstellen.

      Track 6 erinnert in seiner Tonsprache sehr stark an Track 3 - es ist die ergreifende Heimwehszene, wo E.T. mit Hilfe eines selbstgebauten "Telefons" nachhause telefoniert. Wer kennt nicht die herzzerreissende Szene, wo E.T. seinem kleinen Freund kurz vor seiner Heimreise verspricht immer für ihn da zu sein und das mit dem Leuchtfingerzeig dann bekräftigt...

      Track 7 schliesslich knüpft nochmal an das Flying Thema an.

      Track 8 letztendlich ist - kompositorisch gesehen - das gehaltvollste und zeitlich mit Abstand längste Stück dieser herrlichen spätromantisch daherkommenden rein symphonischen Filmmusik.
      Hier wird im Prinzip die ganze Verfolgungsjagd der Forscher in Tönen umgesetzt. Das ist ein wahres Wechselbad von Klangfarben in welchen hier alle wichtigen Themen des Scores kunstvoll und dramatisch miteinander verwoben letztendlich in eine gewaltige Coda münden, die schon fast etwas von Kontrapunkt aufweist. Dieses Finale schliesst dann - ganz ähnlich wie der Score beginnt - mit dem Heimweh-Thema.

      Was mich noch ganz besonders an dieser Musik fasziniert ist, dass sie auch völlig losgelöst vom Film überzeugen kann. Auch wer den Film überhaupt nicht kennt wird sich dem Charme dieser grossartigen Orchestermusik mit sehr hohem spontanen Hörgefallen kaum entziehen können. John Williams setzt hier auf Melodien mit sehr hohem Wiedererkennungswert. So etwas wie sogenannte einen Hörfluss empfindlich störende Suspense-Musik kommt - zumindest in der hier besprochenen (gegenüber der tatsächlich für den Film geschriebenen) gekürzten Originalfassung nicht vor. Das ganze Album ist einfach nur ein maximaler Hörgenuss, auch wenn der Tubaspieler bei dieser Aufnahme des öfteren nicht ganz den Ton trifft.

      Für mich ist dies die mit schönste Filmmusik, die bisher geschrieben wurde. Ein Meisterwerk.
      ... alle Menschen werden Brüder.
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    • Jurassic Park

      Score zum gleichnamigen Steven Spielberg - Film von 1993, erschienen bei MCA

      Spielzeit: 70 min

      Tracklisting:

      1) Opening Titles
      2) Theme from Jurassic Park
      3) Incident at Isla Nublar
      4) Journey to the island
      5) The raptor attack
      6) Hatching baby raptor
      7) Welcome to Jurassic Park
      8) My friend, the bracchiosaurus
      9) Dennis steals the embryo
      10) A tree for my bed
      11) High wire stunts
      12) Remembering Petticoat Lane
      13) Jurassic Park gate
      14) Eye to eye
      15) T-Rex rescue & finale
      16) End credits

      1) und 2) Der Score beginnt mit einigen wenigen von einer japanischen Rohrflöte ängstlich umspielten unheilvollen Orchesterschlägen ehe es dann John Wiilliams sehr überzeugend schafft die an sich positiven Intentionen des Jurassic Park - Betreibers in ein voller Wärme und Euphorie nur schwelgendes Hauptthema zu fassen.

      3) JWs Action-Scoring Erfahrungen von vielen Star Wars - Szenen, aber auch - hier wohl insbesondere zum Tragen gekommen - von der Minenbahnjagd aus Indiana Jones und der Tempel des Todes voll ausnutzend demonstriert uns hier die Musik sehr eindeutig, dass sich das Leben immer seinen Weg sucht...

      4) Gleich vorne weg: Diese Art Reiseerzählung, am Ende bereits auf Demo-Safari im Park dürfte wohl auch noch in Jahrzehnten, wenn nicht noch länger in Konzertsälen der Welt erklingen. Hier erklingt zum ersten Mal das zweite Hauptthema, welches nicht minder prachtvoll und ehrfurchtsvoll wie das Erste ist. Es ist aber irgentwie ein wenig zackiger, will nicht sagen, um es in der Sprache der Sonatenform zu sagen - männlicher. Nachdem dieses Thema vollmundig ausgesungen (hier auch wörtlich zu verstehen, ja da singt tatsächlich ein Vocalisenchor mit) wurde erklingt dann das JP-Hauptthema in einer strahlenden Schönheit, wie es den ganzen Rest des Scores nicht mehr auftritt - und auch handlungsmässig nicht mehr auftreten darf.

      5) Hier wird sehr eindrucksvoll untermalt, wie schlau Raptoren im Team todsicher jagten. Schaurig schön. Man kann den fauligen Atem dieser Jäger geradezu riechen.

      6) Ganz klein, süss und noch harmlos so ein Raptorküken. Aber die Instrumentierung und Vorführweise dieser Wiegenliedmusik ahnt bereits Anderes vor...

      7) Kunstvolle Variation von Thema 1 und 2

      8) Herrliche nächtliche Romanze auf dem Zufluchtsbaum, die die Gutartigkeit der riesigen Pflanzenfresser, aber auch den bedingungslosen Zusammenhalt der Forscherfamilie symbolisiert. Ein sehr schönes Adagio, welches am Ende fast wie ein Flötenkonzert klingt.

      9) ACTION: Mittels unterstützendem sparsamen Synthsizer-Einsatz wird hier die Dramatik einer der Schlüsselszenen des Films bestens musikalisch untermauert. Auch hier wieder Rohrflöteneinsatz, der den ausser Kontrolle geratenen Wildnischarakter hevorragend unterstreicht.

      10) Wunderschön, wie hier die Celestra ganz behutsam vom JP-Hauptthema umspielt wird. Ein weiteres ganz bezauberndes ruhiges Stück, das bereits auf die mystische Grundstimmung von AI hinweist.

      11) ein weiterer Actiontrack - eher was für Kenner des Films

      12) Dem Parkbetreiber wird immer mehr bewusst, dass er einen sehr grossen Fehler gemacht hat. Dass sich die Natur in der von ihm vorgestellten Art und Weise nicht einsperren lässt wird hier mit sanften, aber mahnenden Tönen eindeutig unmissverständlich ausgedrückt und suggeriert. Eine musikdramatisch sehr überzeugende Leistung!

      13) Dieses Tor sollte die Besucher auf eine Safari der anderen - urtümlichen - Art einstimmen. Die Musik verdeutlicht dies, indem das zweite Thema hier von afrikanischen Trommeln begleitet erklingt.

      14) Während die Erwachsenen dabei sind die Parksicherheit wieder herzustellen müssen sich die beiden Kinder noch gegen zwei Raptoren wehren (Küchenszene...). Letztendlich gelingt es ihnen sich den tödlichen Krallen der schlauen Urzeitwesen zu entziehen.

      15) SHOWDOWN: Alle haben noch irgentwie mit den Raptoren zu kämpfen. Während die Parksicherheit unter Mithilfe der Tochter wiederhergestellt werden konnte bedarf es ganz am Ende noch der Unterstützung des T Rex, ehe die Raptoren endlich besiegt werden konnten. Ironie des Schicksals: Der mächtigste Fleischfresser dieser Tage rettet die Menschen. Symbolträchtig reisst er dabei das JP-Willkommensbanner in der Empfangshalle nieder.
      Nun wendet sich auch der Parkbetreiber endgültig von seinem ehemaligen Vorhaben vollends ab.

      16) ABSPANN: Hier werden nochmal die beiden Hauptthemen gegenübergestellt, ehe das Werk ähnlich wie es angefangen hat düster endet. Ein Unheil verheissendes Hornsolo weisst bereits auf weitere Umtriebe der Urzeitechsen hin.

      Dieser Score dürfte John 'Williams insbesondere mit dem Einsatz längerer Melodien als Themen unter anderem den Weg in sein andauerndes Alterswerk geebnet haben.
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    • RE. John Williams lieber in seinen Gesamtwerken oder in Zusammenstellungen

      Hallo Aquarius und Michael,

      Eure Worte machen neugierig. Da die JurrassicPark-CD für knapp unter 3,-Euro zu haben ist, habe ich bereits bestellt !

      Unter meinen Filmmusik-CD´s finden sich auch 5 CD´s auf denen John Williams Werke vertreten sind. Zu bemängeln wäre, dass die CD-Industrie zumeist immer nur einzelne Sätze auf den CD´s abliefert statt der Gesamtwerke. Für Klassische werke wäre dies für nicht untragbar - :pfeif: bei Filmmusik lasse ich es gelten. Du als eingefleischter Filmmusik-Fan greifst natürlich zu den Gesamtwerken, wie man an deinen abgebildeten CD´s sieht.

      An Deinen Beiträgen sieht man, dass Du mit großer Begeisterung zu diesen Filmmusikwerken stehst. Why not !



      Meine besten Willams-CD´s sind diese Beiden aus denen Spielberg-Soundtracks geboten werden (aber natürlich auch nur Ausschnittware !):



      ... ist bei amazon zur Zeit nur als Cassette zu haben. War in den Neunzigern der Verkaufsschlager in allen CD-Läden und als Lautsprecher-test-CD gerne verwendet.
      SONY, 1991, DDD

      und diese CD ist auf Star Wars und entspechede SpaceSounds geeicht:


      Philips (ELOQUENCE), 1991-95, DDD



      *** Von Williams großem Meisterwerk Schindlers Liste habe ich auch nur den Satz Williams Theme from Schindlers Liste für Violine und Orchester auf einer EMI CD mit Tasmin Little (Violin)/New Wold PO/Iain Sutherland. Alleine dieser Satz macht ihn zu einem herausragenden Komponisten des 20.Jahrhunderts ....
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Folgenden Beitrag habe ich gerade schon im Thread John Williams Musik für die "Star Wars"-Filme: der "Nibelungen-Ring" der Filmmusik? gepostet, denke aber, da es in der Doku nicht nur um die Musik von Star Wars, sondern auch viele andere Filmmusiken von John Williams geht, dass das in diesen Thread auch gut reinpasst:

      Bei YouTube habe ich eine sehr interessante englisch-sprachige Doku über Williams und den Entstehungsprozess der Musik zu Episode V (Das Imperium schlägt zurück) gefunden. Neben der Musik für "Das Imperium schlägt zurück" werden noch eine ganze Reihe anderer Williams-Filmmusiken besprochen und ein kleines, sehr schönes Porträt des Komponisten gezeichnet. Die Bild- und Tonqualität ist leider suboptimal (vermutlich Transfer von einem TV-Mitschnitt auf VHS), aber noch brauchbar. Die Doku ist bei YouTube in 6 Teile aufsplittet:

      "http://www.youtube.com/watch?v=AGsbKZnaT8E"
      "http://www.youtube.com/watch?v=lzohziFmseE&feature=related"
      "http://www.youtube.com/watch?v=ksTbSNhjaBk&feature=related"
      "http://www.youtube.com/watch?v=TzeIkREjFMI&feature=related"
      "http://www.youtube.com/watch?v=5CtbOfS3Tv4&feature=related"

      Der sechste Teil ist leider in Deutschland wegen Inhalt von Sony Music Entertainment nicht abrufbar.

      DiO :beatnik:



    • AI (Artificial Intelligence) – Steven Spielberg 2001

      Score von John Williams

      Laufzeit: ca 70 min, erschienen bei Warner Sunset

      Tracklisting:

      1)The Mecha World
      2)Abandoned in the woods
      3)Replics
      4)Hide and seek
      5)For always
      6)Cybertronics
      7)The moon rising
      8)Stored memories and Monica`s Theme
      9)Where dreams are born
      10)Rouge city
      11)The search for the blue fairy
      12)The reunion

      Bonustrack: For Always (Duett)

      Ich hoffe, dass ich mit folgenden Worten wenigstens teilweise ausdrücken kann, um was für ein feines hochemotionales und mystisches Meisterwerk es sich hierbei handelt.

      Schon im Eröffnungstrack wird sofort klar, dass sich hier zur bis dato eher spätromantischen Tonsprache von John Williams eindeutig Elemente der Minimalistik in friedlicher Koexistenz hinzugesellen. Hier werden die der Minimalisti eigenen repetitativen Klang- und Rhythmusmuster (Pattern) einem grösseren kompositorischen Gesamtkonzept untergeordnet. Dadurch gewinnt die Musik eine extreme Dynamik, die in Kombination mit der unverkennbaren rhythmischen Hauptkomponente natürlich perfekt zur Beschreibung einer Roboterwelt passt.
      Allein dieses wahrhaftige Vorspiel hat es mir schon sehr angetan. Ich bin davon überzeugt, dass es seinen Weg in die Konzerthäuser dieser und der morgigen Welt wohl leicht finden wird, wenn es sie nicht sogar schon längst gefunden hat...

      2 und 3: Nach einer neuen kurz angespielten minimalistischen Klangidee (wie sich später herausstellen wird stellt diese gewissermassen ein zweites Thema dar) folgt eine ähnlich mystische Musik, die schon bei ET in der Abschiedsszene und auch bei Jurassic Park 1 in der Zufluchtsbaum-Szene ähnlich überzeugend starke emotionale Bindungen zwischen sozal gesinnten Individuen mal wieder perfekt in Szene setzt. Hier ist es die leider nur einseitige vom Cyborg David ausgehende Zuneigung zu seiner „Mutter“ Monica aus seiner Bestimmungsfamilie.

      Track 4 : Hier wird mittels eines leisen, aber regelrecht sarkastisch schroff klingenden Scherzos ein ungewolltes Versteckspiel zwischen David und Monica musikalisch untermalt, wobei Monica es war, die David vorher im Wald ausgesetzt hat.

      Es folgt mit Track 5 ein – zugegeben den symphonischen Musikfluss des Scores rein klanglich etwas störend unterbrechenden – Popsong, der aber immerhin zum ersten Mal die Zentralmelodie des gesamten Scores (das Monica-Thema) zum ersten Mal erklingen lässt.

      In Track 6 greift der Komponist ganz kurz zu echten Technoklängen, die gewissermassen als elektronische Form der Minimalistik hier sehr schön die kalte technische Welt der Roboter verdeutlichen. Eine Umgebung in der für echte Emotionen kein Platz zu sein scheint.

      In Track 7 erklingt mal wieder eine der gewohnt erstklassig gelungenen Naturmalereien (hier ist es ein Mondaufgang).

      Track 8 und 9: Neben dem Vorspiel ist es DIESE Musik, (hier lässt David seine gespeicherten Erinnerungen wieder und immer wieder Revue passieren) die den ganzen Score für mich so wertvoll machen. Bereits beim ersten Hördurchgang damals stand ich bildlich gesprochen wie ein staunender kleiner Junge da – so unglaublich schön kann Musik dieser Tage klingen! Es ist so, als hätten wir für kurze Zeit die Möglichkeit einen Blick auf DAS WAS DANACH KOMMT zu werfen. Und damit meine ich nicht das Jenseits, sondern vielmehr die nachhaltig allen zu Gute kommenden Verbesserungen im Diesseits, wie sie beispielsweise nach einem grundlegenden von jedem Individuum aus persönlicher Überzeugung realisierten wahren Paradigmenwechsel möglich und mehr als notwendig wären. Herrlich, wie hier die Zentralmelodie (das Monica-Thema) in Track 8 noch ganz verhalten und dann in Track 9 so prachtvoll von einer Vocalisenstimme vorgetragen wird. Diese Musik macht wirklich Hoffnung...

      Track 10: Hier wird zunächst das schon zu Anfang des Scores kurz vorgestellte zweite – ebenfalls minimalistisch ausgeschmückte – Thema schön instrumental ausgesungen, ehe diese Musik dann in eine kurze Reprise zum Pattern des Vorspiels mündet.

      Track 11: Hier wird eine der Schlüsselszenen des Films beschrieben: Die Suche Davids nach der „blauen Fee“, die ihn in seine Bestimmungsfamilie zurückbringen soll. Die Menschen sind längst weg, David sitzt eingefroren unter Wasser und „träumt“ von dieser blauen Fee. Die fantastische Grundstimmung dieser Szene wird musikalisich von einer „nicht von dieser Welt stammenden“ tröstenden langen Vocalise (die blaue Fee singt?!?) bestens suggeriert.

      Track 12: Tausende Jahre später machen reisende hochentwickelte Aliens kurz Station auf er Erde. Sie tauen David, den sie als Abbild einer längst vergangenen menschlichen Zivilisation sehen, auf und ermöglichen ihm es wenigstens noch einen ganzen Tag in seiner Bestimmungsfamilie glücklich bei Monica sein zu dürfen. Damit wird ihm gewissermassen sein Herzenswunsch erfüllt, denn diesen Tag wird er fortan ewig Revue passieren lassen können. Die Musik bringt diese Vorstellung zum Ausdruck, indem sie das Monica-Thema sozusagen als Endlosschleife laufen lässt.

      Eine sehr nachdenkliche Geschichte, der John Williams mit dem vorliegenden Score ein sehr überzeugendes Alterswerk gegönnt hat.
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    • Wie ich gerade eben herausfand, gibt es seit März 2010 endlich das erste Buch über die Filmmusik von John Williams - und das sogar in Deutsch: "Spielberg Variationen: Die Filmmusik von John Williams" von Peter Moormann.



      Die bislang einzige Rezension beim Amazon lässt allerdings kein gutes Haar an dieser knapp 800-seitigen (!) Pionierarbeit ...

      DiO :beatnik:
    • @ Diabolus in Opera und Buch über John Williams:

      Das ist ja sehr interessant - will haben, werde kaufen. Auf Kritiken von Anderen gebe ich a priori in der Regel nicht viel.

      Vielen Dank für den Tip :juhu: :juhu: :juhu:

      Wie wäre es denn, wenn Du hier mal - nach und nach versteht sich - die Reviews von Star Wars reinstellst, nur mal so eine Idee. Als potentieller Opernkenner kannst Du die Sache mit der Leitmotivik im Rahmen von richtigen Albumbesprechungen sicher noch viel besser und detaillierter darstellen. Das würde hier super reinpassen.
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    • John Williams, der 1932 im New Yorker Stadtteil Queens geboren wurde, studierte an der University of California (Komposition) und an der berühmten Julliard School in New York (Klavier). Bevor seine Karriere als Komponist begann, arbeitet er als (Jazz)-Pianist, u.a. für den renommierten Filmkomponisten Henry Mancini, dessen "Pink Panther Theme" weltbekannt wurde. Williams hat seitdem über 100 Kompositionen für Film und Fernsehen geschrieben. Er erhielt insgesamt 45 (!) Oscar-Nominierungen, soviel wie kein anderer noch lebender Künstler. 5x gewann Williams die begehrte Trophäe, für die adaptierte Musik zu "Fiddler on the Roof" (1971) sowie die Eigenkompositionen "Jaws" ("Der weiße Hai", 1975), "Star Wars" ("Krieg der Sterne", 1977), "E.T." (1982) und "Schindler's List" (1993). Wie Rideamus in einem anderen Thread schon mal äußerte: nicht alle seiner Arbeiten waren Meisterwerke. Aber in der Summe dürfte wohl kein anderer noch lebender Filmkomponist eine derartige Vielzahl an meisterhaften, berührenden und eben auch sehr populären Werken geschaffen haben. Auch muss man Williams mittlerweile zugestehen, dass er im Laufe der Zeit neue und abwechslungsreiche Elemente in seine Musiken eingefügt hat und nicht nur für einen Typus steht, der immer und immer wieder recycelt wird. Manche stecken ihn immer noch in die pompöse Action-Schublade, was schlichtweg falsch ist. Williams hat es unterdessen eigentlich immer geschafft, zumindest ein Thema für eine Soundtrack zu schreiben, das einem im Ohr hängen bleibt - selbst wenn in einzelnen Fällen der Großteil des Scores eher unspektakulär war - wie ich oben schon schrieb: nicht jeder seiner Soundtracks hat unbedingt einen Platz im Olymp der Filmmusiken verdient. Neben der maßstabsetzenden Musik für die 6 "Star Wars" Filme gehören für mich aber drei seiner Werke ohne wenn und aber dorthin und sind darüber hinaus überhaupt denkwürdige Hinterlassenschaften im Bereich der orchestralen Musik.

      Da wäre zum einen die Musik zu "Jaws", in Deutschland unter dem Titel "Der weiße Hai" bekannt.

      [img]http://ecx.images-amazon.com/images/I/41H4IiAGOuL._SS500_.jpg[/img]

      Nicht nur hat Williams mit seinem berüchtigten 2-Noten-Motif wohl einen musikalischen Archetyp in unser (Unter-)Bewusstsein gepflanzt, der beim Erklingen für Angst und Schrecken sorgt. Darüber hinaus bescherte er uns mit den Cues "Sea Attack Number One" und "One Barrel Chase" zwei der mitreißendsten und nervenaufreibendsten Action-Tracks der Filmmusikgeschichte, sowie mit "Night Search" ein mysteriöses Nachtstück mit Gänsehautgarantie.


      1993 sorgte Williams zusammen mit Ithzak Perlman dafür, dass Spielbergs Shoa-Drama "Schindlers Liste" auch akustisch über den Kinosaal hinaus verfolgte.

      [img]http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Ol8020n%2BL._SS500_.jpg[/img]

      Die bewegendsten Stücke daraus sind wahrscheinlich das "Theme from Schindler's List" und "Remembrances", sowie die beiden Chor-Titel "Oyf'n Pripetshok / Nacht Aktion" und "Yerushalaim Shel Zahav". Zwar hatte Williams schon zuvor ab und zu für "ernsthaftere" Filme geschrieben, er war aber doch eindeutig für andere Genres bekannt und beliebt und "Schindlers Liste" war dann in seiner Brisanz doch Neuland für ihn - genauso wie für Spielberg als Regisseur. Doch das Ergebnis sollte alle Bedenken Lügen strafen: Mit seinen Melodien hat sich Williams tief ins Gedächtnis der Zuschauer und Zuhörer gegraben, über die Wirkung dieser wunderbaren und gleichzeitig todtraurigen Musik Worte zu verlieren erübrigt sich eigentlich.


      Schließlich soll hier noch eine Filmmusik erwähnt werden, die ebenso wie der Film an sich - meiner Meinung nach - in hohen Maße unterschätzt wurde und immer noch wird, nämlich "A.I. - Künstliche Intelligenz". Spielbergs schizophrenes Kubrick-Erbe gehört zum intelligentesten, was im Science-Fiction-Genre zu finden ist und die Musik steht dem in keiner Weise nach.

      [img]http://ecx.images-amazon.com/images/I/41O-IKKp8PL._SS400_.jpg[/img]

      Aquarius hat weiter oben dankenswerterweise schon auf dieses Meisterwerk aufmerksam gemacht - ich kann ihm in seiner Begeisterung nur zustimmen. Williams erfindet sich hier z.T. neu, verbindet wohl-bekannten, organischen Instrumententon mit synthetisch erzeugten Klangflächen, eingängige Melodien mit minimalistischen Ansätzen. Die Reibung zwischen organischer und mechanischer Welt quillt diesem Werk aus jeder Pore und spiegelt damit das zentrale Thema des Films wieder. Dieser Score und sein neuer "Williams-Sound" ist ein Meilenstein in John Williams Karriere und übte großen Einfluss auf seine späteren Kompositionen aus, u.a. "Minority Report" (2002), "Star Wars: Episode III -Revenge of the Sith" (2005), "War of the Worlds" (2005) und "München" (2005). Ein Jammer, dass Williams für "A.I." nicht seinen 6. Oscar bekam - er hätte ihn mehr als verdient gehabt. Vermutlich wurde ihm wie schon einige Male eine Doppelnominierung (damals neben "A.I." auch "Harry Potter") zum Verhängnis, die für gewöhnlich die Stimmen splittet und den Gewinn unwahrscheinlicher macht.

      @ Aquarius: Ich werde versuchen, demnächst Reviews zu einzelnen Soundtracks von Williams zu schreiben, es kann allerdings noch etwas dauern.

      DiO :beatnik:
    • So, anscheinend wird nun langsam endlich wahrgenommen, dass es durchaus sinnvoll ist, sich mit dem Schaffen von John Williams unter musikwissenschaftlichen Aspekten genauer auseinander zu setzten ... ;) Und natürlich auch schön, dass deutsche Autoren hier die Pionierarbeit übernommen haben. Es scheint noch keine englisch-sprachige Publikation zu geben. Wie ich am Erscheinungsdatum sehe, kam dieses Buch sogar schon ein ganzes Jahr vor dem Buch von Peter Moormann heraus, auf das ich weiter oben schon hingewiesen habe. "Die globale Bedeutung von John Williams für die Filmmusik: Musikdidaktische Überlegungen am Beispiel des Films Die Geisha", von Christina Volz, VDM Verlag, 2009, 144 Seiten. Der Preis ist für die geringe Seitenzahl allerdings sehr happig ...



      DiO :beatnik:
    • Mensch Diabolus - Du bist doch ein Quell guter Hinweise - also bei meinem Besuch der amazon-Seite werde ich endlich beide Bücher bestellen und dann möge sich mein Wissen über JW noch mehren.

      Übrigens der Score zu Die Geisha ist auch oberhammer.
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    • Aquarius schrieb:

      Mensch Diabolus - Du bist doch ein Quell guter Hinweise -


      Stets zu Diensten - ich kann sogar noch eins draufsetzen! :D Wie ich heute bei der Internet-Recherche herausgefunden habe, gab es bereits 1999 ein Buch über John Williams. Allerdings wurde das Buch von einem Chilenen in Spanisch geschrieben und es ist daher wenig verwunderlich, dass man hierzulande noch keine Notiz davon genommen hat. Das Buch ist von Roberto Aschieri und heißt "Over the Moon: La música de John Williams para el cine". Leider hat sich bislang noch niemand gefunden, der sich einer Übersetzung angenommen hätte - mein bisschen Spanisch reicht für eine Lektüre hinten und vorne nicht. Wer genügend Spanisch kann, der kann hier ein bisschen Probelesen.

      Man darf gespannt sein, wann sich endlich ein amerikanischer Autor findet, der seinem Landsmann Williams die gebührende Ehre zukommen lässt ...

      DiO :beatnik:
    • unter postminimalistisch verstehe ich eine Musik, die zwar noch Elemente der Minimalistik (also Pattern, repetitative Sequenzen usw) nutzt, diese aber einem übergeordneten kompositorischen Grundgedanken vollständig unterordnet.

      Ich glaube, Williams`AI ist und daraus insbesondere das Opening (The Mecha World) ist dafür ein sehr gutes Beispiel.

      Aber auch Kompositionen von James Newton Howard (z. Bsp.: aus Lady In The Water der Track Charades) und vieles von Ryuichi Sakamoto gehören aus meiner Sicht eindeutig in diese Kategorie.

      Leute wie Philip Glass hingegen kommen meiner Meinung nach über die vordergründige Nutzung der Minimalmusik nicht hinaus. Insbesondere bei Philip Glass empfinde ich bei allen Wohlklang nach einer gewissen Zeit eine gewisse Art von Sterilität in der Musik. Dieses ist mir bei "postminimalistischen" Kompositionen noch nie vorgekommen, eben weil diese Technik dort nicht zum Prinzip erhoben, sondern nur eines der möglichen klanglichen Mittel zum Zweck darstellt.

      Vielleicht sehe ich das alles auch falsch, aber bisher ist das einfach meine persönliche Einschätzung von solchen Werken, wie die vom späten Williams, von James Newton Howard, aber auch von Thomas Newman und vielen Sachen von Ryuichi Sakamoto usw. Auch James Horner probiert sich mittlerweile auf diesem Terrain - The Beautiful Mind ist ein gutes Beispiel.
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    • Hallo Aquarius!

      Danke für die Ausführungen. Ich verstehe jetzt glaub ich einigermaßen, was Du meinst! ;+) Was ich dann aber nicht ganz nachvollziehen kann, ist, dass Du weiter oben "Harry Potter" in diese Reihe stellst. "Potter" ist für mich ein stilistisch ganz anderer Score als "A.I." - da schwelgt Williams wieder oft in (spät-) romantischer Harmonie, zumindest noch im ersten und ich glaube auch im zweiten Teil.

      Was Philip Glass betrifft, so gebe ich Dir mit Einschränkungen recht: Ich mag einige Tracks von ihm sehr gerne (z.B. aus "Candyman", "The Fog of War", "The Hours" und "Notes on a Scandal"), mitunter entsteht eine faszinierende Sogwirkung - aber über ein ganzes Album ist das manchmal dann schon etwas ermüdend. Deshalb höre ich von Glass eigentlich meistens nur zwei, drei Tracks und selten ein ganzes Album.

      DiO :beatnik:
    • @ Diabolus in Opera:

      Bei Harry Potter I und auch noch II gebe ich Dir völlig recht: Das sind eher spätromantisch geprägte Scores.

      Bei Harry Potter III hingegen gibt es ein Thema (Patronus Zauber), welches für meine Begriffe viel zu kurz auf dem entsprechenden Soundtrack kommt. Dieses Thema trägt deutlich Merkmale von - sagen wir mal - angewandter Minimalistik.
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Im Jahr 2000 komponierte John Williams die Musik zu Roland Emmerichs "The Patriot" mit Mel Gibson in der Hauptrolle, dessen Familie in die Wirren des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs (1775-83) gerät. Der Film als solches ist mit seinem Pathos hart an der Schmerzgrenze des Ertragbaren. Ist "Godzilla" Emmerichs Tiefpunkt oder "The Patriot"? Ich weiß es nicht ...
      John Williams Score wurde derweilen für den Oscar als "Beste Filmmusik" nominiert.



      Das Album als Ganzes würde ich jetzt nicht unbedingt zu den besten Williams-Werken zählen, aber das Hauptthema finde ich grandios - das gehört für mich mit zum Schönsten, was Williams komponiert hat. Der Track ist nach einer Art A-B-A-Schema aufgebaut. Der erste Teil ist langsam und wird von einer klassischen Gitarre und einer Solo-Violine dominiert. Im Mittelteil wird es dann schneller - Blechbläser, Flöten und Schlagwerk übernehmen. Der Schlussteil lehnt sich dann wieder an den Anfang des Tracks an.

      "http://www.youtube.com/watch?v=qRdKX0fzjLM" (der Track ist etwas mehr als 6 Minuten, im YT-Clip gibt es danach noch 3 Minuten Leerlauf ...)

      DiO :beatnik:
    • Filmmusiken waren und sind Williams Hauptbeschäftigung, allerdings hat er über die Jahre auch hin und wieder etwas für den Konzertsaal komponiert, so z.B. ein Flötenkonzert (1969) und ein Violinkonzert (1976).



      Bei Gelegenheit werde ich da auch mal reinhören.

      DiO :beatnik: