Bach-Kantaten: Diskographische Empfehlungen

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    • Felix Meritis schrieb:

      einige Beispiele für die schlechten solistischen Leistungen bei Gardiner bringen?


      Gardiners Cantata Pilgrimage ist bei mir diskographisch etwas unterrepräsentiert. Von den vier oder fünf Scheiben, die bei mir Eingang gefunden haben, ist mir allerdings die nachfolgende Einspielung



      wegen des Altus Robin Tyson (BWV 64 und 133) in Erinnerung geblieben, nicht weil mir die Stimmgebung Tysons so ausnehmend gut gefallen hätte, sondern eher im Gegenteil. In dem Zusammenhang fallen mir Begriffe wie unsauber, undeutlich ein. Mauerblümchen schrieb einmal zu dieser Aufnahme, dass der Interpret mit "der deutschen Sprache" kämpfe. Ein Urteil, dass ich mit Blick auf diese Aufnahme teile. Andererseits sollte man vielleicht nicht allzu kritisch sein, wenn man bedenkt, dass die Tagesform mancher Solisten in den Livesituationen im Laufe des Projekts gewissen Schwankungen unterworfen gewesen sein dürfte. Wie sich Tyson im weiteren Fortgang der Pilgrimage oder davor präsentiert hat, vermag ich allerdings nicht zu beurteilen.

      Einen Überblick über Gardiners Kantatenprojekt (Aufnahmeort und -datum, Interpreten, Programm) findet man übrigens hier.

      http://blogjsbachcantatapilgrimage2000.blogspot.de/2008/01/die-bach-cantata-pilgrimage-termin.html

      Allein schon hieran könnte man erkennen, mit welchem Aufwand und Zeitdruck das Projekt verfolgt worden ist.
    • Liebe Trotzig-Verzagt-Ding,

      vielen Dank für deine ausführlichen Antworten auf meine Nachfragen. Ich gehe der Kürze wegen nur auf das letzte deiner Postings ein - bei der Wertschätzung Equiluz´ etwa oder der neuen Aufnahmen unter Georg Christoph Biller sind wir uns ohnehin einig.

      Trotzig-Verzagt-Ding schrieb:

      Es stimmt, dass man diese Besonderheit erwähnen sollte: Klaus Mertens gefällt mir in vielen Kantaten durchaus sehr gut, aber keinem liegt alles. Der Nachteil ist auch - wenn man nur einen Solisten nimmt- , dass es Abnutzungserscheinungen bzw gibt es. Kantaten die dem besten Solisten einfach nicht liegen. Die Kaffeekantate fand ich zum Beispiel von der Interpretation eher unerträglich, wobei hier natürlich auch Koopmann den Interpretationsansatz vorgibt.

      Das Komische und Spielerische ist nun auch nicht gerade die Stärke von Klaus Mertens. Ich finde, man hört ihm immer der großen künstlerischen Ernst an, mit dem er an seine Aufgabe herangeht. Neben dieser Beschränkung durch das Temperament gibt es natürlich auch stimmliche Grenzen: Die Stimme ist eher weich und wird sehr kultiviert geführt, wenn es um Poltern und Dröhnen geht, dann kommt Mertens an seine Grenzen. Aber allein schon die Leistung, alle Bachkantaten aufzunehmen, und das für mein Empfinden auch noch in gleichbleibend untadeliger Qualität, ist schon bewundernswert. Man wird vielleicht hier und da in einzelnen Arien passendere Besetzungen finden, niemandem liegt alles gleich gut, in der Tat, aber eine Fehlbesetzung ist Mertens nie.

      Trotzig-Verzagt-Ding schrieb:

      Auch die Tenöre gefallen mir bei ihm sehr oft. Es scheint bei Koopmann sehr stark davon abzuhängen, ob der Interpretationsansatz geteilt wird oder nicht.

      Überhaupt finde ich die Gesangssolisten als eine ganze große Stärke von Koopmans Gesamtaufnahme, er hat da ein tolles Händchen: Den kultivierten, verlässlichen, ausgewogenen Mertens für alle Basssoli, die wunderbaren Altistinnen Bogna Bartosz und Elisabeth von Magnus, mit Lisa Larsson, Els Bongers, Ruth Holton, Sandrine Piau und wie sie alle heißen helle, schlanke, klangschöne Sopranstimmen. Nur die Tenöre (meistens doch Gerd Türk oder Christoph Pregardien, oder?) sind mir noch nie besonders aufgefallen.

      Trotzig-Verzagt-Ding schrieb:

      Ich wollte diese Person deshalb nicht nennen, weil sie von allen namhaften Dirigenten in dieser Zeit eingekauft wird, aber ich finde sie fast immer eher eine Schwachstelle. Sie ist aber unter Christophe Coin und Herreweghe wesentlich erträglicher anzuhören...Sie versucht da nicht in solche Höhen zu gehen. Ihre Technik ist sehr gut... Ich meine hier: Barbara Schlick...

      Dein Bemühen um Diskretion ehrt dich ja, aber die Kritik bleibt hier doch noch sehr im Rahmen. ;) Ich wäre nie darauf gekommen, dass du Barbara Schlick meinen köntest, deren stimme ja so gar nichts Opernhaftes an sich hat und die eine der großen alten Damen der Barockmusik-Bewegung ist. Ich hatte sie allerdings auch gar nicht in Verbindung mit Koopmans Bach-Aufnahmen im Kopf. :P Ich kenne wenig Aufnahmen mit Barbara Schlick (vor allem kenne ich sie aus dem Weihnachtsoratorium von JCF Bach), aber eine besondere Schwäche für diese Stimme habe ich nun auch nicht.
      Allerdings: Die Höhen, in die Frau Schlick gehen muss, schreiben ihr ja nun nicht die Dirigenten vor, sondern normalerweise schon die Komponisten...

      Trotzig-Verzagt-Ding schrieb:

      Ziesak und Piau gefallen mir aber auch nicht...Vieleicht besetzt Koopmann so, weil er privat die Solistinnen bevorzugt und deren Altersweisheit...

      Na, ob das die Damen Piau und Ziesak freuen würde, dass du sie schon als "altersweise" bezeichnest? :D Sie sind, ich habe gerade bei Wikipedia nachgesehen, Jahrgang 1963 bzw. 1965 und die Koopman-Einspielungen ja auch schon gute fünfzehn bis zwanzig Jahre alt. Wie dem auch sei, oben hast du geschrieben, du bevorzugst junge, knabenhafte Sopranstimmen, hier und an ein paar anderen Stellen liest es sich eher so, als bevorzugst du generell Knaben statt Frauen, Kinder statt Erwachsenen.

      Felix Meritis schrieb:

      Liebe TVD, kannst Du mal einige Beispiele für die schlechten solistischen Leistungen bei Gardiner bringen? Ich würde dem gerne mal nachgehen.

      Ja, das würde mich auch interessieren!

      Trotzig-Verzagt-Ding schrieb:

      Trotzig Zart Ding ist eine Bach Kantate und heißt etwas völlig anderes, siehe im entsprechenden Thread.

      Ich weiß, ich weiß, ich habe auch den entsprechenden Eintrag im Vorstellungsthread gelesen. Aber komisch zu schreiben ist es trotzdem, auch wenn man weiß, woher der Name kommt! :P
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Cherubino schrieb:


      Überhaupt finde ich die Gesangssolisten als eine ganze große Stärke von Koopmans Gesamtaufnahme, er hat da ein tolles Händchen: Den kultivierten, verlässlichen, ausgewogenen Mertens für alle Basssoli, die wunderbaren Altistinnen Bogna Bartosz und Elisabeth von Magnus, mit Lisa Larsson, Els Bongers, Ruth Holton, Sandrine Piau und wie sie alle heißen helle, schlanke, klangschöne Sopranstimmen. Nur die Tenöre (meistens doch Gerd Türk oder Christoph Pregardien, oder?) sind mir noch nie besonders aufgefallen.


      Christoph Pregardien gefällt mir ausgesprochen gut. Ebenfalls habe ich an Guy de Mey und in einigen Kantaten sogar Lothar Odinius (BWV 131) gedacht.

      Ansonsten sind mir die Tenöre selten als positiv oder negativ aufgefallen. Damit verbinde ich quasi dennoch „sehr gut“, weil es eine kontinuierlich hohe Leistung ist/war, aber es kam kaum vor, dass ich mir mal einen Namen gemerkt hätte oder dachte von dem möchte ich mehr hören. Z.B. ist Jörg Dürmüller nicht unbedingt in meinem Gedächtnis geblieben...

      Bogna Bartosz habe ich in irgendeinem Thread schon als absoluten Pluspunkt bei Koopmann hervorgehoben. (Andreas Scholl und Koopmann scheinen sich aber nicht zu vertragen...) Persönlich mag ich die Stimme von Elisabeth von Magnus nicht besonders.
      Bei den Sopranstimmen ist es weniger die Solistinnenauswahl, die mich stört, sondern wie die Soprannistinnen die Kantaten vortragen Also schon die Interpretation. Für mich ist die Spranstimme bei Bach schon häufig mit einer gewissen Naivität verbunden (die "unschuldige"/verlorene /suchende Seele) und die Altstimme eher das Gegensatzpaar: Die Weisheit/Reife..Eben auch jenseits und diesseits...

      Bei anderen Dirigenten mag ich einige der Sopranstimmen durchaus ganz gerne. (Piau ist nicht meine Favoritin, aber Holton ist einer meiner Lieblingsstimmen ..Unter Gardiner (1990) BWV 140 und 147 fand ich Holton wesentlich besser als unter Koopmann. Also Koopmann und Sopranstimme ist für mich eher nix...


      Dein Bemühen um Diskretion ehrt dich ja, aber die Kritik bleibt hier doch noch sehr im Rahmen. ;) Ich wäre nie darauf gekommen, dass du Barbara Schlick meinen köntest, deren stimme ja so gar nichts Opernhaftes an sich hat und die eine der großen alten Damen der Barockmusik-Bewegung ist. Ich hatte sie allerdings auch gar nicht in Verbindung mit Koopmans Bach-Aufnahmen im Kopf. :P Ich kenne wenig Aufnahmen mit Barbara Schlick (vor allem kenne ich sie aus dem Weihnachtsoratorium von JCF Bach), aber eine besondere Schwäche für diese Stimme habe ich nun auch nicht.
      Allerdings: Die Höhen, in die Frau Schlick gehen muss, schreiben ihr ja nun nicht die Dirigenten vor, sondern normalerweise schon die Komponisten...


      Na ja, ich vergreife mich - insbesondere nachts - öfter mal in der Wortwahl...Ja, Schlick ist tatsächlich eigentlich nie in der Oper gewesen...Opernhaft war etwas verfehlt ausgedrückt...In ihrer Interpretation zu darstellerisch trifft es aber auch nicht...(Jedenfalls hört sich ihre Stimme in den 90ern nicht mehr so gut an...Das ist leider bei der alternden Emma Kirkby genauso: Die Bachkantaten mit dem Purcell-Quartett sind einfach nicht mehr schön. Respekt sollte man aber dennoch vor ihrem Lebenswerk haben.


      Na, ob das die Damen Piau und Ziesak freuen würde, dass du sie schon als "altersweise" bezeichnest? :D Sie sind, ich habe gerade bei Wikipedia nachgesehen, Jahrgang 1963 bzw. 1965 und die Koopman-Einspielungen ja auch schon gute fünfzehn bis zwanzig Jahre alt. Wie dem auch sei, oben hast du geschrieben, du bevorzugst junge, knabenhafte Sopranstimmen, hier und an ein paar anderen Stellen liest es sich eher so, als bevorzugst du generell Knaben statt Frauen, Kinder statt Erwachsenen.


      Da fehlte tatsächlich ein Satz dazwischen, der aber eher ironischen Bezug auf das dogmatische Einsetzen von Knabenstimmen nahm. Den habe ich dann wieder gelöscht, weil ich es für wenig angemessen halte darüber generell zu lästern und mißverständlich. Ich mag Knabenstimmen sogar sehr gerne, wenn man Jungen hat, die Ausnahmetalente sind und die Solisten nicht so unter Druck gesetzt werden, dass sie nachher in Tränen ausbrechen. -Was wohl bei Leonhardt/Harnoncourt öfter geschah und Leonhardt dazu bewogen hat, keine Knabensolisten mehr einzusetzen.
      Was ich allerdings nicht mag, ist: Wenn etwas zur einzig möglichen Interpretationsmöglichkeit erklärt wird und man meint, dass nur ein Knabe x ausdrücken kann. Ich bin für eine große Interpretationsvielfalt und mag sowohl gute Countertenöre als auch Altistinnen und Knabenaltstimmen. Ebenso Knabensoprane und weibliche Soprane...Ich finde es auch manchmal erfrischend, wenn ich eine Kantate vom Thomanerchor mit eher jugendlichen Männerstimmen höre.

      Außerdem: Ruth Ziesak habe ich mit jemand anderem schlichtweg verwechselt. Obwohl sie sicherlich nicht zu meinen absoluten Favoriten gehört, habe ich zum Beispiel das Duett in BWV 59 mit Klaus Mertens als mp3 und bevorzuge es bei weitem dem Duett von Larsson/Iconomou (Gardiner) , die irgendwie keinen rechten Draht zueinander finden. (Beide sind aber für sich genommen – schon in Form...Nur ich höre kein echtes Miteinander...)


      Felix Meritis schrieb:

      Liebe TVD, kannst Du mal einige Beispiele für die schlechten solistischen Leistungen bei Gardiner bringen? Ich würde dem gerne mal nachgehen.


      Ich verstehe zwar nicht genau warum man sich schlechte solistische Leistungen anhören möchte, aber ich mache mal eine Auflistung. Es sind nicht die allerschlechtesten Kantaten, denn diese habe ich mir in der Sammlung gar nicht behalten.
      Wenn ich mp3's gespeichert habe, dann immer - wenn mir zumindestens irgendein Solist etc. ganz gut gefallen hat...Und ein Großteil liegt auch auf einer externen Festplatte...Manches sind bbc Radiomitschnitte..., die ziemlich ausführlich über jede Neuerscheinung berichtet hatten...

      Oft hatte es gute Gründe warum ein Auftritt schlechtere Leistungen als ein anderer hatte.In einer Aufnahme klingen alle Streicher nicht gerade in Form... (Das war auch auf der Bachkantatenseite gepostet, inklusive einem Link zu der entsprechenden BBC-Radiosendung...Dadurch wurde ich auf die BBC-Sendungen aufmerksam.) An dem Tag gab es die Situation, dass die Orgel doch anders gestimmt als vermutet war und der Organist dann in seinem Kopf in einen anderen Notenschlüssel transponieren musste, weil man nicht sämtliche Instrumente von a=415hz mal eben umstimmen konnte. Außerdem war es so heiß, dass die alten Instrumente ehh sich dauernd verstimmten und Gardiner muss sich in irgendeinem Raum für eine Stunde eingesperrt haben und es fehlte der Schlüssel...(Ich weiß aber nicht mehr welche Aufnahme es ist, kann man aber bestimmt finden...)

      Manche Solisten sind auch öfter mal notfallmäßig eingesprungen und haben Texte in letzter Minute gelernt. Bei B. Fink muss das mal der Fall gewesen sein, aber auch Stephen Varcoe.

      Den habe ich als sehr wechselhaft erlebt. Er war im Duett mit Sara Mingardo (BWV 111) einfach nur scheußlich. Er soll aber - wie gesagt - an dem Tag auch auf den letzten Drücker eingesprungen sein und vielleicht erklärt das seine Form .
      In BWV 66 fand ich Varcoe noch einen der akzeptableren Solisten. Daniel Taylor und James Gilchrist sind mir da wesentlich mehr auf den Nerv gefallen, deren Duette überhaupt nicht aufeinander bezogen waren. Die Rezitative von Taylor wirkten auch so, als habe er nicht ganz verinnerlicht, was er wirklich damit sagen möchte. Aber von den Altstimmen ist Taylor eigentlich sogar noch einer der hörbaren Solisten

      Ganz schlimm fand ich den Countertenor in „Leichtgesinnte Flattergeister“ (BWV 181) Robin Tyson. Dieser hat echt schon mit der Aussprache des Textes gekämpft..
      Aber alle Solisten hatten bei dieser Kantate ein bißchen Textprobleme... Zwar war die Aussprache eigentlich ganz okay, aber die Betonungen etwas arg schräg. Zugegeben: selbst für Muttersprachler ist es sicher nicht einfach: „Leichtgesinnte Flattergeister“ richtig zu betonen...

      Michael Chance (Countertenor) ist leider altersbedingt auch nicht mehr so in der Lage die hohen Töne zu treffen...(BWV 132) und (BWV 147) leiden sehr unter dieser Besetzung.
      "Schäme dich, oh Seele nicht" mag ich sonst eigentlich sehr, aber hier gar nicht. Der Choral Herz und Mund und Tat und Leben leidet auch etwas unter der Countertenor-Sektion des Chores, aber die sonstigen Choräle sind in Ordnung. Jan Kobow (Tenor) hat mir sehr gefallen. Dietrich Henschel fand ich in „Wer bist Du, frag dein Gewissen nicht so überzeugend...(Aber das ist Geschmackssache)

      Mit die wenig überzeugendste Leistung der Countertenöre bringt Derek. E. Ragin in BWV 133. Da schwächelt auch Katherine Fuge, die ich in Pierlot Bach-Kantaten- Aufnahmen aber sehr gerne höre. Ich schätze sie aber - wie Ruth Holton - eher als Mezzo ein und nicht die beste Besetzung für alle Kantaten...

      Negativ ist (wie oben gesagt) mir die gesamte Live-Eisenach-CD 1+2 aufgefallen: Angharad Gruffydd Jones (Sopran) war hier eine der Solisten, die mir nicht so behagte. Insbesondere im Duett...In einer anderen Arie auf einer anderen CD hatte sie aber noch deutlichere Intonationsprobleme in den höheren Tonlagen..Über ihre Rezitative kann man sich streiten. Aber auch der Chor ist nicht wirklich fit.
      Im Kontrast dazu Bach J.S: Cantatas Vol. 27 (CD 2) mit Ruth Holton, Paul Agnew ( BWV 176) : Da ist der Chor auf Höchstleistungen und die Solisten sind es auch...

      Aber am Ende mal etwas Positives: Die Solisten mit den m.E. solidesten Leistungen...

      Der Tenor, der mir mir am besten in Erinnerung ist: Paul Agnew, Bass: Peter Harvey (BWV 163 „Lass mein Herz die Münze sein“ ist ein gutes Bsp. Die beiden Cellisten haben nicht so den besten Tag).und im Sopran Joanne Lunn... Lunn und Harvey ergänzen sich in Duetten sehr gut: z.B. in „Selig ist der Mann“ (BWV 57) Diese 3 Solisten habe ich am meisten in meiner Sammlung...Die Stargastsolisten konnten mich nicht immer überzeugen.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960)
    • Liebe TVD,

      danke für diese ausführliche Darstellung! Dummerweise habe ich von den Kantaten, die Du nennst kaum etwas nach Bern mitgenommen (sie gehören eher nicht so zu meinen Favoriten), allerdings kann ich Dir zumindest bei BWV 147 recht geben. Michael Chance überzeugt hier wirklich nicht. Auch Varcoe war schon besser disponiert. Allerdings hat Gardiner neben Agnew noch einige andere sehr gute Tenöre zu bieten, etwa James Gilchrist oder Christoph Genz. Mit den Soparanistinnen bin ich auch durch die Bank zufrieden. Ein wahres Fest ist für mich BWV 179 und 199 mit Magdalena Kozena - das ist eine meiner Lieblings-CDs überhaupt. Peter Harvey gefällt mir übrigens auch sehr gut.

      Generell haben wir aber unterschiedliche Schwerpunkte, denke ich. Ich schätze bei Gardiner ganz besonders den exzellenten Chor und die Wiedergaben der von mir so geliebten Eingangschöre (BWV 46, 179, 25, 101, 102, etc...). Das ist bei mir schon mal die halbe Miete.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      Generell haben wir aber unterschiedliche Schwerpunkte, denke ich. Ich schätze bei Gardiner ganz besonders den exzellenten Chor und die Wiedergaben der von mir so geliebten Eingangschöre


      Nicht unbedingt: Das ist auch genau das, was ich bei Gardiner schätze...: Den Chor...Da ist er Koopmann/Suzuki m.E. überlegen und manchmal sogar Herreweghe. Aber bei der Pilgrimage gab es auch Kantaten,wo mir der Chor nicht so gefiel...(BWV 4) und (BWV 106) z.B...

      Die besten Choräle sind auf dieser CD festgehalten...:



      Wenn ich mir die perfekte Kantate zusammenstellen würde, dann würde ich mischen: Sopransolisten von Suzuki, Alt: Bogna Bartosz (Koopmann) oder Herreweghe: Andreas Scholl. Petra Nosiakova (sp?) Kujiken sind hier meine Favoriten. Sara Mingardo wäre auch toll, aber die entfaltet unter Gardiner nicht ihr volles Potenzial...usw. Sehr nah an mein Ideal kommen Junghänel und Pierlot...Da möchte ich nix ändern....

      Ein wahres Fest ist für mich BWV 179 und 199 mit Magdalena Kozena - das ist eine meiner Lieblings-CDs überhaupt


      Kozena gehört nicht zu meinen aller, aller liebsten Lieblingsstimmen, aber sie ist technisch schon perfekt...Ihr:
      "J. Christoph Bach: Ach, dass ich Wassers g'nug hätte " gefällt mir ausgesprochen gut. Andreas Scholl ist aber noch einen Tick besser. Genauso sehe ich das bei der Bach Kantate Vergnügte Ruh...Aber sie kommt nahe ran...



      Übrigens sind das auch nicht meine Lieblingskantaten, aber ich höre gerade mich quer durch und versuche nicht immer an den ganz bekannten zu kleben..Man macht immer wieder Entdeckungen...
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960)
    • Ich habe von Kozena nur diese Solo-CD:



      Gefällt mir sehr gut, aber ich bin nicht so der Stimmensammler und habe deshalb kaum etwas in die Richtung. Ihre Darbietung der Sopranarie aus BWV 179, Liebster Gott erbarme Dich, ist aber zum Hinknien und - man muss es sagen - erschütternd.

      Hier kannst Du Dich selbst überzeugen:

      "https://www.youtube.com/watch?v=9nHuTUDNbPE"
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Johann Sebastian Bach: Sämtliche geistliche Kantaten (Suzuki, Bach Collegium Japan)

      Diese Box mit sämtlichen geistlichen Kantaten erscheint am 6.4.2016 (bei jpc für 299,99 Euro)


      Wem das zu teuer ist, kann schon jetzt für nur 2,99 Euro diesen Sampler kaufen. (Achtung Einstiegsdroge!)
    • Hudebux schrieb:

      Diese Box mit sämtlichen geistlichen Kantaten erscheint am 6.4.2016 (bei jpc für 299,99 Euro)
      Ach du liebe Zeit, da wird mir ganz schummrig. Ich hatte schon mit einer Gesamtaufnahmen mit Harnoncourt oder Koopmann, vielleicht auch Gardiner geliebäugelt, und nun dies ...

      Beste Grüße, Ansgar
    • Ein paar kurze Anmerkungen zur Suzuki-Veröffentlichung:




      Die Box besteht aus stabilem Karton mit einem Merkbändchen. In der Box sind neben den 55 SACDs 2 Booklets Booklets enthalten.

      Im 208seitigen sind zunächst die Tracks und die Solisten der einzelnen CDs gelistet, gefolgt von einer kurzen Einleitung von Masaaki Suzuki, einem längeren Essay von Klaus Hoffmann und Informationenüber die Künstler. Für eine leichtes Auffinden der einzelnen Kantaten garantieren 3 Auflistungen der Kantaten: nach BWV-Nummern, alphabetisch und die Sortierung nach dem liturgischen Jahr. Schließlich folgt eine Aufstellung, welcher der insgesamt 38 Solisten in welcher Kantate singt. Eine kurzen Vorstellung des Aufnahmeortes in Kobe und eine detaillierte Aufstellung der Aufnahmedaten schließen das Booklet ab. Die sehr informativen Beschreibungen wie in den CD-Einzelausgaben sind hier nicht enthalten. Es wird aber auf eclassical.com, dem Download-Kauf-Portalvon BIS, verwiesen. Dort lassen sich die Beihefte als PDF herunterladen.

      Im 376seitigen Booklet sind die Texte sämtlicher Kantaten inklusive englischer Übersetzung enthalten. Überaus hilfreich sind die zwei Listen nach alphabetischem und nach Bach-Werke-Verzeichnis am Anfang.
      Die 55 Tonträger mit insgesamt 65 Stunden, 13 Minuten und 13 Sekunden Spielzeit befinden sich in Papphüllen. Suzuki und sein Ensemble nahmen die Kantaten nach (vermutlicher) Entstehung auf. Daher sind die CD-Cover nicht nur nummeriert, sondern auch in 5 Farben - jeweils nach Schaffensperioden - sortiert und gekennzeichnet.

      Über die Interpretation des Collegium Japan unter Suzuki wurde hier schon einiges geschrieben und hat dankenswerterweise dazu beigetragen, neben der bereits vorhandenen Gardiner-Box, noch diese hierzu kaufen. Es ist mühselig allgemein festzustellen, welche Aufnahme interpretatorisch besser ist. Das hängt doch zu sehr von den eigenen Vorlieben ab. Doch bevorzuge ich bei weitem die unaufgeregte (jedoch nicht ermüdende), flüssige und geradezu kontemplative Darstellung der Japaner.

      Nun zum Schmankerl dieser Box: Die Klangqualität ist über alle Zweifel erhaben. Die ersten 27 CDs wurden noch in Stereo aufgenommen. Die restlichen sind native SACDs. Man beschloss aber für diese Gesamt-Edition die Stereo -Einspielungen mit 5-Kanalton aufzumotzen. Und was soll man sagen - das gelang unglaublich nahtlos. Man sitzt von der ersten bis zu letzten SACD fast immer im nahezu identischen Raum. Voraussetzung ist aber, dass man über einen SACDfähigen Player verfügt. Wer die kostspielige Ausgabe für ein High-End-Gerät dieser Gattung scheut, sollte mal einen Blick auf Sony-Blu-ray-Player werfen. Einige der Einsteigermodelle können DSD (das SACD-Format) dekodieren.

      Für die Leistung, die in diesen Aufnahmen steckt, wird die Box mit z. Z. knapp 200 € erschreckend günstig angeboten.



      Gruß
      Josquin
    • BWV 101, 103, 115

      Gerade entdeckt: Philippe Herreweghe und das Collegium Vocale Gent haben 2017 auf dem Label Phi eine neue (die dritte?) Bach-Kantaten-CD herausgebracht:



      Kennt die Aufnahmen wer? Empfehlung?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Ich habe in den letzten Tagen noch einmal die Lutherkantaten Bachs in der Einspielung von Christoph Spering mit seinem kölner Ensemble, welche ich schon vor geraumer Zeit erworben hatte, angehört.


      Ich bin ziemlich hin und hergerissen, denn die Eingangschöre finde ich schrecklich: zu schnell, zu unfokussiert, zu schwach. Hervorragend hingegen sind alle Solisten und daher auch die Arien und Rezetative. Sogar der Counter, Benno Schachtner, gefällt mir sehr gut. Ein wirkliches Highlight ist BWV 4 ("Christ lag in Todesbanden"), das vom Solistenquartett Polak, Ruvio, Bruns und Bauer gesungen wird. Eine fantastische Interpretation!

      Insgesamt kann ich die Box also empfehlen, wenn auch die misslungenen Eingangschöre ein echter Pferdefuß sind.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.