Wie antisemitisch darf ein Künstler sein?

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    • Eusebius schrieb:

      zabki schrieb:

      Hier möchte ich noch eine Äußerung in Cosima Wagners Tagebüchern (13.1.1882) anschließen, die sicherlich auf Wagner selbst zurückgeht (habe die Tagebücher selbst nicht zur Verfügung), und die bei der Frage, ob Kundry eine antisemitische Figur sei, wohl mit herangezogen werden sollte: es strahle bei Kundrys Tod "der Schrecken der Heiligkeit auf" (zit. nach Drüner, Judenfiguren, S. 158). Das scheint jeder Minderwertung Kundrys zu widersprechen.

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      Das Zitat ist aus dem Zusammenhang gegriffen. Es erhält eine vollkommen andere Bedeutung, wenn man es komplett zitiert: "Mir sagt er (Wagner Anm. von mir), der a-Moll Akkord (wo Kundry zusammensinkt) würde mir Eindruck machen; es sei der Schrecken der Heiligkeit, der da ausstrahle. Er müsse sehr schön geblasen werden". Kundry wird also durch ein Symbol der Heiligkeit in Schrecken versetzt, was genau dem Personenverständnis Wagners, nämlich der einer verfluchten Judengestalt entspricht, die erlöst werden muß.

      Ihr wollt allen Ernstes den angeblichen Antisemitismus des Parsifal an der Wirkung eines a-Moll-Akkordes diskutieren?

      Ihr habt sie doch nicht alle.

      Und natürlich ist Kundry keine Heilige. Gemeint ist, dass solche Figuren in anderen Kontexten gern mal als "Heilige" deklariert werden. Der Katholizismus ist in der Hinsicht recht flexibel. Parsifal ist aber keine katholische Oper, und Kundry ist keine Heilige.

      Kundry ist weder Heilige noch Jüdin. Kundry ist Kundry. Eine komplette Neuschöpfung. Und den Tafelrittern in jeder Hinsicht turmhoch überlegen. Wagner muss Kundry geliebt haben. Wie sich das mit seinem Antisemitismus verträgt: Interessiert nicht die Bohne. Für das Werk "Parsifal" ist das komplett irrelevant.


      Thomas
    • Ecclitico schrieb:

      Ihr wollt allen Ernstes den angeblichen Antisemitismus des Parsifal an der Wirkung eines a-Moll-Akkordes diskutieren?

      Ihr habt sie doch nicht alle.
      na ja, jeden Akkord lohnt es, wenn einem dazu etwas einfällt. Und den zur Rede stehenden haben Meisterin und Meister selbst für erwähnenswert gehalten.
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).