Christoph Schlingensief (1960 - 2010)

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    • Edwin schrieb:

      Es stimmt aber, daß es nicht "einzigartig" ist.


      Fritz Zorn: Mars (1977)

      Aber das nur am Rande ...

      Der Schlingensief-Abend gestern bei 3SAT inklusive der »Kirche der Angst vor dem Fremden in mir« hat in mir einigermaßen ambivalente Eindrücke hinterlassen. Man kann sich der Intensität dieses multimedial aufgerüsteten, synästhetischen Überwältigungstheaters kaum entziehen. Das will berühren, es muss berühren und es berührt – mich hat das Ganze jedoch gerade aufgrund dieses halt- und hemmungslosen Überwältigungsdrucks streckenweise auch peinlich berührt.

      Wie kaum ein anderer hat Christoph Schlingensief sein Werk (und seine Person als reflexives Moment dieses Werks) seit den frühen 1990ern gewissermaßen als angewandte Medientheorie angelegt und die Fragilität unseres sozialen wie politischen (Da)Seins im Zeitalter seiner technischen Simulierbarkeit, die Diffusion von Öffentlichkeit und Privatheit, die radikale Auflösung der Grenze zwischen diesen Sphären zum Thema, zum Gegenstand, ja auch zum Spielfeld seiner Arbeiten gemacht.

      »Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir« sehe ich durchaus in dieser Linie. Während aber bei den mir bekannten Arbeiten der 1990er Jahre die medialen Formate und das Dispositiv des Voyeurismus selbst einer performativen Dekonstruktion unterzogen wurden, hatte ich bei der »Kirche ...« eher den Eindruck, dass – selbst dort wo mittels technikgestützter Introspektion in den Leib das Innerste nach Außen gekehrt, das Fremde in ihm medialisiert und öffentlich sichtbar gemacht wird – diese Dimension zu fehlen scheint.

      Nur ein (vorläufiger) Eindruck – der meine große Wertschätzung für die Arbeiten des Christoph Schlingensief allerdings keinesfalls mindert.

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Lieber Algabal,
      was diesen Abend betrifft, sind wir einer Meinung - ich frage mich nur, ob Schlingensief dafür die Verantwortung trägt oder 3sat: Ich finde, es war zu viel in zu kurzer Zeit. Eine Überfütterung, die natürlich auch einerseits eine Abstumpfung bewirkt, andererseits aber auch eine Übersensibilisierung. Ich ertappte mich dabei, mir nicht nur einmal zu denken "nicht schon wieder"...
      Was für mich bei Schlingensief neu (und tatsächlich einzigartig) ist: Er stellt seine Situation in der Öffentlichkeit eines Theaters vor, nicht nur im Quasi-Zwiegespräch mit dem Leser seines Buchs. Selbstverständlich hat er das Recht, sozusagen sich selbst zu thematisieren - aber auch ich konnte mich nicht ganz des Gefühls erwehren, peinlich berührt zu sein. Was mich als Leser zutiefst erschüttert hat, fand ich in dieser Form exhibitionistisch. Auch für mich ändert das nichts am Bild dieses fabelhaften Theaterberserkers, der doch in Wirklichkeit so sensibel war. Letzten Endes hat er Menschen gerade durch sein Sterben aufgerüttelt und gleichsam als Kommunikationspartner erreicht. Man sollte ihm zugute halten, daß es für ihn die letzte, äußerste Form der Kommunikation war.
      :wink:
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Lieber Algabal, lieber Edwin,

      das ging mir doch anders: selbst da, wo es vielleicht "peinlich", wo es "exhibitionistisch" wurde, wo ich selbst es nicht so genau sehen und wissen möchte, konnte ich mich diesem Ausstellen, dieser - wenn man denn so will - Unmässigkeit nicht entziehen. Selbst da, wo die theatralischen Mittel (bezogen auf ihre erwünschte Wirkung) für mich klar erkennbar sind, verfehlen sie eben ihre Wirkung dann doch nicht.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Algabal schrieb:

      Man kann sich der Intensität dieses multimedial aufgerüsteten, synästhetischen Überwältigungstheaters kaum entziehen. Das will berühren, es muss berühren und es berührt – mich hat das Ganze jedoch gerade aufgrund dieses halt- und hemmungslosen Überwältigungsdrucks streckenweise auch peinlich berührt.


      Edwin schrieb:

      Was mich als Leser zutiefst erschüttert hat, fand ich in dieser Form exhibitionistisch.


      Alviano schrieb:

      konnte ich mich diesem Ausstellen, dieser - wenn man denn so will - Unmässigkeit nicht entziehen.


      Überwältigungsästhetik kann ich bei Schlingensief, auch bei "Kirche der Angst..." nicht wahrnehmen. Dazu ist es doch zu gebrochen, auch zu bewusst auf Brüche, auf Unperfektes angelegt. Auch in dieser Arbeit ist ja (wenngleich weniger als in früheren Produktionen) durch den Einsatz von nichtprofessionellen Darstellern das stellenweise "Scheitern" in Bezug auf übliche Theaterästhetiken mit eingeplant. Das Un- und Übermäßige war immer Schlingensiefs Sache, der nicht einfach das rechte Maß nie finden konnte, sondern eher bewusst vermieden hat, es zu suchen.

      Es geht in "Eine Kirche der Angst... m.E. eben gerade auch um Distanzlosigkeit, um Peinlichkeit als ästhetisches Erlebnis sozusagen - das ist durchaus ein Kontinuum in Schlingensiefs Werk. Das Hemmungslose, Exhibitionistische, Voyeuristische war schon in den frühen Arbeiten mit Behinderten wichtiger Teil von Schlingensiefs Ästhetik. Ich glaube, er hatte den Eindruck, dass ein direkterer Kontakt zwischen Publikum und Kunstwerk möglich ist, wenn man sich dem Gefühl der Peinlichkeit erst mal ausgesetzt hat und nicht "ergriffen" und "betroffen" vor Behinderung oder Krankheit stehen bleibt und quasi das Gefühl von ergriffener Erhabenheit anstelle des Miterlebens und Mitleidens einsetzt oder so. Irgendwie alles von Grund auf parsifalisch, dieses Themenfeld. (Ich verstehe immer noch nicht, wie gerade Wolfgang Wagner in der Lage sein konnte, die geniale Verbindung Schlingensief - Parsifal zu erkennen...)

      Herzlichst grüßt
      der Don
    • Lieber Don,

      was Deine Beschreibung der Schlingensiefschen Ästhetik anbetrifft, stimme ich Dir ganz zu. Allein - in der »Kirche der Angst« scheint mir das Spiel mit Exhibitionismus und daraus resultierender peinlicher Berührung als Moment der Dekonstruktion des voyeuristischen Dispositivs neuer Medienwirklichkeit nicht wirklich zu funktionieren, gerade weil Distanz und Doppelbödigkeit (und damit eigentlich auch der medienreflexive Selbstkommentar) durch die nolens volens auf Identifikation und Betroffenheit zielende Inszenierung von Krankheit und Leid (die zudem naklar durch Verschränkung von leidendem Subjekt und Künstler/Autor authentifiziert zu werden scheint) unterminiert wird.

      Jedenfalls ist »Eine Kirche ...« die erste mir bekannte Arbeit Schlingensiefs, in der ich den Eindruck erhalten habe, dass sie das Dispositiv des Voyeurismus bedienen und zudem von einen zuvorderst affirmativen Einsatz der medialen Mittel geprägt sein könnte.

      Wie gesagt: nur mein Eindruck nach einmaligem Ansehen.

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Algabal schrieb:

      Jedenfalls ist »Eine Kirche ...« die erste mir bekannte Arbeit Schlingensiefs, in der ich den Eindruck erhalten habe, dass sie das Dispositiv des Voyeurismus bedienen und zudem von einen zuvorderst affirmativen Einsatz der medialen Mittel geprägt sein könnte.


      Ich würde das nicht "bedienen" nennen wollen. Ich habe das als ein "Erzwingen" erlebt, das keine Distanz mehr zulässt und dass der schwer kranke Autor von mir als Zuschauer erwarten kann, dass ich mich dem aussetze. Beim Einsatz der gewählten "medialen Mitteln" könnte ich jetzt spontan keine Veränderung in der geschilderten Form feststellen, die Gratwanderung gab es meiner Meinung nach auch früher schon.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Meine Frau hat vorhin im Gespräch über den gestrigen Fersehabend einen Begriff benutzt, den ich in seiner Doppeldeutigkeit sehr passend fand: sie sprach von Christoph Schlingensiefs "Aufgekratztheit". Einerseits also seine oft kindliche Zappeligkeit, sein Überdrehtsein, andererseits sein Verlangen, Wunden, die zu verheilen drohen, immer wieder neu aufzukratzen. Das hat er eben nicht nur mit gesellschaftlichen "Wunden" gemacht, sondern er ist auch mit seinem ganz privaten, intimen Leiden an der tödlichen Erkrankung auf diese Weise umgegangen.
    • Algabal schrieb:

      Moment der Dekonstruktion des voyeuristischen Dispositivs neuer Medienwirklichkeit

      Ich glaube nicht, dass dieses gesellschaftskritische Ding Schlingensiefs Thema war. Vielleicht in den TV-Arbeiten, diesen komischen Talkshows, die er ne zeitlang gemacht hat. In den Theaterabenden ging es m.E. eher darum, durch

      Algabal schrieb:

      das Spiel mit Exhibitionismus und daraus resultierender peinlicher Berührung

      den Voyeurismus zuzulassen, ihn nicht zu negieren, sondern ihn zu umarmen und dadurch zu überwinden. Erst wenn wir durch die Peinlichkeit durch sind, erst wenn wir das Bedürfnis nach Distanz völlig überwunden haben, erst wenn wir uns ankucken können, ohne uns zu schämen, ist Begegnung möglich. So eine distanzlose, ungeschützt intime Begegnung zwischen Künstler und Publikum hat er immer gesucht, auch vor der Erkrankung. Deswegen war das für mich nichts substantiell anderes.
      Das ist natürlich aus der Rezeption einer fürs Fernsehen aufgezeichneten Theateraufführung schwer nachzuempfinden. Wenn man mit in der "Kirche der Angst" drinsitzt, fühlt sich das anders an, glaub mir.

      Grüße
      vom Don
    • Lieber Don

      Don Fatale schrieb:

      Algabal schrieb:

      Moment der Dekonstruktion des voyeuristischen Dispositivs neuer Medienwirklichkeit

      Ich glaube nicht, dass dieses gesellschaftskritische Ding Schlingensiefs Thema war. Vielleicht in den TV-Arbeiten, diesen komischen Talkshows, die er ne zeitlang gemacht hat.


      Ich glaube eigentlich schon, dass es sein Thema war, zumindest eines seiner Themen - jedenfalls eine Zeit lang. BTW: Ich fand die Talkshows alles andere als »komisch« ...


      In den Theaterabenden ging es m.E. eher darum, durch

      Algabal schrieb:

      das Spiel mit Exhibitionismus und daraus resultierender peinlicher Berührung

      den Voyeurismus zuzulassen, ihn nicht zu negieren, sondern ihn zu umarmen und dadurch zu überwinden. Erst wenn wir durch die Peinlichkeit durch sind, erst wenn wir das Bedürfnis nach Distanz völlig überwunden haben, erst wenn wir uns ankucken können, ohne uns zu schämen, ist Begegnung möglich. So eine distanzlose, ungeschützt intime Begegnung zwischen Künstler und Publikum hat er immer gesucht, auch vor der Erkrankung.


      Möglicherweise ist das der Grund dafür, dass ich CS' Arbeiten in den letzten sieben, acht Jahren zunehmend weniger aufregend fand.


      Das ist natürlich aus der Rezeption einer fürs Fernsehen aufgezeichneten Theateraufführung schwer nachzuempfinden. Wenn man mit in der "Kirche der Angst" drinsitzt, fühlt sich das anders an, glaub mir.


      Das glaube ich unbedingt!

      Allerdings fürchte ich, dass die »ungeschützte intime Begegnung« zwischen Künstler und Publikum mir - als Elementarteilchen dieses Publikums - in der Livesituation als noch unangenehmer auf Überwältigung angelegt erscheinen könnte.

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Don Fatale schrieb:

      (...) den Voyeurismus zuzulassen, ihn nicht zu negieren, sondern ihn zu umarmen und dadurch zu überwinden. Erst wenn wir durch die Peinlichkeit durch sind, erst wenn wir das Bedürfnis nach Distanz völlig überwunden haben, erst wenn wir uns ankucken können, ohne uns zu schämen, ist Begegnung möglich.


      Das beschreibt für mich ganz gut, wie ich auf die Menschen mit Behinderung im Schlingensief-Theater reagiert habe, wo ich anfänglich im Zuschauen nicht wirklich unbefangen war, was dann aber in der Wiederholung deutlich besser wurde und ich heute diese - sagen wir ruhig, obwohl es um das "Sehen" geht - Berührungsängste nicht mehr habe. Es war wirklich bedauerlich, dass Schlingensief seine Uraufführungsidee für "Freax" von Moritz Eggert nicht umsetzen konnte. Das Zwischenspiel, das Schlingensief in der Pause mit seiner Truppe zeigte, hat eine Ahnung davon vermittelt, was dieser Abend hätte werden können. In diesem Zwischenspiel wurde u .a auch die Kreuzigungsszene gezeigt, die auch Bestandteil der "Kirche der Angst" war.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Jetzt gleich auf arte:

      21:35
      Christoph Schlingensief
      Die Angst vor dem Fremden in mir

      Doku, Dtld. 2009
      Regie Sybille Dahrendorf
      (Erstsendung)

      Der Film begleitet Schlingensief durch ein aufwühlendes Jahr seit der Wiederaufnahme seiner Arbeit nach der schweren
      Operation: bei den Endproben von "Kirche der Angst vor dem Fremden in mir", eine ganz persönliche Auseinandersetzung mit der Krankheit, sowie auf der Reise nach Afrika, wo Schlingensief die Erfüllung seines großen Traums sucht, dort ein Festspielhaus zu eröffnen. Zu sehen ist der Regisseur bei den Proben zu der Uraufführung seiner Ready-Made-Oper "Mea culpa" am Wiener Burgtheater, in der er sich erneut mit seiner Krankheit beschäftigt.
      Das Portrait zeigt Schlingensief im Umfeld der Parsifal- Proben und folgt seinen Erinnerungen bis in die 90er Jahre zurück, als seine Aktionen ein ungeheures Medieninteresse auslösten.
      Zu Wort kommen die Schauspielerin Irm Hermann, langjähriges Mitglied seines Ensembles, der Freund und Dramaturg Carl Hegemann sowie Matthias Lilienthal, künstlerischer Leiter des Berliner Theaters Hebbel am Ufer, und der Unterhaltungskünstler Helge Schneider. Die Schauspielerin Tilda Swinton, die in den 80er Jahren mit ihm gedreht hat, erinnert sich an den jungen Schlingensief, sowie die Sängerin Patti Smith, mit der er seit seiner Bayreuther Inszenierung befreundet ist.

      Und ebenfalls auf arte am
      Montag, 6. September 2010 um 23.25 Uhr
      (Wiederholungen:15.09.2010 um 03:00)
      Christoph Schlingensief - Die Piloten
      (Deutschland, 2007, 95mn)
      Regie: Cordula Kablitz-Post

      Im Januar 2007 - zehn Jahre nach der legendären Talkshowsatire "Talk 2000" - will Aktionskünstler Christoph Schlingensief mit der Kunstaktion "Die Piloten - Eine Talkshow in sechs Folgen, die nie ausgestrahlt wird" überprüfen, wie heute Selbstdarstellung in den Medien funktioniert. Eine Bestandsaufnahme und ein Selbstexperiment für den Künstler, der nach seinen gefeierten Bayreuth-Inszenierungen inzwischen längst selbst den Olymp der Kulturschaffenden erobert hat. Filmemacherin Cordula Kablitz-Post hat das Projekt mit der Kamera begleitet.

      (Ankündigungstexte von arte.tv)

      Grüße
      vom Don
    • Carsten schrieb:

      Auch Alvianos Hinweis auf Talk 2000 bin ich nachgegangen. Zwar hatte ich die Sendungen aus der Volksbühne Berlin damals gesehen, doch ich konnte mich nicht mehr so richtig erinnern. War eigentlich Schlingensiefs Abgang beim Gespräch mit Harald Schmidt ein Fake? Hatte er wirklich die Schnauze voll von Schmidts Pointen-Sucht?


      An Harald Schmidt kann ich mich nicht erinnern, aber ich habe auch nicht alle Folgen gesehen. Ab dem 08. September gibt es im Sender "Eins Festival" allerdings ein Wiedersehen mit "Talk 2000" - am 22.09.2010 steht dann auch die Sendung mit Harald Schmidt auf dem Programm, Beginn ist jeweils um 20.15 Uhr.

      In der Wochenendausgabe der "taz" findet sich ein Beitrag von Cordula Kablitz-Post, die damals für "Talk 2000" mitverantworttlich war:

      "http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/wollt-ihr-den-totalen-talk/" Talk 2000
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Dringend ans Herz legen möchte ich euch den Dokumentarfilm

      Knistern der Zeit

      von Sibylle Dahrendorf, der seit dieser Woche in den Kinos läuft. Der Film porträtiert Christoph Schlingensief in den letzten Jahren seiner Krankheit und begleitet ihn gemeinsam mit dem Architekten Diébédo Francis Kéré bei den Vorbereitungen für den Bau eines Operndorfes in Burkina Faso. Gezeigt werden unter anderem die Anfänge der Idee des Operndorfs, das schließlich zu Schlingensiefs letztem und wichtigtsten Projekt wurde, die Phasen der Planung und Standortwahl, die Bauarbeiten und endet mit der Eröffnung der Schule, die den Abschluss des ersten Abschnitts des Projekts darstellt.

      Der fast zweistündige Film ist unterhaltsam, äußerst mitreißend und wird an keiner Stelle langweilig. Er zeigt, wie eine als unmöglich und verrückt erscheinende "künstlerische" Vison eine konkrete Gestalt annehmen und zur Wirklichkeit werden kann. Kunst und Alltagsleben vermischen sich an diesem Ort und beeinflussen sich unmittelbar - wundervoll! Ich beneide die Menschen, die die Kraft haben, so etwas durchzuziehen. Und auch nach Schlingensiefs Tod lebt das Operndorf weiter. Näheres unter h''p://www.operndorf-afrika.com.

      Unbedingt anschauen!

      Zu sehen diese Woche in den folgenden Kinos:
      * Filmtheater am Friedrichshain (Berlin)
      * Babylon Kreuzberg (Berlin)
      * Hackesche Höfe Kino (Berlin)
      * Cinema Paris (Berlin)
      * Zeise Kinos (Hamburg)
      * Atlantis (Bremen)
      * Kino Im Künstlerhaus (Hannover | ab 08.06.)
      * Universum Filmtheater (Braunschweig)
      * Schaubühne Lindenfels (Leipzig)
      * Lichtburg (Oberhausen)
      * sweetSixteen Kino (Dortmund)
      * Film Studio Glückauf (Essen | ab 10.06.)
      * Bambi Kino (Düsseldorf)
      * Filmhaus (Köln)
      * Programmkino Central (Würzburg | ab 08.06.)
      * Harmonie Kino (Freiburg)
      * Filmtheater (Stuttgart | ab 11.06.)
      * Atelier (München)

      Ab dem 14. Juni 2012:
      * Monopol (München)

      Ab dem 21. Juni 2012:
      * Filmtheater Schauburg (Dresden)
      * Cine K (Oldenburg)
      * Apollo Kino (Aachen)

      Ab dem 12. Juli 2012:
      * Cinema (Münster)

      Ab dem 19. Juli 2012:
      * Endstation Kino (Bochum)

      Ab dem 26. Juli 2012:
      * Kulturzentrum Moritzhof (Magdeburg)

      Quelle: h**p://www.filmgalerie451.de/filme/knistern-der-zeit-christoph-schlingensief-und-sein-operndorf-burkina-faso/

      Viele Grüße
      Frank
    • Alviano schrieb:

      "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" ist ein grandioser Theaterabend geworden. Er vereinigt nocheinmal die Elemente, die man von Schlingensief kennt, wirkt aber strenger in der Form, insofern man diesen Begriff auf eine Schlingensief-Arbeit überhaupt anwenden kann. Wie Schlingensief den Zuschauer mit seiner Krebserkrankung konfrontiert, was er ihm zumutet, in welche Bilder er sein Stück packt (als Video-Einspielung und live), wie er persönliches öffentlich macht, hat mich an mehr als einer Stelle erschüttert. Allein die erste Videosequenz, die Schlingensief im Krankenhaus, wohl nach der Operation, zeigt und wo Schlingensief weinend darum bittet, ihn jetzt nicht anzufassen, ist kaum auszuhalten, vor allem, wenn dieses Bild sofort durch unbeschwerte Aufnahmen aus der Kindheit konterkariert wird. Diese gesamte Passage wird am Ende des Abends wiederholt und schliesst somit einen Kreis um dieses "Oratorium". Der Blick auf die Bilder hat sich verändert, anderhalbstunden lang ist man vom Autor auf eine Reise mitgenommen worden, deren Stationen nur schwer wieder vergessen werden können, Dankeschön für diese Erfahrung.

      Ich habe das nun auch endlich mal gesehen und ehrlich, wahrscheinlich müsste ich das noch ein zweites Mal schauen, um wirklich in mir Ordnung über meine Eindrücke zu machen (schade, dass ich's nicht aufgenommen habe). Besonders die Passagen aus seinem Tagebuch sind mir im Gedächtnis geblieben und warne für mich die stärksten Passagen, genauso, die oben beschriebene Szene.
      Ich kenne nur einige Arbeiten Schlingensiefs und einige TV-Auftritte u manchmal erschien er mir bei seinen Auftritten so hyperaktiv, fast schon nervig, wogegen in seinen Arbeiten oftmals die hier auch schon bechriebene andere, ruhige Seite zum Teil besser zum tragen kommt, gerade eben auch in "Die Kirche der Angst..."
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"